Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 78: Yayāti-Śāpaḥ Der Fluch über Yayāti

Śarmiṣṭhās und Yayātis gemeinsame Kinder (Druhyu, Anu, Pūru) verraten im Wald versehentlich ihre wahre Vaterschaft; Devayānī entdeckt den Betrug und klagt bei ihrem Vater Śukra, der Yayāti trotz seiner dharmaethischen Rechtfertigung (die Pflicht, eine bittende Frau nicht abzuweisen) mit vorzeitigem Greisenalter verflucht. Auf Yayātis Flehen gestattet Śukra, den Fluch auf einen willigen Sohn zu übertragen - wer die Jugend seines Vaters übernimmt, soll dafür Königreich, Verdienst und Ruhm erben. Dies ist die ausführliche Erzählung dessen, was Adh.70 bereits vorausgreifend zusammengefasst hatte.

vaiśaṃpāyana uvāca śrutvā kumāraṃ jātaṃ tu devayānī śucismitā cintayām āsa duḥkhārtā śarmiṣṭhāṃ prati bhārata

Vaiśaṃpāyana sprach: »Als sie vom geborenen Knaben hörte, dachte Devayānī, die Reinlächelnde, kummervoll über Śarmiṣṭhā nach, o Bhārata.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca śrutvā kumāraṃ jātaṃ tu devayānī śucismitā cintayām āsa duḥkhārtā śarmiṣṭhāṃ prati bhārata
Vaiśaṃpāyana sprach: »Als sie vom geborenen Knaben hörte, dachte Devayānī, die Reinlächelnde, kummervoll über Śarmiṣṭhā nach, o Bhārata.

abhigamya ca śarmiṣṭhāṃ devayāny abravīd idam kim idaṃ vṛjinaṃ subhru kṛtaṃ te kāmalubdhayā

Und zu Śarmiṣṭhā hingehend, sprach Devayānī dies: ›Was ist das für ein Vergehen, du Schönbraue, das du aus Verlangensgier begangen hast?‹

Wort für Wort
abhigamya ca śarmiṣṭhāṃ devayāny abravīd idam kim idaṃ vṛjinaṃ subhru kṛtaṃ te kāmalubdhayā
Und zu Śarmiṣṭhā hingehend, sprach Devayānī dies: ›Was ist das für ein Vergehen, du Schönbraue, das du aus Verlangensgier begangen hast?‹

śarmiṣṭhovāca ṛṣir abhyāgataḥ kaś cid dharmātmā vedapāragaḥ sa mayā varadaḥ kāmaṃ yācito dharmasaṃhitam

Śarmiṣṭhā sprach: ›Ein gewisser Weiser kam zu mir, dharmagesinnt, im Veda bewandert; ihn, einen Wunscherfüller, bat ich um einen dharmagemäßen Wunsch.

Wort für Wort
śarmiṣṭhovāca ṛṣir abhyāgataḥ kaś cid dharmātmā vedapāragaḥ sa mayā varadaḥ kāmaṃ yācito dharmasaṃhitam
Śarmiṣṭhā sprach: ›Ein gewisser Weiser kam zu mir, dharmagesinnt, im Veda bewandert; ihn, einen Wunscherfüller, bat ich um einen dharmagemäßen Wunsch.

nāham anyāyataḥ kāmam ācarāmi śucismite tasmād ṛṣer mamāpatyam iti satyaṃ bravīmi te

Ich verfolge kein unrechtes Begehren, du Reinlächelnde; von jenem Weisen stammt mein Kind - dies sage ich dir wahrheitsgemäß.‹

Wort für Wort
nāham anyāyataḥ kāmam ācarāmi śucismite tasmād ṛṣer mamāpatyam iti satyaṃ bravīmi te
Ich verfolge kein unrechtes Begehren, du Reinlächelnde; von jenem Weisen stammt mein Kind - dies sage ich dir wahrheitsgemäß.‹

devayāny uvāca śobhanaṃ bhīru satyaṃ ced atha sa jñāyate dvijaḥ gotranāmābhijanato vettum icchāmi taṃ dvijam

Devayānī sprach: ›Gut so, du Furchtsame, wenn es die Wahrheit ist. Doch ist jener Zweifachgeborene namentlich bekannt? Nach Gotra, Namen und Herkunft möchte ich diesen Zweifachgeborenen kennen.‹

Wort für Wort
devayāny uvāca śobhanaṃ bhīru satyaṃ ced atha sa jñāyate dvijaḥ gotranāmābhijanato vettum icchāmi taṃ dvijam
Devayānī sprach: ›Gut so, du Furchtsame, wenn es die Wahrheit ist. Doch ist jener Zweifachgeborene namentlich bekannt? Nach Gotra, Namen und Herkunft möchte ich diesen Zweifachgeborenen kennen.‹

śarmiṣṭhovāca ojasā tejasā caiva dīpyamānaṃ raviṃ yathā taṃ dṛṣṭvā mama saṃpraṣṭuṃ śaktir nāsīc chucismite

Śarmiṣṭhā sprach: ›Von Kraft und Glanz erstrahlend wie die Sonne war er - als ich ihn sah, hatte ich nicht die Fähigkeit, ihn zu befragen, du Reinlächelnde.‹

Wort für Wort
śarmiṣṭhovāca ojasā tejasā caiva dīpyamānaṃ raviṃ yathā taṃ dṛṣṭvā mama saṃpraṣṭuṃ śaktir nāsīc chucismite
Śarmiṣṭhā sprach: ›Von Kraft und Glanz erstrahlend wie die Sonne war er - als ich ihn sah, hatte ich nicht die Fähigkeit, ihn zu befragen, du Reinlächelnde.‹

devayāny uvāca yady etad evaṃ śarmiṣṭhe na manyur vidyate mama apatyaṃ yadi te labdhaṃ jyeṣṭhāc chreṣṭhāc ca vai dvijāt

Devayānī sprach: ›Wenn es sich so verhält, Śarmiṣṭhā, dann hege ich keinen Groll - wenn du dein Kind von einem Ältesten und Besten der Zweifachgeborenen empfangen hast.‹

Wort für Wort
devayāny uvāca yady etad evaṃ śarmiṣṭhe na manyur vidyate mama apatyaṃ yadi te labdhaṃ jyeṣṭhāc chreṣṭhāc ca vai dvijāt
Devayānī sprach: ›Wenn es sich so verhält, Śarmiṣṭhā, dann hege ich keinen Groll - wenn du dein Kind von einem Ältesten und Besten der Zweifachgeborenen empfangen hast.‹

vaiśaṃpāyana uvāca anyonyam evam uktvā ca saṃprahasya ca te mithaḥ jagāma bhārgavī veśma tathyam ity eva jajñuṣī

Vaiśaṃpāyana sprach: »Nachdem sie so miteinander gesprochen und miteinander gelacht hatten, ging die Tochter des Bhārgava nach Hause, es für wahr haltend.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca anyonyam evam uktvā ca saṃprahasya ca te mithaḥ jagāma bhārgavī veśma tathyam ity eva jajñuṣī
Vaiśaṃpāyana sprach: »Nachdem sie so miteinander gesprochen und miteinander gelacht hatten, ging die Tochter des Bhārgava nach Hause, es für wahr haltend.

yayātir devayānyāṃ tu putrāv ajanayan nṛpaḥ yaduṃ ca turvasuṃ caiva śakraviṣṇū ivāparau

Yayāti zeugte mit Devayānī zwei Söhne, den König Yadu und Turvasu, wie zwei andere Erscheinungen von Śakra und Viṣṇu.

Wort für Wort
yayātir devayānyāṃ tu putrāv ajanayan nṛpaḥ yaduṃ ca turvasuṃ caiva śakraviṣṇū ivāparau
Yayāti zeugte mit Devayānī zwei Söhne, den König Yadu und Turvasu, wie zwei andere Erscheinungen von Śakra und Viṣṇu.

tasmād eva tu rājarṣeḥ śarmiṣṭhā vārṣaparvaṇī druhyuṃ cānuṃ ca pūruṃ ca trīn kumārān ajījanat

Von eben jenem königlichen Weisen aber gebar Śarmiṣṭhā, die Tochter des Vṛṣaparvan, drei Knaben: Druhyu, Anu und Pūru.

Wort für Wort
tasmād eva tu rājarṣeḥ śarmiṣṭhā vārṣaparvaṇī druhyuṃ cānuṃ ca pūruṃ ca trīn kumārān ajījanat
Von eben jenem königlichen Weisen aber gebar Śarmiṣṭhā, die Tochter des Vṛṣaparvan, drei Knaben: Druhyu, Anu und Pūru.

tataḥ kāle tu kasmiṃś cid devayānī śucismitā yayātisahitā rājan nirjagāma mahāvanam

Da nun, zu irgendeiner Zeit, ging Devayānī, die Reinlächelnde, zusammen mit Yayāti, o König, in einen großen Wald hinaus.

Wort für Wort
tataḥ kāle tu kasmiṃś cid devayānī śucismitā yayātisahitā rājan nirjagāma mahāvanam
Da nun, zu irgendeiner Zeit, ging Devayānī, die Reinlächelnde, zusammen mit Yayāti, o König, in einen großen Wald hinaus.

dadarśa ca tadā tatra kumārān devarūpiṇaḥ krīḍamānān suviśrabdhān vismitā cedam abravīt

Und dort sah sie Knaben von göttlicher Gestalt, spielend, ganz ungeniert, und verwundert sprach sie dies:

Wort für Wort
dadarśa ca tadā tatra kumārān devarūpiṇaḥ krīḍamānān suviśrabdhān vismitā cedam abravīt
Und dort sah sie Knaben von göttlicher Gestalt, spielend, ganz ungeniert, und verwundert sprach sie dies:

kasyaite dārakā rājan devaputropamāḥ śubhāḥ varcasā rūpataś caiva sadṛśā me matās tava

›Wessen Kinder sind diese, o König - schön wie Göttersöhne? An Glanz und Gestalt scheinen sie mir dir ähnlich.‹

Wort für Wort
kasyaite dārakā rājan devaputropamāḥ śubhāḥ varcasā rūpataś caiva sadṛśā me matās tava
›Wessen Kinder sind diese, o König - schön wie Göttersöhne? An Glanz und Gestalt scheinen sie mir dir ähnlich.‹

evaṃ pṛṣṭvā tu rājānaṃ kumārān paryapṛcchata kiṃnāmadheyagotro vaḥ putrakā brāhmaṇaḥ pitā vibrūta me yathātathyaṃ śrotum icchāmi taṃ hy aham

So den König befragend, wandte sie sich dann an die Knaben: ›Wie ist Name und Gotra eures Vaters, ihr Kindlein? Ist euer Vater ein Brahmane? Sagt mir die Wahrheit - ich möchte sie nämlich hören.‹

Wort für Wort
evaṃ pṛṣṭvā tu rājānaṃ kumārān paryapṛcchata kiṃnāmadheyagotro vaḥ putrakā brāhmaṇaḥ pitā vibrūta me yathātathyaṃ śrotum icchāmi taṃ hy aham
So den König befragend, wandte sie sich dann an die Knaben: ›Wie ist Name und Gotra eures Vaters, ihr Kindlein? Ist euer Vater ein Brahmane? Sagt mir die Wahrheit - ich möchte sie nämlich hören.‹

te 'darśayan pradeśinyā tam eva nṛpasattamam śarmiṣṭhāṃ mātaraṃ caiva tasyācakhyuś ca dārakāḥ

Sie zeigten mit dem Zeigefinger auf eben jenen besten der Könige, und als ihre Mutter nannten die Kinder Śarmiṣṭhā.

Wort für Wort
te 'darśayan pradeśinyā tam eva nṛpasattamam śarmiṣṭhāṃ mātaraṃ caiva tasyācakhyuś ca dārakāḥ
Sie zeigten mit dem Zeigefinger auf eben jenen besten der Könige, und als ihre Mutter nannten die Kinder Śarmiṣṭhā.

ity uktvā sahitās te tu rājānam upacakramuḥ nābhyanandata tān rājā devayānyās tadāntike rudantas te 'tha śarmiṣṭhām abhyayur bālakās tataḥ

Nachdem sie dies gesagt hatten, näherten sie sich gemeinsam dem König; doch der König hieß sie in Devayānīs Gegenwart nicht willkommen, und weinend liefen die Kindlein daraufhin zu Śarmiṣṭhā.

Wort für Wort
ity uktvā sahitās te tu rājānam upacakramuḥ nābhyanandata tān rājā devayānyās tadāntike rudantas te 'tha śarmiṣṭhām abhyayur bālakās tataḥ
Nachdem sie dies gesagt hatten, näherten sie sich gemeinsam dem König; doch der König hieß sie in Devayānīs Gegenwart nicht willkommen, und weinend liefen die Kindlein daraufhin zu Śarmiṣṭhā.

dṛṣṭvā tu teṣāṃ bālānāṃ praṇayaṃ pārthivaṃ prati buddhvā ca tattvato devī śarmiṣṭhām idam abravīt

Als sie aber die Zuneigung jener Kinder zum König sah und die Wahrheit erkannte, sprach die Herrin (Devayānī) zu Śarmiṣṭhā dies:

Wort für Wort
dṛṣṭvā tu teṣāṃ bālānāṃ praṇayaṃ pārthivaṃ prati buddhvā ca tattvato devī śarmiṣṭhām idam abravīt
Als sie aber die Zuneigung jener Kinder zum König sah und die Wahrheit erkannte, sprach die Herrin (Devayānī) zu Śarmiṣṭhā dies:

madadhīnā satī kasmād akārṣīr vipriyaṃ mama tam evāsuradharmaṃ tvam āsthitā na bibheṣi kim

›Wie konntest du, obwohl von mir abhängig, mir dies zuleide tun? Hast du dich an eben jene Asura-Sitte gehalten und fürchtest dich nicht?‹

Wort für Wort
madadhīnā satī kasmād akārṣīr vipriyaṃ mama tam evāsuradharmaṃ tvam āsthitā na bibheṣi kim
›Wie konntest du, obwohl von mir abhängig, mir dies zuleide tun? Hast du dich an eben jene Asura-Sitte gehalten und fürchtest dich nicht?‹

śarmiṣṭhovāca yad uktam ṛṣir ity eva tat satyaṃ cāruhāsini nyāyato dharmataś caiva carantī na bibhemi te

Śarmiṣṭhā sprach: ›Was ich gesagt habe - 'ein Weiser' - das ist wahr, du lieblich Lächelnde; da ich rechtmäßig und dharmagemäß handle, fürchte ich mich nicht vor dir.

Wort für Wort
śarmiṣṭhovāca yad uktam ṛṣir ity eva tat satyaṃ cāruhāsini nyāyato dharmataś caiva carantī na bibhemi te
Śarmiṣṭhā sprach: ›Was ich gesagt habe - 'ein Weiser' - das ist wahr, du lieblich Lächelnde; da ich rechtmäßig und dharmagemäß handle, fürchte ich mich nicht vor dir.

yadā tvayā vṛto rājā vṛta eva tadā mayā sakhībhartā hi dharmeṇa bhartā bhavati śobhane

Als du den König erwähltest, da hatte auch ich ihn erwählt; denn der Gatte der Freundin ist nach dem Dharma auch der eigene Gatte, du Schöne.

Wort für Wort
yadā tvayā vṛto rājā vṛta eva tadā mayā sakhībhartā hi dharmeṇa bhartā bhavati śobhane
Als du den König erwähltest, da hatte auch ich ihn erwählt; denn der Gatte der Freundin ist nach dem Dharma auch der eigene Gatte, du Schöne.

pūjyāsi mama mānyā ca jyeṣṭhā śreṣṭhā ca brāhmaṇī tvatto 'pi me pūjyatamo rājarṣiḥ kiṃ na vettha tat

Du bist mir verehrungswürdig und ehrbar, die Ältere und Vortrefflichere, eine Brahmanin; doch mehr noch als du ist mir der königliche Weise verehrungswürdig - weißt du das nicht?‹

Wort für Wort
pūjyāsi mama mānyā ca jyeṣṭhā śreṣṭhā ca brāhmaṇī tvatto 'pi me pūjyatamo rājarṣiḥ kiṃ na vettha tat
Du bist mir verehrungswürdig und ehrbar, die Ältere und Vortrefflichere, eine Brahmanin; doch mehr noch als du ist mir der königliche Weise verehrungswürdig - weißt du das nicht?‹

vaiśaṃpāyana uvāca śrutvā tasyās tato vākyaṃ devayāny abravīd idam rājan nādyeha vatsyāmi vipriyaṃ me kṛtaṃ tvayā

Vaiśaṃpāyana sprach: »Als sie deren Worte gehört hatte, sprach Devayānī dies: ›O König, ich werde heute nicht mehr hier wohnen - Unrecht hast du mir zugefügt.‹

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca śrutvā tasyās tato vākyaṃ devayāny abravīd idam rājan nādyeha vatsyāmi vipriyaṃ me kṛtaṃ tvayā
Vaiśaṃpāyana sprach: »Als sie deren Worte gehört hatte, sprach Devayānī dies: ›O König, ich werde heute nicht mehr hier wohnen - Unrecht hast du mir zugefügt.‹

sahasotpatitāṃ śyāmāṃ dṛṣṭvā tāṃ sāśrulocanām tvaritaṃ sakāśaṃ kāvyasya prasthitāṃ vyathitas tadā

Als er sie sah, plötzlich aufgesprungen, die Dunkle, mit tränenerfüllten Augen, eilig zu Kāvya (ihrem Vater) aufbrechend, wurde er bekümmert;

Wort für Wort
sahasotpatitāṃ śyāmāṃ dṛṣṭvā tāṃ sāśrulocanām tvaritaṃ sakāśaṃ kāvyasya prasthitāṃ vyathitas tadā
Als er sie sah, plötzlich aufgesprungen, die Dunkle, mit tränenerfüllten Augen, eilig zu Kāvya (ihrem Vater) aufbrechend, wurde er bekümmert;

anuvavrāja saṃbhrāntaḥ pṛṣṭhataḥ sāntvayan nṛpaḥ nyavartata na caiva sma krodhasaṃraktalocanā

er, der König, folgte ihr verwirrt hinterher, sie besänftigend; sie aber kehrte nicht um, ihre Augen zornrot.

Wort für Wort
anuvavrāja saṃbhrāntaḥ pṛṣṭhataḥ sāntvayan nṛpaḥ nyavartata na caiva sma krodhasaṃraktalocanā
er, der König, folgte ihr verwirrt hinterher, sie besänftigend; sie aber kehrte nicht um, ihre Augen zornrot.

avibruvantī kiṃ cit tu rājānaṃ cārulocanā acirād iva saṃprāptā kāvyasyośanaso 'ntikam

Ohne dem König etwas zu erwidern, die Schönäugige, gelangte sie bald zur Nähe des Kāvya Uśanas.

Wort für Wort
avibruvantī kiṃ cit tu rājānaṃ cārulocanā acirād iva saṃprāptā kāvyasyośanaso 'ntikam
Ohne dem König etwas zu erwidern, die Schönäugige, gelangte sie bald zur Nähe des Kāvya Uśanas.

sā tu dṛṣṭvaiva pitaram abhivādyāgrataḥ sthitā anantaraṃ yayātis tu pūjayām āsa bhārgavam

Kaum hatte sie ihren Vater erblickt, verneigte sie sich und stand vor ihm; gleich darauf ehrte auch Yayāti den Bhārgava.

Wort für Wort
sā tu dṛṣṭvaiva pitaram abhivādyāgrataḥ sthitā anantaraṃ yayātis tu pūjayām āsa bhārgavam
Kaum hatte sie ihren Vater erblickt, verneigte sie sich und stand vor ihm; gleich darauf ehrte auch Yayāti den Bhārgava.

devayāny uvāca adharmeṇa jito dharmaḥ pravṛttam adharottaram śarmiṣṭhayātivṛttāsmi duhitrā vṛṣaparvaṇaḥ

Devayānī sprach: ›Durch Unrecht wurde der Dharma besiegt; Unrecht ist über Recht hervorgetreten - von Śarmiṣṭhā, der Tochter des Vṛṣaparvan, bin ich hintergangen worden.

Wort für Wort
devayāny uvāca adharmeṇa jito dharmaḥ pravṛttam adharottaram śarmiṣṭhayātivṛttāsmi duhitrā vṛṣaparvaṇaḥ
Devayānī sprach: ›Durch Unrecht wurde der Dharma besiegt; Unrecht ist über Recht hervorgetreten - von Śarmiṣṭhā, der Tochter des Vṛṣaparvan, bin ich hintergangen worden.

trayo 'syāṃ janitāḥ putrā rājñānena yayātinā durbhagāyā mama dvau tu putrau tāta bravīmi te

Drei Söhne hat dieser König Yayāti mit ihr gezeugt; von mir Unglücklichen aber nur zwei Söhne - Vater, das sage ich dir.

Wort für Wort
trayo 'syāṃ janitāḥ putrā rājñānena yayātinā durbhagāyā mama dvau tu putrau tāta bravīmi te
Drei Söhne hat dieser König Yayāti mit ihr gezeugt; von mir Unglücklichen aber nur zwei Söhne - Vater, das sage ich dir.

dharmajña iti vikhyāta eṣa rājā bhṛgūdvaha atikrāntaś ca maryādāṃ kāvyaitat kathayāmi te

Als 'Dharma-Kundig' gilt dieser König, o Stier der Bhṛgus, doch er hat die Grenze überschritten - dies, Kāvya, berichte ich dir.‹

Wort für Wort
dharmajña iti vikhyāta eṣa rājā bhṛgūdvaha atikrāntaś ca maryādāṃ kāvyaitat kathayāmi te
Als 'Dharma-Kundig' gilt dieser König, o Stier der Bhṛgus, doch er hat die Grenze überschritten - dies, Kāvya, berichte ich dir.‹

śukra uvāca dharmajñaḥ san mahārāja yo 'dharmam akṛthāḥ priyam tasmāj jarā tvām acirād dharṣayiṣyati durjayā

Śukra sprach: ›Obwohl du dharmakundig bist, o Großkönig, hast du Unrecht als dir Angenehmes begangen; darum wird dich alsbald das Alter befallen, unbezwingbar.‹

Wort für Wort
śukra uvāca dharmajñaḥ san mahārāja yo 'dharmam akṛthāḥ priyam tasmāj jarā tvām acirād dharṣayiṣyati durjayā
Śukra sprach: ›Obwohl du dharmakundig bist, o Großkönig, hast du Unrecht als dir Angenehmes begangen; darum wird dich alsbald das Alter befallen, unbezwingbar.‹

yayātir uvāca ṛtuṃ vai yācamānāyā bhagavan nānyacetasā duhitur dānavendrasya dharmyam etat kṛtaṃ mayā

Yayāti sprach: ›Als die Tochter des Dānava-Herrschers mich um die Erfüllung ihrer fruchtbaren Zeit bat, o Erhabener, habe ich, ohne Hintergedanken, dies als dharmagemäß getan.

Wort für Wort
yayātir uvāca ṛtuṃ vai yācamānāyā bhagavan nānyacetasā duhitur dānavendrasya dharmyam etat kṛtaṃ mayā
Yayāti sprach: ›Als die Tochter des Dānava-Herrschers mich um die Erfüllung ihrer fruchtbaren Zeit bat, o Erhabener, habe ich, ohne Hintergedanken, dies als dharmagemäß getan.

ṛtuṃ vai yācamānāyā na dadāti pumān vṛtaḥ bhrūṇahety ucyate brahman sa iha brahmavādibhiḥ

Ein Mann, der erwählt wurde und einer, die um die Erfüllung ihrer fruchtbaren Zeit bittet, dies nicht gewährt, wird 'Kindsmörder' genannt, o Brahmane, von den Kennern des heiligen Wissens.

Wort für Wort
ṛtuṃ vai yācamānāyā na dadāti pumān vṛtaḥ bhrūṇahety ucyate brahman sa iha brahmavādibhiḥ
Ein Mann, der erwählt wurde und einer, die um die Erfüllung ihrer fruchtbaren Zeit bittet, dies nicht gewährt, wird 'Kindsmörder' genannt, o Brahmane, von den Kennern des heiligen Wissens.

abhikāmāṃ striyaṃ yas tu gamyāṃ rahasi yācitaḥ nopaiti sa ca dharmeṣu bhrūṇahety ucyate budhaiḥ

Und wer, von einer begehrenden, ihm zugänglichen Frau im Verborgenen gebeten, nicht zu ihr geht, der wird in den Dharma-Lehren gleichfalls von den Weisen 'Kindsmörder' genannt.

Wort für Wort
abhikāmāṃ striyaṃ yas tu gamyāṃ rahasi yācitaḥ nopaiti sa ca dharmeṣu bhrūṇahety ucyate budhaiḥ
Und wer, von einer begehrenden, ihm zugänglichen Frau im Verborgenen gebeten, nicht zu ihr geht, der wird in den Dharma-Lehren gleichfalls von den Weisen 'Kindsmörder' genannt.

ity etāni samīkṣyāhaṃ kāraṇāni bhṛgūdvaha adharmabhayasaṃvignaḥ śarmiṣṭhām upajagmivān

Diese Gründe erwägend, o Stier der Bhṛgus, bin ich, von der Furcht vor Unrecht erschüttert, zu Śarmiṣṭhā gegangen.‹

Wort für Wort
ity etāni samīkṣyāhaṃ kāraṇāni bhṛgūdvaha adharmabhayasaṃvignaḥ śarmiṣṭhām upajagmivān
Diese Gründe erwägend, o Stier der Bhṛgus, bin ich, von der Furcht vor Unrecht erschüttert, zu Śarmiṣṭhā gegangen.‹

śukra uvāca nanv ahaṃ pratyavekṣyas te madadhīno 'si pārthiva mithyācārasya dharmeṣu cauryaṃ bhavati nāhuṣa

Śukra sprach: ›War ich nicht zu bedenken? Du bist von mir abhängig, o Fürst. Bei falschem Handeln in Dharma-Fragen liegt Diebstahl vor, o Sohn des Nahuṣa.‹

Wort für Wort
śukra uvāca nanv ahaṃ pratyavekṣyas te madadhīno 'si pārthiva mithyācārasya dharmeṣu cauryaṃ bhavati nāhuṣa
Śukra sprach: ›War ich nicht zu bedenken? Du bist von mir abhängig, o Fürst. Bei falschem Handeln in Dharma-Fragen liegt Diebstahl vor, o Sohn des Nahuṣa.‹

vaiśaṃpāyana uvāca kruddhenośanasā śapto yayātir nāhuṣas tadā pūrvaṃ vayaḥ parityajya jarāṃ sadyo 'nvapadyata

Vaiśaṃpāyana sprach: »Von dem zornigen Uśanas verflucht, verlor Yayāti, der Sohn des Nahuṣa, da seine frühere Jugend und verfiel sogleich in Greisenalter.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca kruddhenośanasā śapto yayātir nāhuṣas tadā pūrvaṃ vayaḥ parityajya jarāṃ sadyo 'nvapadyata
Vaiśaṃpāyana sprach: »Von dem zornigen Uśanas verflucht, verlor Yayāti, der Sohn des Nahuṣa, da seine frühere Jugend und verfiel sogleich in Greisenalter.

[Anm.: Dies ist die ausführliche Erzählung des Fluchs, den Adh.70 bereits vorausgreifend zusammengefasst hatte.

yayātir uvāca atṛpto yauvanasyāhaṃ devayānyāṃ bhṛgūdvaha prasādaṃ kuru me brahmañ jareyaṃ mā viśeta mām

Yayāti sprach: ›Ich bin der Jugend mit Devayānī noch nicht überdrüssig, o Stier der Bhṛgus; erweise mir Gnade, o Brahmane - dieses Greisenalter möge mich nicht befallen.‹

Wort für Wort
yayātir uvāca atṛpto yauvanasyāhaṃ devayānyāṃ bhṛgūdvaha prasādaṃ kuru me brahmañ jareyaṃ mā viśeta mām
Yayāti sprach: ›Ich bin der Jugend mit Devayānī noch nicht überdrüssig, o Stier der Bhṛgus; erweise mir Gnade, o Brahmane - dieses Greisenalter möge mich nicht befallen.‹

śukra uvāca nāhaṃ mṛṣā bravīmy etaj jarāṃ prāpto 'si bhūmipa jarāṃ tv etāṃ tvam anyasmai saṃkrāmaya yadīcchasi

Śukra sprach: ›Ich spreche hierin nicht die Unwahrheit - du hast das Greisenalter erlangt, o Herr der Erde. Doch dieses Greisenalter magst du auf einen anderen übertragen, wenn du willst.‹

Wort für Wort
śukra uvāca nāhaṃ mṛṣā bravīmy etaj jarāṃ prāpto 'si bhūmipa jarāṃ tv etāṃ tvam anyasmai saṃkrāmaya yadīcchasi
Śukra sprach: ›Ich spreche hierin nicht die Unwahrheit - du hast das Greisenalter erlangt, o Herr der Erde. Doch dieses Greisenalter magst du auf einen anderen übertragen, wenn du willst.‹

yayātir uvāca rājyabhāk sa bhaved brahman puṇyabhāk kīrtibhāk tathā yo me dadyād vayaḥ putras tad bhavān anumanyatām

Yayāti sprach: ›Königsanteil, Verdienstanteil und ebenso Ruhmanteil soll der Sohn erhalten, der mir seine Jugend gibt - dies mögest du, Erhabener, gestatten.‹

Wort für Wort
yayātir uvāca rājyabhāk sa bhaved brahman puṇyabhāk kīrtibhāk tathā yo me dadyād vayaḥ putras tad bhavān anumanyatām
Yayāti sprach: ›Königsanteil, Verdienstanteil und ebenso Ruhmanteil soll der Sohn erhalten, der mir seine Jugend gibt - dies mögest du, Erhabener, gestatten.‹

śukra uvāca saṃkrāmayiṣyasi jarāṃ yatheṣṭaṃ nahuṣātmaja mām anudhyāya bhāvena na ca pāpam avāpsyasi

Śukra sprach: ›Du wirst das Greisenalter übertragen können, wie du willst, o Sohn des Nahuṣa; wenn du meiner in rechter Gesinnung gedenkst, wirst du keine Sünde auf dich laden.

Wort für Wort
śukra uvāca saṃkrāmayiṣyasi jarāṃ yatheṣṭaṃ nahuṣātmaja mām anudhyāya bhāvena na ca pāpam avāpsyasi
Śukra sprach: ›Du wirst das Greisenalter übertragen können, wie du willst, o Sohn des Nahuṣa; wenn du meiner in rechter Gesinnung gedenkst, wirst du keine Sünde auf dich laden.

vayo dāsyati te putro yaḥ sa rājā bhaviṣyati āyuṣmān kīrtimāṃś caiva bahvapatyas tathaiva ca

Welcher Sohn dir seine Jugend geben wird, der wird König sein, langlebig und ruhmreich, und ebenso reich an Nachkommenschaft.‹«

Wort für Wort
vayo dāsyati te putro yaḥ sa rājā bhaviṣyati āyuṣmān kīrtimāṃś caiva bahvapatyas tathaiva ca
Welcher Sohn dir seine Jugend geben wird, der wird König sein, langlebig und ruhmreich, und ebenso reich an Nachkommenschaft.‹«

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