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Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 46: Āstīka-parva (Fortsetzung): Janamejayas Entschluss zur Vergeltung Āstīka-parva (Fortsetzung): Die Minister berichten Śṛṅgins Fluch und Kāśyapas Bestechung im Detail; Janamejaya fasst den Entschluss zur Vergeltung an Takṣaka — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)

Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,046.001“ bis „01,046.041“). Die Minister erzählen Janamejaya, als Fortsetzung der Rückblende, ausführlich den bereits aus Adh.36-39 bekannten Hergang: Śṛṅgins Fluch, Śamīkas Warnung, Kāśyapas Bestechung durch Takṣaka und Parikṣits Tod – und nennen dabei erstmals den Seher Uttaṅka. Auf Janamejayas Nachfrage, woher sie das Gespräch zwischen Takṣaka und Kāśyapa im menschenleeren Wald kennen, berichten sie von dem Mann, der unbemerkt auf dem später verbrannten und wiederbelebten Baum saß und die Geschichte weitertrug. Zutiefst erschüttert fasst Janamejaya den festen Entschluss, Vergeltung an Takṣaka zu üben — der unmittelbare Auftakt zum Sarpasatra. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.

mantriṇa ūcuḥ | tataḥ sa rājā rājendra skandhe tasya bhujaṃgamam | muneḥ kṣutkṣāma āsajya svapuraṃ punar āyayau

Die Minister sprachen: „Da kehrte jener König, o König der Könige, nachdem er, von Hunger abgemagert, dem Muni die Schlange auf die Schulter gelegt hatte, wieder in seine eigene Stadt zurück.

Wort für Wort
mantriṇa ūcuḥ | tataḥ sa rājā rājendra skandhe tasya bhujaṃgamam | muneḥ kṣutkṣāma āsajya svapuraṃ punar āyayau
Die Minister sprachen: „Da kehrte jener König, o König der Könige, nachdem er, von Hunger abgemagert, dem Muni die Schlange auf die Schulter gelegt hatte, wieder in seine eigene Stadt zurück.

ṛṣes tasya tu putro 'bhūd gavi jāto mahāyaśāḥ | śṛṅgī nāma mahātejās tigmavīryo 'tikopanaḥ

Jenem Seher aber war ein Sohn, auf der Rinderweide geboren, hochberühmt; mit Namen Śṛṅgin, von großem Glanz, scharfer Kraft, überaus zornmütig.

Wort für Wort
ṛṣes tasya tu putro 'bhūd gavi jāto mahāyaśāḥ | śṛṅgī nāma mahātejās tigmavīryo 'tikopanaḥ
Jenem Seher aber war ein Sohn, auf der Rinderweide geboren, hochberühmt; mit Namen Śṛṅgin, von großem Glanz, scharfer Kraft, überaus zornmütig.

brahmāṇaṃ so 'bhyupāgamya muniḥ pūjāṃ cakāra ha | anujñāto gatas tatra śṛṅgī śuśrāva taṃ tadā | sakhyuḥ sakāśāt pitaraṃ pitrā te dharṣitaṃ tathā

Jener Muni, zu Brahmā gegangen, erwies ihm Verehrung; von ihm entlassen, ging er dorthin zurück; da hörte Śṛṅgin von einem Freund, dass sein Vater von deinem Vater gekränkt worden war,

Wort für Wort
brahmāṇaṃ so 'bhyupāgamya muniḥ pūjāṃ cakāra ha | anujñāto gatas tatra śṛṅgī śuśrāva taṃ tadā | sakhyuḥ sakāśāt pitaraṃ pitrā te dharṣitaṃ tathā
Jener Muni, zu Brahmā gegangen, erwies ihm Verehrung; von ihm entlassen, ging er dorthin zurück; da hörte Śṛṅgin von einem Freund, dass sein Vater von deinem Vater gekränkt worden war,

mṛtaṃ sarpaṃ samāsaktaṃ pitrā te janamejaya | vahantaṃ kuruśārdūla skandhenānapakāriṇam

dass er, die tote Schlange, von deinem Vater aufgelegt, Janamejaya, auf der Schulter trug, er, der Unschuldige, o Tiger unter den Kurus,

Wort für Wort
mṛtaṃ sarpaṃ samāsaktaṃ pitrā te janamejaya | vahantaṃ kuruśārdūla skandhenānapakāriṇam
dass er, die tote Schlange, von deinem Vater aufgelegt, Janamejaya, auf der Schulter trug, er, der Unschuldige, o Tiger unter den Kurus,

tapasvinam atīvātha taṃ munipravaraṃ nṛpa | jitendriyaṃ viśuddhaṃ ca sthitaṃ karmaṇy athādbhute

jenen überaus asketischen besten der Munis, o König, mit gezügelten Sinnen und rein, in wunderbarer religiöser Handlung verharrend,

Wort für Wort
tapasvinam atīvātha taṃ munipravaraṃ nṛpa | jitendriyaṃ viśuddhaṃ ca sthitaṃ karmaṇy athādbhute
jenen überaus asketischen besten der Munis, o König, mit gezügelten Sinnen und rein, in wunderbarer religiöser Handlung verharrend,

tapasā dyotitātmānaṃ sveṣv aṅgeṣu yataṃ tathā | śubhācāraṃ śubhakathaṃ susthiraṃ tam alolupam

durch Askese an Wesen erstrahlend, in seinen eigenen Gliedern gezügelt, von reinem Wandel, reiner Rede, überaus standhaft, unbegehrlich,

Wort für Wort
tapasā dyotitātmānaṃ sveṣv aṅgeṣu yataṃ tathā | śubhācāraṃ śubhakathaṃ susthiraṃ tam alolupam
durch Askese an Wesen erstrahlend, in seinen eigenen Gliedern gezügelt, von reinem Wandel, reiner Rede, überaus standhaft, unbegehrlich,

akṣudram anasūyaṃ ca vṛddhaṃ maunavrate sthitam | śaraṇyaṃ sarvabhūtānāṃ pitrā viprakṛtaṃ tava

nicht kleinlich und ohne Missgunst, alt, dem Schweigegelübde ergeben, eine Zuflucht aller Wesen — ihn von deinem Vater gekränkt zu wissen.

Wort für Wort
akṣudram anasūyaṃ ca vṛddhaṃ maunavrate sthitam | śaraṇyaṃ sarvabhūtānāṃ pitrā viprakṛtaṃ tava
nicht kleinlich und ohne Missgunst, alt, dem Schweigegelübde ergeben, eine Zuflucht aller Wesen — ihn von deinem Vater gekränkt zu wissen.

śaśāpātha sa tac chrutvā pitaraṃ te ruṣānvitaḥ | ṛṣeḥ putro mahātejā bālo 'pi sthavirair varaḥ

Als er dies hörte, verfluchte da, von Zorn erfüllt, der Sohn des Sehers, von großem Glanz, obwohl noch ein Kind, der Beste unter den Alten, deinen Vater.

Wort für Wort
śaśāpātha sa tac chrutvā pitaraṃ te ruṣānvitaḥ | ṛṣeḥ putro mahātejā bālo 'pi sthavirair varaḥ
Als er dies hörte, verfluchte da, von Zorn erfüllt, der Sohn des Sehers, von großem Glanz, obwohl noch ein Kind, der Beste unter den Alten, deinen Vater.

sa kṣipram udakaṃ spṛṣṭvā roṣād idam uvāca ha | pitaraṃ te 'bhisaṃdhāya tejasā prajvalann iva

Er, rasch Wasser berührend, sprach im Zorn dieses, gegen deinen Vater gerichtet, gleichsam vor Glut auflodernd:

Wort für Wort
sa kṣipram udakaṃ spṛṣṭvā roṣād idam uvāca ha | pitaraṃ te 'bhisaṃdhāya tejasā prajvalann iva
Er, rasch Wasser berührend, sprach im Zorn dieses, gegen deinen Vater gerichtet, gleichsam vor Glut auflodernd:

anāgasi gurau yo me mṛtaṃ sarpam avāsṛjat | taṃ nāgas takṣakaḥ kruddhas tejasā sādayiṣyati | saptarātrād itaḥ pāpaṃ paśya me tapaso balam

‚Wer meinem schuldlosen Lehrer eine tote Schlange auflegte — jenen wird die Schlange Takṣaka, erzürnt, mit ihrer Glut vernichten, binnen sieben Nächten von jetzt an, den Sünder — sieh die Kraft meiner Askese!'

Wort für Wort
anāgasi gurau yo me mṛtaṃ sarpam avāsṛjat | taṃ nāgas takṣakaḥ kruddhas tejasā sādayiṣyati | saptarātrād itaḥ pāpaṃ paśya me tapaso balam
‚Wer meinem schuldlosen Lehrer eine tote Schlange auflegte — jenen wird die Schlange Takṣaka, erzürnt, mit ihrer Glut vernichten, binnen sieben Nächten von jetzt an, den Sünder — sieh die Kraft meiner Askese!'

ity uktvā prayayau tatra pitā yatrāsya so 'bhavat | dṛṣṭvā ca pitaraṃ tasmai śāpaṃ taṃ pratyavedayat

Nachdem er so gesprochen hatte, begab er sich dorthin, wo sich sein Vater befand; und als er den Vater sah, meldete er ihm jenen Fluch.

Wort für Wort
ity uktvā prayayau tatra pitā yatrāsya so 'bhavat | dṛṣṭvā ca pitaraṃ tasmai śāpaṃ taṃ pratyavedayat
Nachdem er so gesprochen hatte, begab er sich dorthin, wo sich sein Vater befand; und als er den Vater sah, meldete er ihm jenen Fluch.

sa cāpi muniśārdūlaḥ preṣayām āsa te pituḥ | śapto 'si mama putreṇa yatto bhava mahīpate | takṣakas tvāṃ mahārāja tejasā sādayiṣyati

Und auch jener Tiger unter den Munis sandte einen Boten zu deinem Vater: ‚Du bist von meinem Sohn verflucht worden; sei auf der Hut, Herr der Erde — Takṣaka wird dich, großer König, mit seiner Glut vernichten.'

Wort für Wort
sa cāpi muniśārdūlaḥ preṣayām āsa te pituḥ | śapto 'si mama putreṇa yatto bhava mahīpate | takṣakas tvāṃ mahārāja tejasā sādayiṣyati
Und auch jener Tiger unter den Munis sandte einen Boten zu deinem Vater: ‚Du bist von meinem Sohn verflucht worden; sei auf der Hut, Herr der Erde — Takṣaka wird dich, großer König, mit seiner Glut vernichten.'

śrutvā tu tad vaco ghoraṃ pitā te janamejaya | yatto 'bhavat paritrastas takṣakāt pannagottamāt

Als er jenes furchtbare Wort gehört hatte, war dein Vater, Janamejaya, auf der Hut, erschreckt vor Takṣaka, dem Besten der Schlangen.

Wort für Wort
śrutvā tu tad vaco ghoraṃ pitā te janamejaya | yatto 'bhavat paritrastas takṣakāt pannagottamāt
Als er jenes furchtbare Wort gehört hatte, war dein Vater, Janamejaya, auf der Hut, erschreckt vor Takṣaka, dem Besten der Schlangen.

tatas tasmiṃs tu divase saptame samupasthite | rājñaḥ samīpaṃ brahmarṣiḥ kāśyapo gantum aicchata

Da, als der siebte Tag gekommen war, wollte der Brahmanenseher Kāśyapa sich zum König begeben,

Wort für Wort
tatas tasmiṃs tu divase saptame samupasthite | rājñaḥ samīpaṃ brahmarṣiḥ kāśyapo gantum aicchata
Da, als der siebte Tag gekommen war, wollte der Brahmanenseher Kāśyapa sich zum König begeben,

taṃ dadarśātha nāgendraḥ kāśyapaṃ takṣakas tadā | tam abravīt pannagendraḥ kāśyapaṃ tvaritaṃ vrajan | kva bhavāṃs tvarito yāti kiṃ ca kāryaṃ cikīrṣati

da sah ihn, den Kāśyapa, der Schlangenkönig Takṣaka; der Schlangenkönig sprach zu jenem Kāśyapa, wie er eilends zog: ‚Wohin eilt Ihr so rasch, und welches Vorhaben gedenkt Ihr auszuführen?'

Wort für Wort
taṃ dadarśātha nāgendraḥ kāśyapaṃ takṣakas tadā | tam abravīt pannagendraḥ kāśyapaṃ tvaritaṃ vrajan | kva bhavāṃs tvarito yāti kiṃ ca kāryaṃ cikīrṣati
da sah ihn, den Kāśyapa, der Schlangenkönig Takṣaka; der Schlangenkönig sprach zu jenem Kāśyapa, wie er eilends zog: ‚Wohin eilt Ihr so rasch, und welches Vorhaben gedenkt Ihr auszuführen?'

kāśyapa uvāca | yatra rājā kuruśreṣṭhaḥ parikṣin nāma vai dvija | takṣakeṇa bhujaṃgena dhakṣyate kila tatra vai

Kāśyapa sprach: „Dorthin, wo der König, der Beste der Kurus, mit Namen Parikṣit, o Zweifachgeborener, von der Schlange Takṣaka verbrannt werden soll, eben dorthin —

Wort für Wort
kāśyapa uvāca | yatra rājā kuruśreṣṭhaḥ parikṣin nāma vai dvija | takṣakeṇa bhujaṃgena dhakṣyate kila tatra vai
Kāśyapa sprach: „Dorthin, wo der König, der Beste der Kurus, mit Namen Parikṣit, o Zweifachgeborener, von der Schlange Takṣaka verbrannt werden soll, eben dorthin —

gacchāmy ahaṃ taṃ tvaritaḥ sadyaḥ kartum apajvaram | mayābhipannaṃ taṃ cāpi na sarpo dharṣayiṣyati

dorthin gehe ich eilends, um ihn sogleich fieberfrei zu machen; und den von mir Beschützten wird auch keine Schlange verletzen können.“

Wort für Wort
gacchāmy ahaṃ taṃ tvaritaḥ sadyaḥ kartum apajvaram | mayābhipannaṃ taṃ cāpi na sarpo dharṣayiṣyati
dorthin gehe ich eilends, um ihn sogleich fieberfrei zu machen; und den von mir Beschützten wird auch keine Schlange verletzen können.“

takṣaka uvāca | kimarthaṃ taṃ mayā daṣṭaṃ saṃjīvayitum icchasi | brūhi kāmam ahaṃ te 'dya dadmi svaṃ veśma gamyatām

Takṣaka sprach: „Wozu willst du den von mir Gebissenen wiederbeleben? Sag mir deinen Wunsch — ich werde ihn dir heute erfüllen; kehre in dein eigenes Haus zurück.“

Wort für Wort
takṣaka uvāca | kimarthaṃ taṃ mayā daṣṭaṃ saṃjīvayitum icchasi | brūhi kāmam ahaṃ te 'dya dadmi svaṃ veśma gamyatām
Takṣaka sprach: „Wozu willst du den von mir Gebissenen wiederbeleben? Sag mir deinen Wunsch — ich werde ihn dir heute erfüllen; kehre in dein eigenes Haus zurück.“

mantriṇa ūcuḥ | dhanalipsur ahaṃ tatra yāmīty uktaś ca tena saḥ | tam uvāca mahātmānaṃ mānayañ ślakṣṇayā girā

Die Minister sprachen: „‚Aus Verlangen nach Reichtum gehe ich dorthin' — so von jenem angesprochen, sagte er, Takṣaka, zu jenem Hochgesinnten, ihn ehrend, mit sanfter Stimme:

Wort für Wort
mantriṇa ūcuḥ | dhanalipsur ahaṃ tatra yāmīty uktaś ca tena saḥ | tam uvāca mahātmānaṃ mānayañ ślakṣṇayā girā
Die Minister sprachen: „‚Aus Verlangen nach Reichtum gehe ich dorthin' — so von jenem angesprochen, sagte er, Takṣaka, zu jenem Hochgesinnten, ihn ehrend, mit sanfter Stimme:

yāvad dhanaṃ prārthayase tasmād rājñas tato 'dhikam | gṛhāṇa matta eva tvaṃ saṃnivartasva cānagha

‚Wieviel Reichtum du auch von jenem König erhoffst — mehr als das nimm von mir selbst, und kehre um, du Schuldloser.'

Wort für Wort
yāvad dhanaṃ prārthayase tasmād rājñas tato 'dhikam | gṛhāṇa matta eva tvaṃ saṃnivartasva cānagha
‚Wieviel Reichtum du auch von jenem König erhoffst — mehr als das nimm von mir selbst, und kehre um, du Schuldloser.'

sa evam ukto nāgena kāśyapo dvipadāṃ varaḥ | labdhvā vittaṃ nivavṛte takṣakād yāvad īpsitam

Er, so von der Schlange angesprochen, Kāśyapa, der Beste der Zweifüßler, kehrte um, nachdem er von Takṣaka den Reichtum erhalten hatte, so viel er begehrte.

Wort für Wort
sa evam ukto nāgena kāśyapo dvipadāṃ varaḥ | labdhvā vittaṃ nivavṛte takṣakād yāvad īpsitam
Er, so von der Schlange angesprochen, Kāśyapa, der Beste der Zweifüßler, kehrte um, nachdem er von Takṣaka den Reichtum erhalten hatte, so viel er begehrte.

tasmin pratigate vipre chadmanopetya takṣakaḥ | taṃ nṛpaṃ nṛpatiśreṣṭha pitaraṃ dhārmikaṃ tava

Als jener Weise umgekehrt war, näherte sich Takṣaka mit List jenem König, o Bester der Herrscher, deinem rechtschaffenen Vater,

Wort für Wort
tasmin pratigate vipre chadmanopetya takṣakaḥ | taṃ nṛpaṃ nṛpatiśreṣṭha pitaraṃ dhārmikaṃ tava
Als jener Weise umgekehrt war, näherte sich Takṣaka mit List jenem König, o Bester der Herrscher, deinem rechtschaffenen Vater,

prāsādasthaṃ yattam api dagdhavān viṣavahninā | tatas tvaṃ puruṣavyāghra vijayāyābhiṣecitaḥ

und verbrannte ihn, obwohl er im Palast weilte und auf der Hut war, mit dem Giftfeuer; da wurdest du, Tiger unter den Männern, zum Sieg gesalbt.

Wort für Wort
prāsādasthaṃ yattam api dagdhavān viṣavahninā | tatas tvaṃ puruṣavyāghra vijayāyābhiṣecitaḥ
und verbrannte ihn, obwohl er im Palast weilte und auf der Hut war, mit dem Giftfeuer; da wurdest du, Tiger unter den Männern, zum Sieg gesalbt.

etad dṛṣṭaṃ śrutaṃ cāpi yathāvan nṛpasattama | asmābhir nikhilaṃ sarvaṃ kathitaṃ te sudāruṇam

Dies, Gesehene und Gehörte, ist von uns, wie es sich gebührt, vollständig, dieses überaus Schreckliche, dir berichtet worden, o Bester der Könige.

Wort für Wort
etad dṛṣṭaṃ śrutaṃ cāpi yathāvan nṛpasattama | asmābhir nikhilaṃ sarvaṃ kathitaṃ te sudāruṇam
Dies, Gesehene und Gehörte, ist von uns, wie es sich gebührt, vollständig, dieses überaus Schreckliche, dir berichtet worden, o Bester der Könige.

śrutvā caitaṃ nṛpaśreṣṭha pārthivasya parābhavam | asya carṣer uttaṅkasya vidhatsva yad anantaram

Nachdem du dies, den Untergang deines königlichen Vaters, gehört hast, o Bester der Könige — tue das, was als Nächstes ansteht, betreffend jenen Seher Uttaṅka.“

Wort für Wort
śrutvā caitaṃ nṛpaśreṣṭha pārthivasya parābhavam | asya carṣer uttaṅkasya vidhatsva yad anantaram
Nachdem du dies, den Untergang deines königlichen Vaters, gehört hast, o Bester der Könige — tue das, was als Nächstes ansteht, betreffend jenen Seher Uttaṅka.“

[Anm.: Der Seher Uttaṅka wird hier erstmals im Rahmen dieser kritischen Ausgabe erwähnt, offenbar als vorausgesetzt bekannt; seine eigene Geschichte (die ihn zu einem erbitterten Feind Takṣakas und zum Anstifter von Janamejayas Sarpasatra macht) dürfte in einem folgenden Adhyāya nachgetragen werden.]

janamejaya uvāca | etat tu śrotum icchāmi aṭavyāṃ nirjane vane | saṃvādaṃ pannagendrasya kāśyapasya ca yat tadā

Janamejaya sprach: „Dies aber möchte ich hören: das Gespräch des Schlangenkönigs und Kāśyapas, das damals in der Wildnis, im menschenleeren Wald, stattfand —

Wort für Wort
janamejaya uvāca | etat tu śrotum icchāmi aṭavyāṃ nirjane vane | saṃvādaṃ pannagendrasya kāśyapasya ca yat tadā
Janamejaya sprach: „Dies aber möchte ich hören: das Gespräch des Schlangenkönigs und Kāśyapas, das damals in der Wildnis, im menschenleeren Wald, stattfand —

kena dṛṣṭaṃ śrutaṃ cāpi bhavatāṃ śrotram āgatam | śrutvā cātha vidhāsyāmi pannagāntakarīṃ matim

von wem wurde es gesehen, und wie ist es auch zu eurem Ohr gelangt? Und wenn ich es gehört habe, werde ich einen die Schlangen vernichtenden Entschluss fassen.“

Wort für Wort
kena dṛṣṭaṃ śrutaṃ cāpi bhavatāṃ śrotram āgatam | śrutvā cātha vidhāsyāmi pannagāntakarīṃ matim
von wem wurde es gesehen, und wie ist es auch zu eurem Ohr gelangt? Und wenn ich es gehört habe, werde ich einen die Schlangen vernichtenden Entschluss fassen.“

mantriṇa ūcuḥ | śṛṇu rājan yathāsmākaṃ yenaitat kathitaṃ purā | samāgamaṃ dvijendrasya pannagendrasya cādhvani

Die Minister sprachen: „Höre, o König, wie uns dies einst berichtet wurde — die Begegnung des besten der Zweifachgeborenen mit dem Schlangenkönig auf dem Weg:

Wort für Wort
mantriṇa ūcuḥ | śṛṇu rājan yathāsmākaṃ yenaitat kathitaṃ purā | samāgamaṃ dvijendrasya pannagendrasya cādhvani
Die Minister sprachen: „Höre, o König, wie uns dies einst berichtet wurde — die Begegnung des besten der Zweifachgeborenen mit dem Schlangenkönig auf dem Weg:

tasmin vṛkṣe naraḥ kaś cid indhanārthāya pārthiva | vicinvan pūrvam ārūḍhaḥ śuṣkaśākhaṃ vanaspatim | abudhyamānau taṃ tatra vṛkṣasthaṃ pannagadvijau

Auf jenem Baum war zuvor schon ein Mann, o König, der nach Brennholz suchte, auf einen dürren Ast geklettert; ohne dass die beiden, die Schlange und der Zweifachgeborene, ihn dort auf dem Baum bemerkten,

Wort für Wort
tasmin vṛkṣe naraḥ kaś cid indhanārthāya pārthiva | vicinvan pūrvam ārūḍhaḥ śuṣkaśākhaṃ vanaspatim | abudhyamānau taṃ tatra vṛkṣasthaṃ pannagadvijau
Auf jenem Baum war zuvor schon ein Mann, o König, der nach Brennholz suchte, auf einen dürren Ast geklettert; ohne dass die beiden, die Schlange und der Zweifachgeborene, ihn dort auf dem Baum bemerkten,

[Anm.: Gemeint ist derselbe Feigenbaum, den Takṣaka in Adh.39 verbrannte und Kāśyapa wiederbelebte.]

sa tu tenaiva vṛkṣeṇa bhasmībhūto 'bhavat tadā | dvijaprabhāvād rājendra jīvitaḥ savanaspatiḥ

wurde er mit eben jenem Baum zu Asche, da; doch durch die Macht des Zweifachgeborenen, o König der Könige, wurde er zusammen mit dem Baum wieder zum Leben erweckt.

Wort für Wort
sa tu tenaiva vṛkṣeṇa bhasmībhūto 'bhavat tadā | dvijaprabhāvād rājendra jīvitaḥ savanaspatiḥ
wurde er mit eben jenem Baum zu Asche, da; doch durch die Macht des Zweifachgeborenen, o König der Könige, wurde er zusammen mit dem Baum wieder zum Leben erweckt.

tena gatvā nṛpaśreṣṭha nagare 'smin niveditam | yathāvṛttaṃ tu tat sarvaṃ takṣakasya dvijasya ca

Von ihm wurde, nachdem er in diese Stadt gekommen war, o Bester der Könige, all das berichtet, was sich zwischen Takṣaka und dem Zweifachgeborenen zugetragen hatte.

Wort für Wort
tena gatvā nṛpaśreṣṭha nagare 'smin niveditam | yathāvṛttaṃ tu tat sarvaṃ takṣakasya dvijasya ca
Von ihm wurde, nachdem er in diese Stadt gekommen war, o Bester der Könige, all das berichtet, was sich zwischen Takṣaka und dem Zweifachgeborenen zugetragen hatte.

etat te kathitaṃ rājan yathāvṛttaṃ yathāśrutam | śrutvā tu nṛpaśārdūla prakuruṣva yathepsitam

Dies ist dir berichtet worden, o König, wie es sich zutrug, wie wir es gehört haben; nachdem du es gehört hast, Tiger unter den Königen, handle nach deinem Wunsch.“

Wort für Wort
etat te kathitaṃ rājan yathāvṛttaṃ yathāśrutam | śrutvā tu nṛpaśārdūla prakuruṣva yathepsitam
Dies ist dir berichtet worden, o König, wie es sich zutrug, wie wir es gehört haben; nachdem du es gehört hast, Tiger unter den Königen, handle nach deinem Wunsch.“

sūta uvāca | mantriṇāṃ tu vacaḥ śrutvā sa rājā janamejayaḥ | paryatapyata duḥkhārtaḥ pratyapiṃṣat kare karam

Sūta sprach: Als er der Minister Wort gehört hatte, quälte sich jener König Janamejaya, von Schmerz gepeinigt, und rieb Hand an Hand.

Wort für Wort
sūta uvāca | mantriṇāṃ tu vacaḥ śrutvā sa rājā janamejayaḥ | paryatapyata duḥkhārtaḥ pratyapiṃṣat kare karam
Sūta sprach: Als er der Minister Wort gehört hatte, quälte sich jener König Janamejaya, von Schmerz gepeinigt, und rieb Hand an Hand.

niḥśvāsam uṣṇam asakṛd dīrghaṃ rājīvalocanaḥ | mumocāśrūṇi ca tadā netrābhyāṃ pratataṃ nṛpaḥ | uvāca ca mahīpālo duḥkhaśokasamanvitaḥ

Wiederholt stieß er heiße, lange Seufzer aus, er, mit lotusgleichen Augen; und Tränen vergoss er da unaufhörlich aus beiden Augen, der König; und der Herrscher der Erde sprach, von Schmerz und Kummer erfüllt:

Wort für Wort
niḥśvāsam uṣṇam asakṛd dīrghaṃ rājīvalocanaḥ | mumocāśrūṇi ca tadā netrābhyāṃ pratataṃ nṛpaḥ | uvāca ca mahīpālo duḥkhaśokasamanvitaḥ
Wiederholt stieß er heiße, lange Seufzer aus, er, mit lotusgleichen Augen; und Tränen vergoss er da unaufhörlich aus beiden Augen, der König; und der Herrscher der Erde sprach, von Schmerz und Kummer erfüllt:

śrutvaitad bhavatāṃ vākyaṃ pitur me svargatiṃ prati | niściteyaṃ mama matir yā vai tāṃ me nibodhata

„Nachdem ich dieses euer Wort über den Himmelsgang meines Vaters gehört habe, ist dies mein fester Entschluss — hört ihn von mir:

Wort für Wort
śrutvaitad bhavatāṃ vākyaṃ pitur me svargatiṃ prati | niściteyaṃ mama matir yā vai tāṃ me nibodhata
„Nachdem ich dieses euer Wort über den Himmelsgang meines Vaters gehört habe, ist dies mein fester Entschluss — hört ihn von mir:

anantaram ahaṃ manye takṣakāya durātmane | pratikartavyam ity eva yena me hiṃsitaḥ pitā

Als das Nächste erachte ich, dass dem bösgesinnten Takṣaka, von dem mein Vater getötet wurde, vergolten werden muss.

Wort für Wort
anantaram ahaṃ manye takṣakāya durātmane | pratikartavyam ity eva yena me hiṃsitaḥ pitā
Als das Nächste erachte ich, dass dem bösgesinnten Takṣaka, von dem mein Vater getötet wurde, vergolten werden muss.

ṛṣer hi śṛṅger vacanaṃ kṛtvā dagdhvā ca pārthivam | yadi gacched asau pāpo nanu jīvet pitā mama

Denn selbst wenn jener Sünder, nachdem er das Wort des Sehers Śṛṅgin erfüllt und den König verbrannt hatte, [seinen Lauf gelassen und sich entfernt] hätte — würde dann nicht mein Vater noch leben?

Wort für Wort
ṛṣer hi śṛṅger vacanaṃ kṛtvā dagdhvā ca pārthivam | yadi gacched asau pāpo nanu jīvet pitā mama
Denn selbst wenn jener Sünder, nachdem er das Wort des Sehers Śṛṅgin erfüllt und den König verbrannt hatte, [seinen Lauf gelassen und sich entfernt] hätte — würde dann nicht mein Vater noch leben?

[Anm.: Der Gedankengang (Vv.37-38) ist knapp: Janamejaya meint, selbst nach dem Biss hätte sein Vater durch Kāśyapas Heilkunst überleben können, wäre Takṣaka nicht noch zusätzlich dazwischengetreten und hätte Kāśyapa bestochen, die Rettung zu unterlassen – eben dies erachtet er als die eigentlich schwerwiegende Verfehlung.]

parihīyeta kiṃ tasya yadi jīvet sa pārthivaḥ | kāśyapasya prasādena mantriṇāṃ sunayena ca

Was wäre ihm denn entgangen, wenn jener König, durch Kāśyapas Gnade und der Minister guten Rat, am Leben geblieben wäre?

Wort für Wort
parihīyeta kiṃ tasya yadi jīvet sa pārthivaḥ | kāśyapasya prasādena mantriṇāṃ sunayena ca
Was wäre ihm denn entgangen, wenn jener König, durch Kāśyapas Gnade und der Minister guten Rat, am Leben geblieben wäre?

sa tu vāritavān mohāt kāśyapaṃ dvijasattamam | saṃjijīvayiṣuṃ prāptaṃ rājānam aparājitam

Er aber hinderte, aus Verblendung, den Kāśyapa, den Besten der Zweifachgeborenen, der gekommen war, um den unbesiegten König wiederzubeleben.

Wort für Wort
sa tu vāritavān mohāt kāśyapaṃ dvijasattamam | saṃjijīvayiṣuṃ prāptaṃ rājānam aparājitam
Er aber hinderte, aus Verblendung, den Kāśyapa, den Besten der Zweifachgeborenen, der gekommen war, um den unbesiegten König wiederzubeleben.

mahān atikramo hy eṣa takṣakasya durātmanaḥ | dvijasya yo 'dadad dravyaṃ mā nṛpaṃ jīvayed iti

Dies ist eine große Verfehlung des bösgesinnten Takṣaka, dass er dem Zweifachgeborenen Reichtum gab, mit der Bedingung: ‚Belebe den König nicht wieder!'

Wort für Wort
mahān atikramo hy eṣa takṣakasya durātmanaḥ | dvijasya yo 'dadad dravyaṃ mā nṛpaṃ jīvayed iti
Dies ist eine große Verfehlung des bösgesinnten Takṣaka, dass er dem Zweifachgeborenen Reichtum gab, mit der Bedingung: ‚Belebe den König nicht wieder!'

uttaṅkasya priyaṃ kurvann ātmanaś ca mahat priyam | bhavatāṃ caiva sarveṣāṃ yāsyāmy apacitiṃ pituḥ

Dem Uttaṅka einen Gefallen erweisend, und mir selbst einen großen Gefallen, und euch allen — ich werde die Vergeltung für meinen Vater vollziehen.“

Wort für Wort
uttaṅkasya priyaṃ kurvann ātmanaś ca mahat priyam | bhavatāṃ caiva sarveṣāṃ yāsyāmy apacitiṃ pituḥ
Dem Uttaṅka einen Gefallen erweisend, und mir selbst einen großen Gefallen, und euch allen — ich werde die Vergeltung für meinen Vater vollziehen.“

[Anm.: Adhyāya 46 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei. Janamejayas fester Entschluss zur Vergeltung an Takṣaka ist der unmittelbare Auftakt zum Sarpasatra, dem großen Schlangenopfer, das den Rahmen der gesamten Erzählung bildet.]

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