Kapitel 110: Pāṇḍor Vairāgyam
Pāṇḍus Entsagung und Aufbruch zum Śataśṛṅga
Vom Fluch erschüttert, beschließt Pāṇḍu, nach dem Vorbild seines eigenen, jung verstorbenen Vaters (Vyāsa) ein Leben strengster Askese zu führen, und beschreibt ausführlich die Entsagungsregeln, denen er künftig folgen will. Kuntī und Mādrī bestehen darauf, ihn zu begleiten, und drohen andernfalls mit dem eigenen Tod; Pāṇḍu willigt in ein gemeinsames, keusches Asketenleben ein. Er verteilt seinen gesamten Schmuck an Brahmanen, lässt seine Abreise in Nāgapura verkünden und zieht mit seinen Gattinnen über den Himālaya bis zum Berg Śataśṛṅga, wo er sich als Asket niederlässt.
Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem er dem Verstorbenen, wie einem eigenen Verwandten, die gebührenden Riten erwiesen hatte, wehklagte der König, zusammen mit seiner Gattin, von Kummer und Schmerz gequält, in seiner Not.
Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem er dem Verstorbenen, wie einem eigenen Verwandten, die gebührenden Riten erwiesen hatte, wehklagte der König, zusammen mit seiner Gattin, von Kummer und Schmerz gequält, in seiner Not.
[Anm.: ‚taṃ vyatītam atikramya' ist knapp formuliert und lässt sich auch als ‚nachdem er über den Verstorbenen hinweggegangen war' verstehen; hier im Sinne der vollzogenen Bestattungsriten gedeutet.]
pāṇḍur uvāca satām api kule jātāḥ karmaṇā bata durgatim prāpnuvanty akṛtātmānaḥ kāmajālavimohitāḥ
Pāṇḍu sprach: Selbst in einem Geschlecht von Rechtschaffenen Geborene geraten, ach, durch ihr Handeln, wenn sie ihr Selbst nicht gemeistert haben, vom Netz der Begierde verblendet, ins Unglück.
Wort für Wort
pāṇḍur uvāca satām api kule jātāḥ karmaṇā bata durgatim prāpnuvanty akṛtātmānaḥ kāmajālavimohitāḥ
Pāṇḍu sprach: Selbst in einem Geschlecht von Rechtschaffenen Geborene geraten, ach, durch ihr Handeln, wenn sie ihr Selbst nicht gemeistert haben, vom Netz der Begierde verblendet, ins Unglück.
śaśvad dharmātmanā jāto bāla eva pitā mama jīvitāntam anuprāptaḥ kāmātmaiveti naḥ śrutam
Mein Vater, von einem stets frommgesinnten Ahnen geboren, gelangte schon als Knabe an das Ende seines Lebens – ‚einzig aus Sinnlichkeit', so haben wir gehört.
Wort für Wort
śaśvad dharmātmanā jāto bāla eva pitā mama jīvitāntam anuprāptaḥ kāmātmaiveti naḥ śrutam
Mein Vater, von einem stets frommgesinnten Ahnen geboren, gelangte schon als Knabe an das Ende seines Lebens – ‚einzig aus Sinnlichkeit', so haben wir gehört.
Nun, im gleichen Unglück wie er, ist auch mir dieser niedrige Sinn entstanden – mir, von den Göttern verlassen, böser Gesinnung, wegen des Unrechts bei der Jagd.
Nun, im gleichen Unglück wie er, ist auch mir dieser niedrige Sinn entstanden – mir, von den Göttern verlassen, böser Gesinnung, wegen des Unrechts bei der Jagd.
mokṣam eva vyavasyāmi bandho hi vyasanaṃ mahat suvṛttim anuvartiṣye tām ahaṃ pitur avyayām atīva tapasātmānaṃ yojayiṣyāmy asaṃśayam
Ich beschließe eben die Erlösung; denn Bindung ist ein großes Unglück. Ich will jenem unvergänglichen guten Wandel meines Vaters folgen; ohne Zweifel will ich mein Selbst gänzlich der Askese hingeben.
Wort für Wort
mokṣam eva vyavasyāmi bandho hi vyasanaṃ mahat suvṛttim anuvartiṣye tām ahaṃ pitur avyayām atīva tapasātmānaṃ yojayiṣyāmy asaṃśayam
Ich beschließe eben die Erlösung; denn Bindung ist ein großes Unglück. Ich will jenem unvergänglichen guten Wandel meines Vaters folgen; ohne Zweifel will ich mein Selbst gänzlich der Askese hingeben.
alle vier Arten von beweglichen und unbeweglichen Wesen nicht verletzend, stets allen Lebewesen gegenüber gleichgesinnt wie gegenüber den eigenen Kindern,
alle vier Arten von beweglichen und unbeweglichen Wesen nicht verletzend, stets allen Lebewesen gegenüber gleichgesinnt wie gegenüber den eigenen Kindern,
immer nur wenig essend, wie es sich ziemt, mitunter vom zuvor Erlangten, niemals das rechte Maß überschreitend, ob mit oder ohne Gewinn die sieben Häuser vollendend,
immer nur wenig essend, wie es sich ziemt, mitunter vom zuvor Erlangten, niemals das rechte Maß überschreitend, ob mit oder ohne Gewinn die sieben Häuser vollendend,
dem einen, der mit dem Beil den Arm behaut, und dem anderen, der ihn mit Sandelpaste besalbt, weder Unheil noch Heil wünschend gegenüber diesen beiden,
dem einen, der mit dem Beil den Arm behaut, und dem anderen, der ihn mit Sandelpaste besalbt, weder Unheil noch Heil wünschend gegenüber diesen beiden,
alle jene Handlungen zum Wohlergehen, die ein Lebender vollbringen kann, gänzlich hinter sich lassend, im bloßen Verstreichen der Augenblicke verharrend,
alle jene Handlungen zum Wohlergehen, die ein Lebender vollbringen kann, gänzlich hinter sich lassend, im bloßen Verstreichen der Augenblicke verharrend,
in all diesen Zuständen alle Sinnestätigkeit aufgegeben, die weltliche Pflicht gänzlich hinter sich gelassen, mit wohlgereinigtem, von Makel befreitem Selbst,
in all diesen Zuständen alle Sinnestätigkeit aufgegeben, die weltliche Pflicht gänzlich hinter sich gelassen, mit wohlgereinigtem, von Makel befreitem Selbst,
[Anm.: ‚saṃparityaktadharmātmā' (‚die Pflicht gänzlich verlassen habend') meint vermutlich den Verzicht auf die weltliche Haushalter-Pflicht zugunsten der höheren Asketen-Pflicht, nicht Pflichtlosigkeit im eigentlichen Sinn.]
Nicht will ich mich an dem von Hunden begangenen Weg erfreuen, der Kraftlosen und Elenden geziemt, der stets von der eigenen Pflicht abgewichen ist, meiner Tatkraft beraubt.
Nicht will ich mich an dem von Hunden begangenen Weg erfreuen, der Kraftlosen und Elenden geziemt, der stets von der eigenen Pflicht abgewichen ist, meiner Tatkraft beraubt.
satkṛto 'saktṛto vāpi yo 'nyāṃ kṛpaṇacakṣuṣā upaiti vṛttiṃ kāmātmā sa śunāṃ vartate pathi
Ob geehrt oder nicht geehrt – wer, von Begierde beherrscht, mit dem Blick eines Elenden eine andere Lebensweise ergreift, der wandelt auf dem Pfad der Hunde.
Wort für Wort
satkṛto 'saktṛto vāpi yo 'nyāṃ kṛpaṇacakṣuṣā upaiti vṛttiṃ kāmātmā sa śunāṃ vartate pathi
Ob geehrt oder nicht geehrt – wer, von Begierde beherrscht, mit dem Blick eines Elenden eine andere Lebensweise ergreift, der wandelt auf dem Pfad der Hunde.
brāhmaṇāś ca mahātmānaḥ somapāḥ saṃśitavratāḥ pauravṛddhāś ca ye tatra nivasanty asmadāśrayāḥ prasādya sarve vaktavyāḥ pāṇḍuḥ pravrajito vanam
die hochgesinnten Brahmanen, die Soma-Trinker von strengen Gelübden, und die betagten Pauravas, die dort auf uns angewiesen wohnen – ihnen allen soll, nachdem sie besänftigt worden sind, gesagt werden: Pāṇḍu ist in den Wald gezogen.'
Wort für Wort
brāhmaṇāś ca mahātmānaḥ somapāḥ saṃśitavratāḥ pauravṛddhāś ca ye tatra nivasanty asmadāśrayāḥ prasādya sarve vaktavyāḥ pāṇḍuḥ pravrajito vanam
die hochgesinnten Brahmanen, die Soma-Trinker von strengen Gelübden, und die betagten Pauravas, die dort auf uns angewiesen wohnen – ihnen allen soll, nachdem sie besänftigt worden sind, gesagt werden: Pāṇḍu ist in den Wald gezogen.'
anye 'pi hy āśramāḥ santi ye śakyā bharatarṣabha āvābhyāṃ dharmapatnībhyāṃ saha taptvā tapo mahat tvam eva bhavitā sārthaḥ svargasyāpi na saṃśayaḥ
‚Es gibt doch auch andere Einsiedeleien, o Stier der Bharatas, in denen es möglich ist – zusammen mit uns beiden, deinen rechtmäßigen Gattinnen, große Askese übend, wirst gerade du selbst des Himmels teilhaftig werden, ohne Zweifel.
Wort für Wort
anye 'pi hy āśramāḥ santi ye śakyā bharatarṣabha āvābhyāṃ dharmapatnībhyāṃ saha taptvā tapo mahat tvam eva bhavitā sārthaḥ svargasyāpi na saṃśayaḥ
‚Es gibt doch auch andere Einsiedeleien, o Stier der Bharatas, in denen es möglich ist – zusammen mit uns beiden, deinen rechtmäßigen Gattinnen, große Askese übend, wirst gerade du selbst des Himmels teilhaftig werden, ohne Zweifel.
Alle Lust und Sitte des Dorflebens aufgegeben, große Askese übend, in Baumrinde gekleidet, von Früchten und Wurzeln lebend, will ich im großen Wald umherziehen.
Alle Lust und Sitte des Dorflebens aufgegeben, große Askese übend, in Baumrinde gekleidet, von Früchten und Wurzeln lebend, will ich im großen Wald umherziehen.
Zu beiden Tageszeiten das Feueropfer darbringend, zu beiden Zeiten die rituelle Waschung vollziehend, abgemagert, mit begrenzter Nahrung, in Lumpen, Fell und Jaṭā-Haar gekleidet,
Zu beiden Tageszeiten das Feueropfer darbringend, zu beiden Zeiten die rituelle Waschung vollziehend, abgemagert, mit begrenzter Nahrung, in Lumpen, Fell und Jaṭā-Haar gekleidet,
ekāntaśīlī vimṛśan pakvāpakvena vartayan pitṝn devāṃś ca vanyena vāgbhir adbhiś ca tarpayan
die Einsamkeit liebend, nachsinnend, von Gekochtem und Ungekochtem lebend, die Ahnen und Götter mit Waldfrüchten, mit heiligen Worten und mit Wasser erfreuend,
Wort für Wort
ekāntaśīlī vimṛśan pakvāpakvena vartayan pitṝn devāṃś ca vanyena vāgbhir adbhiś ca tarpayan
die Einsamkeit liebend, nachsinnend, von Gekochtem und Ungekochtem lebend, die Ahnen und Götter mit Waldfrüchten, mit heiligen Worten und mit Wasser erfreuend,
vaiśaṃpāyana uvāca ity evam uktvā bhārye te rājā kauravavaṃśajaḥ tataś cūḍāmaṇiṃ niṣkam aṅgade kuṇḍalāni ca vāsāṃsi ca mahārhāṇi strīṇām ābharaṇāni ca
Vaiśaṃpāyana sprach: So zu seinen beiden Gattinnen sprechend, gab der König aus dem Kaurava-Geschlecht darauf den Scheitelschmuck, das Halsgeschmeide, die Armreifen, die Ohrringe, die kostbaren Gewänder und den Frauenschmuck fort,
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca ity evam uktvā bhārye te rājā kauravavaṃśajaḥ tataś cūḍāmaṇiṃ niṣkam aṅgade kuṇḍalāni ca vāsāṃsi ca mahārhāṇi strīṇām ābharaṇāni ca
Vaiśaṃpāyana sprach: So zu seinen beiden Gattinnen sprechend, gab der König aus dem Kaurava-Geschlecht darauf den Scheitelschmuck, das Halsgeschmeide, die Armreifen, die Ohrringe, die kostbaren Gewänder und den Frauenschmuck fort,
Da vernahmen sein Gefolge und jene Diener die vielfältigen, mitleiderregenden Worte des Löwen der Bharatas; mit furchtbarer, schmerzerfüllter Stimme schrien sie ‚O weh!'
Da vernahmen sein Gefolge und jene Diener die vielfältigen, mitleiderregenden Worte des Löwen der Bharatas; mit furchtbarer, schmerzerfüllter Stimme schrien sie ‚O weh!'