Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 73: Devayānī-Śarmiṣṭhā-Vivādaḥ Der Streit zwischen Devayānī und Śarmiṣṭhā

Nach Kacas Rückkehr sendet Indra als Wind die Gewänder badender Mädchen durcheinander; Śarmiṣṭhā, Vṛṣaparvans Tochter, greift versehentlich Devayānīs Kleid und wird von ihr als 'Tochter eines Bittstellers' beleidigt, woraufhin Śarmiṣṭhā sie in einen Brunnen wirft. König Yayāti, Nahuṣas Sohn, findet und rettet Devayānī; ihre Dienerin Ghūrṇikā alarmiert Śukra, der seine Tochter tröstet und ihr versichert, ihre eigentliche Würde stehe über jener der Daitya-Königstochter - Vorspiel zum bevorstehenden Konflikt zwischen Śukra und Vṛṣaparvan.

vaiśaṃpāyana uvāca kṛtavidye kace prāpte hṛṣṭarūpā divaukasaḥ kacād adhītya tāṃ vidyāṃ kṛtārthā bharatarṣabha

Vaiśaṃpāyana sprach: »Als Kaca, sein Wissen vollendet, angekommen war, wurden die Himmelsbewohner freudig; sie hatten von Kaca dieses Wissen erlernt und waren nun am Ziel, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca kṛtavidye kace prāpte hṛṣṭarūpā divaukasaḥ kacād adhītya tāṃ vidyāṃ kṛtārthā bharatarṣabha
Vaiśaṃpāyana sprach: »Als Kaca, sein Wissen vollendet, angekommen war, wurden die Himmelsbewohner freudig; sie hatten von Kaca dieses Wissen erlernt und waren nun am Ziel, o Stier der Bharatas.

sarva eva samāgamya śatakratum athābruvan kālas te vikramasyādya jahi śatrūn puraṃdara

Alle versammelten sich und sprachen dann zu Śatakratu (Indra): ›Jetzt ist deine Zeit zur Tapferkeit gekommen - erschlage heute die Feinde, o Puraṃdara!‹

Wort für Wort
sarva eva samāgamya śatakratum athābruvan kālas te vikramasyādya jahi śatrūn puraṃdara
Alle versammelten sich und sprachen dann zu Śatakratu (Indra): ›Jetzt ist deine Zeit zur Tapferkeit gekommen - erschlage heute die Feinde, o Puraṃdara!‹

evam uktas tu sahitais tridaśair maghavāṃs tadā tathety uktvopacakrāma so 'paśyata vane striyaḥ

So von den versammelten Dreißig (Göttern) angesprochen, sagte Maghavan (Indra) daraufhin ›So sei es‹ und brach auf; er sah Frauen in einem Wald.

Wort für Wort
evam uktas tu sahitais tridaśair maghavāṃs tadā tathety uktvopacakrāma so 'paśyata vane striyaḥ
So von den versammelten Dreißig (Göttern) angesprochen, sagte Maghavan (Indra) daraufhin ›So sei es‹ und brach auf; er sah Frauen in einem Wald.

krīḍantīnāṃ tu kanyānāṃ vane caitrarathopame vāyubhūtaḥ sa vastrāṇi sarvāṇy eva vyamiśrayat

Von den spielenden Mädchen in einem dem Caitraratha-Wald gleichenden Hain, wurde er zum Wind und vermischte all ihre Gewänder miteinander.

Wort für Wort
krīḍantīnāṃ tu kanyānāṃ vane caitrarathopame vāyubhūtaḥ sa vastrāṇi sarvāṇy eva vyamiśrayat
Von den spielenden Mädchen in einem dem Caitraratha-Wald gleichenden Hain, wurde er zum Wind und vermischte all ihre Gewänder miteinander.

tato jalāt samuttīrya kanyās tāḥ sahitās tadā vastrāṇi jagṛhus tāni yathāsannāny anekaśaḥ

Dann, aus dem Wasser gemeinsam aufgestiegen, nahmen die Mädchen jene Gewänder, ein jedes das ihr zunächst liegende, in vielen Fällen [nicht das eigene].

Wort für Wort
tato jalāt samuttīrya kanyās tāḥ sahitās tadā vastrāṇi jagṛhus tāni yathāsannāny anekaśaḥ
Dann, aus dem Wasser gemeinsam aufgestiegen, nahmen die Mädchen jene Gewänder, ein jedes das ihr zunächst liegende, in vielen Fällen [nicht das eigene].

tatra vāso devayānyāḥ śarmiṣṭhā jagṛhe tadā vyatimiśram ajānantī duhitā vṛṣaparvaṇaḥ

Dort nahm Śarmiṣṭhā, die Tochter des Vṛṣaparvan, das Gewand der Devayānī, ohne zu wissen, dass es vertauscht war.

Wort für Wort
tatra vāso devayānyāḥ śarmiṣṭhā jagṛhe tadā vyatimiśram ajānantī duhitā vṛṣaparvaṇaḥ
Dort nahm Śarmiṣṭhā, die Tochter des Vṛṣaparvan, das Gewand der Devayānī, ohne zu wissen, dass es vertauscht war.

tatas tayor mithas tatra virodhaḥ samajāyata devayānyāś ca rājendra śarmiṣṭhāyāś ca tatkṛte

Da entstand zwischen den beiden deswegen ein Streit, o Herrscher der Könige, zwischen Devayānī und Śarmiṣṭhā.

Wort für Wort
tatas tayor mithas tatra virodhaḥ samajāyata devayānyāś ca rājendra śarmiṣṭhāyāś ca tatkṛte
Da entstand zwischen den beiden deswegen ein Streit, o Herrscher der Könige, zwischen Devayānī und Śarmiṣṭhā.

devayāny uvāca kasmād gṛhṇāsi me vastraṃ śiṣyā bhūtvā mamāsuri samudācārahīnāyā na te śreyo bhaviṣyati

Devayānī sprach: ›Warum nimmst du mein Gewand, da du doch meine Schülerin bist, du Asurī? Dir, der guten Sitte Entbehrenden, wird kein Heil widerfahren.‹

Wort für Wort
devayāny uvāca kasmād gṛhṇāsi me vastraṃ śiṣyā bhūtvā mamāsuri samudācārahīnāyā na te śreyo bhaviṣyati
Devayānī sprach: ›Warum nimmst du mein Gewand, da du doch meine Schülerin bist, du Asurī? Dir, der guten Sitte Entbehrenden, wird kein Heil widerfahren.‹

śarmiṣṭhovāca āsīnaṃ ca śayānaṃ ca pitā te pitaraṃ mama stauti vandati cābhīkṣṇaṃ nīcaiḥ sthitvā vinītavat

Śarmiṣṭhā sprach: ›Dein Vater preist und verehrt beständig meinen Vater, ob sitzend oder liegend, indem er sich niedrig stellt wie ein Unterwürfiger.

Wort für Wort
śarmiṣṭhovāca āsīnaṃ ca śayānaṃ ca pitā te pitaraṃ mama stauti vandati cābhīkṣṇaṃ nīcaiḥ sthitvā vinītavat
Śarmiṣṭhā sprach: ›Dein Vater preist und verehrt beständig meinen Vater, ob sitzend oder liegend, indem er sich niedrig stellt wie ein Unterwürfiger.

yācatas tvaṃ hi duhitā stuvataḥ pratigṛhṇataḥ sutāhaṃ stūyamānasya dadato 'pratigṛhṇataḥ

Du bist die Tochter eines Bittstellers, eines Lobpreisers, eines Empfängers [von Gaben]; ich bin die Tochter dessen, der gepriesen wird, der gibt, der nicht empfängt.

Wort für Wort
yācatas tvaṃ hi duhitā stuvataḥ pratigṛhṇataḥ sutāhaṃ stūyamānasya dadato 'pratigṛhṇataḥ
Du bist die Tochter eines Bittstellers, eines Lobpreisers, eines Empfängers [von Gaben]; ich bin die Tochter dessen, der gepriesen wird, der gibt, der nicht empfängt.

anāyudhā sāyudhāyā riktā kṣubhyasi bhikṣuki lapsyase pratiyoddhāraṃ na hi tvāṃ gaṇayāmy aham

Waffenlos gegen die Bewaffnete, mittellos, erregst du dich, du Bettlerin! Du wirst eine Gegnerin finden, die dir standhält - ich jedenfalls zähle dich nicht.‹

Wort für Wort
anāyudhā sāyudhāyā riktā kṣubhyasi bhikṣuki lapsyase pratiyoddhāraṃ na hi tvāṃ gaṇayāmy aham
Waffenlos gegen die Bewaffnete, mittellos, erregst du dich, du Bettlerin! Du wirst eine Gegnerin finden, die dir standhält - ich jedenfalls zähle dich nicht.‹

vaiśaṃpāyana uvāca samucchrayaṃ devayānīṃ gatāṃ saktāṃ ca vāsasi śarmiṣṭhā prākṣipat kūpe tataḥ svapuram āvrajat

Vaiśaṃpāyana sprach: »Devayānī, die in Hochmut verfallen und am Streit um das Gewand festhielt, warf Śarmiṣṭhā in einen Brunnen; dann ging sie in ihre eigene Stadt.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca samucchrayaṃ devayānīṃ gatāṃ saktāṃ ca vāsasi śarmiṣṭhā prākṣipat kūpe tataḥ svapuram āvrajat
Vaiśaṃpāyana sprach: »Devayānī, die in Hochmut verfallen und am Streit um das Gewand festhielt, warf Śarmiṣṭhā in einen Brunnen; dann ging sie in ihre eigene Stadt.

hateyam iti vijñāya śarmiṣṭhā pāpaniścayā anavekṣya yayau veśma krodhavegaparāyaṇā

In dem Gedanken ›Sie ist tot‹ ging Śarmiṣṭhā, von bösem Entschluss, ohne sich umzusehen, nach Hause, ganz der Wucht ihres Zorns hingegeben.

Wort für Wort
hateyam iti vijñāya śarmiṣṭhā pāpaniścayā anavekṣya yayau veśma krodhavegaparāyaṇā
In dem Gedanken ›Sie ist tot‹ ging Śarmiṣṭhā, von bösem Entschluss, ohne sich umzusehen, nach Hause, ganz der Wucht ihres Zorns hingegeben.

atha taṃ deśam abhyāgād yayātir nahuṣātmajaḥ śrāntayugyaḥ śrāntahayo mṛgalipsuḥ pipāsitaḥ

Da kam an jenen Ort Yayāti, der Sohn des Nahuṣa, mit erschöpftem Gespann, erschöpften Pferden, auf der Suche nach Wild, durstig.

Wort für Wort
atha taṃ deśam abhyāgād yayātir nahuṣātmajaḥ śrāntayugyaḥ śrāntahayo mṛgalipsuḥ pipāsitaḥ
Da kam an jenen Ort Yayāti, der Sohn des Nahuṣa, mit erschöpftem Gespann, erschöpften Pferden, auf der Suche nach Wild, durstig.

sa nāhuṣaḥ prekṣamāṇa udapānaṃ gatodakam dadarśa kanyāṃ tāṃ tatra dīptām agniśikhām iva

Er, der Sohn des Nahuṣa, der zu einem Brunnen ging, um Wasser zu holen [?], sah dort jene Jungfrau, leuchtend wie eine Feuerflamme.

Wort für Wort
sa nāhuṣaḥ prekṣamāṇa udapānaṃ gatodakam dadarśa kanyāṃ tāṃ tatra dīptām agniśikhām iva
Er, der Sohn des Nahuṣa, der zu einem Brunnen ging, um Wasser zu holen [?], sah dort jene Jungfrau, leuchtend wie eine Feuerflamme.

[Anm.: 'udapānaṃ gatodakam' ist unklar - wörtlich etwa 'ein Wasserloch, zu dem das Wasser gegangen ist' bzw. 'zu dem er wegen Wasser ging'; hier sinngemäß als sein Aufsuchen des Brunnens gedeutet.

tām apṛcchat sa dṛṣṭvaiva kanyām amaravarṇinīm sāntvayitvā nṛpaśreṣṭhaḥ sāmnā paramavalgunā

Kaum hatte er die Jungfrau von götterhaftem Aussehen erblickt, fragte er sie, nachdem er sie, der Beste der Könige, mit überaus sanften, freundlichen Worten beruhigt hatte.

Wort für Wort
tām apṛcchat sa dṛṣṭvaiva kanyām amaravarṇinīm sāntvayitvā nṛpaśreṣṭhaḥ sāmnā paramavalgunā
Kaum hatte er die Jungfrau von götterhaftem Aussehen erblickt, fragte er sie, nachdem er sie, der Beste der Könige, mit überaus sanften, freundlichen Worten beruhigt hatte.

kā tvaṃ tāmranakhī śyāmā sumṛṣṭamaṇikuṇḍalā dīrghaṃ dhyāyasi cātyarthaṃ kasmāc chvasiṣi cāturā

›Wer bist du, mit kupferfarbenen Nägeln, dunkelhäutig, mit blankpolierten Juwelenohrringen? Warum sinnst du so lang und so heftig nach, und warum seufzt du, so bekümmert?

Wort für Wort
kā tvaṃ tāmranakhī śyāmā sumṛṣṭamaṇikuṇḍalā dīrghaṃ dhyāyasi cātyarthaṃ kasmāc chvasiṣi cāturā
›Wer bist du, mit kupferfarbenen Nägeln, dunkelhäutig, mit blankpolierten Juwelenohrringen? Warum sinnst du so lang und so heftig nach, und warum seufzt du, so bekümmert?

kathaṃ ca patitāsy asmin kūpe vīruttṛṇāvṛte duhitā caiva kasya tvaṃ vada sarvaṃ sumadhyame

Und wie bist du in diesen Brunnen gefallen, der von Schlingpflanzen und Gras überwuchert ist? Und wessen Tochter bist du - sag mir alles, du Schlankhüftige!‹

Wort für Wort
kathaṃ ca patitāsy asmin kūpe vīruttṛṇāvṛte duhitā caiva kasya tvaṃ vada sarvaṃ sumadhyame
Und wie bist du in diesen Brunnen gefallen, der von Schlingpflanzen und Gras überwuchert ist? Und wessen Tochter bist du - sag mir alles, du Schlankhüftige!‹

devayāny uvāca yo 'sau devair hatān daityān utthāpayati vidyayā tasya śukrasya kanyāhaṃ sa māṃ nūnaṃ na budhyate

Devayānī sprach: ›Der, der die von den Göttern erschlagenen Daityas durch sein Wissen wiederbelebt - dessen, des Śukra, Tochter bin ich; er weiß gewiss nichts von mir [von meiner Lage].

Wort für Wort
devayāny uvāca yo 'sau devair hatān daityān utthāpayati vidyayā tasya śukrasya kanyāhaṃ sa māṃ nūnaṃ na budhyate
Devayānī sprach: ›Der, der die von den Göttern erschlagenen Daityas durch sein Wissen wiederbelebt - dessen, des Śukra, Tochter bin ich; er weiß gewiss nichts von mir [von meiner Lage].

eṣa me dakṣiṇo rājan pāṇis tāmranakhāṅguliḥ samuddhara gṛhītvā māṃ kulīnas tvaṃ hi me mataḥ

Hier ist meine rechte Hand, o König, mit kupferfarbenen Fingernägeln - ergreife sie und ziehe mich heraus; du scheinst mir von edler Herkunft.

Wort für Wort
eṣa me dakṣiṇo rājan pāṇis tāmranakhāṅguliḥ samuddhara gṛhītvā māṃ kulīnas tvaṃ hi me mataḥ
Hier ist meine rechte Hand, o König, mit kupferfarbenen Fingernägeln - ergreife sie und ziehe mich heraus; du scheinst mir von edler Herkunft.

jānāmi hi tvāṃ saṃśāntaṃ vīryavantaṃ yaśasvinam tasmān māṃ patitām asmāt kūpād uddhartum arhasi

Denn ich erkenne dich als gelassen, kraftvoll und ruhmreich; darum sollst du mich, die Gefallene, aus diesem Brunnen retten.‹

Wort für Wort
jānāmi hi tvāṃ saṃśāntaṃ vīryavantaṃ yaśasvinam tasmān māṃ patitām asmāt kūpād uddhartum arhasi
Denn ich erkenne dich als gelassen, kraftvoll und ruhmreich; darum sollst du mich, die Gefallene, aus diesem Brunnen retten.‹

vaiśaṃpāyana uvāca tām atha brāhmaṇīṃ strīṃ ca vijñāya nahuṣātmajaḥ gṛhītvā dakṣiṇe pāṇāv ujjahāra tato 'vaṭāt

Vaiśaṃpāyana sprach: »Da erkannte der Sohn des Nahuṣa sie als eine Brahmanenfrau, ergriff ihre rechte Hand und zog sie aus der Grube heraus.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tām atha brāhmaṇīṃ strīṃ ca vijñāya nahuṣātmajaḥ gṛhītvā dakṣiṇe pāṇāv ujjahāra tato 'vaṭāt
Vaiśaṃpāyana sprach: »Da erkannte der Sohn des Nahuṣa sie als eine Brahmanenfrau, ergriff ihre rechte Hand und zog sie aus der Grube heraus.

uddhṛtya caināṃ tarasā tasmāt kūpān narādhipaḥ āmantrayitvā suśroṇīṃ yayātiḥ svapuraṃ yayau

Nachdem er sie rasch aus jenem Brunnen gezogen hatte, verabschiedete sich der Herrscher der Menschen, Yayāti, von der Schönhüftigen und ging in seine eigene Stadt.

Wort für Wort
uddhṛtya caināṃ tarasā tasmāt kūpān narādhipaḥ āmantrayitvā suśroṇīṃ yayātiḥ svapuraṃ yayau
Nachdem er sie rasch aus jenem Brunnen gezogen hatte, verabschiedete sich der Herrscher der Menschen, Yayāti, von der Schönhüftigen und ging in seine eigene Stadt.

devayāny uvāca tvaritaṃ ghūrṇike gaccha sarvam ācakṣva me pituḥ nedānīṃ hi pravekṣyāmi nagaraṃ vṛṣaparvaṇaḥ

Devayānī sprach: ›Eile, Ghūrṇikā, geh und berichte alles meinem Vater; denn ich werde jetzt nicht die Stadt des Vṛṣaparvan betreten.‹

Wort für Wort
devayāny uvāca tvaritaṃ ghūrṇike gaccha sarvam ācakṣva me pituḥ nedānīṃ hi pravekṣyāmi nagaraṃ vṛṣaparvaṇaḥ
Devayānī sprach: ›Eile, Ghūrṇikā, geh und berichte alles meinem Vater; denn ich werde jetzt nicht die Stadt des Vṛṣaparvan betreten.‹

vaiśaṃpāyana uvāca sā tu vai tvaritaṃ gatvā ghūrṇikāsuramandiram dṛṣṭvā kāvyam uvācedaṃ saṃbhramāviṣṭacetanā

Vaiśaṃpāyana sprach: »Sie, Ghūrṇikā, eilte rasch zum Palast des Asura, und als sie Kāvya (Śukra) erblickte, sprach sie dies, ihr Sinn von Aufregung ergriffen:

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca sā tu vai tvaritaṃ gatvā ghūrṇikāsuramandiram dṛṣṭvā kāvyam uvācedaṃ saṃbhramāviṣṭacetanā
Vaiśaṃpāyana sprach: »Sie, Ghūrṇikā, eilte rasch zum Palast des Asura, und als sie Kāvya (Śukra) erblickte, sprach sie dies, ihr Sinn von Aufregung ergriffen:

ācakṣe te mahāprājña devayānī vane hatā śarmiṣṭhayā mahābhāga duhitrā vṛṣaparvaṇaḥ

›Ich berichte dir, o hoch Weiser: Devayānī wurde im Wald erschlagen, o hoch Erhabener, von Śarmiṣṭhā, der Tochter des Vṛṣaparvan.‹

Wort für Wort
ācakṣe te mahāprājña devayānī vane hatā śarmiṣṭhayā mahābhāga duhitrā vṛṣaparvaṇaḥ
›Ich berichte dir, o hoch Weiser: Devayānī wurde im Wald erschlagen, o hoch Erhabener, von Śarmiṣṭhā, der Tochter des Vṛṣaparvan.‹

śrutvā duhitaraṃ kāvyas tatra śarmiṣṭhayā hatām tvarayā niryayau duḥkhān mārgamāṇaḥ sutāṃ vane

Als Kāvya hörte, dass seine Tochter dort von Śarmiṣṭhā erschlagen worden sei, eilte er voller Kummer hinaus, seine Tochter im Wald suchend.

Wort für Wort
śrutvā duhitaraṃ kāvyas tatra śarmiṣṭhayā hatām tvarayā niryayau duḥkhān mārgamāṇaḥ sutāṃ vane
Als Kāvya hörte, dass seine Tochter dort von Śarmiṣṭhā erschlagen worden sei, eilte er voller Kummer hinaus, seine Tochter im Wald suchend.

dṛṣṭvā duhitaraṃ kāvyo devayānīṃ tato vane bāhubhyāṃ saṃpariṣvajya duḥkhito vākyam abravīt

Als Kāvya seine Tochter Devayānī dort im Wald erblickte, umarmte er sie mit beiden Armen und sprach betrübt dieses Wort:

Wort für Wort
dṛṣṭvā duhitaraṃ kāvyo devayānīṃ tato vane bāhubhyāṃ saṃpariṣvajya duḥkhito vākyam abravīt
Als Kāvya seine Tochter Devayānī dort im Wald erblickte, umarmte er sie mit beiden Armen und sprach betrübt dieses Wort:

ātmadoṣair niyacchanti sarve duḥkhasukhe janāḥ manye duścaritaṃ te 'sti yasyeyaṃ niṣkṛtiḥ kṛtā

›Durch die eigenen Fehler erlangen alle Menschen Leid und Freude; ich vermute, du hast etwas Unrechtes getan, wofür diese Vergeltung geschehen ist.‹

Wort für Wort
ātmadoṣair niyacchanti sarve duḥkhasukhe janāḥ manye duścaritaṃ te 'sti yasyeyaṃ niṣkṛtiḥ kṛtā
›Durch die eigenen Fehler erlangen alle Menschen Leid und Freude; ich vermute, du hast etwas Unrechtes getan, wofür diese Vergeltung geschehen ist.‹

devayāny uvāca niṣkṛtir me 'stu vā māstu śṛṇuṣvāvahito mama śarmiṣṭhayā yad uktāsmi duhitrā vṛṣaparvaṇaḥ satyaṃ kilaitat sā prāha daityānām asi gāyanaḥ

Devayānī sprach: ›Ob es Vergeltung für mich sei oder nicht - höre aufmerksam, was mir von Śarmiṣṭhā, der Tochter des Vṛṣaparvan, gesagt wurde: »Dies ist wahrlich wahr«, sprach sie, »du bist der Lobsänger der Daityas«.

Wort für Wort
devayāny uvāca niṣkṛtir me 'stu vā māstu śṛṇuṣvāvahito mama śarmiṣṭhayā yad uktāsmi duhitrā vṛṣaparvaṇaḥ satyaṃ kilaitat sā prāha daityānām asi gāyanaḥ
Devayānī sprach: ›Ob es Vergeltung für mich sei oder nicht - höre aufmerksam, was mir von Śarmiṣṭhā, der Tochter des Vṛṣaparvan, gesagt wurde: »Dies ist wahrlich wahr«, sprach sie, »du bist der Lobsänger der Daityas«.

evaṃ hi me kathayati śarmiṣṭhā vārṣaparvaṇī vacanaṃ tīkṣṇaparuṣaṃ krodharaktekṣaṇā bhṛśam

So sprach zu mir Śarmiṣṭhā, die Tochter des Vṛṣaparvan, ein scharfes, hartes Wort, ihre Augen ganz von Zorn gerötet:

Wort für Wort
evaṃ hi me kathayati śarmiṣṭhā vārṣaparvaṇī vacanaṃ tīkṣṇaparuṣaṃ krodharaktekṣaṇā bhṛśam
So sprach zu mir Śarmiṣṭhā, die Tochter des Vṛṣaparvan, ein scharfes, hartes Wort, ihre Augen ganz von Zorn gerötet:

stuvato duhitā hi tvaṃ yācataḥ pratigṛhṇataḥ sutāhaṃ stūyamānasya dadato 'pratigṛhṇataḥ

»Du bist die Tochter eines Lobpreisers, eines Bittstellers, eines Empfängers; ich bin die Tochter dessen, der gepriesen wird, der gibt, der nicht empfängt.

Wort für Wort
stuvato duhitā hi tvaṃ yācataḥ pratigṛhṇataḥ sutāhaṃ stūyamānasya dadato 'pratigṛhṇataḥ
»Du bist die Tochter eines Lobpreisers, eines Bittstellers, eines Empfängers; ich bin die Tochter dessen, der gepriesen wird, der gibt, der nicht empfängt.

iti mām āha śarmiṣṭhā duhitā vṛṣaparvaṇaḥ krodhasaṃraktanayanā darpapūrṇā punaḥ punaḥ

So sprach zu mir Śarmiṣṭhā, die Tochter des Vṛṣaparvan, ihre Augen zornrot, voller Hochmut, immer wieder.

Wort für Wort
iti mām āha śarmiṣṭhā duhitā vṛṣaparvaṇaḥ krodhasaṃraktanayanā darpapūrṇā punaḥ punaḥ
So sprach zu mir Śarmiṣṭhā, die Tochter des Vṛṣaparvan, ihre Augen zornrot, voller Hochmut, immer wieder.

yady ahaṃ stuvatas tāta duhitā pratigṛhṇataḥ prasādayiṣye śarmiṣṭhām ity uktā hi sakhī mayā

›Wenn ich, Vater, [wirklich nur] die Tochter eines Lobpreisers und Empfängers bin, dann werde ich Śarmiṣṭhā besänftigen‹ - so habe ich zu meiner [einstigen] Freundin gesprochen.‹

Wort für Wort
yady ahaṃ stuvatas tāta duhitā pratigṛhṇataḥ prasādayiṣye śarmiṣṭhām ity uktā hi sakhī mayā
›Wenn ich, Vater, [wirklich nur] die Tochter eines Lobpreisers und Empfängers bin, dann werde ich Śarmiṣṭhā besänftigen‹ - so habe ich zu meiner [einstigen] Freundin gesprochen.‹

[Anm.: Verschachtelte Redewiedergabe - Devayānī berichtet hier ihre eigene, trotzige Erwiderung an Śarmiṣṭhā.

śukra uvāca stuvato duhitā na tvaṃ bhadre na pratigṛhṇataḥ astotuḥ stūyamānasya duhitā devayāny asi

Śukra sprach: ›Du bist nicht, du Gute, die Tochter eines Lobpreisers, noch eines Empfängers; du bist die Tochter dessen, der nicht preist, sondern gepriesen wird, Devayānī.

Wort für Wort
śukra uvāca stuvato duhitā na tvaṃ bhadre na pratigṛhṇataḥ astotuḥ stūyamānasya duhitā devayāny asi
Śukra sprach: ›Du bist nicht, du Gute, die Tochter eines Lobpreisers, noch eines Empfängers; du bist die Tochter dessen, der nicht preist, sondern gepriesen wird, Devayānī.

vṛṣaparvaiva tad veda śakro rājā ca nāhuṣaḥ acintyaṃ brahma nirdvandvam aiśvaraṃ hi balaṃ mama

Das weiß Vṛṣaparvan selbst, Śakra (Indra) und König Nāhuṣa (Yayāti): unfassbar ist die brahmanische Macht, gegensatzlos, herrschaftlich ist meine Kraft.‹«

Wort für Wort
vṛṣaparvaiva tad veda śakro rājā ca nāhuṣaḥ acintyaṃ brahma nirdvandvam aiśvaraṃ hi balaṃ mama
Das weiß Vṛṣaparvan selbst, Śakra (Indra) und König Nāhuṣa (Yayāti): unfassbar ist die brahmanische Macht, gegensatzlos, herrschaftlich ist meine Kraft.‹«

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