Kapitel 188: Dharmasaṃśayaḥ
Der Zweifel am Dharma der Vielehe
Vyāsa (Kṛṣṇa Dvaipāyana) trifft ein und fragt, bevor er urteilt, nacheinander nach der Meinung aller Beteiligten. Drupada lehnt die Vielehe als gegen Weltsitte und Veda verstoßend ab; Dhṛṣṭadyumna verweist auf die Unschicklichkeit, dass ein älterer Bruder sich der Gattin des jüngeren nähere; Yudhiṣṭhira verteidigt den Plan mit dem Wort seiner Mutter als höchstem Lehrer und dem Präzedenzfall der Gautamī Jaṭilā, die einst sieben Ṛṣis zugleich beiwohnte; Kuntī äußert ihre Furcht, durch ein unwahres Wort schuldig geworden zu sein. Vyāsa verspricht, allen die Wahrheit des Dharma zu bestätigen, will jedoch Drupada die tiefere Begründung unter vier Augen erklären, und führt ihn beiseite.
vaiśaṃpāyana uvāca tatas te pāṇḍavāḥ sarve pāñcālyaś ca mahāyaśāḥ pratyutthāya mahātmānaṃ kṛṣṇaṃ dṛṣṭvābhyapūjayan
Vaiśampāyana sprach: Da erhoben sich alle Pāṇḍavas und der ruhmreiche Pāñcālya, und als sie den hochherzigen Kṛṣṇa [Anm.: hier Kṛṣṇa Dvaipāyana, d.h. Vyāsa, nicht Vāsudeva-Kṛṣṇa] erblickten, erwiesen sie ihm Ehrerbietung.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tatas te pāṇḍavāḥ sarve pāñcālyaś ca mahāyaśāḥ pratyutthāya mahātmānaṃ kṛṣṇaṃ dṛṣṭvābhyapūjayan
Vaiśampāyana sprach: Da erhoben sich alle Pāṇḍavas und der ruhmreiche Pāñcālya, und als sie den hochherzigen Kṛṣṇa [Anm.: hier Kṛṣṇa Dvaipāyana, d.h. Vyāsa, nicht Vāsudeva-Kṛṣṇa] erblickten, erwiesen sie ihm Ehrerbietung.
Dann, nach einer kurzen Weile, richtete der Sohn des Pṛṣata [Drupada] mit süßer Stimme das Wort an ihn, den Hochherzigen, und fragte, der Herr der Menschen, wegen Draupadī.
Dann, nach einer kurzen Weile, richtete der Sohn des Pṛṣata [Drupada] mit süßer Stimme das Wort an ihn, den Hochherzigen, und fragte, der Herr der Menschen, wegen Draupadī.
vyāsa uvāca asmin dharme vipralambhe lokavedavirodhake yasya yasya mataṃ yad yac chrotum icchāmi tasya tat
Vyāsa sprach: ‚In dieser dem Dharma widersprechenden, Welt und Veda entgegenstehenden Sache möchte ich zunächst von jedem Einzelnen seine jeweilige Meinung hören.'
Wort für Wort
vyāsa uvāca asmin dharme vipralambhe lokavedavirodhake yasya yasya mataṃ yad yac chrotum icchāmi tasya tat
Vyāsa sprach: ‚In dieser dem Dharma widersprechenden, Welt und Veda entgegenstehenden Sache möchte ich zunächst von jedem Einzelnen seine jeweilige Meinung hören.'
drupada uvāca adharmo 'yaṃ mama mato viruddho lokavedayoḥ na hy ekā vidyate patnī bahūnāṃ dvijasattama
Drupada sprach: ‚Dies ist meiner Meinung nach Unrecht, Welt und Veda widersprechend; denn es gibt keine einzelne Gattin für mehrere Männer, du Bester der Zweifachgeborenen.'
Wort für Wort
drupada uvāca adharmo 'yaṃ mama mato viruddho lokavedayoḥ na hy ekā vidyate patnī bahūnāṃ dvijasattama
Drupada sprach: ‚Dies ist meiner Meinung nach Unrecht, Welt und Veda widersprechend; denn es gibt keine einzelne Gattin für mehrere Männer, du Bester der Zweifachgeborenen.'
na cāpy ācaritaḥ pūrvair ayaṃ dharmo mahātmabhiḥ na ca dharmo 'py anekasthaś caritavyaḥ sanātanaḥ
‚Und auch von den hochherzigen Altvorderen wurde dieser Brauch nicht geübt; und ein Dharma, der auf mehreren zugleich beruht, ist auch nicht als ewiger Brauch zu befolgen.'
Wort für Wort
na cāpy ācaritaḥ pūrvair ayaṃ dharmo mahātmabhiḥ na ca dharmo 'py anekasthaś caritavyaḥ sanātanaḥ
‚Und auch von den hochherzigen Altvorderen wurde dieser Brauch nicht geübt; und ein Dharma, der auf mehreren zugleich beruht, ist auch nicht als ewiger Brauch zu befolgen.'
Dhṛṣṭadyumna sprach: ‚Wie könnte, du Stier der Zweifachgeborenen, Brahmane, Asket, ein älterer Bruder, der von gutem Wandel ist, sich der Gattin des jüngeren nähern?'
Dhṛṣṭadyumna sprach: ‚Wie könnte, du Stier der Zweifachgeborenen, Brahmane, Asket, ein älterer Bruder, der von gutem Wandel ist, sich der Gattin des jüngeren nähern?'
yudhiṣṭhira uvāca na me vāg anṛtaṃ prāha nādharme dhīyate matiḥ vartate hi mano me 'tra naiṣo 'dharmaḥ kathaṃ cana
Yudhiṣṭhira sprach: ‚Nie hat meine Zunge Unwahres gesprochen, nie richtet sich mein Sinn auf Unrecht; denn mein Herz neigt sich dem zu, und dies ist keineswegs Unrecht.'
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca na me vāg anṛtaṃ prāha nādharme dhīyate matiḥ vartate hi mano me 'tra naiṣo 'dharmaḥ kathaṃ cana
Yudhiṣṭhira sprach: ‚Nie hat meine Zunge Unwahres gesprochen, nie richtet sich mein Sinn auf Unrecht; denn mein Herz neigt sich dem zu, und dies ist keineswegs Unrecht.'
Kuntī sprach: ‚So ist es, wie dieser rechtschaffen wandelnde Yudhiṣṭhira sagt; doch habe ich heftige Furcht vor der Unwahrheit – wie könnte ich von der Unwahrheit befreit werden?'
Kuntī sprach: ‚So ist es, wie dieser rechtschaffen wandelnde Yudhiṣṭhira sagt; doch habe ich heftige Furcht vor der Unwahrheit – wie könnte ich von der Unwahrheit befreit werden?'
vyāsa uvāca anṛtān mokṣyase bhadre dharmaś caiṣa sanātanaḥ na tu vakṣyāmi sarveṣāṃ pāñcāla śṛṇu me svayam
Vyāsa sprach: ‚Von der Unwahrheit wirst du befreit sein, Holde, und dies ist ein ewiger Dharma; doch will ich es nicht vor allen aussprechen, Pāñcāla – höre du selbst von mir.'
Wort für Wort
vyāsa uvāca anṛtān mokṣyase bhadre dharmaś caiṣa sanātanaḥ na tu vakṣyāmi sarveṣāṃ pāñcāla śṛṇu me svayam
Vyāsa sprach: ‚Von der Unwahrheit wirst du befreit sein, Holde, und dies ist ein ewiger Dharma; doch will ich es nicht vor allen aussprechen, Pāñcāla – höre du selbst von mir.'
Vaiśampāyana sprach: Da erhob sich der erhabene, gewaltige Vyāsa Dvaipāyana, ergriff den König bei der Hand und trat mit ihm in ein Gemach des Palastes ein.
Vaiśampāyana sprach: Da erhob sich der erhabene, gewaltige Vyāsa Dvaipāyana, ergriff den König bei der Hand und trat mit ihm in ein Gemach des Palastes ein.