Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 146: Brāhmaṇīvākyam Die Rede der Brahmanin

Die Frau des Brahmanen widerspricht seiner Verzweiflung mit einer langen, kunstvollen Argumentation: Sie selbst habe ihre eheliche Pflicht bereits erfüllt (Kinder geboren), sei als Frau leichter zu entbehren als der versorgende Gatte, und Rākṣasas seien überdies angeblich verpflichtet, Frauen zu verschonen. Sie beruft sich auf das Āpad-Dharma (Notrecht), wonach in Notlagen selbst Gattin oder Kinder geopfert werden dürfen, um Familie und Selbst zu retten, und bittet ihren Mann, sie an seiner Stelle zu opfern. Der Gatte, zutiefst ergriffen, kann nur schweigend weinen.

brāhmaṇy uvāca na saṃtāpas tvayā kāryaḥ prākṛteneva karhi cit na hi saṃtāpakālo 'yaṃ vaidyasya tava vidyate

Die Brahmanin sprach: ‚Du sollst dich nicht grämen, wie ein gewöhnlicher Mensch, zu keiner Zeit; denn für dich, den Gelehrten, ist jetzt nicht die Zeit zur Verzweiflung.'

Wort für Wort
brāhmaṇy uvāca na saṃtāpas tvayā kāryaḥ prākṛteneva karhi cit na hi saṃtāpakālo 'yaṃ vaidyasya tava vidyate
Die Brahmanin sprach: ‚Du sollst dich nicht grämen, wie ein gewöhnlicher Mensch, zu keiner Zeit; denn für dich, den Gelehrten, ist jetzt nicht die Zeit zur Verzweiflung.'

avaśyaṃ nidhanaṃ sarvair gantavyam iha mānavaiḥ avaśyabhāviny arthe vai saṃtāpo neha vidyate

‚Unausweichlich müssen alle Menschen hier den Tod erleiden; bei einer unausweichlichen Sache gibt es keinen Grund zur Verzweiflung.'

Wort für Wort
avaśyaṃ nidhanaṃ sarvair gantavyam iha mānavaiḥ avaśyabhāviny arthe vai saṃtāpo neha vidyate
‚Unausweichlich müssen alle Menschen hier den Tod erleiden; bei einer unausweichlichen Sache gibt es keinen Grund zur Verzweiflung.'

bhāryā putro 'tha duhitā sarvam ātmārtham iṣyate vyathāṃ jahi subuddhyā tvaṃ svayaṃ yāsyāmi tatra vai

‚Gattin, Sohn und Tochter – all dies wird um des eigenen Selbst willen begehrt; gib deinen Kummer auf, mit gutem Verstand; ich selbst werde dorthin gehen.'

Wort für Wort
bhāryā putro 'tha duhitā sarvam ātmārtham iṣyate vyathāṃ jahi subuddhyā tvaṃ svayaṃ yāsyāmi tatra vai
‚Gattin, Sohn und Tochter – all dies wird um des eigenen Selbst willen begehrt; gib deinen Kummer auf, mit gutem Verstand; ich selbst werde dorthin gehen.'

etad dhi paramaṃ nāryāḥ kāryaṃ loke sanātanam prāṇān api parityajya yad bhartṛhitam ācaret

‚Denn dies ist die höchste, ewige Pflicht der Frau in der Welt: selbst unter Aufgabe des eigenen Lebens dem Gatten zum Heil zu handeln.'

Wort für Wort
etad dhi paramaṃ nāryāḥ kāryaṃ loke sanātanam prāṇān api parityajya yad bhartṛhitam ācaret
‚Denn dies ist die höchste, ewige Pflicht der Frau in der Welt: selbst unter Aufgabe des eigenen Lebens dem Gatten zum Heil zu handeln.'

tac ca tatra kṛtaṃ karma tavāpīha sukhāvaham bhavaty amutra cākṣayyaṃ loke 'smiṃś ca yaśaskaram

‚Und diese dort vollbrachte Tat wird auch dir hier Glück bringen, wird jenseits unvergänglich und in dieser Welt ruhmbringend sein.'

Wort für Wort
tac ca tatra kṛtaṃ karma tavāpīha sukhāvaham bhavaty amutra cākṣayyaṃ loke 'smiṃś ca yaśaskaram
‚Und diese dort vollbrachte Tat wird auch dir hier Glück bringen, wird jenseits unvergänglich und in dieser Welt ruhmbringend sein.'

eṣa caiva gurur dharmo yaṃ pravakṣāmy ahaṃ tava arthaś ca tava dharmaś ca bhūyān atra pradṛśyate

‚Dies ist die höhere Pflicht, die ich dir nun darlege; sowohl dein Nutzen als auch dein Dharma erweisen sich hierbei als größer.'

Wort für Wort
eṣa caiva gurur dharmo yaṃ pravakṣāmy ahaṃ tava arthaś ca tava dharmaś ca bhūyān atra pradṛśyate
‚Dies ist die höhere Pflicht, die ich dir nun darlege; sowohl dein Nutzen als auch dein Dharma erweisen sich hierbei als größer.'

yadartham iṣyate bhāryā prāptaḥ so 'rthas tvayā mayi kanyā caiva kumāraś ca kṛtāham anṛṇā tvayā

‚Der Zweck, um dessentwillen man eine Gattin begehrt, ist von dir durch mich bereits erreicht – Tochter und Sohn habe ich geboren; ich bin von dir schuldfrei gemacht worden.'

Wort für Wort
yadartham iṣyate bhāryā prāptaḥ so 'rthas tvayā mayi kanyā caiva kumāraś ca kṛtāham anṛṇā tvayā
‚Der Zweck, um dessentwillen man eine Gattin begehrt, ist von dir durch mich bereits erreicht – Tochter und Sohn habe ich geboren; ich bin von dir schuldfrei gemacht worden.'

samarthaḥ poṣaṇe cāsi sutayo rakṣaṇe tathā na tv ahaṃ sutayoḥ śaktā tathā rakṣaṇapoṣaṇe

‚Und du bist fähig, unsere beiden Kinder zu ernähren und zu beschützen; ich aber bin nicht ebenso fähig, sie zu beschützen und zu ernähren.'

Wort für Wort
samarthaḥ poṣaṇe cāsi sutayo rakṣaṇe tathā na tv ahaṃ sutayoḥ śaktā tathā rakṣaṇapoṣaṇe
‚Und du bist fähig, unsere beiden Kinder zu ernähren und zu beschützen; ich aber bin nicht ebenso fähig, sie zu beschützen und zu ernähren.'

mama hi tvadvihīnāyāḥ sarvakāmā na āpadaḥ kathaṃ syātāṃ sutau bālau bhaveyaṃ ca kathaṃ tv aham

‚Denn für mich, wäre ich ohne dich, gäbe es nur noch Not statt erfüllter Wünsche; wie erst sollten unsere beiden jungen Kinder zurechtkommen, und wie sollte ich selbst zurechtkommen?'

Wort für Wort
mama hi tvadvihīnāyāḥ sarvakāmā na āpadaḥ kathaṃ syātāṃ sutau bālau bhaveyaṃ ca kathaṃ tv aham
‚Denn für mich, wäre ich ohne dich, gäbe es nur noch Not statt erfüllter Wünsche; wie erst sollten unsere beiden jungen Kinder zurechtkommen, und wie sollte ich selbst zurechtkommen?'

kathaṃ hi vidhavānāthā bālaputrā vinā tvayā mithunaṃ jīvayiṣyāmi sthitā sādhugate pathi

‚Denn wie sollte ich, verwitwet, schutzlos, mit noch jungen Kindern, ohne dich, das Kinderpaar am Leben erhalten, auf dem Weg der Rechtschaffenen verharrend?'

Wort für Wort
kathaṃ hi vidhavānāthā bālaputrā vinā tvayā mithunaṃ jīvayiṣyāmi sthitā sādhugate pathi
‚Denn wie sollte ich, verwitwet, schutzlos, mit noch jungen Kindern, ohne dich, das Kinderpaar am Leben erhalten, auf dem Weg der Rechtschaffenen verharrend?'

ahaṃkṛtāvaliptaiś ca prārthyamānām imāṃ sutām ayuktais tava saṃbandhe kathaṃ śakṣyāmi rakṣitum

‚Und wie sollte ich diese unsere Tochter beschützen können, wenn sie von hochmütigen, überheblichen, für eine Verbindung mit uns ungeeigneten Männern umworben wird?'

Wort für Wort
ahaṃkṛtāvaliptaiś ca prārthyamānām imāṃ sutām ayuktais tava saṃbandhe kathaṃ śakṣyāmi rakṣitum
‚Und wie sollte ich diese unsere Tochter beschützen können, wenn sie von hochmütigen, überheblichen, für eine Verbindung mit uns ungeeigneten Männern umworben wird?'

utsṛṣṭam āmiṣaṃ bhūmau prārthayanti yathā khagāḥ prārthayanti janāḥ sarve vīrahīnāṃ tathā striyam

‚Wie Vögel nach auf der Erde weggeworfenem Fleisch verlangen, so verlangen alle Menschen nach einer Frau ohne beschützenden Helden.'

Wort für Wort
utsṛṣṭam āmiṣaṃ bhūmau prārthayanti yathā khagāḥ prārthayanti janāḥ sarve vīrahīnāṃ tathā striyam
‚Wie Vögel nach auf der Erde weggeworfenem Fleisch verlangen, so verlangen alle Menschen nach einer Frau ohne beschützenden Helden.'

sāhaṃ vicālyamānā vai prārthyamānā durātmabhiḥ sthātuṃ pathi na śakṣyāmi sajjaneṣṭe dvijottama

‚Ich, so bedrängt und von Bösgesinnten umworben, würde nicht imstande sein, auf dem von guten Menschen gewünschten Weg zu verharren, du Bester der Zweifachgeborenen.'

Wort für Wort
sāhaṃ vicālyamānā vai prārthyamānā durātmabhiḥ sthātuṃ pathi na śakṣyāmi sajjaneṣṭe dvijottama
‚Ich, so bedrängt und von Bösgesinnten umworben, würde nicht imstande sein, auf dem von guten Menschen gewünschten Weg zu verharren, du Bester der Zweifachgeborenen.'

kathaṃ tava kulasyaikām imāṃ bālām asaṃskṛtām pitṛpaitāmahe mārge niyoktum aham utsahe

‚Wie könnte ich es wagen, diese einzige Tochter deines Geschlechts, noch nicht durch die Ehesakramente geweiht, allein auf dem Weg der Väter und Großväter zu führen?'

Wort für Wort
kathaṃ tava kulasyaikām imāṃ bālām asaṃskṛtām pitṛpaitāmahe mārge niyoktum aham utsahe
‚Wie könnte ich es wagen, diese einzige Tochter deines Geschlechts, noch nicht durch die Ehesakramente geweiht, allein auf dem Weg der Väter und Großväter zu führen?'

kathaṃ śakṣyāmi bāle 'smin guṇān ādhātum īpṣitān anāthe sarvato lupte yathā tvaṃ dharmadarśivān

‚Wie sollte ich diesem Kind, ohne dich, die erwünschten Tugenden vermitteln können, wenn es schutzlos und von allem verlassen ist, so wie du, der Dharma-Kundige, es könntest?'

Wort für Wort
kathaṃ śakṣyāmi bāle 'smin guṇān ādhātum īpṣitān anāthe sarvato lupte yathā tvaṃ dharmadarśivān
‚Wie sollte ich diesem Kind, ohne dich, die erwünschten Tugenden vermitteln können, wenn es schutzlos und von allem verlassen ist, so wie du, der Dharma-Kundige, es könntest?'

imām api ca te bālām anāthāṃ paribhūya mām anarhāḥ prārthayiṣyanti śūdrā vedaśrutiṃ yathā

‚Und diese deine schutzlose Tochter, mich missachtend, werden Unwürdige umwerben, so wie Śūdras nach dem ihnen nicht zustehenden Veda-Wissen verlangen.'

Wort für Wort
imām api ca te bālām anāthāṃ paribhūya mām anarhāḥ prārthayiṣyanti śūdrā vedaśrutiṃ yathā
‚Und diese deine schutzlose Tochter, mich missachtend, werden Unwürdige umwerben, so wie Śūdras nach dem ihnen nicht zustehenden Veda-Wissen verlangen.'

[Anm.: Der Vergleich spiegelt die zeitgebundene Kastenideologie des Originaltextes wider, die hier unbeschönigt wiedergegeben wird.

tāṃ ced ahaṃ na ditseyaṃ tvadguṇair upabṛṃhitām pramathyaināṃ hareyus te havir dhvāṅkṣā ivādhvarāt

‚Wenn ich sie, ausgestattet mit deinen Tugenden, ihnen nicht geben wollte, würden sie sie gewaltsam entreißen und rauben, wie Krähen die Opferspende vom Opferplatz rauben.'

Wort für Wort
tāṃ ced ahaṃ na ditseyaṃ tvadguṇair upabṛṃhitām pramathyaināṃ hareyus te havir dhvāṅkṣā ivādhvarāt
‚Wenn ich sie, ausgestattet mit deinen Tugenden, ihnen nicht geben wollte, würden sie sie gewaltsam entreißen und rauben, wie Krähen die Opferspende vom Opferplatz rauben.'

saṃprekṣamāṇā putraṃ te nānurūpam ivātmanaḥ anarhavaśam āpannām imāṃ cāpi sutāṃ tava

‚Wenn ich sähe, wie dein Sohn dir nicht als Ebenbürtiger seines Vaters heranwächst, und wie diese deine Tochter in die Gewalt eines Unwürdigen geriete,'

Wort für Wort
saṃprekṣamāṇā putraṃ te nānurūpam ivātmanaḥ anarhavaśam āpannām imāṃ cāpi sutāṃ tava
‚Wenn ich sähe, wie dein Sohn dir nicht als Ebenbürtiger seines Vaters heranwächst, und wie diese deine Tochter in die Gewalt eines Unwürdigen geriete,'

avajñātā ca lokasya tathātmānam ajānatī avaliptair narair brahman mariṣyāmi na saṃśayaḥ

‚und von der Welt verachtet, und mich selbst nicht mehr erkennend, von überheblichen Männern bedrängt, würde ich sterben, o Brahmane, ohne Zweifel.'

Wort für Wort
avajñātā ca lokasya tathātmānam ajānatī avaliptair narair brahman mariṣyāmi na saṃśayaḥ
‚und von der Welt verachtet, und mich selbst nicht mehr erkennend, von überheblichen Männern bedrängt, würde ich sterben, o Brahmane, ohne Zweifel.'

tau vihīnau mayā bālau tvayā caiva mamātmajau vinaśyetāṃ na saṃdeho matsyāv iva jalakṣaye

‚Ohne mich und ohne dich würden unsere beiden jungen Kinder zugrunde gehen, ohne Zweifel, wie Fische bei schwindendem Wasser.'

Wort für Wort
tau vihīnau mayā bālau tvayā caiva mamātmajau vinaśyetāṃ na saṃdeho matsyāv iva jalakṣaye
‚Ohne mich und ohne dich würden unsere beiden jungen Kinder zugrunde gehen, ohne Zweifel, wie Fische bei schwindendem Wasser.'

tritayaṃ sarvathāpy evaṃ vinaśiṣyaty asaṃśayam tvayā vihīnaṃ tasmāt tvaṃ māṃ parityaktum arhasi

‚So würde das ganze Dreigespann, ohne dich, in jedem Fall zugrunde gehen, ohne Zweifel; deshalb geziemt es dir, mich stattdessen freizugeben.'

Wort für Wort
tritayaṃ sarvathāpy evaṃ vinaśiṣyaty asaṃśayam tvayā vihīnaṃ tasmāt tvaṃ māṃ parityaktum arhasi
‚So würde das ganze Dreigespann, ohne dich, in jedem Fall zugrunde gehen, ohne Zweifel; deshalb geziemt es dir, mich stattdessen freizugeben.'

vyuṣṭir eṣā parā strīṇāṃ pūrvaṃ bhartuḥ parā gatiḥ na tu brāhmaṇa putrāṇāṃ viṣaye parivartitum

‚Dies ist der höchste Lohn für Frauen: vor dem Gatten den höchsten Weg zu gehen; nicht aber, o Brahmane, im Herrschaftsbereich der Söhne von diesen abhängig zu verweilen.'

Wort für Wort
vyuṣṭir eṣā parā strīṇāṃ pūrvaṃ bhartuḥ parā gatiḥ na tu brāhmaṇa putrāṇāṃ viṣaye parivartitum
‚Dies ist der höchste Lohn für Frauen: vor dem Gatten den höchsten Weg zu gehen; nicht aber, o Brahmane, im Herrschaftsbereich der Söhne von diesen abhängig zu verweilen.'

parityaktaḥ sutaś cāyaṃ duhiteyaṃ tathā mayā bāndhavāś ca parityaktās tvadarthaṃ jīvitaṃ ca me

‚Aufgegeben würden von mir dieser Sohn und diese Tochter, ebenso die Verwandten und mein Leben – um deinetwillen.'

Wort für Wort
parityaktaḥ sutaś cāyaṃ duhiteyaṃ tathā mayā bāndhavāś ca parityaktās tvadarthaṃ jīvitaṃ ca me
‚Aufgegeben würden von mir dieser Sohn und diese Tochter, ebenso die Verwandten und mein Leben – um deinetwillen.'

yajñais tapobhir niyamair dānaiś ca vividhais tathā viśiṣyate striyā bhartur nityaṃ priyahite sthitiḥ

‚Gegenüber Opfern, Askese, Gelübden und mannigfachen Spenden zeichnet sich für eine Frau das beständige Beharren im Wohl des Gatten als das Höchste aus.'

Wort für Wort
yajñais tapobhir niyamair dānaiś ca vividhais tathā viśiṣyate striyā bhartur nityaṃ priyahite sthitiḥ
‚Gegenüber Opfern, Askese, Gelübden und mannigfachen Spenden zeichnet sich für eine Frau das beständige Beharren im Wohl des Gatten als das Höchste aus.'

tad idaṃ yac cikīrṣāmi dharmyaṃ paramasaṃmatam iṣṭaṃ caiva hitaṃ caiva tava caiva kulasya ca

‚Deshalb ist dies, was ich zu tun beabsichtige, dharmagemäß, höchst anerkannt, erwünscht und heilsam, sowohl für dich als auch für unser Geschlecht.'

Wort für Wort
tad idaṃ yac cikīrṣāmi dharmyaṃ paramasaṃmatam iṣṭaṃ caiva hitaṃ caiva tava caiva kulasya ca
‚Deshalb ist dies, was ich zu tun beabsichtige, dharmagemäß, höchst anerkannt, erwünscht und heilsam, sowohl für dich als auch für unser Geschlecht.'

iṣṭāni cāpy apatyāni dravyāṇi suhṛdaḥ priyāḥ āpaddharmavimokṣāya bhāryā cāpi satāṃ matam

‚Auch geliebte Kinder, Besitztümer, teure Freunde und ebenso die Gattin – all dies zur Befreiung aus einer Notlage einzusetzen, ist nach Ansicht der Rechtschaffenen das Gebot des Notrechts.'

Wort für Wort
iṣṭāni cāpy apatyāni dravyāṇi suhṛdaḥ priyāḥ āpaddharmavimokṣāya bhāryā cāpi satāṃ matam
‚Auch geliebte Kinder, Besitztümer, teure Freunde und ebenso die Gattin – all dies zur Befreiung aus einer Notlage einzusetzen, ist nach Ansicht der Rechtschaffenen das Gebot des Notrechts.'

[Anm.: āpaddharma – das ,Notrecht', das in Ausnahmelagen von den sonst geltenden Dharma-Regeln abweichende Handlungen rechtfertigt.

ekato vā kulaṃ kṛtsnam ātmā vā kulavardhana na samaṃ sarvam eveti budhānām eṣa niścayaḥ

‚Auf der einen Seite das ganze Geschlecht, auf der anderen nur das eigene Selbst, o Mehrer des Geschlechts – nicht alles ist gleich wichtig; das ist die Überzeugung der Weisen.'

Wort für Wort
ekato vā kulaṃ kṛtsnam ātmā vā kulavardhana na samaṃ sarvam eveti budhānām eṣa niścayaḥ
‚Auf der einen Seite das ganze Geschlecht, auf der anderen nur das eigene Selbst, o Mehrer des Geschlechts – nicht alles ist gleich wichtig; das ist die Überzeugung der Weisen.'

sa kuruṣva mayā kāryaṃ tārayātmānam ātmanā anujānīhi mām ārya sutau me parirakṣa ca

‚So handle mit mir, wie es nötig ist, rette dich selbst durch dich selbst; gib mir deine Erlaubnis, Edler, und beschütze unsere beiden Kinder.'

Wort für Wort
sa kuruṣva mayā kāryaṃ tārayātmānam ātmanā anujānīhi mām ārya sutau me parirakṣa ca
‚So handle mit mir, wie es nötig ist, rette dich selbst durch dich selbst; gib mir deine Erlaubnis, Edler, und beschütze unsere beiden Kinder.'

avadhyāḥ striya ity āhur dharmajñā dharmaniścaye dharmajñān rākṣasān āhur na hanyāt sa ca mām api

‚Frauen seien nicht zu töten, so sagen die Dharma-Kundigen in der Dharma-Entscheidung; man sagt, auch Rākṣasas kennen das Dharma – er wird also auch mich nicht töten.'

Wort für Wort
avadhyāḥ striya ity āhur dharmajñā dharmaniścaye dharmajñān rākṣasān āhur na hanyāt sa ca mām api
‚Frauen seien nicht zu töten, so sagen die Dharma-Kundigen in der Dharma-Entscheidung; man sagt, auch Rākṣasas kennen das Dharma – er wird also auch mich nicht töten.'

niḥsaṃśayo vadhaḥ puṃsāṃ strīṇāṃ saṃśayito vadhaḥ ato mām eva dharmajña prasthāpayitum arhasi

‚Bei Männern ist die Tötung gewiss, bei Frauen ist sie ungewiss; deshalb, o Dharma-Kundiger, geziemt es dir, gerade mich dorthin zu senden.'

Wort für Wort
niḥsaṃśayo vadhaḥ puṃsāṃ strīṇāṃ saṃśayito vadhaḥ ato mām eva dharmajña prasthāpayitum arhasi
‚Bei Männern ist die Tötung gewiss, bei Frauen ist sie ungewiss; deshalb, o Dharma-Kundiger, geziemt es dir, gerade mich dorthin zu senden.'

bhuktaṃ priyāṇy avāptāni dharmaś ca carito mayā tvatprasūtiḥ priyā prāptā na māṃ tapsyaty ajīvitam

‚Ich habe das Leben genossen, Liebes erlangt, und Dharma befolgt; ich habe die geliebte Nachkommenschaft von dir erhalten – der Tod wird mich nicht mit Reue über ein unvollendetes Leben quälen.'

Wort für Wort
bhuktaṃ priyāṇy avāptāni dharmaś ca carito mayā tvatprasūtiḥ priyā prāptā na māṃ tapsyaty ajīvitam
‚Ich habe das Leben genossen, Liebes erlangt, und Dharma befolgt; ich habe die geliebte Nachkommenschaft von dir erhalten – der Tod wird mich nicht mit Reue über ein unvollendetes Leben quälen.'

jātaputrā ca vṛddhā ca priyakāmā ca te sadā samīkṣyaitad ahaṃ sarvaṃ vyavasāyaṃ karomy ataḥ

‚Da ich bereits einen Sohn geboren habe, beinahe alt bin, und stets dein Wohl begehrt habe – all dies erwägend, treffe ich deshalb diesen Entschluss.'

Wort für Wort
jātaputrā ca vṛddhā ca priyakāmā ca te sadā samīkṣyaitad ahaṃ sarvaṃ vyavasāyaṃ karomy ataḥ
‚Da ich bereits einen Sohn geboren habe, beinahe alt bin, und stets dein Wohl begehrt habe – all dies erwägend, treffe ich deshalb diesen Entschluss.'

utsṛjyāpi ca mām ārya vetsyasy anyām api striyam tataḥ pratiṣṭhito dharmo bhaviṣyati punas tava

‚Und selbst wenn du mich aufgibst, o Edler, wirst du eine andere Frau heiraten können; so wird dein häuslicher Stand wiederum gefestigt sein.'

Wort für Wort
utsṛjyāpi ca mām ārya vetsyasy anyām api striyam tataḥ pratiṣṭhito dharmo bhaviṣyati punas tava
‚Und selbst wenn du mich aufgibst, o Edler, wirst du eine andere Frau heiraten können; so wird dein häuslicher Stand wiederum gefestigt sein.'

na cāpy adharmaḥ kalyāṇa bahupatnīkatā nṛṇām strīṇām adharmaḥ sumahān bhartuḥ pūrvasya laṅghane

‚Und es ist auch kein Unrecht, mein Guter, wenn Männer mehrere Frauen haben; für Frauen aber ist es überaus großes Unrecht, den früheren Gatten zu übergehen.'

Wort für Wort
na cāpy adharmaḥ kalyāṇa bahupatnīkatā nṛṇām strīṇām adharmaḥ sumahān bhartuḥ pūrvasya laṅghane
‚Und es ist auch kein Unrecht, mein Guter, wenn Männer mehrere Frauen haben; für Frauen aber ist es überaus großes Unrecht, den früheren Gatten zu übergehen.'

etat sarvaṃ samīkṣya tvam ātmatyāgaṃ ca garhitam ātmānaṃ tāraya mayā kulaṃ cemau ca dārakau

‚Dies alles erwägend, und da die Selbstaufgabe des Familienoberhaupts verwerflich ist, rette dich selbst durch mich, rette das Geschlecht und diese beiden Kinder.'

Wort für Wort
etat sarvaṃ samīkṣya tvam ātmatyāgaṃ ca garhitam ātmānaṃ tāraya mayā kulaṃ cemau ca dārakau
‚Dies alles erwägend, und da die Selbstaufgabe des Familienoberhaupts verwerflich ist, rette dich selbst durch mich, rette das Geschlecht und diese beiden Kinder.'

vaiśaṃpāyana uvāca evam uktas tayā bhartā tāṃ samāliṅgya bhārata mumoca bāṣpaṃ śanakaiḥ sabhāryo bhṛśaduḥkhitaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: So von ihr angesprochen, umarmte der Gatte sie, o Bhārata, und vergoss leise Tränen, samt seiner Gattin, tief bekümmert.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca evam uktas tayā bhartā tāṃ samāliṅgya bhārata mumoca bāṣpaṃ śanakaiḥ sabhāryo bhṛśaduḥkhitaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: So von ihr angesprochen, umarmte der Gatte sie, o Bhārata, und vergoss leise Tränen, samt seiner Gattin, tief bekümmert.

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