Kapitel 187: Drupadapraśnaḥ
Drupadas Befragung und der Streit um die Vielehe
Drupada bittet Yudhiṣṭhira förmlich um die Wahrheit über ihre Herkunft. Yudhiṣṭhira offenbart, dass sie die Söhne Pāṇḍus sind, berichtet von der Flucht aus dem Lākṣāgṛha-Brand, worauf Drupada erfreut Dhṛtarāṣṭra tadelt und seine Unterstützung zusichert. Als es zur Hochzeit kommen soll, eröffnet Yudhiṣṭhira, dass Draupadī nach dem Wort seiner Mutter allen fünf Brüdern gemeinsam zur Gattin werden solle. Drupada widerspricht entschieden – eine Frau mit mehreren Männern widerspreche Weltsitte und Veda –, doch Yudhiṣṭhira beharrt auf der Unergründlichkeit des Dharma und dem Pfad der Altvorderen. Man vertagt die Entscheidung auf den nächsten Morgen; da trifft, wie von selbst, der Weise Dvaipāyana (Vyāsa) ein.
Vaiśampāyana sprach: Da rief der Pāñcālya den Königssohn Yudhiṣṭhira herbei, und nachdem er ihn, der überaus glanzvolle, mit brahmanischer Empfangsgabe [Anm.: die traditionelle Ehrengabe für einen Brahmanen] empfangen hatte –
Vaiśampāyana sprach: Da rief der Pāñcālya den Königssohn Yudhiṣṭhira herbei, und nachdem er ihn, der überaus glanzvolle, mit brahmanischer Empfangsgabe [Anm.: die traditionelle Ehrengabe für einen Brahmanen] empfangen hatte –
‚– oder Vaiśyas, mit Tugenden ausgestattet, oder aus śūdrischem Mutterschoß Geborene, oder vollkommene Wesen, die, eine Trugerscheinung angenommen, nach allen Richtungen wandeln?'
‚– oder Vaiśyas, mit Tugenden ausgestattet, oder aus śūdrischem Mutterschoß Geborene, oder vollkommene Wesen, die, eine Trugerscheinung angenommen, nach allen Richtungen wandeln?'
kṛṣṇāhetor anuprāptān divaḥ saṃdarśanārthinaḥ bravītu no bhavān satyaṃ saṃdeho hy atra no mahān
‚Seid ihr um Kṛṣṇās willen gekommen, oder als Wesen des Himmels, die nach Anschauung des Wettstreits verlangten? Möge Ihr uns die Wahrheit sagen, denn unser Zweifel darüber ist groß.'
Wort für Wort
kṛṣṇāhetor anuprāptān divaḥ saṃdarśanārthinaḥ bravītu no bhavān satyaṃ saṃdeho hy atra no mahān
‚Seid ihr um Kṛṣṇās willen gekommen, oder als Wesen des Himmels, die nach Anschauung des Wettstreits verlangten? Möge Ihr uns die Wahrheit sagen, denn unser Zweifel darüber ist groß.'
kāmayā brūhi satyaṃ tvaṃ satyaṃ rājasu śobhate iṣṭāpūrtena ca tathā vaktavyam anṛtaṃ na tu
‚Sprich aus freiem Willen die Wahrheit; Wahrheit ziert die Könige, ebenso wie durch Opfer und fromme Werke – Unwahres aber soll nicht gesprochen werden.'
Wort für Wort
kāmayā brūhi satyaṃ tvaṃ satyaṃ rājasu śobhate iṣṭāpūrtena ca tathā vaktavyam anṛtaṃ na tu
‚Sprich aus freiem Willen die Wahrheit; Wahrheit ziert die Könige, ebenso wie durch Opfer und fromme Werke – Unwahres aber soll nicht gesprochen werden.'
śrutvā hy amarasaṃkāśa tava vākyam ariṃdama dhruvaṃ vivāhakaraṇam āsthāsyāmi vidhānataḥ
‚Denn nachdem ich dein Wort gehört habe, du Unsterblichen Gleichender, Bezwinger der Feinde, werde ich gewiss die Vollziehung der Hochzeit den Vorschriften gemäß vornehmen.'
Wort für Wort
śrutvā hy amarasaṃkāśa tava vākyam ariṃdama dhruvaṃ vivāhakaraṇam āsthāsyāmi vidhānataḥ
‚Denn nachdem ich dein Wort gehört habe, du Unsterblichen Gleichender, Bezwinger der Feinde, werde ich gewiss die Vollziehung der Hochzeit den Vorschriften gemäß vornehmen.'
‚Denn wir sind Kṣatriyas, o König, die Söhne des hochherzigen Pāṇḍu; erkenne in mir den ältesten Sohn der Kuntī, und diese hier sind Bhīmasena und Arjuna, durch die deine Tochter in der Königsversammlung gewonnen wurde.'
‚Denn wir sind Kṣatriyas, o König, die Söhne des hochherzigen Pāṇḍu; erkenne in mir den ältesten Sohn der Kuntī, und diese hier sind Bhīmasena und Arjuna, durch die deine Tochter in der Königsversammlung gewonnen wurde.'
yamau tu tatra rājendra yatra kṛṣṇā pratiṣṭhitā vyetu te mānasaṃ duḥkhaṃ kṣatriyāḥ smo nararṣabha padminīva suteyaṃ te hradād anyaṃ hradaṃ gatā
‚Und die Zwillinge sind dort, wo auch Kṛṣṇā weilt; möge dein Herzeleid weichen – wir sind Kṣatriyas, o Stier der Männer; wie eine Lotosblume ist deine Tochter von einem Teich zu einem anderen Teich gegangen.'
Wort für Wort
yamau tu tatra rājendra yatra kṛṣṇā pratiṣṭhitā vyetu te mānasaṃ duḥkhaṃ kṣatriyāḥ smo nararṣabha padminīva suteyaṃ te hradād anyaṃ hradaṃ gatā
‚Und die Zwillinge sind dort, wo auch Kṛṣṇā weilt; möge dein Herzeleid weichen – wir sind Kṣatriyas, o Stier der Männer; wie eine Lotosblume ist deine Tochter von einem Teich zu einem anderen Teich gegangen.'
Vaiśampāyana sprach: Da vermochte König Drupada, dessen Augen von Freude umnebelt waren, jenem Yudhiṣṭhira zunächst keine angemessene Antwort zu geben.
Vaiśampāyana sprach: Da vermochte König Drupada, dessen Augen von Freude umnebelt waren, jenem Yudhiṣṭhira zunächst keine angemessene Antwort zu geben.
Drupada sprach: ‚Entweder soll Ihr selbst vorschriftsmäßig die Hand meiner Tochter ergreifen, oder bestimme, Held, wem von ihnen du Kṛṣṇā zuweisen willst.'
Drupada sprach: ‚Entweder soll Ihr selbst vorschriftsmäßig die Hand meiner Tochter ergreifen, oder bestimme, Held, wem von ihnen du Kṛṣṇā zuweisen willst.'
yudhiṣṭhira uvāca sarveṣāṃ draupadī rājan mahiṣī no bhaviṣyati evaṃ hi vyāhṛtaṃ pūrvaṃ mama mātrā viśāṃ pate
Yudhiṣṭhira sprach: ‚Draupadī soll uns allen gemeinsam zur Hauptgemahlin werden, o König; denn so wurde es zuvor von meiner Mutter ausgesprochen, Herr der Menschen.'
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca sarveṣāṃ draupadī rājan mahiṣī no bhaviṣyati evaṃ hi vyāhṛtaṃ pūrvaṃ mama mātrā viśāṃ pate
Yudhiṣṭhira sprach: ‚Draupadī soll uns allen gemeinsam zur Hauptgemahlin werden, o König; denn so wurde es zuvor von meiner Mutter ausgesprochen, Herr der Menschen.'
‚Du, der Rechtschaffene, Reine, solltest nichts der Welt und dem Veda Widersprechendes, kein Unrecht tun, Sohn der Kuntī – woher rührt dir ein solcher Gedanke?'
‚Du, der Rechtschaffene, Reine, solltest nichts der Welt und dem Veda Widersprechendes, kein Unrecht tun, Sohn der Kuntī – woher rührt dir ein solcher Gedanke?'
Yudhiṣṭhira sprach: ‚Fein ist der Dharma, großer König; wir kennen nicht seinen ganzen Verlauf; wir folgen dem Pfad, den die Altvorderen der Reihe nach beschritten haben.'
Yudhiṣṭhira sprach: ‚Fein ist der Dharma, großer König; wir kennen nicht seinen ganzen Verlauf; wir folgen dem Pfad, den die Altvorderen der Reihe nach beschritten haben.'
na me vāg anṛtaṃ prāha nādharme dhīyate matiḥ evaṃ caiva vadaty ambā mama caiva manogatam
‚Nie hat meine Zunge Unwahres gesprochen, nie richtet sich mein Sinn auf Unrecht; so spricht auch meine Mutter, und so ist auch meine eigene innere Überzeugung.'
Wort für Wort
na me vāg anṛtaṃ prāha nādharme dhīyate matiḥ evaṃ caiva vadaty ambā mama caiva manogatam
‚Nie hat meine Zunge Unwahres gesprochen, nie richtet sich mein Sinn auf Unrecht; so spricht auch meine Mutter, und so ist auch meine eigene innere Überzeugung.'