Kapitel 25: Āstīka-parva (Fortsetzung): Vibhāvasu und Supratīka
Āstīka-parva (Fortsetzung): das Brahmanenpaar entkommt, Kaśyapas Erzählung von Vibhāvasu und Supratīka, und Garuḍas Suche nach einem Ast — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)
Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,025.001“ bis „01,025.033“). Garuḍa lässt den verschluckten Brahmanen samt seiner Niṣādī-Gattin unversehrt entkommen und sucht seinen Vater Kaśyapa auf, um nach geeigneter Nahrung zu fragen. Kaśyapa erzählt die Geschichte der verfeindeten Brüder Vibhāvasu und Supratīka, die sich wegen eines Streits um die Vermögensteilung gegenseitig zu Elefant und Schildkröte verfluchten und seither in einem See als Rivalen kämpfen. Kaśyapa weist Garuḍa an, sie als Nahrung zu nehmen; Garuḍa packt beide und sucht einen tragfähigen Ast, um sie zu verzehren – der Rohiṇa-Baum bietet ihm einen hundert Yojanas langen Ast an, den Garuḍa im Anflug abbricht. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.
dvijottama vinirgaccha tūrṇam āsyād apāvṛtāt | na hi me brāhmaṇo vadhyaḥ pāpeṣv api rataḥ sadā
„O bester der Zweifachgeborenen, tritt rasch aus dem geöffneten Maul heraus; denn ein Brahmane, mag er auch stets in Sünden verstrickt sein, ist von mir nicht zu töten.“
Wort für Wort
dvijottama vinirgaccha tūrṇam āsyād apāvṛtāt | na hi me brāhmaṇo vadhyaḥ pāpeṣv api rataḥ sadā
„O bester der Zweifachgeborenen, tritt rasch aus dem geöffneten Maul heraus; denn ein Brahmane, mag er auch stets in Sünden verstrickt sein, ist von mir nicht zu töten.“
garuḍa uvāca | etām api niṣādīṃ tvaṃ parigṛhyāśu niṣpata | tūrṇaṃ saṃbhāvayātmānam ajīrṇaṃ mama tejasā
Garuḍa sprach: „Auch diese Niṣādī magst du ergreifen und rasch heraustreten; eile, dich selbst zu bergen – ich bin durch meine eigene Glut in Unverdaulichkeit geraten.“
Wort für Wort
garuḍa uvāca | etām api niṣādīṃ tvaṃ parigṛhyāśu niṣpata | tūrṇaṃ saṃbhāvayātmānam ajīrṇaṃ mama tejasā
Garuḍa sprach: „Auch diese Niṣādī magst du ergreifen und rasch heraustreten; eile, dich selbst zu bergen – ich bin durch meine eigene Glut in Unverdaulichkeit geraten.“
tato 'paśyat sa pitaraṃ pṛṣṭaś cākhyātavān pituḥ | ahaṃ hi sarpaiḥ prahitaḥ somam āhartum udyataḥ | mātur dāsyavimokṣārtham āhariṣye tam adya vai
Da erblickte er seinen Vater, und, befragt, berichtete er seinem Vater: „Ich bin nämlich von den Schlangen entsandt, bereit, den Soma zu holen; zur Befreiung meiner Mutter von der Dienstbarkeit will ich ihn noch heute herbeibringen.“
Wort für Wort
tato 'paśyat sa pitaraṃ pṛṣṭaś cākhyātavān pituḥ | ahaṃ hi sarpaiḥ prahitaḥ somam āhartum udyataḥ | mātur dāsyavimokṣārtham āhariṣye tam adya vai
Da erblickte er seinen Vater, und, befragt, berichtete er seinem Vater: „Ich bin nämlich von den Schlangen entsandt, bereit, den Soma zu holen; zur Befreiung meiner Mutter von der Dienstbarkeit will ich ihn noch heute herbeibringen.“
[Anm.: Der Vater ist Kaśyapa, der Gemahl Vinatās und Kadrūs.]
mātrā cāsmi samādiṣṭo niṣādān bhakṣayeti vai | na ca me tṛptir abhavad bhakṣayitvā sahasraśaḥ
„Und von meiner Mutter bin ich angewiesen worden, die Niṣādas zu verzehren; doch fand ich keine Sättigung, obwohl ich sie zu Tausenden verzehrt hatte.“
Wort für Wort
mātrā cāsmi samādiṣṭo niṣādān bhakṣayeti vai | na ca me tṛptir abhavad bhakṣayitvā sahasraśaḥ
„Und von meiner Mutter bin ich angewiesen worden, die Niṣādas zu verzehren; doch fand ich keine Sättigung, obwohl ich sie zu Tausenden verzehrt hatte.“
Kaśyapa sprach: „Es gab einen großen Weisen namens Vibhāvasu, überaus jähzornig; sein jüngerer Bruder war Supratīka, von großer Askese.“
[Anm.: Dieser Weise Vibhāvasu ist nicht mit dem gleichnamigen Epitheton Agnis aus Adhyāya 20-21 zu verwechseln – der Name bedeutet allgemein „der Glanzreiche“ und wird für mehrere Gestalten gebraucht.]
athābravīc ca taṃ bhrātā supratīkaṃ vibhāvasuḥ | vibhāgaṃ bahavo mohāt kartum icchanti nityadā | tato vibhaktā anyonyaṃ nādriyante 'rthamohitāḥ
Da sprach sein Bruder Vibhāvasu zu jenem Supratīka: „Viele wollen aus Verblendung stets eine Teilung vornehmen; danach, geteilt, achten sie einander nicht mehr, vom Besitz verblendet.“
Wort für Wort
athābravīc ca taṃ bhrātā supratīkaṃ vibhāvasuḥ | vibhāgaṃ bahavo mohāt kartum icchanti nityadā | tato vibhaktā anyonyaṃ nādriyante 'rthamohitāḥ
Da sprach sein Bruder Vibhāvasu zu jenem Supratīka: „Viele wollen aus Verblendung stets eine Teilung vornehmen; danach, geteilt, achten sie einander nicht mehr, vom Besitz verblendet.“
„Da erkennen Feinde in Freundesgestalt jene Toren, die, dem eigenen Vorteil ergeben, durch ihr eigenes Vermögen voneinander getrennt sind, und säen Zwietracht.“
„Da erkennen Feinde in Freundesgestalt jene Toren, die, dem eigenen Vorteil ergeben, durch ihr eigenes Vermögen voneinander getrennt sind, und säen Zwietracht.“
„Und andere, wenn sie sie als entzweit erkennen, fallen in die Lücken zwischen ihnen; und der Entzweiten unvergleichliches Verderben tritt alsbald rasch ein.“
„Und andere, wenn sie sie als entzweit erkennen, fallen in die Lücken zwischen ihnen; und der Entzweiten unvergleichliches Verderben tritt alsbald rasch ein.“
evam anyonyaśāpāt tau supratīkavibhāvasū | gajakacchapatāṃ prāptāv arthārthaṃ mūḍhacetasau
So gerieten die beiden, Supratīka und Vibhāvasu, durch gegenseitigen Fluch, um des Reichtums willen, verblendeten Sinnes, in Elefanten- und Schildkrötengestalt.
Wort für Wort
evam anyonyaśāpāt tau supratīkavibhāvasū | gajakacchapatāṃ prāptāv arthārthaṃ mūḍhacetasau
So gerieten die beiden, Supratīka und Vibhāvasu, durch gegenseitigen Fluch, um des Reichtums willen, verblendeten Sinnes, in Elefanten- und Schildkrötengestalt.
Als er sie erblickte, stürzte sich jener Elefant, den Rüssel eingerollt, ins Wasser, kraftvoll, mit der Wucht der Zahnspitzen, des Rüssels, des Schwanzes und der Füße.
Als er sie erblickte, stürzte sich jener Elefant, den Rüssel eingerollt, ins Wasser, kraftvoll, mit der Wucht der Zahnspitzen, des Rüssels, des Schwanzes und der Füße.
Sūta sprach: Er, von furchtbarer Geschwindigkeit, der Himmelswandler, ergriff, nachdem er das Wort seines Vaters gehört hatte, mit einer Kralle den Elefanten, mit der anderen die Schildkröte.
Sūta sprach: Er, von furchtbarer Geschwindigkeit, der Himmelswandler, ergriff, nachdem er das Wort seines Vaters gehört hatte, mit einer Kralle den Elefanten, mit der anderen die Schildkröte.
pracalāṅgān sa tān dṛṣṭvā manorathaphalāṅkurān | anyān atularūpāṅgān upacakrāma khecaraḥ
Als er sie, mit zitternden Ästen, mit Wunsch-erfüllenden Frucht-Sprossen, so sah, wandte sich der Himmelswandler anderen, von unvergleichlicher Schönheit an Ästen, zu,
Wort für Wort
pracalāṅgān sa tān dṛṣṭvā manorathaphalāṅkurān | anyān atularūpāṅgān upacakrāma khecaraḥ
Als er sie, mit zitternden Ästen, mit Wunsch-erfüllenden Frucht-Sprossen, so sah, wandte sich der Himmelswandler anderen, von unvergleichlicher Schönheit an Ästen, zu,
tato drumaṃ patagasahasrasevitaṃ mahīdharapratimavapuḥ prakampayan | khagottamo drutam abhipatya vegavān babhañja tām aviralapatrasaṃvṛtām
Da, den von tausend Vögeln bewohnten Baum, dessen Leib einem Berg glich, erschütternd, stürzte der Beste der Vögel geschwind und rasch heran und zerbrach jenen dicht mit Blättern bedeckten Ast.
Wort für Wort
tato drumaṃ patagasahasrasevitaṃ mahīdharapratimavapuḥ prakampayan | khagottamo drutam abhipatya vegavān babhañja tām aviralapatrasaṃvṛtām
Da, den von tausend Vögeln bewohnten Baum, dessen Leib einem Berg glich, erschütternd, stürzte der Beste der Vögel geschwind und rasch heran und zerbrach jenen dicht mit Blättern bedeckten Ast.
[Anm.: Adhyāya 25 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei, unmittelbar bevor der abbrechende Ast selbst zur nächsten Gefahr wird – die Muni auf ihm hängend, wie der weitere Verlauf zeigen wird.]