Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 129: Duryodhanasya Rājyalipsā Duryodhanas Machtgier

Aus Neid auf die vollendeten Fähigkeiten Bhīmas und Arjunas versuchen Karṇa und Śakuni mit vielfältigen Mitteln, den Pāṇḍavas zu schaden, doch diese verhalten sich auf Viduras Rat hin unauffällig. Als das Volk offen über die Vorzüge der Pāṇḍu-Söhne spricht und Yudhiṣṭhiras baldige Krönung erwartet, gerät Duryodhana in Eifersucht und trägt seinem Vater Dhṛtarāṣṭra die Sorge vor, dass die Pāṇḍava-Linie die Kaurava-Nachkommen dauerhaft von der Herrschaft ausschließen werde, und drängt ihn zu raschem Handeln.

vaiśaṃpāyana uvāca prāṇādhikaṃ bhīmasenaṃ kṛtavidyaṃ dhanaṃjayam duryodhano lakṣayitva paryatapyata durmatiḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Als er Bhīmasena, der an Lebenskraft überragte, und den in der Waffenkunst vollendeten Dhanañjaya bemerkte, quälte sich Duryodhana, der Bösgesinnte, vor Kummer.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca prāṇādhikaṃ bhīmasenaṃ kṛtavidyaṃ dhanaṃjayam duryodhano lakṣayitva paryatapyata durmatiḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: Als er Bhīmasena, der an Lebenskraft überragte, und den in der Waffenkunst vollendeten Dhanañjaya bemerkte, quälte sich Duryodhana, der Bösgesinnte, vor Kummer.

tato vaikartanaḥ karṇaḥ śakuniś cāpi saubalaḥ anekair abhyupāyais tāñ jighāṃsanti sma pāṇḍavān

Darauf trachteten Karṇa Vaikartana und auch Śakuni, der Sohn Subalas, mit vielerlei Mitteln danach, die Pāṇḍavas zu töten.

Wort für Wort
tato vaikartanaḥ karṇaḥ śakuniś cāpi saubalaḥ anekair abhyupāyais tāñ jighāṃsanti sma pāṇḍavān
Darauf trachteten Karṇa Vaikartana und auch Śakuni, der Sohn Subalas, mit vielerlei Mitteln danach, die Pāṇḍavas zu töten.

pāṇḍavāś cāpi tat sarvaṃ pratyajānann ariṃdamāḥ udbhāvanam akurvanto vidurasya mate sthitāḥ

Auch die Pāṇḍavas, die Feindebezwinger, erkannten das alles, machten es aber nicht offenkundig, Viduras Rat folgend.

Wort für Wort
pāṇḍavāś cāpi tat sarvaṃ pratyajānann ariṃdamāḥ udbhāvanam akurvanto vidurasya mate sthitāḥ
Auch die Pāṇḍavas, die Feindebezwinger, erkannten das alles, machten es aber nicht offenkundig, Viduras Rat folgend.

guṇaiḥ samuditān dṛṣṭvā paurāḥ pāṇḍusutāṃs tadā kathayanti sma saṃbhūya catvareṣu sabhāsu ca

Als die Stadtbewohner die Söhne Pāṇḍus, so reich an Vorzügen, sahen, sprachen sie darüber, zusammenkommend, an den Straßenkreuzungen und in den Versammlungen:

Wort für Wort
guṇaiḥ samuditān dṛṣṭvā paurāḥ pāṇḍusutāṃs tadā kathayanti sma saṃbhūya catvareṣu sabhāsu ca
Als die Stadtbewohner die Söhne Pāṇḍus, so reich an Vorzügen, sahen, sprachen sie darüber, zusammenkommend, an den Straßenkreuzungen und in den Versammlungen:

prajñācakṣur acakṣuṣṭvād dhṛtarāṣṭro janeśvaraḥ rājyam aprāptavān pūrvaṃ sa kathaṃ nṛpatir bhavet

‚Dhṛtarāṣṭra, der Herrscher der Menschen, mit dem Auge der Weisheit statt leiblicher Augen, hat wegen seiner Blindheit einst das Königreich nicht erlangt – wie sollte er nun König sein?'

Wort für Wort
prajñācakṣur acakṣuṣṭvād dhṛtarāṣṭro janeśvaraḥ rājyam aprāptavān pūrvaṃ sa kathaṃ nṛpatir bhavet
‚Dhṛtarāṣṭra, der Herrscher der Menschen, mit dem Auge der Weisheit statt leiblicher Augen, hat wegen seiner Blindheit einst das Königreich nicht erlangt – wie sollte er nun König sein?'

tathā bhīṣmaḥ śāṃtanavaḥ satyasaṃdho mahāvrataḥ pratyākhyāya purā rājyaṃ nādya jātu grahīṣyati

‚Ebenso wird Bhīṣma, der Sohn Śaṃtanus, wahrheitstreu, von strengem Gelübde, der einst das Königreich zurückgewiesen hat, es auch heute niemals annehmen.'

Wort für Wort
tathā bhīṣmaḥ śāṃtanavaḥ satyasaṃdho mahāvrataḥ pratyākhyāya purā rājyaṃ nādya jātu grahīṣyati
‚Ebenso wird Bhīṣma, der Sohn Śaṃtanus, wahrheitstreu, von strengem Gelübde, der einst das Königreich zurückgewiesen hat, es auch heute niemals annehmen.'

te vayaṃ pāṇḍavaṃ jyeṣṭhaṃ taruṇaṃ vṛddhaśīlinam abhiṣiñcāma sādhv adya satyaṃ karuṇavedinam

‚So wollen wir denn den ältesten Pāṇḍava, jung an Jahren, doch von der Gesinnung eines Alten, wahrhaft trefflich und des Mitgefühls kundig, heute zum König weihen.'

Wort für Wort
te vayaṃ pāṇḍavaṃ jyeṣṭhaṃ taruṇaṃ vṛddhaśīlinam abhiṣiñcāma sādhv adya satyaṃ karuṇavedinam
‚So wollen wir denn den ältesten Pāṇḍava, jung an Jahren, doch von der Gesinnung eines Alten, wahrhaft trefflich und des Mitgefühls kundig, heute zum König weihen.'

sa hi bhīṣmaṃ śāṃtanavaṃ dhṛtarāṣṭraṃ ca dharmavit saputraṃ vividhair bhogair yojayiṣyati pūjayan

‚Denn er, der Rechtschaffenheit Kundige, wird Bhīṣma, den Sohn Śaṃtanus, und Dhṛtarāṣṭra samt seinen Söhnen mit vielfältigen Genüssen versehen und sie ehren.'

Wort für Wort
sa hi bhīṣmaṃ śāṃtanavaṃ dhṛtarāṣṭraṃ ca dharmavit saputraṃ vividhair bhogair yojayiṣyati pūjayan
‚Denn er, der Rechtschaffenheit Kundige, wird Bhīṣma, den Sohn Śaṃtanus, und Dhṛtarāṣṭra samt seinen Söhnen mit vielfältigen Genüssen versehen und sie ehren.'

teṣāṃ duryodhanaḥ śrutvā tāni vākyāni bhāṣatām yudhiṣṭhirānuraktānāṃ paryatapyata durmatiḥ

Als Duryodhana, der Bösgesinnte, diese Worte derer hörte, die so redeten, Yudhiṣṭhira zugetan, quälte er sich vor Kummer.

Wort für Wort
teṣāṃ duryodhanaḥ śrutvā tāni vākyāni bhāṣatām yudhiṣṭhirānuraktānāṃ paryatapyata durmatiḥ
Als Duryodhana, der Bösgesinnte, diese Worte derer hörte, die so redeten, Yudhiṣṭhira zugetan, quälte er sich vor Kummer.

sa tapyamāno duṣṭātmā teṣāṃ vāco na cakṣame īrṣyayā cābhisaṃtapto dhṛtarāṣṭram upāgamat

Er, sich quälend, von böser Gesinnung, ertrug ihre Worte nicht und begab sich, von Eifersucht verzehrt, zu Dhṛtarāṣṭra.

Wort für Wort
sa tapyamāno duṣṭātmā teṣāṃ vāco na cakṣame īrṣyayā cābhisaṃtapto dhṛtarāṣṭram upāgamat
Er, sich quälend, von böser Gesinnung, ertrug ihre Worte nicht und begab sich, von Eifersucht verzehrt, zu Dhṛtarāṣṭra.

tato virahitaṃ dṛṣṭvā pitaraṃ pratipūjya saḥ paurānurāgasaṃtaptaḥ paścād idam abhāṣata

Als er darauf seinen Vater allein antraf, verneigte er sich vor ihm und sprach dann, von der Zuneigung der Stadtbewohner [zu Yudhiṣṭhira] gequält, dieses:

Wort für Wort
tato virahitaṃ dṛṣṭvā pitaraṃ pratipūjya saḥ paurānurāgasaṃtaptaḥ paścād idam abhāṣata
Als er darauf seinen Vater allein antraf, verneigte er sich vor ihm und sprach dann, von der Zuneigung der Stadtbewohner [zu Yudhiṣṭhira] gequält, dieses:

śrutā me jalpatāṃ tāta paurāṇām aśivā giraḥ tvām anādṛtya bhīṣmaṃ ca patim icchanti pāṇḍavam

‚Vater, ich habe unheilvolle Reden der schwatzenden Stadtbewohner gehört: Dich missachtend und auch Bhīṣma, wollen sie den Pāṇḍava zum Herrscher.'

Wort für Wort
śrutā me jalpatāṃ tāta paurāṇām aśivā giraḥ tvām anādṛtya bhīṣmaṃ ca patim icchanti pāṇḍavam
‚Vater, ich habe unheilvolle Reden der schwatzenden Stadtbewohner gehört: Dich missachtend und auch Bhīṣma, wollen sie den Pāṇḍava zum Herrscher.'

matam etac ca bhīṣmasya na sa rājyaṃ bubhūṣati asmākaṃ tu parāṃ pīḍāṃ cikīrṣanti pure janāḥ

‚Und dies ist auch Bhīṣmas Meinung – er selbst begehrt das Königreich nicht; doch die Leute in der Stadt trachten danach, uns die größte Bedrängnis zuzufügen.'

Wort für Wort
matam etac ca bhīṣmasya na sa rājyaṃ bubhūṣati asmākaṃ tu parāṃ pīḍāṃ cikīrṣanti pure janāḥ
‚Und dies ist auch Bhīṣmas Meinung – er selbst begehrt das Königreich nicht; doch die Leute in der Stadt trachten danach, uns die größte Bedrängnis zuzufügen.'

pitṛtaḥ prāptavān rājyaṃ pāṇḍur ātmaguṇaiḥ purā tvam apy aguṇasaṃyogāt prāptaṃ rājyaṃ na labdhavān

‚Vom Vater hat Pāṇḍu einst durch seine eigenen Vorzüge das Königreich erlangt; du aber hast, wegen des Mangels an solchen Vorzügen, das dir zustehende Königreich nicht erhalten.'

Wort für Wort
pitṛtaḥ prāptavān rājyaṃ pāṇḍur ātmaguṇaiḥ purā tvam apy aguṇasaṃyogāt prāptaṃ rājyaṃ na labdhavān
‚Vom Vater hat Pāṇḍu einst durch seine eigenen Vorzüge das Königreich erlangt; du aber hast, wegen des Mangels an solchen Vorzügen, das dir zustehende Königreich nicht erhalten.'

sa eṣa pāṇḍor dāyādyaṃ yadi prāpnoti pāṇḍavaḥ tasya putro dhruvaṃ prāptas tasya tasyeti cāparaḥ

‚Wenn nun dieser Pāṇḍava das Erbe Pāṇḍus erlangt, wird sicherlich sein Sohn es erlangen, und dessen Sohn wiederum, und so ein anderer nach dem anderen.'

Wort für Wort
sa eṣa pāṇḍor dāyādyaṃ yadi prāpnoti pāṇḍavaḥ tasya putro dhruvaṃ prāptas tasya tasyeti cāparaḥ
‚Wenn nun dieser Pāṇḍava das Erbe Pāṇḍus erlangt, wird sicherlich sein Sohn es erlangen, und dessen Sohn wiederum, und so ein anderer nach dem anderen.'

te vayaṃ rājavaṃśena hīnāḥ saha sutair api avajñātā bhaviṣyāmo lokasya jagatīpate

‚So werden wir, der königlichen Linie beraubt, samt unseren Söhnen, von der Welt verachtet werden, o Herrscher der Erde.'

Wort für Wort
te vayaṃ rājavaṃśena hīnāḥ saha sutair api avajñātā bhaviṣyāmo lokasya jagatīpate
‚So werden wir, der königlichen Linie beraubt, samt unseren Söhnen, von der Welt verachtet werden, o Herrscher der Erde.'

satataṃ nirayaṃ prāptāḥ parapiṇḍopajīvinaḥ na bhavema yathā rājaṃs tathā śīghraṃ vidhīyatām

‚Damit wir nicht für immer der Erniedrigung verfallen, von fremdem Brot lebend, o König, ordne dies rasch, wie es sein soll.'

Wort für Wort
satataṃ nirayaṃ prāptāḥ parapiṇḍopajīvinaḥ na bhavema yathā rājaṃs tathā śīghraṃ vidhīyatām
‚Damit wir nicht für immer der Erniedrigung verfallen, von fremdem Brot lebend, o König, ordne dies rasch, wie es sein soll.'

abhaviṣyaḥ sthiro rājye yadi hi tvaṃ purā nṛpa dhruvaṃ prāpsyāma ca vayaṃ rājyam apy avaśe jane

‚Wärst du, o König, einst fest im Königreich geblieben, so würden wir gewiss auch jetzt das Königreich erlangen, selbst wenn das Volk uns nicht zugetan wäre.'

Wort für Wort
abhaviṣyaḥ sthiro rājye yadi hi tvaṃ purā nṛpa dhruvaṃ prāpsyāma ca vayaṃ rājyam apy avaśe jane
‚Wärst du, o König, einst fest im Königreich geblieben, so würden wir gewiss auch jetzt das Königreich erlangen, selbst wenn das Volk uns nicht zugetan wäre.'

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