Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 157: Pūrvajanmakathanam Die Erzählung von der früheren Geburt

Vyāsa besucht die Pāṇḍavas auf ihrer Wanderung und erzählt ihnen die Vorgeschichte, die erklärt, warum Draupadī einst fünf Gatten haben wird: eine tugendhafte, doch durch frühere Taten glücklose Ṛṣi-Tochter erlangte durch strenge Askese die Gunst Śivas und bat ihn, unter dem Eindruck ihrer eigenen sehnsüchtigen Wiederholung, fünfmal um einen Gatten – Śiva gewährte ihr daraufhin, dass sie in einer künftigen Geburt fünf Gatten haben werde. Diese Jungfrau sei nun als Kṛṣṇā (Draupadī) in Drupadas Geschlecht wiedergeboren und für die Pāṇḍavas bestimmt. Vyāsa weist sie an, nach Pāñcāla aufzubrechen, und verabschiedet sich.

vaiśaṃpāyana uvāca vasatsu teṣu pracchannaṃ pāṇḍaveṣu mahātmasu ājagāmātha tān draṣṭuṃ vyāsaḥ satyavatīsutaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Während die hochherzigen Pāṇḍavas verborgen weilten, kam Vyāsa, der Sohn Satyavatīs, um sie zu besuchen.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca vasatsu teṣu pracchannaṃ pāṇḍaveṣu mahātmasu ājagāmātha tān draṣṭuṃ vyāsaḥ satyavatīsutaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: Während die hochherzigen Pāṇḍavas verborgen weilten, kam Vyāsa, der Sohn Satyavatīs, um sie zu besuchen.

tam āgatam abhiprekṣya pratyudgamya paraṃtapāḥ praṇipatyābhivādyainaṃ tasthuḥ prāñjalayas tadā

Ihn, den Angekommenen, erblickend, gingen ihm die Bezwinger der Feinde entgegen, verneigten sich, begrüßten ihn und standen darauf mit gefalteten Händen da.

Wort für Wort
tam āgatam abhiprekṣya pratyudgamya paraṃtapāḥ praṇipatyābhivādyainaṃ tasthuḥ prāñjalayas tadā
Ihn, den Angekommenen, erblickend, gingen ihm die Bezwinger der Feinde entgegen, verneigten sich, begrüßten ihn und standen darauf mit gefalteten Händen da.

samanujñāpya tān sarvān āsīnān munir abravīt prasannaḥ pūjitaḥ pārthaiḥ prītipūrvam idaṃ vacaḥ

Nachdem er ihnen allen erlaubt hatte, sich zu setzen, sprach der Muni, zufrieden, von den Pārthas geehrt, liebevoll dieses Wort:

Wort für Wort
samanujñāpya tān sarvān āsīnān munir abravīt prasannaḥ pūjitaḥ pārthaiḥ prītipūrvam idaṃ vacaḥ
Nachdem er ihnen allen erlaubt hatte, sich zu setzen, sprach der Muni, zufrieden, von den Pārthas geehrt, liebevoll dieses Wort:

api dharmeṇa vartadhvaṃ śāstreṇa ca paraṃtapāḥ api vipreṣu vaḥ pūjā pūjārheṣu na hīyate

‚Lebt ihr wohl gemäß dem Dharma und der Lehre, ihr Bezwinger der Feinde? Bleibt eure Verehrung der ehrwürdigen Brahmanen ungeschmälert?'

Wort für Wort
api dharmeṇa vartadhvaṃ śāstreṇa ca paraṃtapāḥ api vipreṣu vaḥ pūjā pūjārheṣu na hīyate
‚Lebt ihr wohl gemäß dem Dharma und der Lehre, ihr Bezwinger der Feinde? Bleibt eure Verehrung der ehrwürdigen Brahmanen ungeschmälert?'

atha dharmārthavad vākyam uktvā sa bhagavān ṛṣiḥ vicitrāś ca kathās tās tāḥ punar evedam abravīt

Nachdem er, der erhabene Ṛṣi, so ein Wort voll Dharma und Nutzen gesprochen und mancherlei bunte Geschichten erzählt hatte, sprach er darauf wiederum dies:

Wort für Wort
atha dharmārthavad vākyam uktvā sa bhagavān ṛṣiḥ vicitrāś ca kathās tās tāḥ punar evedam abravīt
Nachdem er, der erhabene Ṛṣi, so ein Wort voll Dharma und Nutzen gesprochen und mancherlei bunte Geschichten erzählt hatte, sprach er darauf wiederum dies:

āsīt tapovane kā cid ṛṣeḥ kanyā mahātmanaḥ vilagnamadhyā suśroṇī subhrūḥ sarvaguṇānvitā

‚Es lebte einst in einem Büßerhain die Tochter eines hochherzigen Ṛṣi, von schlanker Taille, schönen Hüften, schönen Brauen, mit allen guten Eigenschaften versehen.'

Wort für Wort
āsīt tapovane kā cid ṛṣeḥ kanyā mahātmanaḥ vilagnamadhyā suśroṇī subhrūḥ sarvaguṇānvitā
‚Es lebte einst in einem Büßerhain die Tochter eines hochherzigen Ṛṣi, von schlanker Taille, schönen Hüften, schönen Brauen, mit allen guten Eigenschaften versehen.'

karmabhiḥ svakṛtaiḥ sā tu durbhagā samapadyata nādhyagacchat patiṃ sā tu kanyā rūpavatī satī

‚Doch durch ihre eigenen früheren Taten wurde sie unglücklich; keinen Gatten fand diese Jungfrau, obwohl sie schön und tugendhaft war.'

Wort für Wort
karmabhiḥ svakṛtaiḥ sā tu durbhagā samapadyata nādhyagacchat patiṃ sā tu kanyā rūpavatī satī
‚Doch durch ihre eigenen früheren Taten wurde sie unglücklich; keinen Gatten fand diese Jungfrau, obwohl sie schön und tugendhaft war.'

tapas taptum athārebhe patyartham asukhā tataḥ toṣayām āsa tapasā sā kilogreṇa śaṃkaram

‚Da begann sie, unglücklich, Askese zu üben, um eines Gatten willen, und erfreute, so heißt es, durch furchtbare Askese den Śaṃkara.'

Wort für Wort
tapas taptum athārebhe patyartham asukhā tataḥ toṣayām āsa tapasā sā kilogreṇa śaṃkaram
‚Da begann sie, unglücklich, Askese zu üben, um eines Gatten willen, und erfreute, so heißt es, durch furchtbare Askese den Śaṃkara.'

tasyāḥ sa bhagavāṃs tuṣṭas tām uvāca tapasvinīm varaṃ varaya bhadraṃ te varado 'smīti bhāmini

‚Er, der erhabene Gott, mit ihr zufrieden, sprach zu jener Büßerin: ‚Erbitte dir eine Gabe, Heil dir, ich bin ein Gabenspender, o Holde.''

Wort für Wort
tasyāḥ sa bhagavāṃs tuṣṭas tām uvāca tapasvinīm varaṃ varaya bhadraṃ te varado 'smīti bhāmini
‚Er, der erhabene Gott, mit ihr zufrieden, sprach zu jener Büßerin: ‚Erbitte dir eine Gabe, Heil dir, ich bin ein Gabenspender, o Holde.''

atheśvaram uvācedam ātmanaḥ sā vaco hitam patiṃ sarvaguṇopetam icchāmīti punaḥ punaḥ

‚Da sprach sie zum Herrn dieses ihr selbst zuträgliche Wort: ‚Einen mit allen guten Eigenschaften versehenen Gatten wünsche ich mir' – immer wieder sprach sie es.'

Wort für Wort
atheśvaram uvācedam ātmanaḥ sā vaco hitam patiṃ sarvaguṇopetam icchāmīti punaḥ punaḥ
‚Da sprach sie zum Herrn dieses ihr selbst zuträgliche Wort: ‚Einen mit allen guten Eigenschaften versehenen Gatten wünsche ich mir' – immer wieder sprach sie es.'

tām atha pratyuvācedam īśāno vadatāṃ varaḥ pañca te patayo bhadre bhaviṣyantīti śaṃkaraḥ

‚Ihr erwiderte da der Herr, der Beste der Redner, dies: ‚Fünf Gatten wirst du haben, Holde' – so sprach Śaṃkara.'

Wort für Wort
tām atha pratyuvācedam īśāno vadatāṃ varaḥ pañca te patayo bhadre bhaviṣyantīti śaṃkaraḥ
‚Ihr erwiderte da der Herr, der Beste der Redner, dies: ‚Fünf Gatten wirst du haben, Holde' – so sprach Śaṃkara.'

pratibruvantīm ekaṃ me patiṃ dehīti śaṃkaram punar evābravīd deva idaṃ vacanam uttamam

‚Als sie ihm erwiderte: ‚Gib mir einen einzigen Gatten', sprach der Gott Śaṃkara abermals dieses vortreffliche Wort:'

Wort für Wort
pratibruvantīm ekaṃ me patiṃ dehīti śaṃkaram punar evābravīd deva idaṃ vacanam uttamam
‚Als sie ihm erwiderte: ‚Gib mir einen einzigen Gatten', sprach der Gott Śaṃkara abermals dieses vortreffliche Wort:'

pañcakṛtvas tvayā uktaḥ patiṃ dehīty ahaṃ punaḥ deham anyaṃ gatāyās te yathoktaṃ tad bhaviṣyati

‚Fünfmal hast du zu mir gesagt: ‚Gib mir einen Gatten' – dies wird sich, wenn du einen anderen Leib erlangt hast, so wie gesprochen erfüllen.'

Wort für Wort
pañcakṛtvas tvayā uktaḥ patiṃ dehīty ahaṃ punaḥ deham anyaṃ gatāyās te yathoktaṃ tad bhaviṣyati
‚Fünfmal hast du zu mir gesagt: ‚Gib mir einen Gatten' – dies wird sich, wenn du einen anderen Leib erlangt hast, so wie gesprochen erfüllen.'

drupadasya kule jātā kanyā sā devarūpiṇī nirdiṣṭā bhavatāṃ patnī kṛṣṇā pārṣaty aninditā

‚In Drupadas Geschlecht geboren, jene Jungfrau von göttlicher Gestalt, ist als eure Gattin bestimmt: Kṛṣṇā, die Tochter des Pṛṣata-Sohnes, die Untadelige.'

Wort für Wort
drupadasya kule jātā kanyā sā devarūpiṇī nirdiṣṭā bhavatāṃ patnī kṛṣṇā pārṣaty aninditā
‚In Drupadas Geschlecht geboren, jene Jungfrau von göttlicher Gestalt, ist als eure Gattin bestimmt: Kṛṣṇā, die Tochter des Pṛṣata-Sohnes, die Untadelige.'

pāñcālanagaraṃ tasmāt praviśadhvaṃ mahābalāḥ sukhinas tām anuprāpya bhaviṣyatha na saṃśayaḥ

‚Zieht deshalb in die Stadt der Pāñcālas ein, ihr überaus Starken; glücklich werdet ihr sein, nachdem ihr sie erlangt habt, ohne Zweifel.'

Wort für Wort
pāñcālanagaraṃ tasmāt praviśadhvaṃ mahābalāḥ sukhinas tām anuprāpya bhaviṣyatha na saṃśayaḥ
‚Zieht deshalb in die Stadt der Pāñcālas ein, ihr überaus Starken; glücklich werdet ihr sein, nachdem ihr sie erlangt habt, ohne Zweifel.'

evam uktvā mahābhāgaḥ pāṇḍavānāṃ pitāmahaḥ pārthān āmantrya kuntīṃ ca prātiṣṭhata mahātapāḥ

So sprechend, verabschiedete sich der hochgesegnete Urgroßvater der Pāṇḍavas, von gewaltiger Askese, von den Pārthas und Kuntī und zog fort.

Wort für Wort
evam uktvā mahābhāgaḥ pāṇḍavānāṃ pitāmahaḥ pārthān āmantrya kuntīṃ ca prātiṣṭhata mahātapāḥ
So sprechend, verabschiedete sich der hochgesegnete Urgroßvater der Pāṇḍavas, von gewaltiger Askese, von den Pārthas und Kuntī und zog fort.

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