Kapitel 10: Pauloma-parva (Fortsetzung): die Ḍuṇḍubha-Belehrung
Pauloma-parva (Fortsetzung): der Ḍuṇḍubha belehrt Ruru über Gewaltlosigkeit — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)
Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,010.001“ bis „01,010.008“). Kurzer, aber inhaltlich wichtiger Adhyāya: der von Ruru bedrohte Ḍuṇḍubha erklärt, dass er, obwohl schlangenähnlich, keine giftige, menschenbeißende Schlange sei und daher nicht getötet werden dürfe – ein frühes Beispiel der im Epos wiederkehrenden ahiṃsā-Lehre (Unterscheidung zwischen äußerer Ähnlichkeit und wahrer Schädlichkeit). Ruru lässt von ihm ab und erfährt, dass der Ḍuṇḍubha in Wahrheit der verfluchte Weise Sahasrapād ist; der Adhyāya endet mit Rurus Frage nach der Ursache des Fluchs (Antwort in Adhyāya 11). Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.
rurur uvāca | mama prāṇasamā bhāryā daṣṭāsīd bhujagena ha | tatra me samayo ghora ātmanoraga vai kṛtaḥ
Ruru sprach: „Meine Gattin, mir gleich lieb wie mein Lebensatem, wurde von einer Schlange gebissen; darauf habe ich, o Schlange, mir selbst ein schreckliches Gelübde auferlegt:
Wort für Wort
rurur uvāca | mama prāṇasamā bhāryā daṣṭāsīd bhujagena ha | tatra me samayo ghora ātmanoraga vai kṛtaḥ
Ruru sprach: „Meine Gattin, mir gleich lieb wie mein Lebensatem, wurde von einer Schlange gebissen; darauf habe ich, o Schlange, mir selbst ein schreckliches Gelübde auferlegt:
ḍuṇḍubha uvāca | anye te bhujagā vipra ye daśantīha mānavān | ḍuṇḍubhān ahigandhena na tvaṃ hiṃsitum arhasi
Der Ḍuṇḍubha sprach: „Andere sind jene Schlangen, o Brahmane, die hier Menschen beißen; die Ḍuṇḍubhas hingegen, die nur äußerlich den Schlangen ähneln, solltest du nicht verletzen.
Wort für Wort
ḍuṇḍubha uvāca | anye te bhujagā vipra ye daśantīha mānavān | ḍuṇḍubhān ahigandhena na tvaṃ hiṃsitum arhasi
Der Ḍuṇḍubha sprach: „Andere sind jene Schlangen, o Brahmane, die hier Menschen beißen; die Ḍuṇḍubhas hingegen, die nur äußerlich den Schlangen ähneln, solltest du nicht verletzen.
Die Ḍuṇḍubhas, die zwar von äußerlich gleicher Erscheinung, doch von anderer Wesensart sind, die Leid wie andere kennen, doch andere Freuden haben – sie solltest du, da du die rechte Ordnung kennst, nicht verletzen.“
Die Ḍuṇḍubhas, die zwar von äußerlich gleicher Erscheinung, doch von anderer Wesensart sind, die Leid wie andere kennen, doch andere Freuden haben – sie solltest du, da du die rechte Ordnung kennst, nicht verletzen.“
[Anm.: Der Vers ist im Original stark komprimiert (zwei Gegensatzpaare in Kompositumsform: ekānarthān/pṛthagarthān, ekaduḥkhān/pṛthaksukhān), vermutlich eine knappe philosophische Unterscheidung zwischen äußerer Ähnlichkeit und innerem Wesensunterschied der Ḍuṇḍubhas gegenüber giftigen Schlangen; wörtlich, ohne interpretierende Glättung wiedergegeben.]
Sūta sprach: Als er diese Worte jener Schlange gehört hatte, tötete Ruru sie da nicht, von Sorge ergriffen, da er nun erkannte, dass der Ḍuṇḍubha ein verwandelter Weiser war.
Sūta sprach: Als er diese Worte jener Schlange gehört hatte, tötete Ruru sie da nicht, von Sorge ergriffen, da er nun erkannte, dass der Ḍuṇḍubha ein verwandelter Weiser war.
Und der erhabene Ruru sprach zu ihm, gleichsam beschwichtigend, aus Wissbegier: „O Schlange, sage mir, wer du bist, der in diese Verwandlung geraten ist.“
Und der erhabene Ruru sprach zu ihm, gleichsam beschwichtigend, aus Wissbegier: „O Schlange, sage mir, wer du bist, der in diese Verwandlung geraten ist.“
Der Ḍuṇḍubha sprach: „Ich war einst, o Ruru, mit Namen Sahasrapād, ein Weiser; ich bin es, der durch den Fluch eines Brahmanen in diesen Schlangenzustand geraten ist.“
Der Ḍuṇḍubha sprach: „Ich war einst, o Ruru, mit Namen Sahasrapād, ein Weiser; ich bin es, der durch den Fluch eines Brahmanen in diesen Schlangenzustand geraten ist.“
Ruru sprach: „Weshalb hat dich ein zorniger Zweifachgeborener verflucht, o Vortrefflichster der Schlangen? Und wie lange wird diese deine jetzige Gestalt noch währen?“
Ruru sprach: „Weshalb hat dich ein zorniger Zweifachgeborener verflucht, o Vortrefflichster der Schlangen? Und wie lange wird diese deine jetzige Gestalt noch währen?“
[Anm.: Adhyāya 10 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei; Sahasrapāds Antwort – die Geschichte seines Fluchs – folgt in Adhyāya 11.]