Kapitel 112: Vyuṣitāśva-Upākhyānam
Die Erzählung von Vyuṣitāśva
Kuntī weist Pāṇḍus Vorschlag, sie an einen anderen Mann zu senden, empört zurück und erzählt zur Bekräftigung die alte Geschichte vom König Vyuṣitāśva: Nach dessen frühem Tod durch Schwindsucht erzeugt eine körperlose Stimme aus seinem Leichnam, auf die Bitte seiner untröstlichen Gattin Bhadrā hin, mit ihr sieben Söhne. Kuntī folgert daraus, auch Pāṇḍu könne, trotz des Fluches, allein durch die Kraft seiner Askese und seines Geistes Nachkommen zeugen.
Vaiśaṃpāyana sprach: So angesprochen, o Großkönig, erwiderte Kuntī dem Pāṇḍu, dem Stier der Kurus, dem Helden, damals ihrem Gatten, dem Herrscher der Erde:
Vaiśaṃpāyana sprach: So angesprochen, o Großkönig, erwiderte Kuntī dem Pāṇḍu, dem Stier der Kurus, dem Helden, damals ihrem Gatten, dem Herrscher der Erde:
svargaṃ manujaśārdūla gaccheyaṃ sahitā tvayā apatyāya ca māṃ gaccha tvam eva kurunandana
In den Himmel, o Tiger unter den Menschen, möchte ich mit dir vereint gelangen; und um der Nachkommenschaft willen vereine dich, du selbst, mit mir, o Freude der Kurus.
Wort für Wort
svargaṃ manujaśārdūla gaccheyaṃ sahitā tvayā apatyāya ca māṃ gaccha tvam eva kurunandana
In den Himmel, o Tiger unter den Menschen, möchte ich mit dir vereint gelangen; und um der Nachkommenschaft willen vereine dich, du selbst, mit mir, o Freude der Kurus.
Auch hierüber singen die der alten Überlieferung Kundigen einen Vers: ‚Vyuṣitāśva, nachdem er diese meerbegrenzte Erde erobert hatte, beschützte alle Stände wie ein Vater seine leiblichen Söhne.'
Auch hierüber singen die der alten Überlieferung Kundigen einen Vers: ‚Vyuṣitāśva, nachdem er diese meerbegrenzte Erde erobert hatte, beschützte alle Stände wie ein Vater seine leiblichen Söhne.'
yajamāno mahāyajñair brāhmaṇebhyo dadau dhanam anantaratnāny ādāya ājahāra mahākratūn suṣāva ca bahūn somān somasaṃsthās tatāna ca
Mit großen Opfern opfernd, gab er den Brahmanen Reichtum; unzählige Juwelen zusammentragend, vollzog er die großen Opferrituale, presste vielfach den Soma und dehnte die Soma-Zeremonien aus.
Wort für Wort
yajamāno mahāyajñair brāhmaṇebhyo dadau dhanam anantaratnāny ādāya ājahāra mahākratūn suṣāva ca bahūn somān somasaṃsthās tatāna ca
Mit großen Opfern opfernd, gab er den Brahmanen Reichtum; unzählige Juwelen zusammentragend, vollzog er die großen Opferrituale, presste vielfach den Soma und dehnte die Soma-Zeremonien aus.
Dadurch ging er binnen kurzer Zeit unter wie die Sonne beim Sonnenuntergang; als jener Herrscher der Menschen verschieden war, war seine Gattin von heftigem Schmerz ergriffen.
Dadurch ging er binnen kurzer Zeit unter wie die Sonne beim Sonnenuntergang; als jener Herrscher der Menschen verschieden war, war seine Gattin von heftigem Schmerz ergriffen.
aputrā puruṣavyāghra vilalāpeti naḥ śrutam bhadrā paramaduḥkhārtā tan nibodha narādhipa
Kinderlos, o Tiger unter den Männern, wehklagte sie – so haben wir gehört; Bhadrā, von höchstem Schmerz gequält – vernimm dies, o Herrscher der Menschen.
Wort für Wort
aputrā puruṣavyāghra vilalāpeti naḥ śrutam bhadrā paramaduḥkhārtā tan nibodha narādhipa
Kinderlos, o Tiger unter den Männern, wehklagte sie – so haben wir gehört; Bhadrā, von höchstem Schmerz gequält – vernimm dies, o Herrscher der Menschen.
Zeig dich mir doch gnädig, o Tiger unter den Männern, mir, der Unglücklichen, Elenden, Schutzlosen, Erbarmungswürdigen, Wehklagenden, o Herr der Menschen!'
Zeig dich mir doch gnädig, o Tiger unter den Männern, mir, der Unglücklichen, Elenden, Schutzlosen, Erbarmungswürdigen, Wehklagenden, o Herr der Menschen!'
ātmīye ca varārohe śayanīye caturdaśīm aṣṭamīṃ vā ṛtusnātā saṃviśethā mayā saha
Und auf deinem eigenen Lager, o Schöngestaltete, sollst du am vierzehnten oder am achten Tag der Mondphase, nach dem rituellen Reinigungsbad, dich mit mir vereinigen.'
Wort für Wort
ātmīye ca varārohe śayanīye caturdaśīm aṣṭamīṃ vā ṛtusnātā saṃviśethā mayā saha
Und auf deinem eigenen Lager, o Schöngestaltete, sollst du am vierzehnten oder am achten Tag der Mondphase, nach dem rituellen Reinigungsbad, dich mit mir vereinigen.'
Sie gebar von jenem Leichnam, o Herrscher der Menschen, drei Śālva-Söhne und vier Madra-Söhne, o Bester der Bharatas.
[Anm.: Gemeint sind wohl die legendären Stammväter der Königshäuser von Śālva bzw. Madra, nicht die bereits genannten gleichnamigen Königreiche selbst.]