Kapitel 18: Āstīka-parva (Fortsetzung): die Uccaiḥśravas-Wette und der Mutter-Fluch über die Schlangen
Āstīka-parva (Fortsetzung): die Kadrū-Vinatā-Wette um Uccaiḥśravas' Farbe, Kadrūs Betrug und der Fluch über die Schlangen — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)
Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,018.001“ bis „01,018.011“). Kadrū und Vinatā wetten um die Schweiffarbe des Pferdes Uccaiḥśravas — Verliererin wird Dienerin der Gewinnerin. Als Kadrūs tausend Schlangensöhne sich weigern, den Schweif durch ihre eigenen schwarzen Leiber zu fälschen, verflucht sie sie zum Tod im Feuer von Janamejayas künftigem Schlangenopfer — der hier erstmals ausführlich erzählte Mutter-Fluch, auf den bereits in der Kurzfassung (Adhyāya 13) vorausverwiesen wurde. Brahmā billigt den Fluch angesichts der Überzahl der Schlangen und verleiht Kaśyapa zugleich die Kunst der Giftheilung, zum Wohl der Geschöpfe. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.
vinatovāca | śveta evāśvarājo 'yaṃ kiṃ vā tvaṃ manyase śubhe | brūhi varṇaṃ tvam apy asya tato 'tra vipaṇāvahe
Vinatā sprach: „Weiß ist dieser König der Pferde – oder was meinst du, o Holde? Sage auch du seine Farbe, dann wollen wir hierüber eine Wette abschließen.“
Wort für Wort
vinatovāca | śveta evāśvarājo 'yaṃ kiṃ vā tvaṃ manyase śubhe | brūhi varṇaṃ tvam apy asya tato 'tra vipaṇāvahe
Vinatā sprach: „Weiß ist dieser König der Pferde – oder was meinst du, o Holde? Sage auch du seine Farbe, dann wollen wir hierüber eine Wette abschließen.“
sūta uvāca | evaṃ te samayaṃ kṛtvā dāsībhāvāya vai mithaḥ | jagmatuḥ svagṛhān eva śvo drakṣyāva iti sma ha
Sūta sprach: So schlossen sie beide eine gegenseitige Abmachung um die Dienstbarkeit, und gingen zu ihren eigenen Häusern zurück, mit den Worten: „Morgen werden wir es sehen.“
Wort für Wort
sūta uvāca | evaṃ te samayaṃ kṛtvā dāsībhāvāya vai mithaḥ | jagmatuḥ svagṛhān eva śvo drakṣyāva iti sma ha
Sūta sprach: So schlossen sie beide eine gegenseitige Abmachung um die Dienstbarkeit, und gingen zu ihren eigenen Häusern zurück, mit den Worten: „Morgen werden wir es sehen.“
tigmavīryaviṣā hy ete dandaśūkā mahābalāḥ | teṣāṃ tīkṣṇaviṣatvād dhi prajānāṃ ca hitāya vai | prādād viṣahaṇīṃ vidyāṃ kāśyapāya mahātmane
Denn diese bissigen Wesen besitzen scharfwirkendes Gift und sind überaus mächtig; eben wegen ihres scharfen Gifts, und zum Wohl der Geschöpfe, verlieh er dem hochgesinnten Kaśyapa die Wissenschaft der Giftbezwingung.
Wort für Wort
tigmavīryaviṣā hy ete dandaśūkā mahābalāḥ | teṣāṃ tīkṣṇaviṣatvād dhi prajānāṃ ca hitāya vai | prādād viṣahaṇīṃ vidyāṃ kāśyapāya mahātmane
Denn diese bissigen Wesen besitzen scharfwirkendes Gift und sind überaus mächtig; eben wegen ihres scharfen Gifts, und zum Wohl der Geschöpfe, verlieh er dem hochgesinnten Kaśyapa die Wissenschaft der Giftbezwingung.
[Anm.: Adhyāya 18 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei. Kaśyapas Erwerb der Gift-Heilkunde bereitet motivisch seinen späteren (an dieser Stelle noch nicht erzählten) Versuch vor, König Parikṣit nach Takṣakas Biss zu heilen — vgl. bereits die Rahmenerzählung in Adhyāya 3 (Pauṣyaparva).]