Kapitel 56: Bhāratamāhātmyam (Adhyāya 56, Kritische Ausgabe)
Das Lob des Mahābhārata
Janamejaya bittet um die ausführliche Erzählung; Vaiśampāyana antwortet mit dem berühmten Māhātmya-Abschnitt: Lob und Verheißung des Werks (100.000 Verse, ursprünglicher Titel 'Jaya', Wirkung beim Hören/Vortragen, Gleichrang mit den Veden), endend mit dem vielzitierten Vers 'was hier ist, ist auch anderswo; was hier nicht ist, ist nirgends'.
Janamejaya sprach: „Kurz zusammengefasst hast du mir alles erzählt, bester der Zweifachgeborenen: die Mahābhārata-Erzählung, das große Wirken der Kurus.“
Janamejaya sprach: „Kurz zusammengefasst hast du mir alles erzählt, bester der Zweifachgeborenen: die Mahābhārata-Erzählung, das große Wirken der Kurus.“
kathāṃ tv anagha citrārthām imāṃ kathayati tvayi vistaraśravaṇe jātaṃ kautūhalam atīva me
„Doch da du mir diese wunderbare, inhaltsreiche Geschichte erzählst, o Schuldloser – mein Verlangen, sie ausführlich zu hören, ist überaus groß geworden.“
Wort für Wort
kathāṃ tv anagha citrārthām imāṃ kathayati tvayi vistaraśravaṇe jātaṃ kautūhalam atīva me
„Doch da du mir diese wunderbare, inhaltsreiche Geschichte erzählst, o Schuldloser – mein Verlangen, sie ausführlich zu hören, ist überaus groß geworden.“
na tat kāraṇam alpaṃ hi dharmajñā yatra pāṇḍavāḥ avadhyān sarvaśo jaghnuḥ praśasyante ca mānavaiḥ
„Denn das ist kein geringer Grund: dass die Pāṇḍavas, die doch den Dharma kennen, [Verwandte,] die eigentlich nicht getötet werden durften, überall erschlugen und dennoch von den Menschen gepriesen werden.“
Wort für Wort
na tat kāraṇam alpaṃ hi dharmajñā yatra pāṇḍavāḥ avadhyān sarvaśo jaghnuḥ praśasyante ca mānavaiḥ
„Denn das ist kein geringer Grund: dass die Pāṇḍavas, die doch den Dharma kennen, [Verwandte,] die eigentlich nicht getötet werden durften, überall erschlugen und dennoch von den Menschen gepriesen werden.“
[Anm.: „avadhyān“ – wörtlich ‚die Unangreifbaren/Nicht-zu-Tötenden‘ – zielt auf das moralische Paradox des Krieges: die Pāṇḍavas töteten Lehrer und Verwandte und werden dennoch als rechtschaffen gepriesen.]
kathaṃ nāgāyutaprāṇo bāhuśālī vṛkodaraḥ parikliśyann api krodhaṃ dhṛtavān vai dvijottama
„Wie konnte Vṛkodara, dessen Kraft der von zehntausend Elefanten gleicht, von gewaltigen Armen, obwohl gequält, seinen Zorn zurückhalten, bester der Zweifachgeborenen?“
Wort für Wort
kathaṃ nāgāyutaprāṇo bāhuśālī vṛkodaraḥ parikliśyann api krodhaṃ dhṛtavān vai dvijottama
„Wie konnte Vṛkodara, dessen Kraft der von zehntausend Elefanten gleicht, von gewaltigen Armen, obwohl gequält, seinen Zorn zurückhalten, bester der Zweifachgeborenen?“
„Wie konnte jene Kṛṣṇā Draupadī, von den Übelgesinnten gequält, obwohl fähig, die Söhne des Dhṛtarāṣṭra nicht mit ihrem schrecklichen Blick verbrennen, die Tugendhafte?“
„Wie konnte jene Kṛṣṇā Draupadī, von den Übelgesinnten gequält, obwohl fähig, die Söhne des Dhṛtarāṣṭra nicht mit ihrem schrecklichen Blick verbrennen, die Tugendhafte?“
„Wie ertrugen es die Söhne Pṛthās und ebenso die beiden Söhne der Mādrī, wie sie dem Tiger unter den Männern [Yudhiṣṭhira] folgten, der beim Würfelspiel von den Übelgesinnten hintergangen wurde?“
„Wie ertrugen es die Söhne Pṛthās und ebenso die beiden Söhne der Mādrī, wie sie dem Tiger unter den Männern [Yudhiṣṭhira] folgten, der beim Würfelspiel von den Übelgesinnten hintergangen wurde?“
„Und wie konnte Dhanaṃjaya, der Pāṇḍava mit Kṛṣṇa als Wagenlenker, allein, mit seinen Pfeilen schießend, all die zahlreichen Heere in die Welt der Väter [den Tod] führen?“
„Und wie konnte Dhanaṃjaya, der Pāṇḍava mit Kṛṣṇa als Wagenlenker, allein, mit seinen Pfeilen schießend, all die zahlreichen Heere in die Welt der Väter [den Tod] führen?“
Vaiśampāyana sprach: „Die Lehrmeinung jenes großen Sehers, des in allen Welten Verehrten, Großmütigen, will ich vollständig verkünden – die Lehrmeinung des Vyāsa von unermesslicher Glut.“
Vaiśampāyana sprach: „Die Lehrmeinung jenes großen Sehers, des in allen Welten Verehrten, Großmütigen, will ich vollständig verkünden – die Lehrmeinung des Vyāsa von unermesslicher Glut.“
idaṃ śatasahasraṃ hi ślokānāṃ puṇyakarmaṇām satyavatyātmajeneha vyākhyātam amitaujasā
„Dieses Hunderttausend an Versen, von verdienstvollen Taten handelnd, ist hier vom Sohn der Satyavatī, dem von unermesslicher Kraft, dargelegt worden.“
Wort für Wort
idaṃ śatasahasraṃ hi ślokānāṃ puṇyakarmaṇām satyavatyātmajeneha vyākhyātam amitaujasā
„Dieses Hunderttausend an Versen, von verdienstvollen Taten handelnd, ist hier vom Sohn der Satyavatī, dem von unermesslicher Kraft, dargelegt worden.“
idaṃ hi vedaiḥ samitaṃ pavitram api cottamam śrāvyāṇām uttamaṃ cedaṃ purāṇam ṛṣisaṃstutam
„Denn dies steht im Einklang mit den Veden und ist zudem überaus läuternd; unter dem, was zu hören sich lohnt, ist dies das Vortrefflichste – ein uraltes Werk, von Sehern gepriesen.“
Wort für Wort
idaṃ hi vedaiḥ samitaṃ pavitram api cottamam śrāvyāṇām uttamaṃ cedaṃ purāṇam ṛṣisaṃstutam
„Denn dies steht im Einklang mit den Veden und ist zudem überaus läuternd; unter dem, was zu hören sich lohnt, ist dies das Vortrefflichste – ein uraltes Werk, von Sehern gepriesen.“
asminn arthaś ca dharmaś ca nikhilenopadiśyate itihāse mahāpuṇye buddhiś ca parinaiṣṭhikī
„In ihm werden Nutzen und Rechtschaffenheit vollständig gelehrt, in dieser überaus verdienstvollen Geschichte, sowie die zur Vollendung führende Einsicht.“
Wort für Wort
asminn arthaś ca dharmaś ca nikhilenopadiśyate itihāse mahāpuṇye buddhiś ca parinaiṣṭhikī
„In ihm werden Nutzen und Rechtschaffenheit vollständig gelehrt, in dieser überaus verdienstvollen Geschichte, sowie die zur Vollendung führende Einsicht.“
„Wer nicht kleinlich, freigebig, wahrhaftig gesinnt und kein Leugner ist und diesen Kṛṣṇa-Veda vortragen lässt, der Kundige, erlangt seinen Zweck.“
[Anm.: „kārṣṇaṃ vedam“ – wörtlich ‚den Kṛṣṇa[-Dvaipāyana]-Veda‘ – bezeichnet hier das Mahābhārata selbst, dem damit veda-gleicher Rang zugesprochen wird.]
„Auch die Sünde, die durch Kindstötung begangen wurde, würde er zweifellos ablegen – selbst ein überaus grausamer Mensch, wenn er diese Geschichte hört.“
„Auch die Sünde, die durch Kindstötung begangen wurde, würde er zweifellos ablegen – selbst ein überaus grausamer Mensch, wenn er diese Geschichte hört.“
„'Sieg' [Jaya] heißt diese Geschichte; sie sollte von dem gehört werden, der zu siegen wünscht; er wird die ganze Erde erobern und auch seine Feinde besiegen.“
„'Sieg' [Jaya] heißt diese Geschichte; sie sollte von dem gehört werden, der zu siegen wünscht; er wird die ganze Erde erobern und auch seine Feinde besiegen.“
[Anm.: „Jaya“ (‚Sieg‘) gilt als der älteste überlieferte Titel des Werks, aus dem sich das spätere ‚Mahābhārata‘ entwickelt haben soll.]
„Dies ist das vortrefflichste Puṃsavana [Ritual für männliche Nachkommenschaft], dies ist das große Segensritual [Svastyayana]; von der Hauptkönigin und dem Kronprinzen sollte es vielfach gehört werden.“
„Dies ist das vortrefflichste Puṃsavana [Ritual für männliche Nachkommenschaft], dies ist das große Segensritual [Svastyayana]; von der Hauptkönigin und dem Kronprinzen sollte es vielfach gehört werden.“
„Diese verdienstvolle Schrift ist eine Lehre vom Nutzen, diese ist die höchste Lehre vom Dharma, diese wird als Lehre von der Erlösung bezeichnet, von Vyāsa, dem von unermesslichem Verstand.“
„Diese verdienstvolle Schrift ist eine Lehre vom Nutzen, diese ist die höchste Lehre vom Dharma, diese wird als Lehre von der Erlösung bezeichnet, von Vyāsa, dem von unermesslichem Verstand.“
„Für die, welche von der großen Geburt der Bhāratas hören, ohne Missgunst – für sie gibt es keine Furcht vor Krankheit; wie sollte es da Furcht vor der jenseitigen Welt geben?“
„Für die, welche von der großen Geburt der Bhāratas hören, ohne Missgunst – für sie gibt es keine Furcht vor Krankheit; wie sollte es da Furcht vor der jenseitigen Welt geben?“
dhanyaṃ yaśasyam āyuṣyaṃ svargyaṃ puṇyaṃ tathaiva ca kṛṣṇadvaipāyanenedaṃ kṛtaṃ puṇyacikīrṣuṇā
Glückverheißend, ruhmbringend, lebensverlängernd, himmelbringend und ebenso verdienstvoll – so hat Kṛṣṇa Dvaipāyana dies geschaffen, in der Absicht, Verdienst zu wirken,
Wort für Wort
dhanyaṃ yaśasyam āyuṣyaṃ svargyaṃ puṇyaṃ tathaiva ca kṛṣṇadvaipāyanenedaṃ kṛtaṃ puṇyacikīrṣuṇā
Glückverheißend, ruhmbringend, lebensverlängernd, himmelbringend und ebenso verdienstvoll – so hat Kṛṣṇa Dvaipāyana dies geschaffen, in der Absicht, Verdienst zu wirken,
ya idaṃ śrāvayed vidvān brāhmaṇān iha parvasu dhūtapāpmā jitasvargo brahmabhūyaṃ sa gacchati
Wer dies Wissende hier bei den Parva-Festen Brahmanen vortragen lässt, wird von Sünde gereinigt, erobert den Himmel und gelangt zur Wesensgleichheit mit Brahman.
Wort für Wort
ya idaṃ śrāvayed vidvān brāhmaṇān iha parvasu dhūtapāpmā jitasvargo brahmabhūyaṃ sa gacchati
Wer dies Wissende hier bei den Parva-Festen Brahmanen vortragen lässt, wird von Sünde gereinigt, erobert den Himmel und gelangt zur Wesensgleichheit mit Brahman.
Und wer dies beim Totenopfer Brahmanen vortragen lässt, und sei es nur einen Versfuß am Ende – dessen Totenopfer wird unerschöpflich und erreicht auch die Ahnen.
Und wer dies beim Totenopfer Brahmanen vortragen lässt, und sei es nur einen Versfuß am Ende – dessen Totenopfer wird unerschöpflich und erreicht auch die Ahnen.