Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 128: Drupadaparājayaḥ Drupadas Niederlage (Gurudakṣiṇā)

Als Lehrgeld verlangt Droṇa von seinen Schülern nichts anderes als die Gefangennahme Drupadas. Die Pāṇḍu- und Kuru-Prinzen erobern daraufhin das Reich der Pāñcālas und bringen Drupada gedemütigt vor Droṇa. Dieser verschont ihn, erinnert ihn höhnisch an ihre einstige Freundschaft und schenkt ihm dann, als vermeintliche Wiederherstellung der Gleichrangigkeit, die Hälfte des Königreichs – Droṇa selbst wird Herrscher nördlich, Drupada südlich der Gaṅgā. Drupada, gedemütigt und von der Feindschaft besessen, erkennt seine Unterlegenheit gegenüber brahmanischer Kraft und fasst den Entschluss, sich einen Sohn zur Rache zu wünschen – eine Vorausdeutung auf die spätere Geburt Dhṛṣṭadyumnas.

vaiśaṃpāyana uvāca tataḥ śiṣyān samānīya ācāryārtham acodayat droṇaḥ sarvān aśeṣeṇa dakṣiṇārthaṃ mahīpate

Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf versammelte Droṇa alle seine Schüler und forderte sie vollständig zur Zahlung des Lehrgelds für den Lehrer auf, o Herrscher der Erde.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tataḥ śiṣyān samānīya ācāryārtham acodayat droṇaḥ sarvān aśeṣeṇa dakṣiṇārthaṃ mahīpate
Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf versammelte Droṇa alle seine Schüler und forderte sie vollständig zur Zahlung des Lehrgelds für den Lehrer auf, o Herrscher der Erde.

pāñcālarājaṃ drupadaṃ gṛhītvā raṇamūrdhani paryānayata bhadraṃ vaḥ sā syāt paramadakṣiṇā

‚Ergreift den Pāñcāla-König Drupada an der Spitze der Schlacht und bringt ihn her – Heil euch! Das sei das höchste Lehrgeld.'

Wort für Wort
pāñcālarājaṃ drupadaṃ gṛhītvā raṇamūrdhani paryānayata bhadraṃ vaḥ sā syāt paramadakṣiṇā
‚Ergreift den Pāñcāla-König Drupada an der Spitze der Schlacht und bringt ihn her – Heil euch! Das sei das höchste Lehrgeld.'

tathety uktvā tu te sarve rathais tūrṇaṃ prahāriṇaḥ ācāryadhanadānārthaṃ droṇena sahitā yayuḥ

‚So sei es', sprachen sie alle und zogen rasch auf ihren Wagen, die Kämpfer, zusammen mit Droṇa, um dem Lehrer den geforderten Lohn zu verschaffen.

Wort für Wort
tathety uktvā tu te sarve rathais tūrṇaṃ prahāriṇaḥ ācāryadhanadānārthaṃ droṇena sahitā yayuḥ
‚So sei es', sprachen sie alle und zogen rasch auf ihren Wagen, die Kämpfer, zusammen mit Droṇa, um dem Lehrer den geforderten Lohn zu verschaffen.

tato 'bhijagmuḥ pāñcālān nighnantas te nararṣabhāḥ mamṛdus tasya nagaraṃ drupadasya mahaujasaḥ

Darauf fielen sie über die Pāñcālas her, sie niederschlagend, die Stiere unter den Männern, und zermalmten die Stadt des hochgewaltigen Drupada.

Wort für Wort
tato 'bhijagmuḥ pāñcālān nighnantas te nararṣabhāḥ mamṛdus tasya nagaraṃ drupadasya mahaujasaḥ
Darauf fielen sie über die Pāñcālas her, sie niederschlagend, die Stiere unter den Männern, und zermalmten die Stadt des hochgewaltigen Drupada.

te yajñasenaṃ drupadaṃ gṛhītvā raṇamūrdhani upājahruḥ sahāmātyaṃ droṇāya bharatarṣabhāḥ

Sie ergriffen Yajñasena Drupada an der Spitze der Schlacht und brachten ihn samt seinen Ministern zu Droṇa, die Stiere der Bharatas.

Wort für Wort
te yajñasenaṃ drupadaṃ gṛhītvā raṇamūrdhani upājahruḥ sahāmātyaṃ droṇāya bharatarṣabhāḥ
Sie ergriffen Yajñasena Drupada an der Spitze der Schlacht und brachten ihn samt seinen Ministern zu Droṇa, die Stiere der Bharatas.

bhagnadarpaṃ hṛtadhanaṃ tathā ca vaśam āgatam sa vairaṃ manasā dhyātvā droṇo drupadam abravīt

Ihn, dessen Stolz gebrochen, dessen Reichtum geraubt und der nunmehr in seiner Gewalt war, sprach Droṇa an, an ihre Feindschaft im Herzen denkend:

Wort für Wort
bhagnadarpaṃ hṛtadhanaṃ tathā ca vaśam āgatam sa vairaṃ manasā dhyātvā droṇo drupadam abravīt
Ihn, dessen Stolz gebrochen, dessen Reichtum geraubt und der nunmehr in seiner Gewalt war, sprach Droṇa an, an ihre Feindschaft im Herzen denkend:

pramṛdya tarasā rāṣṭraṃ puraṃ te mṛditaṃ mayā prāpya jīvan ripuvaśaṃ sakhipūrvaṃ kim iṣyate

‚Nachdem ich rasch dein Reich zermalmt und deine Stadt zerstört habe – nun, da du lebend in der Gewalt deines Feindes bist, was soll da eine frühere Freundschaft noch gelten?'

Wort für Wort
pramṛdya tarasā rāṣṭraṃ puraṃ te mṛditaṃ mayā prāpya jīvan ripuvaśaṃ sakhipūrvaṃ kim iṣyate
‚Nachdem ich rasch dein Reich zermalmt und deine Stadt zerstört habe – nun, da du lebend in der Gewalt deines Feindes bist, was soll da eine frühere Freundschaft noch gelten?'

evam uktvā prahasyainaṃ niścitya punar abravīt mā bhaiḥ prāṇabhayād rājan kṣamiṇo brāhmaṇā vayam

So sprach er, lachte ihn aus, und nach einem Entschluss sprach er wieder: ‚Fürchte nicht um dein Leben, o König – wir Brahmanen sind nachsichtig.'

Wort für Wort
evam uktvā prahasyainaṃ niścitya punar abravīt mā bhaiḥ prāṇabhayād rājan kṣamiṇo brāhmaṇā vayam
So sprach er, lachte ihn aus, und nach einem Entschluss sprach er wieder: ‚Fürchte nicht um dein Leben, o König – wir Brahmanen sind nachsichtig.'

āśrame krīḍitaṃ yat tu tvayā bālye mayā saha tena saṃvardhitaḥ snehas tvayā me kṣatriyarṣabha

‚Was du in der Kindheit mit mir zusammen in der Einsiedelei gespielt hast, dadurch wuchs meine Zuneigung zu dir, o Stier unter den Kṣatriyas.'

Wort für Wort
āśrame krīḍitaṃ yat tu tvayā bālye mayā saha tena saṃvardhitaḥ snehas tvayā me kṣatriyarṣabha
‚Was du in der Kindheit mit mir zusammen in der Einsiedelei gespielt hast, dadurch wuchs meine Zuneigung zu dir, o Stier unter den Kṣatriyas.'

prārthayeyaṃ tvayā sakhyaṃ punar eva nararṣabha varaṃ dadāmi te rājan rājyasyārdham avāpnuhi

‚Ich möchte wieder um deine Freundschaft bitten, o Stier unter den Männern; ein Gnadengeschenk gebe ich dir, o König: erhalte die Hälfte deines Königreichs.'

Wort für Wort
prārthayeyaṃ tvayā sakhyaṃ punar eva nararṣabha varaṃ dadāmi te rājan rājyasyārdham avāpnuhi
‚Ich möchte wieder um deine Freundschaft bitten, o Stier unter den Männern; ein Gnadengeschenk gebe ich dir, o König: erhalte die Hälfte deines Königreichs.'

arājā kila no rājñāṃ sakhā bhavitum arhati ataḥ prayatitaṃ rājye yajñasena mayā tava

‚Ein Nicht-König verdient es nämlich nicht, der Freund von Königen zu sein; darum habe ich mich um ein Königreich für dich bemüht, o Yajñasena.'

Wort für Wort
arājā kila no rājñāṃ sakhā bhavitum arhati ataḥ prayatitaṃ rājye yajñasena mayā tava
‚Ein Nicht-König verdient es nämlich nicht, der Freund von Königen zu sein; darum habe ich mich um ein Königreich für dich bemüht, o Yajñasena.'

rājāsi dakṣiṇe kūle bhāgīrathyāham uttare sakhāyaṃ māṃ vijānīhi pāñcāla yadi manyase

‚Du bist König am Südufer der Bhāgīrathī, ich am Nordufer – erkenne mich als deinen Freund, Pāñcāla, wenn du magst.'

Wort für Wort
rājāsi dakṣiṇe kūle bhāgīrathyāham uttare sakhāyaṃ māṃ vijānīhi pāñcāla yadi manyase
‚Du bist König am Südufer der Bhāgīrathī, ich am Nordufer – erkenne mich als deinen Freund, Pāñcāla, wenn du magst.'

drupada uvāca anāścaryam idaṃ brahman vikrānteṣu mahātmasu prīye tvayāhaṃ tvattaś ca prītim icchāmi śāśvatīm

Drupada sprach: ‚Das ist nicht verwunderlich, Brahmane, bei hochherzigen, tapferen Männern; ich bin dir zugetan und wünsche von dir ewige Zuneigung.'

Wort für Wort
drupada uvāca anāścaryam idaṃ brahman vikrānteṣu mahātmasu prīye tvayāhaṃ tvattaś ca prītim icchāmi śāśvatīm
Drupada sprach: ‚Das ist nicht verwunderlich, Brahmane, bei hochherzigen, tapferen Männern; ich bin dir zugetan und wünsche von dir ewige Zuneigung.'

vaiśaṃpāyana uvāca evam uktas tu taṃ droṇo mokṣayām āsa bhārata satkṛtya cainaṃ prītātmā rājyārdhaṃ pratyapādayat

Vaiśaṃpāyana sprach: So angesprochen, ließ Droṇa ihn frei, o Bhārata, ehrte ihn, und, wohlgesonnenen Herzens, übergab er ihm die Hälfte des Königreichs.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca evam uktas tu taṃ droṇo mokṣayām āsa bhārata satkṛtya cainaṃ prītātmā rājyārdhaṃ pratyapādayat
Vaiśaṃpāyana sprach: So angesprochen, ließ Droṇa ihn frei, o Bhārata, ehrte ihn, und, wohlgesonnenen Herzens, übergab er ihm die Hälfte des Königreichs.

mākandīm atha gaṅgāyās tīre janapadāyutām so 'dhyāvasad dīnamanāḥ kāmpilyaṃ ca purottamam dakṣiṇāṃś caiva pāñcālān yāvac carmaṇvatī nadī

Da bewohnte er, niedergeschlagenen Sinnes, Mākandī am Gaṅgā-Ufer, reich an Landvolk, und Kāmpilya, die vorzüglichste Stadt, sowie die südlichen Pāñcālas bis zum Fluss Carmaṇvatī.

Wort für Wort
mākandīm atha gaṅgāyās tīre janapadāyutām so 'dhyāvasad dīnamanāḥ kāmpilyaṃ ca purottamam dakṣiṇāṃś caiva pāñcālān yāvac carmaṇvatī nadī
Da bewohnte er, niedergeschlagenen Sinnes, Mākandī am Gaṅgā-Ufer, reich an Landvolk, und Kāmpilya, die vorzüglichste Stadt, sowie die südlichen Pāñcālas bis zum Fluss Carmaṇvatī.

droṇena vairaṃ drupadaḥ saṃsmaran na śaśāma ha kṣātreṇa ca balenāsya nāpaśyat sa parājayam

Drupada, der Feindschaft mit Droṇa stets gedenkend, kam nicht zur Ruhe; und mit der Kraft der Kṣatriyas allein sah er keine Möglichkeit, ihn zu besiegen.

Wort für Wort
droṇena vairaṃ drupadaḥ saṃsmaran na śaśāma ha kṣātreṇa ca balenāsya nāpaśyat sa parājayam
Drupada, der Feindschaft mit Droṇa stets gedenkend, kam nicht zur Ruhe; und mit der Kraft der Kṣatriyas allein sah er keine Möglichkeit, ihn zu besiegen.

hīnaṃ viditvā cātmānaṃ brāhmaṇena balena ca putrajanma parīpsan vai sa rājā tad adhārayat ahicchatraṃ ca viṣayaṃ droṇaḥ samabhipadyata

Und da er erkannte, dass er der brahmanischen Kraft unterlegen war, hegte jener König den Wunsch nach der Geburt eines Sohnes und hielt daran fest; Droṇa aber gelangte in den Besitz des Landes Ahicchatra.

Wort für Wort
hīnaṃ viditvā cātmānaṃ brāhmaṇena balena ca putrajanma parīpsan vai sa rājā tad adhārayat ahicchatraṃ ca viṣayaṃ droṇaḥ samabhipadyata
Und da er erkannte, dass er der brahmanischen Kraft unterlegen war, hegte jener König den Wunsch nach der Geburt eines Sohnes und hielt daran fest; Droṇa aber gelangte in den Besitz des Landes Ahicchatra.

[Anm.: Vorausdeutung auf die spätere Geburt Dhṛṣṭadyumnas, der Droṇa im Krieg töten wird.

evaṃ rājann ahicchatrā purī janapadāyutā yudhi nirjitya pārthena droṇāya pratipāditā

So wurde, o König, die Stadt Ahicchatra, reich an Landvolk, nachdem sie vom Sohn Pṛthās im Kampf erobert worden war, dem Droṇa übergeben.

Wort für Wort
evaṃ rājann ahicchatrā purī janapadāyutā yudhi nirjitya pārthena droṇāya pratipāditā
So wurde, o König, die Stadt Ahicchatra, reich an Landvolk, nachdem sie vom Sohn Pṛthās im Kampf erobert worden war, dem Droṇa übergeben.

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