Als Jungfrau im Haus ihres Adoptivvaters Kuntibhoja bedient Pṛthā (Kuntī) den zornigen Weisen Durvāsas so vorbildlich, dass er ihr einen Zaubermantra zur Anrufung beliebiger Götter schenkt. Aus Neugier ruft sie den Sonnengott herbei und gebiert, ohne ihre Jungfräulichkeit zu verlieren, den mit angeborener Rüstung und Ohrringen geborenen Karṇa. Aus Furcht vor Schande setzt sie ihn aus; der Wagenlenker Adhiratha und seine Frau Rādhā ziehen ihn als Vasuṣeṇa groß. Als Erwachsener, bekannt für grenzenlose Freigebigkeit während seiner täglichen Sonnenandacht, schneidet er sich auf Indras Bitte hin Rüstung und Ohrringe vom Leib und erhält dafür von Indra einen einmal verwendbaren, unfehlbaren Speer.
Sie, im Haus ihres [Adoptiv-]Vaters mit der Verehrung von Göttern und Gästen betraut, bediente einen strengen, furchterregenden Brahmanen von verschärftem Gelübde,
Sie, im Haus ihres [Adoptiv-]Vaters mit der Verehrung von Göttern und Gästen betraut, bediente einen strengen, furchterregenden Brahmanen von verschärftem Gelübde,
dessen Entschluss im Dharma verborgen war, den man als Durvāsas kennt; jenen Furchterregenden, von verschärftem Wesen, stellte sie mit allen Bemühungen zufrieden.
dessen Entschluss im Dharma verborgen war, den man als Durvāsas kennt; jenen Furchterregenden, von verschärftem Wesen, stellte sie mit allen Bemühungen zufrieden.
sā dadarśa tam āyāntaṃ bhāskaraṃ lokabhāvanam vismitā cānavadyāṅgī dṛṣṭvā tan mahad adbhutam
Sie sah ihn, den Weltenschöpfer, den Lichtbringer [Bhāskara], herankommen; verwundert war sie, die Makellosgliedrige, als sie dieses große Wunder erblickte.
Wort für Wort
sā dadarśa tam āyāntaṃ bhāskaraṃ lokabhāvanam vismitā cānavadyāṅgī dṛṣṭvā tan mahad adbhutam
Sie sah ihn, den Weltenschöpfer, den Lichtbringer [Bhāskara], herankommen; verwundert war sie, die Makellosgliedrige, als sie dieses große Wunder erblickte.
Der von leuchtendem Wirken, der Erhitzer [Tapana], setzte darauf einen Keim in sie; und sie gebar darauf einen Helden, den Besten aller Waffenträger, mit angeborener Rüstung, glückstrahlend, ein Göttersohn, von Glanz umhüllt,
Der von leuchtendem Wirken, der Erhitzer [Tapana], setzte darauf einen Keim in sie; und sie gebar darauf einen Helden, den Besten aller Waffenträger, mit angeborener Rüstung, glückstrahlend, ein Göttersohn, von Glanz umhüllt,
prādāc ca tasyāḥ kanyātvaṃ punaḥ sa paramadyutiḥ dattvā ca dadatāṃ śreṣṭho divam ācakrame tataḥ
Und er gab ihr die Jungfräulichkeit zurück, er von höchstem Glanz, der Beste der Geber; nachdem er den Sohn gegeben hatte, stieg er darauf zum Himmel empor.
Wort für Wort
prādāc ca tasyāḥ kanyātvaṃ punaḥ sa paramadyutiḥ dattvā ca dadatāṃ śreṣṭho divam ācakrame tataḥ
Und er gab ihr die Jungfräulichkeit zurück, er von höchstem Glanz, der Beste der Geber; nachdem er den Sohn gegeben hatte, stieg er darauf zum Himmel empor.
In der Zeit, da er, der wahrhaft gelobende Held, betend verweilte, gab es für den Hochherzigen in jener Zeit nichts, was er den Brahmanen nicht gegeben hätte.
In der Zeit, da er, der wahrhaft gelobende Held, betend verweilte, gab es für den Hochherzigen in jener Zeit nichts, was er den Brahmanen nicht gegeben hätte.
tam indro brāhmaṇo bhūtvā bhikṣārthaṃ bhūtabhāvanaḥ kuṇḍale prārthayām āsa kavacaṃ ca mahādyutiḥ
Ihn suchte Indra, in einen Brahmanen verwandelt, der Weltenschöpfer, von großem Glanz, zum Zweck des Almosen-Erbittens auf, um die Ohrringe und die Rüstung zu erbitten.
Wort für Wort
tam indro brāhmaṇo bhūtvā bhikṣārthaṃ bhūtabhāvanaḥ kuṇḍale prārthayām āsa kavacaṃ ca mahādyutiḥ
Ihn suchte Indra, in einen Brahmanen verwandelt, der Weltenschöpfer, von großem Glanz, zum Zweck des Almosen-Erbittens auf, um die Ohrringe und die Rüstung zu erbitten.
utkṛtya vimanāḥ svāṅgāt kavacaṃ rudhirasravam karṇas tu kuṇḍale chittvā prāyacchat sa kṛtāñjaliḥ
Karṇa aber schnitt sich, betrübten Sinnes, die blutbenetzte Rüstung vom eigenen Körper und gab sie, mit gefalteten Händen, nachdem er auch die Ohrringe abgetrennt hatte.
Wort für Wort
utkṛtya vimanāḥ svāṅgāt kavacaṃ rudhirasravam karṇas tu kuṇḍale chittvā prāyacchat sa kṛtāñjaliḥ
Karṇa aber schnitt sich, betrübten Sinnes, die blutbenetzte Rüstung vom eigenen Körper und gab sie, mit gefalteten Händen, nachdem er auch die Ohrringe abgetrennt hatte.
śaktiṃ tasmai dadau śakraḥ vismito vākyam abravīt devāsuramanuṣyāṇāṃ gandharvoragarakṣasām yasmai kṣepsyasi ruṣṭaḥ san so 'nayā na bhaviṣyati
Da gab ihm Śakra [Indra], erstaunt, einen Speer (Śakti) und sprach folgende Worte: ‚Wen auch immer du, in Zorn entbrannt, mit diesem triffst – sei es ein Gott, Asura, Mensch, Gandharva, Nāga oder Rākṣasa – der wird davon nicht [überleben].'
Wort für Wort
śaktiṃ tasmai dadau śakraḥ vismito vākyam abravīt devāsuramanuṣyāṇāṃ gandharvoragarakṣasām yasmai kṣepsyasi ruṣṭaḥ san so 'nayā na bhaviṣyati
Da gab ihm Śakra [Indra], erstaunt, einen Speer (Śakti) und sprach folgende Worte: ‚Wen auch immer du, in Zorn entbrannt, mit diesem triffst – sei es ein Gott, Asura, Mensch, Gandharva, Nāga oder Rākṣasa – der wird davon nicht [überleben].'
purā nāma tu tasyāsīd vasuṣeṇa iti śrutam tato vaikartanaḥ karṇaḥ karmaṇā tena so 'bhavat
Zuvor nun war sein Name, wie man hört, Vasuṣeṇa; danach wurde er, durch jene Tat, ‚Vaikartana Karṇa' genannt.
Wort für Wort
purā nāma tu tasyāsīd vasuṣeṇa iti śrutam tato vaikartanaḥ karṇaḥ karmaṇā tena so 'bhavat
Zuvor nun war sein Name, wie man hört, Vasuṣeṇa; danach wurde er, durch jene Tat, ‚Vaikartana Karṇa' genannt.
[Anm.: ‚Vaikartana' ist zugleich Patronymikon zu ‚Vikartana' (einem Beinamen der Sonne, Karṇas göttlichem Vater) UND ein Wortspiel mit der Wurzel kṛt-/vikṛt- (‚abschneiden') – der Vers verbindet beide Bedeutungen mit der hier erzählten Tat des Abschneidens von Rüstung und Ohrringen.]