Kapitel 113: Durvāsomantra-Prakāśanam
Kuntī enthüllt das Durvāsas-Mantra
Pāṇḍu bekräftigt Kuntīs Argument mit zwei weiteren Präzedenzfällen: der uralten, freien Vielehe der Frauen vor Śvetaketus zorniger Einführung der ehelichen Treuepflicht, und Madayantīs Niyoga mit Vasiṣṭha im Auftrag ihres Gatten Saudāsa/Kalmāṣapāda (Vater des Aśmaka). Kuntī offenbart daraufhin ihr Geheimnis: Als junges Mädchen im Haus ihres Vaters hatte sie einst den strengen Asketen Durvāsas so gut bedient, dass er ihr ein Mantra zur Anrufung jedes beliebigen Gottes schenkte. Mit Pāṇḍus Erlaubnis soll sie es nun erstmals anwenden; Pāṇḍu weist sie an, zuerst den Gott Dharma herbeizurufen.
Vaiśaṃpāyana sprach: So von ihr angesprochen, erwiderte der König, der Kenner des Dharma, jener Herrin darauf diese vortreffliche, dem Dharma gemäße Rede:
Vaiśaṃpāyana sprach: So von ihr angesprochen, erwiderte der König, der Kenner des Dharma, jener Herrin darauf diese vortreffliche, dem Dharma gemäße Rede:
atha tv imaṃ pravakṣyāmi dharmaṃ tv etaṃ nibodha me purāṇam ṛṣibhir dṛṣṭaṃ dharmavidbhir mahātmabhiḥ
Doch nun will ich dir diesen weiteren Dharma verkünden; vernimm ihn von mir – den alten, von den Ṛṣis, den hochgesinnten Kennern des Dharma, geschauten.
Wort für Wort
atha tv imaṃ pravakṣyāmi dharmaṃ tv etaṃ nibodha me purāṇam ṛṣibhir dṛṣṭaṃ dharmavidbhir mahātmabhiḥ
Doch nun will ich dir diesen weiteren Dharma verkünden; vernimm ihn von mir – den alten, von den Ṛṣis, den hochgesinnten Kennern des Dharma, geschauten.
Und eben diesem alten Dharma folgen die im Tierreich geborenen Geschöpfe bis heute, frei von Zuneigung und Abneigung; dieser alte, geschaute Dharma wird auch von den großen Ṛṣis verehrt.
Und eben diesem alten Dharma folgen die im Tierreich geborenen Geschöpfe bis heute, frei von Zuneigung und Abneigung; dieser alte, geschaute Dharma wird auch von den großen Ṛṣis verehrt.
Von ihm empfing sie, die schöne Gattin des Kalmāṣapāda, aus Liebe zu ihrem Gatten handelnd, einen Sohn namens Aśmaka.
[Anm.: Saudāsa und Kalmāṣapāda bezeichnen dieselbe Person – letzterer Name (‚Fleckfuß') bezieht sich auf eine andernorts erzählte Verfluchung dieses Königs.]
Zu jeder fruchtbaren Zeit, o Königstochter, soll der durch sein Gelübde beherrschte Gatte einer Frau nicht übergangen werden – so kennen die Kenner des Dharma diesen Dharma;
Zu jeder fruchtbaren Zeit, o Königstochter, soll der durch sein Gelübde beherrschte Gatte einer Frau nicht übergangen werden – so kennen die Kenner des Dharma diesen Dharma;
bhartā bhāryāṃ rājaputri dharmyaṃ vādharmyam eva vā yad brūyāt tat tathā kāryam iti dharmavido viduḥ
Was der Gatte seiner Gattin, o Königstochter, gebietet, ob es dem Dharma entspricht oder nicht, das sei genau so zu tun – so wissen es die Kenner des Dharma;
Wort für Wort
bhartā bhāryāṃ rājaputri dharmyaṃ vādharmyam eva vā yad brūyāt tat tathā kāryam iti dharmavido viduḥ
Was der Gatte seiner Gattin, o Königstochter, gebietet, ob es dem Dharma entspricht oder nicht, das sei genau so zu tun – so wissen es die Kenner des Dharma;
besonders wenn er nach einem Sohn verlangt, selbst der Zeugungskraft beraubt, so wie ich, o Makellosgliedrige, nach dem Anblick eines Sohnes begierig bin.
besonders wenn er nach einem Sohn verlangt, selbst der Zeugungskraft beraubt, so wie ich, o Makellosgliedrige, nach dem Anblick eines Sohnes begierig bin.
Darum erhebe ich zu deiner Gnade, o Glückverheißende, diese meine Hände, deren Innenflächen rot und lotosblattgleich sind, ehrfürchtig gefaltet über meinem Haupt;
Darum erhebe ich zu deiner Gnade, o Glückverheißende, diese meine Hände, deren Innenflächen rot und lotosblattgleich sind, ehrfürchtig gefaltet über meinem Haupt;
auf mein Geheiß, o du mit schönem Haar, solltest du von einem an Askese überlegenen Zweifachgeborenen tugendbegabte Söhne hervorbringen; um deinetwillen, o Breithüftige, möge ich zum Los der Väter gelangen.'
auf mein Geheiß, o du mit schönem Haar, solltest du von einem an Askese überlegenen Zweifachgeborenen tugendbegabte Söhne hervorbringen; um deinetwillen, o Breithüftige, möge ich zum Los der Väter gelangen.'
So angesprochen, erwiderte darauf Kuntī, die Schöngestaltete, dem Pāṇḍu, dem Bezwinger feindlicher Städte, sie, dem Wohl und der Freude ihres Gatten zugetan:
So angesprochen, erwiderte darauf Kuntī, die Schöngestaltete, dem Pāṇḍu, dem Bezwinger feindlicher Städte, sie, dem Wohl und der Freude ihres Gatten zugetan:
pitṛveśmany ahaṃ bālā niyuktātithipūjane ugraṃ paryacaraṃ tatra brāhmaṇaṃ saṃśitavratam
‚Im Hause meines Vaters, als ich noch ein Mädchen war, mit dem Empfang von Gästen betraut, bediente ich dort einen strengen Brahmanen von scharfem Gelübde,
Wort für Wort
pitṛveśmany ahaṃ bālā niyuktātithipūjane ugraṃ paryacaraṃ tatra brāhmaṇaṃ saṃśitavratam
‚Im Hause meines Vaters, als ich noch ein Mädchen war, mit dem Empfang von Gästen betraut, bediente ich dort einen strengen Brahmanen von scharfem Gelübde,
anujñātā tvayā devam āhvayeyam ahaṃ nṛpa tena mantreṇa rājarṣe yathā syān nau prajā vibho
Von dir ermächtigt, o König, möchte ich mit jenem Mantra einen Gott herbeirufen, o Königsweiser, o Herr, damit uns beiden Nachkommenschaft zuteilwerde.'
Wort für Wort
anujñātā tvayā devam āhvayeyam ahaṃ nṛpa tena mantreṇa rājarṣe yathā syān nau prajā vibho
Von dir ermächtigt, o König, möchte ich mit jenem Mantra einen Gott herbeirufen, o Königsweiser, o Herr, damit uns beiden Nachkommenschaft zuteilwerde.'
pāṇḍur uvāca adyaiva tvaṃ varārohe prayatasva yathāvidhi dharmam āvāhaya śubhe sa hi deveṣu puṇyabhāk
Pāṇḍu sprach: ‚Noch heute, o Schöngestaltete, bereite dich vorschriftsgemäß vor; rufe den Dharma herbei, o Glückverheißende, denn er ist unter den Göttern der Tugendhafteste.
Wort für Wort
pāṇḍur uvāca adyaiva tvaṃ varārohe prayatasva yathāvidhi dharmam āvāhaya śubhe sa hi deveṣu puṇyabhāk
Pāṇḍu sprach: ‚Noch heute, o Schöngestaltete, bereite dich vorschriftsgemäß vor; rufe den Dharma herbei, o Glückverheißende, denn er ist unter den Göttern der Tugendhafteste.
Vaiśaṃpāyana sprach: So angesprochen, sagte jene schöngestaltete Frau ‚So sei es' zu ihrem Gatten, verneigte sich, wurde von ihm entlassen, und umschritt ihn zum Zeichen der Ehrerbietung.
Vaiśaṃpāyana sprach: So angesprochen, sagte jene schöngestaltete Frau ‚So sei es' zu ihrem Gatten, verneigte sich, wurde von ihm entlassen, und umschritt ihn zum Zeichen der Ehrerbietung.