Kapitel 76: Devayānī-Yayāti-Vivāhaḥ
Devayānīs und Yayātis Vermählung
Bei einem zweiten Zusammentreffen im Wald erblickt Yayāti Devayānī, von Śarmiṣṭhā bedient, und erfragt ihre Herkunft. Devayānī begehrt ihn zum Gatten, weil er als Erster ihre Hand berührte; Yayāti zögert wegen des Standesunterschieds (Kṣatriya-Brahmanen-Ehe) und der Furcht vor brahmanischem Zorn, gibt aber nach, als Śukra selbst erscheint, die Verbindung als dharmagemäß erklärt und ihn von aller Schuld freispricht - mit der ausdrücklichen Auflage, Śarmiṣṭhā zwar zu ehren, aber nie zum Lager zu rufen.
tena dāsīsahasreṇa sārdhaṃ śarmiṣṭhayā tadā tam eva deśaṃ saṃprāptā yathākāmaṃ cacāra sā tābhiḥ sakhībhiḥ sahitā sarvābhir muditā bhṛśam
Mit jenem Tausend an Dienerinnen, zusammen mit Śarmiṣṭhā, gelangte sie damals an denselben Ort und wandelte nach Belieben umher, mit all jenen Freundinnen zusammen, überaus froh.
Wort für Wort
tena dāsīsahasreṇa sārdhaṃ śarmiṣṭhayā tadā tam eva deśaṃ saṃprāptā yathākāmaṃ cacāra sā tābhiḥ sakhībhiḥ sahitā sarvābhir muditā bhṛśam
Mit jenem Tausend an Dienerinnen, zusammen mit Śarmiṣṭhā, gelangte sie damals an denselben Ort und wandelte nach Belieben umher, mit all jenen Freundinnen zusammen, überaus froh.
Und er sah Devayānī, die Reinlächelnde, sitzend, unter jenen Frauen an Schönheit unvergleichlich, die Vortrefflichste unter den vortrefflichen Frauen, von Śarmiṣṭhā bedient, mit Fußmassage und anderem.
Und er sah Devayānī, die Reinlächelnde, sitzend, unter jenen Frauen an Schönheit unvergleichlich, die Vortrefflichste unter den vortrefflichen Frauen, von Śarmiṣṭhā bedient, mit Fußmassage und anderem.
Devayānī sprach: ›Ich werde es dir sagen - höre auf mein Wort, o Herrscher der Menschen: Śukra heißt der Asura-Lehrer; wisse, dass ich seine Tochter bin.
Devayānī sprach: ›Ich werde es dir sagen - höre auf mein Wort, o Herrscher der Menschen: Śukra heißt der Asura-Lehrer; wisse, dass ich seine Tochter bin.
yayātir uvāca kathaṃ nu te sakhī dāsī kanyeyaṃ varavarṇinī asurendrasutā subhru paraṃ kautūhalaṃ hi me
Yayāti sprach: ›Wie kann diese schönfarbige Jungfrau, die Tochter des Asura-Herrschers, deine Dienerin und zugleich deine Freundin sein, du Schönbraue? Große Neugier befällt mich.‹
Wort für Wort
yayātir uvāca kathaṃ nu te sakhī dāsī kanyeyaṃ varavarṇinī asurendrasutā subhru paraṃ kautūhalaṃ hi me
Yayāti sprach: ›Wie kann diese schönfarbige Jungfrau, die Tochter des Asura-Herrschers, deine Dienerin und zugleich deine Freundin sein, du Schönbraue? Große Neugier befällt mich.‹
rājavad rūpaveṣau te brāhmīṃ vācaṃ bibharṣi ca kiṃnāmā tvaṃ kutaś cāsi kasya putraś ca śaṃsa me
Wie ein König sind deine Gestalt und Kleidung, doch du führst brahmanische Rede; wie heißt du, woher kommst du, und wessen Sohn bist du - sag mir das.‹
Wort für Wort
rājavad rūpaveṣau te brāhmīṃ vācaṃ bibharṣi ca kiṃnāmā tvaṃ kutaś cāsi kasya putraś ca śaṃsa me
Wie ein König sind deine Gestalt und Kleidung, doch du führst brahmanische Rede; wie heißt du, woher kommst du, und wessen Sohn bist du - sag mir das.‹
yayātir uvāca brahmacaryeṇa kṛtsno me vedaḥ śrutipathaṃ gataḥ rājāhaṃ rājaputraś ca yayātir iti viśrutaḥ
Yayāti sprach: ›Durch Brahmacarya ist mir der gesamte Veda zu Ohren gekommen [ich habe ihn ganz erlernt]; ich bin ein König und Königssohn, unter dem Namen Yayāti bekannt.‹
Wort für Wort
yayātir uvāca brahmacaryeṇa kṛtsno me vedaḥ śrutipathaṃ gataḥ rājāhaṃ rājaputraś ca yayātir iti viśrutaḥ
Yayāti sprach: ›Durch Brahmacarya ist mir der gesamte Veda zu Ohren gekommen [ich habe ihn ganz erlernt]; ich bin ein König und Königssohn, unter dem Namen Yayāti bekannt.‹
Devayānī sprach: ›Aus welchem Grund, o König, bist du an diesen Ort gekommen - wolltest du etwas Wassergeborenes [einen Lotos] pflücken, oder aus Verlangen nach Wild?‹
Devayānī sprach: ›Aus welchem Grund, o König, bist du an diesen Ort gekommen - wolltest du etwas Wassergeborenes [einen Lotos] pflücken, oder aus Verlangen nach Wild?‹
Yayāti sprach: ›Auf der Suche nach Wild, du Gute, kam ich wegen Wasser hierher; und viel bin ich [von dir] befragt worden - dies solltest du mir nun gestatten [zu gehen].‹
Yayāti sprach: ›Auf der Suche nach Wild, du Gute, kam ich wegen Wasser hierher; und viel bin ich [von dir] befragt worden - dies solltest du mir nun gestatten [zu gehen].‹
[Anm.: 'tan mānujñātum arhasi' ist knapp und leicht zweideutig - hier als Bitte um Erlaubnis zum Aufbruch gedeutet.
yayātir uvāca viddhy auśanasi bhadraṃ te na tvām arho 'smi bhāmini avivāhyā hi rājāno devayāni pitus tava
Yayāti sprach: ›Wisse, Tochter des Uśanas, Heil dir - ich bin deiner nicht würdig, du Zürnende; denn für Könige ist die Tochter deines Vaters, Devayānī, nicht heiratbar.‹
Wort für Wort
yayātir uvāca viddhy auśanasi bhadraṃ te na tvām arho 'smi bhāmini avivāhyā hi rājāno devayāni pitus tava
Yayāti sprach: ›Wisse, Tochter des Uśanas, Heil dir - ich bin deiner nicht würdig, du Zürnende; denn für Könige ist die Tochter deines Vaters, Devayānī, nicht heiratbar.‹
devayāny uvāca saṃsṛṣṭaṃ brahmaṇā kṣatraṃ kṣatraṃ ca brahmasaṃhitam ṛṣiś ca ṛṣiputraś ca nāhuṣāṅga vahasva mām
Devayānī sprach: ›Verbunden ist das Kṣatriya-Wesen mit dem Brahmanentum, und das Brahmanentum mit dem Kṣatriya-Wesen; ein Weiser ist auch ein Weisensohn - o Sohn des Nahuṣa, nimm mich zur Frau.‹
Wort für Wort
devayāny uvāca saṃsṛṣṭaṃ brahmaṇā kṣatraṃ kṣatraṃ ca brahmasaṃhitam ṛṣiś ca ṛṣiputraś ca nāhuṣāṅga vahasva mām
Devayānī sprach: ›Verbunden ist das Kṣatriya-Wesen mit dem Brahmanentum, und das Brahmanentum mit dem Kṣatriya-Wesen; ein Weiser ist auch ein Weisensohn - o Sohn des Nahuṣa, nimm mich zur Frau.‹
Yayāti sprach: ›Auch wenn die vier Stände aus einem einzigen Leib entstanden sind, du Schöne, haben sie doch je eigene Pflichten und je eigene Reinheit; von ihnen ist der Brahmane der Höchste.‹
Yayāti sprach: ›Auch wenn die vier Stände aus einem einzigen Leib entstanden sind, du Schöne, haben sie doch je eigene Pflichten und je eigene Reinheit; von ihnen ist der Brahmane der Höchste.‹
devayāny uvāca pāṇidharmo nāhuṣāyaṃ na pumbhiḥ sevitaḥ purā taṃ me tvam agrahīr agre vṛṇomi tvām ahaṃ tataḥ
Devayānī sprach: ›Diese Sitte des Handfassens, o Sohn des Nahuṣa, wurde zuvor von keinem Mann bei mir vollzogen; du hast als Erster meine Hand ergriffen - darum erwähle ich dich zum Gatten.
Wort für Wort
devayāny uvāca pāṇidharmo nāhuṣāyaṃ na pumbhiḥ sevitaḥ purā taṃ me tvam agrahīr agre vṛṇomi tvām ahaṃ tataḥ
Devayānī sprach: ›Diese Sitte des Handfassens, o Sohn des Nahuṣa, wurde zuvor von keinem Mann bei mir vollzogen; du hast als Erster meine Hand ergriffen - darum erwähle ich dich zum Gatten.
kathaṃ nu me manasvinyāḥ pāṇim anyaḥ pumān spṛśet gṛhītam ṛṣiputreṇa svayaṃ vāpy ṛṣiṇā tvayā
Wie könnte denn ein anderer Mann meine Hand berühren, die ich, die Stolze, [schon] von einem Weisensohn - ja von dir selbst, einem Weisen - ergriffen erhalten habe?‹
Wort für Wort
kathaṃ nu me manasvinyāḥ pāṇim anyaḥ pumān spṛśet gṛhītam ṛṣiputreṇa svayaṃ vāpy ṛṣiṇā tvayā
Wie könnte denn ein anderer Mann meine Hand berühren, die ich, die Stolze, [schon] von einem Weisensohn - ja von dir selbst, einem Weisen - ergriffen erhalten habe?‹
[Anm.: Devayānī spricht Yayāti hier ehrenhalber als 'Weisen'/'Weisensohn' an, wohl im Anschluss an seine eigene Aussage (V.13), er habe durch Brahmacarya den ganzen Veda erlernt - obwohl er als Kṣatriya-König kein Ṛṣi im eigentlichen Sinn ist.
Yayāti sprach: ›Schwerer anzugreifen als eine zornige, giftige Schlange, schwerer als ein nach allen Seiten loderndes Feuer ist ein Brahmane - dies erkenne der verständige Mann.‹
Yayāti sprach: ›Schwerer anzugreifen als eine zornige, giftige Schlange, schwerer als ein nach allen Seiten loderndes Feuer ist ein Brahmane - dies erkenne der verständige Mann.‹
Devayānī sprach: ›Wie meinst du, dass ein Brahmane schwerer anzugreifen sei als eine giftige Schlange, als ein nach allen Seiten loderndes Feuer - so sprichst du, o Stier unter den Männern?‹
Devayānī sprach: ›Wie meinst du, dass ein Brahmane schwerer anzugreifen sei als eine giftige Schlange, als ein nach allen Seiten loderndes Feuer - so sprichst du, o Stier unter den Männern?‹
yayātir uvāca ekam āśīviṣo hanti śastreṇaikaś ca vadhyate hanti vipraḥ sarāṣṭrāṇi purāṇy api hi kopitaḥ
Yayāti sprach: ›Eine giftige Schlange tötet einen Einzigen, und einer wird durch die Waffe getötet; ein Brahmane aber, in Zorn versetzt, vernichtet ganze Reiche samt ihren Städten.
Wort für Wort
yayātir uvāca ekam āśīviṣo hanti śastreṇaikaś ca vadhyate hanti vipraḥ sarāṣṭrāṇi purāṇy api hi kopitaḥ
Yayāti sprach: ›Eine giftige Schlange tötet einen Einzigen, und einer wird durch die Waffe getötet; ein Brahmane aber, in Zorn versetzt, vernichtet ganze Reiche samt ihren Städten.
durādharṣataro vipras tasmād bhīru mato mama ato 'dattāṃ ca pitrā tvāṃ bhadre na vivahāmy aham
Darum gilt mir der Brahmane als schwerer anzugreifen, du Furchtsame; und darum werde ich dich, die von deinem Vater [mir noch] nicht gegeben wurde, nicht heiraten, du Gute.‹
Wort für Wort
durādharṣataro vipras tasmād bhīru mato mama ato 'dattāṃ ca pitrā tvāṃ bhadre na vivahāmy aham
Darum gilt mir der Brahmane als schwerer anzugreifen, du Furchtsame; und darum werde ich dich, die von deinem Vater [mir noch] nicht gegeben wurde, nicht heiraten, du Gute.‹
devayāny uvāca dattāṃ vahasva pitrā māṃ tvaṃ hi rājan vṛto mayā ayācato bhayaṃ nāsti dattāṃ ca pratigṛhṇataḥ
Devayānī sprach: ›Nimm mich, von meinem Vater gegeben, zur Frau; denn du, o König, bist von mir erwählt. Für den, der nicht selbst bittet, sondern die ihm Gegebene annimmt, besteht keine Gefahr.‹
Wort für Wort
devayāny uvāca dattāṃ vahasva pitrā māṃ tvaṃ hi rājan vṛto mayā ayācato bhayaṃ nāsti dattāṃ ca pratigṛhṇataḥ
Devayānī sprach: ›Nimm mich, von meinem Vater gegeben, zur Frau; denn du, o König, bist von mir erwählt. Für den, der nicht selbst bittet, sondern die ihm Gegebene annimmt, besteht keine Gefahr.‹
vaiśaṃpāyana uvāca tvaritaṃ devayānyātha preṣitaṃ pitur ātmanaḥ śrutvaiva ca sa rājānaṃ darśayām āsa bhārgavaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: »Da schickte Devayānī eilig [eine Botin] zu ihrem eigenen Vater, und sobald der Bhārgava (Śukra) davon gehört hatte, erschien er vor dem König.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tvaritaṃ devayānyātha preṣitaṃ pitur ātmanaḥ śrutvaiva ca sa rājānaṃ darśayām āsa bhārgavaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: »Da schickte Devayānī eilig [eine Botin] zu ihrem eigenen Vater, und sobald der Bhārgava (Śukra) davon gehört hatte, erschien er vor dem König.
devayāny uvāca rājāyaṃ nāhuṣas tāta durge me pāṇim agrahīt namas te dehi mām asmai nānyaṃ loke patiṃ vṛṇe
Devayānī sprach: ›Dieser König, der Sohn des Nahuṣa, Vater, hat in meiner Notlage meine Hand ergriffen - Verehrung dir! Gib mich diesem [zur Frau]; keinen anderen erwähle ich in der Welt zum Gatten.‹
Wort für Wort
devayāny uvāca rājāyaṃ nāhuṣas tāta durge me pāṇim agrahīt namas te dehi mām asmai nānyaṃ loke patiṃ vṛṇe
Devayānī sprach: ›Dieser König, der Sohn des Nahuṣa, Vater, hat in meiner Notlage meine Hand ergriffen - Verehrung dir! Gib mich diesem [zur Frau]; keinen anderen erwähle ich in der Welt zum Gatten.‹
Śukra sprach: ›Von dieser meiner geliebten Tochter bist du, o Held, zum Gatten erwählt worden; nimm sie, die von mir gegeben ist, als Hauptgemahlin, o Sohn des Nahuṣa.‹
Śukra sprach: ›Von dieser meiner geliebten Tochter bist du, o Held, zum Gatten erwählt worden; nimm sie, die von mir gegeben ist, als Hauptgemahlin, o Sohn des Nahuṣa.‹
Yayāti sprach: ›Damit mich hier nicht ein so großes Unrecht berühre, das aus der Vermischung der Stände entsteht, o Bhārgava, o Brahmane - darum bitte ich dich [um deine Zustimmung].‹
Yayāti sprach: ›Damit mich hier nicht ein so großes Unrecht berühre, das aus der Vermischung der Stände entsteht, o Bhārgava, o Brahmane - darum bitte ich dich [um deine Zustimmung].‹
Vaiśaṃpāyana sprach: »So angesprochen, umschritt Yayāti den Śukra rechtsherum [zum Zeichen der Verehrung] und ging, froh, von dem Hochgesinnten entlassen, in seine eigene Stadt.«
Vaiśaṃpāyana sprach: »So angesprochen, umschritt Yayāti den Śukra rechtsherum [zum Zeichen der Verehrung] und ging, froh, von dem Hochgesinnten entlassen, in seine eigene Stadt.«