Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 25: Āstīka-parva (Fortsetzung): Vibhāvasu und Supratīka Āstīka-parva (Fortsetzung): das Brahmanenpaar entkommt, Kaśyapas Erzählung von Vibhāvasu und Supratīka, und Garuḍas Suche nach einem Ast — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)

Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,025.001“ bis „01,025.033“). Garuḍa lässt den verschluckten Brahmanen samt seiner Niṣādī-Gattin unversehrt entkommen und sucht seinen Vater Kaśyapa auf, um nach geeigneter Nahrung zu fragen. Kaśyapa erzählt die Geschichte der verfeindeten Brüder Vibhāvasu und Supratīka, die sich wegen eines Streits um die Vermögensteilung gegenseitig zu Elefant und Schildkröte verfluchten und seither in einem See als Rivalen kämpfen. Kaśyapa weist Garuḍa an, sie als Nahrung zu nehmen; Garuḍa packt beide und sucht einen tragfähigen Ast, um sie zu verzehren – der Rohiṇa-Baum bietet ihm einen hundert Yojanas langen Ast an, den Garuḍa im Anflug abbricht. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.

sūta uvāca | tasya kaṇṭham anuprāpto brāhmaṇaḥ saha bhāryayā | dahan dīpta ivāṅgāras tam uvācāntarikṣagaḥ

Sūta sprach: Der in seine Kehle gelangte Brahmane, samt seiner Gattin, verbrannte ihn wie eine lodernde Glut; da sprach der Luftwandler zu ihm:

Wort für Wort
sūta uvāca | tasya kaṇṭham anuprāpto brāhmaṇaḥ saha bhāryayā | dahan dīpta ivāṅgāras tam uvācāntarikṣagaḥ
Sūta sprach: Der in seine Kehle gelangte Brahmane, samt seiner Gattin, verbrannte ihn wie eine lodernde Glut; da sprach der Luftwandler zu ihm:

dvijottama vinirgaccha tūrṇam āsyād apāvṛtāt | na hi me brāhmaṇo vadhyaḥ pāpeṣv api rataḥ sadā

„O bester der Zweifachgeborenen, tritt rasch aus dem geöffneten Maul heraus; denn ein Brahmane, mag er auch stets in Sünden verstrickt sein, ist von mir nicht zu töten.“

Wort für Wort
dvijottama vinirgaccha tūrṇam āsyād apāvṛtāt | na hi me brāhmaṇo vadhyaḥ pāpeṣv api rataḥ sadā
„O bester der Zweifachgeborenen, tritt rasch aus dem geöffneten Maul heraus; denn ein Brahmane, mag er auch stets in Sünden verstrickt sein, ist von mir nicht zu töten.“

bruvāṇam evaṃ garuḍaṃ brāhmaṇaḥ samabhāṣata | niṣādī mama bhāryeyaṃ nirgacchatu mayā saha

Während Garuḍa so sprach, erwiderte ihm der Brahmane: „Diese meine Gattin ist eine Niṣādī; sie soll mit mir zusammen heraustreten.“

Wort für Wort
bruvāṇam evaṃ garuḍaṃ brāhmaṇaḥ samabhāṣata | niṣādī mama bhāryeyaṃ nirgacchatu mayā saha
Während Garuḍa so sprach, erwiderte ihm der Brahmane: „Diese meine Gattin ist eine Niṣādī; sie soll mit mir zusammen heraustreten.“

garuḍa uvāca | etām api niṣādīṃ tvaṃ parigṛhyāśu niṣpata | tūrṇaṃ saṃbhāvayātmānam ajīrṇaṃ mama tejasā

Garuḍa sprach: „Auch diese Niṣādī magst du ergreifen und rasch heraustreten; eile, dich selbst zu bergen – ich bin durch meine eigene Glut in Unverdaulichkeit geraten.“

Wort für Wort
garuḍa uvāca | etām api niṣādīṃ tvaṃ parigṛhyāśu niṣpata | tūrṇaṃ saṃbhāvayātmānam ajīrṇaṃ mama tejasā
Garuḍa sprach: „Auch diese Niṣādī magst du ergreifen und rasch heraustreten; eile, dich selbst zu bergen – ich bin durch meine eigene Glut in Unverdaulichkeit geraten.“

sūta uvāca | tataḥ sa vipro niṣkrānto niṣādīsahitas tadā | vardhayitvā ca garuḍam iṣṭaṃ deśaṃ jagāma ha

Sūta sprach: Da trat jener Brahmane, samt der Niṣādī, heraus, und, nachdem er Garuḍa gesegnet hatte, zog er zu dem Ort, den er begehrte.

Wort für Wort
sūta uvāca | tataḥ sa vipro niṣkrānto niṣādīsahitas tadā | vardhayitvā ca garuḍam iṣṭaṃ deśaṃ jagāma ha
Sūta sprach: Da trat jener Brahmane, samt der Niṣādī, heraus, und, nachdem er Garuḍa gesegnet hatte, zog er zu dem Ort, den er begehrte.

sahabhārye viniṣkrānte tasmin vipre sa pakṣirāṭ | vitatya pakṣāv ākāśam utpapāta manojavaḥ

Als jener Brahmane samt Gattin herausgetreten war, breitete der Vogelkönig die Flügel aus und erhob sich, so schnell wie der Gedanke, in den Luftraum.

Wort für Wort
sahabhārye viniṣkrānte tasmin vipre sa pakṣirāṭ | vitatya pakṣāv ākāśam utpapāta manojavaḥ
Als jener Brahmane samt Gattin herausgetreten war, breitete der Vogelkönig die Flügel aus und erhob sich, so schnell wie der Gedanke, in den Luftraum.

tato 'paśyat sa pitaraṃ pṛṣṭaś cākhyātavān pituḥ | ahaṃ hi sarpaiḥ prahitaḥ somam āhartum udyataḥ | mātur dāsyavimokṣārtham āhariṣye tam adya vai

Da erblickte er seinen Vater, und, befragt, berichtete er seinem Vater: „Ich bin nämlich von den Schlangen entsandt, bereit, den Soma zu holen; zur Befreiung meiner Mutter von der Dienstbarkeit will ich ihn noch heute herbeibringen.“

Wort für Wort
tato 'paśyat sa pitaraṃ pṛṣṭaś cākhyātavān pituḥ | ahaṃ hi sarpaiḥ prahitaḥ somam āhartum udyataḥ | mātur dāsyavimokṣārtham āhariṣye tam adya vai
Da erblickte er seinen Vater, und, befragt, berichtete er seinem Vater: „Ich bin nämlich von den Schlangen entsandt, bereit, den Soma zu holen; zur Befreiung meiner Mutter von der Dienstbarkeit will ich ihn noch heute herbeibringen.“

[Anm.: Der Vater ist Kaśyapa, der Gemahl Vinatās und Kadrūs.]

mātrā cāsmi samādiṣṭo niṣādān bhakṣayeti vai | na ca me tṛptir abhavad bhakṣayitvā sahasraśaḥ

„Und von meiner Mutter bin ich angewiesen worden, die Niṣādas zu verzehren; doch fand ich keine Sättigung, obwohl ich sie zu Tausenden verzehrt hatte.“

Wort für Wort
mātrā cāsmi samādiṣṭo niṣādān bhakṣayeti vai | na ca me tṛptir abhavad bhakṣayitvā sahasraśaḥ
„Und von meiner Mutter bin ich angewiesen worden, die Niṣādas zu verzehren; doch fand ich keine Sättigung, obwohl ich sie zu Tausenden verzehrt hatte.“

tasmād bhoktavyam aparaṃ bhagavan pradiśasva me | yad bhuktvāmṛtam āhartuṃ samarthaḥ syām ahaṃ prabho

„Deshalb weise mir, o Erhabener, eine andere Speise an, nach deren Genuss ich imstande wäre, das Amṛta herbeizubringen, o Herr.“

Wort für Wort
tasmād bhoktavyam aparaṃ bhagavan pradiśasva me | yad bhuktvāmṛtam āhartuṃ samarthaḥ syām ahaṃ prabho
„Deshalb weise mir, o Erhabener, eine andere Speise an, nach deren Genuss ich imstande wäre, das Amṛta herbeizubringen, o Herr.“

kaśyapa uvāca | āsīd vibhāvasur nāma maharṣiḥ kopano bhṛśam | bhrātā tasyānujaś cāsīt supratīko mahātapāḥ

Kaśyapa sprach: „Es gab einen großen Weisen namens Vibhāvasu, überaus jähzornig; sein jüngerer Bruder war Supratīka, von großer Askese.“

Wort für Wort
kaśyapa uvāca | āsīd vibhāvasur nāma maharṣiḥ kopano bhṛśam | bhrātā tasyānujaś cāsīt supratīko mahātapāḥ
Kaśyapa sprach: „Es gab einen großen Weisen namens Vibhāvasu, überaus jähzornig; sein jüngerer Bruder war Supratīka, von großer Askese.“

[Anm.: Dieser Weise Vibhāvasu ist nicht mit dem gleichnamigen Epitheton Agnis aus Adhyāya 20-21 zu verwechseln – der Name bedeutet allgemein „der Glanzreiche“ und wird für mehrere Gestalten gebraucht.]

sa necchati dhanaṃ bhrātrā sahaikasthaṃ mahāmuniḥ | vibhāgaṃ kīrtayaty eva supratīko 'tha nityaśaḥ

Er, der große Muni [Supratīka], wollte nicht, dass das Vermögen mit dem Bruder zusammen an einem Ort bliebe; Supratīka pries stets die Teilung.

Wort für Wort
sa necchati dhanaṃ bhrātrā sahaikasthaṃ mahāmuniḥ | vibhāgaṃ kīrtayaty eva supratīko 'tha nityaśaḥ
Er, der große Muni [Supratīka], wollte nicht, dass das Vermögen mit dem Bruder zusammen an einem Ort bliebe; Supratīka pries stets die Teilung.

athābravīc ca taṃ bhrātā supratīkaṃ vibhāvasuḥ | vibhāgaṃ bahavo mohāt kartum icchanti nityadā | tato vibhaktā anyonyaṃ nādriyante 'rthamohitāḥ

Da sprach sein Bruder Vibhāvasu zu jenem Supratīka: „Viele wollen aus Verblendung stets eine Teilung vornehmen; danach, geteilt, achten sie einander nicht mehr, vom Besitz verblendet.“

Wort für Wort
athābravīc ca taṃ bhrātā supratīkaṃ vibhāvasuḥ | vibhāgaṃ bahavo mohāt kartum icchanti nityadā | tato vibhaktā anyonyaṃ nādriyante 'rthamohitāḥ
Da sprach sein Bruder Vibhāvasu zu jenem Supratīka: „Viele wollen aus Verblendung stets eine Teilung vornehmen; danach, geteilt, achten sie einander nicht mehr, vom Besitz verblendet.“

tataḥ svārthaparān mūḍhān pṛthag bhūtān svakair dhanaiḥ | viditvā bhedayanty etān amitrā mitrarūpiṇaḥ

„Da erkennen Feinde in Freundesgestalt jene Toren, die, dem eigenen Vorteil ergeben, durch ihr eigenes Vermögen voneinander getrennt sind, und säen Zwietracht.“

Wort für Wort
tataḥ svārthaparān mūḍhān pṛthag bhūtān svakair dhanaiḥ | viditvā bhedayanty etān amitrā mitrarūpiṇaḥ
„Da erkennen Feinde in Freundesgestalt jene Toren, die, dem eigenen Vorteil ergeben, durch ihr eigenes Vermögen voneinander getrennt sind, und säen Zwietracht.“

viditvā cāpare bhinnān antareṣu patanty atha | bhinnānām atulo nāśaḥ kṣipram eva pravartate

„Und andere, wenn sie sie als entzweit erkennen, fallen in die Lücken zwischen ihnen; und der Entzweiten unvergleichliches Verderben tritt alsbald rasch ein.“

Wort für Wort
viditvā cāpare bhinnān antareṣu patanty atha | bhinnānām atulo nāśaḥ kṣipram eva pravartate
„Und andere, wenn sie sie als entzweit erkennen, fallen in die Lücken zwischen ihnen; und der Entzweiten unvergleichliches Verderben tritt alsbald rasch ein.“

tasmāc caiva vibhāgārthaṃ na praśaṃsanti paṇḍitāḥ | guruśāstre nibaddhānām anyonyam abhiśaṅkinām

„Deshalb loben die Weisen die Teilung nicht für jene, die, durch die Lehre des Lehrers gebunden, einander misstrauisch sind.“

Wort für Wort
tasmāc caiva vibhāgārthaṃ na praśaṃsanti paṇḍitāḥ | guruśāstre nibaddhānām anyonyam abhiśaṅkinām
„Deshalb loben die Weisen die Teilung nicht für jene, die, durch die Lehre des Lehrers gebunden, einander misstrauisch sind.“

niyantuṃ na hi śakyas tvaṃ bhedato dhanam icchasi | yasmāt tasmāt supratīka hastitvaṃ samavāpsyasi

„Denn du lässt dich nicht zügeln, da du durch Teilung Reichtum begehrst; deshalb, Supratīka, wirst du die Elefantengestalt erlangen.“

Wort für Wort
niyantuṃ na hi śakyas tvaṃ bhedato dhanam icchasi | yasmāt tasmāt supratīka hastitvaṃ samavāpsyasi
„Denn du lässt dich nicht zügeln, da du durch Teilung Reichtum begehrst; deshalb, Supratīka, wirst du die Elefantengestalt erlangen.“

śaptas tv evaṃ supratīko vibhāvasum athābravīt | tvam apy antarjalacaraḥ kacchapaḥ saṃbhaviṣyasi

So verflucht, sprach Supratīka darauf zu Vibhāvasu: „Auch du wirst, im Wasser lebend, zur Schildkröte werden.“

Wort für Wort
śaptas tv evaṃ supratīko vibhāvasum athābravīt | tvam apy antarjalacaraḥ kacchapaḥ saṃbhaviṣyasi
So verflucht, sprach Supratīka darauf zu Vibhāvasu: „Auch du wirst, im Wasser lebend, zur Schildkröte werden.“

evam anyonyaśāpāt tau supratīkavibhāvasū | gajakacchapatāṃ prāptāv arthārthaṃ mūḍhacetasau

So gerieten die beiden, Supratīka und Vibhāvasu, durch gegenseitigen Fluch, um des Reichtums willen, verblendeten Sinnes, in Elefanten- und Schildkrötengestalt.

Wort für Wort
evam anyonyaśāpāt tau supratīkavibhāvasū | gajakacchapatāṃ prāptāv arthārthaṃ mūḍhacetasau
So gerieten die beiden, Supratīka und Vibhāvasu, durch gegenseitigen Fluch, um des Reichtums willen, verblendeten Sinnes, in Elefanten- und Schildkrötengestalt.

roṣadoṣānuṣaṅgeṇa tiryagyonigatāv api | parasparadveṣaratau pramāṇabaladarpitau

Durch die Anhaftung des Zornfehlers, obgleich in Tiergestalt geraten, einander hassend, von ihrer Größe und Kraft übermütig,

Wort für Wort
roṣadoṣānuṣaṅgeṇa tiryagyonigatāv api | parasparadveṣaratau pramāṇabaladarpitau
Durch die Anhaftung des Zornfehlers, obgleich in Tiergestalt geraten, einander hassend, von ihrer Größe und Kraft übermütig,

sarasy asmin mahākāyau pūrvavairānusāriṇau | tayor ekataraḥ śrīmān samupaiti mahāgajaḥ

in diesem See, von gewaltigem Leib, der alten Feindschaft folgend – zu ihnen naht der eine, der glanzvolle, große Elefant.

Wort für Wort
sarasy asmin mahākāyau pūrvavairānusāriṇau | tayor ekataraḥ śrīmān samupaiti mahāgajaḥ
in diesem See, von gewaltigem Leib, der alten Feindschaft folgend – zu ihnen naht der eine, der glanzvolle, große Elefant.

tasya bṛṃhitaśabdena kūrmo 'py antarjaleśayaḥ | utthito 'sau mahākāyaḥ kṛtsnaṃ saṃkṣobhayan saraḥ

Durch das Getrompete von ihm erhob sich auch die im Wasser weilende Schildkröte, von gewaltigem Leib, den ganzen See aufwühlend.

Wort für Wort
tasya bṛṃhitaśabdena kūrmo 'py antarjaleśayaḥ | utthito 'sau mahākāyaḥ kṛtsnaṃ saṃkṣobhayan saraḥ
Durch das Getrompete von ihm erhob sich auch die im Wasser weilende Schildkröte, von gewaltigem Leib, den ganzen See aufwühlend.

taṃ dṛṣṭvāveṣṭitakaraḥ pataty eṣa gajo jalam | dantahastāgralāṅgūlapādavegena vīryavān

Als er sie erblickte, stürzte sich jener Elefant, den Rüssel eingerollt, ins Wasser, kraftvoll, mit der Wucht der Zahnspitzen, des Rüssels, des Schwanzes und der Füße.

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvāveṣṭitakaraḥ pataty eṣa gajo jalam | dantahastāgralāṅgūlapādavegena vīryavān
Als er sie erblickte, stürzte sich jener Elefant, den Rüssel eingerollt, ins Wasser, kraftvoll, mit der Wucht der Zahnspitzen, des Rüssels, des Schwanzes und der Füße.

taṃ vikṣobhayamāṇaṃ tu saro bahujhaṣākulam | kūrmo 'py abhyudyataśirā yuddhāyābhyeti vīryavān

Den so aufgewühlten, von vielen Fischen wimmelnden See – auch die Schildkröte, das Haupt erhoben, kommt kraftvoll zum Kampf heran.

Wort für Wort
taṃ vikṣobhayamāṇaṃ tu saro bahujhaṣākulam | kūrmo 'py abhyudyataśirā yuddhāyābhyeti vīryavān
Den so aufgewühlten, von vielen Fischen wimmelnden See – auch die Schildkröte, das Haupt erhoben, kommt kraftvoll zum Kampf heran.

ṣaḍ ucchrito yojanāni gajas tad dviguṇāyataḥ | kūrmas triyojanotsedho daśayojanamaṇḍalaḥ

Sechs Yojanas hoch ist der Elefant, doppelt so lang; die Schildkröte drei Yojanas hoch, zehn Yojanas im Umfang.

Wort für Wort
ṣaḍ ucchrito yojanāni gajas tad dviguṇāyataḥ | kūrmas triyojanotsedho daśayojanamaṇḍalaḥ
Sechs Yojanas hoch ist der Elefant, doppelt so lang; die Schildkröte drei Yojanas hoch, zehn Yojanas im Umfang.

[Anm.: Ein Yojana ist ein traditionelles altindisches Wegmaß.]

tāv etau yuddhasaṃmattau parasparajayaiṣiṇau | upayujyāśu karmedaṃ sādhayepsitam ātmanaḥ

„Diese beiden, kampftrunken, einander den Sieg begehrend – mache dir dieses Werk rasch zunutze und erreiche dein eigenes Vorhaben.“

Wort für Wort
tāv etau yuddhasaṃmattau parasparajayaiṣiṇau | upayujyāśu karmedaṃ sādhayepsitam ātmanaḥ
„Diese beiden, kampftrunken, einander den Sieg begehrend – mache dir dieses Werk rasch zunutze und erreiche dein eigenes Vorhaben.“

[Anm.: Kaśyapa weist Garuḍa hiermit an, die beiden verfeindeten, verwandelten Brüder als Nahrung zu nehmen.]

sūta uvāca | sa tac chrutvā pitur vākyaṃ bhīmavego 'ntarikṣagaḥ | nakhena gajam ekena kūrmam ekena cākṣipat

Sūta sprach: Er, von furchtbarer Geschwindigkeit, der Himmelswandler, ergriff, nachdem er das Wort seines Vaters gehört hatte, mit einer Kralle den Elefanten, mit der anderen die Schildkröte.

Wort für Wort
sūta uvāca | sa tac chrutvā pitur vākyaṃ bhīmavego 'ntarikṣagaḥ | nakhena gajam ekena kūrmam ekena cākṣipat
Sūta sprach: Er, von furchtbarer Geschwindigkeit, der Himmelswandler, ergriff, nachdem er das Wort seines Vaters gehört hatte, mit einer Kralle den Elefanten, mit der anderen die Schildkröte.

samutpapāta cākāśaṃ tata uccair vihaṃgamaḥ | so 'lambatīrtham āsādya devavṛkṣān upāgamat

Und er erhob sich hoch in den Luftraum, der Vogel; er gelangte zur Furt Alambatīrtha und näherte sich den Götterbäumen.

Wort für Wort
samutpapāta cākāśaṃ tata uccair vihaṃgamaḥ | so 'lambatīrtham āsādya devavṛkṣān upāgamat
Und er erhob sich hoch in den Luftraum, der Vogel; er gelangte zur Furt Alambatīrtha und näherte sich den Götterbäumen.

te bhītāḥ samakampanta tasya pakṣānilāhatāḥ | na no bhañjyād iti tadā divyāḥ kanakaśākhinaḥ

Sie erzitterten erschrocken, vom Wind seiner Flügel getroffen, die göttlichen, golden-ästigen Bäume, aus Furcht, er möge sie zerbrechen.

Wort für Wort
te bhītāḥ samakampanta tasya pakṣānilāhatāḥ | na no bhañjyād iti tadā divyāḥ kanakaśākhinaḥ
Sie erzitterten erschrocken, vom Wind seiner Flügel getroffen, die göttlichen, golden-ästigen Bäume, aus Furcht, er möge sie zerbrechen.

pracalāṅgān sa tān dṛṣṭvā manorathaphalāṅkurān | anyān atularūpāṅgān upacakrāma khecaraḥ

Als er sie, mit zitternden Ästen, mit Wunsch-erfüllenden Frucht-Sprossen, so sah, wandte sich der Himmelswandler anderen, von unvergleichlicher Schönheit an Ästen, zu,

Wort für Wort
pracalāṅgān sa tān dṛṣṭvā manorathaphalāṅkurān | anyān atularūpāṅgān upacakrāma khecaraḥ
Als er sie, mit zitternden Ästen, mit Wunsch-erfüllenden Frucht-Sprossen, so sah, wandte sich der Himmelswandler anderen, von unvergleichlicher Schönheit an Ästen, zu,

kāñcanai rājataiś caiva phalair vaiḍūryaśākhinaḥ | sāgarāmbuparikṣiptān bhrājamānān mahādrumān

goldenen und silbernen Früchten, mit Vaiḍūrya-Zweigen, vom Ozeanwasser umspülten, glänzenden großen Bäumen.

Wort für Wort
kāñcanai rājataiś caiva phalair vaiḍūryaśākhinaḥ | sāgarāmbuparikṣiptān bhrājamānān mahādrumān
goldenen und silbernen Früchten, mit Vaiḍūrya-Zweigen, vom Ozeanwasser umspülten, glänzenden großen Bäumen.

[Anm.: Vaiḍūrya ist ein Edelstein, meist mit dem Katzenauge oder Beryll identifiziert.]

tam uvāca khagaśreṣṭhaṃ tatra rohiṇapādapaḥ | atipravṛddhaḥ sumahān āpatantaṃ manojavam

Da sprach zu ihm, dem Besten der Vögel, der Rohiṇa-Baum, überaus gewaltig gewachsen, riesig, als er, geschwind wie der Gedanke, heranstürzte:

Wort für Wort
tam uvāca khagaśreṣṭhaṃ tatra rohiṇapādapaḥ | atipravṛddhaḥ sumahān āpatantaṃ manojavam
Da sprach zu ihm, dem Besten der Vögel, der Rohiṇa-Baum, überaus gewaltig gewachsen, riesig, als er, geschwind wie der Gedanke, heranstürzte:

[Anm.: Rohiṇa ist der Name eines bestimmten (Wunsch-)Baumes an diesem Ort.]

yaiṣā mama mahāśākhā śatayojanam āyatā | etām āsthāya śākhāṃ tvaṃ khādemau gajakacchapau

„Dieser mein großer Ast hier, hundert Yojanas lang – auf diesem Ast dich niederlassend, verzehre diese beiden, Elefant und Schildkröte.“

Wort für Wort
yaiṣā mama mahāśākhā śatayojanam āyatā | etām āsthāya śākhāṃ tvaṃ khādemau gajakacchapau
„Dieser mein großer Ast hier, hundert Yojanas lang – auf diesem Ast dich niederlassend, verzehre diese beiden, Elefant und Schildkröte.“

tato drumaṃ patagasahasrasevitaṃ mahīdharapratimavapuḥ prakampayan | khagottamo drutam abhipatya vegavān babhañja tām aviralapatrasaṃvṛtām

Da, den von tausend Vögeln bewohnten Baum, dessen Leib einem Berg glich, erschütternd, stürzte der Beste der Vögel geschwind und rasch heran und zerbrach jenen dicht mit Blättern bedeckten Ast.

Wort für Wort
tato drumaṃ patagasahasrasevitaṃ mahīdharapratimavapuḥ prakampayan | khagottamo drutam abhipatya vegavān babhañja tām aviralapatrasaṃvṛtām
Da, den von tausend Vögeln bewohnten Baum, dessen Leib einem Berg glich, erschütternd, stürzte der Beste der Vögel geschwind und rasch heran und zerbrach jenen dicht mit Blättern bedeckten Ast.

[Anm.: Adhyāya 25 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei, unmittelbar bevor der abbrechende Ast selbst zur nächsten Gefahr wird – die Muni auf ihm hängend, wie der weitere Verlauf zeigen wird.]

Dieses Kapitel in der Leseansicht