Kapitel 41: Āstīka-parva (Fortsetzung): Die Ahnen in der Grube
Āstīka-parva (Fortsetzung): Jaratkāru sieht seine Ahnen kopfunter in einer Grube hängen und wird gebeten, den kinderlosen Jaratkāru zur Heirat zu bewegen — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)
Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,041.001“ bis „01,041.030“). Auf seiner asketischen Wanderung erblickt der Seher Jaratkāru seine eigenen Ahnen, kopfunter in einer Grube hängend, geklammert an ein Grasbüschel, dessen letzte Wurzel von einer Ratte (Sinnbild der Zeit) zernagt wird. Auf seine Frage hin erklären sie ihm, ohne ihn zu erkennen, dass ihr Geschlecht wegen des kinderlosen Verwandten Jaratkāru vor dem Aussterben stehe, und bitten ihn, sollte er jenen Jaratkāru treffen, ihn zur Heirat und Zeugung von Nachkommen zu bewegen — denn keine Askese und kein Opfer wiege die Nachkommenschaft auf. Diese berühmte Bild-Szene bildet den unmittelbaren Auslöser für Jaratkārus bevorstehende Heirat mit Vāsukis Schwester. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.
sūta uvāca | etasminn eva kāle tu jaratkārur mahātapāḥ | cacāra pṛthivīṃ kṛtsnāṃ yatrasāyaṃgṛho muniḥ
Sūta sprach: Zu eben dieser Zeit aber durchwanderte Jaratkāru, von großer Askese, die ganze Erde, der Muni, der nur dort sein Heim hatte, wo ihn der Abend traf,
Wort für Wort
sūta uvāca | etasminn eva kāle tu jaratkārur mahātapāḥ | cacāra pṛthivīṃ kṛtsnāṃ yatrasāyaṃgṛho muniḥ
Sūta sprach: Zu eben dieser Zeit aber durchwanderte Jaratkāru, von großer Askese, die ganze Erde, der Muni, der nur dort sein Heim hatte, wo ihn der Abend traf,
caran dīkṣāṃ mahātejā duścarām akṛtātmabhiḥ | tīrtheṣv āplavanaṃ kurvan puṇyeṣu vicacāra ha
eine schwer zu übende Weihe befolgend, von großem Glanz — eine Weihe, die von den nicht Selbstbeherrschten nicht zu üben ist —; Waschungen an heiligen Badeplätzen vollziehend, wanderte er an frommen Orten umher.
Wort für Wort
caran dīkṣāṃ mahātejā duścarām akṛtātmabhiḥ | tīrtheṣv āplavanaṃ kurvan puṇyeṣu vicacāra ha
eine schwer zu übende Weihe befolgend, von großem Glanz — eine Weihe, die von den nicht Selbstbeherrschten nicht zu üben ist —; Waschungen an heiligen Badeplätzen vollziehend, wanderte er an frommen Orten umher.
ekatantvavaśiṣṭaṃ vai vīraṇastambam āśritān | taṃ ca tantuṃ śanair ākhum ādadānaṃ bilāśrayam
an einem nur noch von einem einzigen Faden übrig gebliebenen Vīraṇa-Grasbüschel hängend, und wie eine Ratte, die in einem Loch lebte, allmählich diesen Faden benagte.
Wort für Wort
ekatantvavaśiṣṭaṃ vai vīraṇastambam āśritān | taṃ ca tantuṃ śanair ākhum ādadānaṃ bilāśrayam
an einem nur noch von einem einzigen Faden übrig gebliebenen Vīraṇa-Grasbüschel hängend, und wie eine Ratte, die in einem Loch lebte, allmählich diesen Faden benagte.
„Wer seid ihr, die ihr da hängt, an ein Vīraṇa-Grasbüschel geklammert, das schwach geworden ist durch die von einer im Loch wohnenden Ratte angenagten Wurzeln?
„Wer seid ihr, die ihr da hängt, an ein Vīraṇa-Grasbüschel geklammert, das schwach geworden ist durch die von einer im Loch wohnenden Ratte angenagten Wurzeln?
pitara ūcuḥ | ṛddho bhavān brahmacārī yo nas trātum ihecchati | na tu viprāgrya tapasā śakyam etad vyapohitum
Die Ahnen sprachen: „Erfolgreich bist du, Brahmacārin, der du uns hier zu retten wünschst; aber, o Bester der Weisen, dies kann durch Askese nicht abgewendet werden.
Wort für Wort
pitara ūcuḥ | ṛddho bhavān brahmacārī yo nas trātum ihecchati | na tu viprāgrya tapasā śakyam etad vyapohitum
Die Ahnen sprachen: „Erfolgreich bist du, Brahmacārin, der du uns hier zu retten wünschst; aber, o Bester der Weisen, dies kann durch Askese nicht abgewendet werden.
asti nas tāta tapasaḥ phalaṃ pravadatāṃ vara | saṃtānaprakṣayād brahman patāmo niraye 'śucau
Wir haben, mein Sohn, selbst die Frucht der Askese, du Bester der Redekundigen; doch wegen des Erlöschens unserer Nachkommenschaft, o Brahmane, fallen wir in die unreine Hölle.
Wort für Wort
asti nas tāta tapasaḥ phalaṃ pravadatāṃ vara | saṃtānaprakṣayād brahman patāmo niraye 'śucau
Wir haben, mein Sohn, selbst die Frucht der Askese, du Bester der Redekundigen; doch wegen des Erlöschens unserer Nachkommenschaft, o Brahmane, fallen wir in die unreine Hölle.
lambatām iha nas tāta na jñānaṃ pratibhāti vai | yena tvāṃ nābhijānīmo loke vikhyātapauruṣam
Dass wir hier hängen, mein Sohn — dadurch erscheint uns keine klare Erkenntnis mehr; darum erkennen wir dich nicht, der du in der Welt für deine Manneskraft berühmt bist.
Wort für Wort
lambatām iha nas tāta na jñānaṃ pratibhāti vai | yena tvāṃ nābhijānīmo loke vikhyātapauruṣam
Dass wir hier hängen, mein Sohn — dadurch erscheint uns keine klare Erkenntnis mehr; darum erkennen wir dich nicht, der du in der Welt für deine Manneskraft berühmt bist.
ṛddho bhavān mahābhāgo yo naḥ śocyān suduḥkhitān | śocasy upetya kāruṇyāc chṛṇu ye vai vayaṃ dvija
Erfolgreich bist du, hochgesegnet, der du uns Beklagenswerte, überaus Leidgeplagte, aus Mitleid herangetreten, beklagst; höre, wer wir sind, o Zweifachgeborener:
Wort für Wort
ṛddho bhavān mahābhāgo yo naḥ śocyān suduḥkhitān | śocasy upetya kāruṇyāc chṛṇu ye vai vayaṃ dvija
Erfolgreich bist du, hochgesegnet, der du uns Beklagenswerte, überaus Leidgeplagte, aus Mitleid herangetreten, beklagst; höre, wer wir sind, o Zweifachgeborener:
Mit Namen Yāyāvaras sind wir, Seher von strengem Gelübde; aus der frommen Welt sind wir hierher gestürzt, wegen des Erlöschens unserer Nachkommenschaft, o Mächtiger.
Mit Namen Yāyāvaras sind wir, Seher von strengem Gelübde; aus der frommen Welt sind wir hierher gestürzt, wegen des Erlöschens unserer Nachkommenschaft, o Mächtiger.
pranaṣṭaṃ nas tapaḥ puṇyaṃ na hi nas tantur asti vai | asti tv eko 'dya nas tantuḥ so 'pi nāsti yathā tathā
Verloren ist unsere fromme Askese, denn wir haben keinen Nachkommen-Faden mehr; es gibt zwar heute noch einen einzigen Faden von uns, doch der ist so gut wie nicht vorhanden.
Wort für Wort
pranaṣṭaṃ nas tapaḥ puṇyaṃ na hi nas tantur asti vai | asti tv eko 'dya nas tantuḥ so 'pi nāsti yathā tathā
Verloren ist unsere fromme Askese, denn wir haben keinen Nachkommen-Faden mehr; es gibt zwar heute noch einen einzigen Faden von uns, doch der ist so gut wie nicht vorhanden.
mandabhāgyo 'lpabhāgyānāṃ bandhuḥ sa kila naḥ kule | jaratkārur iti khyāto vedavedāṅgapāragaḥ | niyatātmā mahātmā ca suvrataḥ sumahātapāḥ
Von geringem Glück, der Verwandte von uns Wenig-Beglückten in unserem Geschlecht, ist bekannt unter dem Namen Jaratkāru, ein Meister der Veden und Vedāṅgas, von gezügeltem Selbst, hochgesinnt, dem guten Gelübde treu, von überaus großer Askese.
Wort für Wort
mandabhāgyo 'lpabhāgyānāṃ bandhuḥ sa kila naḥ kule | jaratkārur iti khyāto vedavedāṅgapāragaḥ | niyatātmā mahātmā ca suvrataḥ sumahātapāḥ
Von geringem Glück, der Verwandte von uns Wenig-Beglückten in unserem Geschlecht, ist bekannt unter dem Namen Jaratkāru, ein Meister der Veden und Vedāṅgas, von gezügeltem Selbst, hochgesinnt, dem guten Gelübde treu, von überaus großer Askese.
tasmāl lambāmahe garte naṣṭasaṃjñā hy anāthavat | sa vaktavyas tvayā dṛṣṭvā asmākaṃ nāthavattayā
Deshalb hängen wir in der Grube, der Besinnung beraubt, gleichsam ohne Beschützer; er soll von dir, nachdem du uns gesehen hast, angesprochen werden, uns wieder einen Beschützer zu geben.
Wort für Wort
tasmāl lambāmahe garte naṣṭasaṃjñā hy anāthavat | sa vaktavyas tvayā dṛṣṭvā asmākaṃ nāthavattayā
Deshalb hängen wir in der Grube, der Besinnung beraubt, gleichsam ohne Beschützer; er soll von dir, nachdem du uns gesehen hast, angesprochen werden, uns wieder einen Beschützer zu geben.
pitaras te 'valambante garte dīnā adhomukhāḥ | sādhu dārān kuruṣveti prajāyasveti cābhibho | kulatantur hi naḥ śiṣṭas tvam evaikas tapodhana
‚Deine Ahnen hängen in der Grube, elend, mit dem Kopf nach unten: Nimm doch, bitte, eine Gattin, und zeuge Nachkommen, o Herr! Denn du allein bist der übriggebliebene Faden unseres Geschlechts, o Asketenreicher.'
Wort für Wort
pitaras te 'valambante garte dīnā adhomukhāḥ | sādhu dārān kuruṣveti prajāyasveti cābhibho | kulatantur hi naḥ śiṣṭas tvam evaikas tapodhana
‚Deine Ahnen hängen in der Grube, elend, mit dem Kopf nach unten: Nimm doch, bitte, eine Gattin, und zeuge Nachkommen, o Herr! Denn du allein bist der übriggebliebene Faden unseres Geschlechts, o Asketenreicher.'
yaṃ tu paśyasi no brahman vīraṇastambam āśritān | eṣo 'smākaṃ kulastamba āsīt svakulavardhanaḥ
Das Vīraṇa-Grasbüschel aber, an das geklammert du uns siehst, o Brahmane — dies war einst der Stamm unseres Geschlechts, der Mehrer seines eigenen Geschlechts.
Wort für Wort
yaṃ tu paśyasi no brahman vīraṇastambam āśritān | eṣo 'smākaṃ kulastamba āsīt svakulavardhanaḥ
Das Vīraṇa-Grasbüschel aber, an das geklammert du uns siehst, o Brahmane — dies war einst der Stamm unseres Geschlechts, der Mehrer seines eigenen Geschlechts.
yāni paśyasi vai brahman mūlānīhāsya vīrudhaḥ | ete nas tantavas tāta kālena paribhakṣitāḥ
Die Wurzeln, die du an dieser Pflanze hier siehst, o Brahmane — dies sind unsere Nachkommen-Fäden, mein Sohn, die von der Zeit nach und nach aufgefressen wurden.
Wort für Wort
yāni paśyasi vai brahman mūlānīhāsya vīrudhaḥ | ete nas tantavas tāta kālena paribhakṣitāḥ
Die Wurzeln, die du an dieser Pflanze hier siehst, o Brahmane — dies sind unsere Nachkommen-Fäden, mein Sohn, die von der Zeit nach und nach aufgefressen wurden.
Die Ratte, die du siehst, o Brahmane — dies ist die überaus mächtige Zeit; sie zerstört, ihn beißend, allmählich jenen an der Askese hängenden, achtlosen Jaratkāru, der gierig nach Askese ist, von schwachem Sinn und Unbedacht.
Die Ratte, die du siehst, o Brahmane — dies ist die überaus mächtige Zeit; sie zerstört, ihn beißend, allmählich jenen an der Askese hängenden, achtlosen Jaratkāru, der gierig nach Askese ist, von schwachem Sinn und Unbedacht.
na hi nas tat tapas tasya tārayiṣyati sattama | chinnamūlān paribhraṣṭān kālopahatacetasaḥ | narakapratiṣṭhān paśyāsmān yathā duṣkṛtinas tathā
Denn jene Askese von ihm wird uns nicht erretten, o Bester; sieh uns, mit durchtrennter Wurzel, gänzlich Gefallene, von der Zeit an Verstand Geschlagene, in der Hölle Verankerte — als wären wir Übeltäter.
Wort für Wort
na hi nas tat tapas tasya tārayiṣyati sattama | chinnamūlān paribhraṣṭān kālopahatacetasaḥ | narakapratiṣṭhān paśyāsmān yathā duṣkṛtinas tathā
Denn jene Askese von ihm wird uns nicht erretten, o Bester; sieh uns, mit durchtrennter Wurzel, gänzlich Gefallene, von der Zeit an Verstand Geschlagene, in der Hölle Verankerte — als wären wir Übeltäter.
tapo vāpy athavā yajño yac cānyat pāvanaṃ mahat | tat sarvaṃ na samaṃ tāta saṃtatyeti satāṃ matam
Askese oder auch Opfer, oder was sonst noch groß und läuternd ist — all das reicht nicht an Nachkommenschaft heran, mein Sohn — so ist die Ansicht der Rechtschaffenen.
Wort für Wort
tapo vāpy athavā yajño yac cānyat pāvanaṃ mahat | tat sarvaṃ na samaṃ tāta saṃtatyeti satāṃ matam
Askese oder auch Opfer, oder was sonst noch groß und läuternd ist — all das reicht nicht an Nachkommenschaft heran, mein Sohn — so ist die Ansicht der Rechtschaffenen.
yathā dārān prakuryāt sa putrāṃś cotpādayed yathā | tathā brahmaṃs tvayā vācyaḥ so 'smākaṃ nāthavattayā
Wie er eine Gattin nehmen und wie er Söhne zeugen möge — so sollst du, Brahmane, zu ihm sprechen, uns wieder einen Beschützer zu geben.“
Wort für Wort
yathā dārān prakuryāt sa putrāṃś cotpādayed yathā | tathā brahmaṃs tvayā vācyaḥ so 'smākaṃ nāthavattayā
Wie er eine Gattin nehmen und wie er Söhne zeugen möge — so sollst du, Brahmane, zu ihm sprechen, uns wieder einen Beschützer zu geben.“
[Anm.: Adhyāya 41 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei. Der Muni, der die Ahnen sieht, ist Jaratkāru selbst (vgl. V.1); die Ahnen sprechen ihn an, ohne zu ahnen, dass er zugleich der von ihnen beklagte, kinderlose Nachkomme ist — dies wird sich im folgenden Adhyāya klären. Die berühmte Bild-Szene (Ahnen kopfunter über einer von einer Ratte zernagten Wurzel hängend) illustriert die zentrale Lehre von der unabdingbaren Notwendigkeit der Nachkommenschaft (saṃtāna) zur Sicherung des Ahnenkults.]