Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 82: Yayāti-Śakra-Saṃvādaḥ Yayātis Gespräch mit Indra: Die Lehrrede an Pūru

In der Götterwelt fragt Indra Yayāti, was er Pūru bei der Königsübergabe gesagt habe. Yayāti berichtet: er habe Pūru das Kernland zwischen Gaṅgā und Yamunā gegeben, die Brüder an den Reichsrändern angesiedelt, und ihm eine ethische Lehrrede über Zornlosigkeit, Geduld, gewaltfreie Rede und die drei herzgewinnenden Kräfte (Freundschaft, Freigebigkeit, sanfte Rede) mit auf den Weg gegeben.

vaiśaṃpāyana uvāca svargataḥ sa tu rājendro nivasan devasadmani pūjitas tridaśaiḥ sādhyair marudbhir vasubhis tathā

Vaiśaṃpāyana sprach: »Aus dem Himmel zurückgekehrt, wohnte jener Herrscher der Könige in der Götterwohnung, geehrt von den Dreißig, den Sādhyas, Maruts und ebenso den Vasus.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca svargataḥ sa tu rājendro nivasan devasadmani pūjitas tridaśaiḥ sādhyair marudbhir vasubhis tathā
Vaiśaṃpāyana sprach: »Aus dem Himmel zurückgekehrt, wohnte jener Herrscher der Könige in der Götterwohnung, geehrt von den Dreißig, den Sādhyas, Maruts und ebenso den Vasus.

devalokād brahmalokaṃ saṃcaran puṇyakṛd vaśī avasat pṛthivīpālo dīrghakālam iti śrutiḥ

Von der Götterwelt zur Brahma-Welt wandelnd, verdienstvoll und selbstbeherrscht, wohnte der Erdenhüter lange Zeit dort - so lautet die Überlieferung.

Wort für Wort
devalokād brahmalokaṃ saṃcaran puṇyakṛd vaśī avasat pṛthivīpālo dīrghakālam iti śrutiḥ
Von der Götterwelt zur Brahma-Welt wandelnd, verdienstvoll und selbstbeherrscht, wohnte der Erdenhüter lange Zeit dort - so lautet die Überlieferung.

sa kadā cin nṛpaśreṣṭho yayātiḥ śakram āgamat kathānte tatra śakreṇa pṛṣṭaḥ sa pṛthivīpatiḥ

Einmal kam Yayāti, der Beste der Könige, zu Śakra (Indra); am Ende eines Gesprächs wurde dort der Herr der Erde von Śakra gefragt:

Wort für Wort
sa kadā cin nṛpaśreṣṭho yayātiḥ śakram āgamat kathānte tatra śakreṇa pṛṣṭaḥ sa pṛthivīpatiḥ
Einmal kam Yayāti, der Beste der Könige, zu Śakra (Indra); am Ende eines Gesprächs wurde dort der Herr der Erde von Śakra gefragt:

śakra uvāca yadā sa pūrus tava rūpeṇa rājañ jarāṃ gṛhītvā pracacāra bhūmau tadā rājyaṃ saṃpradāyaiva tasmai tvayā kim uktaḥ kathayeha satyam

Śakra sprach: ›Als jener Pūru, o König, mit deiner Gestalt, das Alter angenommen hatte, auf der Erde wandelte, was hast du damals, nachdem du ihm das Königreich übergeben hattest, zu ihm gesagt? Erzähle hier die Wahrheit.‹

Wort für Wort
śakra uvāca yadā sa pūrus tava rūpeṇa rājañ jarāṃ gṛhītvā pracacāra bhūmau tadā rājyaṃ saṃpradāyaiva tasmai tvayā kim uktaḥ kathayeha satyam
Śakra sprach: ›Als jener Pūru, o König, mit deiner Gestalt, das Alter angenommen hatte, auf der Erde wandelte, was hast du damals, nachdem du ihm das Königreich übergeben hattest, zu ihm gesagt? Erzähle hier die Wahrheit.‹

yayātir uvāca gaṅgāyamunayor madhye kṛtsno 'yaṃ viṣayas tava madhye pṛthivyās tvaṃ rājā bhrātaro 'ntyādhipās tava

Yayāti sprach: ›Zwischen Gaṅgā und Yamunā - dieses ganze Gebiet ist dein; in der Mitte der Erde bist du König, deine Brüder sind Herrscher an den Rändern.

Wort für Wort
yayātir uvāca gaṅgāyamunayor madhye kṛtsno 'yaṃ viṣayas tava madhye pṛthivyās tvaṃ rājā bhrātaro 'ntyādhipās tava
Yayāti sprach: ›Zwischen Gaṅgā und Yamunā - dieses ganze Gebiet ist dein; in der Mitte der Erde bist du König, deine Brüder sind Herrscher an den Rändern.

akrodhanaḥ krodhanebhyo viśiṣṭas; tathā titikṣur atitikṣor viśiṣṭaḥ amānuṣebhyo mānuṣāś ca pradhānā; vidvāṃs tathaivāviduṣaḥ pradhānaḥ

Der Zornlose ist ausgezeichneter als die Zornigen; ebenso ist der Geduldige ausgezeichneter als der Ungeduldige; die Menschlichen sind den Unmenschlichen überlegen, und ebenso ist der Wissende dem Unwissenden überlegen.

Wort für Wort
akrodhanaḥ krodhanebhyo viśiṣṭas; tathā titikṣur atitikṣor viśiṣṭaḥ amānuṣebhyo mānuṣāś ca pradhānā; vidvāṃs tathaivāviduṣaḥ pradhānaḥ
Der Zornlose ist ausgezeichneter als die Zornigen; ebenso ist der Geduldige ausgezeichneter als der Ungeduldige; die Menschlichen sind den Unmenschlichen überlegen, und ebenso ist der Wissende dem Unwissenden überlegen.

ākruśyamāno nākrośen manyur eva titikṣataḥ ākroṣṭāraṃ nirdahati sukṛtaṃ cāsya vindati

Wer beschimpft wird, soll nicht zurückbeschimpfen; gerade der Zorn dessen, der es erträgt, verbrennt den Beschimpfenden, und der Erdulder erlangt dessen gute Tat.

Wort für Wort
ākruśyamāno nākrośen manyur eva titikṣataḥ ākroṣṭāraṃ nirdahati sukṛtaṃ cāsya vindati
Wer beschimpft wird, soll nicht zurückbeschimpfen; gerade der Zorn dessen, der es erträgt, verbrennt den Beschimpfenden, und der Erdulder erlangt dessen gute Tat.

nāruṃtudaḥ syān na nṛśaṃsavādī; na hīnataḥ param abhyādadīta yayāsya vācā para udvijeta; na tāṃ vaded ruśatīṃ pāpalokyām

Man sei nicht einer, der andere durch Worte quält, noch grausam redend; man erhebe sich nicht über einen Höheren durch Herabwürdigung; welches Wort auch immer einen anderen erschrecken würde, dieses grelle, in böse Welten führende Wort spreche man nicht.

Wort für Wort
nāruṃtudaḥ syān na nṛśaṃsavādī; na hīnataḥ param abhyādadīta yayāsya vācā para udvijeta; na tāṃ vaded ruśatīṃ pāpalokyām
Man sei nicht einer, der andere durch Worte quält, noch grausam redend; man erhebe sich nicht über einen Höheren durch Herabwürdigung; welches Wort auch immer einen anderen erschrecken würde, dieses grelle, in böse Welten führende Wort spreche man nicht.

aruṃtudaṃ puruṣaṃ rūkṣavācaṃ; vākkaṇṭakair vitudantaṃ manuṣyān vidyād alakṣmīkatamaṃ janānāṃ; mukhe nibaddhāṃ nirṛtiṃ vahantam

Einen Mann, der andere durch Worte quält, rauhredend, der Menschen mit den Dornen seiner Rede sticht, erkenne man als den Unglückseligsten der Menschen, der im Mund das Unheil gebunden trägt.

Wort für Wort
aruṃtudaṃ puruṣaṃ rūkṣavācaṃ; vākkaṇṭakair vitudantaṃ manuṣyān vidyād alakṣmīkatamaṃ janānāṃ; mukhe nibaddhāṃ nirṛtiṃ vahantam
Einen Mann, der andere durch Worte quält, rauhredend, der Menschen mit den Dornen seiner Rede sticht, erkenne man als den Unglückseligsten der Menschen, der im Mund das Unheil gebunden trägt.

sadbhiḥ purastād abhipūjitaḥ syāt; sadbhis tathā pṛṣṭhato rakṣitaḥ syāt sadāsatām ativādāṃs titikṣet; satāṃ vṛttaṃ cādadītāryavṛttaḥ

Von den Rechtschaffenen sei man von vorn geehrt, von den Rechtschaffenen ebenso im Rücken beschützt; man ertrage die Beleidigungen der Guten wie der Bösen stets, und man nehme sich das Verhalten der Rechtschaffenen zum Vorbild, selbst edlen Wandels.

Wort für Wort
sadbhiḥ purastād abhipūjitaḥ syāt; sadbhis tathā pṛṣṭhato rakṣitaḥ syāt sadāsatām ativādāṃs titikṣet; satāṃ vṛttaṃ cādadītāryavṛttaḥ
Von den Rechtschaffenen sei man von vorn geehrt, von den Rechtschaffenen ebenso im Rücken beschützt; man ertrage die Beleidigungen der Guten wie der Bösen stets, und man nehme sich das Verhalten der Rechtschaffenen zum Vorbild, selbst edlen Wandels.

vāksāyakā vadanān niṣpatanti; yair āhataḥ śocati rātryahāni parasya vā marmasu ye patanti; tān paṇḍito nāvasṛjet pareṣu

Wortpfeile fahren aus dem Munde hervor, von denen getroffen man Tag und Nacht trauert; die in die Verwundbarkeit des anderen treffen - solche soll der Weise nicht gegen andere loslassen.

Wort für Wort
vāksāyakā vadanān niṣpatanti; yair āhataḥ śocati rātryahāni parasya vā marmasu ye patanti; tān paṇḍito nāvasṛjet pareṣu
Wortpfeile fahren aus dem Munde hervor, von denen getroffen man Tag und Nacht trauert; die in die Verwundbarkeit des anderen treffen - solche soll der Weise nicht gegen andere loslassen.

na hīdṛśaṃ saṃvananaṃ triṣu lokeṣu vidyate yathā maitrī ca bhūteṣu dānaṃ ca madhurā ca vāk

Denn es gibt in den drei Welten kein solches Bezauberungsmittel, um Herzen zu gewinnen, wie Freundschaft gegenüber den Wesen, Freigebigkeit und süße Rede.

Wort für Wort
na hīdṛśaṃ saṃvananaṃ triṣu lokeṣu vidyate yathā maitrī ca bhūteṣu dānaṃ ca madhurā ca vāk
Denn es gibt in den drei Welten kein solches Bezauberungsmittel, um Herzen zu gewinnen, wie Freundschaft gegenüber den Wesen, Freigebigkeit und süße Rede.

tasmāt sāntvaṃ sadā vācyaṃ na vācyaṃ paruṣaṃ kva cit pūjyān saṃpūjayed dadyān na ca yācet kadā cana

Darum spreche man stets Sanftes, niemals spreche man Hartes; man ehre die Ehrwürdigen, man gebe, und bettle niemals.‹«

Wort für Wort
tasmāt sāntvaṃ sadā vācyaṃ na vācyaṃ paruṣaṃ kva cit pūjyān saṃpūjayed dadyān na ca yācet kadā cana
Darum spreche man stets Sanftes, niemals spreche man Hartes; man ehre die Ehrwürdigen, man gebe, und bettle niemals.‹«

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