Mahābhārata · Ādiparva
Kapitel 140: Hiḍimbāsaṃrakṣaṇam
Bhīma beschützt Hiḍimbā
Hiḍimba selbst kommt herbei, um die Pāṇḍavas zu holen. Seine Schwester (nun als Hiḍimbā benannt) warnt Bhīma und bietet erneut Flucht durch die Luft an; Bhīma weist die Warnung zurück und rühmt seine eigene Kraft. Als Hiḍimba seine Schwester in menschlicher Gestalt, offenkundig von Bhīma angezogen, erblickt, gerät er in Zorn über ihren vermeintlichen Verrat und stürzt sich, sie selbst töten wollend, auf sie – woraufhin Bhīma sich ihm entgegenstellt.
vaiśaṃpāyana uvāca tāṃ viditvā ciragatāṃ hiḍimbo rākṣaseśvaraḥ avatīrya drumāt tasmād ājagāmātha pāṇḍavān
Vaiśaṃpāyana sprach: Als er merkte, dass sie lange fortgeblieben war, stieg Hiḍimba, der Rākṣasa-Herrscher, von jenem Baum herab und kam darauf zu den Pāṇḍavas.
Wort für Wort vaiśaṃpāyana uvāca tāṃ viditvā ciragatāṃ hiḍimbo rākṣaseśvaraḥ avatīrya drumāt tasmād ājagāmātha pāṇḍavān Vaiśaṃpāyana sprach: Als er merkte, dass sie lange fortgeblieben war, stieg Hiḍimba, der Rākṣasa-Herrscher, von jenem Baum herab und kam darauf zu den Pāṇḍavas. lohitākṣo mahābāhur ūrdhvakeśo mahābalaḥ meghasaṃghātavarṣmā ca tīkṣṇadaṃṣṭrojjvalānanaḥ
rotäugig, starkarmig, mit aufrecht stehendem Haar, überaus kräftig, von der Gestalt einer Wolkenmasse, mit scharfen Fangzähnen und glühendem Antlitz,
Wort für Wort lohitākṣo mahābāhur ūrdhvakeśo mahābalaḥ meghasaṃghātavarṣmā ca tīkṣṇadaṃṣṭrojjvalānanaḥ rotäugig, starkarmig, mit aufrecht stehendem Haar, überaus kräftig, von der Gestalt einer Wolkenmasse, mit scharfen Fangzähnen und glühendem Antlitz, tam āpatantaṃ dṛṣṭvaiva tathā vikṛtadarśanam hiḍimbovāca vitrastā bhīmasenam idaṃ vacaḥ
beim bloßen Anblick jenes heranstürmenden, so entsetzlich anzusehenden Rākṣasa, sprach Hiḍimbā, erschrocken, dieses Wort zu Bhīmasena:
Wort für Wort tam āpatantaṃ dṛṣṭvaiva tathā vikṛtadarśanam hiḍimbovāca vitrastā bhīmasenam idaṃ vacaḥ beim bloßen Anblick jenes heranstürmenden, so entsetzlich anzusehenden Rākṣasa, sprach Hiḍimbā, erschrocken, dieses Wort zu Bhīmasena: [Anm.: hiḍimbo 'vāca (Sandhi) bestätigt hier erstmals den Eigennamen der Schwester: Hiḍimbā.
āpataty eṣa duṣṭātmā saṃkruddhaḥ puruṣādakaḥ tvām ahaṃ bhrātṛbhiḥ sārdhaṃ yad bravīmi tathā kuru
‚Dieser bösgesinnte, zornentbrannte, menschenfressende Rākṣasa stürmt heran; tu, was ich dir sage, samt deinen Brüdern.'
Wort für Wort āpataty eṣa duṣṭātmā saṃkruddhaḥ puruṣādakaḥ tvām ahaṃ bhrātṛbhiḥ sārdhaṃ yad bravīmi tathā kuru ‚Dieser bösgesinnte, zornentbrannte, menschenfressende Rākṣasa stürmt heran; tu, was ich dir sage, samt deinen Brüdern.' ahaṃ kāmagamā vīra rakṣobalasamanvitā āruhemāṃ mama śroṇīṃ neṣyāmi tvāṃ vihāyasā
‚Ich bin eine, die nach Belieben fliegen kann, o Held, mit Rākṣasa-Kraft ausgestattet; steig auf diese meine Hüfte, ich will dich durch die Luft davontragen.'
Wort für Wort ahaṃ kāmagamā vīra rakṣobalasamanvitā āruhemāṃ mama śroṇīṃ neṣyāmi tvāṃ vihāyasā ‚Ich bin eine, die nach Belieben fliegen kann, o Held, mit Rākṣasa-Kraft ausgestattet; steig auf diese meine Hüfte, ich will dich durch die Luft davontragen.' prabodhayainān saṃsuptān mātaraṃ ca paraṃtapa sarvān eva gamiṣyāmi gṛhītvā vo vihāyasā
‚Wecke diese schlafenden Brüder und die Mutter, o Bezwinger der Feinde; ich werde euch alle ergreifen und durch die Luft davontragen.'
Wort für Wort prabodhayainān saṃsuptān mātaraṃ ca paraṃtapa sarvān eva gamiṣyāmi gṛhītvā vo vihāyasā ‚Wecke diese schlafenden Brüder und die Mutter, o Bezwinger der Feinde; ich werde euch alle ergreifen und durch die Luft davontragen.' bhīma uvāca mā bhais tvaṃ vipulaśroṇi naiṣa kaś cin mayi sthite aham enaṃ haniṣyāmi prekṣantyās te sumadhyame
Bhīma sprach: ‚Fürchte dich nicht, du Breithüftige; dieser ist nichts, solange ich hier stehe. Ich werde ihn töten, während du zusiehst, du Schlanktaillierte.'
Wort für Wort bhīma uvāca mā bhais tvaṃ vipulaśroṇi naiṣa kaś cin mayi sthite aham enaṃ haniṣyāmi prekṣantyās te sumadhyame Bhīma sprach: ‚Fürchte dich nicht, du Breithüftige; dieser ist nichts, solange ich hier stehe. Ich werde ihn töten, während du zusiehst, du Schlanktaillierte.' nāyaṃ pratibalo bhīru rākṣasāpasado mama soḍhuṃ yudhi parispandam athavā sarvarākṣasāḥ
‚Dieser niederträchtige Rākṣasa, du Furchtsame, vermag meinem Ansturm im Kampf nicht standzuhalten – noch könnten es alle Rākṣasas zusammen.'
Wort für Wort nāyaṃ pratibalo bhīru rākṣasāpasado mama soḍhuṃ yudhi parispandam athavā sarvarākṣasāḥ ‚Dieser niederträchtige Rākṣasa, du Furchtsame, vermag meinem Ansturm im Kampf nicht standzuhalten – noch könnten es alle Rākṣasas zusammen.' paśya bāhū suvṛttau me hastihastanibhāv imau ūrū parighasaṃkāśau saṃhataṃ cāpy uro mama
‚Sieh diese meine wohlgerundeten Arme, gleich Elefantenrüsseln, meine Schenkel, einer eisernen Torstange gleich, und auch meine gedrungene Brust.'
Wort für Wort paśya bāhū suvṛttau me hastihastanibhāv imau ūrū parighasaṃkāśau saṃhataṃ cāpy uro mama ‚Sieh diese meine wohlgerundeten Arme, gleich Elefantenrüsseln, meine Schenkel, einer eisernen Torstange gleich, und auch meine gedrungene Brust.' vikramaṃ me yathendrasya sādya drakṣyasi śobhane māvamaṃsthāḥ pṛthuśroṇi matvā mām iha mānuṣam
‚Meine Kraft, wie die Indras, wirst du heute sehen, du Schöne; verachte mich nicht, du Breithüftige, weil du mich für einen gewöhnlichen Menschen hältst.'
Wort für Wort vikramaṃ me yathendrasya sādya drakṣyasi śobhane māvamaṃsthāḥ pṛthuśroṇi matvā mām iha mānuṣam ‚Meine Kraft, wie die Indras, wirst du heute sehen, du Schöne; verachte mich nicht, du Breithüftige, weil du mich für einen gewöhnlichen Menschen hältst.' hiḍimbovāca nāvamanye naravyāghra tvām ahaṃ devarūpiṇam dṛṣṭāpadānas tu mayā mānuṣeṣv eva rākṣasaḥ
Hiḍimbā sprach: ‚Ich verachte dich nicht, Tiger unter den Männern, dich, der du göttergleiche Gestalt hast; doch ich habe die Heldentaten von Rākṣasas bisher nur gegen Menschen gesehen.'
Wort für Wort hiḍimbovāca nāvamanye naravyāghra tvām ahaṃ devarūpiṇam dṛṣṭāpadānas tu mayā mānuṣeṣv eva rākṣasaḥ Hiḍimbā sprach: ‚Ich verachte dich nicht, Tiger unter den Männern, dich, der du göttergleiche Gestalt hast; doch ich habe die Heldentaten von Rākṣasas bisher nur gegen Menschen gesehen.' [Anm.: Der Sinn bleibt leicht unklar – vermutlich drückt Hiḍimbā damit Sorge aus, da sie die Kraft ihres Bruders bislang nur im Kampf gegen gewöhnliche Menschen erlebt hat, nicht gegen einen derart göttergleichen Gegner. [?]
vaiśaṃpāyana uvāca tathā saṃjalpatas tasya bhīmasenasya bhārata vācaḥ śuśrāva tāḥ kruddho rākṣasaḥ puruṣādakaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: Während Bhīmasena so sprach, o Bhārata, hörte jener zornige, menschenfressende Rākṣasa diese Worte.
Wort für Wort vaiśaṃpāyana uvāca tathā saṃjalpatas tasya bhīmasenasya bhārata vācaḥ śuśrāva tāḥ kruddho rākṣasaḥ puruṣādakaḥ Vaiśaṃpāyana sprach: Während Bhīmasena so sprach, o Bhārata, hörte jener zornige, menschenfressende Rākṣasa diese Worte. avekṣamāṇas tasyāś ca hiḍimbo mānuṣaṃ vapuḥ sragdāmapūritaśikhaṃ samagrendunibhānanam
Und Hiḍimba, ihre menschliche Gestalt erblickend, mit einem von Blumengirlanden bekränzten Scheitel, das Antlitz dem Vollmond gleich,
Wort für Wort avekṣamāṇas tasyāś ca hiḍimbo mānuṣaṃ vapuḥ sragdāmapūritaśikhaṃ samagrendunibhānanam Und Hiḍimba, ihre menschliche Gestalt erblickend, mit einem von Blumengirlanden bekränzten Scheitel, das Antlitz dem Vollmond gleich, subhrūnāsākṣikeśāntaṃ sukumāranakhatvacam sarvābharaṇasaṃyuktaṃ susūkṣmāmbaravāsasam
mit schönen Brauen, Nase, Augen und Haarsträhnen, mit zarten Nägeln und Haut, mit allem Schmuck versehen, in überaus feiner Kleidung gehüllt,
Wort für Wort subhrūnāsākṣikeśāntaṃ sukumāranakhatvacam sarvābharaṇasaṃyuktaṃ susūkṣmāmbaravāsasam mit schönen Brauen, Nase, Augen und Haarsträhnen, mit zarten Nägeln und Haut, mit allem Schmuck versehen, in überaus feiner Kleidung gehüllt, tāṃ tathā mānuṣaṃ rūpaṃ bibhratīṃ sumanoharam puṃskāmāṃ śaṅkamānaś ca cukrodha puruṣādakaḥ
sie, die so eine menschliche, überaus bezaubernde Gestalt trug, eines Mannes-Begehrens verdächtigend, ergrimmte der menschenfressende Rākṣasa.
Wort für Wort tāṃ tathā mānuṣaṃ rūpaṃ bibhratīṃ sumanoharam puṃskāmāṃ śaṅkamānaś ca cukrodha puruṣādakaḥ sie, die so eine menschliche, überaus bezaubernde Gestalt trug, eines Mannes-Begehrens verdächtigend, ergrimmte der menschenfressende Rākṣasa. saṃkruddho rākṣasas tasyā bhaginyāḥ kurusattama utphālya vipule netre tatas tām idam abravīt
Der zornentbrannte Rākṣasa, o Bester der Kurus, seine Schwester mit weit aufgerissenen Augen anstarrend, sprach darauf zu ihr dies:
Wort für Wort saṃkruddho rākṣasas tasyā bhaginyāḥ kurusattama utphālya vipule netre tatas tām idam abravīt Der zornentbrannte Rākṣasa, o Bester der Kurus, seine Schwester mit weit aufgerissenen Augen anstarrend, sprach darauf zu ihr dies: ko hi me bhoktukāmasya vighnaṃ carati durmatiḥ na bibheṣi hiḍimbe kiṃ matkopād vipramohitā
‚Wer wagt es, mir, der ich essen will, ein Hindernis zu bereiten, der Übelgesinnte? Fürchtest du meinen Zorn nicht, Hiḍimbā, oder bist du verwirrt?'
Wort für Wort ko hi me bhoktukāmasya vighnaṃ carati durmatiḥ na bibheṣi hiḍimbe kiṃ matkopād vipramohitā ‚Wer wagt es, mir, der ich essen will, ein Hindernis zu bereiten, der Übelgesinnte? Fürchtest du meinen Zorn nicht, Hiḍimbā, oder bist du verwirrt?' dhik tvām asati puṃskāme mama vipriyakāriṇi pūrveṣāṃ rākṣasendrāṇāṃ sarveṣām ayaśaskari
‚Schande über dich, die du unschicklich Verlangen nach einem Mann zeigst, mir Unliebes tust und allen früheren Rākṣasa-Fürsten Schande bereitest!'
Wort für Wort dhik tvām asati puṃskāme mama vipriyakāriṇi pūrveṣāṃ rākṣasendrāṇāṃ sarveṣām ayaśaskari ‚Schande über dich, die du unschicklich Verlangen nach einem Mann zeigst, mir Unliebes tust und allen früheren Rākṣasa-Fürsten Schande bereitest!' yān imān āśritākārṣīr apriyaṃ sumahan mama eṣa tān adya vai sarvān haniṣyāmi tvayā saha
‚Diese, denen du Zuflucht gewährt und mir damit großes Unrecht zugefügt hast – sie alle werde ich heute töten, zusammen mit dir.'
Wort für Wort yān imān āśritākārṣīr apriyaṃ sumahan mama eṣa tān adya vai sarvān haniṣyāmi tvayā saha ‚Diese, denen du Zuflucht gewährt und mir damit großes Unrecht zugefügt hast – sie alle werde ich heute töten, zusammen mit dir.' evam uktvā hiḍimbāṃ sa hiḍimbo lohitekṣaṇaḥ vadhāyābhipapātaināṃ dantair dantān upaspṛśan
Nach diesen Worten stürzte jener rotäugige Hiḍimba auf Hiḍimbā zu, um sie zu töten, mit den Zähnen knirschend.
Wort für Wort evam uktvā hiḍimbāṃ sa hiḍimbo lohitekṣaṇaḥ vadhāyābhipapātaināṃ dantair dantān upaspṛśan Nach diesen Worten stürzte jener rotäugige Hiḍimba auf Hiḍimbā zu, um sie zu töten, mit den Zähnen knirschend. tam āpatantaṃ saṃprekṣya bhīmaḥ praharatāṃ varaḥ bhartsayām āsa tejasvī tiṣṭha tiṣṭheti cābravīt
Als Bhīma, der Beste der Kämpfer, ihn heranstürmen sah, schrie der Glanzvolle ihn drohend an und rief: ‚Halt! Halt!'
Wort für Wort tam āpatantaṃ saṃprekṣya bhīmaḥ praharatāṃ varaḥ bhartsayām āsa tejasvī tiṣṭha tiṣṭheti cābravīt Als Bhīma, der Beste der Kämpfer, ihn heranstürmen sah, schrie der Glanzvolle ihn drohend an und rief: ‚Halt! Halt!'
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