Kapitel 73: Devayānī-Śarmiṣṭhā-Vivādaḥ
Der Streit zwischen Devayānī und Śarmiṣṭhā
Nach Kacas Rückkehr sendet Indra als Wind die Gewänder badender Mädchen durcheinander; Śarmiṣṭhā, Vṛṣaparvans Tochter, greift versehentlich Devayānīs Kleid und wird von ihr als 'Tochter eines Bittstellers' beleidigt, woraufhin Śarmiṣṭhā sie in einen Brunnen wirft. König Yayāti, Nahuṣas Sohn, findet und rettet Devayānī; ihre Dienerin Ghūrṇikā alarmiert Śukra, der seine Tochter tröstet und ihr versichert, ihre eigentliche Würde stehe über jener der Daitya-Königstochter - Vorspiel zum bevorstehenden Konflikt zwischen Śukra und Vṛṣaparvan.
Vaiśaṃpāyana sprach: »Als Kaca, sein Wissen vollendet, angekommen war, wurden die Himmelsbewohner freudig; sie hatten von Kaca dieses Wissen erlernt und waren nun am Ziel, o Stier der Bharatas.
Vaiśaṃpāyana sprach: »Als Kaca, sein Wissen vollendet, angekommen war, wurden die Himmelsbewohner freudig; sie hatten von Kaca dieses Wissen erlernt und waren nun am Ziel, o Stier der Bharatas.
sarva eva samāgamya śatakratum athābruvan kālas te vikramasyādya jahi śatrūn puraṃdara
Alle versammelten sich und sprachen dann zu Śatakratu (Indra): ›Jetzt ist deine Zeit zur Tapferkeit gekommen - erschlage heute die Feinde, o Puraṃdara!‹
Wort für Wort
sarva eva samāgamya śatakratum athābruvan kālas te vikramasyādya jahi śatrūn puraṃdara
Alle versammelten sich und sprachen dann zu Śatakratu (Indra): ›Jetzt ist deine Zeit zur Tapferkeit gekommen - erschlage heute die Feinde, o Puraṃdara!‹
Dann, aus dem Wasser gemeinsam aufgestiegen, nahmen die Mädchen jene Gewänder, ein jedes das ihr zunächst liegende, in vielen Fällen [nicht das eigene].
Dann, aus dem Wasser gemeinsam aufgestiegen, nahmen die Mädchen jene Gewänder, ein jedes das ihr zunächst liegende, in vielen Fällen [nicht das eigene].
devayāny uvāca kasmād gṛhṇāsi me vastraṃ śiṣyā bhūtvā mamāsuri samudācārahīnāyā na te śreyo bhaviṣyati
Devayānī sprach: ›Warum nimmst du mein Gewand, da du doch meine Schülerin bist, du Asurī? Dir, der guten Sitte Entbehrenden, wird kein Heil widerfahren.‹
Wort für Wort
devayāny uvāca kasmād gṛhṇāsi me vastraṃ śiṣyā bhūtvā mamāsuri samudācārahīnāyā na te śreyo bhaviṣyati
Devayānī sprach: ›Warum nimmst du mein Gewand, da du doch meine Schülerin bist, du Asurī? Dir, der guten Sitte Entbehrenden, wird kein Heil widerfahren.‹
yācatas tvaṃ hi duhitā stuvataḥ pratigṛhṇataḥ sutāhaṃ stūyamānasya dadato 'pratigṛhṇataḥ
Du bist die Tochter eines Bittstellers, eines Lobpreisers, eines Empfängers [von Gaben]; ich bin die Tochter dessen, der gepriesen wird, der gibt, der nicht empfängt.
Wort für Wort
yācatas tvaṃ hi duhitā stuvataḥ pratigṛhṇataḥ sutāhaṃ stūyamānasya dadato 'pratigṛhṇataḥ
Du bist die Tochter eines Bittstellers, eines Lobpreisers, eines Empfängers [von Gaben]; ich bin die Tochter dessen, der gepriesen wird, der gibt, der nicht empfängt.
anāyudhā sāyudhāyā riktā kṣubhyasi bhikṣuki lapsyase pratiyoddhāraṃ na hi tvāṃ gaṇayāmy aham
Waffenlos gegen die Bewaffnete, mittellos, erregst du dich, du Bettlerin! Du wirst eine Gegnerin finden, die dir standhält - ich jedenfalls zähle dich nicht.‹
Wort für Wort
anāyudhā sāyudhāyā riktā kṣubhyasi bhikṣuki lapsyase pratiyoddhāraṃ na hi tvāṃ gaṇayāmy aham
Waffenlos gegen die Bewaffnete, mittellos, erregst du dich, du Bettlerin! Du wirst eine Gegnerin finden, die dir standhält - ich jedenfalls zähle dich nicht.‹
Vaiśaṃpāyana sprach: »Devayānī, die in Hochmut verfallen und am Streit um das Gewand festhielt, warf Śarmiṣṭhā in einen Brunnen; dann ging sie in ihre eigene Stadt.
Vaiśaṃpāyana sprach: »Devayānī, die in Hochmut verfallen und am Streit um das Gewand festhielt, warf Śarmiṣṭhā in einen Brunnen; dann ging sie in ihre eigene Stadt.
sa nāhuṣaḥ prekṣamāṇa udapānaṃ gatodakam dadarśa kanyāṃ tāṃ tatra dīptām agniśikhām iva
Er, der Sohn des Nahuṣa, der zu einem Brunnen ging, um Wasser zu holen [?], sah dort jene Jungfrau, leuchtend wie eine Feuerflamme.
Wort für Wort
sa nāhuṣaḥ prekṣamāṇa udapānaṃ gatodakam dadarśa kanyāṃ tāṃ tatra dīptām agniśikhām iva
Er, der Sohn des Nahuṣa, der zu einem Brunnen ging, um Wasser zu holen [?], sah dort jene Jungfrau, leuchtend wie eine Feuerflamme.
[Anm.: 'udapānaṃ gatodakam' ist unklar - wörtlich etwa 'ein Wasserloch, zu dem das Wasser gegangen ist' bzw. 'zu dem er wegen Wasser ging'; hier sinngemäß als sein Aufsuchen des Brunnens gedeutet.
tām apṛcchat sa dṛṣṭvaiva kanyām amaravarṇinīm sāntvayitvā nṛpaśreṣṭhaḥ sāmnā paramavalgunā
Kaum hatte er die Jungfrau von götterhaftem Aussehen erblickt, fragte er sie, nachdem er sie, der Beste der Könige, mit überaus sanften, freundlichen Worten beruhigt hatte.
Wort für Wort
tām apṛcchat sa dṛṣṭvaiva kanyām amaravarṇinīm sāntvayitvā nṛpaśreṣṭhaḥ sāmnā paramavalgunā
Kaum hatte er die Jungfrau von götterhaftem Aussehen erblickt, fragte er sie, nachdem er sie, der Beste der Könige, mit überaus sanften, freundlichen Worten beruhigt hatte.
›Wer bist du, mit kupferfarbenen Nägeln, dunkelhäutig, mit blankpolierten Juwelenohrringen? Warum sinnst du so lang und so heftig nach, und warum seufzt du, so bekümmert?
›Wer bist du, mit kupferfarbenen Nägeln, dunkelhäutig, mit blankpolierten Juwelenohrringen? Warum sinnst du so lang und so heftig nach, und warum seufzt du, so bekümmert?
kathaṃ ca patitāsy asmin kūpe vīruttṛṇāvṛte duhitā caiva kasya tvaṃ vada sarvaṃ sumadhyame
Und wie bist du in diesen Brunnen gefallen, der von Schlingpflanzen und Gras überwuchert ist? Und wessen Tochter bist du - sag mir alles, du Schlankhüftige!‹
Wort für Wort
kathaṃ ca patitāsy asmin kūpe vīruttṛṇāvṛte duhitā caiva kasya tvaṃ vada sarvaṃ sumadhyame
Und wie bist du in diesen Brunnen gefallen, der von Schlingpflanzen und Gras überwuchert ist? Und wessen Tochter bist du - sag mir alles, du Schlankhüftige!‹
devayāny uvāca yo 'sau devair hatān daityān utthāpayati vidyayā tasya śukrasya kanyāhaṃ sa māṃ nūnaṃ na budhyate
Devayānī sprach: ›Der, der die von den Göttern erschlagenen Daityas durch sein Wissen wiederbelebt - dessen, des Śukra, Tochter bin ich; er weiß gewiss nichts von mir [von meiner Lage].
Wort für Wort
devayāny uvāca yo 'sau devair hatān daityān utthāpayati vidyayā tasya śukrasya kanyāhaṃ sa māṃ nūnaṃ na budhyate
Devayānī sprach: ›Der, der die von den Göttern erschlagenen Daityas durch sein Wissen wiederbelebt - dessen, des Śukra, Tochter bin ich; er weiß gewiss nichts von mir [von meiner Lage].
Nachdem er sie rasch aus jenem Brunnen gezogen hatte, verabschiedete sich der Herrscher der Menschen, Yayāti, von der Schönhüftigen und ging in seine eigene Stadt.
Nachdem er sie rasch aus jenem Brunnen gezogen hatte, verabschiedete sich der Herrscher der Menschen, Yayāti, von der Schönhüftigen und ging in seine eigene Stadt.
vaiśaṃpāyana uvāca sā tu vai tvaritaṃ gatvā ghūrṇikāsuramandiram dṛṣṭvā kāvyam uvācedaṃ saṃbhramāviṣṭacetanā
Vaiśaṃpāyana sprach: »Sie, Ghūrṇikā, eilte rasch zum Palast des Asura, und als sie Kāvya (Śukra) erblickte, sprach sie dies, ihr Sinn von Aufregung ergriffen:
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca sā tu vai tvaritaṃ gatvā ghūrṇikāsuramandiram dṛṣṭvā kāvyam uvācedaṃ saṃbhramāviṣṭacetanā
Vaiśaṃpāyana sprach: »Sie, Ghūrṇikā, eilte rasch zum Palast des Asura, und als sie Kāvya (Śukra) erblickte, sprach sie dies, ihr Sinn von Aufregung ergriffen:
devayāny uvāca niṣkṛtir me 'stu vā māstu śṛṇuṣvāvahito mama śarmiṣṭhayā yad uktāsmi duhitrā vṛṣaparvaṇaḥ satyaṃ kilaitat sā prāha daityānām asi gāyanaḥ
Devayānī sprach: ›Ob es Vergeltung für mich sei oder nicht - höre aufmerksam, was mir von Śarmiṣṭhā, der Tochter des Vṛṣaparvan, gesagt wurde: »Dies ist wahrlich wahr«, sprach sie, »du bist der Lobsänger der Daityas«.
Wort für Wort
devayāny uvāca niṣkṛtir me 'stu vā māstu śṛṇuṣvāvahito mama śarmiṣṭhayā yad uktāsmi duhitrā vṛṣaparvaṇaḥ satyaṃ kilaitat sā prāha daityānām asi gāyanaḥ
Devayānī sprach: ›Ob es Vergeltung für mich sei oder nicht - höre aufmerksam, was mir von Śarmiṣṭhā, der Tochter des Vṛṣaparvan, gesagt wurde: »Dies ist wahrlich wahr«, sprach sie, »du bist der Lobsänger der Daityas«.
stuvato duhitā hi tvaṃ yācataḥ pratigṛhṇataḥ sutāhaṃ stūyamānasya dadato 'pratigṛhṇataḥ
»Du bist die Tochter eines Lobpreisers, eines Bittstellers, eines Empfängers; ich bin die Tochter dessen, der gepriesen wird, der gibt, der nicht empfängt.
Wort für Wort
stuvato duhitā hi tvaṃ yācataḥ pratigṛhṇataḥ sutāhaṃ stūyamānasya dadato 'pratigṛhṇataḥ
»Du bist die Tochter eines Lobpreisers, eines Bittstellers, eines Empfängers; ich bin die Tochter dessen, der gepriesen wird, der gibt, der nicht empfängt.
›Wenn ich, Vater, [wirklich nur] die Tochter eines Lobpreisers und Empfängers bin, dann werde ich Śarmiṣṭhā besänftigen‹ - so habe ich zu meiner [einstigen] Freundin gesprochen.‹
›Wenn ich, Vater, [wirklich nur] die Tochter eines Lobpreisers und Empfängers bin, dann werde ich Śarmiṣṭhā besänftigen‹ - so habe ich zu meiner [einstigen] Freundin gesprochen.‹
[Anm.: Verschachtelte Redewiedergabe - Devayānī berichtet hier ihre eigene, trotzige Erwiderung an Śarmiṣṭhā.
śukra uvāca stuvato duhitā na tvaṃ bhadre na pratigṛhṇataḥ astotuḥ stūyamānasya duhitā devayāny asi
Śukra sprach: ›Du bist nicht, du Gute, die Tochter eines Lobpreisers, noch eines Empfängers; du bist die Tochter dessen, der nicht preist, sondern gepriesen wird, Devayānī.
Wort für Wort
śukra uvāca stuvato duhitā na tvaṃ bhadre na pratigṛhṇataḥ astotuḥ stūyamānasya duhitā devayāny asi
Śukra sprach: ›Du bist nicht, du Gute, die Tochter eines Lobpreisers, noch eines Empfängers; du bist die Tochter dessen, der nicht preist, sondern gepriesen wird, Devayānī.
vṛṣaparvaiva tad veda śakro rājā ca nāhuṣaḥ acintyaṃ brahma nirdvandvam aiśvaraṃ hi balaṃ mama
Das weiß Vṛṣaparvan selbst, Śakra (Indra) und König Nāhuṣa (Yayāti): unfassbar ist die brahmanische Macht, gegensatzlos, herrschaftlich ist meine Kraft.‹«
Wort für Wort
vṛṣaparvaiva tad veda śakro rājā ca nāhuṣaḥ acintyaṃ brahma nirdvandvam aiśvaraṃ hi balaṃ mama
Das weiß Vṛṣaparvan selbst, Śakra (Indra) und König Nāhuṣa (Yayāti): unfassbar ist die brahmanische Macht, gegensatzlos, herrschaftlich ist meine Kraft.‹«