Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 43: Āstīka-parva (Fortsetzung): Jaratkārus Heirat und Weggang Āstīka-parva (Fortsetzung): Jaratkāru heiratet Vāsukis Schwester, sie empfängt Āstīka, und nach einem Weck-Missverständnis verlässt er sie, fest entschlossen zur Askese — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)

Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,043.001“ bis „01,043.039“). Vāsuki gibt Jaratkāru seine gleichnamige Schwester zur Frau, unter der strengen Abmachung, dass ihm niemals etwas Unliebes gesagt werden dürfe. Nach der Empfängnis des künftigen Āstīka schläft Jaratkāru bei Sonnenuntergang ein; seine Gattin, zwischen der Furcht vor seinem Zorn und der Furcht vor einer versäumten Dämmerungsandacht hin- und hergerissen, weckt ihn schließlich. Er deutet dies als Bruch der Abmachung und verlässt sie, trotz ihres flehentlichen Bittens um der Rettung ihrer vom Mutterfluch bedrohten Verwandten willen — versichert ihr aber, dass die Leibesfrucht in ihr zu einem großen, rechtschaffenen Seher heranwachsen werde. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.

sūta uvāca | vāsukis tv abravīd vākyaṃ jaratkārum ṛṣiṃ tadā | sanāmā tava kanyeyaṃ svasā me tapasānvitā

Sūta sprach: Vāsuki aber sprach da zum Seher Jaratkāru dieses Wort: „Gleichnamig mit dir ist diese Jungfrau, meine Schwester, von Askese erfüllt.

Wort für Wort
sūta uvāca | vāsukis tv abravīd vākyaṃ jaratkārum ṛṣiṃ tadā | sanāmā tava kanyeyaṃ svasā me tapasānvitā
Sūta sprach: Vāsuki aber sprach da zum Seher Jaratkāru dieses Wort: „Gleichnamig mit dir ist diese Jungfrau, meine Schwester, von Askese erfüllt.

bhariṣyāmi ca te bhāryāṃ pratīcchemāṃ dvijottama | rakṣaṇaṃ ca kariṣye 'syāḥ sarvaśaktyā tapodhana

Und ich werde für deine Gattin sorgen — nimm sie an, Bester der Zweifachgeborenen; und ich werde ihren Schutz mit aller Kraft übernehmen, Asketenreicher.“

Wort für Wort
bhariṣyāmi ca te bhāryāṃ pratīcchemāṃ dvijottama | rakṣaṇaṃ ca kariṣye 'syāḥ sarvaśaktyā tapodhana
Und ich werde für deine Gattin sorgen — nimm sie an, Bester der Zweifachgeborenen; und ich werde ihren Schutz mit aller Kraft übernehmen, Asketenreicher.“

pratiśrute tu nāgena bhariṣye bhaginīm iti | jaratkārus tadā veśma bhujagasya jagāma ha

Nachdem die Schlange versprochen hatte, für die Schwester zu sorgen, begab sich Jaratkāru da zum Haus der Schlange.

Wort für Wort
pratiśrute tu nāgena bhariṣye bhaginīm iti | jaratkārus tadā veśma bhujagasya jagāma ha
Nachdem die Schlange versprochen hatte, für die Schwester zu sorgen, begab sich Jaratkāru da zum Haus der Schlange.

tatra mantravidāṃ śreṣṭhas tapovṛddho mahāvrataḥ | jagrāha pāṇiṃ dharmātmā vidhimantrapuraskṛtam

Dort ergriff er, der Beste der Zauberspruchkundigen, an Askese gereift, von großem Gelübde, der Rechtschaffene, ihre Hand, nach vorgeschriebenem Ritus und Sprüchen.

Wort für Wort
tatra mantravidāṃ śreṣṭhas tapovṛddho mahāvrataḥ | jagrāha pāṇiṃ dharmātmā vidhimantrapuraskṛtam
Dort ergriff er, der Beste der Zauberspruchkundigen, an Askese gereift, von großem Gelübde, der Rechtschaffene, ihre Hand, nach vorgeschriebenem Ritus und Sprüchen.

tato vāsagṛhaṃ śubhraṃ pannagendrasya saṃmatam | jagāma bhāryām ādāya stūyamāno maharṣibhiḥ

Dann ging er, seine Gattin mit sich nehmend, von den großen Sehern gepriesen, zu dem strahlenden, dem Schlangenkönig genehmen Brautgemach.

Wort für Wort
tato vāsagṛhaṃ śubhraṃ pannagendrasya saṃmatam | jagāma bhāryām ādāya stūyamāno maharṣibhiḥ
Dann ging er, seine Gattin mit sich nehmend, von den großen Sehern gepriesen, zu dem strahlenden, dem Schlangenkönig genehmen Brautgemach.

śayanaṃ tatra vai kḷptaṃ spardhyāstaraṇasaṃvṛtam | tatra bhāryāsahāyaḥ sa jaratkārur uvāsa ha

Dort war ein Lager bereitet, mit kostbaren Decken bedeckt; dort weilte Jaratkāru, mit seiner Gattin zusammen.

Wort für Wort
śayanaṃ tatra vai kḷptaṃ spardhyāstaraṇasaṃvṛtam | tatra bhāryāsahāyaḥ sa jaratkārur uvāsa ha
Dort war ein Lager bereitet, mit kostbaren Decken bedeckt; dort weilte Jaratkāru, mit seiner Gattin zusammen.

sa tatra samayaṃ cakre bhāryayā saha sattamaḥ | vipriyaṃ me na kartavyaṃ na ca vācyaṃ kadā cana

Er, der Beste, schloss dort mit seiner Gattin eine Abmachung: „Nichts Unliebes darf mir getan werden, und niemals darf etwas Unliebes zu mir gesagt werden.

Wort für Wort
sa tatra samayaṃ cakre bhāryayā saha sattamaḥ | vipriyaṃ me na kartavyaṃ na ca vācyaṃ kadā cana
Er, der Beste, schloss dort mit seiner Gattin eine Abmachung: „Nichts Unliebes darf mir getan werden, und niemals darf etwas Unliebes zu mir gesagt werden.

tyajeyam apriye hi tvāṃ kṛte vāsaṃ ca te gṛhe | etad gṛhāṇa vacanaṃ mayā yat samudīritam

Denn wenn etwas Unliebes geschehen sollte, würde ich dich verlassen und nicht länger in deinem Haus verweilen; nimm dieses Wort an, das von mir ausgesprochen wurde.“

Wort für Wort
tyajeyam apriye hi tvāṃ kṛte vāsaṃ ca te gṛhe | etad gṛhāṇa vacanaṃ mayā yat samudīritam
Denn wenn etwas Unliebes geschehen sollte, würde ich dich verlassen und nicht länger in deinem Haus verweilen; nimm dieses Wort an, das von mir ausgesprochen wurde.“

tataḥ paramasaṃvignā svasā nāgapates tu sā | atiduḥkhānvitā vācaṃ tam uvācaivam astv iti

Da, überaus erschüttert, jene Schwester des Schlangenherrn, überaus von Schmerz erfüllt, sprach zu ihm das Wort: „So sei es.“

Wort für Wort
tataḥ paramasaṃvignā svasā nāgapates tu sā | atiduḥkhānvitā vācaṃ tam uvācaivam astv iti
Da, überaus erschüttert, jene Schwester des Schlangenherrn, überaus von Schmerz erfüllt, sprach zu ihm das Wort: „So sei es.“

tathaiva sā ca bhartāraṃ duḥkhaśīlam upācarat | upāyaiḥ śvetakākīyaiḥ priyakāmā yaśasvinī

Ebenso bediente sie fortan den von schwerem Wesen seienden Gatten, mit den Mitteln der „Śvetakākī“, voller Liebe wünschend, sie, die Ruhmreiche.

Wort für Wort
tathaiva sā ca bhartāraṃ duḥkhaśīlam upācarat | upāyaiḥ śvetakākīyaiḥ priyakāmā yaśasvinī
Ebenso bediente sie fortan den von schwerem Wesen seienden Gatten, mit den Mitteln der „Śvetakākī“, voller Liebe wünschend, sie, die Ruhmreiche.

[Anm.: „śvetakākīyaiḥ upāyaiḥ“ („mit den Methoden/Mitteln der ‚weißen Krähe'“) ist eine unklare, vermutlich sprichwörtliche Wendung für äußerste Sorgfalt und Umsicht (wie man ein seltenes, kostbares Wesen hegt); der genaue Bezug der Redewendung ist nicht sicher zu bestimmen und wird hier wörtlich wiedergegeben.]

ṛtukāle tataḥ snātā kadā cid vāsukeḥ svasā | bhartāraṃ taṃ yathānyāyam upatasthe mahāmunim

Zur Zeit der Fruchtbarkeit, gebadet, näherte sich einst die Schwester Vāsukis ihrem Gatten, dem großen Muni, wie es sich gehört.

Wort für Wort
ṛtukāle tataḥ snātā kadā cid vāsukeḥ svasā | bhartāraṃ taṃ yathānyāyam upatasthe mahāmunim
Zur Zeit der Fruchtbarkeit, gebadet, näherte sich einst die Schwester Vāsukis ihrem Gatten, dem großen Muni, wie es sich gehört.

tatra tasyāḥ samabhavad garbho jvalanasaṃnibhaḥ | atīva tapasā yukto vaiśvānarasamadyutiḥ | śuklapakṣe yathā somo vyavardhata tathaiva saḥ

Da entstand in ihr eine Leibesfrucht, feuergleich, überaus von Askese durchdrungen, an Glanz dem Feuer gleich; wie der Mond in der hellen Monatshälfte wuchs, so wuchs auch sie heran.

Wort für Wort
tatra tasyāḥ samabhavad garbho jvalanasaṃnibhaḥ | atīva tapasā yukto vaiśvānarasamadyutiḥ | śuklapakṣe yathā somo vyavardhata tathaiva saḥ
Da entstand in ihr eine Leibesfrucht, feuergleich, überaus von Askese durchdrungen, an Glanz dem Feuer gleich; wie der Mond in der hellen Monatshälfte wuchs, so wuchs auch sie heran.

tataḥ katipayāhasya jaratkārur mahātapāḥ | utsaṅge 'syāḥ śiraḥ kṛtvā suṣvāpa parikhinnavat

Nach einigen Tagen legte Jaratkāru, von großer Askese, seinen Kopf in ihren Schoß und schlief, wie erschöpft.

Wort für Wort
tataḥ katipayāhasya jaratkārur mahātapāḥ | utsaṅge 'syāḥ śiraḥ kṛtvā suṣvāpa parikhinnavat
Nach einigen Tagen legte Jaratkāru, von großer Askese, seinen Kopf in ihren Schoß und schlief, wie erschöpft.

tasmiṃś ca supte viprendre savitāstam iyād girim | ahnaḥ parikṣaye brahmaṃs tataḥ sācintayat tadā | vāsuker bhaginī bhītā dharmalopān manasvinī

Und während jener beste der Weisen schlief, wollte die Sonne sich dem Berg des Untergangs nähern; am Ende des Tages, o Brahmane, überlegte da Vāsukis Schwester, ängstlich wegen einer möglichen Pflichtverletzung, sie, die Kluge:

Wort für Wort
tasmiṃś ca supte viprendre savitāstam iyād girim | ahnaḥ parikṣaye brahmaṃs tataḥ sācintayat tadā | vāsuker bhaginī bhītā dharmalopān manasvinī
Und während jener beste der Weisen schlief, wollte die Sonne sich dem Berg des Untergangs nähern; am Ende des Tages, o Brahmane, überlegte da Vāsukis Schwester, ängstlich wegen einer möglichen Pflichtverletzung, sie, die Kluge:

kiṃ nu me sukṛtaṃ bhūyād bhartur utthāpanaṃ na vā | duḥkhaśīlo hi dharmātmā kathaṃ nāsyāparādhnuyām

„Was wäre wohl für mich das Rechte — meinen Gatten zu wecken oder nicht? Denn er ist von schwerem Wesen und rechtschaffen; wie könnte ich es machen, ohne mich an ihm zu verfehlen?

Wort für Wort
kiṃ nu me sukṛtaṃ bhūyād bhartur utthāpanaṃ na vā | duḥkhaśīlo hi dharmātmā kathaṃ nāsyāparādhnuyām
„Was wäre wohl für mich das Rechte — meinen Gatten zu wecken oder nicht? Denn er ist von schwerem Wesen und rechtschaffen; wie könnte ich es machen, ohne mich an ihm zu verfehlen?

kopo vā dharmaśīlasya dharmalopo 'tha vā punaḥ | dharmalopo garīyān vai syād atrety akaron manaḥ

Entweder der Zorn des Pflichttreuen, oder aber eine Pflichtverletzung meinerseits — die Pflichtverletzung wiegt hier gewiss schwerer“ — so fasste sie ihren Entschluss.

Wort für Wort
kopo vā dharmaśīlasya dharmalopo 'tha vā punaḥ | dharmalopo garīyān vai syād atrety akaron manaḥ
Entweder der Zorn des Pflichttreuen, oder aber eine Pflichtverletzung meinerseits — die Pflichtverletzung wiegt hier gewiss schwerer“ — so fasste sie ihren Entschluss.

utthāpayiṣye yady enaṃ dhruvaṃ kopaṃ kariṣyati | dharmalopo bhaved asya saṃdhyātikramaṇe dhruvam

Wenn ich ihn wecke, wird er gewiss zornig werden; doch eine Pflichtverletzung seinerseits entstünde gewiss, wenn die Dämmerungsandacht versäumt wird.

Wort für Wort
utthāpayiṣye yady enaṃ dhruvaṃ kopaṃ kariṣyati | dharmalopo bhaved asya saṃdhyātikramaṇe dhruvam
Wenn ich ihn wecke, wird er gewiss zornig werden; doch eine Pflichtverletzung seinerseits entstünde gewiss, wenn die Dämmerungsandacht versäumt wird.

iti niścitya manasā jaratkārur bhujaṃgamā | tam ṛṣiṃ dīptatapasaṃ śayānam analopamam | uvācedaṃ vacaḥ ślakṣṇaṃ tato madhurabhāṣiṇī

So im Geiste entschlossen, sprach die Schlangenfrau Jaratkāru zu jenem Seher, dessen Askese loderte, wie er da lag, dem Feuer gleich, dieses sanfte Wort, sie, die Süßsprechende:

Wort für Wort
iti niścitya manasā jaratkārur bhujaṃgamā | tam ṛṣiṃ dīptatapasaṃ śayānam analopamam | uvācedaṃ vacaḥ ślakṣṇaṃ tato madhurabhāṣiṇī
So im Geiste entschlossen, sprach die Schlangenfrau Jaratkāru zu jenem Seher, dessen Askese loderte, wie er da lag, dem Feuer gleich, dieses sanfte Wort, sie, die Süßsprechende:

uttiṣṭha tvaṃ mahābhāga sūryo 'stam upagacchati | saṃdhyām upāssva bhagavann apaḥ spṛṣṭvā yatavrataḥ

„Steh auf, du Hochgesegneter! Die Sonne geht unter; verrichte die Dämmerungsandacht, Erhabener, nachdem du Wasser berührt hast, dem Gelübde treu.

Wort für Wort
uttiṣṭha tvaṃ mahābhāga sūryo 'stam upagacchati | saṃdhyām upāssva bhagavann apaḥ spṛṣṭvā yatavrataḥ
„Steh auf, du Hochgesegneter! Die Sonne geht unter; verrichte die Dämmerungsandacht, Erhabener, nachdem du Wasser berührt hast, dem Gelübde treu.

prāduṣkṛtāgnihotro 'yaṃ muhūrto ramyadāruṇaḥ | saṃdhyā pravartate ceyaṃ paścimāyāṃ diśi prabho

Diese Stunde, die zum Vollzug des Feueropfers bestimmt ist, ist zugleich lieblich und schrecklich; und diese Dämmerung bricht an, in westlicher Richtung, o Herr.“

Wort für Wort
prāduṣkṛtāgnihotro 'yaṃ muhūrto ramyadāruṇaḥ | saṃdhyā pravartate ceyaṃ paścimāyāṃ diśi prabho
Diese Stunde, die zum Vollzug des Feueropfers bestimmt ist, ist zugleich lieblich und schrecklich; und diese Dämmerung bricht an, in westlicher Richtung, o Herr.“

evam uktaḥ sa bhagavāñ jaratkārur mahātapāḥ | bhāryāṃ prasphuramāṇoṣṭha idaṃ vacanam abravīt

So angesprochen, sprach der erhabene Jaratkāru, von großer Askese, mit bebenden Lippen zu seiner Gattin dieses Wort:

Wort für Wort
evam uktaḥ sa bhagavāñ jaratkārur mahātapāḥ | bhāryāṃ prasphuramāṇoṣṭha idaṃ vacanam abravīt
So angesprochen, sprach der erhabene Jaratkāru, von großer Askese, mit bebenden Lippen zu seiner Gattin dieses Wort:

avamānaḥ prayukto 'yaṃ tvayā mama bhujaṃgame | samīpe te na vatsyāmi gamiṣyāmi yathāgatam

„Diese Missachtung ist mir von dir zugefügt worden, Schlangenfrau; ich werde nicht länger bei dir verweilen — ich werde gehen, wie ich gekommen bin.

Wort für Wort
avamānaḥ prayukto 'yaṃ tvayā mama bhujaṃgame | samīpe te na vatsyāmi gamiṣyāmi yathāgatam
„Diese Missachtung ist mir von dir zugefügt worden, Schlangenfrau; ich werde nicht länger bei dir verweilen — ich werde gehen, wie ich gekommen bin.

na hi tejo 'sti vāmoru mayi supte vibhāvasoḥ | astaṃ gantuṃ yathākālam iti me hṛdi vartate

Denn während ich schliefe, hätte die Sonne, du Schöne von schönen Hüften, gar nicht die Macht gehabt, zur [vermeintlich] rechten Zeit unterzugehen — so ist es mir im Herzen gewiss.

Wort für Wort
na hi tejo 'sti vāmoru mayi supte vibhāvasoḥ | astaṃ gantuṃ yathākālam iti me hṛdi vartate
Denn während ich schliefe, hätte die Sonne, du Schöne von schönen Hüften, gar nicht die Macht gehabt, zur [vermeintlich] rechten Zeit unterzugehen — so ist es mir im Herzen gewiss.

[Anm.: Der genaue Gedankengang ist knapp und etwas dunkel; Jaratkāru scheint zu behaupten, seine eigene asketische Kraft halte den Lauf der Sonne gleichsam in seiner Gewalt, sodass ihre Sorge unbegründet gewesen sei — daher empfindet er ihr Wecken als unnötige Kränkung. „vibhāvasu“ bezeichnet hier, im Anschluss an V.19 („sūryaḥ“), die Sonne, nicht Agni (vgl. Glossareintrag zu „Vibhāvasu“).]

na cāpy avamatasyeha vastuṃ roceta kasya cit | kiṃ punar dharmaśīlasya mama vā madvidhasya vā

Auch gefiele es niemandem, an einem Ort zu verweilen, an dem er missachtet wurde — wie viel weniger mir, der ich von pflichttreuem Wesen bin, oder einem Meinesgleichen.

Wort für Wort
na cāpy avamatasyeha vastuṃ roceta kasya cit | kiṃ punar dharmaśīlasya mama vā madvidhasya vā
Auch gefiele es niemandem, an einem Ort zu verweilen, an dem er missachtet wurde — wie viel weniger mir, der ich von pflichttreuem Wesen bin, oder einem Meinesgleichen.

evam uktā jaratkārur bhartrā hṛdayakampanam | abravīd bhaginī tatra vāsukeḥ saṃniveśane

So von ihrem Gatten angesprochen, mit einem Wort, das ihr Herz erzittern ließ, sprach da Jaratkāru, die Schwester, im Haus Vāsukis:

Wort für Wort
evam uktā jaratkārur bhartrā hṛdayakampanam | abravīd bhaginī tatra vāsukeḥ saṃniveśane
So von ihrem Gatten angesprochen, mit einem Wort, das ihr Herz erzittern ließ, sprach da Jaratkāru, die Schwester, im Haus Vāsukis:

nāvamānāt kṛtavatī tavāhaṃ pratibodhanam | dharmalopo na te vipra syād ity etat kṛtaṃ mayā

„Nicht aus Missachtung habe ich dich geweckt; damit dir keine Pflichtverletzung widerfahre, o Weiser, habe ich dies getan.“

Wort für Wort
nāvamānāt kṛtavatī tavāhaṃ pratibodhanam | dharmalopo na te vipra syād ity etat kṛtaṃ mayā
„Nicht aus Missachtung habe ich dich geweckt; damit dir keine Pflichtverletzung widerfahre, o Weiser, habe ich dies getan.“

uvāca bhāryām ity ukto jaratkārur mahātapāḥ | ṛṣiḥ kopasamāviṣṭas tyaktukāmo bhujaṃgamām

So angesprochen, sprach Jaratkāru, der Seher von großer Askese, von Zorn ergriffen, willens, die Schlangenfrau zu verlassen, zu seiner Gattin:

Wort für Wort
uvāca bhāryām ity ukto jaratkārur mahātapāḥ | ṛṣiḥ kopasamāviṣṭas tyaktukāmo bhujaṃgamām
So angesprochen, sprach Jaratkāru, der Seher von großer Askese, von Zorn ergriffen, willens, die Schlangenfrau zu verlassen, zu seiner Gattin:

na me vāg anṛtaṃ prāha gamiṣye 'haṃ bhujaṃgame | samayo hy eṣa me pūrvaṃ tvayā saha mithaḥ kṛtaḥ

„Mein Wort spricht nicht Unwahres — ich werde gehen, Schlangenfrau; denn diese Abmachung wurde von mir zuvor mit dir gegenseitig getroffen.

Wort für Wort
na me vāg anṛtaṃ prāha gamiṣye 'haṃ bhujaṃgame | samayo hy eṣa me pūrvaṃ tvayā saha mithaḥ kṛtaḥ
„Mein Wort spricht nicht Unwahres — ich werde gehen, Schlangenfrau; denn diese Abmachung wurde von mir zuvor mit dir gegenseitig getroffen.

sukham asmy uṣito bhadre brūyās tvaṃ bhrātaraṃ śubhe | ito mayi gate bhīru gataḥ sa bhagavān iti | tvaṃ cāpi mayi niṣkrānte na śokaṃ kartum arhasi

Glücklich habe ich bei dir geweilt, du Gute; sage du deinem Bruder, du Holde, wenn ich von hier gegangen bin, du Furchtsame: ‚Jener Erhabene ist fortgegangen'; und auch du sollst, wenn ich fortgegangen bin, nicht trauern.“

Wort für Wort
sukham asmy uṣito bhadre brūyās tvaṃ bhrātaraṃ śubhe | ito mayi gate bhīru gataḥ sa bhagavān iti | tvaṃ cāpi mayi niṣkrānte na śokaṃ kartum arhasi
Glücklich habe ich bei dir geweilt, du Gute; sage du deinem Bruder, du Holde, wenn ich von hier gegangen bin, du Furchtsame: ‚Jener Erhabene ist fortgegangen'; und auch du sollst, wenn ich fortgegangen bin, nicht trauern.“

ity uktā sānavadyāṅgī pratyuvāca patiṃ tadā | jaratkāruṃ jaratkāruś cintāśokaparāyaṇā

So angesprochen, erwiderte sie, von makellosen Gliedern, ihrem Gatten Jaratkāru da — Jaratkāru, die Schwester, Sorge und Kummer hingegeben —

Wort für Wort
ity uktā sānavadyāṅgī pratyuvāca patiṃ tadā | jaratkāruṃ jaratkāruś cintāśokaparāyaṇā
So angesprochen, erwiderte sie, von makellosen Gliedern, ihrem Gatten Jaratkāru da — Jaratkāru, die Schwester, Sorge und Kummer hingegeben —

bāṣpagadgadayā vācā mukhena pariśuṣyatā | kṛtāñjalir varārohā paryaśrunayanā tataḥ | dhairyam ālambya vāmorūr hṛdayena pravepatā

mit von Tränen erstickter Stimme, mit vertrocknendem Gesicht, die Hände gefaltet, sie mit den schönen Hüften, mit tränenumflorten Augen, sich an Standhaftigkeit klammernd, das Herz erzitternd:

Wort für Wort
bāṣpagadgadayā vācā mukhena pariśuṣyatā | kṛtāñjalir varārohā paryaśrunayanā tataḥ | dhairyam ālambya vāmorūr hṛdayena pravepatā
mit von Tränen erstickter Stimme, mit vertrocknendem Gesicht, die Hände gefaltet, sie mit den schönen Hüften, mit tränenumflorten Augen, sich an Standhaftigkeit klammernd, das Herz erzitternd:

na mām arhasi dharmajña parityaktum anāgasam | dharme sthitāṃ sthito dharme sadā priyahite ratām

„Du solltest mich nicht verlassen, o Pflichtkundiger, mich, die Schuldlose, die in der Pflicht Verharrende — du, selbst in der Pflicht verharrend —, mich, die stets dem lieben Wohl ihres Gatten zugetan war.

Wort für Wort
na mām arhasi dharmajña parityaktum anāgasam | dharme sthitāṃ sthito dharme sadā priyahite ratām
„Du solltest mich nicht verlassen, o Pflichtkundiger, mich, die Schuldlose, die in der Pflicht Verharrende — du, selbst in der Pflicht verharrend —, mich, die stets dem lieben Wohl ihres Gatten zugetan war.

pradāne kāraṇaṃ yac ca mama tubhyaṃ dvijottama | tad alabdhavatīṃ mandāṃ kiṃ māṃ vakṣyati vāsukhiḥ

Und was den Grund für meine Übergabe an dich betrifft, o Bester der Zweifachgeborenen — was wird Vāsuki zu mir, der Unglücklichen, die dies nicht erlangt hat, sagen?

Wort für Wort
pradāne kāraṇaṃ yac ca mama tubhyaṃ dvijottama | tad alabdhavatīṃ mandāṃ kiṃ māṃ vakṣyati vāsukhiḥ
Und was den Grund für meine Übergabe an dich betrifft, o Bester der Zweifachgeborenen — was wird Vāsuki zu mir, der Unglücklichen, die dies nicht erlangt hat, sagen?

mātṛśāpābhibhūtānāṃ jñātīnāṃ mama sattama | apatyam īpṣitaṃ tvattas tac ca tāvan na dṛśyate

Für meine vom Mutterfluch überwältigten Verwandten, o Bester, ist von dir ein ersehnter Nachkomme erhofft worden, und dieser ist bislang nicht sichtbar geworden.

Wort für Wort
mātṛśāpābhibhūtānāṃ jñātīnāṃ mama sattama | apatyam īpṣitaṃ tvattas tac ca tāvan na dṛśyate
Für meine vom Mutterfluch überwältigten Verwandten, o Bester, ist von dir ein ersehnter Nachkomme erhofft worden, und dieser ist bislang nicht sichtbar geworden.

tvatto hy apatyalābhena jñātīnāṃ me śivaṃ bhavet | saṃprayogo bhaven nāyaṃ mama moghas tvayā dvija

Denn durch den Gewinn eines Nachkommen von dir würde meinen Verwandten Heil zuteil; diese meine Vereinigung mit dir möge nicht vergeblich sein, o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
tvatto hy apatyalābhena jñātīnāṃ me śivaṃ bhavet | saṃprayogo bhaven nāyaṃ mama moghas tvayā dvija
Denn durch den Gewinn eines Nachkommen von dir würde meinen Verwandten Heil zuteil; diese meine Vereinigung mit dir möge nicht vergeblich sein, o Zweifachgeborener.

jñātīnāṃ hitam icchantī bhagavaṃs tvāṃ prasādaye | imam avyaktarūpaṃ me garbham ādhāya sattama | kathaṃ tyaktvā mahātmā san gantum icchasy anāgasam

Das Wohl meiner Verwandten wünschend, bitte ich dich um Gnade, Erhabener: Wie kannst du, nachdem du mir diese noch unentfaltete Leibesfrucht gegeben hast, o Bester, mich, die Schuldlose, verlassen wollen, obwohl du hochgesinnt bist?“

Wort für Wort
jñātīnāṃ hitam icchantī bhagavaṃs tvāṃ prasādaye | imam avyaktarūpaṃ me garbham ādhāya sattama | kathaṃ tyaktvā mahātmā san gantum icchasy anāgasam
Das Wohl meiner Verwandten wünschend, bitte ich dich um Gnade, Erhabener: Wie kannst du, nachdem du mir diese noch unentfaltete Leibesfrucht gegeben hast, o Bester, mich, die Schuldlose, verlassen wollen, obwohl du hochgesinnt bist?“

evam uktas tu sa munir bhāryāṃ vacanam abravīt | yady uktam anurūpaṃ ca jaratkārus tapodhanaḥ

So angesprochen, sprach jener Muni, Jaratkāru, der Asketenreiche, zu seiner Gattin ein Wort, das dem von ihr Gesagten entsprach:

Wort für Wort
evam uktas tu sa munir bhāryāṃ vacanam abravīt | yady uktam anurūpaṃ ca jaratkārus tapodhanaḥ
So angesprochen, sprach jener Muni, Jaratkāru, der Asketenreiche, zu seiner Gattin ein Wort, das dem von ihr Gesagten entsprach:

asty eṣa garbhaḥ subhage tava vaiśvānaropamaḥ | ṛṣiḥ paramadharmātmā vedavedāṅgapāragaḥ

„Diese Leibesfrucht in dir, du Holde, dem Feuer gleich, wird gewiss ein Seher von höchster Rechtschaffenheit, ein Meister der Veden und Vedāṅgas werden.“

Wort für Wort
asty eṣa garbhaḥ subhage tava vaiśvānaropamaḥ | ṛṣiḥ paramadharmātmā vedavedāṅgapāragaḥ
„Diese Leibesfrucht in dir, du Holde, dem Feuer gleich, wird gewiss ein Seher von höchster Rechtschaffenheit, ein Meister der Veden und Vedāṅgas werden.“

evam uktvā sa dharmātmā jaratkārur mahān ṛṣiḥ | ugrāya tapase bhūyo jagāma kṛtaniścayaḥ

Nachdem er so gesprochen hatte, ging der rechtschaffene, große Seher Jaratkāru, fest entschlossen, wieder zu strenger Askese fort.

Wort für Wort
evam uktvā sa dharmātmā jaratkārur mahān ṛṣiḥ | ugrāya tapase bhūyo jagāma kṛtaniścayaḥ
Nachdem er so gesprochen hatte, ging der rechtschaffene, große Seher Jaratkāru, fest entschlossen, wieder zu strenger Askese fort.

[Anm.: Adhyāya 43 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei. Trotz seines Weggangs versichert Jaratkāru seiner Gattin die Bestimmung des ungeborenen Kindes zu einem großen Seher — dies ist der künftige Āstīka, dessen Geburt und Errettung der Schlangen im folgenden Adhyāya erzählt wird.]

Dieses Kapitel in der Leseansicht