Kapitel 89: Pauravavaṃśānukīrtanam
Die Aufzählung des Paurava-Geschlechts von Pūru bis Śaṃtanu
Auf Janamejayas Bitte hin trägt Vaiśaṃpāyana die Genealogie des Paurava-Geschlechts vor: von Pūru über Pravīra, Manasyu, Raudrāśva, Matinara, Taṃsu, Ilina, Duḥṣanta, Bharata, Bhumanyu/Vitatha, Suhotra, Ajamīḍha, Ṛkṣa und Saṃvaraṇa (der, aus dem Reich vertrieben, durch Vasiṣṭhas Hilfe zurückkehrt) bis zu Kuru – dem Namensgeber von Kurukṣetra und Kurujāṅgala – und weiter über mehrere Generationen (in denen Namen wie Janamejaya, Parikṣit, Dhṛtarāṣṭra und Pāṇḍu bereits als ferne Vorfahren auftreten, Namensvetter der späteren Hauptfiguren) bis zu Pratīpa und dessen Söhnen Devāpi, Śaṃtanu und Bāhlīka. Mit Śaṃtanu, dem späteren Vater Bhīṣmas, erreicht die Genealogie den unmittelbaren Vorabend der eigentlichen Kuru-Handlung des Epos.
Janamejaya sprach: Erhabener, ich wünsche von den Königen zu hören, die das Geschlecht des Pūru begründeten – von welcher Kraft und Art sie waren, wie viele es waren und welche Tapferkeit sie besaßen.
Janamejaya sprach: Erhabener, ich wünsche von den Königen zu hören, die das Geschlecht des Pūru begründeten – von welcher Kraft und Art sie waren, wie viele es waren und welche Tapferkeit sie besaßen.
Dem Raudrāśva wurden von einer Apsaras zehn Söhne geboren, große Bogenschützen, Opferer, Helden, reich an Nachkommenschaft, vielgelehrt, alle in allen Waffen bewandert, alle dem Dharma ergeben.
Dem Raudrāśva wurden von einer Apsaras zehn Söhne geboren, große Bogenschützen, Opferer, Helden, reich an Nachkommenschaft, vielgelehrt, alle in allen Waffen bewandert, alle dem Dharma ergeben.
Tejepu, der starke und weise, Satyepu von Indras Kraft, Dharmepu, und Saṃnatepu, der zehnte, von göttlicher Kraft – dies waren, mein Lieber, die Söhne des Anādhṛṣṭi, Vollzieher von Rājasūya und Aśvamedha.
Tejepu, der starke und weise, Satyepu von Indras Kraft, Dharmepu, und Saṃnatepu, der zehnte, von göttlicher Kraft – dies waren, mein Lieber, die Söhne des Anādhṛṣṭi, Vollzieher von Rājasūya und Aśvamedha.
[Anm.: 'Anādhṛṣṭi' dürfte hier ein Beiname des zuvor genannten Raudrāśva sein, dessen zehn Söhne in V.9–10 aufgezählt werden; ein eigenständiger, sonst nicht eingeführter Vater wäre im Kontext unerwartet.]
Danach entstand König Matinara, der weise, aus Carcepu. Vier Söhne Matinaras gab es, o König, von unermesslicher Kraft: Taṃsu, der große, ein Atiratha, und Druhyu von unvergleichlichem Glanz.
Danach entstand König Matinara, der weise, aus Carcepu. Vier Söhne Matinaras gab es, o König, von unermesslicher Kraft: Taṃsu, der große, ein Atiratha, und Druhyu von unvergleichlichem Glanz.
[Anm.: V.11 kündigt 'vier' Söhne Matinaras an, nennt aber nur zwei Namen (Taṃsu, Druhyu); auch 'carceputaḥ' (wohl Bezug auf einen der zuvor genannten zehn Söhne) bleibt in seiner genauen Zuordnung unsicher.]
So erhielt jener Herr der Erde einen kleinen Sohn namens Vitatha; so wurde er, mit Namen Vitatha, als Sohn Bhumanyus geführt.
[Anm.: V.20 lässt zwei Lesarten zu: Der Tradition nach ist 'Vitatha' ('der Vergebliche') ein Beiname des von Bharadvāja erhaltenen Bhumanyu selbst, da dieser nicht Bharatas leiblicher Sohn war; der knappe Vers könnte aber auch eine eigenständige weitere Generation meinen.]
Während König Suhotra seine Untertanen nach dem Dharma regierte, war die Erde hunderttausendfach mit Opferpfosten an Kultstätten gekennzeichnet; mit gedeihenden Menschen und Feldfrüchten erstrahlte sie, den Göttern zugetan.
Während König Suhotra seine Untertanen nach dem Dharma regierte, war die Erde hunderttausendfach mit Opferpfosten an Kultstätten gekennzeichnet; mit gedeihenden Menschen und Feldfrüchten erstrahlte sie, den Göttern zugetan.
Dhūminī gebar Ṛkṣa; Nīlī sodann Duḥṣanta und Parameṣṭhin; Keśinī gebar Jahnu – von schöner Gestalt waren sie.
[Anm.: V.28 nennt namentlich nur vier der in V.27 angekündigten sechs Söhne Ajamīḍhas (Ṛkṣa; Duḥṣanta und Parameṣṭhin; Jahnu); die beiden übrigen bleiben in dieser knappen Aufzählung unbenannt.]
Von den beiden von schöner Gestalt nennt man Ṛkṣa den älteren, den Herrn der Menschen; von Ṛkṣa wurde Saṃvaraṇa geboren, o König, der Begründer deines eigenen Geschlechts.
Von den beiden von schöner Gestalt nennt man Ṛkṣa den älteren, den Herrn der Menschen; von Ṛkṣa wurde Saṃvaraṇa geboren, o König, der Begründer deines eigenen Geschlechts.
vyaśīryata tato rāṣṭraṃ kṣayair nānāvidhais tathā kṣunmṛtyubhyām anāvṛṣṭyā vyādhibhiś ca samāhatam abhyaghnan bhāratāṃś caiva sapatnānāṃ balāni ca
Da zerfiel das Reich durch mancherlei Formen des Untergangs, heimgesucht von Hunger, Tod, Dürre und Krankheiten; auch die Heere der Rivalen schlugen die Bhāratas.
Wort für Wort
vyaśīryata tato rāṣṭraṃ kṣayair nānāvidhais tathā kṣunmṛtyubhyām anāvṛṣṭyā vyādhibhiś ca samāhatam abhyaghnan bhāratāṃś caiva sapatnānāṃ balāni ca
Da zerfiel das Reich durch mancherlei Formen des Untergangs, heimgesucht von Hunger, Tod, Dürre und Krankheiten; auch die Heere der Rivalen schlugen die Bhāratas.
cālayan vasudhāṃ caiva balena caturaṅgiṇā abhyayāt taṃ ca pāñcālyo vijitya tarasā mahīm akṣauhiṇībhir daśabhiḥ sa enaṃ samare 'jayat
Die Erde erschütternd mit seinem vierteiligen Heer, zog der Pāñcālya-Fürst gegen ihn heran, nachdem er rasch das Land erobert hatte; mit zehn Akṣauhiṇī-Heeren besiegte er ihn in der Schlacht.
Wort für Wort
cālayan vasudhāṃ caiva balena caturaṅgiṇā abhyayāt taṃ ca pāñcālyo vijitya tarasā mahīm akṣauhiṇībhir daśabhiḥ sa enaṃ samare 'jayat
Die Erde erschütternd mit seinem vierteiligen Heer, zog der Pāñcālya-Fürst gegen ihn heran, nachdem er rasch das Land erobert hatte; mit zehn Akṣauhiṇī-Heeren besiegte er ihn in der Schlacht.
Er ließ sich damals in einem Dickicht am großen Strom Sindhu nieder, am Rand des Flussgebiets, nahe einem Berge; dort wohnten die Bhāratas, Zuflucht in unzugänglichem Gelände suchend, für lange Zeit.
Er ließ sich damals in einem Dickicht am großen Strom Sindhu nieder, am Rand des Flussgebiets, nahe einem Berge; dort wohnten die Bhāratas, Zuflucht in unzugänglichem Gelände suchend, für lange Zeit.
tam āgataṃ prayatnena pratyudgamyābhivādya ca arghyam abhyāharaṃs tasmai te sarve bhāratās tadā nivedya sarvam ṛṣaye satkāreṇa suvarcase
Ihm, der da kam, gingen sie eifrig entgegen, begrüßten ihn ehrerbietig und brachten ihm die Gastgabe dar; und all jene Bhāratas berichteten damals dem glanzvollen Weisen alles mit gebührender Ehrung.
Wort für Wort
tam āgataṃ prayatnena pratyudgamyābhivādya ca arghyam abhyāharaṃs tasmai te sarve bhāratās tadā nivedya sarvam ṛṣaye satkāreṇa suvarcase
Ihm, der da kam, gingen sie eifrig entgegen, begrüßten ihn ehrerbietig und brachten ihm die Gastgabe dar; und all jene Bhāratas berichteten damals dem glanzvollen Weisen alles mit gebührender Ehrung.
Nachdem [?] die achte Zeit vollendet war, wählte der König ihn selbst: 'Sei du unser Hauspriester; um die Herrschaft wollen wir uns bemühen.' 'Om', so willigte auch Vasiṣṭha den Bhāratas ein.
Nachdem [?] die achte Zeit vollendet war, wählte der König ihn selbst: 'Sei du unser Hauspriester; um die Herrschaft wollen wir uns bemühen.' 'Om', so willigte auch Vasiṣṭha den Bhāratas ein.
[Anm.: 'taṃ samām aṣṭamīm uṣṭaṃ' ist im Sanskrit unklar überliefert; die genaue Bedeutung dieser Zeitangabe (möglicherweise ein achttägiges oder achtjähriges Fasten/Warten) bleibt unsicher.]
Aśvavat, Abhiṣvat, sowie den Weisen Citraratha und den berühmten Janamejaya – von diesen seinen Söhnen haben wir gehört; die kluge Vāhinī gebar diese fünf Söhne.
Aśvavat, Abhiṣvat, sowie den Weisen Citraratha und den berühmten Janamejaya – von diesen seinen Söhnen haben wir gehört; die kluge Vāhinī gebar diese fünf Söhne.
[Anm.: Der hier genannte Janamejaya, Sohn Kurus, ist nicht identisch mit Janamejaya, dem Zuhörer dieser Erzählung (Urenkel Arjunas). Wiederkehrende Namen über mehrere Generationen hinweg – auch Parikṣit, Dhṛtarāṣṭra und Pāṇḍu weiter unten – sind ein bekanntes Merkmal dieser komprimierten Genealogie.]
abhiṣvataḥ parikṣit tu śabalāśvaś ca vīryavān abhirājo virājaś ca śalmalaś ca mahābalaḥ
Von Abhiṣvat stammten: Parikṣit, und der tapfere Śabalāśva, Abhirāja, Virāja und der mächtige Śalmali,
Wort für Wort
abhiṣvataḥ parikṣit tu śabalāśvaś ca vīryavān abhirājo virājaś ca śalmalaś ca mahābalaḥ
Von Abhiṣvat stammten: Parikṣit, und der tapfere Śabalāśva, Abhirāja, Virāja und der mächtige Śalmali,
[Anm.: Dieser Parikṣit, Enkel Kurus über Abhiṣvat, ist ein Namensvetter des späteren Parikṣit, Enkels Arjunas und Vaters Janamejayas – nicht dieselbe Person.]
Janamejaya und sechs weitere, ebenso gewaltige, waren die sieben Söhne jenes Parikṣit, alle kundig in Dharma und Artha.
[Anm.: Auch dieser Janamejaya – Sohn des in V.45 genannten Parikṣit, Urenkel Kurus – ist ein weiterer Namensvetter, nicht der Janamejaya der Rahmenerzählung.]
janamejayasya tanayā bhuvi khyātā mahābalāḥ dhṛtarāṣṭraḥ prathamajaḥ pāṇḍur bāhlīka eva ca
Die Söhne dieses Janamejaya, auf Erden berühmt und gewaltig: Dhṛtarāṣṭra, der Erstgeborene, Pāṇḍu, und auch Bāhlīka,
Wort für Wort
janamejayasya tanayā bhuvi khyātā mahābalāḥ dhṛtarāṣṭraḥ prathamajaḥ pāṇḍur bāhlīka eva ca
Die Söhne dieses Janamejaya, auf Erden berühmt und gewaltig: Dhṛtarāṣṭra, der Erstgeborene, Pāṇḍu, und auch Bāhlīka,
[Anm.: Dieser Dhṛtarāṣṭra und dieser Pāṇḍu sind ferne Vorfahren-Namensvetter der weit später geborenen, viel bekannteren gleichnamigen Brüder (Söhne des Vyāsa mit den Witwen Vicitravīryas) – nicht identisch mit diesen.]
niṣadhaś ca mahātejās tathā jāmbūnado balī kuṇḍodaraḥ padātiś ca vasātiś cāṣṭamaḥ smṛtaḥ sarve dharmārthakuśalāḥ sarve bhūtahite ratāḥ
Niṣadha, der glanzvolle, und der starke Jāmbūnada, Kuṇḍodara, Padāti, und Vasāti, als achter genannt – alle kundig in Dharma und Artha, alle dem Wohl der Wesen zugetan.
Wort für Wort
niṣadhaś ca mahātejās tathā jāmbūnado balī kuṇḍodaraḥ padātiś ca vasātiś cāṣṭamaḥ smṛtaḥ sarve dharmārthakuśalāḥ sarve bhūtahite ratāḥ
Niṣadha, der glanzvolle, und der starke Jāmbūnada, Kuṇḍodara, Padāti, und Vasāti, als achter genannt – alle kundig in Dharma und Artha, alle dem Wohl der Wesen zugetan.
Dhṛtarāṣṭra (der Erstgeborene) wurde nun König; seine Söhne waren Kuṇḍika, Hastin, Vitarka, Krātha, und Kuṇḍala als fünfter, sowie Haviḥśravas, Indrābha und der unbesiegte Sumanyu.
Dhṛtarāṣṭra (der Erstgeborene) wurde nun König; seine Söhne waren Kuṇḍika, Hastin, Vitarka, Krātha, und Kuṇḍala als fünfter, sowie Haviḥśravas, Indrābha und der unbesiegte Sumanyu.
Dem Pratīpa wurden drei Söhne geboren, o Stier der Bharatas: Devāpi, Śaṃtanu und der große Wagenkämpfer Bāhlīka.
[Anm.: Zwischen Hastin (V.51) und Pratīpa liegen der überlieferten Kuru-Genealogie zufolge mehrere weitere Generationen, die dieses stark komprimierte Kapitel überspringt.]
In der Nachkommenschaft Bharatas wurden viele kraftvolle, große Wagenkämpfer geboren, göttlichen Sehern gleich, o Herrscher, die besten unter den Königen.
In der Nachkommenschaft Bharatas wurden viele kraftvolle, große Wagenkämpfer geboren, göttlichen Sehern gleich, o Herrscher, die besten unter den Königen.