Kapitel 58: Aṃśāvataraṇaparvaṇaḥ Ārambhaḥ (Adhyāya 58, Kritische Ausgabe)
Der Beginn der Teilinkarnationen (Aṃśāvataraṇa)
Janamejaya fragt nach dem Sinn der vielen gottgleichen Krieger auf Erden. Vaiśampāyana enthüllt das 'Geheimnis der Götter': Rückblick auf Paraśurāmas 21-fache Vernichtung der Kṣatriyas und deren Wiederbevölkerung durch Brahmanen, das ideale Kṛta-Zeitalter, dann die Geburt besiegter Daityas/Dānavas unter den Königen der Erde, die dadurch überlastete Erde, ihre Klage bei Brahmā, und Brahmās Anweisung an alle Götter, Gandharvas und Apsaras, sich mit einem Teil ihres Wesens (aṃśa) auf Erden zu inkarnieren. Höhepunkt: Indras Bitte an Nārāyaṇa (Viṣṇu/Hari) in Vaikuṇṭha, ebenfalls mit einem Anteil herabzusteigen – Kṛṣṇas Zusage. Damit ist der berühmte Aṃśāvataraṇa-Abschnitt eröffnet, der in den folgenden Adhyāyas die Zuordnung der Hauptfiguren zu ihren göttlichen/dämonischen Ursprüngen entfalten dürfte.
janamejaya uvāca ya ete kīrtitā brahman ye cānye nānukīrtitāḥ samyak tāñ śrotum icchāmi rājñaś cānyān suvarcasaḥ
Janamejaya sprach: „Diese, die genannt wurden, Brahmane, und andere, die nicht ausdrücklich genannt wurden – sie alle möchte ich vollständig hören, und auch andere Könige von hohem Glanz.“
Wort für Wort
janamejaya uvāca ya ete kīrtitā brahman ye cānye nānukīrtitāḥ samyak tāñ śrotum icchāmi rājñaś cānyān suvarcasaḥ
Janamejaya sprach: „Diese, die genannt wurden, Brahmane, und andere, die nicht ausdrücklich genannt wurden – sie alle möchte ich vollständig hören, und auch andere Könige von hohem Glanz.“
vaiśaṃpāyana uvāca rahasyaṃ khalv idaṃ rājan devānām iti naḥ śrutam tat tu te kathayiṣyāmi namaskṛtvā svayaṃbhuve
Vaiśampāyana sprach: „Dies ist wahrlich ein Geheimnis der Götter, König, so haben wir gehört; das will ich dir berichten, nachdem ich dem Selbstentstandenen [Brahmā] Verehrung erwiesen habe.“
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca rahasyaṃ khalv idaṃ rājan devānām iti naḥ śrutam tat tu te kathayiṣyāmi namaskṛtvā svayaṃbhuve
Vaiśampāyana sprach: „Dies ist wahrlich ein Geheimnis der Götter, König, so haben wir gehört; das will ich dir berichten, nachdem ich dem Selbstentstandenen [Brahmā] Verehrung erwiesen habe.“
triḥsaptakṛtvaḥ pṛthivīṃ kṛtvā niḥkṣatriyāṃ purā jāmadagnyas tapas tepe mahendre parvatottame
Nachdem er einst die Erde einundzwanzigmal [„dreimal siebenmal“] von Kṣatriyas entleert hatte, übte der Sohn des Jamadagni [Paraśurāma] Askese auf dem Mahendra, dem vorzüglichsten der Berge.
Wort für Wort
triḥsaptakṛtvaḥ pṛthivīṃ kṛtvā niḥkṣatriyāṃ purā jāmadagnyas tapas tepe mahendre parvatottame
Nachdem er einst die Erde einundzwanzigmal [„dreimal siebenmal“] von Kṣatriyas entleert hatte, übte der Sohn des Jamadagni [Paraśurāma] Askese auf dem Mahendra, dem vorzüglichsten der Berge.
Als damals, nachdem dies durch den Bhārgava [Paraśurāma] geschehen war, die Welt ohne Kṣatriyas war, König, näherten sich die Kṣatriya-Frauen den Brahmanen, nach Nachkommenschaft verlangend.
Als damals, nachdem dies durch den Bhārgava [Paraśurāma] geschehen war, die Welt ohne Kṣatriyas war, König, näherten sich die Kṣatriya-Frauen den Brahmanen, nach Nachkommenschaft verlangend.
tābhiḥ saha samāpetur brāhmaṇāḥ saṃśitavratāḥ ṛtāv ṛtau naravyāghra na kāmān nānṛtau tathā
Mit ihnen vereinigten sich die Brahmanen von strengen Gelübden, Tiger unter den Männern, jeweils nur zur fruchtbaren Zeit, nicht aus Verlangen, und auch nicht außerhalb der fruchtbaren Zeit.
Wort für Wort
tābhiḥ saha samāpetur brāhmaṇāḥ saṃśitavratāḥ ṛtāv ṛtau naravyāghra na kāmān nānṛtau tathā
Mit ihnen vereinigten sich die Brahmanen von strengen Gelübden, Tiger unter den Männern, jeweils nur zur fruchtbaren Zeit, nicht aus Verlangen, und auch nicht außerhalb der fruchtbaren Zeit.
tebhyas tu lebhire garbhān kṣatriyās tāḥ sahasraśaḥ tataḥ suṣuvire rājan kṣatriyān vīryasaṃmatān kumārāṃś ca kumārīś ca punaḥ kṣatrābhivṛddhaye
Von ihnen empfingen jene Kṣatriya-Frauen zu Tausenden Nachkommenschaft; da gebaren sie, König, Kṣatriyas von anerkannter Tapferkeit, Knaben und Mädchen, zur Mehrung des Kriegerstandes.
Wort für Wort
tebhyas tu lebhire garbhān kṣatriyās tāḥ sahasraśaḥ tataḥ suṣuvire rājan kṣatriyān vīryasaṃmatān kumārāṃś ca kumārīś ca punaḥ kṣatrābhivṛddhaye
Von ihnen empfingen jene Kṣatriya-Frauen zu Tausenden Nachkommenschaft; da gebaren sie, König, Kṣatriyas von anerkannter Tapferkeit, Knaben und Mädchen, zur Mehrung des Kriegerstandes.
So entstand jenes Kṣatra durch die asketischen Brahmanen bei den Kṣatriya-Frauen, durch Dharma gedeihend, mit sehr langer Lebensdauer versehen; alle vier Stände zugleich waren damals brahmanisch vorrangig geprägt.
So entstand jenes Kṣatra durch die asketischen Brahmanen bei den Kṣatriya-Frauen, durch Dharma gedeihend, mit sehr langer Lebensdauer versehen; alle vier Stände zugleich waren damals brahmanisch vorrangig geprägt.
abhyagacchann ṛtau nārīṃ na kāmān nānṛtau tathā tathaivānyāni bhūtāni tiryagyonigatāny api ṛtau dārāṃś ca gacchanti tadā sma bharatarṣabha
Sie näherten sich den Frauen nur zur fruchtbaren Zeit, nicht aus Verlangen, und auch nicht außerhalb der fruchtbaren Zeit; ebenso näherten sich damals auch die anderen Wesen, selbst die in Tiergestalt lebenden, ihren Weibchen nur zur fruchtbaren Zeit, Stier der Bhāratas.
Wort für Wort
abhyagacchann ṛtau nārīṃ na kāmān nānṛtau tathā tathaivānyāni bhūtāni tiryagyonigatāny api ṛtau dārāṃś ca gacchanti tadā sma bharatarṣabha
Sie näherten sich den Frauen nur zur fruchtbaren Zeit, nicht aus Verlangen, und auch nicht außerhalb der fruchtbaren Zeit; ebenso näherten sich damals auch die anderen Wesen, selbst die in Tiergestalt lebenden, ihren Weibchen nur zur fruchtbaren Zeit, Stier der Bhāratas.
Da wuchsen, durch Dharma, jene Geschöpfe heran, mit hunderttausendfacher Lebensdauer, Herr der Erde, dem Dharma-Gelübde ergeben; die Menschen waren allesamt von seelischen und körperlichen Leiden befreit.
Da wuchsen, durch Dharma, jene Geschöpfe heran, mit hunderttausendfacher Lebensdauer, Herr der Erde, dem Dharma-Gelübde ergeben; die Menschen waren allesamt von seelischen und körperlichen Leiden befreit.
kāmakrodhodbhavān doṣān nirasya ca narādhipāḥ daṇḍaṃ daṇḍyeṣu dharmeṇa praṇayanto 'nvapālayan
Die aus Begierde und Zorn entspringenden Fehler vertreibend, beschützten die Herrscher der Erde ihr Volk, indem sie Strafe gegen Strafwürdige mit Dharma verhängten.
Wort für Wort
kāmakrodhodbhavān doṣān nirasya ca narādhipāḥ daṇḍaṃ daṇḍyeṣu dharmeṇa praṇayanto 'nvapālayan
Die aus Begierde und Zorn entspringenden Fehler vertreibend, beschützten die Herrscher der Erde ihr Volk, indem sie Strafe gegen Strafwürdige mit Dharma verhängten.
tathā dharmapare kṣatre sahasrākṣaḥ śatakratuḥ svādu deśe ca kāle ca vavarṣāpyāyayan prajāḥ
Da, während das Kṣatra dem Dharma zugetan war, ließ der Tausendäugige, der Hundert-Opfer-Vollbringer [Indra], an geeigneten Orten und zur geeigneten Zeit Regen fallen, die Geschöpfe sättigend.
Wort für Wort
tathā dharmapare kṣatre sahasrākṣaḥ śatakratuḥ svādu deśe ca kāle ca vavarṣāpyāyayan prajāḥ
Da, während das Kṣatra dem Dharma zugetan war, ließ der Tausendäugige, der Hundert-Opfer-Vollbringer [Indra], an geeigneten Orten und zur geeigneten Zeit Regen fallen, die Geschöpfe sättigend.
ījire ca mahāyajñaiḥ kṣatriyā bahudakṣiṇaiḥ sāṅgopaniṣadān vedān viprāś cādhīyate tadā
Die Kṣatriyas opferten mit großen Opfern, reich an Priestergaben; die Brahmanen aber studierten damals die Veden samt ihren Zweigwissenschaften und Upaniṣaden.
Wort für Wort
ījire ca mahāyajñaiḥ kṣatriyā bahudakṣiṇaiḥ sāṅgopaniṣadān vedān viprāś cādhīyate tadā
Die Kṣatriyas opferten mit großen Opfern, reich an Priestergaben; die Brahmanen aber studierten damals die Veden samt ihren Zweigwissenschaften und Upaniṣaden.
Die Vaiśyas aber betrieben hier auf Erden Ackerbau mit Rindern; sie spannten keine abgemagerte Kuh vor das Joch, noch ließen sie sie [durch Überlastung] auszehren.
Die Vaiśyas aber betrieben hier auf Erden Ackerbau mit Rindern; sie spannten keine abgemagerte Kuh vor das Joch, noch ließen sie sie [durch Überlastung] auszehren.
karmāṇi ca naravyāghra dharmopetāni mānavāḥ dharmam evānupaśyantaś cakrur dharmaparāyaṇāḥ
Und die Werke der Menschen, Tiger unter den Männern, waren dem Dharma gemäß; stets nach dem Dharma Ausschau haltend, handelten sie, dem Dharma ergeben.
Wort für Wort
karmāṇi ca naravyāghra dharmopetāni mānavāḥ dharmam evānupaśyantaś cakrur dharmaparāyaṇāḥ
Und die Werke der Menschen, Tiger unter den Männern, waren dem Dharma gemäß; stets nach dem Dharma Ausschau haltend, handelten sie, dem Dharma ergeben.
Hier, unter den Menschen, nach Göttlichkeit strebend, wurden sie, die Sinnenden, in verschiedenen Wesen wiedergeboren, jene Asuras, Herr, überall auf Erden geboren.
Hier, unter den Menschen, nach Göttlichkeit strebend, wurden sie, die Sinnenden, in verschiedenen Wesen wiedergeboren, jene Asuras, Herr, überall auf Erden geboren.
āśramasthān maharṣīṃś ca dharṣayantas tatas tataḥ abrahmaṇyā vīryamadā mattā madabalena ca
In Einsiedeleien weilende große Ṛṣis hier und dort schändend, brahmanenfeindlich, von Tapferkeitsrausch trunken, berauscht von der Kraft ihres Rausches,
Wort für Wort
āśramasthān maharṣīṃś ca dharṣayantas tatas tataḥ abrahmaṇyā vīryamadā mattā madabalena ca
In Einsiedeleien weilende große Ṛṣis hier und dort schändend, brahmanenfeindlich, von Tapferkeitsrausch trunken, berauscht von der Kraft ihres Rausches,
Sie erblickte, von den Hochgesegneten, den Göttern, Zweifachgeborenen und großen Ṛṣis umgeben, den Gott Brahmā, den Schöpfer der Welten, den Unvergänglichen.
Sie erblickte, von den Hochgesegneten, den Göttern, Zweifachgeborenen und großen Ṛṣis umgeben, den Gott Brahmā, den Schöpfer der Welten, den Unvergänglichen.
Doch das Anliegen der Erde war dem selbstentstandenen höchsten Wesen [Parameṣṭhin], dessen Wesen das Pradhāna [die Urnatur] ist, schon zuvor bekannt gewesen, König.
Doch das Anliegen der Erde war dem selbstentstandenen höchsten Wesen [Parameṣṭhin], dessen Wesen das Pradhāna [die Urnatur] ist, schon zuvor bekannt gewesen, König.
Zu ihr, der Erde, sprach der Großkönig, der Herr der Erde, der Mächtige, der Ursprung aller Wesen, der Gebieter, Śambhu, der Herr der Geschöpfe [Brahmā]:
Zu ihr, der Erde, sprach der Großkönig, der Herr der Erde, der Mächtige, der Ursprung aller Wesen, der Gebieter, Śambhu, der Herr der Geschöpfe [Brahmā]:
Ebenso versammelte der Erhabene die Scharen der Gandharvas und Apsaras und sprach zu ihnen allen diese vortrefflichen Worte: „Mit euren eigenen Anteilen entsteht nach Belieben unter den Menschen.“
Ebenso versammelte der Erhabene die Scharen der Gandharvas und Apsaras und sprach zu ihnen allen diese vortrefflichen Worte: „Mit euren eigenen Anteilen entsteht nach Belieben unter den Menschen.“
atha śakrādayaḥ sarve śrutvā suraguror vacaḥ tathyam arthyaṃ ca pathyaṃ ca tasya te jagṛhus tadā
Da nahmen Śakra und die anderen Götter, nachdem sie das Wort des Lehrers der Götter [?] vernommen hatten – wahr, sinnvoll und heilsam – dieses Wort an.
Wort für Wort
atha śakrādayaḥ sarve śrutvā suraguror vacaḥ tathyam arthyaṃ ca pathyaṃ ca tasya te jagṛhus tadā
Da nahmen Śakra und die anderen Götter, nachdem sie das Wort des Lehrers der Götter [?] vernommen hatten – wahr, sinnvoll und heilsam – dieses Wort an.
[Anm.: „suraguroḥ“ (‚des Lehrers der Götter‘) bezeichnet üblicherweise Bṛhaspati, meint hier aber offenbar die soeben zitierte Rede Brahmās – möglicherweise eine ehrende Umschreibung Brahmās als obersten Lehrer der Götter.]
yaḥ sa cakragadāpāṇiḥ pītavāsāsitaprabhaḥ padmanābhaḥ surārighnaḥ pṛthucārvañcitekṣaṇaḥ
Er, der Diskus und Keule in Händen trägt, gelbgewandet, von dunkler Farbe, mit Lotusnabel, der Götterfeinde-Vernichter, mit großen, schönen, geschwungenen Augen,
Wort für Wort
yaḥ sa cakragadāpāṇiḥ pītavāsāsitaprabhaḥ padmanābhaḥ surārighnaḥ pṛthucārvañcitekṣaṇaḥ
Er, der Diskus und Keule in Händen trägt, gelbgewandet, von dunkler Farbe, mit Lotusnabel, der Götterfeinde-Vernichter, mit großen, schönen, geschwungenen Augen,
zu ihm, dem höchsten Puruṣa, sprach Indra, zur Reinigung der Erde: „Steige mit einem Anteil deines Wesens herab.“ – „So sei es“, sprach zu ihm Hari.
[Anm.: Hiermit ist der berühmte Aṃśāvataraṇa-Abschnitt eröffnet – die göttliche Vereinbarung, nach der Götter, Asuras, Gandharvas und Apsaras als 'Anteile' (aṃśa) auf der Erde geboren werden, um sie von der Überlast der Dämonen zu befreien; Kṛṣṇa (Nārāyaṇa/Hari) sagt hier seine eigene Herabkunft zu. Die folgenden Adhyāyas werden voraussichtlich die konkrete Zuordnung auflisten, welche Figur welchem Gott/Dämon entspricht.]