Kapitel 182: Draupadyāḥ Sarvabhrātṛvivāhanirṇayaḥ
Die Entscheidung für die gemeinsame Vermählung Draupadīs
Heimgekehrt melden Bhīma und Arjuna Kuntī fröhlich, sie hätten ,Almosen' mitgebracht; Kuntī, ohne hinzusehen, weist gewohnheitsmäßig an, es gemeinsam zu teilen – und erschrickt, als sie erkennt, dass es sich um Draupadī handelt. Aus Furcht, ihr Wort zur Unwahrheit werden zu lassen, bittet sie Yudhiṣṭhira um Rat. Dieser schlägt zunächst vor, Arjuna solle Draupadī heiraten, da er sie gewonnen habe; Arjuna lehnt dies als Bruch der Rangfolge ab. Als alle Brüder beim Anblick Draupadīs von Liebe ergriffen werden, erinnert sich Yudhiṣṭhira an Vyāsas frühere Voraussage (Adh.157) und verkündet, aus Furcht vor Zwietracht unter den Brüdern, dass Draupadī ihnen allen gemeinsam zur Gattin werden solle – die Begründung der Vielehe.
Vaiśampāyana sprach: Nachdem sie zu jener Werkstatt des Bhārgava [Anm.: gemeint ist die Hütte des Töpfers, bei dem sie wohnten] gegangen waren, gelangten die beiden Pārthas, hochherzig, zu Pṛthā; höchst zufrieden meldeten die beiden vortrefflichsten Männer ihr die Yājñasenī als ‚Almosen'.
Vaiśampāyana sprach: Nachdem sie zu jener Werkstatt des Bhārgava [Anm.: gemeint ist die Hütte des Töpfers, bei dem sie wohnten] gegangen waren, gelangten die beiden Pārthas, hochherzig, zu Pṛthā; höchst zufrieden meldeten die beiden vortrefflichsten Männer ihr die Yājñasenī als ‚Almosen'.
kuṭīgatā sā tv anavekṣya putrān uvāca bhuṅkteti sametya sarve paścāt tu kuntī prasamīkṣya kanyāṃ kaṣṭaṃ mayā bhāṣitam ity uvāca
Sie, in der Hütte befindlich, sprach, ohne die Söhne anzusehen: ‚Genießt es alle gemeinsam' – doch als Kuntī danach die Jungfrau erblickte, sprach sie: ‚Etwas Schlimmes habe ich gesagt.'
Wort für Wort
kuṭīgatā sā tv anavekṣya putrān uvāca bhuṅkteti sametya sarve paścāt tu kuntī prasamīkṣya kanyāṃ kaṣṭaṃ mayā bhāṣitam ity uvāca
Sie, in der Hütte befindlich, sprach, ohne die Söhne anzusehen: ‚Genießt es alle gemeinsam' – doch als Kuntī danach die Jungfrau erblickte, sprach sie: ‚Etwas Schlimmes habe ich gesagt.'
Aus Furcht vor einem Verstoß gegen den Dharma, sich schämend, ergriff Kuntī die überaus zufriedene Yājñasenī bei der Hand, trat zu Yudhiṣṭhira und sprach zu ihm diese Worte:
Aus Furcht vor einem Verstoß gegen den Dharma, sich schämend, ergriff Kuntī die überaus zufriedene Yājñasenī bei der Hand, trat zu Yudhiṣṭhira und sprach zu ihm diese Worte:
iyaṃ hi kanyā drupadasya rājñas tavānujābhyāṃ mayi saṃnisṛṣṭā yathocitaṃ putra mayāpi coktaṃ sametya bhuṅkteti nṛpa pramādāt
‚Diese Jungfrau, die Tochter des Königs Drupada, ist mir von deinen jüngeren Brüdern übergeben worden; und ich, mein Sohn, habe – wie es bei einer Almosengabe üblich ist – aus Unachtsamkeit gesagt: ‚Genießt sie gemeinsam', o König.'
Wort für Wort
iyaṃ hi kanyā drupadasya rājñas tavānujābhyāṃ mayi saṃnisṛṣṭā yathocitaṃ putra mayāpi coktaṃ sametya bhuṅkteti nṛpa pramādāt
‚Diese Jungfrau, die Tochter des Königs Drupada, ist mir von deinen jüngeren Brüdern übergeben worden; und ich, mein Sohn, habe – wie es bei einer Almosengabe üblich ist – aus Unachtsamkeit gesagt: ‚Genießt sie gemeinsam', o König.'
‚Wie könnte mein heutiges Wort nicht unwahr werden, du Stier der Kurus? Sprich! Und wie möge kein je zuvor dagewesenes Unrecht über die Tochter des Pāñcāla-Königs kommen.'
‚Wie könnte mein heutiges Wort nicht unwahr werden, du Stier der Kurus? Sprich! Und wie möge kein je zuvor dagewesenes Unrecht über die Tochter des Pāñcāla-Königs kommen.'
Nachdem er nur einen Augenblick nachgedacht hatte, tröstete König Yudhiṣṭhira, von höchster Kraft, der Beste der Kurus, seine Mutter Kuntī und sprach zu Dhanaṃjaya diese Worte:
Nachdem er nur einen Augenblick nachgedacht hatte, tröstete König Yudhiṣṭhira, von höchster Kraft, der Beste der Kurus, seine Mutter Kuntī und sprach zu Dhanaṃjaya diese Worte:
‚Von dir, Pāṇḍava, wurde die Yājñasenī gewonnen, und durch dich wird die Königstochter zufrieden sein; das Feuer soll entzündet und geopfert werden – ergreife du vorschriftsmäßig ihre Hand.'
‚Von dir, Pāṇḍava, wurde die Yājñasenī gewonnen, und durch dich wird die Königstochter zufrieden sein; das Feuer soll entzündet und geopfert werden – ergreife du vorschriftsmäßig ihre Hand.'
arjuna uvāca mā māṃ narendra tvam adharmabhājaṃ kṛthā na dharmo hy ayam īpsito 'nyaiḥ bhavān niveśyaḥ prathamaṃ tato 'yaṃ bhīmo mahābāhur acintyakarmā
Arjuna sprach: ‚Mach mich nicht, Herrscher der Menschen, zu einem Teilhaber des Unrechts – dies ist kein von anderen erstrebtes Recht. Du sollst zuerst vermählt werden, danach dieser Bhīma, der Großarmige, von unfassbarer Tatkraft –'
Wort für Wort
arjuna uvāca mā māṃ narendra tvam adharmabhājaṃ kṛthā na dharmo hy ayam īpsito 'nyaiḥ bhavān niveśyaḥ prathamaṃ tato 'yaṃ bhīmo mahābāhur acintyakarmā
Arjuna sprach: ‚Mach mich nicht, Herrscher der Menschen, zu einem Teilhaber des Unrechts – dies ist kein von anderen erstrebtes Recht. Du sollst zuerst vermählt werden, danach dieser Bhīma, der Großarmige, von unfassbarer Tatkraft –'
ahaṃ tato nakulo 'nantaraṃ me mādrīsutaḥ sahadevo jaghanyaḥ vṛkodaro 'haṃ ca yamau ca rājann iyaṃ ca kanyā bhavataḥ sma sarve
‚– dann ich, danach Nakula, dann der Sohn der Mādrī, Sahadeva, als Letzter. Vṛkodara, ich und die Zwillinge, o König – wir alle und diese Jungfrau gehören dir.'
Wort für Wort
ahaṃ tato nakulo 'nantaraṃ me mādrīsutaḥ sahadevo jaghanyaḥ vṛkodaro 'haṃ ca yamau ca rājann iyaṃ ca kanyā bhavataḥ sma sarve
‚– dann ich, danach Nakula, dann der Sohn der Mādrī, Sahadeva, als Letzter. Vṛkodara, ich und die Zwillinge, o König – wir alle und diese Jungfrau gehören dir.'
evaṃgate yat karaṇīyam atra dharmyaṃ yaśasyaṃ kuru tat pracintya pāñcālarājasya ca yat priyaṃ syāt tad brūhi sarve sma vaśe sthitās te
‚Da es sich nun so verhält, bedenke, was hier zu tun ist – was rechtmäßig und ruhmvoll ist –, und was dem Pāñcāla-König lieb wäre; sprich es aus, wir alle stehen in deiner Gewalt.'
Wort für Wort
evaṃgate yat karaṇīyam atra dharmyaṃ yaśasyaṃ kuru tat pracintya pāñcālarājasya ca yat priyaṃ syāt tad brūhi sarve sma vaśe sthitās te
‚Da es sich nun so verhält, bedenke, was hier zu tun ist – was rechtmäßig und ruhmvoll ist –, und was dem Pāñcāla-König lieb wäre; sprich es aus, wir alle stehen in deiner Gewalt.'
vaiśaṃpāyana uvāca te dṛṣṭvā tatra tiṣṭhantīṃ sarve kṛṣṇāṃ yaśasvinīm saṃprekṣyānyonyam āsīnā hṛdayais tām adhārayan
Vaiśampāyana sprach: Als sie alle dort die ruhmreiche Kṛṣṇā stehen sahen, blickten sie, dasitzend, einander an und trugen sie, jeder für sich, in seinem Herzen.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca te dṛṣṭvā tatra tiṣṭhantīṃ sarve kṛṣṇāṃ yaśasvinīm saṃprekṣyānyonyam āsīnā hṛdayais tām adhārayan
Vaiśampāyana sprach: Als sie alle dort die ruhmreiche Kṛṣṇā stehen sahen, blickten sie, dasitzend, einander an und trugen sie, jeder für sich, in seinem Herzen.
teṣām ākārabhāvajñaḥ kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ dvaipāyanavacaḥ kṛtsnaṃ saṃsmaran vai nararṣabha
Der die äußere Erscheinung und die innere Regung der Brüder kennende Sohn der Kuntī, Yudhiṣṭhira, sich der ganzen Rede des Dvaipāyana erinnernd, o Stier der Männer –
Wort für Wort
teṣām ākārabhāvajñaḥ kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ dvaipāyanavacaḥ kṛtsnaṃ saṃsmaran vai nararṣabha
Der die äußere Erscheinung und die innere Regung der Brüder kennende Sohn der Kuntī, Yudhiṣṭhira, sich der ganzen Rede des Dvaipāyana erinnernd, o Stier der Männer –