Auch die Tochter des Brahmanen erhebt Einspruch gegen den Plan, dass ihr Vater sich selbst opfere: sie argumentiert, ihr eigenes Leben zähle weniger als das des Vaters, und bietet sich selbst als Opfer an. Während alle drei weinen, versucht der kleine, noch kaum sprechfähige Sohn mit kindlicher Tapferkeit und einem Grashalm als imaginärer Waffe, den Rākṣasa zu ‚töten' – seine unbeholfene Rede weckt inmitten der Verzweiflung einen Moment großer Freude. In diesem Augenblick tritt Kuntī, die alles mitangehört hat, zu der Familie hinzu.
Vaiśaṃpāyana sprach: Als sie, deren Glieder von heftigem Schmerz umfangen waren, die überaus schmerzliche Rede der beiden Leidenden vernommen hatte, sprach die Tochter zu den beiden.
Vaiśaṃpāyana sprach: Als sie, deren Glieder von heftigem Schmerz umfangen waren, die überaus schmerzliche Rede der beiden Leidenden vernommen hatte, sprach die Tochter zu den beiden.
kim idaṃ bhṛśaduḥkhārtau roravītho 'nāthavat mamāpi śrūyatāṃ kiṃ cic chrutvā ca kriyatāṃ kṣamam
‚Was ist dies? Von heftigem Schmerz gequält, wehklagt ihr wie Beschützerlose – so höret auch mich ein wenig, und, nachdem ihr gehört habt, tut, was recht ist.'
Wort für Wort
kim idaṃ bhṛśaduḥkhārtau roravītho 'nāthavat mamāpi śrūyatāṃ kiṃ cic chrutvā ca kriyatāṃ kṣamam
‚Was ist dies? Von heftigem Schmerz gequält, wehklagt ihr wie Beschützerlose – so höret auch mich ein wenig, und, nachdem ihr gehört habt, tut, was recht ist.'
‚Nach dem Dharma bin ich es, die von euch beiden preiszugeben ist – daran ist kein Zweifel; indem ihr mich, die Preiszugebende, preisgebt, wird alles durch mich allein gerettet.'
‚Nach dem Dharma bin ich es, die von euch beiden preiszugeben ist – daran ist kein Zweifel; indem ihr mich, die Preiszugebende, preisgebt, wird alles durch mich allein gerettet.'
‚Zu diesem Zweck wünscht man sich Nachkommenschaft: dass sie einen dereinst erretten werde – wenn jene Zeit eintritt, so rettet euch durch mich wie mittels eines Floßes.'
‚Zu diesem Zweck wünscht man sich Nachkommenschaft: dass sie einen dereinst erretten werde – wenn jene Zeit eintritt, so rettet euch durch mich wie mittels eines Floßes.'
‚Sei es hier, dass er aus der Not errettet, sei es nach dem Tod, dass er errettet – auf jede Weise errettet ein Sohn; deshalb wird er ‚Sohn' (putra) von den Weisen so genannt.'
‚Sei es hier, dass er aus der Not errettet, sei es nach dem Tod, dass er errettet – auf jede Weise errettet ein Sohn; deshalb wird er ‚Sohn' (putra) von den Weisen so genannt.'
[Anm.: Anspielung auf die traditionelle Volksetymologie von putra als ‚der aus der Hölle Put rettet' – ein gängiges Wortspiel im Mahābhārata zur Begründung des Wertes von Nachkommenschaft.
ākāṅkṣante ca dauhitrān api nityaṃ pitāmahāḥ tān svayaṃ vai paritrāsye rakṣantī jīvitaṃ pituḥ
‚Auch Enkel von der Tochter her wünschen sich die Großväter allzeit – diese werde ich selbst hervorbringen und beschützen, indem ich das Leben des Vaters bewahre.'
Wort für Wort
ākāṅkṣante ca dauhitrān api nityaṃ pitāmahāḥ tān svayaṃ vai paritrāsye rakṣantī jīvitaṃ pituḥ
‚Auch Enkel von der Tochter her wünschen sich die Großväter allzeit – diese werde ich selbst hervorbringen und beschützen, indem ich das Leben des Vaters bewahre.'
tāte 'pi hi gate svargaṃ vinaṣṭe ca mamānuje piṇḍaḥ pitṝṇāṃ vyucchidyet tat teṣām apriyaṃ bhavet
‚Denn gingest du, der Vater, in den Himmel ein, und käme mein jüngerer Bruder zugrunde, so würde die Totenspende (Piṇḍa) für die Vorväter abbrechen – das wäre ihnen unlieb.'
Wort für Wort
tāte 'pi hi gate svargaṃ vinaṣṭe ca mamānuje piṇḍaḥ pitṝṇāṃ vyucchidyet tat teṣām apriyaṃ bhavet
‚Denn gingest du, der Vater, in den Himmel ein, und käme mein jüngerer Bruder zugrunde, so würde die Totenspende (Piṇḍa) für die Vorväter abbrechen – das wäre ihnen unlieb.'
‚Vom Vater verlassen, ebenso von der Mutter und vom Bruder, würde ich ohne Zweifel, ein noch größeres Leid als dieses erfahrend, sterben, obwohl mir dies nicht gebührt.'
‚Vom Vater verlassen, ebenso von der Mutter und vom Bruder, würde ich ohne Zweifel, ein noch größeres Leid als dieses erfahrend, sterben, obwohl mir dies nicht gebührt.'
tvayi tv aroge nirmukte mātā bhrātā ca me śiśuḥ saṃtānaś caiva piṇḍaś ca pratiṣṭhāsyaty asaṃśayam
‚Bleibst du aber unversehrt und befreit, so werden meine Mutter, mein kleiner Bruder, die Nachkommenschaft und die Totenspende ohne Zweifel Bestand haben.'
Wort für Wort
tvayi tv aroge nirmukte mātā bhrātā ca me śiśuḥ saṃtānaś caiva piṇḍaś ca pratiṣṭhāsyaty asaṃśayam
‚Bleibst du aber unversehrt und befreit, so werden meine Mutter, mein kleiner Bruder, die Nachkommenschaft und die Totenspende ohne Zweifel Bestand haben.'
ātmā putraḥ sakhā bhāryā kṛcchraṃ tu duhitā kila sa kṛcchrān mocayātmānaṃ māṃ ca dharmeṇa yojaya
‚Man selbst, ein Sohn, ein Freund, eine Gattin – sie sind leicht zu bewahren; eine Tochter aber, so heißt es, ist eine Mühsal. So befreie dich selbst aus der Bedrängnis, und setze mich gemäß dem Dharma ein [d.h. gib mich hin].'
Wort für Wort
ātmā putraḥ sakhā bhāryā kṛcchraṃ tu duhitā kila sa kṛcchrān mocayātmānaṃ māṃ ca dharmeṇa yojaya
‚Man selbst, ein Sohn, ein Freund, eine Gattin – sie sind leicht zu bewahren; eine Tochter aber, so heißt es, ist eine Mühsal. So befreie dich selbst aus der Bedrängnis, und setze mich gemäß dem Dharma ein [d.h. gib mich hin].'
[Anm.: Ein sprichwortartiger Vers über die traditionell empfundene ‚Bürde' einer Tochter; ‚dharmeṇa yojaya' (,verbinde/setze mich gemäß Dharma ein') meint hier so viel wie ‚gib mich als rechtes Opfer hin'.
‚Oder aber, ich selbst werde die Befreiung dieser Familie bewirken; ich werde, nachdem ich eine überaus schwere Tat vollbracht habe, deren Lohn erlangt haben.'
‚Oder aber, ich selbst werde die Befreiung dieser Familie bewirken; ich werde, nachdem ich eine überaus schwere Tat vollbracht habe, deren Lohn erlangt haben.'
[?] ‚phalasaṃsthā' (wörtl. ‚in der Frucht/im Ergebnis stehend') ist unsicher; hier sinngemäß als ‚den Lohn der Tat erlangend' übersetzt.
athavā yāsyase tatra tyaktvā māṃ dvijasattama pīḍitāhaṃ bhaviṣyāmi tad avekṣasva mām api
‚Oder aber, du wirst dorthin gehen und mich verlassen, o Bester der Zweifachgeborenen – so werde ich gequält sein; bedenke auch dies, mich betreffend.'
Wort für Wort
athavā yāsyase tatra tyaktvā māṃ dvijasattama pīḍitāhaṃ bhaviṣyāmi tad avekṣasva mām api
‚Oder aber, du wirst dorthin gehen und mich verlassen, o Bester der Zweifachgeborenen – so werde ich gequält sein; bedenke auch dies, mich betreffend.'
tad asmadarthaṃ dharmārthaṃ prasavārthaṃ ca sattama ātmānaṃ parirakṣasva tyaktavyāṃ māṃ ca saṃtyaja
‚Darum, um unsertwillen, um des Dharma willen und um der Nachkommenschaft willen, o Bester, bewahre dich selbst, und gib mich, die Preiszugebende, hin.'
Wort für Wort
tad asmadarthaṃ dharmārthaṃ prasavārthaṃ ca sattama ātmānaṃ parirakṣasva tyaktavyāṃ māṃ ca saṃtyaja
‚Darum, um unsertwillen, um des Dharma willen und um der Nachkommenschaft willen, o Bester, bewahre dich selbst, und gib mich, die Preiszugebende, hin.'
avaśyakaraṇīye 'rthe mā tvāṃ kālo 'tyagād ayam tvayā dattena toyena bhaviṣyati hitaṃ ca me
‚Bei einer notwendig zu vollziehenden Sache möge diese Zeit nicht ungenutzt an dir vorübergehen – durch das von dir gespendete Wasser wird mir Heil widerfahren.'
Wort für Wort
avaśyakaraṇīye 'rthe mā tvāṃ kālo 'tyagād ayam tvayā dattena toyena bhaviṣyati hitaṃ ca me
‚Bei einer notwendig zu vollziehenden Sache möge diese Zeit nicht ungenutzt an dir vorübergehen – durch das von dir gespendete Wasser wird mir Heil widerfahren.'
[Anm.: ‚toyena' (,durch Wasser') bezieht sich auf die Wasserspende (Tarpaṇa) im Totenritual.
‚Was wäre denn ein größeres Leid als dies, dass wir, wenn du in den Himmel eingegangen bist, bettelnd um Speise von einem Fremden, wie Hunde umherliefen?'
‚Was wäre denn ein größeres Leid als dies, dass wir, wenn du in den Himmel eingegangen bist, bettelnd um Speise von einem Fremden, wie Hunde umherliefen?'
‚Bleibst du aber unversehrt, von dieser Bedrängnis befreit, samt den Verwandten – solange du am Leben in dieser Welt weilst, werde ich voll Glück sein.'
‚Bleibst du aber unversehrt, von dieser Bedrängnis befreit, samt den Verwandten – solange du am Leben in dieser Welt weilst, werde ich voll Glück sein.'
[?] ‚amṛte' (wörtl. ‚unsterblich') hier sinngemäß als ‚solange am Leben' übersetzt.
‚Weine nicht, Vater; weine nicht, Mutter; weine nicht, du, Schwester' – so sprechend, und gleichsam lächelnd, kroch er zu ihnen allen, einem nach dem anderen.
‚Weine nicht, Vater; weine nicht, Mutter; weine nicht, du, Schwester' – so sprechend, und gleichsam lächelnd, kroch er zu ihnen allen, einem nach dem anderen.
Erkennend: ‚Dies ist der rechte Zeitpunkt', trat Kuntī zu ihnen heran und sprach, sie, die den ihrer Lebenskraft schon Beraubten gleichsam wie mit Unsterblichkeits-Nektar neues Leben einflößte, dies:
Erkennend: ‚Dies ist der rechte Zeitpunkt', trat Kuntī zu ihnen heran und sprach, sie, die den ihrer Lebenskraft schon Beraubten gleichsam wie mit Unsterblichkeits-Nektar neues Leben einflößte, dies: