Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 148: Bakavadhopakramaḥ Der Beginn der Bakavadha-Episode

Auf Kuntīs Frage hin erklärt der Brahmane die Ursache des Leids: der menschenfressende Rākṣasa Baka beherrscht Stadt und Land und verlangt im Gegenzug für seinen Schutz vor anderen Gefahren einen regelmäßigen Tribut – eine Wagenladung Reis, zwei Büffel und einen Menschen –, den die Haushalte der Stadt reihum liefern müssen. Der Brahmane beklagt den schwachen König, der dem kein Ende setzt, und sein eigenes Missgeschick, Königswahl, Heirat und Vermögen in falscher Reihenfolge erworben zu haben; nun ist die tödliche Reihe an seiner Familie, und er sieht keinen Ausweg, als mit allen Angehörigen gemeinsam zum Rākṣasa zu ziehen.

kunty uvāca kutomūlam idaṃ duḥkhaṃ jñātum icchāmi tattvataḥ viditvā apakarṣeyaṃ śakyaṃ ced apakarṣitum

Kuntī sprach: ‚Woher rührt dieses Leid? Ich möchte es der Wahrheit gemäß erfahren; nachdem ich es erkannt habe, würde ich es abwenden, wenn es abzuwenden möglich ist.'

Wort für Wort
kunty uvāca kutomūlam idaṃ duḥkhaṃ jñātum icchāmi tattvataḥ viditvā apakarṣeyaṃ śakyaṃ ced apakarṣitum
Kuntī sprach: ‚Woher rührt dieses Leid? Ich möchte es der Wahrheit gemäß erfahren; nachdem ich es erkannt habe, würde ich es abwenden, wenn es abzuwenden möglich ist.'

brāhmaṇa uvāca upapannaṃ satām etad yad bravīṣi tapodhane na tu duḥkham idaṃ śakyaṃ mānuṣeṇa vyapohitum

Der Brahmane sprach: ‚Dies entspricht dem Wesen der Rechtschaffenen, was du sprichst, o Büßerin – doch dieses Leid lässt sich von einem Menschen nicht abwenden.'

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca upapannaṃ satām etad yad bravīṣi tapodhane na tu duḥkham idaṃ śakyaṃ mānuṣeṇa vyapohitum
Der Brahmane sprach: ‚Dies entspricht dem Wesen der Rechtschaffenen, was du sprichst, o Büßerin – doch dieses Leid lässt sich von einem Menschen nicht abwenden.'

samīpe nagarasyāsya bako vasati rākṣasaḥ īśo janapadasyāsya purasya ca mahābalaḥ

‚In der Nähe dieser Stadt wohnt ein Rākṣasa namens Baka, der Herr dieses Landes und dieser Stadt, ein überaus Starker.'

Wort für Wort
samīpe nagarasyāsya bako vasati rākṣasaḥ īśo janapadasyāsya purasya ca mahābalaḥ
‚In der Nähe dieser Stadt wohnt ein Rākṣasa namens Baka, der Herr dieses Landes und dieser Stadt, ein überaus Starker.'

puṣṭo mānuṣamāṃsena durbuddhiḥ puruṣādakaḥ rakṣaty asurarāṇ nityam imaṃ janapadaṃ balī

‚Von Menschenfleisch genährt, übelgesinnt, ein Menschenfresser, beschützt er, der Starke, gleichwohl allzeit dieses Land vor Dämonen.'

Wort für Wort
puṣṭo mānuṣamāṃsena durbuddhiḥ puruṣādakaḥ rakṣaty asurarāṇ nityam imaṃ janapadaṃ balī
‚Von Menschenfleisch genährt, übelgesinnt, ein Menschenfresser, beschützt er, der Starke, gleichwohl allzeit dieses Land vor Dämonen.'

nagaraṃ caiva deśaṃ ca rakṣobalasamanvitaḥ tatkṛte paracakrāc ca bhūtebhyaś ca na no bhayam

‚Sowohl die Stadt als auch das Land, versehen mit der Kraft eines Rākṣasa – seinetwegen haben wir keine Furcht vor feindlichen Heeren und vor Unholden.'

Wort für Wort
nagaraṃ caiva deśaṃ ca rakṣobalasamanvitaḥ tatkṛte paracakrāc ca bhūtebhyaś ca na no bhayam
‚Sowohl die Stadt als auch das Land, versehen mit der Kraft eines Rākṣasa – seinetwegen haben wir keine Furcht vor feindlichen Heeren und vor Unholden.'

vetanaṃ tasya vihitaṃ śālivāhasya bhojanam mahiṣau puruṣaś caiko yas tad ādāya gacchati

‚Als Lohn für ihn ist eine Speise festgesetzt: eine Wagenladung Reis, zwei Büffel, und dazu ein Mensch, der dies hinbringt.'

Wort für Wort
vetanaṃ tasya vihitaṃ śālivāhasya bhojanam mahiṣau puruṣaś caiko yas tad ādāya gacchati
‚Als Lohn für ihn ist eine Speise festgesetzt: eine Wagenladung Reis, zwei Büffel, und dazu ein Mensch, der dies hinbringt.'

ekaikaś caiva puruṣas tat prayacchati bhojanam sa vāro bahubhir varṣair bhavaty asutaro naraiḥ

‚Und je einer der Bewohner liefert reihum diese Speise; diese Reihenfolge kommt für die Menschen erst nach vielen Jahren wieder, kaum zu ertragen.'

Wort für Wort
ekaikaś caiva puruṣas tat prayacchati bhojanam sa vāro bahubhir varṣair bhavaty asutaro naraiḥ
‚Und je einer der Bewohner liefert reihum diese Speise; diese Reihenfolge kommt für die Menschen erst nach vielen Jahren wieder, kaum zu ertragen.'

tadvimokṣāya ye cāpi yatante puruṣāḥ kva cit saputradārāṃs tān hatvā tad rakṣo bhakṣayaty uta

‚Und welche Männer sich irgendwo bemühen, sich davon zu befreien, die tötet jener Rākṣasa samt Söhnen und Gattinnen und verschlingt sie noch dazu.'

Wort für Wort
tadvimokṣāya ye cāpi yatante puruṣāḥ kva cit saputradārāṃs tān hatvā tad rakṣo bhakṣayaty uta
‚Und welche Männer sich irgendwo bemühen, sich davon zu befreien, die tötet jener Rākṣasa samt Söhnen und Gattinnen und verschlingt sie noch dazu.'

vetrakīyagṛhe rājā nāyaṃ nayam ihāsthitaḥ anāmayaṃ janasyāsya yena syād adya śāśvatam

‚Der König, im Hause der Vetrakīyas ansässig, befolgt hier nicht die rechte Politik, durch die diesem Volk dauerhaftes Wohlergehen zuteilwürde.'

Wort für Wort
vetrakīyagṛhe rājā nāyaṃ nayam ihāsthitaḥ anāmayaṃ janasyāsya yena syād adya śāśvatam
‚Der König, im Hause der Vetrakīyas ansässig, befolgt hier nicht die rechte Politik, durch die diesem Volk dauerhaftes Wohlergehen zuteilwürde.'

[?] ‚vetrakīyagṛhe' ist unsicher – möglicherweise ein Dynastie- oder Ortsname; wörtlich übernommen.

etadarhā vayaṃ nūnaṃ vasāmo durbalasya ye viṣaye nityam udvignāḥ kurājānam upāśritāḥ

‚Dies haben wir wohl verdient, die wir im Reich eines Schwachen wohnen, allzeit in Angst, einem schlechten König unterstellt.'

Wort für Wort
etadarhā vayaṃ nūnaṃ vasāmo durbalasya ye viṣaye nityam udvignāḥ kurājānam upāśritāḥ
‚Dies haben wir wohl verdient, die wir im Reich eines Schwachen wohnen, allzeit in Angst, einem schlechten König unterstellt.'

brāhmaṇāḥ kasya vaktavyāḥ kasya vā chandacāriṇaḥ guṇair ete hi vāsyante kāmagāḥ pakṣiṇo yathā

‚Wem sollten Brahmanen überhaupt Rechenschaft schulden, oder wer könnte den nach Belieben Wandelnden Vorschriften machen? Denn diese lassen sich nur durch gute Eigenschaften binden, wie frei fliegende Vögel.'

Wort für Wort
brāhmaṇāḥ kasya vaktavyāḥ kasya vā chandacāriṇaḥ guṇair ete hi vāsyante kāmagāḥ pakṣiṇo yathā
‚Wem sollten Brahmanen überhaupt Rechenschaft schulden, oder wer könnte den nach Belieben Wandelnden Vorschriften machen? Denn diese lassen sich nur durch gute Eigenschaften binden, wie frei fliegende Vögel.'

[?] Sinngemäß: Brahmanen sind, da frei umherziehend, keinem König untertan und bleiben nur durch dessen Tugenden freiwillig gebunden.

rājānaṃ prathamaṃ vindet tato bhāryāṃ tato dhanam trayasya saṃcaye cāsya jñātīn putrāṃś ca dhārayet

‚Zuerst sollte man sich einen [guten] König erwerben, dann eine Gattin, dann Reichtum; erst nach der Erlangung dieser drei sollte man Verwandte und Söhne haben.'

Wort für Wort
rājānaṃ prathamaṃ vindet tato bhāryāṃ tato dhanam trayasya saṃcaye cāsya jñātīn putrāṃś ca dhārayet
‚Zuerst sollte man sich einen [guten] König erwerben, dann eine Gattin, dann Reichtum; erst nach der Erlangung dieser drei sollte man Verwandte und Söhne haben.'

viparītaṃ mayā cedaṃ trayaṃ sarvam upārjitam ta imām āpadaṃ prāpya bhṛśaṃ tapsyāmahe vayam

‚Doch von mir wurde all dies, die drei, in verkehrter Reihenfolge erworben; nun, in diese Notlage geraten, leiden wir heftig darunter.'

Wort für Wort
viparītaṃ mayā cedaṃ trayaṃ sarvam upārjitam ta imām āpadaṃ prāpya bhṛśaṃ tapsyāmahe vayam
‚Doch von mir wurde all dies, die drei, in verkehrter Reihenfolge erworben; nun, in diese Notlage geraten, leiden wir heftig darunter.'

so 'yam asmān anuprāpto vāraḥ kulavināśanaḥ bhojanaṃ puruṣaś caikaḥ pradeyaṃ vetanaṃ mayā

‚Nun ist diese Reihe, die familienvernichtende, bei uns angelangt; die Speise samt einem Menschen ist von mir als Lohn abzuliefern.'

Wort für Wort
so 'yam asmān anuprāpto vāraḥ kulavināśanaḥ bhojanaṃ puruṣaś caikaḥ pradeyaṃ vetanaṃ mayā
‚Nun ist diese Reihe, die familienvernichtende, bei uns angelangt; die Speise samt einem Menschen ist von mir als Lohn abzuliefern.'

na ca me vidyate vittaṃ saṃkretuṃ puruṣaṃ kva cit suhṛjjanaṃ pradātuṃ ca na śakṣyāmi kathaṃ cana gatiṃ cāpi na paśyāmi tasmān mokṣāya rakṣasaḥ

‚Und ich besitze kein Vermögen, um irgendwo einen Menschen zu erkaufen; auch einen der Meinen hinzugeben, vermag ich auf keine Weise; und keinen Ausweg sehe ich, um mich von diesem Rākṣasa zu befreien.'

Wort für Wort
na ca me vidyate vittaṃ saṃkretuṃ puruṣaṃ kva cit suhṛjjanaṃ pradātuṃ ca na śakṣyāmi kathaṃ cana gatiṃ cāpi na paśyāmi tasmān mokṣāya rakṣasaḥ
‚Und ich besitze kein Vermögen, um irgendwo einen Menschen zu erkaufen; auch einen der Meinen hinzugeben, vermag ich auf keine Weise; und keinen Ausweg sehe ich, um mich von diesem Rākṣasa zu befreien.'

so 'haṃ duḥkhārṇave magno mahaty asutare bhṛśam sahaivaitair gamiṣyāmi bāndhavair adya rākṣasam tato naḥ sahitan kṣudraḥ sarvān evopabhokṣyati

‚So werde ich, in ein gewaltiges, kaum zu durchquerendes Meer des Leids versunken, heute zusammen mit diesen meinen Verwandten zu dem Rākṣasa gehen; dann wird uns, alle vereint, der Niederträchtige verzehren.'

Wort für Wort
so 'haṃ duḥkhārṇave magno mahaty asutare bhṛśam sahaivaitair gamiṣyāmi bāndhavair adya rākṣasam tato naḥ sahitan kṣudraḥ sarvān evopabhokṣyati
‚So werde ich, in ein gewaltiges, kaum zu durchquerendes Meer des Leids versunken, heute zusammen mit diesen meinen Verwandten zu dem Rākṣasa gehen; dann wird uns, alle vereint, der Niederträchtige verzehren.'

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