Kapitel 90: Pauravavaṃśānukīrtanam (Gadya)
Die Prosa-Genealogie des Paurava-Geschlechts von Yayāti bis Janamejayas Enkeln
Auf Janamejayas Bitte um eine ausführlichere Darstellung trägt Vaiśaṃpāyana die gesamte Geschlechterfolge von Dakṣa über Yayāti und Pūru bis weit über die Gegenwart der Rahmenerzählung hinaus vor – in knapper, listenartiger Prosa (mit zwei eingestreuten Versen zur Bharata-Etymologie und einem zur Śaṃtanu-Etymologie). Diese Genealogie verläuft weitgehend parallel zu der in Adh.89 gegebenen Versfassung, weicht jedoch in einzelnen Generationenfolgen und Namen von ihr ab (etwa bei Matinara, Taṃsu, Ilina, Ṛkṣa, Suhotra, Parikṣit) – ein bekanntes Merkmal der geschichteten genealogischen Überlieferung des Mahābhārata, das hier nicht künstlich harmonisiert, sondern beide Fassungen unangetastet nebeneinander wiedergegeben werden. Das Kapitel führt über Duḥṣanta, Bharata, Hastin (Gründer Hāstinapuras), Ajamīḍha, Saṃvaraṇa/Tapatī, Kuru, Pratīpa, Śaṃtanu, Gaṅgā, Bhīṣma, Satyavatī, Vyāsa (Dvaipāyana), Vicitravīrya, Dhṛtarāṣṭra, Pāṇḍu und Vidura bis zur Geburt der fünf Pāṇḍavas, ihrer Söhne (darunter Ghaṭotkaca und Abhimanyu), der Wiederbelebung des totgeborenen Parikṣit durch Vāsudeva (Kṛṣṇa) und schließlich bis zu Janamejaya selbst – dem Zuhörer dieser Erzählung – und dessen eigenen Söhnen und Enkeln. Mehrere frühere Vorfahren tragen dabei Namen, die später in der Haupterzählung erneut auftreten (u.a. Janamejaya, Parikṣit, Bhīmasena, Suhotra, Śatānīka) – durchgehend per [Anm.] disambiguiert.
Janamejaya sprach: Ich habe von dir, o Brahmane, die große Erzeugung meiner Vorfahren gehört, und auch von den erhabenen Königen dieses Geschlechts habe ich vernommen.
Janamejaya sprach: Ich habe von dir, o Brahmane, die große Erzeugung meiner Vorfahren gehört, und auch von den erhabenen Königen dieses Geschlechts habe ich vernommen.
kiṃ tu laghvarthasaṃyuktaṃ priyākhyānaṃ na mām ati prīṇāty ato bhavān bhūyo vistareṇa bravītu me
Doch was nur kurz und knapp mitgeteilt wird, erfreut mich nicht übermäßig, so beliebt mir die Erzählung auch ist – darum mögest du mir dies noch einmal ausführlicher erzählen.
Wort für Wort
kiṃ tu laghvarthasaṃyuktaṃ priyākhyānaṃ na mām ati prīṇāty ato bhavān bhūyo vistareṇa bravītu me
Doch was nur kurz und knapp mitgeteilt wird, erfreut mich nicht übermäßig, so beliebt mir die Erzählung auch ist – darum mögest du mir dies noch einmal ausführlicher erzählen.
guṇaprabhāvavīryaujaḥsattvotsāhavatām aham na tṛpyāmi kathāṃ śṛṇvann amṛtāsvādasaṃmitām
Ich werde nicht satt, wenn ich die der Amṛta-Kostbarkeit gleichende Erzählung von jenen höre, die reich an Tugend, Macht, Tapferkeit, Kraft, Wesensgüte und Tatkraft sind.
Wort für Wort
guṇaprabhāvavīryaujaḥsattvotsāhavatām aham na tṛpyāmi kathāṃ śṛṇvann amṛtāsvādasaṃmitām
Ich werde nicht satt, wenn ich die der Amṛta-Kostbarkeit gleichende Erzählung von jenen höre, die reich an Tugend, Macht, Tapferkeit, Kraft, Wesensgüte und Tatkraft sind.
Vaiśaṃpāyana sprach: Höre, o König, wie ich es einst vollständig von Dvaipāyana vernommen habe – verkündet sei dir nun diese ganze, heilvolle Erzeugung deines eigenen Geschlechts.
Vaiśaṃpāyana sprach: Höre, o König, wie ich es einst vollständig von Dvaipāyana vernommen habe – verkündet sei dir nun diese ganze, heilvolle Erzeugung deines eigenen Geschlechts.
Von Dakṣa (stammt) Aditi, von Aditi Vivasvant, von Vivasvant Manu, von Manu Ilā, von Ilā Purūravas, von Purūravas Āyu, von Āyu Nahuṣa, von Nahuṣa Yayāti.
Von Dakṣa (stammt) Aditi, von Aditi Vivasvant, von Vivasvant Manu, von Manu Ilā, von Ilā Purūravas, von Purūravas Āyu, von Āyu Nahuṣa, von Nahuṣa Yayāti.
yayāter dve bhārye babhūvatuḥ uśanaso duhitā devayānī vṛṣaparvaṇaś ca duhitā śarmiṣṭhā nāma atrānuvaṃśo bhavati
Yayāti hatte zwei Gattinnen: die Tochter des Uśanas (Śukra), Devayānī, und die Tochter des Vṛṣaparvan mit Namen Śarmiṣṭhā. Hier folgt die Geschlechterfolge (in Versform).
Wort für Wort
yayāter dve bhārye babhūvatuḥ uśanaso duhitā devayānī vṛṣaparvaṇaś ca duhitā śarmiṣṭhā nāma atrānuvaṃśo bhavati
Yayāti hatte zwei Gattinnen: die Tochter des Uśanas (Śukra), Devayānī, und die Tochter des Vṛṣaparvan mit Namen Śarmiṣṭhā. Hier folgt die Geschlechterfolge (in Versform).
Pūrus Gattin hieß Kausalyā; von ihr wurde ihm ein Sohn namens Janamejaya geboren, der drei Aśvamedha-Opfer vollzog und, nachdem er mit dem Viśvajit-Opfer geopfert hatte, in den Wald ging.
Pūrus Gattin hieß Kausalyā; von ihr wurde ihm ein Sohn namens Janamejaya geboren, der drei Aśvamedha-Opfer vollzog und, nachdem er mit dem Viśvajit-Opfer geopfert hatte, in den Wald ging.
[Anm.: Dieser Janamejaya, unmittelbarer Sohn Pūrus, ist ein weiterer, noch früherer Namensvetter – zusätzlich zu den in Adh.89 genannten – und nicht identisch mit dem Janamejaya der Rahmenerzählung (der erst in V.93 dieses Kapitels als Urenkel Arjunas erscheint).]
Janamejaya nun heiratete eine namens Ananta Mādhavī; von ihr wurde ihm Prācinvān geboren, der die östliche Himmelsrichtung bis zum Sonnenaufgang eroberte – daher sein Name Prācinvān (‚der nach Osten Gewandte').
Janamejaya nun heiratete eine namens Ananta Mādhavī; von ihr wurde ihm Prācinvān geboren, der die östliche Himmelsrichtung bis zum Sonnenaufgang eroberte – daher sein Name Prācinvān (‚der nach Osten Gewandte').
mahābhaumaḥ khalu prāsenajitīm upayeme suyajñāṃ nāma tasyām asya jajñe ayutanāyī yaḥ puruṣamedhānām ayutam ānayat tad asyāyutanāyitvam
Mahābhauma heiratete eine Prāsenajitī namens Suyajñā; von ihr wurde ihm Ayutanāyin geboren, der zehntausend (ayuta) Puruṣamedha-Opfer darbrachte [?] – daher sein Name ‚Ayutanāyin'.
Wort für Wort
mahābhaumaḥ khalu prāsenajitīm upayeme suyajñāṃ nāma tasyām asya jajñe ayutanāyī yaḥ puruṣamedhānām ayutam ānayat tad asyāyutanāyitvam
Mahābhauma heiratete eine Prāsenajitī namens Suyajñā; von ihr wurde ihm Ayutanāyin geboren, der zehntausend (ayuta) Puruṣamedha-Opfer darbrachte [?] – daher sein Name ‚Ayutanāyin'.
[Anm.: 'puruṣamedhānām ayutam ānayat' ist wörtlich 'brachte eine Zehntausendzahl von Puruṣamedhas (Menschenopfern) dar'; ob hierunter ein wörtliches Menschenopfer, ein symbolisches vedisches Ritual gleichen Namens oder eine hyperbolische Zahlangabe zu verstehen ist, bleibt in dieser knappen genealogischen Notiz offen und wird hier wortgetreu, ohne Deutung, wiedergegeben.]
‚Den Sohn, den der Samenspender, o Herrscher, aus dem Reich des Todes emporhebt – dessen Erretter bist du; wahr spricht Śakuntalā, du bist der Urheber dieses Keimes.'
‚Den Sohn, den der Samenspender, o Herrscher, aus dem Reich des Todes emporhebt – dessen Erretter bist du; wahr spricht Śakuntalā, du bist der Urheber dieses Keimes.'
suhotraḥ khalv ikṣvākukanyām upayeme suvarṇāṃ nāma tasyām asya jajñe hastī ya idaṃ hāstinapuraṃ māpayām āsa etad asya hāstinapuratvam
Suhotra heiratete eine Ikṣvāku-Tochter namens Suvarṇā; von ihr wurde ihm Hastin geboren, der diese Stadt Hāstinapura erbaute – daher ihr Name Hāstinapura.
Wort für Wort
suhotraḥ khalv ikṣvākukanyām upayeme suvarṇāṃ nāma tasyām asya jajñe hastī ya idaṃ hāstinapuraṃ māpayām āsa etad asya hāstinapuratvam
Suhotra heiratete eine Ikṣvāku-Tochter namens Suvarṇā; von ihr wurde ihm Hastin geboren, der diese Stadt Hāstinapura erbaute – daher ihr Name Hāstinapura.
Ajamīḍha hatte hundertvierundzwanzig Söhne von Kaikeyī, Nāgā, Gāndhārī, Vimalā und Ṛkṣā – jeweils eigene Geschlechtsbegründer und Könige. Von ihnen war Saṃvaraṇa der Geschlechtsbegründer.
Ajamīḍha hatte hundertvierundzwanzig Söhne von Kaikeyī, Nāgā, Gāndhārī, Vimalā und Ṛkṣā – jeweils eigene Geschlechtsbegründer und Könige. Von ihnen war Saṃvaraṇa der Geschlechtsbegründer.
arugvān khalu māgadhīm upayeme 'mṛtāṃ nāma tasyām asya jajñe parikṣit
Arugvān heiratete eine Māgadhī namens Amṛtā; von ihr wurde ihm Parikṣit geboren.
Wort für Wort
arugvān khalu māgadhīm upayeme 'mṛtāṃ nāma tasyām asya jajñe parikṣit
Arugvān heiratete eine Māgadhī namens Amṛtā; von ihr wurde ihm Parikṣit geboren.
[Anm.: Dieser Parikṣit ist ein weiterer, sehr viel früherer Namensvetter – nicht identisch mit dem berühmten Parikṣit, Enkel Arjunas, der erst in V.91-93 dieses Kapitels erscheint.]
parikṣit khalu bāhudām upayeme suyaśāṃ nāma tasyām asya jajñe bhīmasenaḥ
Parikṣit heiratete eine Prinzessin vom Bāhudā-Fluss namens Suyaśā; von ihr wurde ihm Bhīmasena geboren.
Wort für Wort
parikṣit khalu bāhudām upayeme suyaśāṃ nāma tasyām asya jajñe bhīmasenaḥ
Parikṣit heiratete eine Prinzessin vom Bāhudā-Fluss namens Suyaśā; von ihr wurde ihm Bhīmasena geboren.
[Anm.: Dieser Bhīmasena ist ein ferner Vorfahre und Namensvetter – nicht identisch mit dem gleichnamigen Pāṇḍava-Bruder (Bhīma), der erst in V.69 dieses Kapitels geboren wird.]
Bhīṣma führte, um seinem Vater eine Freude zu bereiten, Satyavatī als dessen Gattin (und seine eigene Stiefmutter) heim – jene, die man Gandhakālī nennt.
Bhīṣma führte, um seinem Vater eine Freude zu bereiten, Satyavatī als dessen Gattin (und seine eigene Stiefmutter) heim – jene, die man Gandhakālī nennt.
Da erblickte Pāṇḍu, auf der Jagd umherstreifend, einen Weisen in Hirschgestalt, im Beischlaf mit einer Hirschkuh begriffen, noch nicht zur Liebeslust gelangt und ungesättigt, und traf ihn mit einem Pfeil.
Da erblickte Pāṇḍu, auf der Jagd umherstreifend, einen Weisen in Hirschgestalt, im Beischlaf mit einer Hirschkuh begriffen, noch nicht zur Liebeslust gelangt und ungesättigt, und traf ihn mit einem Pfeil.
Vom Pfeil getroffen, sprach er zu Pāṇḍu: ‚Da du, obwohl kundig, mich getroffen hast, während ich, die Liebeslust nicht erreicht, ungesättigt war – darum wirst auch du, in eben diesen Zustand geratend, ungesättigt an der Liebeslust, alsbald den Tod erlangen.'
Vom Pfeil getroffen, sprach er zu Pāṇḍu: ‚Da du, obwohl kundig, mich getroffen hast, während ich, die Liebeslust nicht erreicht, ungesättigt war – darum wirst auch du, in eben diesen Zustand geratend, ungesättigt an der Liebeslust, alsbald den Tod erlangen.'
Arjuna aber, nach Dvāravatī gegangen, führte die Schwester des Vāsudeva (Kṛṣṇa) namens Subhadrā als Gattin heim; in ihr zeugte er einen Sohn namens Abhimanyu.
Arjuna aber, nach Dvāravatī gegangen, führte die Schwester des Vāsudeva (Kṛṣṇa) namens Subhadrā als Gattin heim; in ihr zeugte er einen Sohn namens Abhimanyu.
Auch Sahadeva heiratete, in einem Svayaṃvara, eine Madra-Prinzessin namens Vijayā; in ihr zeugte er einen Sohn namens Suhotra.
[Anm.: Dieser Suhotra, Sohn des Sahadeva, ist ein weiterer Namensvetter zu den bereits in Adh.89-90 genannten Vorfahren gleichen Namens (u.a. Sohn Bhumanyus, V.35).]
Ihn nahm Pṛthā (Kuntī) auf ihren Schoß, auf Geheiß des Höchsten Wesens (Puruṣottama) Vāsudeva, der sprach: ‚Ich werde diesen sechs Monate alten Keim zum Leben erwecken.'
Ihn nahm Pṛthā (Kuntī) auf ihren Schoß, auf Geheiß des Höchsten Wesens (Puruṣottama) Vāsudeva, der sprach: ‚Ich werde diesen sechs Monate alten Keim zum Leben erwecken.'
Nachdem er ihn wiederbelebt hatte, sprach Vāsudeva: ‚Da er geboren wurde, als das Geschlecht fast erloschen (parikṣīṇa) war, soll er den Namen Parikṣit tragen.'
Nachdem er ihn wiederbelebt hatte, sprach Vāsudeva: ‚Da er geboren wurde, als das Geschlecht fast erloschen (parikṣīṇa) war, soll er den Namen Parikṣit tragen.'
parikṣit tu khalu mādravatīṃ nāmopayeme tasyām asya janamejayaḥ
Parikṣit heiratete eine namens Mādravatī; von ihr wurde ihm Janamejaya geboren.
Wort für Wort
parikṣit tu khalu mādravatīṃ nāmopayeme tasyām asya janamejayaḥ
Parikṣit heiratete eine namens Mādravatī; von ihr wurde ihm Janamejaya geboren.
[Anm.: Dies ist der Janamejaya der Rahmenerzählung selbst, an den Vaiśaṃpāyanas gesamter Vortrag gerichtet ist – hier genealogisch bestätigt als Enkel Arjunas und Sohn des (wiederbelebten) Parikṣit.]