Kapitel 21: Āstīka-parva (Fortsetzung): Kadrūs Lobpreis an Indra
Āstīka-parva (Fortsetzung): der Umzug zur Nāga-Insel, die Ohnmacht der Schlangen unter der Sonne und Kadrūs Lobpreis an Indra — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)
Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,021.001“ bis „01,021.017“). Garuḍa kehrt zu seiner versklavten Mutter Vinatā zurück; Kadrū befiehlt, zur Wohnstätte der Nāgas jenseits des Ozeans getragen zu werden – Vinatā trägt Kadrū, Garuḍa die Schlangen. Beim Flug nahe der Sonne fallen die Schlangen, von deren Hitze versengt, in Ohnmacht; Kadrū besänftigt daraufhin Indra mit einem langen, formelhaften Lobpreis (Vers 7-17), in dem sie ihn mit zahlreichen kosmischen Epitheta identifiziert und um rettenden Regen für ihre Söhne bittet. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.
Sūta sprach: Da kam der nach Belieben fliegende Vogel, von großer Kraft und großer Stärke, in die Nähe seiner Mutter, ans jenseitige Ufer des großen Ozeans.
Sūta sprach: Da kam der nach Belieben fliegende Vogel, von großer Kraft und großer Stärke, in die Nähe seiner Mutter, ans jenseitige Ufer des großen Ozeans.
sa sūryasyābhito yāti vainateyo vihaṃgamaḥ | sūryaraśmiparītāś ca mūrcchitāḥ pannagābhavan | tadavasthān sutān dṛṣṭvā kadrūḥ śakram athāstuvat
Er, der Sohn Vinatās, der Vogel, fliegt nahe an der Sonne vorbei; und, von den Sonnenstrahlen erfasst, wurden die Schlangen ohnmächtig. Als Kadrū ihre Söhne in diesem Zustand sah, pries sie da Śakra [Indra]:
Wort für Wort
sa sūryasyābhito yāti vainateyo vihaṃgamaḥ | sūryaraśmiparītāś ca mūrcchitāḥ pannagābhavan | tadavasthān sutān dṛṣṭvā kadrūḥ śakram athāstuvat
Er, der Sohn Vinatās, der Vogel, fliegt nahe an der Sonne vorbei; und, von den Sonnenstrahlen erfasst, wurden die Schlangen ohnmächtig. Als Kadrū ihre Söhne in diesem Zustand sah, pries sie da Śakra [Indra]:
īśo hy asi payaḥ sraṣṭuṃ tvam analpaṃ puraṃdara | tvam eva meghas tvaṃ vāyus tvam agnir vaidyuto 'mbare
„Denn du bist der Herr, um Wasser zu schaffen, in nicht geringer Menge, o Purandara; du allein bist die Wolke, du der Wind, du das Feuer, das Blitzfeuer am Himmel.“
Wort für Wort
īśo hy asi payaḥ sraṣṭuṃ tvam analpaṃ puraṃdara | tvam eva meghas tvaṃ vāyus tvam agnir vaidyuto 'mbare
„Denn du bist der Herr, um Wasser zu schaffen, in nicht geringer Menge, o Purandara; du allein bist die Wolke, du der Wind, du das Feuer, das Blitzfeuer am Himmel.“
„Du bist der Zerstreuer der Wolkenmassen, dich nennt man wiederum auch die Wolke selbst; du bist der unvergleichliche, schreckliche Donnerkeil, du der tosende Gewitterwolkenträger.“
„Du bist der Zerstreuer der Wolkenmassen, dich nennt man wiederum auch die Wolke selbst; du bist der unvergleichliche, schreckliche Donnerkeil, du der tosende Gewitterwolkenträger.“
tvaṃ sarvam amṛtaṃ deva tvaṃ somaḥ paramārcitaḥ | tvaṃ muhūrtas tithiś ca tvaṃ lavas tvaṃ vai punaḥ kṣaṇaḥ
„Du bist alles, das Amṛta selbst, o Gott, du der hochverehrte Soma; du bist der Augenblick, der Mondtag, du das kleinste Zeitmaß, du wiederum auch der Moment.“
Wort für Wort
tvaṃ sarvam amṛtaṃ deva tvaṃ somaḥ paramārcitaḥ | tvaṃ muhūrtas tithiś ca tvaṃ lavas tvaṃ vai punaḥ kṣaṇaḥ
„Du bist alles, das Amṛta selbst, o Gott, du der hochverehrte Soma; du bist der Augenblick, der Mondtag, du das kleinste Zeitmaß, du wiederum auch der Moment.“
śuklas tvaṃ bahulaś caiva kalā kāṣṭhā truṭis tathā | saṃvatsarartavo māsā rajanyaś ca dināni ca
„Du bist die helle wie auch die dunkle Mondhälfte, die Kalā, die Kāṣṭhā, ebenso die Truṭi, das Jahr, die Jahreszeiten, die Monate, die Nächte und die Tage.“
Wort für Wort
śuklas tvaṃ bahulaś caiva kalā kāṣṭhā truṭis tathā | saṃvatsarartavo māsā rajanyaś ca dināni ca
„Du bist die helle wie auch die dunkle Mondhälfte, die Kalā, die Kāṣṭhā, ebenso die Truṭi, das Jahr, die Jahreszeiten, die Monate, die Nächte und die Tage.“
[Anm.: Kalā, Kāṣṭhā und Truṭi sind traditionelle, immer kleinere Zeitmaße der altindischen Zeitrechnung.]
„Du bist die höchste Erde samt ihren Bergen und Wäldern, ebenso der Himmel samt der Sonne, frei von Dunkel, und der große Ozean, mit Fischen und Walfischen, von großen Wellen, reich an Krokodilen, die Wohnstätte der Fische.“
„Du bist die höchste Erde samt ihren Bergen und Wäldern, ebenso der Himmel samt der Sonne, frei von Dunkel, und der große Ozean, mit Fischen und Walfischen, von großen Wellen, reich an Krokodilen, die Wohnstätte der Fische.“
mahad yaśas tvam iti sadābhipūjyase manīṣibhir muditamanā maharṣibhiḥ | abhiṣṭutaḥ pibasi ca somam adhvare vaṣaṭkṛtāny api ca havīṃṣi bhūtaye
„Großer Ruhm bist du – als solcher wirst du stets hochverehrt von den Weisen, frohen Sinnes, von den großen Sehern; gepriesen trinkst du den Soma beim Opfer, und ebenso die mit ‚Vaṣaṭ‘ dargebrachten Opferspenden, zum Wohl der Wesen.“
Wort für Wort
mahad yaśas tvam iti sadābhipūjyase manīṣibhir muditamanā maharṣibhiḥ | abhiṣṭutaḥ pibasi ca somam adhvare vaṣaṭkṛtāny api ca havīṃṣi bhūtaye
„Großer Ruhm bist du – als solcher wirst du stets hochverehrt von den Weisen, frohen Sinnes, von den großen Sehern; gepriesen trinkst du den Soma beim Opfer, und ebenso die mit ‚Vaṣaṭ‘ dargebrachten Opferspenden, zum Wohl der Wesen.“
„Dir opfern beständig hier die Brahmanen um des Lohnes willen; in den Vedāṅgas wirst du besungen, o du von unvergleichlicher Kraftfülle; deinetwegen gelangen die dem Opfer hingegebenen Besten der Zweifachgeborenen mit allen Veden zu den Vedāṅgas [?].“
„Dir opfern beständig hier die Brahmanen um des Lohnes willen; in den Vedāṅgas wirst du besungen, o du von unvergleichlicher Kraftfülle; deinetwegen gelangen die dem Opfer hingegebenen Besten der Zweifachgeborenen mit allen Veden zu den Vedāṅgas [?].“
[Anm.: Die letzte Vershälfte ist im Sanskrit syntaktisch verdichtet und lässt sich nur ungefähr wiedergeben; der genaue Sinn von „vedāṅgāny abhigamayanti sarvavedaiḥ“ (etwa: die Zweifachgeborenen führen [andere/sich selbst] mittels aller Veden zu den Vedāṅgas hin) bleibt unsicher und wird daher mit [?] gekennzeichnet.]