Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 113: Durvāsomantra-Prakāśanam Kuntī enthüllt das Durvāsas-Mantra

Pāṇḍu bekräftigt Kuntīs Argument mit zwei weiteren Präzedenzfällen: der uralten, freien Vielehe der Frauen vor Śvetaketus zorniger Einführung der ehelichen Treuepflicht, und Madayantīs Niyoga mit Vasiṣṭha im Auftrag ihres Gatten Saudāsa/Kalmāṣapāda (Vater des Aśmaka). Kuntī offenbart daraufhin ihr Geheimnis: Als junges Mädchen im Haus ihres Vaters hatte sie einst den strengen Asketen Durvāsas so gut bedient, dass er ihr ein Mantra zur Anrufung jedes beliebigen Gottes schenkte. Mit Pāṇḍus Erlaubnis soll sie es nun erstmals anwenden; Pāṇḍu weist sie an, zuerst den Gott Dharma herbeizurufen.

vaiśaṃpāyana uvāca evam uktas tayā rājā tāṃ devīṃ punar abravīt dharmavid dharmasaṃyuktam idaṃ vacanam uttamam

Vaiśaṃpāyana sprach: So von ihr angesprochen, erwiderte der König, der Kenner des Dharma, jener Herrin darauf diese vortreffliche, dem Dharma gemäße Rede:

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca evam uktas tayā rājā tāṃ devīṃ punar abravīt dharmavid dharmasaṃyuktam idaṃ vacanam uttamam
Vaiśaṃpāyana sprach: So von ihr angesprochen, erwiderte der König, der Kenner des Dharma, jener Herrin darauf diese vortreffliche, dem Dharma gemäße Rede:

evam etat purā kunti vyuṣitāśvaś cakāra ha yathā tvayoktaṃ kalyāṇi sa hy āsīd amaropamaḥ

‚So war es einst, o Kuntī; Vyuṣitāśva tat es, wie du gesagt hast, o Holde; denn er war den Unsterblichen gleich.

Wort für Wort
evam etat purā kunti vyuṣitāśvaś cakāra ha yathā tvayoktaṃ kalyāṇi sa hy āsīd amaropamaḥ
‚So war es einst, o Kuntī; Vyuṣitāśva tat es, wie du gesagt hast, o Holde; denn er war den Unsterblichen gleich.

atha tv imaṃ pravakṣyāmi dharmaṃ tv etaṃ nibodha me purāṇam ṛṣibhir dṛṣṭaṃ dharmavidbhir mahātmabhiḥ

Doch nun will ich dir diesen weiteren Dharma verkünden; vernimm ihn von mir – den alten, von den Ṛṣis, den hochgesinnten Kennern des Dharma, geschauten.

Wort für Wort
atha tv imaṃ pravakṣyāmi dharmaṃ tv etaṃ nibodha me purāṇam ṛṣibhir dṛṣṭaṃ dharmavidbhir mahātmabhiḥ
Doch nun will ich dir diesen weiteren Dharma verkünden; vernimm ihn von mir – den alten, von den Ṛṣis, den hochgesinnten Kennern des Dharma, geschauten.

anāvṛtāḥ kila purā striya āsan varānane kāmacāravihāriṇyaḥ svatantrāś cārulocane

Unverschleiert waren einst, so heißt es, die Frauen, o Schönantlitzige, nach Belieben wandelnd, eigenständig, o Schönäugige,

Wort für Wort
anāvṛtāḥ kila purā striya āsan varānane kāmacāravihāriṇyaḥ svatantrāś cārulocane
Unverschleiert waren einst, so heißt es, die Frauen, o Schönantlitzige, nach Belieben wandelnd, eigenständig, o Schönäugige,

tāsāṃ vyuccaramāṇānāṃ kaumārāt subhage patīn nādharmo 'bhūd varārohe sa hi dharmaḥ purābhavat

und wenn sie, o Holde, seit ihrer Jugend die Gatten wechselten, war dies kein Unrecht, o Schöngestaltete; denn eben dies war einst der Dharma.

Wort für Wort
tāsāṃ vyuccaramāṇānāṃ kaumārāt subhage patīn nādharmo 'bhūd varārohe sa hi dharmaḥ purābhavat
und wenn sie, o Holde, seit ihrer Jugend die Gatten wechselten, war dies kein Unrecht, o Schöngestaltete; denn eben dies war einst der Dharma.

taṃ caiva dharmaṃ paurāṇaṃ tiryagyonigatāḥ prajāḥ adyāpy anuvidhīyante kāmadveṣavivarjitāḥ purāṇadṛṣṭo dharmo 'yaṃ pūjyate ca maharṣibhiḥ

Und eben diesem alten Dharma folgen die im Tierreich geborenen Geschöpfe bis heute, frei von Zuneigung und Abneigung; dieser alte, geschaute Dharma wird auch von den großen Ṛṣis verehrt.

Wort für Wort
taṃ caiva dharmaṃ paurāṇaṃ tiryagyonigatāḥ prajāḥ adyāpy anuvidhīyante kāmadveṣavivarjitāḥ purāṇadṛṣṭo dharmo 'yaṃ pūjyate ca maharṣibhiḥ
Und eben diesem alten Dharma folgen die im Tierreich geborenen Geschöpfe bis heute, frei von Zuneigung und Abneigung; dieser alte, geschaute Dharma wird auch von den großen Ṛṣis verehrt.

uttareṣu ca rambhoru kuruṣv adyāpi vartate strīṇām anugrahakaraḥ sa hi dharmaḥ sanātanaḥ

Und bei den Nord-Kurus, o Bananenstaudenschenklige, besteht er bis heute – jener den Frauen Gunst erweisende, ewige Dharma.

Wort für Wort
uttareṣu ca rambhoru kuruṣv adyāpi vartate strīṇām anugrahakaraḥ sa hi dharmaḥ sanātanaḥ
Und bei den Nord-Kurus, o Bananenstaudenschenklige, besteht er bis heute – jener den Frauen Gunst erweisende, ewige Dharma.

asmiṃs tu loke nacirān maryādeyaṃ śucismite sthāpitā yena yasmāc ca tan me vistarataḥ śṛṇu

In dieser Welt aber wurde erst vor kurzem diese Schranke festgesetzt – von wem und weshalb, das höre nun ausführlich von mir, o du mit reinem Lächeln.

Wort für Wort
asmiṃs tu loke nacirān maryādeyaṃ śucismite sthāpitā yena yasmāc ca tan me vistarataḥ śṛṇu
In dieser Welt aber wurde erst vor kurzem diese Schranke festgesetzt – von wem und weshalb, das höre nun ausführlich von mir, o du mit reinem Lächeln.

babhūvoddālako nāma maharṣir iti naḥ śrutam śvetaketur iti khyātaḥ putras tasyābhavan muniḥ

Es lebte ein großer Ṛṣi namens Uddālaka, so haben wir gehört; sein Sohn war ein Muni, bekannt als Śvetaketu.

Wort für Wort
babhūvoddālako nāma maharṣir iti naḥ śrutam śvetaketur iti khyātaḥ putras tasyābhavan muniḥ
Es lebte ein großer Ṛṣi namens Uddālaka, so haben wir gehört; sein Sohn war ein Muni, bekannt als Śvetaketu.

maryādeyaṃ kṛtā tena mānuṣeṣv iti naḥ śrutam kopāt kamalapatrākṣi yadarthaṃ tan nibodha me

Von ihm wurde diese Schranke unter den Menschen aus Zorn eingeführt, so haben wir gehört; weswegen, das vernimm von mir, o Lotusblattäugige.

Wort für Wort
maryādeyaṃ kṛtā tena mānuṣeṣv iti naḥ śrutam kopāt kamalapatrākṣi yadarthaṃ tan nibodha me
Von ihm wurde diese Schranke unter den Menschen aus Zorn eingeführt, so haben wir gehört; weswegen, das vernimm von mir, o Lotusblattäugige.

śvetaketoḥ kila purā samakṣaṃ mātaraṃ pituḥ jagrāha brāhmaṇaḥ pāṇau gacchāva iti cābravīt

Einst, so heißt es, ergriff, vor den Augen des Śvetaketu, seine Mutter ein Brahmane bei der Hand, im Beisein des Vaters, und sprach: ‚Lass uns gehen.'

Wort für Wort
śvetaketoḥ kila purā samakṣaṃ mātaraṃ pituḥ jagrāha brāhmaṇaḥ pāṇau gacchāva iti cābravīt
Einst, so heißt es, ergriff, vor den Augen des Śvetaketu, seine Mutter ein Brahmane bei der Hand, im Beisein des Vaters, und sprach: ‚Lass uns gehen.'

ṛṣiputras tataḥ kopaṃ cakārāmarṣitas tadā mātaraṃ tāṃ tathā dṛṣṭvā nīyamānāṃ balād iva

Da geriet der Ṛṣi-Sohn in Zorn, unwillig darüber, seine Mutter so gesehen zu haben, wie sie gleichsam gewaltsam fortgeführt wurde.

Wort für Wort
ṛṣiputras tataḥ kopaṃ cakārāmarṣitas tadā mātaraṃ tāṃ tathā dṛṣṭvā nīyamānāṃ balād iva
Da geriet der Ṛṣi-Sohn in Zorn, unwillig darüber, seine Mutter so gesehen zu haben, wie sie gleichsam gewaltsam fortgeführt wurde.

kruddhaṃ taṃ tu pitā dṛṣṭvā śvetaketum uvāca ha mā tāta kopaṃ kārṣīs tvam eṣa dharmaḥ sanātanaḥ

Als der Vater ihn, den zornigen Śvetaketu, sah, sprach er: ‚Mein Sohn, zürne nicht; dies ist der ewige Dharma.

Wort für Wort
kruddhaṃ taṃ tu pitā dṛṣṭvā śvetaketum uvāca ha mā tāta kopaṃ kārṣīs tvam eṣa dharmaḥ sanātanaḥ
Als der Vater ihn, den zornigen Śvetaketu, sah, sprach er: ‚Mein Sohn, zürne nicht; dies ist der ewige Dharma.

anāvṛtā hi sarveṣāṃ varṇānām aṅganā bhuvi yathā gāvaḥ sthitās tāta sve sve varṇe tathā prajāḥ

Denn die Frauen aller Stände sind auf Erden unverschleiert; wie die Kühe, mein Sohn, so verhalten sich die Geschöpfe, ein jedes in seinem Stand.'

Wort für Wort
anāvṛtā hi sarveṣāṃ varṇānām aṅganā bhuvi yathā gāvaḥ sthitās tāta sve sve varṇe tathā prajāḥ
Denn die Frauen aller Stände sind auf Erden unverschleiert; wie die Kühe, mein Sohn, so verhalten sich die Geschöpfe, ein jedes in seinem Stand.'

ṛṣiputro 'tha taṃ dharmaṃ śvetaketur na cakṣame cakāra caiva maryādām imāṃ strīpuṃsayor bhuvi

Der Ṛṣi-Sohn Śvetaketu aber ertrug jenen Dharma nicht und führte diese Schranke zwischen Frau und Mann auf Erden ein –

Wort für Wort
ṛṣiputro 'tha taṃ dharmaṃ śvetaketur na cakṣame cakāra caiva maryādām imāṃ strīpuṃsayor bhuvi
Der Ṛṣi-Sohn Śvetaketu aber ertrug jenen Dharma nicht und führte diese Schranke zwischen Frau und Mann auf Erden ein –

mānuṣeṣu mahābhāge na tv evānyeṣu jantuṣu tadā prabhṛti maryādā sthiteyam iti naḥ śrutam

unter den Menschen, o Hochgesegnete, nicht aber bei den übrigen Geschöpfen; seit jener Zeit besteht diese Schranke, so haben wir gehört.

Wort für Wort
mānuṣeṣu mahābhāge na tv evānyeṣu jantuṣu tadā prabhṛti maryādā sthiteyam iti naḥ śrutam
unter den Menschen, o Hochgesegnete, nicht aber bei den übrigen Geschöpfen; seit jener Zeit besteht diese Schranke, so haben wir gehört.

vyuccarantyāḥ patiṃ nāryā adya prabhṛti pātakam bhrūṇahatyākṛtaṃ pāpaṃ bhaviṣyaty asukhāvaham

Für eine Frau, die von heute an ihren Gatten treulos verlässt, wird die Sünde eines begangenen Kindsmordes entstehen, die Unglück bringt;

Wort für Wort
vyuccarantyāḥ patiṃ nāryā adya prabhṛti pātakam bhrūṇahatyākṛtaṃ pāpaṃ bhaviṣyaty asukhāvaham
Für eine Frau, die von heute an ihren Gatten treulos verlässt, wird die Sünde eines begangenen Kindsmordes entstehen, die Unglück bringt;

bhāryāṃ tathā vyuccarataḥ kaumārīṃ brahmacāriṇīm pativratām etad eva bhavitā pātakaṃ bhuvi

und ebenso für den, der seine noch jungfräuliche, keusche, dem Gatten treuergebene Gattin verlässt, wird auf Erden eben diese Sünde entstehen;

Wort für Wort
bhāryāṃ tathā vyuccarataḥ kaumārīṃ brahmacāriṇīm pativratām etad eva bhavitā pātakaṃ bhuvi
und ebenso für den, der seine noch jungfräuliche, keusche, dem Gatten treuergebene Gattin verlässt, wird auf Erden eben diese Sünde entstehen;

patyā niyuktā yā caiva patny apatyārtham eva ca na kariṣyati tasyāś ca bhaviṣyaty etad eva hi

und auch für jene Gattin, die, vom Gatten beauftragt, allein um der Nachkommenschaft willen es nicht tut, wird ebendies gelten.'

Wort für Wort
patyā niyuktā yā caiva patny apatyārtham eva ca na kariṣyati tasyāś ca bhaviṣyaty etad eva hi
und auch für jene Gattin, die, vom Gatten beauftragt, allein um der Nachkommenschaft willen es nicht tut, wird ebendies gelten.'

iti tena purā bhīru maryādā sthāpitā balāt uddālakasya putreṇa dharmyā vai śvetaketunā

So wurde einst, o Furchtsame, von ihm, dem Sohn des Uddālaka, dem frommen Śvetaketu, jene Schranke mit Nachdruck festgesetzt.

Wort für Wort
iti tena purā bhīru maryādā sthāpitā balāt uddālakasya putreṇa dharmyā vai śvetaketunā
So wurde einst, o Furchtsame, von ihm, dem Sohn des Uddālaka, dem frommen Śvetaketu, jene Schranke mit Nachdruck festgesetzt.

saudāsena ca rambhoru niyuktāpatyajanmani madayantī jagāmarṣiṃ vasiṣṭham iti naḥ śrutam

Und von Saudāsa beauftragt, zur Zeugung von Nachkommenschaft, ging Madayantī, o Bananenstaudenschenklige, zum Ṛṣi Vasiṣṭha, so haben wir gehört.

Wort für Wort
saudāsena ca rambhoru niyuktāpatyajanmani madayantī jagāmarṣiṃ vasiṣṭham iti naḥ śrutam
Und von Saudāsa beauftragt, zur Zeugung von Nachkommenschaft, ging Madayantī, o Bananenstaudenschenklige, zum Ṛṣi Vasiṣṭha, so haben wir gehört.

tasmāl lebhe ca sā putram aśmakaṃ nāma bhāminī bhāryā kalmāṣapādasya bhartuḥ priyacikīrṣayā

Von ihm empfing sie, die schöne Gattin des Kalmāṣapāda, aus Liebe zu ihrem Gatten handelnd, einen Sohn namens Aśmaka.

Wort für Wort
tasmāl lebhe ca sā putram aśmakaṃ nāma bhāminī bhāryā kalmāṣapādasya bhartuḥ priyacikīrṣayā
Von ihm empfing sie, die schöne Gattin des Kalmāṣapāda, aus Liebe zu ihrem Gatten handelnd, einen Sohn namens Aśmaka.

[Anm.: Saudāsa und Kalmāṣapāda bezeichnen dieselbe Person – letzterer Name (‚Fleckfuß') bezieht sich auf eine andernorts erzählte Verfluchung dieses Königs.]

asmākam api te janma viditaṃ kamalekṣaṇe kṛṣṇadvaipāyanād bhīru kurūṇāṃ vaṃśavṛddhaye

Auch unsere eigene Geburt ist dir bekannt, o Lotusäugige, o Furchtsame – von Kṛṣṇa-Dvaipāyana, zur Mehrung des Geschlechts der Kurus.

Wort für Wort
asmākam api te janma viditaṃ kamalekṣaṇe kṛṣṇadvaipāyanād bhīru kurūṇāṃ vaṃśavṛddhaye
Auch unsere eigene Geburt ist dir bekannt, o Lotusäugige, o Furchtsame – von Kṛṣṇa-Dvaipāyana, zur Mehrung des Geschlechts der Kurus.

ata etāni sarvāṇi kāraṇāni samīkṣya vai mamaitad vacanaṃ dharmyaṃ kartum arhasy anindite

Darum, all diese Gründe erwägend, solltest du, o Untadelige, meiner dem Dharma gemäßen Bitte nachkommen.

Wort für Wort
ata etāni sarvāṇi kāraṇāni samīkṣya vai mamaitad vacanaṃ dharmyaṃ kartum arhasy anindite
Darum, all diese Gründe erwägend, solltest du, o Untadelige, meiner dem Dharma gemäßen Bitte nachkommen.

ṛtāv ṛtau rājaputri striyā bhartā yatavrate nātivartavya ity evaṃ dharmaṃ dharmavido viduḥ

Zu jeder fruchtbaren Zeit, o Königstochter, soll der durch sein Gelübde beherrschte Gatte einer Frau nicht übergangen werden – so kennen die Kenner des Dharma diesen Dharma;

Wort für Wort
ṛtāv ṛtau rājaputri striyā bhartā yatavrate nātivartavya ity evaṃ dharmaṃ dharmavido viduḥ
Zu jeder fruchtbaren Zeit, o Königstochter, soll der durch sein Gelübde beherrschte Gatte einer Frau nicht übergangen werden – so kennen die Kenner des Dharma diesen Dharma;

śeṣeṣv anyeṣu kāleṣu svātantryaṃ strī kilārhati dharmam etaṃ janāḥ santaḥ purāṇaṃ paricakṣate

in den übrigen Zeiten aber, so heißt es, verdient die Frau Eigenständigkeit – diesen alten Dharma verkünden die Rechtschaffenen.

Wort für Wort
śeṣeṣv anyeṣu kāleṣu svātantryaṃ strī kilārhati dharmam etaṃ janāḥ santaḥ purāṇaṃ paricakṣate
in den übrigen Zeiten aber, so heißt es, verdient die Frau Eigenständigkeit – diesen alten Dharma verkünden die Rechtschaffenen.

bhartā bhāryāṃ rājaputri dharmyaṃ vādharmyam eva vā yad brūyāt tat tathā kāryam iti dharmavido viduḥ

Was der Gatte seiner Gattin, o Königstochter, gebietet, ob es dem Dharma entspricht oder nicht, das sei genau so zu tun – so wissen es die Kenner des Dharma;

Wort für Wort
bhartā bhāryāṃ rājaputri dharmyaṃ vādharmyam eva vā yad brūyāt tat tathā kāryam iti dharmavido viduḥ
Was der Gatte seiner Gattin, o Königstochter, gebietet, ob es dem Dharma entspricht oder nicht, das sei genau so zu tun – so wissen es die Kenner des Dharma;

viśeṣataḥ putragṛddhī hīnaḥ prajananāt svayam yathāham anavadyāṅgi putradarśanalālasaḥ

besonders wenn er nach einem Sohn verlangt, selbst der Zeugungskraft beraubt, so wie ich, o Makellosgliedrige, nach dem Anblick eines Sohnes begierig bin.

Wort für Wort
viśeṣataḥ putragṛddhī hīnaḥ prajananāt svayam yathāham anavadyāṅgi putradarśanalālasaḥ
besonders wenn er nach einem Sohn verlangt, selbst der Zeugungskraft beraubt, so wie ich, o Makellosgliedrige, nach dem Anblick eines Sohnes begierig bin.

tathā raktāṅgulitalaḥ padmapatranibhaḥ śubhe prasādārthaṃ mayā te 'yaṃ śirasy abhyudyato 'ñjaliḥ

Darum erhebe ich zu deiner Gnade, o Glückverheißende, diese meine Hände, deren Innenflächen rot und lotosblattgleich sind, ehrfürchtig gefaltet über meinem Haupt;

Wort für Wort
tathā raktāṅgulitalaḥ padmapatranibhaḥ śubhe prasādārthaṃ mayā te 'yaṃ śirasy abhyudyato 'ñjaliḥ
Darum erhebe ich zu deiner Gnade, o Glückverheißende, diese meine Hände, deren Innenflächen rot und lotosblattgleich sind, ehrfürchtig gefaltet über meinem Haupt;

manniyogāt sukeśānte dvijātes tapasādhikāt putrān guṇasamāyuktān utpādayitum arhasi tvatkṛte 'haṃ pṛthuśroṇi gaccheyaṃ putriṇāṃ gatim

auf mein Geheiß, o du mit schönem Haar, solltest du von einem an Askese überlegenen Zweifachgeborenen tugendbegabte Söhne hervorbringen; um deinetwillen, o Breithüftige, möge ich zum Los der Väter gelangen.'

Wort für Wort
manniyogāt sukeśānte dvijātes tapasādhikāt putrān guṇasamāyuktān utpādayitum arhasi tvatkṛte 'haṃ pṛthuśroṇi gaccheyaṃ putriṇāṃ gatim
auf mein Geheiß, o du mit schönem Haar, solltest du von einem an Askese überlegenen Zweifachgeborenen tugendbegabte Söhne hervorbringen; um deinetwillen, o Breithüftige, möge ich zum Los der Väter gelangen.'

evam uktā tataḥ kuntī pāṇḍuṃ parapuraṃjayam pratyuvāca varārohā bhartuḥ priyahite ratā

So angesprochen, erwiderte darauf Kuntī, die Schöngestaltete, dem Pāṇḍu, dem Bezwinger feindlicher Städte, sie, dem Wohl und der Freude ihres Gatten zugetan:

Wort für Wort
evam uktā tataḥ kuntī pāṇḍuṃ parapuraṃjayam pratyuvāca varārohā bhartuḥ priyahite ratā
So angesprochen, erwiderte darauf Kuntī, die Schöngestaltete, dem Pāṇḍu, dem Bezwinger feindlicher Städte, sie, dem Wohl und der Freude ihres Gatten zugetan:

pitṛveśmany ahaṃ bālā niyuktātithipūjane ugraṃ paryacaraṃ tatra brāhmaṇaṃ saṃśitavratam

‚Im Hause meines Vaters, als ich noch ein Mädchen war, mit dem Empfang von Gästen betraut, bediente ich dort einen strengen Brahmanen von scharfem Gelübde,

Wort für Wort
pitṛveśmany ahaṃ bālā niyuktātithipūjane ugraṃ paryacaraṃ tatra brāhmaṇaṃ saṃśitavratam
‚Im Hause meines Vaters, als ich noch ein Mädchen war, mit dem Empfang von Gästen betraut, bediente ich dort einen strengen Brahmanen von scharfem Gelübde,

nigūḍhaniścayaṃ dharme yaṃ taṃ durvāsasaṃ viduḥ tam ahaṃ saṃśitātmānaṃ sarvayatnair atoṣayam

dessen Entschlossenheit im Dharma verborgen war, den man als Durvāsas kennt; ihn, den in sich Gefestigten, erfreute ich mit allem Bemühen.

Wort für Wort
nigūḍhaniścayaṃ dharme yaṃ taṃ durvāsasaṃ viduḥ tam ahaṃ saṃśitātmānaṃ sarvayatnair atoṣayam
dessen Entschlossenheit im Dharma verborgen war, den man als Durvāsas kennt; ihn, den in sich Gefestigten, erfreute ich mit allem Bemühen.

sa me 'bhicārasaṃyuktam ācaṣṭa bhagavān varam mantragrāmaṃ ca me prādād abravīc caiva mām idam

Er, der Erhabene, verkündete mir einen mit magischer Anziehungskraft verbundenen Segen, gab mir eine Sammlung von Mantras und sprach zu mir dies:

Wort für Wort
sa me 'bhicārasaṃyuktam ācaṣṭa bhagavān varam mantragrāmaṃ ca me prādād abravīc caiva mām idam
Er, der Erhabene, verkündete mir einen mit magischer Anziehungskraft verbundenen Segen, gab mir eine Sammlung von Mantras und sprach zu mir dies:

yaṃ yaṃ devaṃ tvam etena mantreṇāvāhayiṣyasi akāmo vā sakāmo vā sa te vaśam upaiṣyati

‚Welchen Gott auch immer du mit diesem Mantra herbeirufen wirst, ob willig oder unwillig, er wird sich dir unterwerfen.'

Wort für Wort
yaṃ yaṃ devaṃ tvam etena mantreṇāvāhayiṣyasi akāmo vā sakāmo vā sa te vaśam upaiṣyati
‚Welchen Gott auch immer du mit diesem Mantra herbeirufen wirst, ob willig oder unwillig, er wird sich dir unterwerfen.'

ity uktāhaṃ tadā tena pitṛveśmani bhārata brāhmaṇena vacas tathyaṃ tasya kālo 'yam āgataḥ

So wurde ich damals von jenem Brahmanen im Hause meines Vaters angesprochen, o Bhārata – sein wahres Wort; nun ist die Zeit dafür gekommen.

Wort für Wort
ity uktāhaṃ tadā tena pitṛveśmani bhārata brāhmaṇena vacas tathyaṃ tasya kālo 'yam āgataḥ
So wurde ich damals von jenem Brahmanen im Hause meines Vaters angesprochen, o Bhārata – sein wahres Wort; nun ist die Zeit dafür gekommen.

anujñātā tvayā devam āhvayeyam ahaṃ nṛpa tena mantreṇa rājarṣe yathā syān nau prajā vibho

Von dir ermächtigt, o König, möchte ich mit jenem Mantra einen Gott herbeirufen, o Königsweiser, o Herr, damit uns beiden Nachkommenschaft zuteilwerde.'

Wort für Wort
anujñātā tvayā devam āhvayeyam ahaṃ nṛpa tena mantreṇa rājarṣe yathā syān nau prajā vibho
Von dir ermächtigt, o König, möchte ich mit jenem Mantra einen Gott herbeirufen, o Königsweiser, o Herr, damit uns beiden Nachkommenschaft zuteilwerde.'

āvāhayāmi kaṃ devaṃ brūhi tattvavidāṃ vara tvatto 'nujñāpratīkṣāṃ māṃ viddhy asmin karmaṇi sthitām

‚Welchen Gott soll ich herbeirufen? Sage es, o Bester der Kenner der Wahrheit; wisse, dass ich, bereit zu diesem Werk, auf deine Erlaubnis warte.'

Wort für Wort
āvāhayāmi kaṃ devaṃ brūhi tattvavidāṃ vara tvatto 'nujñāpratīkṣāṃ māṃ viddhy asmin karmaṇi sthitām
‚Welchen Gott soll ich herbeirufen? Sage es, o Bester der Kenner der Wahrheit; wisse, dass ich, bereit zu diesem Werk, auf deine Erlaubnis warte.'

pāṇḍur uvāca adyaiva tvaṃ varārohe prayatasva yathāvidhi dharmam āvāhaya śubhe sa hi deveṣu puṇyabhāk

Pāṇḍu sprach: ‚Noch heute, o Schöngestaltete, bereite dich vorschriftsgemäß vor; rufe den Dharma herbei, o Glückverheißende, denn er ist unter den Göttern der Tugendhafteste.

Wort für Wort
pāṇḍur uvāca adyaiva tvaṃ varārohe prayatasva yathāvidhi dharmam āvāhaya śubhe sa hi deveṣu puṇyabhāk
Pāṇḍu sprach: ‚Noch heute, o Schöngestaltete, bereite dich vorschriftsgemäß vor; rufe den Dharma herbei, o Glückverheißende, denn er ist unter den Göttern der Tugendhafteste.

adharmeṇa na no dharmaḥ saṃyujyeta kathaṃ cana lokaś cāyaṃ varārohe dharmo 'yam iti maṃsyate

Auf keine Weise soll der Dharma durch Unrecht mit uns verbunden werden; und diese Welt, o Schöngestaltete, wird dies als Dharma anerkennen.

Wort für Wort
adharmeṇa na no dharmaḥ saṃyujyeta kathaṃ cana lokaś cāyaṃ varārohe dharmo 'yam iti maṃsyate
Auf keine Weise soll der Dharma durch Unrecht mit uns verbunden werden; und diese Welt, o Schöngestaltete, wird dies als Dharma anerkennen.

dhārmikaś ca kurūṇāṃ sa bhaviṣyati na saṃśayaḥ dattasyāpi ca dharmeṇa nādharme raṃsyate manaḥ

Und rechtschaffen wird er für die Kurus sein, ohne Zweifel; und auch wenn er rechtmäßig gegeben ist, wird sein Geist sich nicht am Unrecht erfreuen.

Wort für Wort
dhārmikaś ca kurūṇāṃ sa bhaviṣyati na saṃśayaḥ dattasyāpi ca dharmeṇa nādharme raṃsyate manaḥ
Und rechtschaffen wird er für die Kurus sein, ohne Zweifel; und auch wenn er rechtmäßig gegeben ist, wird sein Geist sich nicht am Unrecht erfreuen.

tasmād dharmaṃ puraskṛtya niyatā tvaṃ śucismite upacārābhicārābhyāṃ dharmam ārādhayasva vai

Darum, den Dharma voranstellend, gesammelt, o du mit reinem Lächeln, besänftige den Dharma durch Verehrung und magische Anrufung.'

Wort für Wort
tasmād dharmaṃ puraskṛtya niyatā tvaṃ śucismite upacārābhicārābhyāṃ dharmam ārādhayasva vai
Darum, den Dharma voranstellend, gesammelt, o du mit reinem Lächeln, besänftige den Dharma durch Verehrung und magische Anrufung.'

vaiśaṃpāyana uvāca sā tathoktā tathety uktvā tena bhartrā varāṅganā abhivādyābhyanujñātā pradakṣiṇam avartata

Vaiśaṃpāyana sprach: So angesprochen, sagte jene schöngestaltete Frau ‚So sei es' zu ihrem Gatten, verneigte sich, wurde von ihm entlassen, und umschritt ihn zum Zeichen der Ehrerbietung.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca sā tathoktā tathety uktvā tena bhartrā varāṅganā abhivādyābhyanujñātā pradakṣiṇam avartata
Vaiśaṃpāyana sprach: So angesprochen, sagte jene schöngestaltete Frau ‚So sei es' zu ihrem Gatten, verneigte sich, wurde von ihm entlassen, und umschritt ihn zum Zeichen der Ehrerbietung.

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