Kapitel 27: Āstīka-parva (Fortsetzung): die Rückblende von Garuḍas Ursprung
Āstīka-parva (Fortsetzung): Rückblende – Indras Hochmut gegenüber den Vālakhilyas, ihr Gegen-Indra-Fluch, und Garuḍas Geburt und Weihe als Indra der Vögel — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)
Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,027.001“ bis „01,027.035“). Auf Śaunakas Frage nach dem Ursprung von Garuḍas unbezwingbarer Kraft erzählt Sūta eine Rückblende zu Kaśyapas Sohnesopfer: Indra verspottet dort die winzigen, erschöpften Vālakhilya-Weisen; diese erschaffen durch ihre Askese einen Gegen-Indra-Fluch. Kaśyapa vermittelt: statt Brahmās Ordnung zu durchkreuzen, soll der neue, überlegene Wesen als „Indra der Vögel“ entstehen – als Bruder und Verbündeter, nicht als Rivale, Indras. Zugleich empfängt Vinatā durch Kaśyapas Segen zwei Söhne: den verkrüppelten Aruṇa (Vorläufer der Sonne, vgl. Adh.14) und Garuḍa, der zum Indra der Vögel geweiht wird. Die Rückblende schließt, die Haupthandlung setzt mit dem Amṛta-Raub fort. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.
śaunaka uvāca | ko 'parādho mahendrasya kaḥ pramādaś ca sūtaja | tapasā vālakhilyānāṃ saṃbhūto garuḍaḥ katham
Śaunaka sprach: Welches Vergehen, welche Nachlässigkeit des großen Indra war es, o Sohn des Sūta, und wie ist Garuḍa durch die Askese der Vālakhilyas entstanden?
Wort für Wort
śaunaka uvāca | ko 'parādho mahendrasya kaḥ pramādaś ca sūtaja | tapasā vālakhilyānāṃ saṃbhūto garuḍaḥ katham
Śaunaka sprach: Welches Vergehen, welche Nachlässigkeit des großen Indra war es, o Sohn des Sūta, und wie ist Garuḍa durch die Askese der Vālakhilyas entstanden?
sūta uvāca | viṣayo 'yaṃ purāṇasya yan māṃ tvaṃ paripṛcchasi | śṛṇu me vadataḥ sarvam etat saṃkṣepato dvija
Sūta sprach: Dies ist ein Gegenstand des Purāṇa, wonach du mich fragst; höre alles dies, was ich der Reihe nach in Kürze berichte, o Zweifachgeborener.
Wort für Wort
sūta uvāca | viṣayo 'yaṃ purāṇasya yan māṃ tvaṃ paripṛcchasi | śṛṇu me vadataḥ sarvam etat saṃkṣepato dvija
Sūta sprach: Dies ist ein Gegenstand des Purāṇa, wonach du mich fragst; höre alles dies, was ich der Reihe nach in Kürze berichte, o Zweifachgeborener.
tāṃś ca sarvān smayāviṣṭo vīryonmattaḥ puraṃdaraḥ | avahasyātyagāc chīghraṃ laṅghayitvāvamanya ca
Sie alle verlachte, von Hochmut erfüllt, kraftberauscht, Puraṃdara [Indra]; er verspottete sie und eilte rasch vorbei, indem er über sie hinwegsprang und sie geringschätzte.
Wort für Wort
tāṃś ca sarvān smayāviṣṭo vīryonmattaḥ puraṃdaraḥ | avahasyātyagāc chīghraṃ laṅghayitvāvamanya ca
Sie alle verlachte, von Hochmut erfüllt, kraftberauscht, Puraṃdara [Indra]; er verspottete sie und eilte rasch vorbei, indem er über sie hinwegsprang und sie geringschätzte.
Sie, jene von großer Askese, brachten vorschriftsgemäß dem Jātavedas [Feuer] ein Opfer dar, mit mancherlei Mantras, jene Zweifachgeborenen, um eines Wunsches willen – höre, welchen:
Sie, jene von großer Askese, brachten vorschriftsgemäß dem Jātavedas [Feuer] ein Opfer dar, mit mancherlei Mantras, jene Zweifachgeborenen, um eines Wunsches willen – höre, welchen:
„Von beliebiger Kraft, nach Belieben wandelnd, dem Götterkönig Furcht einflößend, möge ein anderer Indra über alle Götter werden!“ – so sprachen sie, von strengen Gelübden.
„Von beliebiger Kraft, nach Belieben wandelnd, dem Götterkönig Furcht einflößend, möge ein anderer Indra über alle Götter werden!“ – so sprachen sie, von strengen Gelübden.
„Hundertfach stärker als Indra an Kampfkraft und Heldenmut, geschwind wie der Gedanke, möge heute durch die Frucht unserer Askese ein Furchtbarer entstehen!“
„Hundertfach stärker als Indra an Kampfkraft und Heldenmut, geschwind wie der Gedanke, möge heute durch die Frucht unserer Askese ein Furchtbarer entstehen!“
„Dieser Indra ist auf Geheiß Brahmās zum Herrscher der drei Welten gemacht worden; und auch ihr, o Askesereiche, habt euch um eines anderen Indra willen bemüht.“
„Dieser Indra ist auf Geheiß Brahmās zum Herrscher der drei Welten gemacht worden; und auch ihr, o Askesereiche, habt euch um eines anderen Indra willen bemüht.“
„Dieses unser Unternehmen war um Indras willen, o Prajāpati; doch dieses Unternehmen, das um eines Nachkommens willen ist, ist auch von dir erwünscht.“
„Dieses unser Unternehmen war um Indras willen, o Prajāpati; doch dieses Unternehmen, das um eines Nachkommens willen ist, ist auch von dir erwünscht.“
tapasā vālakhilyānāṃ mama saṃkalpajau tathā | bhaviṣyato mahābhāgau putrau te lokapūjitau
„durch die Askese der Vālakhilyas und ebenso durch meinen Entschluss gezeugt, werden dir zwei hochgesegnete, von der Welt verehrte Söhne geboren werden.“
Wort für Wort
tapasā vālakhilyānāṃ mama saṃkalpajau tathā | bhaviṣyato mahābhāgau putrau te lokapūjitau
„durch die Askese der Vālakhilyas und ebenso durch meinen Entschluss gezeugt, werden dir zwei hochgesegnete, von der Welt verehrte Söhne geboren werden.“
uvāca caināṃ bhagavān mārīcaḥ punar eva ha | dhāryatām apramādena garbho 'yaṃ sumahodayaḥ
Und wiederum sprach der erhabene Mārīca [Kaśyapa] zu ihr: „Trage diese Leibesfrucht sorgsam und ohne Nachlässigkeit; überaus großen Ausgang hat diese Schwangerschaft.“
Wort für Wort
uvāca caināṃ bhagavān mārīcaḥ punar eva ha | dhāryatām apramādena garbho 'yaṃ sumahodayaḥ
Und wiederum sprach der erhabene Mārīca [Kaśyapa] zu ihr: „Trage diese Leibesfrucht sorgsam und ohne Nachlässigkeit; überaus großen Ausgang hat diese Schwangerschaft.“
[Anm.: „Mārīca“ („Sohn des Marīci“) ist ein Beiname Kaśyapas.]
na cāpy evaṃ tvayā bhūyaḥ kṣeptavyā brahmavādinaḥ | na cāvamānyā darpāt te vāgviṣā bhṛśakopanāḥ
„Doch sollst du nie wieder die Brahma-Kundigen schmähen, noch sollst du sie aus Hochmut verachten – ihr Wortgift ist, wenn erzürnt, überaus furchtbar.“
Wort für Wort
na cāpy evaṃ tvayā bhūyaḥ kṣeptavyā brahmavādinaḥ | na cāvamānyā darpāt te vāgviṣā bhṛśakopanāḥ
„Doch sollst du nie wieder die Brahma-Kundigen schmähen, noch sollst du sie aus Hochmut verachten – ihr Wortgift ist, wenn erzürnt, überaus furchtbar.“
patatrīṇāṃ tu garuḍa indratvenābhyaṣicyata | tasyaitat karma sumahac chrūyatāṃ bhṛgunandana
Garuḍa aber wurde zum Indra der Vögel geweiht; höre nun seine überaus große Tat, o Nachkomme Bhṛgus.
Wort für Wort
patatrīṇāṃ tu garuḍa indratvenābhyaṣicyata | tasyaitat karma sumahac chrūyatāṃ bhṛgunandana
Garuḍa aber wurde zum Indra der Vögel geweiht; höre nun seine überaus große Tat, o Nachkomme Bhṛgus.
[Anm.: Damit schließt die Rückblende, welche die Rahmenerzählung mit den bereits berichteten Ereignissen (Adh.14, 20) verknüpft; die Haupthandlung setzt in Adhyāya 28 mit dem eigentlichen Amṛta-Raub fort.]