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Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 8: Pauloma-parva (Fortsetzung): Rurus Herkunft und Pramadvarās Schlangenbiss Pauloma-parva (Fortsetzung): Beginn der Ruru-Erzählung — Pramadvarās Herkunft und tödlicher Schlangenbiss — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)

Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,008.001“ bis „01,008.022“). Die Bhārgava-Genealogie wird um Cyavanas Gattin Sukanyā und den gemeinsamen Sohn Pramati ergänzt (die bekannte Cyavana-Sukanyā-Erzählung selbst, später im Vana-parva ausführlich erzählt, wird hier nicht wiederholt). Im Zentrum steht die Herkunft Pramadvarās – Tochter des Gandharven Viśvāvasu und der Apsaras Menakā, ausgesetzt und vom Weisen Sthūlakeśa aufgezogen – und ihre Verlobung mit Ruru. Kurz vor der Hochzeit tritt sie versehentlich auf eine schlafende Schlange und stirbt am Biss; der Adhyāya endet mit der allgemeinen Klage und Rurus Weggang, unmittelbar vor der Wiederbelebungs-Episode in Adhyāya 9. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.

sūta uvāca | sa cāpi cyavano brahman bhārgavo 'janayat sutam | sukanyāyāṃ mahātmānaṃ pramatiṃ dīptatejasam

Sūta sprach: Und jener Bhārgava Cyavana, o Brahmane, zeugte mit Sukanyā einen Sohn, den hochgesinnten, leuchtkräftigen Pramati.

Wort für Wort
sūta uvāca | sa cāpi cyavano brahman bhārgavo 'janayat sutam | sukanyāyāṃ mahātmānaṃ pramatiṃ dīptatejasam
Sūta sprach: Und jener Bhārgava Cyavana, o Brahmane, zeugte mit Sukanyā einen Sohn, den hochgesinnten, leuchtkräftigen Pramati.

[Anm.: Hier wird die eigene Erzählung von Cyavana und seiner Gattin Sukanyā (später berühmt im Vana-parva: Cyavanas Verjüngung durch die Aśvins) nicht ausgeführt, sondern nur die Vaterschaft genannt.]

pramatis tu ruruṃ nāma ghṛtācyāṃ samajījanat | ruruḥ pramadvarāyāṃ tu śunakaṃ samajījanat

Pramati aber zeugte mit Ghṛtācī einen Sohn namens Ruru; Ruru aber zeugte mit Pramadvarā den Śunaka.

Wort für Wort
pramatis tu ruruṃ nāma ghṛtācyāṃ samajījanat | ruruḥ pramadvarāyāṃ tu śunakaṃ samajījanat
Pramati aber zeugte mit Ghṛtācī einen Sohn namens Ruru; Ruru aber zeugte mit Pramadvarā den Śunaka.

tasya brahman ruroḥ sarvaṃ caritaṃ bhūritejasaḥ | vistareṇa pravakṣyāmi tac chṛṇu tvam aśeṣataḥ

Von diesem kraftvollen Ruru, o Brahmane, will ich die ganze Geschichte ausführlich erzählen; höre sie vollständig.

Wort für Wort
tasya brahman ruroḥ sarvaṃ caritaṃ bhūritejasaḥ | vistareṇa pravakṣyāmi tac chṛṇu tvam aśeṣataḥ
Von diesem kraftvollen Ruru, o Brahmane, will ich die ganze Geschichte ausführlich erzählen; höre sie vollständig.

ṛṣir āsīn mahān pūrvaṃ tapovidyāsamanvitaḥ | sthūlakeśa iti khyātaḥ sarvabhūtahite rataḥ

Es lebte einst ein großer Weiser, mit Askese und Wissen ausgestattet, bekannt als Sthūlakeśa, dem Wohl aller Wesen zugetan.

Wort für Wort
ṛṣir āsīn mahān pūrvaṃ tapovidyāsamanvitaḥ | sthūlakeśa iti khyātaḥ sarvabhūtahite rataḥ
Es lebte einst ein großer Weiser, mit Askese und Wissen ausgestattet, bekannt als Sthūlakeśa, dem Wohl aller Wesen zugetan.

etasminn eva kāle tu menakāyāṃ prajajñivān | gandharvarājo viprarṣe viśvāvasur iti śrutaḥ

Zu eben dieser Zeit hatte, o Weiser unter den Brahmanen, mit Menakā gezeugt der Gandharva-König, bekannt als Viśvāvasu —

Wort für Wort
etasminn eva kāle tu menakāyāṃ prajajñivān | gandharvarājo viprarṣe viśvāvasur iti śrutaḥ
Zu eben dieser Zeit hatte, o Weiser unter den Brahmanen, mit Menakā gezeugt der Gandharva-König, bekannt als Viśvāvasu —

athāpsarā menakā sā taṃ garbhaṃ bhṛgunandana | utsasarja yathākālaṃ sthūlakeśāśramaṃ prati

— da setzte jene Apsaras Menakā, o Freude der Bhṛgus, diese Leibesfrucht zur rechten Zeit bei Sthūlakeśas Einsiedelei aus.

Wort für Wort
athāpsarā menakā sā taṃ garbhaṃ bhṛgunandana | utsasarja yathākālaṃ sthūlakeśāśramaṃ prati
— da setzte jene Apsaras Menakā, o Freude der Bhṛgus, diese Leibesfrucht zur rechten Zeit bei Sthūlakeśas Einsiedelei aus.

utsṛjya caiva taṃ garbhaṃ nadyās tīre jagāma ha | kanyām amaragarbhābhāṃ jvalantīm iva ca śriyā

Nachdem sie diese Leibesfrucht am Flussufer ausgesetzt hatte, ging sie fort – ein Mädchen, das wie ein Götterkind glänzte, gleichsam von Schönheit erstrahlend.

Wort für Wort
utsṛjya caiva taṃ garbhaṃ nadyās tīre jagāma ha | kanyām amaragarbhābhāṃ jvalantīm iva ca śriyā
Nachdem sie diese Leibesfrucht am Flussufer ausgesetzt hatte, ging sie fort – ein Mädchen, das wie ein Götterkind glänzte, gleichsam von Schönheit erstrahlend.

tāṃ dadarśa samutsṛṣṭāṃ nadītīre mahān ṛṣiḥ | sthūlakeśaḥ sa tejasvī vijane bandhuvarjitām

Sie erblickte, so ausgesetzt am Flussufer, der große, glanzvolle Weise Sthūlakeśa – einsam, ohne Verwandte.

Wort für Wort
tāṃ dadarśa samutsṛṣṭāṃ nadītīre mahān ṛṣiḥ | sthūlakeśaḥ sa tejasvī vijane bandhuvarjitām
Sie erblickte, so ausgesetzt am Flussufer, der große, glanzvolle Weise Sthūlakeśa – einsam, ohne Verwandte.

sa tāṃ dṛṣṭvā tadā kanyāṃ sthūlakeśo dvijottamaḥ | jagrāhātha muniśreṣṭhaḥ kṛpāviṣṭaḥ pupoṣa ca | vavṛdhe sā varārohā tasyāśramapade śubhā

Als er dieses Mädchen sah, nahm sie Sthūlakeśa, der Beste der Zweifachgeborenen, der Vortrefflichste der Weisen, von Mitleid ergriffen, auf und zog sie auf; und sie, die Schönhüftige, Glückverheißende, wuchs an seiner Einsiedelei heran.

Wort für Wort
sa tāṃ dṛṣṭvā tadā kanyāṃ sthūlakeśo dvijottamaḥ | jagrāhātha muniśreṣṭhaḥ kṛpāviṣṭaḥ pupoṣa ca | vavṛdhe sā varārohā tasyāśramapade śubhā
Als er dieses Mädchen sah, nahm sie Sthūlakeśa, der Beste der Zweifachgeborenen, der Vortrefflichste der Weisen, von Mitleid ergriffen, auf und zog sie auf; und sie, die Schönhüftige, Glückverheißende, wuchs an seiner Einsiedelei heran.

pramadābhyo varā sā tu sarvarūpaguṇānvitā | tataḥ pramadvarety asyā nāma cakre mahān ṛṣiḥ

Sie, mit aller Schönheit und allen Tugenden ausgestattet, war vortrefflicher als andere Frauen; daher gab ihr der große Weise den Namen Pramadvarā [„die Vortrefflichste der Frauen“].

Wort für Wort
pramadābhyo varā sā tu sarvarūpaguṇānvitā | tataḥ pramadvarety asyā nāma cakre mahān ṛṣiḥ
Sie, mit aller Schönheit und allen Tugenden ausgestattet, war vortrefflicher als andere Frauen; daher gab ihr der große Weise den Namen Pramadvarā [„die Vortrefflichste der Frauen“].

tām āśramapade tasya rurur dṛṣṭvā pramadvarām | babhūva kila dharmātmā madanānugatātmavān

Als Ruru, der rechtschaffene, seiner selbst mächtige, sie, Pramadvarā, an dessen Einsiedelei erblickte, wurde er fürwahr von Liebesbegehren beherrscht.

Wort für Wort
tām āśramapade tasya rurur dṛṣṭvā pramadvarām | babhūva kila dharmātmā madanānugatātmavān
Als Ruru, der rechtschaffene, seiner selbst mächtige, sie, Pramadvarā, an dessen Einsiedelei erblickte, wurde er fürwahr von Liebesbegehren beherrscht.

pitaraṃ sakhibhiḥ so 'tha vācayām āsa bhārgavaḥ | pramatiś cābhyayāc chrutvā sthūlakeśaṃ yaśasvinam

Da ließ jener Bhārgava durch seine Freunde seinem Vater Bescheid geben; und Pramati, als er davon hörte, ging zu dem ruhmreichen Sthūlakeśa.

Wort für Wort
pitaraṃ sakhibhiḥ so 'tha vācayām āsa bhārgavaḥ | pramatiś cābhyayāc chrutvā sthūlakeśaṃ yaśasvinam
Da ließ jener Bhārgava durch seine Freunde seinem Vater Bescheid geben; und Pramati, als er davon hörte, ging zu dem ruhmreichen Sthūlakeśa.

tataḥ prādāt pitā kanyāṃ rurave tāṃ pramadvarām | vivāhaṃ sthāpayitvāgre nakṣatre bhagadaivate

Da gab der Vater dem Ruru diese Tochter, Pramadvarā, zur Frau, nachdem er zuvor die Hochzeit auf den Sternentag festgesetzt hatte, dessen Gottheit Bhaga ist.

Wort für Wort
tataḥ prādāt pitā kanyāṃ rurave tāṃ pramadvarām | vivāhaṃ sthāpayitvāgre nakṣatre bhagadaivate
Da gab der Vater dem Ruru diese Tochter, Pramadvarā, zur Frau, nachdem er zuvor die Hochzeit auf den Sternentag festgesetzt hatte, dessen Gottheit Bhaga ist.

tataḥ katipayāhasya vivāhe samupasthite | sakhībhiḥ krīḍatī sārdhaṃ sā kanyā varavarṇinī

Als dann nach einigen Tagen die Hochzeit nahte, spielte jenes schönfarbige Mädchen zusammen mit ihren Freundinnen,

Wort für Wort
tataḥ katipayāhasya vivāhe samupasthite | sakhībhiḥ krīḍatī sārdhaṃ sā kanyā varavarṇinī
Als dann nach einigen Tagen die Hochzeit nahte, spielte jenes schönfarbige Mädchen zusammen mit ihren Freundinnen,

nāpaśyata prasuptaṃ vai bhujagaṃ tiryag āyatam | padā cainaṃ samākrāman mumūrṣuḥ kālacoditā

und sah eine schlafende, quer daliegende Schlange nicht; mit dem Fuß trat sie auf diese, dem Tode geweiht, vom Schicksal getrieben.

Wort für Wort
nāpaśyata prasuptaṃ vai bhujagaṃ tiryag āyatam | padā cainaṃ samākrāman mumūrṣuḥ kālacoditā
und sah eine schlafende, quer daliegende Schlange nicht; mit dem Fuß trat sie auf diese, dem Tode geweiht, vom Schicksal getrieben.

sa tasyāḥ saṃpramattāyāś coditaḥ kāladharmaṇā | viṣopaliptān daśanān bhṛśam aṅge nyapātayat

Sie [die Schlange], von ihr, die unachtsam war, getreten, vom Todesgesetz angetrieben, schlug ihre giftbeschmierten Zähne heftig in ihren Leib.

Wort für Wort
sa tasyāḥ saṃpramattāyāś coditaḥ kāladharmaṇā | viṣopaliptān daśanān bhṛśam aṅge nyapātayat
Sie [die Schlange], von ihr, die unachtsam war, getreten, vom Todesgesetz angetrieben, schlug ihre giftbeschmierten Zähne heftig in ihren Leib.

sā daṣṭā sahasā bhūmau patitā gatacetanā | vyasur aprekṣaṇīyāpi prekṣaṇīyatamākṛtiḥ

Sie, gebissen, fiel jäh zu Boden, bewusstlos, leblos – unansehnlich geworden, obwohl sie von überaus ansehnlicher Gestalt war.

Wort für Wort
sā daṣṭā sahasā bhūmau patitā gatacetanā | vyasur aprekṣaṇīyāpi prekṣaṇīyatamākṛtiḥ
Sie, gebissen, fiel jäh zu Boden, bewusstlos, leblos – unansehnlich geworden, obwohl sie von überaus ansehnlicher Gestalt war.

prasuptevābhavac cāpi bhuvi sarpaviṣārditā | bhūyo manoharatarā babhūva tanumadhyamā

Wie schlafend lag sie da auf dem Boden, vom Schlangengift gequält – und doch wurde sie, die Schlankhüftige, noch anmutiger anzusehen.

Wort für Wort
prasuptevābhavac cāpi bhuvi sarpaviṣārditā | bhūyo manoharatarā babhūva tanumadhyamā
Wie schlafend lag sie da auf dem Boden, vom Schlangengift gequält – und doch wurde sie, die Schlankhüftige, noch anmutiger anzusehen.

dadarśa tāṃ pitā caiva te caivānye tapasvinaḥ | viceṣṭamānāṃ patitāṃ bhūtale padmavarcasam

Es sahen sie sowohl der Vater als auch jene anderen Asketen, wie sie sich noch zuckend wand, gefallen auf den Erdboden, von Lotus-Glanz.

Wort für Wort
dadarśa tāṃ pitā caiva te caivānye tapasvinaḥ | viceṣṭamānāṃ patitāṃ bhūtale padmavarcasam
Es sahen sie sowohl der Vater als auch jene anderen Asketen, wie sie sich noch zuckend wand, gefallen auf den Erdboden, von Lotus-Glanz.

tataḥ sarve dvijavarāḥ samājagmuḥ kṛpānvitāḥ | svastyātreyo mahājānuḥ kuśikaḥ śaṅkhamekhalaḥ

Da kamen alle die Besten der Zweifachgeborenen zusammen, von Mitleid erfüllt: Svastyātreya, Mahājānu, Kuśika, Śaṅkhamekhala,

Wort für Wort
tataḥ sarve dvijavarāḥ samājagmuḥ kṛpānvitāḥ | svastyātreyo mahājānuḥ kuśikaḥ śaṅkhamekhalaḥ
Da kamen alle die Besten der Zweifachgeborenen zusammen, von Mitleid erfüllt: Svastyātreya, Mahājānu, Kuśika, Śaṅkhamekhala,

bhāradvājaḥ kauṇakutsa ārṣṭiṣeṇo 'tha gautamaḥ | pramatiḥ saha putreṇa tathānye vanavāsinaḥ

Bhāradvāja, Kauṇakutsa, Ārṣṭiṣeṇa und Gautama, Pramati zusammen mit seinem Sohn, und ebenso andere Waldbewohner.

Wort für Wort
bhāradvājaḥ kauṇakutsa ārṣṭiṣeṇo 'tha gautamaḥ | pramatiḥ saha putreṇa tathānye vanavāsinaḥ
Bhāradvāja, Kauṇakutsa, Ārṣṭiṣeṇa und Gautama, Pramati zusammen mit seinem Sohn, und ebenso andere Waldbewohner.

[Anm.: Diese Aufzählung versammelter Weiser besteht überwiegend aus Namen, die im Epos sonst nicht weiter handlungstragend sind; sie werden hier wörtlich, ohne eigene Glossareinträge, wiedergegeben.]

tāṃ te kanyāṃ vyasuṃ dṛṣṭvā bhujagasya viṣārditām | ruruduḥ kṛpayāviṣṭā rurus tv ārto bahir yayau

Als sie jenes leblose Mädchen sahen, vom Gift der Schlange gequält, weinten sie, von Mitleid ergriffen; Ruru aber ging, tief betrübt, hinaus.

Wort für Wort
tāṃ te kanyāṃ vyasuṃ dṛṣṭvā bhujagasya viṣārditām | ruruduḥ kṛpayāviṣṭā rurus tv ārto bahir yayau
Als sie jenes leblose Mädchen sahen, vom Gift der Schlange gequält, weinten sie, von Mitleid ergriffen; Ruru aber ging, tief betrübt, hinaus.

[Anm.: Adhyāya 8 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei; die Fortsetzung – Rurus Klage und die Wiederbelebung Pramadvarās durch einen Gesandten der Götter (Dharma-Tausch: halbe Lebenszeit) – folgt in Adhyāya 9.]

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