Kapitel 79: Pūru-Vayaḥpradānam
Pūru übernimmt Yayātis Alter
Yayāti bittet der Reihe nach seine vier älteren Söhne (Yadu, Turvasu, Druhyu, Anu), sein vom Fluch verursachtes Greisenalter für tausend Jahre zu übernehmen; jeder lehnt ab und wird dafür verflucht (u.a. Herrschaft über verachtete/vermischte Völker, Untergang der Nachkommenschaft, Namensverlust). Nur der jüngste Sohn Pūru willigt sofort ein, übernimmt Alter und Gestalt seines Vaters und wird dafür mit einem an Wünschen reichen Königreich für seine Nachkommenschaft gesegnet - die ausführliche Fassung des in Adh.70 bereits zusammengefassten Mythos.
vaiśaṃpāyana uvāca jarāṃ prāpya yayātis tu svapuraṃ prāpya caiva ha putraṃ jyeṣṭhaṃ variṣṭhaṃ ca yadum ity abravīd vacaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: »Als er ins Greisenalter geraten war, kam Yayāti in seine eigene Stadt und sprach zu seinem ältesten und vortrefflichsten Sohn Yadu dieses Wort:
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca jarāṃ prāpya yayātis tu svapuraṃ prāpya caiva ha putraṃ jyeṣṭhaṃ variṣṭhaṃ ca yadum ity abravīd vacaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: »Als er ins Greisenalter geraten war, kam Yayāti in seine eigene Stadt und sprach zu seinem ältesten und vortrefflichsten Sohn Yadu dieses Wort:
yayātir uvāca yat tvaṃ me hṛdayāj jāto vayaḥ svaṃ na prayacchasi tasmād arājyabhāk tāta prajā te vai bhaviṣyati
Yayāti sprach: ›Da du, aus meinem Herzen geboren, mir dein Alter nicht gibst, darum wird deine Nachkommenschaft, mein Sohn, des Königtums nicht teilhaftig sein.
Wort für Wort
yayātir uvāca yat tvaṃ me hṛdayāj jāto vayaḥ svaṃ na prayacchasi tasmād arājyabhāk tāta prajā te vai bhaviṣyati
Yayāti sprach: ›Da du, aus meinem Herzen geboren, mir dein Alter nicht gibst, darum wird deine Nachkommenschaft, mein Sohn, des Königtums nicht teilhaftig sein.
turvasur uvāca na kāmaye jarāṃ tāta kāmabhogapraṇāśinīm balarūpāntakaraṇīṃ buddhiprāṇavināśinīm
Turvasu sprach: ›Ich begehre das Alter nicht, Vater, das Lustgenuss vernichtet, das Kraft und Schönheit zunichtemacht, das Verstand und Lebenskraft zerstört.‹
Wort für Wort
turvasur uvāca na kāmaye jarāṃ tāta kāmabhogapraṇāśinīm balarūpāntakaraṇīṃ buddhiprāṇavināśinīm
Turvasu sprach: ›Ich begehre das Alter nicht, Vater, das Lustgenuss vernichtet, das Kraft und Schönheit zunichtemacht, das Verstand und Lebenskraft zerstört.‹
saṃkīrṇācāradharmeṣu pratilomacareṣu ca piśitāśiṣu cāntyeṣu mūḍha rājā bhaviṣyasi
Über Menschen von vermischter Sitte und Dharma, über solche, die gegen die rechte Ordnung leben, über Fleischesser und Kastenlose wirst du, Verblendeter, König sein.
Wort für Wort
saṃkīrṇācāradharmeṣu pratilomacareṣu ca piśitāśiṣu cāntyeṣu mūḍha rājā bhaviṣyasi
Über Menschen von vermischter Sitte und Dharma, über solche, die gegen die rechte Ordnung leben, über Fleischesser und Kastenlose wirst du, Verblendeter, König sein.
gurudāraprasakteṣu tiryagyonigateṣu ca paśudharmiṣu pāpeṣu mleccheṣu prabhaviṣyasi
Über solche, die an den Frauen des Lehrers hängen, über in Tiergestalt Geborene, über in Vieh-Sitte lebende, sündige Barbaren (Mlecchas) wirst du herrschen.‹
Wort für Wort
gurudāraprasakteṣu tiryagyonigateṣu ca paśudharmiṣu pāpeṣu mleccheṣu prabhaviṣyasi
Über solche, die an den Frauen des Lehrers hängen, über in Tiergestalt Geborene, über in Vieh-Sitte lebende, sündige Barbaren (Mlecchas) wirst du herrschen.‹
druhyur uvāca na gajaṃ na rathaṃ nāśvaṃ jīrṇo bhuṅkte na ca striyam vāgbhaṅgaś cāsya bhavati taj jarāṃ nābhikāmaye
Druhyu sprach: ›Weder Elefant noch Wagen noch Pferd genießt ein Greis, noch eine Frau; auch seine Sprache wird gebrochen - dieses Alter begehre ich nicht.‹
Wort für Wort
druhyur uvāca na gajaṃ na rathaṃ nāśvaṃ jīrṇo bhuṅkte na ca striyam vāgbhaṅgaś cāsya bhavati taj jarāṃ nābhikāmaye
Druhyu sprach: ›Weder Elefant noch Wagen noch Pferd genießt ein Greis, noch eine Frau; auch seine Sprache wird gebrochen - dieses Alter begehre ich nicht.‹
Wo man stets nur mit Flößen und Booten übersetzen kann, dort wirst du, ohne König zu sein, mit deinen Nachkommen den Namen »Bhoja« erlangen.‹
[Anm.: Die Zuordnung des Namens 'Bhoja' zu Druhyus Nachkommen weicht von der geläufigeren Verbindung dieses Namens mit dem Yadu-Zweig (Yādavas) ab - hier wörtlich nach dem kritischen Text wiedergegeben.
anur uvāca jīrṇaḥ śiśuvad ādatte 'kāle 'nnam aśucir yathā na juhoti ca kāle 'gniṃ tāṃ jarāṃ nābhikāmaye
Anu sprach: ›Ein Greis nimmt wie ein Kind zur Unzeit Speise zu sich, gleichwie ein Unreiner, und opfert nicht zur rechten Zeit ins Feuer - dieses Alter begehre ich nicht.‹
Wort für Wort
anur uvāca jīrṇaḥ śiśuvad ādatte 'kāle 'nnam aśucir yathā na juhoti ca kāle 'gniṃ tāṃ jarāṃ nābhikāmaye
Anu sprach: ›Ein Greis nimmt wie ein Kind zur Unzeit Speise zu sich, gleichwie ein Unreiner, und opfert nicht zur rechten Zeit ins Feuer - dieses Alter begehre ich nicht.‹
yayātir uvāca yat tvaṃ me hṛdayāj jāto vayaḥ svaṃ na prayacchasi jarādoṣas tvayokto 'yaṃ tasmāt tvaṃ pratipatsyase
Yayāti sprach: ›Da du, aus meinem Herzen geboren, mir dein Alter nicht gibst - diesen Fehler des Alters, den du genannt hast, wirst du dennoch selbst übernehmen.
Wort für Wort
yayātir uvāca yat tvaṃ me hṛdayāj jāto vayaḥ svaṃ na prayacchasi jarādoṣas tvayokto 'yaṃ tasmāt tvaṃ pratipatsyase
Yayāti sprach: ›Da du, aus meinem Herzen geboren, mir dein Alter nicht gibst - diesen Fehler des Alters, den du genannt hast, wirst du dennoch selbst übernehmen.
pūro tvaṃ me priyaḥ putras tvaṃ varīyān bhaviṣyasi jarā valī ca me tāta palitāni ca paryaguḥ kāvyasyośanasaḥ śāpān na ca tṛpto 'smi yauvane
Pūru, du bist mir ein lieber Sohn, du wirst der Vortrefflichste sein. Alter, Runzeln und graue Haare haben mich, mein Sohn, überfallen durch den Fluch des Kāvya Uśanas; und noch bin ich der Jugend nicht überdrüssig.
Wort für Wort
pūro tvaṃ me priyaḥ putras tvaṃ varīyān bhaviṣyasi jarā valī ca me tāta palitāni ca paryaguḥ kāvyasyośanasaḥ śāpān na ca tṛpto 'smi yauvane
Pūru, du bist mir ein lieber Sohn, du wirst der Vortrefflichste sein. Alter, Runzeln und graue Haare haben mich, mein Sohn, überfallen durch den Fluch des Kāvya Uśanas; und noch bin ich der Jugend nicht überdrüssig.
yayātir uvāca pūro prīto 'smi te vatsa prītaś cedaṃ dadāmi te sarvakāmasamṛddhā te prajā rājye bhaviṣyati
Yayāti sprach: ›Pūru, ich bin zufrieden mit dir, mein Kind; und zufrieden gebe ich dir dies: deine Nachkommenschaft wird im Königtum an allen Wünschen reich sein.‹«
Wort für Wort
yayātir uvāca pūro prīto 'smi te vatsa prītaś cedaṃ dadāmi te sarvakāmasamṛddhā te prajā rājye bhaviṣyati
Yayāti sprach: ›Pūru, ich bin zufrieden mit dir, mein Kind; und zufrieden gebe ich dir dies: deine Nachkommenschaft wird im Königtum an allen Wünschen reich sein.‹«