Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 145: Brāhmaṇavilāpaḥ Die Klage des Brahmanen

In Ekacakrā leben die Pāṇḍavas verborgen als bettelnde Asketen im Haus eines Brahmanen, wobei Bhīma stets die Hälfte der gesamten erbettelten Speise für sich behält. Als Kuntī eines Tages, allein mit Bhīma zurückgeblieben, lautes Klagen aus dem Haus hört, eilt sie hinein und findet den Brahmanen mit Frau, Sohn und Tochter in Verzweiflung. In einer langen philosophischen Klage über die Leiden des Lebens erklärt der Brahmane, warum er keines seiner Familienmitglieder dem drohenden Schicksal opfern kann und selbst den eigenen Tod erwägt, da er niemanden von ihnen preisgeben will.

janamejaya uvāca ekacakrāṃ gatās te tu kuntīputrā mahārathāḥ ataḥ paraṃ dvijaśreṣṭha kim akurvata pāṇḍavāḥ

Janamejaya sprach: Nachdem die Söhne Kuntīs, die großen Wagenkämpfer, nach Ekacakrā gekommen waren, was taten die Pāṇḍavas darauf weiter, o Bester der Zweifachgeborenen?

Wort für Wort
janamejaya uvāca ekacakrāṃ gatās te tu kuntīputrā mahārathāḥ ataḥ paraṃ dvijaśreṣṭha kim akurvata pāṇḍavāḥ
Janamejaya sprach: Nachdem die Söhne Kuntīs, die großen Wagenkämpfer, nach Ekacakrā gekommen waren, was taten die Pāṇḍavas darauf weiter, o Bester der Zweifachgeborenen?

vaiśaṃpāyana uvāca ekacakrāṃ gatās te tu kuntīputrā mahārathāḥ ūṣur nāticiraṃ kālaṃ brāhmaṇasya niveśane

Vaiśaṃpāyana sprach: Die Söhne Kuntīs, die großen Wagenkämpfer, nach Ekacakrā gekommen, weilten nicht allzu lange Zeit in der Wohnung eines Brahmanen.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca ekacakrāṃ gatās te tu kuntīputrā mahārathāḥ ūṣur nāticiraṃ kālaṃ brāhmaṇasya niveśane
Vaiśaṃpāyana sprach: Die Söhne Kuntīs, die großen Wagenkämpfer, nach Ekacakrā gekommen, weilten nicht allzu lange Zeit in der Wohnung eines Brahmanen.

[Anm.: ‚Nicht allzu lange Zeit' widerspricht scheinbar der später berichteten sehr langen Verweildauer (V.7) – wohl aus der Rückschau eines langen Gesamtwerks relativ gemeint. [?]

ramaṇīyāni paśyanto vanāni vividhāni ca pārthivān api coddeśān saritaś ca sarāṃsi ca

Liebliche und mannigfaltige Wälder betrachtend, sowie auch die Gegenden des Landes, Flüsse und Seen,

Wort für Wort
ramaṇīyāni paśyanto vanāni vividhāni ca pārthivān api coddeśān saritaś ca sarāṃsi ca
Liebliche und mannigfaltige Wälder betrachtend, sowie auch die Gegenden des Landes, Flüsse und Seen,

cerur bhaikṣaṃ tadā te tu sarva eva viśāṃ pate babhūvur nāgarāṇāṃ ca svair guṇaiḥ priyadarśanāḥ

gingen sie alle damals betteln, o Herrscher der Untertanen, und wurden den Stadtbewohnern durch ihre eigenen Tugenden lieb anzusehen.

Wort für Wort
cerur bhaikṣaṃ tadā te tu sarva eva viśāṃ pate babhūvur nāgarāṇāṃ ca svair guṇaiḥ priyadarśanāḥ
gingen sie alle damals betteln, o Herrscher der Untertanen, und wurden den Stadtbewohnern durch ihre eigenen Tugenden lieb anzusehen.

nivedayanti sma ca te bhaikṣaṃ kuntyāḥ sadā niśi tayā vibhaktān bhāgāṃs te bhuñjate sma pṛthak pṛthak

Und sie meldeten die erbettelte Speise stets abends Kuntī; die von ihr zugeteilten Anteile aßen sie dann, jeder für sich.

Wort für Wort
nivedayanti sma ca te bhaikṣaṃ kuntyāḥ sadā niśi tayā vibhaktān bhāgāṃs te bhuñjate sma pṛthak pṛthak
Und sie meldeten die erbettelte Speise stets abends Kuntī; die von ihr zugeteilten Anteile aßen sie dann, jeder für sich.

ardhaṃ te bhuñjate vīrāḥ saha mātrā paraṃtapāḥ ardhaṃ bhaikṣasya sarvasya bhīmo bhuṅkte mahābalaḥ

Die Hälfte davon aßen die Helden, samt der Mutter, die Bezwinger der Feinde; die andere Hälfte der gesamten erbettelten Speise aß Bhīma, der überaus Starke, allein.

Wort für Wort
ardhaṃ te bhuñjate vīrāḥ saha mātrā paraṃtapāḥ ardhaṃ bhaikṣasya sarvasya bhīmo bhuṅkte mahābalaḥ
Die Hälfte davon aßen die Helden, samt der Mutter, die Bezwinger der Feinde; die andere Hälfte der gesamten erbettelten Speise aß Bhīma, der überaus Starke, allein.

tathā tu teṣāṃ vasatāṃ tatra rājan mahātmanām aticakrāma sumahān kālo 'tha bharatarṣabha

So verging, während jene Hochherzigen dort weilten, o König, eine überaus lange Zeit, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
tathā tu teṣāṃ vasatāṃ tatra rājan mahātmanām aticakrāma sumahān kālo 'tha bharatarṣabha
So verging, während jene Hochherzigen dort weilten, o König, eine überaus lange Zeit, o Stier der Bharatas.

tataḥ kadā cid bhaikṣāya gatās te bharatarṣabhāḥ saṃgatyā bhīmasenas tu tatrāste pṛthayā saha

Darauf, einst, als sie, die Stiere der Bharatas, zum Betteln fortgegangen waren, blieb Bhīmasena, durch Zufall, dort bei Pṛthā zurück.

Wort für Wort
tataḥ kadā cid bhaikṣāya gatās te bharatarṣabhāḥ saṃgatyā bhīmasenas tu tatrāste pṛthayā saha
Darauf, einst, als sie, die Stiere der Bharatas, zum Betteln fortgegangen waren, blieb Bhīmasena, durch Zufall, dort bei Pṛthā zurück.

athārtijaṃ mahāśabdaṃ brāhmaṇasya niveśane bhṛśam utpatitaṃ ghoraṃ kuntī śuśrāva bhārata

Da hörte Kuntī einen von Schmerz geborenen, gewaltigen, plötzlich aufgekommenen, schrecklichen Laut aus der Wohnung des Brahmanen, o Bhārata.

Wort für Wort
athārtijaṃ mahāśabdaṃ brāhmaṇasya niveśane bhṛśam utpatitaṃ ghoraṃ kuntī śuśrāva bhārata
Da hörte Kuntī einen von Schmerz geborenen, gewaltigen, plötzlich aufgekommenen, schrecklichen Laut aus der Wohnung des Brahmanen, o Bhārata.

rorūyamāṇāṃs tān sarvān paridevayataś ca sā kāruṇyāt sādhubhāvāc ca devī rājan na cakṣame

Sie, die Göttergleiche, konnte es, aus Mitleid und Güte, nicht ertragen, sie alle laut weinen und klagen zu hören, o König.

Wort für Wort
rorūyamāṇāṃs tān sarvān paridevayataś ca sā kāruṇyāt sādhubhāvāc ca devī rājan na cakṣame
Sie, die Göttergleiche, konnte es, aus Mitleid und Güte, nicht ertragen, sie alle laut weinen und klagen zu hören, o König.

mathyamāneva duḥkhena hṛdayena pṛthā tataḥ uvāca bhīmaṃ kalyāṇī kṛpānvitam idaṃ vacaḥ

Ihr Herz gleichsam von Schmerz durchwühlt, sprach Pṛthā, die Holde, darauf, von Mitleid erfüllt, dieses Wort zu Bhīma:

Wort für Wort
mathyamāneva duḥkhena hṛdayena pṛthā tataḥ uvāca bhīmaṃ kalyāṇī kṛpānvitam idaṃ vacaḥ
Ihr Herz gleichsam von Schmerz durchwühlt, sprach Pṛthā, die Holde, darauf, von Mitleid erfüllt, dieses Wort zu Bhīma:

vasāmaḥ susukhaṃ putra brāhmaṇasya niveśane ajñātā dhārtarāṣṭrāṇāṃ satkṛtā vītamanyavaḥ

‚Wir wohnen in bestem Wohlergehen, mein Sohn, in der Wohnung des Brahmanen, unerkannt von den Söhnen Dhṛtarāṣṭras, geehrt, ohne Kummer.'

Wort für Wort
vasāmaḥ susukhaṃ putra brāhmaṇasya niveśane ajñātā dhārtarāṣṭrāṇāṃ satkṛtā vītamanyavaḥ
‚Wir wohnen in bestem Wohlergehen, mein Sohn, in der Wohnung des Brahmanen, unerkannt von den Söhnen Dhṛtarāṣṭras, geehrt, ohne Kummer.'

sā cintaye sadā putra brāhmaṇasyāsya kiṃ nv aham priyaṃ kuryām iti gṛhe yat kuryur uṣitāḥ sukham

‚Ich denke stets, mein Sohn, was ich wohl diesem Brahmanen Liebes tun könnte, so wie es diejenigen tun sollten, die glücklich in seinem Haus gewohnt haben.'

Wort für Wort
sā cintaye sadā putra brāhmaṇasyāsya kiṃ nv aham priyaṃ kuryām iti gṛhe yat kuryur uṣitāḥ sukham
‚Ich denke stets, mein Sohn, was ich wohl diesem Brahmanen Liebes tun könnte, so wie es diejenigen tun sollten, die glücklich in seinem Haus gewohnt haben.'

etāvān puruṣas tāta kṛtaṃ yasmin na naśyati yāvac ca kuryād anyo 'sya kuryād abhyadhikaṃ tataḥ

‚Nur der ist wirklich ein Mensch, mein Lieber, bei dem eine ihm erwiesene Wohltat nicht verloren geht; soviel ein anderer für ihn getan hat, das soll er ihm noch übertreffend vergelten.'

Wort für Wort
etāvān puruṣas tāta kṛtaṃ yasmin na naśyati yāvac ca kuryād anyo 'sya kuryād abhyadhikaṃ tataḥ
‚Nur der ist wirklich ein Mensch, mein Lieber, bei dem eine ihm erwiesene Wohltat nicht verloren geht; soviel ein anderer für ihn getan hat, das soll er ihm noch übertreffend vergelten.'

tad idaṃ brāhmaṇasyāsya duḥkham āpatitaṃ dhruvam tatrāsya yadi sāhāyyaṃ kuryāma sukṛtaṃ bhavet

‚Dieses Leid, das gewiss über diesen Brahmanen hereingebrochen ist – wenn wir ihm dabei Hilfe leisten könnten, wäre das ein gutes Werk.'

Wort für Wort
tad idaṃ brāhmaṇasyāsya duḥkham āpatitaṃ dhruvam tatrāsya yadi sāhāyyaṃ kuryāma sukṛtaṃ bhavet
‚Dieses Leid, das gewiss über diesen Brahmanen hereingebrochen ist – wenn wir ihm dabei Hilfe leisten könnten, wäre das ein gutes Werk.'

bhīma uvāca jñāyatām asya yad duḥkhaṃ yataś caiva samutthitam vidite vyavasiṣyāmi yady api syāt suduṣkaram

Bhīma sprach: ‚Man soll herausfinden, welches Leid ihn bedrückt und woraus es entstanden ist; sobald es bekannt ist, werde ich handeln, auch wenn es überaus schwierig sein sollte.'

Wort für Wort
bhīma uvāca jñāyatām asya yad duḥkhaṃ yataś caiva samutthitam vidite vyavasiṣyāmi yady api syāt suduṣkaram
Bhīma sprach: ‚Man soll herausfinden, welches Leid ihn bedrückt und woraus es entstanden ist; sobald es bekannt ist, werde ich handeln, auch wenn es überaus schwierig sein sollte.'

vaiśaṃpāyana uvāca tathā hi kathayantau tau bhūyaḥ śuśruvatuḥ svanam ārtijaṃ tasya viprasya sabhāryasya viśāṃ pate

Vaiśaṃpāyana sprach: Während die beiden so redeten, hörten sie erneut den von Schmerz geborenen Laut jenes Brahmanen samt seiner Gattin, o Herrscher der Untertanen.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tathā hi kathayantau tau bhūyaḥ śuśruvatuḥ svanam ārtijaṃ tasya viprasya sabhāryasya viśāṃ pate
Vaiśaṃpāyana sprach: Während die beiden so redeten, hörten sie erneut den von Schmerz geborenen Laut jenes Brahmanen samt seiner Gattin, o Herrscher der Untertanen.

antaḥpuraṃ tatas tasya brāhmaṇasya mahātmanaḥ viveśa kuntī tvaritā baddhavatseva saurabhī

Darauf betrat Kuntī eilends das innere Gemach jenes hochherzigen Brahmanen, wie eine Kuh, deren Kalb gebunden ist.

Wort für Wort
antaḥpuraṃ tatas tasya brāhmaṇasya mahātmanaḥ viveśa kuntī tvaritā baddhavatseva saurabhī
Darauf betrat Kuntī eilends das innere Gemach jenes hochherzigen Brahmanen, wie eine Kuh, deren Kalb gebunden ist.

[Anm.: saurabhī – Anspielung auf die mythische Kuh Surabhī als Bild mütterlicher Eile und Fürsorge.

tatas taṃ brāhmaṇaṃ tatra bhāryayā ca sutena ca duhitrā caiva sahitaṃ dadarśa vikṛtānanam

Darauf sah sie dort jenen Brahmanen, mit seiner Gattin, seinem Sohn und seiner Tochter zusammen, mit entstelltem, gramerfülltem Antlitz.

Wort für Wort
tatas taṃ brāhmaṇaṃ tatra bhāryayā ca sutena ca duhitrā caiva sahitaṃ dadarśa vikṛtānanam
Darauf sah sie dort jenen Brahmanen, mit seiner Gattin, seinem Sohn und seiner Tochter zusammen, mit entstelltem, gramerfülltem Antlitz.

brāhmaṇa uvāca dhig idaṃ jīvitaṃ loke 'nalasāram anarthakam duḥkhamūlaṃ parādhīnaṃ bhṛśam apriyabhāgi ca

Der Brahmane sprach: ‚Schande über dieses Leben in der Welt, das keinen wahren Kern hat, nutzlos ist, in Leid wurzelt, von anderen abhängig und reich an Unliebem ist.'

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca dhig idaṃ jīvitaṃ loke 'nalasāram anarthakam duḥkhamūlaṃ parādhīnaṃ bhṛśam apriyabhāgi ca
Der Brahmane sprach: ‚Schande über dieses Leben in der Welt, das keinen wahren Kern hat, nutzlos ist, in Leid wurzelt, von anderen abhängig und reich an Unliebem ist.'

jīvite paramaṃ duḥkhaṃ jīvite paramo jvaraḥ jīvite vartamānasya dvandvānām āgamo dhruvaḥ

‚Im Leben liegt höchstes Leid, im Leben liegt höchstes Fieber; wer im Leben verweilt, dem widerfahren gewiss die Gegensatzpaare von Freud und Leid.'

Wort für Wort
jīvite paramaṃ duḥkhaṃ jīvite paramo jvaraḥ jīvite vartamānasya dvandvānām āgamo dhruvaḥ
‚Im Leben liegt höchstes Leid, im Leben liegt höchstes Fieber; wer im Leben verweilt, dem widerfahren gewiss die Gegensatzpaare von Freud und Leid.'

ekātmāpi hi dharmārthau kāmaṃ ca na niṣevate etaiś ca viprayogo 'pi duḥkhaṃ paramakaṃ matam

‚Denn ein und derselbe Mensch pflegt nicht zugleich Dharma, Artha und Kāma; und die Trennung von diesen gilt gleichfalls als höchstes Leid.'

Wort für Wort
ekātmāpi hi dharmārthau kāmaṃ ca na niṣevate etaiś ca viprayogo 'pi duḥkhaṃ paramakaṃ matam
‚Denn ein und derselbe Mensch pflegt nicht zugleich Dharma, Artha und Kāma; und die Trennung von diesen gilt gleichfalls als höchstes Leid.'

āhuḥ ke cit paraṃ mokṣaṃ sa ca nāsti kathaṃ cana arthaprāptau ca narakaḥ kṛtsna evopapadyate

‚Manche sprechen von höchster Erlösung als Ausweg, doch die gibt es in keiner Weise leicht; und beim Erlangen von Reichtum stellt sich geradezu die ganze Hölle ein.'

Wort für Wort
āhuḥ ke cit paraṃ mokṣaṃ sa ca nāsti kathaṃ cana arthaprāptau ca narakaḥ kṛtsna evopapadyate
‚Manche sprechen von höchster Erlösung als Ausweg, doch die gibt es in keiner Weise leicht; und beim Erlangen von Reichtum stellt sich geradezu die ganze Hölle ein.'

arthepsutā paraṃ duḥkham arthaprāptau tato 'dhikam jātasnehasya cārtheṣu viprayoge mahattaram

‚Das Streben nach Reichtum ist höchstes Leid, beim Erlangen von Reichtum ist es noch größer, und für den, der Zuneigung zum Besitz gefasst hat, ist der Verlust desselben das Größte.'

Wort für Wort
arthepsutā paraṃ duḥkham arthaprāptau tato 'dhikam jātasnehasya cārtheṣu viprayoge mahattaram
‚Das Streben nach Reichtum ist höchstes Leid, beim Erlangen von Reichtum ist es noch größer, und für den, der Zuneigung zum Besitz gefasst hat, ist der Verlust desselben das Größte.'

na hi yogaṃ prapaśyāmi yena mucyeyam āpadaḥ putradāreṇa vā sārdhaṃ prādraveyām anāmayam

‚Denn ich sehe kein Mittel, durch das ich mich von der Not befreien könnte, oder mit Frau und Kindern unversehrt entfliehen könnte.'

Wort für Wort
na hi yogaṃ prapaśyāmi yena mucyeyam āpadaḥ putradāreṇa vā sārdhaṃ prādraveyām anāmayam
‚Denn ich sehe kein Mittel, durch das ich mich von der Not befreien könnte, oder mit Frau und Kindern unversehrt entfliehen könnte.'

yatitaṃ vai mayā pūrvaṃ yathā tvaṃ vettha brāhmaṇi yataḥ kṣemaṃ tato gantuṃ tvayā tu mama na śrutam

‚Ich habe schon früher versucht, wie du weißt, Brahmanin, dorthin zu gehen, wo Sicherheit ist; doch du hast nicht auf mich gehört.'

Wort für Wort
yatitaṃ vai mayā pūrvaṃ yathā tvaṃ vettha brāhmaṇi yataḥ kṣemaṃ tato gantuṃ tvayā tu mama na śrutam
‚Ich habe schon früher versucht, wie du weißt, Brahmanin, dorthin zu gehen, wo Sicherheit ist; doch du hast nicht auf mich gehört.'

iha jātā vivṛddhāsmi pitā ceha mameti ca uktavaty asi durmedhe yācyamānā mayāsakṛt

‚Hier bin ich geboren und aufgewachsen, und hier ist mein Vater – so hast du gesprochen, du Unkluge, obwohl ich dich wiederholt darum bat.'

Wort für Wort
iha jātā vivṛddhāsmi pitā ceha mameti ca uktavaty asi durmedhe yācyamānā mayāsakṛt
‚Hier bin ich geboren und aufgewachsen, und hier ist mein Vater – so hast du gesprochen, du Unkluge, obwohl ich dich wiederholt darum bat.'

svargato hi pitā vṛddhas tathā mātā ciraṃ tava bāndhavā bhūtapūrvāś ca tatra vāse tu kā ratiḥ

‚Denn in den Himmel gegangen ist dein alter Vater, und ebenso, schon lange, deine Mutter; und die einstigen Verwandten – welche Freude liegt noch im Verweilen dort?'

Wort für Wort
svargato hi pitā vṛddhas tathā mātā ciraṃ tava bāndhavā bhūtapūrvāś ca tatra vāse tu kā ratiḥ
‚Denn in den Himmel gegangen ist dein alter Vater, und ebenso, schon lange, deine Mutter; und die einstigen Verwandten – welche Freude liegt noch im Verweilen dort?'

so 'yaṃ te bandhukāmāyā aśṛṇvantyā vaco mama bandhupraṇāśaḥ saṃprāpto bhṛśaṃ duḥkhakaro mama

‚Dies also, dass du, nach deinen Verwandten verlangend, nicht auf mein Wort hörtest – nun ist der Untergang aller verbliebenen Verwandten eingetreten, was mir überaus großes Leid bereitet.'

Wort für Wort
so 'yaṃ te bandhukāmāyā aśṛṇvantyā vaco mama bandhupraṇāśaḥ saṃprāpto bhṛśaṃ duḥkhakaro mama
‚Dies also, dass du, nach deinen Verwandten verlangend, nicht auf mein Wort hörtest – nun ist der Untergang aller verbliebenen Verwandten eingetreten, was mir überaus großes Leid bereitet.'

athavā madvināśo 'yaṃ na hi śakṣyāmi kaṃ cana parityaktum ahaṃ bandhuṃ svayaṃ jīvan nṛśaṃsavat

‚Oder vielmehr ist dies mein eigener Untergang – denn ich kann keinen meiner Angehörigen verlassen, solange ich selbst grausam weiterlebe.'

Wort für Wort
athavā madvināśo 'yaṃ na hi śakṣyāmi kaṃ cana parityaktum ahaṃ bandhuṃ svayaṃ jīvan nṛśaṃsavat
‚Oder vielmehr ist dies mein eigener Untergang – denn ich kann keinen meiner Angehörigen verlassen, solange ich selbst grausam weiterlebe.'

sahadharmacarīṃ dāntāṃ nityaṃ mātṛsamāṃ mama sakhāyaṃ vihitāṃ devair nityaṃ paramikāṃ gatim

‚Wie könnte ich die Gefährtin meines Dharma-Wandels, die Selbstbeherrschte, die mir stets wie eine Mutter ist, die von den Göttern zur Freundin und stets höchsten Zuflucht bestimmte Gattin verlassen?'

Wort für Wort
sahadharmacarīṃ dāntāṃ nityaṃ mātṛsamāṃ mama sakhāyaṃ vihitāṃ devair nityaṃ paramikāṃ gatim
‚Wie könnte ich die Gefährtin meines Dharma-Wandels, die Selbstbeherrschte, die mir stets wie eine Mutter ist, die von den Göttern zur Freundin und stets höchsten Zuflucht bestimmte Gattin verlassen?'

mātrā pitrā ca vihitāṃ sadā gārhasthyabhāginīm varayitvā yathānyāyaṃ mantravat pariṇīya ca

‚Die von Mutter und Vater mir bestimmte, für immer am Haushalt Teilhabende, die ich nach dem rechten Brauch erwählt und mit Mantras vermählt habe,'

Wort für Wort
mātrā pitrā ca vihitāṃ sadā gārhasthyabhāginīm varayitvā yathānyāyaṃ mantravat pariṇīya ca
‚Die von Mutter und Vater mir bestimmte, für immer am Haushalt Teilhabende, die ich nach dem rechten Brauch erwählt und mit Mantras vermählt habe,'

kulīnāṃ śīlasaṃpannām apatyajananīṃ mama tvām ahaṃ jīvitasyārthe sādhvīm anapakāriṇīm parityaktuṃ na śakṣyāmi bhāryāṃ nityam anuvratām

‚dich, von guter Herkunft, tugendreich, Mutter meiner Kinder, dich, die tugendhafte, mir nichts zuleide tuende, mir stets ergebene Gattin, kann ich um des Lebens willen nicht verlassen.'

Wort für Wort
kulīnāṃ śīlasaṃpannām apatyajananīṃ mama tvām ahaṃ jīvitasyārthe sādhvīm anapakāriṇīm parityaktuṃ na śakṣyāmi bhāryāṃ nityam anuvratām
‚dich, von guter Herkunft, tugendreich, Mutter meiner Kinder, dich, die tugendhafte, mir nichts zuleide tuende, mir stets ergebene Gattin, kann ich um des Lebens willen nicht verlassen.'

kuta eva parityaktuṃ sutāṃ śakṣyāmy ahaṃ svayam bālām aprāptavayasam ajātavyañjanākṛtim

‚Wie erst könnte ich meine Tochter selbst verlassen, das Kind, das noch nicht das heiratsfähige Alter erreicht hat, deren weibliche Merkmale noch nicht hervorgetreten sind?'

Wort für Wort
kuta eva parityaktuṃ sutāṃ śakṣyāmy ahaṃ svayam bālām aprāptavayasam ajātavyañjanākṛtim
‚Wie erst könnte ich meine Tochter selbst verlassen, das Kind, das noch nicht das heiratsfähige Alter erreicht hat, deren weibliche Merkmale noch nicht hervorgetreten sind?'

bhartur arthāya nikṣiptāṃ nyāsaṃ dhātrā mahātmanā yasyāṃ dauhitrajāṃl lokān āśaṃse pitṛbhiḥ saha svayam utpādya tāṃ bālāṃ katham utsraṣṭum utsahe

‚Sie, die vom hochherzigen Schöpfer mir als Anvertrautes zugunsten eines künftigen Gatten hinterlegt wurde, durch die ich, zusammen mit den Ahnen, die von Enkeln bewirkten Himmelswelten erhoffe – wie könnte ich, der ich dieses Kind selbst gezeugt habe, es wagen, sie preiszugeben?'

Wort für Wort
bhartur arthāya nikṣiptāṃ nyāsaṃ dhātrā mahātmanā yasyāṃ dauhitrajāṃl lokān āśaṃse pitṛbhiḥ saha svayam utpādya tāṃ bālāṃ katham utsraṣṭum utsahe
‚Sie, die vom hochherzigen Schöpfer mir als Anvertrautes zugunsten eines künftigen Gatten hinterlegt wurde, durch die ich, zusammen mit den Ahnen, die von Enkeln bewirkten Himmelswelten erhoffe – wie könnte ich, der ich dieses Kind selbst gezeugt habe, es wagen, sie preiszugeben?'

manyante ke cid adhikaṃ snehaṃ putre pitur narāḥ kanyāyāṃ naiva tu punar mama tulyāv ubhau matau

‚Manche Menschen meinen, die Zuneigung des Vaters zum Sohn sei größer als zur Tochter; mir aber gelten beide als gleich.'

Wort für Wort
manyante ke cid adhikaṃ snehaṃ putre pitur narāḥ kanyāyāṃ naiva tu punar mama tulyāv ubhau matau
‚Manche Menschen meinen, die Zuneigung des Vaters zum Sohn sei größer als zur Tochter; mir aber gelten beide als gleich.'

yasmiṃl lokāḥ prasūtiś ca sthitā nityam atho sukham apāpāṃ tām ahaṃ bālāṃ katham utsraṣṭum utsahe

‚Durch sie besteht beständig die Hoffnung auf künftige Welten, Nachkommenschaft und Glück – wie könnte ich es wagen, dieses sündlose Kind preiszugeben?'

Wort für Wort
yasmiṃl lokāḥ prasūtiś ca sthitā nityam atho sukham apāpāṃ tām ahaṃ bālāṃ katham utsraṣṭum utsahe
‚Durch sie besteht beständig die Hoffnung auf künftige Welten, Nachkommenschaft und Glück – wie könnte ich es wagen, dieses sündlose Kind preiszugeben?'

ātmānam api cotsṛjya tapsye pretavaśaṃ gataḥ tyaktā hy ete mayā vyaktaṃ neha śakṣyanti jīvitum

‚Gäbe ich mich selbst auf, würde ich, in die Gewalt der Toten geraten, leiden; denn von mir verlassen, werden diese hier offenkundig nicht mehr leben können.'

Wort für Wort
ātmānam api cotsṛjya tapsye pretavaśaṃ gataḥ tyaktā hy ete mayā vyaktaṃ neha śakṣyanti jīvitum
‚Gäbe ich mich selbst auf, würde ich, in die Gewalt der Toten geraten, leiden; denn von mir verlassen, werden diese hier offenkundig nicht mehr leben können.'

eṣāṃ cānyatamatyāgo nṛśaṃso garhito budhaiḥ ātmatyāge kṛte ceme mariṣyanti mayā vinā

‚Und die Preisgabe irgendeines von diesen Familienmitgliedern ist grausam, von den Weisen verurteilt; gäbe ich stattdessen mich selbst auf, würden diese ohne mich sterben.'

Wort für Wort
eṣāṃ cānyatamatyāgo nṛśaṃso garhito budhaiḥ ātmatyāge kṛte ceme mariṣyanti mayā vinā
‚Und die Preisgabe irgendeines von diesen Familienmitgliedern ist grausam, von den Weisen verurteilt; gäbe ich stattdessen mich selbst auf, würden diese ohne mich sterben.'

sa kṛcchrām aham āpanno na śaktas tartum āpadam aho dhik kāṃ gatiṃ tv adya gamiṣyāmi sabāndhavaḥ sarvaiḥ saha mṛtaṃ śreyo na tu me jīvitaṃ kṣamam

‚So bin ich in eine schwierige Lage geraten, unfähig, aus dieser Notlage herauszukommen; ach, wehe, welchen Ausweg soll ich heute finden? Mit allen Angehörigen zusammen zu sterben wäre besser – doch mein Weiterleben ist nicht erträglich.'

Wort für Wort
sa kṛcchrām aham āpanno na śaktas tartum āpadam aho dhik kāṃ gatiṃ tv adya gamiṣyāmi sabāndhavaḥ sarvaiḥ saha mṛtaṃ śreyo na tu me jīvitaṃ kṣamam
‚So bin ich in eine schwierige Lage geraten, unfähig, aus dieser Notlage herauszukommen; ach, wehe, welchen Ausweg soll ich heute finden? Mit allen Angehörigen zusammen zu sterben wäre besser – doch mein Weiterleben ist nicht erträglich.'

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