Kapitel 53: Āstīkaparvaṇaḥ Samāpanam (Adhyāya 53, Kritische Ausgabe)
Das Ende des Schlangenopfers und der Beginn der Mahābhārata-Erzählung
Āstīka hält Takṣaka mit dem dreifachen Ruf 'Bleib stehen!' in der Luft; Janamejaya bricht das Opfer ab, beschenkt Priester, Sūta Lohitākṣa und den Baumeister; Āstīka wird geehrt heimgeschickt und für das künftige Aśvamedha als Sadasya verpflichtet; die geretteten Schlangen segnen ihn. Damit endet die Āstīka-Rahmenerzählung. Śaunaka bittet Sūta, nun die eigentliche, von Vyāsa (Kṛṣṇa Dvaipāyana) verfasste Mahābhārata-Erzählung vorzutragen, die dieser einst Janamejaya in den Pausen des Schlangenopfers erzählt hatte – Sūta sagt zu. Ein zentraler struktureller Übergang: vom Rahmen (Naimiṣa-Wald, Śaunaka-Sūta-Gespräch, darin Janamejayas Schlangenopfer, darin Āstīka) zur eigentlichen Haupterzählung.
sūta uvāca idam atyadbhutaṃ cānyad āstīkasyānuśuśrumaḥ tathā varaiś chandyamāne rājñā pārikṣitena ha
Sūta sprach: „Dies andere, überaus wunderbare [Ereignis] haben wir gleichfalls über Āstīka vernommen, als er von dem König, dem Sohn des Parikṣit, mit Wunschgaben umworben wurde.“
Wort für Wort
sūta uvāca idam atyadbhutaṃ cānyad āstīkasyānuśuśrumaḥ tathā varaiś chandyamāne rājñā pārikṣitena ha
Sūta sprach: „Dies andere, überaus wunderbare [Ereignis] haben wir gleichfalls über Āstīka vernommen, als er von dem König, dem Sohn des Parikṣit, mit Wunschgaben umworben wurde.“
vitasthe so 'ntarikṣe 'tha hṛdayena vidūyatā yathā tiṣṭheta vai kaś cid gocakrasyāntarā naraḥ
„Da blieb er in der Luft stehen, das Herz [vor Angst] bebend, wie irgendein Mensch, der mitten im Kreis einer Rinderherde [?] stehen bliebe.“
Wort für Wort
vitasthe so 'ntarikṣe 'tha hṛdayena vidūyatā yathā tiṣṭheta vai kaś cid gocakrasyāntarā naraḥ
„Da blieb er in der Luft stehen, das Herz [vor Angst] bebend, wie irgendein Mensch, der mitten im Kreis einer Rinderherde [?] stehen bliebe.“
[Anm.: „gocakrasyāntarā“ (‚mitten im Rinder-/Kuh-Rad‘) ist ein unklares Bild – vielleicht ein Mann, der sich zwischen anstürmenden Rindern in tödlicher Gefahr regungslos hält; die genaue Vorstellung bleibt unsicher.]
‚ein Brahmane ist der Grund‘ [hatten sie gesagt] – dem gab er reichen Besitz. Danach vollzog er das Abschlussbad [Avabhṛtha] nach vorschriftsgemäß verordnetem Ritus.
‚ein Brahmane ist der Grund‘ [hatten sie gesagt] – dem gab er reichen Besitz. Danach vollzog er das Abschlussbad [Avabhṛtha] nach vorschriftsgemäß verordnetem Ritus.
tathety uktvā pradudrāva sa cāstīko mudā yutaḥ kṛtvā svakāryam atulaṃ toṣayitvā ca pārthivam
„So sei es“, sprach er, und eilte davon, jener Āstīka, von Freude erfüllt, nachdem er sein unvergleichliches Werk vollbracht und den König zufriedengestellt hatte.
Wort für Wort
tathety uktvā pradudrāva sa cāstīko mudā yutaḥ kṛtvā svakāryam atulaṃ toṣayitvā ca pārthivam
„So sei es“, sprach er, und eilte davon, jener Āstīka, von Freude erfüllt, nachdem er sein unvergleichliches Werk vollbracht und den König zufriedengestellt hatte.
sa gatvā paramaprīto mātaraṃ mātulaṃ ca tam abhigamyopasaṃgṛhya yathāvṛttaṃ nyavedayat
Er ging, überaus erfreut, zu seiner Mutter und jenem seinem Onkel [Vāsuki], trat vor sie, umarmte sie und berichtete ihnen, wie es sich zugetragen hatte.
Wort für Wort
sa gatvā paramaprīto mātaraṃ mātulaṃ ca tam abhigamyopasaṃgṛhya yathāvṛttaṃ nyavedayat
Er ging, überaus erfreut, zu seiner Mutter und jenem seinem Onkel [Vāsuki], trat vor sie, umarmte sie und berichtete ihnen, wie es sich zugetragen hatte.
etac chrutvā prīyamāṇāḥ sametā; ye tatrāsan pannagā vītamohāḥ te 'stīke vai prītimanto babhūvur; ūcuś cainaṃ varam iṣṭaṃ vṛṇīṣva
Als sie dies vernahmen, wurden die dort versammelten Schlangen, von Verblendung befreit, hocherfreut; sie wurden Āstīka voll Zuneigung zugetan und sprachen zu ihm: „Erbitte einen erwünschten Gnadenlohn.“
Wort für Wort
etac chrutvā prīyamāṇāḥ sametā; ye tatrāsan pannagā vītamohāḥ te 'stīke vai prītimanto babhūvur; ūcuś cainaṃ varam iṣṭaṃ vṛṇīṣva
Als sie dies vernahmen, wurden die dort versammelten Schlangen, von Verblendung befreit, hocherfreut; sie wurden Āstīka voll Zuneigung zugetan und sprachen zu ihm: „Erbitte einen erwünschten Gnadenlohn.“
bhūyo bhūyaḥ sarvaśas te 'bruvaṃs taṃ; kiṃ te priyaṃ karavāmo 'dya vidvan prītā vayaṃ mokṣitāś caiva sarve; kāmaṃ kiṃ te karavāmo 'dya vatsa
Immer wieder, auf jede Weise, sprachen sie zu ihm: „Was Liebes sollen wir dir heute tun, Kenner? Erfreut sind wir und alle [von der Gefahr] befreit – was auch immer du dir wünschst, sollen wir dir heute tun, mein Kind?“
Wort für Wort
bhūyo bhūyaḥ sarvaśas te 'bruvaṃs taṃ; kiṃ te priyaṃ karavāmo 'dya vidvan prītā vayaṃ mokṣitāś caiva sarve; kāmaṃ kiṃ te karavāmo 'dya vatsa
Immer wieder, auf jede Weise, sprachen sie zu ihm: „Was Liebes sollen wir dir heute tun, Kenner? Erfreut sind wir und alle [von der Gefahr] befreit – was auch immer du dir wünschst, sollen wir dir heute tun, mein Kind?“
Āstīka sprach: „Abends und morgens, wohlgesinnten Gemüts, Brahmanen in der Welt und andere Menschen ebenso, die diese meine Erzählung von der Rechtschaffenheit vortragen – ihnen soll von euch überhaupt keine Furcht widerfahren.“
Āstīka sprach: „Abends und morgens, wohlgesinnten Gemüts, Brahmanen in der Welt und andere Menschen ebenso, die diese meine Erzählung von der Rechtschaffenheit vortragen – ihnen soll von euch überhaupt keine Furcht widerfahren.“
Sūta sprach: Und zu ihm, dem Schwestersohn, sprachen sie, die zufriedenen [Schlangen]: „Das sei wahr; so nach Belieben verfahrend, von Liebe erfüllt, werden wir, dir zugeneigt, in jeder Hinsicht das Gewünschte erfüllen, Schwestersohn.“
Sūta sprach: Und zu ihm, dem Schwestersohn, sprachen sie, die zufriedenen [Schlangen]: „Das sei wahr; so nach Belieben verfahrend, von Liebe erfüllt, werden wir, dir zugeneigt, in jeder Hinsicht das Gewünschte erfüllen, Schwestersohn.“
„Der von Jaratkāru und Jaratkārū geborene, hochberühmte, wahrheitsgetreue Āstīka möge mich vor den Schlangen beschützen.“
[Anm.: Vers 22-23 haben den Charakter einer eingefügten Schutzformel, die derjenige spricht, der die Āstīka-Erzählung rezitiert oder hört – daher der Wechsel zur Ich-Form „möge mich beschützen“.]
„Wer sich des Asita, des Ārtimant und auch des Sunītha erinnert, bei Tag oder bei Nacht – dem widerfahre keine Furcht vor Schlangen.“
[Anm.: Ārtimant und Sunītha werden hier erstmals genannt und nicht weiter erläutert; vermutlich mit Āstīka verbundene fromme Gestalten, deren bloße Erinnerung als Schutz vor Schlangen gilt.]
Sūta sprach: Nachdem er die Schlangen aus dem Schlangenopfer befreit hatte, ging jener beste der Zweifachgeborenen, aus Rechtschaffenheit gesonnen, zur rechten Zeit dem Ende seines Lebensloses entgegen, im Besitz von Söhnen und Enkeln.
Sūta sprach: Nachdem er die Schlangen aus dem Schlangenopfer befreit hatte, ging jener beste der Zweifachgeborenen, aus Rechtschaffenheit gesonnen, zur rechten Zeit dem Ende seines Lebensloses entgegen, im Besitz von Söhnen und Enkeln.
śrutvā dharmiṣṭham ākhyānam āstīkaṃ puṇyavardhanam āstīkasya kaver vipra śrīmaccaritam āditaḥ
Nachdem du die rechtschaffene, das Verdienst mehrende Erzählung von Āstīka vernommen hast – die glückverheißende Lebensgeschichte des Sehers Āstīka, von Anfang an, o Brahmane.
Wort für Wort
śrutvā dharmiṣṭham ākhyānam āstīkaṃ puṇyavardhanam āstīkasya kaver vipra śrīmaccaritam āditaḥ
Nachdem du die rechtschaffene, das Verdienst mehrende Erzählung von Āstīka vernommen hast – die glückverheißende Lebensgeschichte des Sehers Āstīka, von Anfang an, o Brahmane.
śaunaka uvāca bhṛguvaṃśāt prabhṛty eva tvayā me kathitaṃ mahat ākhyānam akhilaṃ tāta saute prīto 'smi tena te
Śaunaka sprach: „Vom Geschlecht des Bhṛgu an hast du mir die ganze große Erzählung berichtet, mein Sohn, Sohn des Sūta; darüber bin ich erfreut mit dir.“
Wort für Wort
śaunaka uvāca bhṛguvaṃśāt prabhṛty eva tvayā me kathitaṃ mahat ākhyānam akhilaṃ tāta saute prīto 'smi tena te
Śaunaka sprach: „Vom Geschlecht des Bhṛgu an hast du mir die ganze große Erzählung berichtet, mein Sohn, Sohn des Sūta; darüber bin ich erfreut mit dir.“
„Bei jenem überaus schwer zu erlangenden Schlangenopfer der Großmütigen, in den Pausen der Ritualhandlungen, vorschriftsgemäß, den Sadasyas [erzählt] – o großer Seher,“
„Bei jenem überaus schwer zu erlangenden Schlangenopfer der Großmütigen, in den Pausen der Ritualhandlungen, vorschriftsgemäß, den Sadasyas [erzählt] – o großer Seher,“
„welche vielfältigen wunderbaren Erzählungen es gab, in welchen Zusammenhängen, wie sie sich zutrugen – das möchten wir von dir hören, Sohn des Sūta, du Kundiger.“
„welche vielfältigen wunderbaren Erzählungen es gab, in welchen Zusammenhängen, wie sie sich zutrugen – das möchten wir von dir hören, Sohn des Sūta, du Kundiger.“
Sūta sprach: In den Pausen der Ritualhandlungen erzählten die auf den Veda gegründeten Brahmanen [ihre] Erzählungen; Vyāsa aber erzählte beständig die große Erzählung, das Bhārata.
Sūta sprach: In den Pausen der Ritualhandlungen erzählten die auf den Veda gegründeten Brahmanen [ihre] Erzählungen; Vyāsa aber erzählte beständig die große Erzählung, das Bhārata.
manaḥsāgarasaṃbhūtāṃ maharṣeḥ puṇyakarmaṇaḥ kathayasva satāṃ śreṣṭha na hi tṛpyāmi sūtaja
„die aus dem Geistesozean des großen Sehers von verdienstvollem Wirken entstanden ist – erzähle sie, bester der Guten; ich werde nicht satt, Sohn des Sūta.“
Wort für Wort
manaḥsāgarasaṃbhūtāṃ maharṣeḥ puṇyakarmaṇaḥ kathayasva satāṃ śreṣṭha na hi tṛpyāmi sūtaja
„die aus dem Geistesozean des großen Sehers von verdienstvollem Wirken entstanden ist – erzähle sie, bester der Guten; ich werde nicht satt, Sohn des Sūta.“
Sūta sprach: „Wohlan, ich will dir die große, vortreffliche Erzählung berichten – die Lehrmeinung des Kṛṣṇa Dvaipāyana, das Mahābhārata, von Anfang an.“
Sūta sprach: „Wohlan, ich will dir die große, vortreffliche Erzählung berichten – die Lehrmeinung des Kṛṣṇa Dvaipāyana, das Mahābhārata, von Anfang an.“
[Anm.: Mit diesem Vers kündigt Sūta den Beginn der eigentlichen Mahābhārata-Erzählung an – die Āstīka-Rahmenerzählung (Pauṣya- und Āstīka-Parvan) ist damit abgeschlossen, die Haupterzählung setzt im folgenden Adhyāya ein.]
taj juṣasvottamamate kathyamānaṃ mayā dvija śaṃsituṃ tan manoharṣo mamāpīha pravartate
„Erfreue dich daran, du von vortrefflicher Gesinnung, während sie von mir erzählt wird, Zweifachgeborener; auch mir kommt es dabei innerlich zur Freude, sie zu verkünden.“
Wort für Wort
taj juṣasvottamamate kathyamānaṃ mayā dvija śaṃsituṃ tan manoharṣo mamāpīha pravartate
„Erfreue dich daran, du von vortrefflicher Gesinnung, während sie von mir erzählt wird, Zweifachgeborener; auch mir kommt es dabei innerlich zur Freude, sie zu verkünden.“