Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 94: Bhīṣma-Pratijñā Devavratas furchtbares Gelübde und die Benennung zu Bhīṣma

Śaṃtanus Sohn Devavrata (Gāṅgeya) wird von seiner Mutter Gaṅgā, nach Jahren der Erziehung, zu seinem Vater zurückgebracht und zum Kronprinzen geweiht. Jahre später begehrt Śaṃtanu die Fischertochter Satyavatī; ihr Vater, der Fischerkönig, verlangt als Brautpreis, dass allein ihr Sohn die Nachfolge erbe. Aus Rücksicht auf seinen kummervollen Vater verzichtet Devavrata öffentlich nicht nur auf seinen eigenen Thronanspruch, sondern gelobt zusätzlich, ungefragt, lebenslange Ehelosigkeit (Brahmacarya), um die Linie seines Vaters für alle Zeit von jedem Erbstreit freizuhalten. Bei diesem furchtbaren, freiwilligen Gelübde regnen die Götter Blumen vom Himmel und rufen ihn ‚Bhīṣma' (‚der Furchtbare, Ehrfurchtgebietende'). Zufrieden über diese Tat gewährt Śaṃtanu seinem Sohn den seltenen Segen, selbst über den Zeitpunkt seines Todes zu bestimmen (svacchandamaraṇa).

vaiśaṃpāyana uvāca sa evaṃ śaṃtanur dhīmān devarājarṣisatkṛtaḥ dharmātmā sarvalokeṣu satyavāg iti viśrutaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: So war jener weise Śaṃtanu, von Göttern, Königen und Sehern geehrt, dharmagesinnt, in allen Welten als wahrhaft redend gerühmt.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca sa evaṃ śaṃtanur dhīmān devarājarṣisatkṛtaḥ dharmātmā sarvalokeṣu satyavāg iti viśrutaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: So war jener weise Śaṃtanu, von Göttern, Königen und Sehern geehrt, dharmagesinnt, in allen Welten als wahrhaft redend gerühmt.

damo dānaṃ kṣamā buddhir hrīr dhṛtis teja uttamam nityāny āsan mahāsattve śaṃtanau puruṣarṣabhe

Selbstbeherrschung, Freigebigkeit, Geduld, Klugheit, Scham, Standhaftigkeit und höchster Glanz waren beständig in dem hochherzigen Śaṃtanu, dem Stier unter den Männern.

Wort für Wort
damo dānaṃ kṣamā buddhir hrīr dhṛtis teja uttamam nityāny āsan mahāsattve śaṃtanau puruṣarṣabhe
Selbstbeherrschung, Freigebigkeit, Geduld, Klugheit, Scham, Standhaftigkeit und höchster Glanz waren beständig in dem hochherzigen Śaṃtanu, dem Stier unter den Männern.

evaṃ sa guṇasaṃpanno dharmārthakuśalo nṛpaḥ āsīd bharatavaṃśasya goptā sādhujanasya ca

So war dieser mit Tugenden begabte, in Dharma und Artha bewanderte König der Hüter des Bharata-Geschlechts und der Guten.

Wort für Wort
evaṃ sa guṇasaṃpanno dharmārthakuśalo nṛpaḥ āsīd bharatavaṃśasya goptā sādhujanasya ca
So war dieser mit Tugenden begabte, in Dharma und Artha bewanderte König der Hüter des Bharata-Geschlechts und der Guten.

kambugrīvaḥ pṛthuvyaṃso mattavāraṇavikramaḥ dharma eva paraḥ kāmād arthāc ceti vyavasthitaḥ

Mit muschelgleichem Hals, breiten Schultern, an Kraft einem brünstigen Elefanten gleich, stand er fest darin, dass Dharma über Kāma und Artha stehe.

Wort für Wort
kambugrīvaḥ pṛthuvyaṃso mattavāraṇavikramaḥ dharma eva paraḥ kāmād arthāc ceti vyavasthitaḥ
Mit muschelgleichem Hals, breiten Schultern, an Kraft einem brünstigen Elefanten gleich, stand er fest darin, dass Dharma über Kāma und Artha stehe.

etāny āsan mahāsattve śaṃtanau bharatarṣabha na cāsya sadṛśaḥ kaś cit kṣatriyo dharmato 'bhavat

Diese Eigenschaften waren im hochherzigen Śaṃtanu, o Stier der Bharatas; und kein Kṣatriya kam ihm im Dharma gleich.

Wort für Wort
etāny āsan mahāsattve śaṃtanau bharatarṣabha na cāsya sadṛśaḥ kaś cit kṣatriyo dharmato 'bhavat
Diese Eigenschaften waren im hochherzigen Śaṃtanu, o Stier der Bharatas; und kein Kṣatriya kam ihm im Dharma gleich.

vartamānaṃ hi dharme sve sarvadharmavidāṃ varam taṃ mahīpā mahīpālaṃ rājarājye 'bhyaṣecayan

Ihn, der in seinem eigenen Dharma beständig war, den Besten der Dharmakundigen, weihten die Erdenherrscher zum König über Könige.

Wort für Wort
vartamānaṃ hi dharme sve sarvadharmavidāṃ varam taṃ mahīpā mahīpālaṃ rājarājye 'bhyaṣecayan
Ihn, der in seinem eigenen Dharma beständig war, den Besten der Dharmakundigen, weihten die Erdenherrscher zum König über Könige.

vītaśokabhayābādhāḥ sukhasvapnavibodhanāḥ prati bhāratagoptāraṃ samapadyanta bhūmipāḥ

Frei von Kummer, Furcht und Bedrängnis, mit glücklichem Schlaf und Erwachen, wandten sich die Erdenherrscher dem Hüter der Bhāratas zu.

Wort für Wort
vītaśokabhayābādhāḥ sukhasvapnavibodhanāḥ prati bhāratagoptāraṃ samapadyanta bhūmipāḥ
Frei von Kummer, Furcht und Bedrängnis, mit glücklichem Schlaf und Erwachen, wandten sich die Erdenherrscher dem Hüter der Bhāratas zu.

śaṃtanupramukhair gupte loke nṛpatibhis tadā niyamāt sarvavarṇānāṃ brahmottaram avartata

In der von Königen, angeführt von Śaṃtanu, behüteten Welt herrschte damals, gemäß der Ordnung aller Kasten, die Vorrangstellung des Brahmanentums.

Wort für Wort
śaṃtanupramukhair gupte loke nṛpatibhis tadā niyamāt sarvavarṇānāṃ brahmottaram avartata
In der von Königen, angeführt von Śaṃtanu, behüteten Welt herrschte damals, gemäß der Ordnung aller Kasten, die Vorrangstellung des Brahmanentums.

brahma paryacarat kṣatraṃ viśaḥ kṣatram anuvratāḥ brahmakṣatrānuraktāś ca śūdrāḥ paryacaran viśaḥ

Das Brahmanentum diente dem Kriegertum, die Vaiśyas folgten dem Kriegertum, und die Śūdras, dem Brahmanentum und Kriegertum zugetan, dienten den Vaiśyas.

Wort für Wort
brahma paryacarat kṣatraṃ viśaḥ kṣatram anuvratāḥ brahmakṣatrānuraktāś ca śūdrāḥ paryacaran viśaḥ
Das Brahmanentum diente dem Kriegertum, die Vaiśyas folgten dem Kriegertum, und die Śūdras, dem Brahmanentum und Kriegertum zugetan, dienten den Vaiśyas.

sa hāstinapure ramye kurūṇāṃ puṭabhedane vasan sāgaraparyantām anvaśād vai vasuṃdharām

In der lieblichen, blühenden Hauptstadt der Kurus, Hāstinapura, wohnend, beherrschte er die bis zum Ozean reichende Erde.

Wort für Wort
sa hāstinapure ramye kurūṇāṃ puṭabhedane vasan sāgaraparyantām anvaśād vai vasuṃdharām
In der lieblichen, blühenden Hauptstadt der Kurus, Hāstinapura, wohnend, beherrschte er die bis zum Ozean reichende Erde.

sa devarājasadṛśo dharmajñaḥ satyavāg ṛjuḥ dānadharmatapoyogāc chriyā paramayā yutaḥ

Dem Götterkönig gleich, dharmakundig, wahrhaft redend und aufrichtig, war er durch Freigebigkeit, Dharma, Askese und Andacht mit höchstem Glanz begabt.

Wort für Wort
sa devarājasadṛśo dharmajñaḥ satyavāg ṛjuḥ dānadharmatapoyogāc chriyā paramayā yutaḥ
Dem Götterkönig gleich, dharmakundig, wahrhaft redend und aufrichtig, war er durch Freigebigkeit, Dharma, Askese und Andacht mit höchstem Glanz begabt.

arāgadveṣasaṃyuktaḥ somavat priyadarśanaḥ tejasā sūryasaṃkāśo vāyuvegasamo jave antakapratimaḥ kope kṣamayā pṛthivīsamaḥ

Frei von Leidenschaft und Hass, wie der Mond von lieblichem Anblick, an Glanz der Sonne gleich, an Schnelligkeit dem Wind gleich, im Zorn dem Todesgott gleich, in Geduld der Erde gleich.

Wort für Wort
arāgadveṣasaṃyuktaḥ somavat priyadarśanaḥ tejasā sūryasaṃkāśo vāyuvegasamo jave antakapratimaḥ kope kṣamayā pṛthivīsamaḥ
Frei von Leidenschaft und Hass, wie der Mond von lieblichem Anblick, an Glanz der Sonne gleich, an Schnelligkeit dem Wind gleich, im Zorn dem Todesgott gleich, in Geduld der Erde gleich.

vadhaḥ paśuvarāhāṇāṃ tathaiva mṛgapakṣiṇām śaṃtanau pṛthivīpāle nāvartata vṛthā nṛpa

Die Tötung von Vieh und Ebern, ebenso von Rehen und Vögeln, geschah unter dem Erdherrscher Śaṃtanu nicht mutwillig, o König.

Wort für Wort
vadhaḥ paśuvarāhāṇāṃ tathaiva mṛgapakṣiṇām śaṃtanau pṛthivīpāle nāvartata vṛthā nṛpa
Die Tötung von Vieh und Ebern, ebenso von Rehen und Vögeln, geschah unter dem Erdherrscher Śaṃtanu nicht mutwillig, o König.

dharmabrahmottare rājye śaṃtanur vinayātmavān samaṃ śaśāsa bhūtāni kāmarāgavivarjitaḥ

In einem Reich, in dem Dharma und Brahmanentum obenan standen, beherrschte der Selbstbeherrschte, Śaṃtanu, gleichmäßig die Geschöpfe, frei von Begierde und Leidenschaft.

Wort für Wort
dharmabrahmottare rājye śaṃtanur vinayātmavān samaṃ śaśāsa bhūtāni kāmarāgavivarjitaḥ
In einem Reich, in dem Dharma und Brahmanentum obenan standen, beherrschte der Selbstbeherrschte, Śaṃtanu, gleichmäßig die Geschöpfe, frei von Begierde und Leidenschaft.

devarṣipitṛyajñārtham ārabhyanta tadā kriyāḥ na cādharmeṇa keṣāṃ cit prāṇinām abhavad vadhaḥ

Die Riten wurden damals um der Opfer an Götter, Seher und Ahnen willen begonnen, und die Tötung von Lebewesen geschah für niemanden auf unrechte Weise.

Wort für Wort
devarṣipitṛyajñārtham ārabhyanta tadā kriyāḥ na cādharmeṇa keṣāṃ cit prāṇinām abhavad vadhaḥ
Die Riten wurden damals um der Opfer an Götter, Seher und Ahnen willen begonnen, und die Tötung von Lebewesen geschah für niemanden auf unrechte Weise.

asukhānām anāthānāṃ tiryagyoniṣu vartatām sa eva rājā bhūtānāṃ sarveṣām abhavat pitā

Für die Unglücklichen, Herrenlosen, in Tierleibern Weilenden – für alle Geschöpfe war eben dieser König ein Vater.

Wort für Wort
asukhānām anāthānāṃ tiryagyoniṣu vartatām sa eva rājā bhūtānāṃ sarveṣām abhavat pitā
Für die Unglücklichen, Herrenlosen, in Tierleibern Weilenden – für alle Geschöpfe war eben dieser König ein Vater.

tasmin kurupatiśreṣṭhe rājarājeśvare sati śritā vāg abhavat satyaṃ dānadharmāśritaṃ manaḥ

Solange jener beste der Kuru-Herrscher, der König über Könige, lebte, war die Rede stets an die Wahrheit gebunden, das Denken an Freigebigkeit und Dharma.

Wort für Wort
tasmin kurupatiśreṣṭhe rājarājeśvare sati śritā vāg abhavat satyaṃ dānadharmāśritaṃ manaḥ
Solange jener beste der Kuru-Herrscher, der König über Könige, lebte, war die Rede stets an die Wahrheit gebunden, das Denken an Freigebigkeit und Dharma.

sa samāḥ ṣoḍaśāṣṭau ca catasro 'ṣṭau tathāparāḥ ratim aprāpnuvan strīṣu babhūva vanagocaraḥ

Sechzehn und acht und vier und wiederum acht Jahre [?] – ohne Freude an Frauen zu finden, hielt er sich im Wald auf.

Wort für Wort
sa samāḥ ṣoḍaśāṣṭau ca catasro 'ṣṭau tathāparāḥ ratim aprāpnuvan strīṣu babhūva vanagocaraḥ
Sechzehn und acht und vier und wiederum acht Jahre [?] – ohne Freude an Frauen zu finden, hielt er sich im Wald auf.

[Anm.: Dieser Vers ist unklar, wessen 36 Jahre (16+8+4+8) hier gemeint sind – möglicherweise eine Lehrzeit des jungen Devavrata bei verschiedenen Lehrern, angesichts der unmittelbar folgenden Einführung seiner Person in V.19; die genaue Zuordnung und Bedeutung der Zahlenaufteilung bleibt jedoch offen.]

tathārūpas tathācāras tathāvṛttas tathāśrutaḥ gāṅgeyas tasya putro 'bhūn nāmnā devavrato vasuḥ

Von ebensolcher Gestalt, ebensolchem Wandel, ebensolcher Lebensweise, ebensolcher Gelehrsamkeit war sein Sohn, der Gāṅgeya, mit Namen Devavrata, der Vasu.

Wort für Wort
tathārūpas tathācāras tathāvṛttas tathāśrutaḥ gāṅgeyas tasya putro 'bhūn nāmnā devavrato vasuḥ
Von ebensolcher Gestalt, ebensolchem Wandel, ebensolcher Lebensweise, ebensolcher Gelehrsamkeit war sein Sohn, der Gāṅgeya, mit Namen Devavrata, der Vasu.

sarvāstreṣu sa niṣṇātaḥ pārthiveṣv itareṣu ca mahābalo mahāsattvo mahāvīryo mahārathaḥ

In allen Waffen war er bewandert, mehr als andere Fürsten, von großer Kraft, großer Erhabenheit, großer Tapferkeit, ein großer Wagenkämpfer.

Wort für Wort
sarvāstreṣu sa niṣṇātaḥ pārthiveṣv itareṣu ca mahābalo mahāsattvo mahāvīryo mahārathaḥ
In allen Waffen war er bewandert, mehr als andere Fürsten, von großer Kraft, großer Erhabenheit, großer Tapferkeit, ein großer Wagenkämpfer.

sa kadā cin mṛgaṃ viddhvā gaṅgām anusaran nadīm bhāgīrathīm alpajalāṃ śaṃtanur dṛṣṭavān nṛpaḥ

Einst, nachdem er einen Hirsch getroffen hatte und dem Fluss Gaṅgā, der Bhāgīrathī, folgte, erblickte König Śaṃtanu sie mit wenig Wasser.

Wort für Wort
sa kadā cin mṛgaṃ viddhvā gaṅgām anusaran nadīm bhāgīrathīm alpajalāṃ śaṃtanur dṛṣṭavān nṛpaḥ
Einst, nachdem er einen Hirsch getroffen hatte und dem Fluss Gaṅgā, der Bhāgīrathī, folgte, erblickte König Śaṃtanu sie mit wenig Wasser.

tāṃ dṛṣṭvā cintayām āsa śaṃtanuḥ puruṣarṣabhaḥ syandate kiṃ nv iyaṃ nādya saricchreṣṭhā yathā purā

Als er sie sah, dachte Śaṃtanu, der Stier unter den Männern: ‚Warum fließt wohl diese beste der Flüsse heute nicht wie zuvor?'

Wort für Wort
tāṃ dṛṣṭvā cintayām āsa śaṃtanuḥ puruṣarṣabhaḥ syandate kiṃ nv iyaṃ nādya saricchreṣṭhā yathā purā
Als er sie sah, dachte Śaṃtanu, der Stier unter den Männern: ‚Warum fließt wohl diese beste der Flüsse heute nicht wie zuvor?'

tato nimittam anvicchan dadarśa sa mahāmanāḥ kumāraṃ rūpasaṃpannaṃ bṛhantaṃ cārudarśanam

Da, nach dem Grund suchend, erblickte der Hochgesinnte einen an Schönheit reichen, großen, lieblich anzusehenden Jüngling,

Wort für Wort
tato nimittam anvicchan dadarśa sa mahāmanāḥ kumāraṃ rūpasaṃpannaṃ bṛhantaṃ cārudarśanam
Da, nach dem Grund suchend, erblickte der Hochgesinnte einen an Schönheit reichen, großen, lieblich anzusehenden Jüngling,

divyam astraṃ vikurvāṇaṃ yathā devaṃ puraṃdaram kṛtsnāṃ gaṅgāṃ samāvṛtya śarais tīkṣṇair avasthitam

eine göttliche Waffe entfesselnd, wie den Gott Puraṃdara (Indra), der, die ganze Gaṅgā mit scharfen Pfeilen umschließend, dastand.

Wort für Wort
divyam astraṃ vikurvāṇaṃ yathā devaṃ puraṃdaram kṛtsnāṃ gaṅgāṃ samāvṛtya śarais tīkṣṇair avasthitam
eine göttliche Waffe entfesselnd, wie den Gott Puraṃdara (Indra), der, die ganze Gaṅgā mit scharfen Pfeilen umschließend, dastand.

tāṃ śarair āvṛtāṃ dṛṣṭvā nadīṃ gaṅgāṃ tadantike abhavad vismito rājā karma dṛṣṭvātimānuṣam

Als er den Fluss Gaṅgā so mit Pfeilen umschlossen sah, dort in der Nähe, war der König erstaunt, angesichts dieses übermenschlichen Tuns.

Wort für Wort
tāṃ śarair āvṛtāṃ dṛṣṭvā nadīṃ gaṅgāṃ tadantike abhavad vismito rājā karma dṛṣṭvātimānuṣam
Als er den Fluss Gaṅgā so mit Pfeilen umschlossen sah, dort in der Nähe, war der König erstaunt, angesichts dieses übermenschlichen Tuns.

jātamātraṃ purā dṛṣṭaṃ taṃ putraṃ śaṃtanus tadā nopalebhe smṛtiṃ dhīmān abhijñātuṃ tam ātmajam

Śaṃtanu, der jenen Sohn einst nur bei seiner Geburt gesehen hatte, konnte, so weise er war, keine Erinnerung finden, um ihn als seinen eigenen Sohn zu erkennen.

Wort für Wort
jātamātraṃ purā dṛṣṭaṃ taṃ putraṃ śaṃtanus tadā nopalebhe smṛtiṃ dhīmān abhijñātuṃ tam ātmajam
Śaṃtanu, der jenen Sohn einst nur bei seiner Geburt gesehen hatte, konnte, so weise er war, keine Erinnerung finden, um ihn als seinen eigenen Sohn zu erkennen.

sa tu taṃ pitaraṃ dṛṣṭvā mohayām āsa māyayā saṃmohya tu tataḥ kṣipraṃ tatraivāntaradhīyata

Er aber, als er seinen Vater sah, verwirrte ihn durch Zauberkraft; und nachdem er ihn so verwirrt hatte, verschwand er alsbald eben dort.

Wort für Wort
sa tu taṃ pitaraṃ dṛṣṭvā mohayām āsa māyayā saṃmohya tu tataḥ kṣipraṃ tatraivāntaradhīyata
Er aber, als er seinen Vater sah, verwirrte ihn durch Zauberkraft; und nachdem er ihn so verwirrt hatte, verschwand er alsbald eben dort.

tad adbhutaṃ tadā dṛṣṭvā tatra rājā sa śaṃtanuḥ śaṅkamānaḥ sutaṃ gaṅgām abravīd darśayeti ha

Als König Śaṃtanu dies Wunder sah, vermutend, es sei sein Sohn, sprach er zu Gaṅgā: ‚Zeige ihn mir!'

Wort für Wort
tad adbhutaṃ tadā dṛṣṭvā tatra rājā sa śaṃtanuḥ śaṅkamānaḥ sutaṃ gaṅgām abravīd darśayeti ha
Als König Śaṃtanu dies Wunder sah, vermutend, es sei sein Sohn, sprach er zu Gaṅgā: ‚Zeige ihn mir!'

darśayām āsa taṃ gaṅgā bibhratī rūpam uttamam gṛhītvā dakṣiṇe pāṇau taṃ kumāram alaṃkṛtam

Da zeigte ihm Gaṅgā, eine herrliche Gestalt annehmend, jenen geschmückten Jüngling, an ihrer rechten Hand haltend.

Wort für Wort
darśayām āsa taṃ gaṅgā bibhratī rūpam uttamam gṛhītvā dakṣiṇe pāṇau taṃ kumāram alaṃkṛtam
Da zeigte ihm Gaṅgā, eine herrliche Gestalt annehmend, jenen geschmückten Jüngling, an ihrer rechten Hand haltend.

alaṃkṛtām ābharaṇair arajombaradhāriṇīm dṛṣṭapūrvām api satīṃ nābhyajānāt sa śaṃtanuḥ

Obwohl er sie, mit Geschmeide geschmückt, in staublosem Gewand, schon früher gesehen hatte, erkannte Śaṃtanu die tugendhafte Frau nicht.

Wort für Wort
alaṃkṛtām ābharaṇair arajombaradhāriṇīm dṛṣṭapūrvām api satīṃ nābhyajānāt sa śaṃtanuḥ
Obwohl er sie, mit Geschmeide geschmückt, in staublosem Gewand, schon früher gesehen hatte, erkannte Śaṃtanu die tugendhafte Frau nicht.

gaṅgovāca yaṃ putram aṣṭamaṃ rājaṃs tvaṃ purā mayy ajāyithāḥ sa te 'yaṃ puruṣavyāghra nayasvainaṃ gṛhāntikam

Gaṅgā sprach: ‚Der achte Sohn, o König, den du einst mit mir gezeugt hast – dieser ist er, o Tiger unter den Männern; nimm ihn mit dir nach Hause.'

Wort für Wort
gaṅgovāca yaṃ putram aṣṭamaṃ rājaṃs tvaṃ purā mayy ajāyithāḥ sa te 'yaṃ puruṣavyāghra nayasvainaṃ gṛhāntikam
Gaṅgā sprach: ‚Der achte Sohn, o König, den du einst mit mir gezeugt hast – dieser ist er, o Tiger unter den Männern; nimm ihn mit dir nach Hause.'

vedān adhijage sāṅgān vasiṣṭhād eva vīryavān kṛtāstraḥ parameṣvāso devarājasamo yudhi

‚Er hat die Veden samt ihren Hilfswissenschaften von Vasiṣṭha selbst erlernt, der Kraftvolle; er ist in Waffen ausgebildet, ein höchster Bogenschütze, im Kampf dem Götterkönig gleich.'

Wort für Wort
vedān adhijage sāṅgān vasiṣṭhād eva vīryavān kṛtāstraḥ parameṣvāso devarājasamo yudhi
‚Er hat die Veden samt ihren Hilfswissenschaften von Vasiṣṭha selbst erlernt, der Kraftvolle; er ist in Waffen ausgebildet, ein höchster Bogenschütze, im Kampf dem Götterkönig gleich.'

surāṇāṃ saṃmato nityam asurāṇāṃ ca bhārata uśanā veda yac chāstram ayaṃ tad veda sarvaśaḥ

‚Er ist stets geachtet bei Göttern und Asuras, o Bhārata; was Uśanas an Lehrschrift kennt, das kennt er in allen Teilen.'

Wort für Wort
surāṇāṃ saṃmato nityam asurāṇāṃ ca bhārata uśanā veda yac chāstram ayaṃ tad veda sarvaśaḥ
‚Er ist stets geachtet bei Göttern und Asuras, o Bhārata; was Uśanas an Lehrschrift kennt, das kennt er in allen Teilen.'

tathaivāṅgirasaḥ putraḥ surāsuranamaskṛtaḥ yad veda śāstraṃ tac cāpi kṛtsnam asmin pratiṣṭhitam tava putre mahābāhau sāṅgopāṅgaṃ mahātmani

‚Ebenso ist, was der Sohn des Aṅgiras, von Göttern und Asuras verehrt, an Lehrschrift kennt, dies ganz, samt allen Haupt- und Nebenteilen, in diesem deinem Sohn, dem Starkarmigen, Hochherzigen, verankert.'

Wort für Wort
tathaivāṅgirasaḥ putraḥ surāsuranamaskṛtaḥ yad veda śāstraṃ tac cāpi kṛtsnam asmin pratiṣṭhitam tava putre mahābāhau sāṅgopāṅgaṃ mahātmani
‚Ebenso ist, was der Sohn des Aṅgiras, von Göttern und Asuras verehrt, an Lehrschrift kennt, dies ganz, samt allen Haupt- und Nebenteilen, in diesem deinem Sohn, dem Starkarmigen, Hochherzigen, verankert.'

ṛṣiḥ parair anādhṛṣyo jāmadagnyaḥ pratāpavān yad astraṃ veda rāmaś ca tad apy asmin pratiṣṭhitam

‚Was der von anderen unbezwingbare Seher, der glanzvolle Sohn des Jamadagni, Rāma, an Waffenkunst kennt, das ist auch in ihm verankert.'

Wort für Wort
ṛṣiḥ parair anādhṛṣyo jāmadagnyaḥ pratāpavān yad astraṃ veda rāmaś ca tad apy asmin pratiṣṭhitam
‚Was der von anderen unbezwingbare Seher, der glanzvolle Sohn des Jamadagni, Rāma, an Waffenkunst kennt, das ist auch in ihm verankert.'

maheṣvāsam imaṃ rājan rājadharmārthakovidam mayā dattaṃ nijaṃ putraṃ vīraṃ vīra gṛhān naya

‚Diesen großen Bogenschützen, o König, kundig in Königsdharma und Staatskunst, meinen eigenen, von mir gegebenen Sohn, den Helden – nimm ihn, o Held, mit dir nach Hause.'

Wort für Wort
maheṣvāsam imaṃ rājan rājadharmārthakovidam mayā dattaṃ nijaṃ putraṃ vīraṃ vīra gṛhān naya
‚Diesen großen Bogenschützen, o König, kundig in Königsdharma und Staatskunst, meinen eigenen, von mir gegebenen Sohn, den Helden – nimm ihn, o Held, mit dir nach Hause.'

vaiśaṃpāyana uvāca tayaivaṃ samanujñātaḥ putram ādāya śaṃtanuḥ bhrājamānaṃ yathādityam āyayau svapuraṃ prati

Vaiśaṃpāyana sprach: So von ihr entlassen, nahm Śaṃtanu seinen Sohn, strahlend wie die Sonne, mit sich und kehrte in seine eigene Stadt zurück.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tayaivaṃ samanujñātaḥ putram ādāya śaṃtanuḥ bhrājamānaṃ yathādityam āyayau svapuraṃ prati
Vaiśaṃpāyana sprach: So von ihr entlassen, nahm Śaṃtanu seinen Sohn, strahlend wie die Sonne, mit sich und kehrte in seine eigene Stadt zurück.

pauravaḥ svapuraṃ gatvā puraṃdarapuropamam sarvakāmasamṛddhārthaṃ mene ātmānam ātmanā pauraveṣu tataḥ putraṃ yauvarājye 'bhyaṣecayat

Der Paurava, in seine eigene, der Stadt Indras gleichende Stadt zurückgekehrt, hielt sich selbst für einen, dessen Wünsche alle reich erfüllt waren; da weihte er unter den Pauravas seinen Sohn zum Kronprinzen.

Wort für Wort
pauravaḥ svapuraṃ gatvā puraṃdarapuropamam sarvakāmasamṛddhārthaṃ mene ātmānam ātmanā pauraveṣu tataḥ putraṃ yauvarājye 'bhyaṣecayat
Der Paurava, in seine eigene, der Stadt Indras gleichende Stadt zurückgekehrt, hielt sich selbst für einen, dessen Wünsche alle reich erfüllt waren; da weihte er unter den Pauravas seinen Sohn zum Kronprinzen.

pauravāñ śaṃtanoḥ putraḥ pitaraṃ ca mahāyaśāḥ rāṣṭraṃ ca rañjayām āsa vṛttena bharatarṣabha

Der hochberühmte Sohn Śaṃtanus erfreute die Pauravas, seinen Vater und das ganze Reich durch sein Verhalten, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
pauravāñ śaṃtanoḥ putraḥ pitaraṃ ca mahāyaśāḥ rāṣṭraṃ ca rañjayām āsa vṛttena bharatarṣabha
Der hochberühmte Sohn Śaṃtanus erfreute die Pauravas, seinen Vater und das ganze Reich durch sein Verhalten, o Stier der Bharatas.

sa tathā saha putreṇa ramamāṇo mahīpatiḥ vartayām āsa varṣāṇi catvāry amitavikramaḥ

So verbrachte der Herrscher der Erde, von unermesslicher Tapferkeit, sich mit seinem Sohn erfreuend, vier Jahre.

Wort für Wort
sa tathā saha putreṇa ramamāṇo mahīpatiḥ vartayām āsa varṣāṇi catvāry amitavikramaḥ
So verbrachte der Herrscher der Erde, von unermesslicher Tapferkeit, sich mit seinem Sohn erfreuend, vier Jahre.

sa kadā cid vanaṃ yāto yamunām abhito nadīm mahīpatir anirdeśyam ājighrad gandham uttamam

Einst, in den Wald gegangen, nahe dem Fluss Yamunā, roch der Herrscher der Erde einen unbeschreiblich herrlichen Duft.

Wort für Wort
sa kadā cid vanaṃ yāto yamunām abhito nadīm mahīpatir anirdeśyam ājighrad gandham uttamam
Einst, in den Wald gegangen, nahe dem Fluss Yamunā, roch der Herrscher der Erde einen unbeschreiblich herrlichen Duft.

tasya prabhavam anvicchan vicacāra samantataḥ sa dadarśa tadā kanyāṃ dāśānāṃ devarūpiṇīm

Auf der Suche nach dessen Ursprung durchstreifte er alles ringsum; da erblickte er eine Jungfrau der Fischer, von göttlicher Gestalt.

Wort für Wort
tasya prabhavam anvicchan vicacāra samantataḥ sa dadarśa tadā kanyāṃ dāśānāṃ devarūpiṇīm
Auf der Suche nach dessen Ursprung durchstreifte er alles ringsum; da erblickte er eine Jungfrau der Fischer, von göttlicher Gestalt.

tām apṛcchat sa dṛṣṭvaiva kanyām asitalocanām kasya tvam asi kā cāsi kiṃ ca bhīru cikīrṣasi

Kaum hatte er die dunkeläugige Jungfrau erblickt, fragte er sie: ‚Wessen bist du, wer bist du, und was, du Zaghafte, hast du vor?'

Wort für Wort
tām apṛcchat sa dṛṣṭvaiva kanyām asitalocanām kasya tvam asi kā cāsi kiṃ ca bhīru cikīrṣasi
Kaum hatte er die dunkeläugige Jungfrau erblickt, fragte er sie: ‚Wessen bist du, wer bist du, und was, du Zaghafte, hast du vor?'

sābravīd dāśakanyāsmi dharmārthaṃ vāhaye tarīm pitur niyogād bhadraṃ te dāśarājño mahātmanaḥ

Sie sprach: ‚Ich bin die Tochter eines Fischers; um des Dharma willen rudere ich die Fähre, auf Geheiß meines Vaters, des hochherzigen Fischerkönigs – Heil dir.'

Wort für Wort
sābravīd dāśakanyāsmi dharmārthaṃ vāhaye tarīm pitur niyogād bhadraṃ te dāśarājño mahātmanaḥ
Sie sprach: ‚Ich bin die Tochter eines Fischers; um des Dharma willen rudere ich die Fähre, auf Geheiß meines Vaters, des hochherzigen Fischerkönigs – Heil dir.'

rūpamādhuryagandhais tāṃ saṃyuktāṃ devarūpiṇīm samīkṣya rājā dāśeyīṃ kāmayām āsa śaṃtanuḥ

Als er sie, die mit Schönheit, Lieblichkeit und Duft begabte, von göttlicher Gestalt, die Fischertochter, erblickte, begehrte König Śaṃtanu sie.

Wort für Wort
rūpamādhuryagandhais tāṃ saṃyuktāṃ devarūpiṇīm samīkṣya rājā dāśeyīṃ kāmayām āsa śaṃtanuḥ
Als er sie, die mit Schönheit, Lieblichkeit und Duft begabte, von göttlicher Gestalt, die Fischertochter, erblickte, begehrte König Śaṃtanu sie.

sa gatvā pitaraṃ tasyā varayām āsa tāṃ tadā paryapṛcchat tatas tasyāḥ pitaraṃ cātmakāraṇāt

Er ging zu ihrem Vater und warb da um sie; er befragte darauf ihren Vater um seiner selbst willen.

Wort für Wort
sa gatvā pitaraṃ tasyā varayām āsa tāṃ tadā paryapṛcchat tatas tasyāḥ pitaraṃ cātmakāraṇāt
Er ging zu ihrem Vater und warb da um sie; er befragte darauf ihren Vater um seiner selbst willen.

sa ca taṃ pratyuvācedaṃ dāśarājo mahīpatim jātamātraiva me deyā varāya varavarṇinī hṛdi kāmas tu me kaś cit taṃ nibodha janeśvara

Da erwiderte der Fischerkönig dem Herrscher der Erde: ‚Schon bei ihrer Geburt war sie mir dazu bestimmt, einem würdigen Freier gegeben zu werden, die Holde; doch ich hege einen gewissen Wunsch im Herzen – vernimm ihn, Herr der Menschen.'

Wort für Wort
sa ca taṃ pratyuvācedaṃ dāśarājo mahīpatim jātamātraiva me deyā varāya varavarṇinī hṛdi kāmas tu me kaś cit taṃ nibodha janeśvara
Da erwiderte der Fischerkönig dem Herrscher der Erde: ‚Schon bei ihrer Geburt war sie mir dazu bestimmt, einem würdigen Freier gegeben zu werden, die Holde; doch ich hege einen gewissen Wunsch im Herzen – vernimm ihn, Herr der Menschen.'

yadīmāṃ dharmapatnīṃ tvaṃ mattaḥ prārthayase 'nagha satyavāg asi satyena samayaṃ kuru me tataḥ

‚Wenn du diese als dharmagemäße Gattin von mir begehrst, du Makelloser, und wahrhaft redest, so schließe mit mir einen wahrhaftigen Bund.'

Wort für Wort
yadīmāṃ dharmapatnīṃ tvaṃ mattaḥ prārthayase 'nagha satyavāg asi satyena samayaṃ kuru me tataḥ
‚Wenn du diese als dharmagemäße Gattin von mir begehrst, du Makelloser, und wahrhaft redest, so schließe mit mir einen wahrhaftigen Bund.'

samayena pradadyāṃ te kanyām aham imāṃ nṛpa na hi me tvatsamaḥ kaś cid varo jātu bhaviṣyati

‚Unter diesem Bund würde ich dir diese Jungfrau geben, o König; denn niemals wird mir ein dir ebenbürtiger Freier zuteilwerden.'

Wort für Wort
samayena pradadyāṃ te kanyām aham imāṃ nṛpa na hi me tvatsamaḥ kaś cid varo jātu bhaviṣyati
‚Unter diesem Bund würde ich dir diese Jungfrau geben, o König; denn niemals wird mir ein dir ebenbürtiger Freier zuteilwerden.'

śaṃtanur uvāca śrutvā tava varaṃ dāśa vyavasyeyam ahaṃ na vā dātavyaṃ cet pradāsyāmi na tv adeyaṃ kathaṃ cana

Śaṃtanu sprach: ‚Wenn ich deine Bedingung gehört habe, Fischer, werde ich entscheiden, ob ich sie erfülle oder nicht; ist sie zu gewähren, werde ich sie gewähren, doch keinesfalls, was nicht zu gewähren ist.'

Wort für Wort
śaṃtanur uvāca śrutvā tava varaṃ dāśa vyavasyeyam ahaṃ na vā dātavyaṃ cet pradāsyāmi na tv adeyaṃ kathaṃ cana
Śaṃtanu sprach: ‚Wenn ich deine Bedingung gehört habe, Fischer, werde ich entscheiden, ob ich sie erfülle oder nicht; ist sie zu gewähren, werde ich sie gewähren, doch keinesfalls, was nicht zu gewähren ist.'

dāśa uvāca asyāṃ jāyeta yaḥ putraḥ sa rājā pṛthivīpatiḥ tvad ūrdhvam abhiṣektavyo nānyaḥ kaś cana pārthiva

Der Fischer sprach: ‚Der Sohn, der aus ihr geboren wird, soll König sein, Herr der Erde, nach dir zur Herrschaft geweiht werden – kein anderer, o Fürst.'

Wort für Wort
dāśa uvāca asyāṃ jāyeta yaḥ putraḥ sa rājā pṛthivīpatiḥ tvad ūrdhvam abhiṣektavyo nānyaḥ kaś cana pārthiva
Der Fischer sprach: ‚Der Sohn, der aus ihr geboren wird, soll König sein, Herr der Erde, nach dir zur Herrschaft geweiht werden – kein anderer, o Fürst.'

vaiśaṃpāyana uvāca nākāmayata taṃ dātuṃ varaṃ dāśāya śaṃtanuḥ śarīrajena tīvreṇa dahyamāno 'pi bhārata

Vaiśaṃpāyana sprach: Śaṃtanu wollte dem Fischer diese Bedingung nicht gewähren, obwohl er von heftiger, leiblicher Begierde verzehrt wurde, o Bhārata.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca nākāmayata taṃ dātuṃ varaṃ dāśāya śaṃtanuḥ śarīrajena tīvreṇa dahyamāno 'pi bhārata
Vaiśaṃpāyana sprach: Śaṃtanu wollte dem Fischer diese Bedingung nicht gewähren, obwohl er von heftiger, leiblicher Begierde verzehrt wurde, o Bhārata.

sa cintayann eva tadā dāśakanyāṃ mahīpatiḥ pratyayād dhāstinapuraṃ śokopahatacetanaḥ

An die Fischertochter denkend, kehrte der Herrscher der Erde nach Hāstinapura zurück, sein Sinn von Kummer geschlagen.

Wort für Wort
sa cintayann eva tadā dāśakanyāṃ mahīpatiḥ pratyayād dhāstinapuraṃ śokopahatacetanaḥ
An die Fischertochter denkend, kehrte der Herrscher der Erde nach Hāstinapura zurück, sein Sinn von Kummer geschlagen.

tataḥ kadā cic chocantaṃ śaṃtanuṃ dhyānam āsthitam putro devavrato 'bhyetya pitaraṃ vākyam abravīt

Einst dann, als Śaṃtanu trauerte und in Gedanken versunken war, kam sein Sohn Devavrata zu seinem Vater und sprach dieses Wort:

Wort für Wort
tataḥ kadā cic chocantaṃ śaṃtanuṃ dhyānam āsthitam putro devavrato 'bhyetya pitaraṃ vākyam abravīt
Einst dann, als Śaṃtanu trauerte und in Gedanken versunken war, kam sein Sohn Devavrata zu seinem Vater und sprach dieses Wort:

sarvato bhavataḥ kṣemaṃ vidheyāḥ sarvapārthivāḥ tat kimartham ihābhīkṣṇaṃ pariśocasi duḥkhitaḥ dhyāyann iva ca kiṃ rājan nābhibhāṣasi kiṃ cana

‚Von allen Seiten geht es dir wohl, alle Fürsten sind dir gefügig; warum also grämst du dich hier ständig, betrübt, und sprichst, wie in Gedanken versunken, o König, gar nichts?'

Wort für Wort
sarvato bhavataḥ kṣemaṃ vidheyāḥ sarvapārthivāḥ tat kimartham ihābhīkṣṇaṃ pariśocasi duḥkhitaḥ dhyāyann iva ca kiṃ rājan nābhibhāṣasi kiṃ cana
‚Von allen Seiten geht es dir wohl, alle Fürsten sind dir gefügig; warum also grämst du dich hier ständig, betrübt, und sprichst, wie in Gedanken versunken, o König, gar nichts?'

evam uktaḥ sa putreṇa śaṃtanuḥ pratyabhāṣata asaṃśayaṃ dhyānaparaṃ yathā māttha tathāsmy uta

So von seinem Sohn angesprochen, erwiderte Śaṃtanu: ‚Ohne Zweifel bin ich, wie du zu mir sagst, in Gedanken vertieft.'

Wort für Wort
evam uktaḥ sa putreṇa śaṃtanuḥ pratyabhāṣata asaṃśayaṃ dhyānaparaṃ yathā māttha tathāsmy uta
So von seinem Sohn angesprochen, erwiderte Śaṃtanu: ‚Ohne Zweifel bin ich, wie du zu mir sagst, in Gedanken vertieft.'

apatyaṃ nas tvam evaikaḥ kule mahati bhārata anityatā ca martyānām ataḥ śocāmi putraka

‚Du allein bist unser Nachkomme in diesem großen Geschlecht, o Bhārata; und die Vergänglichkeit der Sterblichen – deshalb gräme ich mich, mein Sohn.'

Wort für Wort
apatyaṃ nas tvam evaikaḥ kule mahati bhārata anityatā ca martyānām ataḥ śocāmi putraka
‚Du allein bist unser Nachkomme in diesem großen Geschlecht, o Bhārata; und die Vergänglichkeit der Sterblichen – deshalb gräme ich mich, mein Sohn.'

kathaṃ cit tava gāṅgeya vipattau nāsti naḥ kulam asaṃśayaṃ tvam evaikaḥ śatād api varaḥ sutaḥ

‚Sollte dir, Gāṅgeya, irgendein Unglück zustoßen, gibt es für uns kein Geschlecht mehr; ohne Zweifel bist du allein mehr wert als hundert Söhne.'

Wort für Wort
kathaṃ cit tava gāṅgeya vipattau nāsti naḥ kulam asaṃśayaṃ tvam evaikaḥ śatād api varaḥ sutaḥ
‚Sollte dir, Gāṅgeya, irgendein Unglück zustoßen, gibt es für uns kein Geschlecht mehr; ohne Zweifel bist du allein mehr wert als hundert Söhne.'

na cāpy ahaṃ vṛthā bhūyo dārān kartum ihotsahe saṃtānasyāvināśāya kāmaye bhadram astu te anapatyataikaputratvam ity āhur dharmavādinaḥ

‚Auch mag ich nicht mehr grundlos eine weitere Ehe eingehen; um des Nichterlöschens der Nachkommenschaft willen begehre ich es dennoch – Heil dir. »Einzelsohnschaft gilt als Kinderlosigkeit«, so sagen die Dharma-Kundigen.'

Wort für Wort
na cāpy ahaṃ vṛthā bhūyo dārān kartum ihotsahe saṃtānasyāvināśāya kāmaye bhadram astu te anapatyataikaputratvam ity āhur dharmavādinaḥ
‚Auch mag ich nicht mehr grundlos eine weitere Ehe eingehen; um des Nichterlöschens der Nachkommenschaft willen begehre ich es dennoch – Heil dir. »Einzelsohnschaft gilt als Kinderlosigkeit«, so sagen die Dharma-Kundigen.'

agnihotraṃ trayo vedā yajñāś ca sahadakṣiṇāḥ sarvāṇy etāny apatyasya kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm

‚Das Agnihotra, die drei Veden, die Opfer samt ihren Priestergaben – all dies erreicht nicht ein Sechzehntel des Wertes der Nachkommenschaft.'

Wort für Wort
agnihotraṃ trayo vedā yajñāś ca sahadakṣiṇāḥ sarvāṇy etāny apatyasya kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm
‚Das Agnihotra, die drei Veden, die Opfer samt ihren Priestergaben – all dies erreicht nicht ein Sechzehntel des Wertes der Nachkommenschaft.'

evam eva manuṣyeṣu syāc ca sarvaprajāsv api yad apatyaṃ mahāprājña tatra me nāsti saṃśayaḥ eṣā trayī purāṇānām uttamānāṃ ca śāśvatī

‚So ist es bei den Menschen, und auch bei allen Geschöpfen: die Nachkommenschaft, o Hochweiser – daran habe ich keinen Zweifel. Dies ist die ewige dreifache Weisheit der Alten und Besten.'

Wort für Wort
evam eva manuṣyeṣu syāc ca sarvaprajāsv api yad apatyaṃ mahāprājña tatra me nāsti saṃśayaḥ eṣā trayī purāṇānām uttamānāṃ ca śāśvatī
‚So ist es bei den Menschen, und auch bei allen Geschöpfen: die Nachkommenschaft, o Hochweiser – daran habe ich keinen Zweifel. Dies ist die ewige dreifache Weisheit der Alten und Besten.'

tvaṃ ca śūraḥ sadāmarṣī śastranityaś ca bhārata nānyatra śastrāt tasmāt te nidhanaṃ vidyate 'nagha

‚Und du bist ein Held, stets unduldsam gegenüber Unrecht, stets den Waffen zugetan, o Bhārata; darum gibt es für dich keinen Tod außer durch die Waffe, du Makelloser.'

Wort für Wort
tvaṃ ca śūraḥ sadāmarṣī śastranityaś ca bhārata nānyatra śastrāt tasmāt te nidhanaṃ vidyate 'nagha
‚Und du bist ein Held, stets unduldsam gegenüber Unrecht, stets den Waffen zugetan, o Bhārata; darum gibt es für dich keinen Tod außer durch die Waffe, du Makelloser.'

so 'smi saṃśayam āpannas tvayi śānte kathaṃ bhavet iti te kāraṇaṃ tāta duḥkhasyoktam aśeṣataḥ

‚Darum bin ich in Zweifel geraten: Was geschähe, solltest du dahingehen? Dies, mein Sohn, ist dir der Grund meines Kummers vollständig genannt.'

Wort für Wort
so 'smi saṃśayam āpannas tvayi śānte kathaṃ bhavet iti te kāraṇaṃ tāta duḥkhasyoktam aśeṣataḥ
‚Darum bin ich in Zweifel geraten: Was geschähe, solltest du dahingehen? Dies, mein Sohn, ist dir der Grund meines Kummers vollständig genannt.'

tatas tat kāraṇaṃ jñātvā kṛtsnaṃ caivam aśeṣataḥ devavrato mahābuddhiḥ prayayāv anucintayan

Als er darauf diesen Grund vollständig erkannt hatte, ging der hochweise Devavrata fort, nachdenkend.

Wort für Wort
tatas tat kāraṇaṃ jñātvā kṛtsnaṃ caivam aśeṣataḥ devavrato mahābuddhiḥ prayayāv anucintayan
Als er darauf diesen Grund vollständig erkannt hatte, ging der hochweise Devavrata fort, nachdenkend.

abhyagacchat tadaivāśu vṛddhāmātyaṃ pitur hitam tam apṛcchat tadābhyetya pitus tac chokakāraṇam

Er ging alsbald eilends zu einem betagten, seinem Vater wohlgesinnten Minister; ihn befragte er, dort angekommen, nach jenem Grund des Kummers seines Vaters.

Wort für Wort
abhyagacchat tadaivāśu vṛddhāmātyaṃ pitur hitam tam apṛcchat tadābhyetya pitus tac chokakāraṇam
Er ging alsbald eilends zu einem betagten, seinem Vater wohlgesinnten Minister; ihn befragte er, dort angekommen, nach jenem Grund des Kummers seines Vaters.

tasmai sa kurumukhyāya yathāvat paripṛcchate varaṃ śaśaṃsa kanyāṃ tām uddiśya bharatarṣabha

Ihm, dem Ersten der Kurus, der ihn gebührend befragte, berichtete er die Bedingung, im Hinblick auf jene Jungfrau, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
tasmai sa kurumukhyāya yathāvat paripṛcchate varaṃ śaśaṃsa kanyāṃ tām uddiśya bharatarṣabha
Ihm, dem Ersten der Kurus, der ihn gebührend befragte, berichtete er die Bedingung, im Hinblick auf jene Jungfrau, o Stier der Bharatas.

tato devavrato vṛddhaiḥ kṣatriyaiḥ sahitas tadā abhigamya dāśarājānaṃ kanyāṃ vavre pituḥ svayam

Da ging Devavrata, damals von betagten Kṣatriyas begleitet, zum Fischerkönig und warb selbst um die Jungfrau für seinen Vater.

Wort für Wort
tato devavrato vṛddhaiḥ kṣatriyaiḥ sahitas tadā abhigamya dāśarājānaṃ kanyāṃ vavre pituḥ svayam
Da ging Devavrata, damals von betagten Kṣatriyas begleitet, zum Fischerkönig und warb selbst um die Jungfrau für seinen Vater.

taṃ dāśaḥ pratijagrāha vidhivat pratipūjya ca abravīc cainam āsīnaṃ rājasaṃsadi bhārata

Der Fischer empfing ihn gebührend und ehrte ihn; und er sprach zu ihm, als er in der königlichen Versammlung saß, o Bhārata:

Wort für Wort
taṃ dāśaḥ pratijagrāha vidhivat pratipūjya ca abravīc cainam āsīnaṃ rājasaṃsadi bhārata
Der Fischer empfing ihn gebührend und ehrte ihn; und er sprach zu ihm, als er in der königlichen Versammlung saß, o Bhārata:

tvam eva nāthaḥ paryāptaḥ śaṃtanoḥ puruṣarṣabha putraḥ putravatāṃ śreṣṭhaḥ kiṃ nu vakṣyāmi te vacaḥ

‚Du selbst bist ein hinreichender Beschützer für Śaṃtanu, o Stier der Männer, sein Sohn, der Beste der Söhne von Vätern mit Söhnen – was soll ich dir noch sagen?'

Wort für Wort
tvam eva nāthaḥ paryāptaḥ śaṃtanoḥ puruṣarṣabha putraḥ putravatāṃ śreṣṭhaḥ kiṃ nu vakṣyāmi te vacaḥ
‚Du selbst bist ein hinreichender Beschützer für Śaṃtanu, o Stier der Männer, sein Sohn, der Beste der Söhne von Vätern mit Söhnen – was soll ich dir noch sagen?'

ko hi saṃbandhakaṃ ślāghyam īpsitaṃ yaunam īdṛśam atikrāman na tapyeta sākṣād api śatakratuḥ

‚Wer, der eine so rühmliche, ersehnte eheliche Verbindung wie diese übergehen würde, empfände nicht Reue, selbst Indra selbst?'

Wort für Wort
ko hi saṃbandhakaṃ ślāghyam īpsitaṃ yaunam īdṛśam atikrāman na tapyeta sākṣād api śatakratuḥ
‚Wer, der eine so rühmliche, ersehnte eheliche Verbindung wie diese übergehen würde, empfände nicht Reue, selbst Indra selbst?'

apatyaṃ caitad āryasya yo yuṣmākaṃ samo guṇaiḥ yasya śukrāt satyavatī prādurbhūtā yaśasvinī

‚Und dies ist die Nachkommenschaft eines Edlen, der euch an Tugenden gleich ist, aus dessen Samen die ruhmreiche Satyavatī hervorging.'

Wort für Wort
apatyaṃ caitad āryasya yo yuṣmākaṃ samo guṇaiḥ yasya śukrāt satyavatī prādurbhūtā yaśasvinī
‚Und dies ist die Nachkommenschaft eines Edlen, der euch an Tugenden gleich ist, aus dessen Samen die ruhmreiche Satyavatī hervorging.'

[Anm.: Hier wird auf Satyavatīs eigentliche, edle Abstammung angespielt (traditionell: Tochter des Königs Uparicara Vasu, in einem Fisch empfangen) – der Fischerkönig ist nur ihr Pflegevater; die volle Erzählung wird in einem späteren Kapitel nachgeholt.]

tena me bahuśas tāta pitā te parikīrtitaḥ arhaḥ satyavatīṃ voḍhuṃ sarvarājasu bhārata

‚Darum wurde mir, mein Sohn, dein Vater oftmals als würdig gerühmt, Satyavatī unter allen Königen zu heiraten, o Bhārata.'

Wort für Wort
tena me bahuśas tāta pitā te parikīrtitaḥ arhaḥ satyavatīṃ voḍhuṃ sarvarājasu bhārata
‚Darum wurde mir, mein Sohn, dein Vater oftmals als würdig gerühmt, Satyavatī unter allen Königen zu heiraten, o Bhārata.'

asito hy api devarṣiḥ pratyākhyātaḥ purā mayā satyavatyā bhṛśaṃ hy arthī sa āsīd ṛṣisattamaḥ

‚Denn auch der Götterweise Asita wurde von mir einst abgewiesen; er war heftig nach Satyavatī begehrend, jener beste der Seher.'

Wort für Wort
asito hy api devarṣiḥ pratyākhyātaḥ purā mayā satyavatyā bhṛśaṃ hy arthī sa āsīd ṛṣisattamaḥ
‚Denn auch der Götterweise Asita wurde von mir einst abgewiesen; er war heftig nach Satyavatī begehrend, jener beste der Seher.'

[Anm.: Ob dieser Asita mit dem später als Beisitzer bei Janamejayas Schlangenopfer genannten Brahmanen Asita identisch ist, bleibt unklar – möglicherweise ein Namensvetter.]

kanyāpitṛtvāt kiṃ cit tu vakṣyāmi bharatarṣabha balavat sapatnatām atra doṣaṃ paśyāmi kevalam

‚Doch als Vater der Jungfrau will ich, o Stier der Bharatas, noch etwas sagen: Allein die mächtige Rivalität sehe ich hierin als Makel.'

Wort für Wort
kanyāpitṛtvāt kiṃ cit tu vakṣyāmi bharatarṣabha balavat sapatnatām atra doṣaṃ paśyāmi kevalam
‚Doch als Vater der Jungfrau will ich, o Stier der Bharatas, noch etwas sagen: Allein die mächtige Rivalität sehe ich hierin als Makel.'

yasya hi tvaṃ sapatnaḥ syā gandharvasyāsurasya vā na sa jātu sukhaṃ jīvet tvayi kruddhe paraṃtapa

‚Denn wessen Rivale du auch wärest, sei es eines Gandharva oder eines Asura – der könnte niemals glücklich leben, wärst du zornig, o Bezwinger der Feinde.'

Wort für Wort
yasya hi tvaṃ sapatnaḥ syā gandharvasyāsurasya vā na sa jātu sukhaṃ jīvet tvayi kruddhe paraṃtapa
‚Denn wessen Rivale du auch wärest, sei es eines Gandharva oder eines Asura – der könnte niemals glücklich leben, wärst du zornig, o Bezwinger der Feinde.'

etāvān atra doṣo hi nānyaḥ kaś cana pārthiva etaj jānīhi bhadraṃ te dānādāne paraṃtapa

‚Dies allein ist hier der Makel, kein anderer, o Fürst; wisse dies, Heil dir, in Bezug auf das Geben und Nehmen der Braut, Bezwinger der Feinde.'

Wort für Wort
etāvān atra doṣo hi nānyaḥ kaś cana pārthiva etaj jānīhi bhadraṃ te dānādāne paraṃtapa
‚Dies allein ist hier der Makel, kein anderer, o Fürst; wisse dies, Heil dir, in Bezug auf das Geben und Nehmen der Braut, Bezwinger der Feinde.'

evam uktas tu gāṅgeyas tadyuktaṃ pratyabhāṣata śṛṇvatāṃ bhūmipālānāṃ pitur arthāya bhārata

So angesprochen, erwiderte der Gāṅgeya das dem Anlass Angemessene, während die Erdenherrscher zuhörten, um seines Vaters willen, o Bhārata:

Wort für Wort
evam uktas tu gāṅgeyas tadyuktaṃ pratyabhāṣata śṛṇvatāṃ bhūmipālānāṃ pitur arthāya bhārata
So angesprochen, erwiderte der Gāṅgeya das dem Anlass Angemessene, während die Erdenherrscher zuhörten, um seines Vaters willen, o Bhārata:

idaṃ me matam ādatsva satyaṃ satyavatāṃ vara naiva jāto na vājāta īdṛśaṃ vaktum utsahet

‚Vernimm diese meine Entscheidung, wahrhaftig, du Bester der Wahrhaften: Weder ein Geborener noch ein Ungeborener wird wagen, so etwas wie ich jetzt zu sagen.'

Wort für Wort
idaṃ me matam ādatsva satyaṃ satyavatāṃ vara naiva jāto na vājāta īdṛśaṃ vaktum utsahet
‚Vernimm diese meine Entscheidung, wahrhaftig, du Bester der Wahrhaften: Weder ein Geborener noch ein Ungeborener wird wagen, so etwas wie ich jetzt zu sagen.'

evam etat kariṣyāmi yathā tvam anubhāṣase yo 'syāṃ janiṣyate putraḥ sa no rājā bhaviṣyati

‚So werde ich es tun, wie du sagst: Der Sohn, der aus ihr geboren wird, soll unser König sein.'

Wort für Wort
evam etat kariṣyāmi yathā tvam anubhāṣase yo 'syāṃ janiṣyate putraḥ sa no rājā bhaviṣyati
‚So werde ich es tun, wie du sagst: Der Sohn, der aus ihr geboren wird, soll unser König sein.'

ity uktaḥ punar evātha taṃ dāśaḥ pratyabhāṣata cikīrṣur duṣkaraṃ karma rājyārthe bharatarṣabha

So angesprochen, erwiderte ihm der Fischer abermals, ein schwer vollbringbares Werk im Blick auf die Königsherrschaft ersinnend, o Stier der Bharatas:

Wort für Wort
ity uktaḥ punar evātha taṃ dāśaḥ pratyabhāṣata cikīrṣur duṣkaraṃ karma rājyārthe bharatarṣabha
So angesprochen, erwiderte ihm der Fischer abermals, ein schwer vollbringbares Werk im Blick auf die Königsherrschaft ersinnend, o Stier der Bharatas:

tvam eva nāthaḥ paryāptaḥ śaṃtanor amitadyuteḥ kanyāyāś caiva dharmātman prabhur dānāya ceśvaraḥ

‚Du selbst bist ein hinreichender Beschützer für Śaṃtanu, den unermesslich Glanzvollen, und, o Dharmagesinnter, ein Herr, mächtig, über die Jungfrau zur Vergabe zu bestimmen.'

Wort für Wort
tvam eva nāthaḥ paryāptaḥ śaṃtanor amitadyuteḥ kanyāyāś caiva dharmātman prabhur dānāya ceśvaraḥ
‚Du selbst bist ein hinreichender Beschützer für Śaṃtanu, den unermesslich Glanzvollen, und, o Dharmagesinnter, ein Herr, mächtig, über die Jungfrau zur Vergabe zu bestimmen.'

idaṃ tu vacanaṃ saumya kāryaṃ caiva nibodha me kaumārikāṇāṃ śīlena vakṣyāmy aham ariṃdama

‚Doch dieses Wort, Sanfter, und diese Aufgabe vernimm von mir; nach der Sitte bei Jungfrauen will ich sprechen, Bezwinger der Feinde.'

Wort für Wort
idaṃ tu vacanaṃ saumya kāryaṃ caiva nibodha me kaumārikāṇāṃ śīlena vakṣyāmy aham ariṃdama
‚Doch dieses Wort, Sanfter, und diese Aufgabe vernimm von mir; nach der Sitte bei Jungfrauen will ich sprechen, Bezwinger der Feinde.'

yat tvayā satyavatyarthe satyadharmaparāyaṇa rājamadhye pratijñātam anurūpaṃ tavaiva tat

‚Was du, um Satyavatīs willen, o dem wahren Dharma Ergebener, inmitten der Könige gelobt hast, das entspricht ganz dir selbst.'

Wort für Wort
yat tvayā satyavatyarthe satyadharmaparāyaṇa rājamadhye pratijñātam anurūpaṃ tavaiva tat
‚Was du, um Satyavatīs willen, o dem wahren Dharma Ergebener, inmitten der Könige gelobt hast, das entspricht ganz dir selbst.'

nānyathā tan mahābāho saṃśayo 'tra na kaś cana tavāpatyaṃ bhaved yat tu tatra naḥ saṃśayo mahān

‚Nicht anders wird es sein, o Starkarmiger, kein Zweifel besteht hierin; doch ob du selbst Nachkommenschaft haben würdest, darin liegt unser großer Zweifel.'

Wort für Wort
nānyathā tan mahābāho saṃśayo 'tra na kaś cana tavāpatyaṃ bhaved yat tu tatra naḥ saṃśayo mahān
‚Nicht anders wird es sein, o Starkarmiger, kein Zweifel besteht hierin; doch ob du selbst Nachkommenschaft haben würdest, darin liegt unser großer Zweifel.'

tasya tan matam ājñāya satyadharmaparāyaṇaḥ pratyajānāt tadā rājan pituḥ priyacikīrṣayā

Als er dessen Meinung erkannt hatte, gelobte der dem wahren Dharma Ergebene da, o König, aus Wunsch, seinem Vater zu gefallen, Folgendes:

Wort für Wort
tasya tan matam ājñāya satyadharmaparāyaṇaḥ pratyajānāt tadā rājan pituḥ priyacikīrṣayā
Als er dessen Meinung erkannt hatte, gelobte der dem wahren Dharma Ergebene da, o König, aus Wunsch, seinem Vater zu gefallen, Folgendes:

devavrata uvāca dāśarāja nibodhedaṃ vacanaṃ me nṛpottama śṛṇvatāṃ bhūmipālānāṃ yad bravīmi pituḥ kṛte

Devavrata sprach: ‚Fischerkönig, vernimm dieses mein Wort, bester der Könige, das ich, während die Erdenherrscher zuhören, um meines Vaters willen spreche.'

Wort für Wort
devavrata uvāca dāśarāja nibodhedaṃ vacanaṃ me nṛpottama śṛṇvatāṃ bhūmipālānāṃ yad bravīmi pituḥ kṛte
Devavrata sprach: ‚Fischerkönig, vernimm dieses mein Wort, bester der Könige, das ich, während die Erdenherrscher zuhören, um meines Vaters willen spreche.'

rājyaṃ tāvat pūrvam eva mayā tyaktaṃ narādhipa apatyahetor api ca karomy eṣa viniścayam

‚Die Königsherrschaft habe ich schon zuvor aufgegeben, o Herrscher der Menschen; auch im Hinblick auf deine Sorge um Nachkommenschaft treffe ich hiermit diesen Entschluss.'

Wort für Wort
rājyaṃ tāvat pūrvam eva mayā tyaktaṃ narādhipa apatyahetor api ca karomy eṣa viniścayam
‚Die Königsherrschaft habe ich schon zuvor aufgegeben, o Herrscher der Menschen; auch im Hinblick auf deine Sorge um Nachkommenschaft treffe ich hiermit diesen Entschluss.'

adya prabhṛti me dāśa brahmacaryaṃ bhaviṣyati aputrasyāpi me lokā bhaviṣyanty akṣayā divi

‚Von heute an, Fischer, wird mir lebenslange Keuschheit zuteil sein; auch als Kinderlosem werden mir unvergängliche Welten im Himmel zuteilwerden.'

Wort für Wort
adya prabhṛti me dāśa brahmacaryaṃ bhaviṣyati aputrasyāpi me lokā bhaviṣyanty akṣayā divi
‚Von heute an, Fischer, wird mir lebenslange Keuschheit zuteil sein; auch als Kinderlosem werden mir unvergängliche Welten im Himmel zuteilwerden.'

vaiśaṃpāyana uvāca tasya tad vacanaṃ śrutvā saṃprahṛṣṭatanūruhaḥ dadānīty eva taṃ dāśo dharmātmā pratyabhāṣata

Vaiśaṃpāyana sprach: Als er dieses Wort hörte, mit sich sträubenden Haaren vor Freude, erwiderte ihm der dharmagesinnte Fischer nur: ‚Ich gebe sie dir.'

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tasya tad vacanaṃ śrutvā saṃprahṛṣṭatanūruhaḥ dadānīty eva taṃ dāśo dharmātmā pratyabhāṣata
Vaiśaṃpāyana sprach: Als er dieses Wort hörte, mit sich sträubenden Haaren vor Freude, erwiderte ihm der dharmagesinnte Fischer nur: ‚Ich gebe sie dir.'

tato 'ntarikṣe 'psaraso devāḥ sarṣigaṇās tathā abhyavarṣanta kusumair bhīṣmo 'yam iti cābruvan

Da regneten im Luftraum Apsaras, Götter und Scharen von Sehern Blumen herab und riefen: ‚Dies ist Bhīṣma – der Furchtbare!'

Wort für Wort
tato 'ntarikṣe 'psaraso devāḥ sarṣigaṇās tathā abhyavarṣanta kusumair bhīṣmo 'yam iti cābruvan
Da regneten im Luftraum Apsaras, Götter und Scharen von Sehern Blumen herab und riefen: ‚Dies ist Bhīṣma – der Furchtbare!'

[Anm.: Hier erhält Devavrata seinen berühmteren Namen 'Bhīṣma' (von der Wurzel bhī-, 'Furcht/Ehrfurcht') – wegen des soeben abgelegten, furchtgebietenden Gelübdes lebenslanger Ehelosigkeit und Thronverzichts.]

tataḥ sa pitur arthāya tām uvāca yaśasvinīm adhiroha rathaṃ mātar gacchāvaḥ svagṛhān iti

Darauf sprach er, um seines Vaters willen, zu jener ruhmreichen Jungfrau: ‚Besteige den Wagen, Mutter; lass uns zu unserem Hause gehen.'

Wort für Wort
tataḥ sa pitur arthāya tām uvāca yaśasvinīm adhiroha rathaṃ mātar gacchāvaḥ svagṛhān iti
Darauf sprach er, um seines Vaters willen, zu jener ruhmreichen Jungfrau: ‚Besteige den Wagen, Mutter; lass uns zu unserem Hause gehen.'

evam uktvā tu bhīṣmas tāṃ ratham āropya bhāminīm āgamya hāstinapuraṃ śaṃtanoḥ saṃnyavedayat

So gesprochen habend, ließ Bhīṣma jene Schöne den Wagen besteigen, kam nach Hāstinapura und übergab sie Śaṃtanu.

Wort für Wort
evam uktvā tu bhīṣmas tāṃ ratham āropya bhāminīm āgamya hāstinapuraṃ śaṃtanoḥ saṃnyavedayat
So gesprochen habend, ließ Bhīṣma jene Schöne den Wagen besteigen, kam nach Hāstinapura und übergab sie Śaṃtanu.

tasya tad duṣkaraṃ karma praśaśaṃsur narādhipāḥ sametāś ca pṛthak caiva bhīṣmo 'yam iti cābruvan

Die Fürsten priesen jene seine schwer vollbringbare Tat, versammelt wie auch einzeln, und sprachen: ‚Dies ist Bhīṣma!'

Wort für Wort
tasya tad duṣkaraṃ karma praśaśaṃsur narādhipāḥ sametāś ca pṛthak caiva bhīṣmo 'yam iti cābruvan
Die Fürsten priesen jene seine schwer vollbringbare Tat, versammelt wie auch einzeln, und sprachen: ‚Dies ist Bhīṣma!'

tad dṛṣṭvā duṣkaraṃ karma kṛtaṃ bhīṣmeṇa śaṃtanuḥ svacchandamaraṇaṃ tasmai dadau tuṣṭaḥ pitā svayam

Als er diese schwer vollbringbare Tat sah, die Bhīṣma vollbracht hatte, gewährte ihm Śaṃtanu, sein Vater, zufrieden, aus eigenem Willen den Tod nach eigenem Belieben.

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tad dṛṣṭvā duṣkaraṃ karma kṛtaṃ bhīṣmeṇa śaṃtanuḥ svacchandamaraṇaṃ tasmai dadau tuṣṭaḥ pitā svayam
Als er diese schwer vollbringbare Tat sah, die Bhīṣma vollbracht hatte, gewährte ihm Śaṃtanu, sein Vater, zufrieden, aus eigenem Willen den Tod nach eigenem Belieben.

[Anm.: Dies ist der berühmte Segen des 'svacchandamaraṇa' bzw. 'Icchāmṛtyu' – das Recht, selbst über den Zeitpunkt des eigenen Todes zu bestimmen –, der es Bhīṣma später ermöglicht, auf dem Pfeilbett zu verweilen, bis er selbst zu sterben wählt.]

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