Kapitel 30: Āstīka-parva (Fortsetzung): der Kuśa-Gras-Trick und der Abschluss der Garuḍa-Episode
Āstīka-parva (Fortsetzung): Garuḍas Kraftrede, die Freundschaft mit Indra, der Kuśa-Gras-Listentrick, und der Abschluss der Garuḍa-Amṛta-Episode — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)
Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,030.001“ bis „01,030.022“). Garuḍa schildert Indra seine unermessliche Kraft und schließt Freundschaft mit ihm; auf Indras Bitte, den Soma nicht den Schlangen zu überlassen, ersinnt Garuḍa eine List: Er verspricht den Schlangen das Amṛta, legt es auf Kuśa-Gras nieder und schickt sie zum rituellen Bad – währenddessen nimmt Indra den Soma wieder an sich. Die Schlangen, den Betrug erkennend, lecken das Gras in der Hoffnung auf Reste des Amṛta, wodurch der Sage nach ihre Zunge gespalten wird und das Kuśa-Gras rituelle Heiligkeit erlangt. Vinatā ist damit endgültig von der Dienstbarkeit befreit. Eine abschließende Phalaśruti (Verheißung des Verdienstes fürs Hören/Rezitieren dieser Geschichte) beschließt die gesamte Garuḍa-Amṛta-Episode (Adh.14-30). Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.
„Diese Erde samt ihren Bergen und Wäldern, samt Ozean und Wäldern, mit einem einzigen Flügelrohr, o Śakra, und dich selbst, dich, der du dich daran hältst,“
„Diese Erde samt ihren Bergen und Wäldern, samt Ozean und Wäldern, mit einem einzigen Flügelrohr, o Śakra, und dich selbst, dich, der du dich daran hältst,“
„ja, alle Welten zusammen, samt allem Beweglichen und Unbeweglichen zusammengeballt, könnte ich tragen, ohne zu ermüden; erkenne dies als meine große Kraft.“
„ja, alle Welten zusammen, samt allem Beweglichen und Unbeweglichen zusammengeballt, könnte ich tragen, ohne zu ermüden; erkenne dies als meine große Kraft.“
Sūta sprach: Zu ihm, dem Helden, der so gesprochen hatte, sprach der diademtragende Götterfürst, der Beste der Glanzreichen, o Śaunaka, der allen Wesen wohlgesinnte Herrscher:
Sūta sprach: Zu ihm, dem Helden, der so gesprochen hatte, sprach der diademtragende Götterfürst, der Beste der Glanzreichen, o Śaunaka, der allen Wesen wohlgesinnte Herrscher:
pratigṛhyatām idānīṃ me sakhyam ānantyam uttamam | na kāryaṃ tava somena mama somaḥ pradīyatām | asmāṃs te hi prabādheyur yebhyo dadyād bhavān imam
„Nimm jetzt meine Freundschaft an, meine unendliche, höchste; nichts sollst du mit dem Soma zu tun haben – möge mir der Soma übergeben werden; denn sie würden uns bedrängen, an die du diesen gäbest.“
Wort für Wort
pratigṛhyatām idānīṃ me sakhyam ānantyam uttamam | na kāryaṃ tava somena mama somaḥ pradīyatām | asmāṃs te hi prabādheyur yebhyo dadyād bhavān imam
„Nimm jetzt meine Freundschaft an, meine unendliche, höchste; nichts sollst du mit dem Soma zu tun haben – möge mir der Soma übergeben werden; denn sie würden uns bedrängen, an die du diesen gäbest.“
śakra uvāca | vākyenānena tuṣṭo 'haṃ yat tvayoktam ihāṇḍaja | yad icchasi varaṃ mattas tad gṛhāṇa khagottama
Śakra sprach: „Über dieses Wort bin ich erfreut, das du hier gesprochen hast, o Eigeborener; welche Gabe du wünschst, die nimm von mir, o Bester der Vögel.“
Wort für Wort
śakra uvāca | vākyenānena tuṣṭo 'haṃ yat tvayoktam ihāṇḍaja | yad icchasi varaṃ mattas tad gṛhāṇa khagottama
Śakra sprach: „Über dieses Wort bin ich erfreut, das du hier gesprochen hast, o Eigeborener; welche Gabe du wünschst, die nimm von mir, o Bester der Vögel.“
Sūta sprach: So angesprochen, erwiderte er dies, an die Söhne Kadrūs denkend, und sich erinnernd an den seiner Mutter zugefügten Betrug wegen der Dienstbarkeit:
Sūta sprach: So angesprochen, erwiderte er dies, an die Söhne Kadrūs denkend, und sich erinnernd an den seiner Mutter zugefügten Betrug wegen der Dienstbarkeit:
„Dieses hergebrachte Amṛta werde ich für euch auf Kuśa-Gras niederlegen; badet, dem Segensbrauch entsprechend gerüstet, dann kostet davon, ihr Schlangen.“
„Dieses hergebrachte Amṛta werde ich für euch auf Kuśa-Gras niederlegen; badet, dem Segensbrauch entsprechend gerüstet, dann kostet davon, ihr Schlangen.“
[Anm.: Kuśa ist eine im Ritual als heilig geltende Grasart.]
athāgatās tam uddeśaṃ sarpāḥ somārthinas tadā | snātāś ca kṛtajapyāś ca prahṛṣṭāḥ kṛtamaṅgalāḥ
Da kamen die Schlangen, nach dem Soma verlangend, wieder an jenen Ort, gebadet, ihre Gebete verrichtet, hocherfreut, den Segensbrauch vollzogen habend.
Wort für Wort
athāgatās tam uddeśaṃ sarpāḥ somārthinas tadā | snātāś ca kṛtajapyāś ca prahṛṣṭāḥ kṛtamaṅgalāḥ
Da kamen die Schlangen, nach dem Soma verlangend, wieder an jenen Ort, gebadet, ihre Gebete verrichtet, hocherfreut, den Segensbrauch vollzogen habend.
tataḥ suparṇaḥ paramaprahṛṣṭavān vihṛtya mātrā saha tatra kānane | bhujaṃgabhakṣaḥ paramārcitaḥ khagair ahīnakīrtir vinatām anandayat
Da, Suparṇa, überaus hocherfreut, nachdem er sich dort im Wald mit seiner Mutter ergangen hatte, der Schlangenfresser, der von den Vögeln hochverehrte, von makellosem Ruhm, erfreute Vinatā.
Wort für Wort
tataḥ suparṇaḥ paramaprahṛṣṭavān vihṛtya mātrā saha tatra kānane | bhujaṃgabhakṣaḥ paramārcitaḥ khagair ahīnakīrtir vinatām anandayat
Da, Suparṇa, überaus hocherfreut, nachdem er sich dort im Wald mit seiner Mutter ergangen hatte, der Schlangenfresser, der von den Vögeln hochverehrte, von makellosem Ruhm, erfreute Vinatā.
Wer diese Geschichte stets hört, ein Mensch, oder sie in der Versammlung der Zweifachgeborenen vorträgt, der gelangt ohne Zweifel, verdienstreich, zum Himmel, durch das Preisen des hochgesinnten Vogelfürsten.
Wer diese Geschichte stets hört, ein Mensch, oder sie in der Versammlung der Zweifachgeborenen vorträgt, der gelangt ohne Zweifel, verdienstreich, zum Himmel, durch das Preisen des hochgesinnten Vogelfürsten.
[Anm.: Mit dieser Phalaśruti (Verheißung des Verdienstes fürs Hören/Rezitieren) endet Adhyāya 30 gemäß der lokalen Quelldatei, und zugleich die gesamte Garuḍa-Amṛta-Episode (Adh.14-30): Vinatā ist nun endgültig von der Dienstbarkeit befreit, die Schlangen bleiben ohne Amṛta zurück, und Garuḍas Freundschaft mit Indra ist besiegelt.]