Kapitel 94: Bhīṣma-Pratijñā
Devavratas furchtbares Gelübde und die Benennung zu Bhīṣma
Śaṃtanus Sohn Devavrata (Gāṅgeya) wird von seiner Mutter Gaṅgā, nach Jahren der Erziehung, zu seinem Vater zurückgebracht und zum Kronprinzen geweiht. Jahre später begehrt Śaṃtanu die Fischertochter Satyavatī; ihr Vater, der Fischerkönig, verlangt als Brautpreis, dass allein ihr Sohn die Nachfolge erbe. Aus Rücksicht auf seinen kummervollen Vater verzichtet Devavrata öffentlich nicht nur auf seinen eigenen Thronanspruch, sondern gelobt zusätzlich, ungefragt, lebenslange Ehelosigkeit (Brahmacarya), um die Linie seines Vaters für alle Zeit von jedem Erbstreit freizuhalten. Bei diesem furchtbaren, freiwilligen Gelübde regnen die Götter Blumen vom Himmel und rufen ihn ‚Bhīṣma' (‚der Furchtbare, Ehrfurchtgebietende'). Zufrieden über diese Tat gewährt Śaṃtanu seinem Sohn den seltenen Segen, selbst über den Zeitpunkt seines Todes zu bestimmen (svacchandamaraṇa).
Selbstbeherrschung, Freigebigkeit, Geduld, Klugheit, Scham, Standhaftigkeit und höchster Glanz waren beständig in dem hochherzigen Śaṃtanu, dem Stier unter den Männern.
Selbstbeherrschung, Freigebigkeit, Geduld, Klugheit, Scham, Standhaftigkeit und höchster Glanz waren beständig in dem hochherzigen Śaṃtanu, dem Stier unter den Männern.
Das Brahmanentum diente dem Kriegertum, die Vaiśyas folgten dem Kriegertum, und die Śūdras, dem Brahmanentum und Kriegertum zugetan, dienten den Vaiśyas.
Das Brahmanentum diente dem Kriegertum, die Vaiśyas folgten dem Kriegertum, und die Śūdras, dem Brahmanentum und Kriegertum zugetan, dienten den Vaiśyas.
sa devarājasadṛśo dharmajñaḥ satyavāg ṛjuḥ dānadharmatapoyogāc chriyā paramayā yutaḥ
Dem Götterkönig gleich, dharmakundig, wahrhaft redend und aufrichtig, war er durch Freigebigkeit, Dharma, Askese und Andacht mit höchstem Glanz begabt.
Wort für Wort
sa devarājasadṛśo dharmajñaḥ satyavāg ṛjuḥ dānadharmatapoyogāc chriyā paramayā yutaḥ
Dem Götterkönig gleich, dharmakundig, wahrhaft redend und aufrichtig, war er durch Freigebigkeit, Dharma, Askese und Andacht mit höchstem Glanz begabt.
Frei von Leidenschaft und Hass, wie der Mond von lieblichem Anblick, an Glanz der Sonne gleich, an Schnelligkeit dem Wind gleich, im Zorn dem Todesgott gleich, in Geduld der Erde gleich.
Frei von Leidenschaft und Hass, wie der Mond von lieblichem Anblick, an Glanz der Sonne gleich, an Schnelligkeit dem Wind gleich, im Zorn dem Todesgott gleich, in Geduld der Erde gleich.
In einem Reich, in dem Dharma und Brahmanentum obenan standen, beherrschte der Selbstbeherrschte, Śaṃtanu, gleichmäßig die Geschöpfe, frei von Begierde und Leidenschaft.
In einem Reich, in dem Dharma und Brahmanentum obenan standen, beherrschte der Selbstbeherrschte, Śaṃtanu, gleichmäßig die Geschöpfe, frei von Begierde und Leidenschaft.
Die Riten wurden damals um der Opfer an Götter, Seher und Ahnen willen begonnen, und die Tötung von Lebewesen geschah für niemanden auf unrechte Weise.
Die Riten wurden damals um der Opfer an Götter, Seher und Ahnen willen begonnen, und die Tötung von Lebewesen geschah für niemanden auf unrechte Weise.
tasmin kurupatiśreṣṭhe rājarājeśvare sati śritā vāg abhavat satyaṃ dānadharmāśritaṃ manaḥ
Solange jener beste der Kuru-Herrscher, der König über Könige, lebte, war die Rede stets an die Wahrheit gebunden, das Denken an Freigebigkeit und Dharma.
Wort für Wort
tasmin kurupatiśreṣṭhe rājarājeśvare sati śritā vāg abhavat satyaṃ dānadharmāśritaṃ manaḥ
Solange jener beste der Kuru-Herrscher, der König über Könige, lebte, war die Rede stets an die Wahrheit gebunden, das Denken an Freigebigkeit und Dharma.
sa samāḥ ṣoḍaśāṣṭau ca catasro 'ṣṭau tathāparāḥ ratim aprāpnuvan strīṣu babhūva vanagocaraḥ
Sechzehn und acht und vier und wiederum acht Jahre [?] – ohne Freude an Frauen zu finden, hielt er sich im Wald auf.
Wort für Wort
sa samāḥ ṣoḍaśāṣṭau ca catasro 'ṣṭau tathāparāḥ ratim aprāpnuvan strīṣu babhūva vanagocaraḥ
Sechzehn und acht und vier und wiederum acht Jahre [?] – ohne Freude an Frauen zu finden, hielt er sich im Wald auf.
[Anm.: Dieser Vers ist unklar, wessen 36 Jahre (16+8+4+8) hier gemeint sind – möglicherweise eine Lehrzeit des jungen Devavrata bei verschiedenen Lehrern, angesichts der unmittelbar folgenden Einführung seiner Person in V.19; die genaue Zuordnung und Bedeutung der Zahlenaufteilung bleibt jedoch offen.]
Von ebensolcher Gestalt, ebensolchem Wandel, ebensolcher Lebensweise, ebensolcher Gelehrsamkeit war sein Sohn, der Gāṅgeya, mit Namen Devavrata, der Vasu.
Von ebensolcher Gestalt, ebensolchem Wandel, ebensolcher Lebensweise, ebensolcher Gelehrsamkeit war sein Sohn, der Gāṅgeya, mit Namen Devavrata, der Vasu.
Śaṃtanu, der jenen Sohn einst nur bei seiner Geburt gesehen hatte, konnte, so weise er war, keine Erinnerung finden, um ihn als seinen eigenen Sohn zu erkennen.
Śaṃtanu, der jenen Sohn einst nur bei seiner Geburt gesehen hatte, konnte, so weise er war, keine Erinnerung finden, um ihn als seinen eigenen Sohn zu erkennen.
vedān adhijage sāṅgān vasiṣṭhād eva vīryavān kṛtāstraḥ parameṣvāso devarājasamo yudhi
‚Er hat die Veden samt ihren Hilfswissenschaften von Vasiṣṭha selbst erlernt, der Kraftvolle; er ist in Waffen ausgebildet, ein höchster Bogenschütze, im Kampf dem Götterkönig gleich.'
Wort für Wort
vedān adhijage sāṅgān vasiṣṭhād eva vīryavān kṛtāstraḥ parameṣvāso devarājasamo yudhi
‚Er hat die Veden samt ihren Hilfswissenschaften von Vasiṣṭha selbst erlernt, der Kraftvolle; er ist in Waffen ausgebildet, ein höchster Bogenschütze, im Kampf dem Götterkönig gleich.'
tathaivāṅgirasaḥ putraḥ surāsuranamaskṛtaḥ yad veda śāstraṃ tac cāpi kṛtsnam asmin pratiṣṭhitam tava putre mahābāhau sāṅgopāṅgaṃ mahātmani
‚Ebenso ist, was der Sohn des Aṅgiras, von Göttern und Asuras verehrt, an Lehrschrift kennt, dies ganz, samt allen Haupt- und Nebenteilen, in diesem deinem Sohn, dem Starkarmigen, Hochherzigen, verankert.'
Wort für Wort
tathaivāṅgirasaḥ putraḥ surāsuranamaskṛtaḥ yad veda śāstraṃ tac cāpi kṛtsnam asmin pratiṣṭhitam tava putre mahābāhau sāṅgopāṅgaṃ mahātmani
‚Ebenso ist, was der Sohn des Aṅgiras, von Göttern und Asuras verehrt, an Lehrschrift kennt, dies ganz, samt allen Haupt- und Nebenteilen, in diesem deinem Sohn, dem Starkarmigen, Hochherzigen, verankert.'
‚Diesen großen Bogenschützen, o König, kundig in Königsdharma und Staatskunst, meinen eigenen, von mir gegebenen Sohn, den Helden – nimm ihn, o Held, mit dir nach Hause.'
‚Diesen großen Bogenschützen, o König, kundig in Königsdharma und Staatskunst, meinen eigenen, von mir gegebenen Sohn, den Helden – nimm ihn, o Held, mit dir nach Hause.'
Der Paurava, in seine eigene, der Stadt Indras gleichende Stadt zurückgekehrt, hielt sich selbst für einen, dessen Wünsche alle reich erfüllt waren; da weihte er unter den Pauravas seinen Sohn zum Kronprinzen.
Der Paurava, in seine eigene, der Stadt Indras gleichende Stadt zurückgekehrt, hielt sich selbst für einen, dessen Wünsche alle reich erfüllt waren; da weihte er unter den Pauravas seinen Sohn zum Kronprinzen.
Sie sprach: ‚Ich bin die Tochter eines Fischers; um des Dharma willen rudere ich die Fähre, auf Geheiß meines Vaters, des hochherzigen Fischerkönigs – Heil dir.'
Sie sprach: ‚Ich bin die Tochter eines Fischers; um des Dharma willen rudere ich die Fähre, auf Geheiß meines Vaters, des hochherzigen Fischerkönigs – Heil dir.'
sa ca taṃ pratyuvācedaṃ dāśarājo mahīpatim jātamātraiva me deyā varāya varavarṇinī hṛdi kāmas tu me kaś cit taṃ nibodha janeśvara
Da erwiderte der Fischerkönig dem Herrscher der Erde: ‚Schon bei ihrer Geburt war sie mir dazu bestimmt, einem würdigen Freier gegeben zu werden, die Holde; doch ich hege einen gewissen Wunsch im Herzen – vernimm ihn, Herr der Menschen.'
Wort für Wort
sa ca taṃ pratyuvācedaṃ dāśarājo mahīpatim jātamātraiva me deyā varāya varavarṇinī hṛdi kāmas tu me kaś cit taṃ nibodha janeśvara
Da erwiderte der Fischerkönig dem Herrscher der Erde: ‚Schon bei ihrer Geburt war sie mir dazu bestimmt, einem würdigen Freier gegeben zu werden, die Holde; doch ich hege einen gewissen Wunsch im Herzen – vernimm ihn, Herr der Menschen.'
śaṃtanur uvāca śrutvā tava varaṃ dāśa vyavasyeyam ahaṃ na vā dātavyaṃ cet pradāsyāmi na tv adeyaṃ kathaṃ cana
Śaṃtanu sprach: ‚Wenn ich deine Bedingung gehört habe, Fischer, werde ich entscheiden, ob ich sie erfülle oder nicht; ist sie zu gewähren, werde ich sie gewähren, doch keinesfalls, was nicht zu gewähren ist.'
Wort für Wort
śaṃtanur uvāca śrutvā tava varaṃ dāśa vyavasyeyam ahaṃ na vā dātavyaṃ cet pradāsyāmi na tv adeyaṃ kathaṃ cana
Śaṃtanu sprach: ‚Wenn ich deine Bedingung gehört habe, Fischer, werde ich entscheiden, ob ich sie erfülle oder nicht; ist sie zu gewähren, werde ich sie gewähren, doch keinesfalls, was nicht zu gewähren ist.'
Der Fischer sprach: ‚Der Sohn, der aus ihr geboren wird, soll König sein, Herr der Erde, nach dir zur Herrschaft geweiht werden – kein anderer, o Fürst.'
Der Fischer sprach: ‚Der Sohn, der aus ihr geboren wird, soll König sein, Herr der Erde, nach dir zur Herrschaft geweiht werden – kein anderer, o Fürst.'
sarvato bhavataḥ kṣemaṃ vidheyāḥ sarvapārthivāḥ tat kimartham ihābhīkṣṇaṃ pariśocasi duḥkhitaḥ dhyāyann iva ca kiṃ rājan nābhibhāṣasi kiṃ cana
‚Von allen Seiten geht es dir wohl, alle Fürsten sind dir gefügig; warum also grämst du dich hier ständig, betrübt, und sprichst, wie in Gedanken versunken, o König, gar nichts?'
Wort für Wort
sarvato bhavataḥ kṣemaṃ vidheyāḥ sarvapārthivāḥ tat kimartham ihābhīkṣṇaṃ pariśocasi duḥkhitaḥ dhyāyann iva ca kiṃ rājan nābhibhāṣasi kiṃ cana
‚Von allen Seiten geht es dir wohl, alle Fürsten sind dir gefügig; warum also grämst du dich hier ständig, betrübt, und sprichst, wie in Gedanken versunken, o König, gar nichts?'
na cāpy ahaṃ vṛthā bhūyo dārān kartum ihotsahe saṃtānasyāvināśāya kāmaye bhadram astu te anapatyataikaputratvam ity āhur dharmavādinaḥ
‚Auch mag ich nicht mehr grundlos eine weitere Ehe eingehen; um des Nichterlöschens der Nachkommenschaft willen begehre ich es dennoch – Heil dir. »Einzelsohnschaft gilt als Kinderlosigkeit«, so sagen die Dharma-Kundigen.'
Wort für Wort
na cāpy ahaṃ vṛthā bhūyo dārān kartum ihotsahe saṃtānasyāvināśāya kāmaye bhadram astu te anapatyataikaputratvam ity āhur dharmavādinaḥ
‚Auch mag ich nicht mehr grundlos eine weitere Ehe eingehen; um des Nichterlöschens der Nachkommenschaft willen begehre ich es dennoch – Heil dir. »Einzelsohnschaft gilt als Kinderlosigkeit«, so sagen die Dharma-Kundigen.'
evam eva manuṣyeṣu syāc ca sarvaprajāsv api yad apatyaṃ mahāprājña tatra me nāsti saṃśayaḥ eṣā trayī purāṇānām uttamānāṃ ca śāśvatī
‚So ist es bei den Menschen, und auch bei allen Geschöpfen: die Nachkommenschaft, o Hochweiser – daran habe ich keinen Zweifel. Dies ist die ewige dreifache Weisheit der Alten und Besten.'
Wort für Wort
evam eva manuṣyeṣu syāc ca sarvaprajāsv api yad apatyaṃ mahāprājña tatra me nāsti saṃśayaḥ eṣā trayī purāṇānām uttamānāṃ ca śāśvatī
‚So ist es bei den Menschen, und auch bei allen Geschöpfen: die Nachkommenschaft, o Hochweiser – daran habe ich keinen Zweifel. Dies ist die ewige dreifache Weisheit der Alten und Besten.'
tvaṃ ca śūraḥ sadāmarṣī śastranityaś ca bhārata nānyatra śastrāt tasmāt te nidhanaṃ vidyate 'nagha
‚Und du bist ein Held, stets unduldsam gegenüber Unrecht, stets den Waffen zugetan, o Bhārata; darum gibt es für dich keinen Tod außer durch die Waffe, du Makelloser.'
Wort für Wort
tvaṃ ca śūraḥ sadāmarṣī śastranityaś ca bhārata nānyatra śastrāt tasmāt te nidhanaṃ vidyate 'nagha
‚Und du bist ein Held, stets unduldsam gegenüber Unrecht, stets den Waffen zugetan, o Bhārata; darum gibt es für dich keinen Tod außer durch die Waffe, du Makelloser.'
abhyagacchat tadaivāśu vṛddhāmātyaṃ pitur hitam tam apṛcchat tadābhyetya pitus tac chokakāraṇam
Er ging alsbald eilends zu einem betagten, seinem Vater wohlgesinnten Minister; ihn befragte er, dort angekommen, nach jenem Grund des Kummers seines Vaters.
Wort für Wort
abhyagacchat tadaivāśu vṛddhāmātyaṃ pitur hitam tam apṛcchat tadābhyetya pitus tac chokakāraṇam
Er ging alsbald eilends zu einem betagten, seinem Vater wohlgesinnten Minister; ihn befragte er, dort angekommen, nach jenem Grund des Kummers seines Vaters.
tvam eva nāthaḥ paryāptaḥ śaṃtanoḥ puruṣarṣabha putraḥ putravatāṃ śreṣṭhaḥ kiṃ nu vakṣyāmi te vacaḥ
‚Du selbst bist ein hinreichender Beschützer für Śaṃtanu, o Stier der Männer, sein Sohn, der Beste der Söhne von Vätern mit Söhnen – was soll ich dir noch sagen?'
Wort für Wort
tvam eva nāthaḥ paryāptaḥ śaṃtanoḥ puruṣarṣabha putraḥ putravatāṃ śreṣṭhaḥ kiṃ nu vakṣyāmi te vacaḥ
‚Du selbst bist ein hinreichender Beschützer für Śaṃtanu, o Stier der Männer, sein Sohn, der Beste der Söhne von Vätern mit Söhnen – was soll ich dir noch sagen?'
apatyaṃ caitad āryasya yo yuṣmākaṃ samo guṇaiḥ yasya śukrāt satyavatī prādurbhūtā yaśasvinī
‚Und dies ist die Nachkommenschaft eines Edlen, der euch an Tugenden gleich ist, aus dessen Samen die ruhmreiche Satyavatī hervorging.'
Wort für Wort
apatyaṃ caitad āryasya yo yuṣmākaṃ samo guṇaiḥ yasya śukrāt satyavatī prādurbhūtā yaśasvinī
‚Und dies ist die Nachkommenschaft eines Edlen, der euch an Tugenden gleich ist, aus dessen Samen die ruhmreiche Satyavatī hervorging.'
[Anm.: Hier wird auf Satyavatīs eigentliche, edle Abstammung angespielt (traditionell: Tochter des Königs Uparicara Vasu, in einem Fisch empfangen) – der Fischerkönig ist nur ihr Pflegevater; die volle Erzählung wird in einem späteren Kapitel nachgeholt.]
asito hy api devarṣiḥ pratyākhyātaḥ purā mayā satyavatyā bhṛśaṃ hy arthī sa āsīd ṛṣisattamaḥ
‚Denn auch der Götterweise Asita wurde von mir einst abgewiesen; er war heftig nach Satyavatī begehrend, jener beste der Seher.'
Wort für Wort
asito hy api devarṣiḥ pratyākhyātaḥ purā mayā satyavatyā bhṛśaṃ hy arthī sa āsīd ṛṣisattamaḥ
‚Denn auch der Götterweise Asita wurde von mir einst abgewiesen; er war heftig nach Satyavatī begehrend, jener beste der Seher.'
[Anm.: Ob dieser Asita mit dem später als Beisitzer bei Janamejayas Schlangenopfer genannten Brahmanen Asita identisch ist, bleibt unklar – möglicherweise ein Namensvetter.]
yasya hi tvaṃ sapatnaḥ syā gandharvasyāsurasya vā na sa jātu sukhaṃ jīvet tvayi kruddhe paraṃtapa
‚Denn wessen Rivale du auch wärest, sei es eines Gandharva oder eines Asura – der könnte niemals glücklich leben, wärst du zornig, o Bezwinger der Feinde.'
Wort für Wort
yasya hi tvaṃ sapatnaḥ syā gandharvasyāsurasya vā na sa jātu sukhaṃ jīvet tvayi kruddhe paraṃtapa
‚Denn wessen Rivale du auch wärest, sei es eines Gandharva oder eines Asura – der könnte niemals glücklich leben, wärst du zornig, o Bezwinger der Feinde.'
idaṃ me matam ādatsva satyaṃ satyavatāṃ vara naiva jāto na vājāta īdṛśaṃ vaktum utsahet
‚Vernimm diese meine Entscheidung, wahrhaftig, du Bester der Wahrhaften: Weder ein Geborener noch ein Ungeborener wird wagen, so etwas wie ich jetzt zu sagen.'
Wort für Wort
idaṃ me matam ādatsva satyaṃ satyavatāṃ vara naiva jāto na vājāta īdṛśaṃ vaktum utsahet
‚Vernimm diese meine Entscheidung, wahrhaftig, du Bester der Wahrhaften: Weder ein Geborener noch ein Ungeborener wird wagen, so etwas wie ich jetzt zu sagen.'
‚Du selbst bist ein hinreichender Beschützer für Śaṃtanu, den unermesslich Glanzvollen, und, o Dharmagesinnter, ein Herr, mächtig, über die Jungfrau zur Vergabe zu bestimmen.'
‚Du selbst bist ein hinreichender Beschützer für Śaṃtanu, den unermesslich Glanzvollen, und, o Dharmagesinnter, ein Herr, mächtig, über die Jungfrau zur Vergabe zu bestimmen.'
nānyathā tan mahābāho saṃśayo 'tra na kaś cana tavāpatyaṃ bhaved yat tu tatra naḥ saṃśayo mahān
‚Nicht anders wird es sein, o Starkarmiger, kein Zweifel besteht hierin; doch ob du selbst Nachkommenschaft haben würdest, darin liegt unser großer Zweifel.'
Wort für Wort
nānyathā tan mahābāho saṃśayo 'tra na kaś cana tavāpatyaṃ bhaved yat tu tatra naḥ saṃśayo mahān
‚Nicht anders wird es sein, o Starkarmiger, kein Zweifel besteht hierin; doch ob du selbst Nachkommenschaft haben würdest, darin liegt unser großer Zweifel.'
devavrata uvāca dāśarāja nibodhedaṃ vacanaṃ me nṛpottama śṛṇvatāṃ bhūmipālānāṃ yad bravīmi pituḥ kṛte
Devavrata sprach: ‚Fischerkönig, vernimm dieses mein Wort, bester der Könige, das ich, während die Erdenherrscher zuhören, um meines Vaters willen spreche.'
Wort für Wort
devavrata uvāca dāśarāja nibodhedaṃ vacanaṃ me nṛpottama śṛṇvatāṃ bhūmipālānāṃ yad bravīmi pituḥ kṛte
Devavrata sprach: ‚Fischerkönig, vernimm dieses mein Wort, bester der Könige, das ich, während die Erdenherrscher zuhören, um meines Vaters willen spreche.'
rājyaṃ tāvat pūrvam eva mayā tyaktaṃ narādhipa apatyahetor api ca karomy eṣa viniścayam
‚Die Königsherrschaft habe ich schon zuvor aufgegeben, o Herrscher der Menschen; auch im Hinblick auf deine Sorge um Nachkommenschaft treffe ich hiermit diesen Entschluss.'
Wort für Wort
rājyaṃ tāvat pūrvam eva mayā tyaktaṃ narādhipa apatyahetor api ca karomy eṣa viniścayam
‚Die Königsherrschaft habe ich schon zuvor aufgegeben, o Herrscher der Menschen; auch im Hinblick auf deine Sorge um Nachkommenschaft treffe ich hiermit diesen Entschluss.'
vaiśaṃpāyana uvāca tasya tad vacanaṃ śrutvā saṃprahṛṣṭatanūruhaḥ dadānīty eva taṃ dāśo dharmātmā pratyabhāṣata
Vaiśaṃpāyana sprach: Als er dieses Wort hörte, mit sich sträubenden Haaren vor Freude, erwiderte ihm der dharmagesinnte Fischer nur: ‚Ich gebe sie dir.'
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tasya tad vacanaṃ śrutvā saṃprahṛṣṭatanūruhaḥ dadānīty eva taṃ dāśo dharmātmā pratyabhāṣata
Vaiśaṃpāyana sprach: Als er dieses Wort hörte, mit sich sträubenden Haaren vor Freude, erwiderte ihm der dharmagesinnte Fischer nur: ‚Ich gebe sie dir.'
Da regneten im Luftraum Apsaras, Götter und Scharen von Sehern Blumen herab und riefen: ‚Dies ist Bhīṣma – der Furchtbare!'
[Anm.: Hier erhält Devavrata seinen berühmteren Namen 'Bhīṣma' (von der Wurzel bhī-, 'Furcht/Ehrfurcht') – wegen des soeben abgelegten, furchtgebietenden Gelübdes lebenslanger Ehelosigkeit und Thronverzichts.]
Als er diese schwer vollbringbare Tat sah, die Bhīṣma vollbracht hatte, gewährte ihm Śaṃtanu, sein Vater, zufrieden, aus eigenem Willen den Tod nach eigenem Belieben.
Als er diese schwer vollbringbare Tat sah, die Bhīṣma vollbracht hatte, gewährte ihm Śaṃtanu, sein Vater, zufrieden, aus eigenem Willen den Tod nach eigenem Belieben.
[Anm.: Dies ist der berühmte Segen des 'svacchandamaraṇa' bzw. 'Icchāmṛtyu' – das Recht, selbst über den Zeitpunkt des eigenen Todes zu bestimmen –, der es Bhīṣma später ermöglicht, auf dem Pfeilbett zu verweilen, bis er selbst zu sterben wählt.]