Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 76: Devayānī-Yayāti-Vivāhaḥ Devayānīs und Yayātis Vermählung

Bei einem zweiten Zusammentreffen im Wald erblickt Yayāti Devayānī, von Śarmiṣṭhā bedient, und erfragt ihre Herkunft. Devayānī begehrt ihn zum Gatten, weil er als Erster ihre Hand berührte; Yayāti zögert wegen des Standesunterschieds (Kṣatriya-Brahmanen-Ehe) und der Furcht vor brahmanischem Zorn, gibt aber nach, als Śukra selbst erscheint, die Verbindung als dharmagemäß erklärt und ihn von aller Schuld freispricht - mit der ausdrücklichen Auflage, Śarmiṣṭhā zwar zu ehren, aber nie zum Lager zu rufen.

vaiśaṃpāyana uvāca atha dīrghasya kālasya devayānī nṛpottama vanaṃ tad eva niryātā krīḍārthaṃ varavarṇinī

Vaiśaṃpāyana sprach: »Nach langer Zeit nun, o bester der Könige, ging Devayānī, die Schönfarbige, wieder zum Spiel in denselben Wald.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca atha dīrghasya kālasya devayānī nṛpottama vanaṃ tad eva niryātā krīḍārthaṃ varavarṇinī
Vaiśaṃpāyana sprach: »Nach langer Zeit nun, o bester der Könige, ging Devayānī, die Schönfarbige, wieder zum Spiel in denselben Wald.

tena dāsīsahasreṇa sārdhaṃ śarmiṣṭhayā tadā tam eva deśaṃ saṃprāptā yathākāmaṃ cacāra sā tābhiḥ sakhībhiḥ sahitā sarvābhir muditā bhṛśam

Mit jenem Tausend an Dienerinnen, zusammen mit Śarmiṣṭhā, gelangte sie damals an denselben Ort und wandelte nach Belieben umher, mit all jenen Freundinnen zusammen, überaus froh.

Wort für Wort
tena dāsīsahasreṇa sārdhaṃ śarmiṣṭhayā tadā tam eva deśaṃ saṃprāptā yathākāmaṃ cacāra sā tābhiḥ sakhībhiḥ sahitā sarvābhir muditā bhṛśam
Mit jenem Tausend an Dienerinnen, zusammen mit Śarmiṣṭhā, gelangte sie damals an denselben Ort und wandelte nach Belieben umher, mit all jenen Freundinnen zusammen, überaus froh.

krīḍantyo 'bhiratāḥ sarvāḥ pibantyo madhumādhavīm khādantyo vividhān bhakṣyān vidaśantyaḥ phalāni ca

Alle spielten vergnügt, tranken Met aus der Mādhavī-Rebe, aßen verschiedene Speisen und knabberten Früchte.

Wort für Wort
krīḍantyo 'bhiratāḥ sarvāḥ pibantyo madhumādhavīm khādantyo vividhān bhakṣyān vidaśantyaḥ phalāni ca
Alle spielten vergnügt, tranken Met aus der Mādhavī-Rebe, aßen verschiedene Speisen und knabberten Früchte.

punaś ca nāhuṣo rājā mṛgalipsur yadṛcchayā tam eva deśaṃ saṃprāpto jalārthī śramakarśitaḥ

Und wieder gelangte König Nāhuṣa (Yayāti), auf der Suche nach Wild, durch Zufall an denselben Ort, durstig, von der Anstrengung erschöpft.

Wort für Wort
punaś ca nāhuṣo rājā mṛgalipsur yadṛcchayā tam eva deśaṃ saṃprāpto jalārthī śramakarśitaḥ
Und wieder gelangte König Nāhuṣa (Yayāti), auf der Suche nach Wild, durch Zufall an denselben Ort, durstig, von der Anstrengung erschöpft.

dadṛśe devayānīṃ ca śarmiṣṭhāṃ tāś ca yoṣitaḥ pibantīr lalamānāś ca divyābharaṇabhūṣitāḥ

Er sah Devayānī und Śarmiṣṭhā und jene Frauen, die tranken und scherzten, mit himmlischem Schmuck geschmückt.

Wort für Wort
dadṛśe devayānīṃ ca śarmiṣṭhāṃ tāś ca yoṣitaḥ pibantīr lalamānāś ca divyābharaṇabhūṣitāḥ
Er sah Devayānī und Śarmiṣṭhā und jene Frauen, die tranken und scherzten, mit himmlischem Schmuck geschmückt.

upaviṣṭāṃ ca dadṛśe devayānīṃ śucismitām rūpeṇāpratimāṃ tāsāṃ strīṇāṃ madhye varāṅganām śarmiṣṭhayā sevyamānāṃ pādasaṃvāhanādibhiḥ

Und er sah Devayānī, die Reinlächelnde, sitzend, unter jenen Frauen an Schönheit unvergleichlich, die Vortrefflichste unter den vortrefflichen Frauen, von Śarmiṣṭhā bedient, mit Fußmassage und anderem.

Wort für Wort
upaviṣṭāṃ ca dadṛśe devayānīṃ śucismitām rūpeṇāpratimāṃ tāsāṃ strīṇāṃ madhye varāṅganām śarmiṣṭhayā sevyamānāṃ pādasaṃvāhanādibhiḥ
Und er sah Devayānī, die Reinlächelnde, sitzend, unter jenen Frauen an Schönheit unvergleichlich, die Vortrefflichste unter den vortrefflichen Frauen, von Śarmiṣṭhā bedient, mit Fußmassage und anderem.

yayātir uvāca dvābhyāṃ kanyāsahasrābhyāṃ dve kanye parivārite gotre ca nāmanī caiva dvayoḥ pṛcchāmi vām aham

Yayāti sprach: ›Von zweimal tausend Mädchen umgeben seid ihr zwei Jungfrauen; nach Geschlecht (Gotra) und Namen euch beider frage ich euch.

Wort für Wort
yayātir uvāca dvābhyāṃ kanyāsahasrābhyāṃ dve kanye parivārite gotre ca nāmanī caiva dvayoḥ pṛcchāmi vām aham
Yayāti sprach: ›Von zweimal tausend Mädchen umgeben seid ihr zwei Jungfrauen; nach Geschlecht (Gotra) und Namen euch beider frage ich euch.

devayāny uvāca ākhyāsyāmy aham ādatsva vacanaṃ me narādhipa śukro nāmāsuraguruḥ sutāṃ jānīhi tasya mām

Devayānī sprach: ›Ich werde es dir sagen - höre auf mein Wort, o Herrscher der Menschen: Śukra heißt der Asura-Lehrer; wisse, dass ich seine Tochter bin.

Wort für Wort
devayāny uvāca ākhyāsyāmy aham ādatsva vacanaṃ me narādhipa śukro nāmāsuraguruḥ sutāṃ jānīhi tasya mām
Devayānī sprach: ›Ich werde es dir sagen - höre auf mein Wort, o Herrscher der Menschen: Śukra heißt der Asura-Lehrer; wisse, dass ich seine Tochter bin.

iyaṃ ca me sakhī dāsī yatrāhaṃ tatra gāminī duhitā dānavendrasya śarmiṣṭhā vṛṣaparvaṇaḥ

Und diese meine Freundin ist zugleich meine Dienerin, die dorthin geht, wohin ich gehe - die Tochter des Dānava-Herrschers Vṛṣaparvan, Śarmiṣṭhā.

Wort für Wort
iyaṃ ca me sakhī dāsī yatrāhaṃ tatra gāminī duhitā dānavendrasya śarmiṣṭhā vṛṣaparvaṇaḥ
Und diese meine Freundin ist zugleich meine Dienerin, die dorthin geht, wohin ich gehe - die Tochter des Dānava-Herrschers Vṛṣaparvan, Śarmiṣṭhā.

yayātir uvāca kathaṃ nu te sakhī dāsī kanyeyaṃ varavarṇinī asurendrasutā subhru paraṃ kautūhalaṃ hi me

Yayāti sprach: ›Wie kann diese schönfarbige Jungfrau, die Tochter des Asura-Herrschers, deine Dienerin und zugleich deine Freundin sein, du Schönbraue? Große Neugier befällt mich.‹

Wort für Wort
yayātir uvāca kathaṃ nu te sakhī dāsī kanyeyaṃ varavarṇinī asurendrasutā subhru paraṃ kautūhalaṃ hi me
Yayāti sprach: ›Wie kann diese schönfarbige Jungfrau, die Tochter des Asura-Herrschers, deine Dienerin und zugleich deine Freundin sein, du Schönbraue? Große Neugier befällt mich.‹

devayāny uvāca sarva eva naravyāghra vidhānam anuvartate vidhānavihitaṃ matvā mā vicitrāḥ kathāḥ kṛthāḥ

Devayānī sprach: ›Alles, o Tiger unter den Männern, folgt der Fügung; halte es für von der Fügung bestimmt und stelle keine seltsamen Fragen mehr.

Wort für Wort
devayāny uvāca sarva eva naravyāghra vidhānam anuvartate vidhānavihitaṃ matvā mā vicitrāḥ kathāḥ kṛthāḥ
Devayānī sprach: ›Alles, o Tiger unter den Männern, folgt der Fügung; halte es für von der Fügung bestimmt und stelle keine seltsamen Fragen mehr.

rājavad rūpaveṣau te brāhmīṃ vācaṃ bibharṣi ca kiṃnāmā tvaṃ kutaś cāsi kasya putraś ca śaṃsa me

Wie ein König sind deine Gestalt und Kleidung, doch du führst brahmanische Rede; wie heißt du, woher kommst du, und wessen Sohn bist du - sag mir das.‹

Wort für Wort
rājavad rūpaveṣau te brāhmīṃ vācaṃ bibharṣi ca kiṃnāmā tvaṃ kutaś cāsi kasya putraś ca śaṃsa me
Wie ein König sind deine Gestalt und Kleidung, doch du führst brahmanische Rede; wie heißt du, woher kommst du, und wessen Sohn bist du - sag mir das.‹

yayātir uvāca brahmacaryeṇa kṛtsno me vedaḥ śrutipathaṃ gataḥ rājāhaṃ rājaputraś ca yayātir iti viśrutaḥ

Yayāti sprach: ›Durch Brahmacarya ist mir der gesamte Veda zu Ohren gekommen [ich habe ihn ganz erlernt]; ich bin ein König und Königssohn, unter dem Namen Yayāti bekannt.‹

Wort für Wort
yayātir uvāca brahmacaryeṇa kṛtsno me vedaḥ śrutipathaṃ gataḥ rājāhaṃ rājaputraś ca yayātir iti viśrutaḥ
Yayāti sprach: ›Durch Brahmacarya ist mir der gesamte Veda zu Ohren gekommen [ich habe ihn ganz erlernt]; ich bin ein König und Königssohn, unter dem Namen Yayāti bekannt.‹

devayāny uvāca kenāsy arthena nṛpate imaṃ deśam upāgataḥ jighṛkṣur vārijaṃ kiṃ cid atha vā mṛgalipsayā

Devayānī sprach: ›Aus welchem Grund, o König, bist du an diesen Ort gekommen - wolltest du etwas Wassergeborenes [einen Lotos] pflücken, oder aus Verlangen nach Wild?‹

Wort für Wort
devayāny uvāca kenāsy arthena nṛpate imaṃ deśam upāgataḥ jighṛkṣur vārijaṃ kiṃ cid atha vā mṛgalipsayā
Devayānī sprach: ›Aus welchem Grund, o König, bist du an diesen Ort gekommen - wolltest du etwas Wassergeborenes [einen Lotos] pflücken, oder aus Verlangen nach Wild?‹

yayātir uvāca mṛgalipsur ahaṃ bhadre pānīyārtham upāgataḥ bahu cāpy anuyukto 'smi tan mānujñātum arhasi

Yayāti sprach: ›Auf der Suche nach Wild, du Gute, kam ich wegen Wasser hierher; und viel bin ich [von dir] befragt worden - dies solltest du mir nun gestatten [zu gehen].‹

Wort für Wort
yayātir uvāca mṛgalipsur ahaṃ bhadre pānīyārtham upāgataḥ bahu cāpy anuyukto 'smi tan mānujñātum arhasi
Yayāti sprach: ›Auf der Suche nach Wild, du Gute, kam ich wegen Wasser hierher; und viel bin ich [von dir] befragt worden - dies solltest du mir nun gestatten [zu gehen].‹

[Anm.: 'tan mānujñātum arhasi' ist knapp und leicht zweideutig - hier als Bitte um Erlaubnis zum Aufbruch gedeutet.

devayāny uvāca dvābhyāṃ kanyāsahasrābhyāṃ dāsyā śarmiṣṭhayā saha tvadadhīnāsmi bhadraṃ te sakhā bhartā ca me bhava

Devayānī sprach: ›Mit den zweimal tausend Mädchen, samt der Dienerin Śarmiṣṭhā, bin ich dir untertan - Heil dir! Sei mein Freund und mein Gatte.‹

Wort für Wort
devayāny uvāca dvābhyāṃ kanyāsahasrābhyāṃ dāsyā śarmiṣṭhayā saha tvadadhīnāsmi bhadraṃ te sakhā bhartā ca me bhava
Devayānī sprach: ›Mit den zweimal tausend Mädchen, samt der Dienerin Śarmiṣṭhā, bin ich dir untertan - Heil dir! Sei mein Freund und mein Gatte.‹

yayātir uvāca viddhy auśanasi bhadraṃ te na tvām arho 'smi bhāmini avivāhyā hi rājāno devayāni pitus tava

Yayāti sprach: ›Wisse, Tochter des Uśanas, Heil dir - ich bin deiner nicht würdig, du Zürnende; denn für Könige ist die Tochter deines Vaters, Devayānī, nicht heiratbar.‹

Wort für Wort
yayātir uvāca viddhy auśanasi bhadraṃ te na tvām arho 'smi bhāmini avivāhyā hi rājāno devayāni pitus tava
Yayāti sprach: ›Wisse, Tochter des Uśanas, Heil dir - ich bin deiner nicht würdig, du Zürnende; denn für Könige ist die Tochter deines Vaters, Devayānī, nicht heiratbar.‹

devayāny uvāca saṃsṛṣṭaṃ brahmaṇā kṣatraṃ kṣatraṃ ca brahmasaṃhitam ṛṣiś ca ṛṣiputraś ca nāhuṣāṅga vahasva mām

Devayānī sprach: ›Verbunden ist das Kṣatriya-Wesen mit dem Brahmanentum, und das Brahmanentum mit dem Kṣatriya-Wesen; ein Weiser ist auch ein Weisensohn - o Sohn des Nahuṣa, nimm mich zur Frau.‹

Wort für Wort
devayāny uvāca saṃsṛṣṭaṃ brahmaṇā kṣatraṃ kṣatraṃ ca brahmasaṃhitam ṛṣiś ca ṛṣiputraś ca nāhuṣāṅga vahasva mām
Devayānī sprach: ›Verbunden ist das Kṣatriya-Wesen mit dem Brahmanentum, und das Brahmanentum mit dem Kṣatriya-Wesen; ein Weiser ist auch ein Weisensohn - o Sohn des Nahuṣa, nimm mich zur Frau.‹

yayātir uvāca ekadehodbhavā varṇāś catvāro 'pi varāṅgane pṛthagdharmāḥ pṛthakśaucās teṣāṃ tu brāhmaṇo varaḥ

Yayāti sprach: ›Auch wenn die vier Stände aus einem einzigen Leib entstanden sind, du Schöne, haben sie doch je eigene Pflichten und je eigene Reinheit; von ihnen ist der Brahmane der Höchste.‹

Wort für Wort
yayātir uvāca ekadehodbhavā varṇāś catvāro 'pi varāṅgane pṛthagdharmāḥ pṛthakśaucās teṣāṃ tu brāhmaṇo varaḥ
Yayāti sprach: ›Auch wenn die vier Stände aus einem einzigen Leib entstanden sind, du Schöne, haben sie doch je eigene Pflichten und je eigene Reinheit; von ihnen ist der Brahmane der Höchste.‹

devayāny uvāca pāṇidharmo nāhuṣāyaṃ na pumbhiḥ sevitaḥ purā taṃ me tvam agrahīr agre vṛṇomi tvām ahaṃ tataḥ

Devayānī sprach: ›Diese Sitte des Handfassens, o Sohn des Nahuṣa, wurde zuvor von keinem Mann bei mir vollzogen; du hast als Erster meine Hand ergriffen - darum erwähle ich dich zum Gatten.

Wort für Wort
devayāny uvāca pāṇidharmo nāhuṣāyaṃ na pumbhiḥ sevitaḥ purā taṃ me tvam agrahīr agre vṛṇomi tvām ahaṃ tataḥ
Devayānī sprach: ›Diese Sitte des Handfassens, o Sohn des Nahuṣa, wurde zuvor von keinem Mann bei mir vollzogen; du hast als Erster meine Hand ergriffen - darum erwähle ich dich zum Gatten.

kathaṃ nu me manasvinyāḥ pāṇim anyaḥ pumān spṛśet gṛhītam ṛṣiputreṇa svayaṃ vāpy ṛṣiṇā tvayā

Wie könnte denn ein anderer Mann meine Hand berühren, die ich, die Stolze, [schon] von einem Weisensohn - ja von dir selbst, einem Weisen - ergriffen erhalten habe?‹

Wort für Wort
kathaṃ nu me manasvinyāḥ pāṇim anyaḥ pumān spṛśet gṛhītam ṛṣiputreṇa svayaṃ vāpy ṛṣiṇā tvayā
Wie könnte denn ein anderer Mann meine Hand berühren, die ich, die Stolze, [schon] von einem Weisensohn - ja von dir selbst, einem Weisen - ergriffen erhalten habe?‹

[Anm.: Devayānī spricht Yayāti hier ehrenhalber als 'Weisen'/'Weisensohn' an, wohl im Anschluss an seine eigene Aussage (V.13), er habe durch Brahmacarya den ganzen Veda erlernt - obwohl er als Kṣatriya-König kein Ṛṣi im eigentlichen Sinn ist.

yayātir uvāca kruddhād āśīviṣāt sarpāj jvalanāt sarvatomukhāt durādharṣataro vipraḥ puruṣeṇa vijānatā

Yayāti sprach: ›Schwerer anzugreifen als eine zornige, giftige Schlange, schwerer als ein nach allen Seiten loderndes Feuer ist ein Brahmane - dies erkenne der verständige Mann.‹

Wort für Wort
yayātir uvāca kruddhād āśīviṣāt sarpāj jvalanāt sarvatomukhāt durādharṣataro vipraḥ puruṣeṇa vijānatā
Yayāti sprach: ›Schwerer anzugreifen als eine zornige, giftige Schlange, schwerer als ein nach allen Seiten loderndes Feuer ist ein Brahmane - dies erkenne der verständige Mann.‹

devayāny uvāca katham āśīviṣāt sarpāj jvalanāt sarvatomukhāt durādharṣataro vipra ity āttha puruṣarṣabha

Devayānī sprach: ›Wie meinst du, dass ein Brahmane schwerer anzugreifen sei als eine giftige Schlange, als ein nach allen Seiten loderndes Feuer - so sprichst du, o Stier unter den Männern?‹

Wort für Wort
devayāny uvāca katham āśīviṣāt sarpāj jvalanāt sarvatomukhāt durādharṣataro vipra ity āttha puruṣarṣabha
Devayānī sprach: ›Wie meinst du, dass ein Brahmane schwerer anzugreifen sei als eine giftige Schlange, als ein nach allen Seiten loderndes Feuer - so sprichst du, o Stier unter den Männern?‹

yayātir uvāca ekam āśīviṣo hanti śastreṇaikaś ca vadhyate hanti vipraḥ sarāṣṭrāṇi purāṇy api hi kopitaḥ

Yayāti sprach: ›Eine giftige Schlange tötet einen Einzigen, und einer wird durch die Waffe getötet; ein Brahmane aber, in Zorn versetzt, vernichtet ganze Reiche samt ihren Städten.

Wort für Wort
yayātir uvāca ekam āśīviṣo hanti śastreṇaikaś ca vadhyate hanti vipraḥ sarāṣṭrāṇi purāṇy api hi kopitaḥ
Yayāti sprach: ›Eine giftige Schlange tötet einen Einzigen, und einer wird durch die Waffe getötet; ein Brahmane aber, in Zorn versetzt, vernichtet ganze Reiche samt ihren Städten.

durādharṣataro vipras tasmād bhīru mato mama ato 'dattāṃ ca pitrā tvāṃ bhadre na vivahāmy aham

Darum gilt mir der Brahmane als schwerer anzugreifen, du Furchtsame; und darum werde ich dich, die von deinem Vater [mir noch] nicht gegeben wurde, nicht heiraten, du Gute.‹

Wort für Wort
durādharṣataro vipras tasmād bhīru mato mama ato 'dattāṃ ca pitrā tvāṃ bhadre na vivahāmy aham
Darum gilt mir der Brahmane als schwerer anzugreifen, du Furchtsame; und darum werde ich dich, die von deinem Vater [mir noch] nicht gegeben wurde, nicht heiraten, du Gute.‹

devayāny uvāca dattāṃ vahasva pitrā māṃ tvaṃ hi rājan vṛto mayā ayācato bhayaṃ nāsti dattāṃ ca pratigṛhṇataḥ

Devayānī sprach: ›Nimm mich, von meinem Vater gegeben, zur Frau; denn du, o König, bist von mir erwählt. Für den, der nicht selbst bittet, sondern die ihm Gegebene annimmt, besteht keine Gefahr.‹

Wort für Wort
devayāny uvāca dattāṃ vahasva pitrā māṃ tvaṃ hi rājan vṛto mayā ayācato bhayaṃ nāsti dattāṃ ca pratigṛhṇataḥ
Devayānī sprach: ›Nimm mich, von meinem Vater gegeben, zur Frau; denn du, o König, bist von mir erwählt. Für den, der nicht selbst bittet, sondern die ihm Gegebene annimmt, besteht keine Gefahr.‹

vaiśaṃpāyana uvāca tvaritaṃ devayānyātha preṣitaṃ pitur ātmanaḥ śrutvaiva ca sa rājānaṃ darśayām āsa bhārgavaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: »Da schickte Devayānī eilig [eine Botin] zu ihrem eigenen Vater, und sobald der Bhārgava (Śukra) davon gehört hatte, erschien er vor dem König.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tvaritaṃ devayānyātha preṣitaṃ pitur ātmanaḥ śrutvaiva ca sa rājānaṃ darśayām āsa bhārgavaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: »Da schickte Devayānī eilig [eine Botin] zu ihrem eigenen Vater, und sobald der Bhārgava (Śukra) davon gehört hatte, erschien er vor dem König.

dṛṣṭvaiva cāgataṃ śukraṃ yayātiḥ pṛthivīpatiḥ vavande brāhmaṇaṃ kāvyaṃ prāñjaliḥ praṇataḥ sthitaḥ

Und sobald Yayāti, der Herr der Erde, den herangekommenen Śukra erblickte, verehrte er den Brahmanen Kāvya, mit gefalteten Händen, verneigt dastehend.

Wort für Wort
dṛṣṭvaiva cāgataṃ śukraṃ yayātiḥ pṛthivīpatiḥ vavande brāhmaṇaṃ kāvyaṃ prāñjaliḥ praṇataḥ sthitaḥ
Und sobald Yayāti, der Herr der Erde, den herangekommenen Śukra erblickte, verehrte er den Brahmanen Kāvya, mit gefalteten Händen, verneigt dastehend.

devayāny uvāca rājāyaṃ nāhuṣas tāta durge me pāṇim agrahīt namas te dehi mām asmai nānyaṃ loke patiṃ vṛṇe

Devayānī sprach: ›Dieser König, der Sohn des Nahuṣa, Vater, hat in meiner Notlage meine Hand ergriffen - Verehrung dir! Gib mich diesem [zur Frau]; keinen anderen erwähle ich in der Welt zum Gatten.‹

Wort für Wort
devayāny uvāca rājāyaṃ nāhuṣas tāta durge me pāṇim agrahīt namas te dehi mām asmai nānyaṃ loke patiṃ vṛṇe
Devayānī sprach: ›Dieser König, der Sohn des Nahuṣa, Vater, hat in meiner Notlage meine Hand ergriffen - Verehrung dir! Gib mich diesem [zur Frau]; keinen anderen erwähle ich in der Welt zum Gatten.‹

śukra uvāca vṛto 'nayā patir vīra sutayā tvaṃ mameṣṭayā gṛhāṇemāṃ mayā dattāṃ mahiṣīṃ nahuṣātmaja

Śukra sprach: ›Von dieser meiner geliebten Tochter bist du, o Held, zum Gatten erwählt worden; nimm sie, die von mir gegeben ist, als Hauptgemahlin, o Sohn des Nahuṣa.‹

Wort für Wort
śukra uvāca vṛto 'nayā patir vīra sutayā tvaṃ mameṣṭayā gṛhāṇemāṃ mayā dattāṃ mahiṣīṃ nahuṣātmaja
Śukra sprach: ›Von dieser meiner geliebten Tochter bist du, o Held, zum Gatten erwählt worden; nimm sie, die von mir gegeben ist, als Hauptgemahlin, o Sohn des Nahuṣa.‹

yayātir uvāca adharmo na spṛśed evaṃ mahān mām iha bhārgava varṇasaṃkarajo brahmann iti tvāṃ pravṛṇomi aham

Yayāti sprach: ›Damit mich hier nicht ein so großes Unrecht berühre, das aus der Vermischung der Stände entsteht, o Bhārgava, o Brahmane - darum bitte ich dich [um deine Zustimmung].‹

Wort für Wort
yayātir uvāca adharmo na spṛśed evaṃ mahān mām iha bhārgava varṇasaṃkarajo brahmann iti tvāṃ pravṛṇomi aham
Yayāti sprach: ›Damit mich hier nicht ein so großes Unrecht berühre, das aus der Vermischung der Stände entsteht, o Bhārgava, o Brahmane - darum bitte ich dich [um deine Zustimmung].‹

śukra uvāca adharmāt tvāṃ vimuñcāmi varayasva yathepṣitam asmin vivāhe mā glāsīr ahaṃ pāpaṃ nudāmi te

Śukra sprach: ›Von diesem Unrecht befreie ich dich; wähle nach Belieben. Zögere nicht bei dieser Heirat - ich vertreibe die Sünde von dir.

Wort für Wort
śukra uvāca adharmāt tvāṃ vimuñcāmi varayasva yathepṣitam asmin vivāhe mā glāsīr ahaṃ pāpaṃ nudāmi te
Śukra sprach: ›Von diesem Unrecht befreie ich dich; wähle nach Belieben. Zögere nicht bei dieser Heirat - ich vertreibe die Sünde von dir.

vahasva bhāryāṃ dharmeṇa devayānīṃ sumadhyamām anayā saha saṃprītim atulāṃ samavāpsyasi

Nimm nach dem Dharma die schlankhüftige Devayānī zur Gattin; mit ihr wirst du unvergleichliches Glück erlangen.

Wort für Wort
vahasva bhāryāṃ dharmeṇa devayānīṃ sumadhyamām anayā saha saṃprītim atulāṃ samavāpsyasi
Nimm nach dem Dharma die schlankhüftige Devayānī zur Gattin; mit ihr wirst du unvergleichliches Glück erlangen.

iyaṃ cāpi kumārī te śarmiṣṭhā vārṣaparvaṇī saṃpūjyā satataṃ rājan mā caināṃ śayane hvayeḥ

Und auch diese Jungfrau, Śarmiṣṭhā, die Tochter des Vṛṣaparvan, sei dir stets zu ehren, o König - doch rufe sie nicht zu deinem Lager.‹

Wort für Wort
iyaṃ cāpi kumārī te śarmiṣṭhā vārṣaparvaṇī saṃpūjyā satataṃ rājan mā caināṃ śayane hvayeḥ
Und auch diese Jungfrau, Śarmiṣṭhā, die Tochter des Vṛṣaparvan, sei dir stets zu ehren, o König - doch rufe sie nicht zu deinem Lager.‹

[Anm.: Śukras ausdrückliches Verbot kündigt bereits den kommenden Bruch der Abmachung an, wenn Yayāti später dennoch mit Śarmiṣṭhā Kinder zeugt.

vaiśaṃpāyana uvāca evam ukto yayātis tu śukraṃ kṛtvā pradakṣiṇam jagāma svapuraṃ hṛṣṭo 'nujñāto mahātmanā

Vaiśaṃpāyana sprach: »So angesprochen, umschritt Yayāti den Śukra rechtsherum [zum Zeichen der Verehrung] und ging, froh, von dem Hochgesinnten entlassen, in seine eigene Stadt.«

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca evam ukto yayātis tu śukraṃ kṛtvā pradakṣiṇam jagāma svapuraṃ hṛṣṭo 'nujñāto mahātmanā
Vaiśaṃpāyana sprach: »So angesprochen, umschritt Yayāti den Śukra rechtsherum [zum Zeichen der Verehrung] und ging, froh, von dem Hochgesinnten entlassen, in seine eigene Stadt.«

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