Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 208: Apsaromokṣaḥ Die Erlösung der Apsaras

Arjuna erfährt, dass fünf Pilgerstätten am Südmeer wegen darin hausender Krokodile gemieden werden, und badet dort trotz der Warnungen. Ein Krokodil zieht ihn ins Wasser, doch sobald er es an Land zerrt, verwandelt es sich in eine wunderschöne Frau: die Apsaras Vargā. Sie berichtet, dass sie und vier Gefährtinnen (Saurabheyī, Samīcī, Budbudā und Latā) einen versunkenen Büßer bei seiner Askese stören wollten, doch dieser blieb standhaft und verfluchte sie, hundert Jahre als Krokodile im Wasser zu leben.

vaiśaṃpāyana uvāca tataḥ samudre tīrthāni dakṣiṇe bharatarṣabhaḥ abhyagacchat supuṇyāni śobhitāni tapasvibhiḥ

Vaiśampāyana sprach: Dann besuchte der Stier der Bharatas am südlichen Meer die überaus heiligen Pilgerstätten, geschmückt von Büßern.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tataḥ samudre tīrthāni dakṣiṇe bharatarṣabhaḥ abhyagacchat supuṇyāni śobhitāni tapasvibhiḥ
Vaiśampāyana sprach: Dann besuchte der Stier der Bharatas am südlichen Meer die überaus heiligen Pilgerstätten, geschmückt von Büßern.

varjayanti sma tīrthāni pañca tatra tu tāpasāḥ ācīrṇāni tu yāny āsan purastāt tu tapasvibhiḥ

Fünf Pilgerstätten aber mieden die Asketen dort, obwohl sie zuvor von den Büßern besucht worden waren.

Wort für Wort
varjayanti sma tīrthāni pañca tatra tu tāpasāḥ ācīrṇāni tu yāny āsan purastāt tu tapasvibhiḥ
Fünf Pilgerstätten aber mieden die Asketen dort, obwohl sie zuvor von den Büßern besucht worden waren.

agastyatīrthaṃ saubhadraṃ paulomaṃ ca supāvanam kāraṃdhamaṃ prasannaṃ ca hayamedhaphalaṃ ca yat bhāradvājasya tīrthaṃ ca pāpapraśamanaṃ mahat

Das Agastya-Tīrtha, das Saubhadra, das überaus reinigende Pauloma, das lautere Kāraṃdhama, jenes, das die Frucht eines Pferdeopfers gewährt, sowie das Tīrtha des Bhāradvāja, das große Sünden tilgt -

Wort für Wort
agastyatīrthaṃ saubhadraṃ paulomaṃ ca supāvanam kāraṃdhamaṃ prasannaṃ ca hayamedhaphalaṃ ca yat bhāradvājasya tīrthaṃ ca pāpapraśamanaṃ mahat
Das Agastya-Tīrtha, das Saubhadra, das überaus reinigende Pauloma, das lautere Kāraṃdhama, jenes, das die Frucht eines Pferdeopfers gewährt, sowie das Tīrtha des Bhāradvāja, das große Sünden tilgt -

viviktāny upalakṣyātha tāni tīrthāni pāṇḍavaḥ dṛṣṭvā ca varjyamānāni munibhir dharmabuddhibhiḥ

Der Pāṇḍava bemerkte, dass jene Pilgerstätten einsam lagen, und sah, dass sie von den rechtdenkenden Weisen gemieden wurden.

Wort für Wort
viviktāny upalakṣyātha tāni tīrthāni pāṇḍavaḥ dṛṣṭvā ca varjyamānāni munibhir dharmabuddhibhiḥ
Der Pāṇḍava bemerkte, dass jene Pilgerstätten einsam lagen, und sah, dass sie von den rechtdenkenden Weisen gemieden wurden.

tapasvinas tato 'pṛcchat prājñaliḥ kurunandanaḥ tīrthānīmāni varjyante kimarthaṃ brahmavādibhiḥ

Da fragte der Freude der Kurus, mit gefalteten Händen, die Büßer: Warum werden diese Pilgerstätten von den Veda-Kundigen gemieden?

Wort für Wort
tapasvinas tato 'pṛcchat prājñaliḥ kurunandanaḥ tīrthānīmāni varjyante kimarthaṃ brahmavādibhiḥ
Da fragte der Freude der Kurus, mit gefalteten Händen, die Büßer: Warum werden diese Pilgerstätten von den Veda-Kundigen gemieden?

tāpasā ūcuḥ grāhāḥ pañca vasanty eṣu haranti ca tapodhanān ata etāni varjyante tīrthāni kurunandana

Die Büßer sprachen: Fünf Krokodile wohnen in ihnen und rauben die Büßer; darum werden diese Pilgerstätten gemieden, Freude der Kurus.

Wort für Wort
tāpasā ūcuḥ grāhāḥ pañca vasanty eṣu haranti ca tapodhanān ata etāni varjyante tīrthāni kurunandana
Die Büßer sprachen: Fünf Krokodile wohnen in ihnen und rauben die Büßer; darum werden diese Pilgerstätten gemieden, Freude der Kurus.

vaiśaṃpāyana uvāca teṣāṃ śrutvā mahābāhur vāryamāṇas tapodhanaiḥ jagāma tāni tīrthāni draṣṭuṃ puruṣasattamaḥ

Vaiśampāyana sprach: Nachdem er dies gehört hatte, ging der Starkarmige, obwohl von den Büßern zurückgehalten, der Beste der Männer, um jene Pilgerstätten zu besuchen.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca teṣāṃ śrutvā mahābāhur vāryamāṇas tapodhanaiḥ jagāma tāni tīrthāni draṣṭuṃ puruṣasattamaḥ
Vaiśampāyana sprach: Nachdem er dies gehört hatte, ging der Starkarmige, obwohl von den Büßern zurückgehalten, der Beste der Männer, um jene Pilgerstätten zu besuchen.

tataḥ saubhadram āsādya maharṣes tīrtham uttamam vigāhya tarasā śūraḥ snānaṃ cakre paraṃtapaḥ

Als er zum Saubhadra gelangte, der vortrefflichsten Pilgerstätte des großen Weisen, tauchte der Held, der Bezwinger der Feinde, rasch ein und vollzog das Bad.

Wort für Wort
tataḥ saubhadram āsādya maharṣes tīrtham uttamam vigāhya tarasā śūraḥ snānaṃ cakre paraṃtapaḥ
Als er zum Saubhadra gelangte, der vortrefflichsten Pilgerstätte des großen Weisen, tauchte der Held, der Bezwinger der Feinde, rasch ein und vollzog das Bad.

atha taṃ puruṣavyāghram antarjalacaro mahān nijagrāha jale grāhaḥ kuntīputraṃ dhanaṃjayam

Da ergriff jenen Tiger unter den Männern, den Sohn Kuntīs, Dhanaṃjaya, im Wasser ein gewaltiges, im Wasser lebendes Krokodil.

Wort für Wort
atha taṃ puruṣavyāghram antarjalacaro mahān nijagrāha jale grāhaḥ kuntīputraṃ dhanaṃjayam
Da ergriff jenen Tiger unter den Männern, den Sohn Kuntīs, Dhanaṃjaya, im Wasser ein gewaltiges, im Wasser lebendes Krokodil.

sa tam ādāya kaunteyo visphurantaṃ jalecaram udatiṣṭhan mahābāhur balena balināṃ varaḥ

Der Sohn Kuntīs, der Starkarmige, ergriff das sich windende Wasserwesen und erhob sich durch seine Kraft, der Stärkste der Starken.

Wort für Wort
sa tam ādāya kaunteyo visphurantaṃ jalecaram udatiṣṭhan mahābāhur balena balināṃ varaḥ
Der Sohn Kuntīs, der Starkarmige, ergriff das sich windende Wasserwesen und erhob sich durch seine Kraft, der Stärkste der Starken.

utkṛṣṭa eva tu grāhaḥ so 'rjunena yaśasvinā babhūva nārī kalyāṇī sarvābharaṇabhūṣitā dīpyamānā śriyā rājan divyarūpā manoramā

Kaum war das Krokodil von dem ruhmreichen Arjuna an Land gezogen, da wurde es zu einer schönen Frau, mit allem Schmuck geziert, strahlend vor Glanz, o König, von göttlicher Gestalt, bezaubernd.

Wort für Wort
utkṛṣṭa eva tu grāhaḥ so 'rjunena yaśasvinā babhūva nārī kalyāṇī sarvābharaṇabhūṣitā dīpyamānā śriyā rājan divyarūpā manoramā
Kaum war das Krokodil von dem ruhmreichen Arjuna an Land gezogen, da wurde es zu einer schönen Frau, mit allem Schmuck geziert, strahlend vor Glanz, o König, von göttlicher Gestalt, bezaubernd.

tad adbhutaṃ mahad dṛṣṭvā kuntīputro dhanaṃjayaḥ tāṃ striyaṃ paramaprīta idaṃ vacanam abravīt

Als der Sohn Kuntīs, Dhanaṃjaya, dieses große Wunder sah, sprach er, höchst erfreut, zu jener Frau dieses Wort:

Wort für Wort
tad adbhutaṃ mahad dṛṣṭvā kuntīputro dhanaṃjayaḥ tāṃ striyaṃ paramaprīta idaṃ vacanam abravīt
Als der Sohn Kuntīs, Dhanaṃjaya, dieses große Wunder sah, sprach er, höchst erfreut, zu jener Frau dieses Wort:

kā vai tvam asi kalyāṇi kuto vāsi jalecarī kimarthaṃ ca mahat pāpam idaṃ kṛtavatī purā

Wer bist du, Schöne, und woher kommst du, die du im Wasser lebtest, und weshalb hast du einst diese große Sünde begangen?

Wort für Wort
kā vai tvam asi kalyāṇi kuto vāsi jalecarī kimarthaṃ ca mahat pāpam idaṃ kṛtavatī purā
Wer bist du, Schöne, und woher kommst du, die du im Wasser lebtest, und weshalb hast du einst diese große Sünde begangen?

nāry uvāca apsarāsmi mahābāho devāraṇyavicāriṇī iṣṭā dhanapater nityaṃ vargā nāma mahābala

Die Frau sprach: Ich bin eine Apsaras, Starkarmiger, die in den Wäldern der Götter umherwandelt, dem Herrn der Schätze stets lieb, mit Namen Vargā, o Mächtiger.

Wort für Wort
nāry uvāca apsarāsmi mahābāho devāraṇyavicāriṇī iṣṭā dhanapater nityaṃ vargā nāma mahābala
Die Frau sprach: Ich bin eine Apsaras, Starkarmiger, die in den Wäldern der Götter umherwandelt, dem Herrn der Schätze stets lieb, mit Namen Vargā, o Mächtiger.

mama sakhyaś catasro 'nyāḥ sarvāḥ kāmagamāḥ śubhāḥ tābhiḥ sārdhaṃ prayātāsmi lokapālaniveśanam

Ich hatte vier weitere Freundinnen, alle schön, nach Belieben wandelnd; mit ihnen zog ich einst zur Wohnstatt des Weltenhüters.

Wort für Wort
mama sakhyaś catasro 'nyāḥ sarvāḥ kāmagamāḥ śubhāḥ tābhiḥ sārdhaṃ prayātāsmi lokapālaniveśanam
Ich hatte vier weitere Freundinnen, alle schön, nach Belieben wandelnd; mit ihnen zog ich einst zur Wohnstatt des Weltenhüters.

tataḥ paśyāmahe sarvā brāhmaṇaṃ saṃśitavratam rūpavantam adhīyānam ekam ekāntacāriṇam

Da sahen wir alle einen Brahmanen von strengem Gelübde, von schöner Gestalt, den Veda rezitierend, allein, einsam wandelnd.

Wort für Wort
tataḥ paśyāmahe sarvā brāhmaṇaṃ saṃśitavratam rūpavantam adhīyānam ekam ekāntacāriṇam
Da sahen wir alle einen Brahmanen von strengem Gelübde, von schöner Gestalt, den Veda rezitierend, allein, einsam wandelnd.

tasya vai tapasā rājaṃs tad vanaṃ tejasāvṛtam āditya iva taṃ deśaṃ kṛtsnaṃ sa vyavabhāsayat

Durch dessen Askese, o König, war jener Wald von Glanz erfüllt; wie die Sonne erleuchtete er jenen ganzen Ort.

Wort für Wort
tasya vai tapasā rājaṃs tad vanaṃ tejasāvṛtam āditya iva taṃ deśaṃ kṛtsnaṃ sa vyavabhāsayat
Durch dessen Askese, o König, war jener Wald von Glanz erfüllt; wie die Sonne erleuchtete er jenen ganzen Ort.

tasya dṛṣṭvā tapas tādṛg rūpaṃ cādbhutadarśanam avatīrṇāḥ sma taṃ deśaṃ tapovighnacikīrṣayā

Als wir seine solcherart Askese und seine wunderbar anzuschauende Gestalt sahen, stiegen wir zu jenem Ort hinab, in der Absicht, seine Askese zu stören.

Wort für Wort
tasya dṛṣṭvā tapas tādṛg rūpaṃ cādbhutadarśanam avatīrṇāḥ sma taṃ deśaṃ tapovighnacikīrṣayā
Als wir seine solcherart Askese und seine wunderbar anzuschauende Gestalt sahen, stiegen wir zu jenem Ort hinab, in der Absicht, seine Askese zu stören.

ahaṃ ca saurabheyī ca samīcī budbudā latā yaugapadyena taṃ vipram abhyagacchāma bhārata

Ich und Saurabheyī, Samīcī, Budbudā und Latā, wir alle traten gleichzeitig zu jenem Brahmanen, o Bhārata,

Wort für Wort
ahaṃ ca saurabheyī ca samīcī budbudā latā yaugapadyena taṃ vipram abhyagacchāma bhārata
Ich und Saurabheyī, Samīcī, Budbudā und Latā, wir alle traten gleichzeitig zu jenem Brahmanen, o Bhārata,

gāyantyo vai hasantyaś ca lobhayantyaś ca taṃ dvijam sa ca nāsmāsu kṛtavān mano vīra kathaṃ cana nākampata mahātejāḥ sthitas tapasi nirmale

singend, lachend und den Zweimalgeborenen verlockend; doch er richtete auf keine Weise seinen Sinn auf uns, Held; der überaus Glanzvolle wankte nicht, in seiner makellosen Askese verharrend.

Wort für Wort
gāyantyo vai hasantyaś ca lobhayantyaś ca taṃ dvijam sa ca nāsmāsu kṛtavān mano vīra kathaṃ cana nākampata mahātejāḥ sthitas tapasi nirmale
singend, lachend und den Zweimalgeborenen verlockend; doch er richtete auf keine Weise seinen Sinn auf uns, Held; der überaus Glanzvolle wankte nicht, in seiner makellosen Askese verharrend.

so 'śapat kupito 'smāṃs tu brāhmaṇaḥ kṣatriyarṣabha grāhabhūtā jale yūyaṃ cariṣyadhvaṃ śataṃ samāḥ

Da verfluchte uns jener zornige Brahmane, Stier unter den Kṣatriyas: Als Krokodile sollt ihr im Wasser hundert Jahre lang leben.

Wort für Wort
so 'śapat kupito 'smāṃs tu brāhmaṇaḥ kṣatriyarṣabha grāhabhūtā jale yūyaṃ cariṣyadhvaṃ śataṃ samāḥ
Da verfluchte uns jener zornige Brahmane, Stier unter den Kṣatriyas: Als Krokodile sollt ihr im Wasser hundert Jahre lang leben.

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