Die Pāṇḍavas nehmen Abschied von Bhīṣma, Dhṛtarāṣṭra, Droṇa und den Ältesten und brechen nach Vāraṇāvata auf; die trauernden Bürger, die Dhṛtarāṣṭras Unrecht offen beklagen, wollen ihnen folgen, werden aber von Yudhiṣṭhira zur Rückkehr bewogen. Vidura begleitet die Pāṇḍavas ein Stück und spricht zu Yudhiṣṭhira in Rätselworten: Er warnt verhüllt vor Gift und vor allem vor Feuer ('der nicht-metallenen, scharfen Waffe, die den Körper zerschneidet') und deutet einen unterirdischen Fluchtweg an (Bild des Stachelschweins/Höhlenbewohners). Yudhiṣṭhira bestätigt, alles verstanden zu haben. Auf Kuntīs Nachfrage erklärt er ihr den Sinn nur knapp. Am achten Tag erreichen die Pāṇḍavas Vāraṇāvata.
Vaiśaṃpāyana sprach: Die Pāṇḍavas aber, nachdem sie die Wagen mit windgleich schnellen Pferden angespannt hatten, ergriffen beim Besteigen, wie Leidende, Bhīṣmas Füße.
Vaiśaṃpāyana sprach: Die Pāṇḍavas aber, nachdem sie die Wagen mit windgleich schnellen Pferden angespannt hatten, ergriffen beim Besteigen, wie Leidende, Bhīṣmas Füße.
Nachdem sie ebenso alle Mütter um Erlaubnis gebeten und die Umschreitung [Pradakṣiṇa] vollzogen hatten, zogen sie, begleitet von allen Untertanen, nach Vāraṇāvata.
Nachdem sie ebenso alle Mütter um Erlaubnis gebeten und die Umschreitung [Pradakṣiṇa] vollzogen hatten, zogen sie, begleitet von allen Untertanen, nach Vāraṇāvata.
na hi pāpam apāpātmā rocayiṣyati pāṇḍavaḥ bhīmo vā balināṃ śreṣṭhaḥ kaunteyo vā dhanaṃjayaḥ kuta eva mahāprājñau mādrīputrau kariṣyataḥ
‚Denn der sündlose Pāṇḍava wird kein Übel gutheißen, noch Bhīma, der Beste der Starken, noch der Kaunteya Dhanaṃjaya – wieviel weniger erst die beiden hochweisen Söhne Mādrīs?'
Wort für Wort
na hi pāpam apāpātmā rocayiṣyati pāṇḍavaḥ bhīmo vā balināṃ śreṣṭhaḥ kaunteyo vā dhanaṃjayaḥ kuta eva mahāprājñau mādrīputrau kariṣyataḥ
‚Denn der sündlose Pāṇḍava wird kein Übel gutheißen, noch Bhīma, der Beste der Starken, noch der Kaunteya Dhanaṃjaya – wieviel weniger erst die beiden hochweisen Söhne Mādrīs?'
tad rājyaṃ pitṛtaḥ prāptaṃ dhṛtarāṣṭro na mṛṣyate adharmam akhilaṃ kiṃ nu bhīṣmo 'yam anumanyate vivāsyamānān asthāne kaunteyān bharatarṣabhān
‚Jenes vom Vater ererbte Königreich erträgt Dhṛtarāṣṭra ihnen nicht – doch warum billigt dieser Bhīṣma solch gänzliches Unrecht, da die Kaunteyas, o Stier der Bharatas, ohne Grund verbannt werden?'
Wort für Wort
tad rājyaṃ pitṛtaḥ prāptaṃ dhṛtarāṣṭro na mṛṣyate adharmam akhilaṃ kiṃ nu bhīṣmo 'yam anumanyate vivāsyamānān asthāne kaunteyān bharatarṣabhān
‚Jenes vom Vater ererbte Königreich erträgt Dhṛtarāṣṭra ihnen nicht – doch warum billigt dieser Bhīṣma solch gänzliches Unrecht, da die Kaunteyas, o Stier der Bharatas, ohne Grund verbannt werden?'
Als die Bürger zurückgekehrt waren, sprach Vidura, der alles Dharma Kennende, der Weise, zum Besten der Pāṇḍavas, ihn belehrend, dieses Wort – kundig verschlüsselter Rede, der Weise zum Weisen, ein rechter Kenner von Dharma und Artha:
Als die Bürger zurückgekehrt waren, sprach Vidura, der alles Dharma Kennende, der Weise, zum Besten der Pāṇḍavas, ihn belehrend, dieses Wort – kundig verschlüsselter Rede, der Weise zum Weisen, ein rechter Kenner von Dharma und Artha:
[Anm.: pralāpajña, wörtlich ‚der scheinbar wirre/verhüllte Rede kundig ist' – Vidura spricht ab hier in Rätseln, die nur Yudhiṣṭhira entschlüsseln soll (vgl. V.19-23, 28f.).
vijñāyedaṃ tathā kuryād āpadaṃ nistared yathā alohaṃ niśitaṃ śastraṃ śarīraparikartanam yo vetti na tam āghnanti pratighātavidaṃ dviṣaḥ
‚Wer dies erkennt, der handle so, dass er der Gefahr entkomme: Es gibt eine scharfe, nicht aus Metall gefertigte Waffe, die den Körper zerschneidet – wen, der sie kennt, treffen die Feinde nicht, da er die Abwehr kennt.'
Wort für Wort
vijñāyedaṃ tathā kuryād āpadaṃ nistared yathā alohaṃ niśitaṃ śastraṃ śarīraparikartanam yo vetti na tam āghnanti pratighātavidaṃ dviṣaḥ
‚Wer dies erkennt, der handle so, dass er der Gefahr entkomme: Es gibt eine scharfe, nicht aus Metall gefertigte Waffe, die den Körper zerschneidet – wen, der sie kennt, treffen die Feinde nicht, da er die Abwehr kennt.'
[Anm.: Die ‚nicht-metallene, scharfe Waffe, die den Körper zerschneidet' ist verhüllt das Feuer – Viduras verschlüsselte Warnung vor dem geplanten Anschlag.
kakṣaghnaḥ śiśiraghnaś ca mahākakṣe bilaukasaḥ na dahed iti cātmānaṃ yo rakṣati sa jīvati
‚Wer sich davor bewahrt, in großem Dickicht von dem verbrannt zu werden, was Gestrüpp und Kälte vernichtet, so wie ein Höhlenbewohner, der lebt.'
Wort für Wort
kakṣaghnaḥ śiśiraghnaś ca mahākakṣe bilaukasaḥ na dahed iti cātmānaṃ yo rakṣati sa jīvati
‚Wer sich davor bewahrt, in großem Dickicht von dem verbrannt zu werden, was Gestrüpp und Kälte vernichtet, so wie ein Höhlenbewohner, der lebt.'
[Anm.: ‚Was Gestrüpp und Kälte vernichtet' ist wiederum das Feuer; ‚Höhlenbewohner' (bilaukas) deutet auf Tiere, die sich durch Erdlöcher/Gänge vor dem Feuer retten – Hinweis auf einen Fluchttunnel.
‚Wer kein Auge hat, kennt den Weg nicht; wer kein Auge hat, findet die Himmelsrichtungen nicht; wer keine Standhaftigkeit hat, erlangt kein Gedeihen – verstehe dies, so belehrt.'
‚Wer kein Auge hat, kennt den Weg nicht; wer kein Auge hat, findet die Himmelsrichtungen nicht; wer keine Standhaftigkeit hat, erlangt kein Gedeihen – verstehe dies, so belehrt.'
‚Ein Mann erkenne die nicht-metallene Waffe, die ihm von Unzuverlässigen dargeboten wird; bei einem Stachelschwein Zuflucht suchend, entkomme er dem Feuerfresser.'
‚Ein Mann erkenne die nicht-metallene Waffe, die ihm von Unzuverlässigen dargeboten wird; bei einem Stachelschwein Zuflucht suchend, entkomme er dem Feuerfresser.'
[Anm.: Das Stachelschwein (śvāvid) als grabendes Tier verweist erneut bildhaft auf einen unterirdischen Fluchtweg.
anuśiṣṭvānugatvā ca kṛtvā cainān pradakṣiṇam pāṇḍavān abhyanujñāya viduraḥ prayayau gṛhān
Nachdem er sie so belehrt, ein Stück begleitet, die Umschreitung um sie vollzogen und von den Pāṇḍavas Abschied genommen hatte, kehrte Vidura nach Hause zurück.
Wort für Wort
anuśiṣṭvānugatvā ca kṛtvā cainān pradakṣiṇam pāṇḍavān abhyanujñāya viduraḥ prayayau gṛhān
Nachdem er sie so belehrt, ein Stück begleitet, die Umschreitung um sie vollzogen und von den Pāṇḍavas Abschied genommen hatte, kehrte Vidura nach Hause zurück.
kṣattā yad abravīd vākyaṃ janamadhye 'bruvann iva tvayā ca tat tathety ukto jānīmo na ca tad vayam
‚Was der Kṣattā [Vidura] inmitten der Leute sprach, gleichsam ohne zu sprechen, und was du mit ‚So sei es' beantwortet hast – das verstehen wir nicht.'
Wort für Wort
kṣattā yad abravīd vākyaṃ janamadhye 'bruvann iva tvayā ca tat tathety ukto jānīmo na ca tad vayam
‚Was der Kṣattā [Vidura] inmitten der Leute sprach, gleichsam ohne zu sprechen, und was du mit ‚So sei es' beantwortet hast – das verstehen wir nicht.'
Vaiśaṃpāyana sprach: Am achten Tag, unter dem Mondhaus Rohiṇī, im Monat Phālguna aufgebrochen, erreichten sie Vāraṇāvata und erblickten das Volk der Stadt.
Vaiśaṃpāyana sprach: Am achten Tag, unter dem Mondhaus Rohiṇī, im Monat Phālguna aufgebrochen, erreichten sie Vāraṇāvata und erblickten das Volk der Stadt.