Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 190: Draupadīvivāhaḥ Die Hochzeit Draupadīs

Drupada fügt sich, von Vyāsas Erklärung überzeugt, der Vielehe. An einem günstigen, vom Puṣya-Gestirn begleiteten Tag vollzieht der Hauspriester Dhaumya zunächst die Hochzeit mit Yudhiṣṭhira, dann folgen der Reihe nach an den weiteren Tagen die übrigen Brüder. Ein Ṛṣi berichtet das Wunder, dass Draupadī nach jedem Tag aufs Neue zur Jungfrau wurde. Drupada beschenkt die Brüder reich mit Wagen, Elefanten, Dienerinnen und Gütern; die Pāṇḍavas leben fortan, Indra gleich, glücklich in Pāñcāla.

drupada uvāca aśrutvaivaṃ vacanaṃ te maharṣe mayā pūrvaṃ yatitaṃ kāryam etat na vai śakyaṃ vihitasyāpayātuṃ tad evedam upapannaṃ vidhānam

Drupada sprach: Ohne dein Wort gehört zu haben, o großer Weiser, hatte ich zuvor versucht, dieser Sache entgegenzuwirken; doch von dem Verordneten kann man nicht abweichen – so ist eben diese Anordnung angemessen.

Wort für Wort
drupada uvāca aśrutvaivaṃ vacanaṃ te maharṣe mayā pūrvaṃ yatitaṃ kāryam etat na vai śakyaṃ vihitasyāpayātuṃ tad evedam upapannaṃ vidhānam
Drupada sprach: Ohne dein Wort gehört zu haben, o großer Weiser, hatte ich zuvor versucht, dieser Sache entgegenzuwirken; doch von dem Verordneten kann man nicht abweichen – so ist eben diese Anordnung angemessen.

diṣṭasya granthir anivartanīyaḥ svakarmaṇā vihitaṃ neha kiṃ cit kṛtaṃ nimittaṃ hi varaikahetos tad evedam upapannaṃ bahūnām

Der Knoten des Schicksals ist unumkehrbar; nichts hier ist bloß durch eigenes Tun bedingt; denn was als Ursache für einen einzigen Gatten geschaffen wurde, eben das ist hier für mehrere geworden.

Wort für Wort
diṣṭasya granthir anivartanīyaḥ svakarmaṇā vihitaṃ neha kiṃ cit kṛtaṃ nimittaṃ hi varaikahetos tad evedam upapannaṃ bahūnām
Der Knoten des Schicksals ist unumkehrbar; nichts hier ist bloß durch eigenes Tun bedingt; denn was als Ursache für einen einzigen Gatten geschaffen wurde, eben das ist hier für mehrere geworden.

yathaiva kṛṣṇoktavatī purastān naikān patīn me bhagavān dadātu sa cāpy evaṃ varam ity abravīt tāṃ devo hi veda paramaṃ yad atra

So wie Kṛṣṇā in ihrem früheren Leben zuvor gesagt hat: Nicht einen einzigen Gatten möge mir der Erhabene geben – und er ihr ebenso den Wunsch zusagte, so ist es; der Gott kennt ja das Höchste, was hier gilt.

Wort für Wort
yathaiva kṛṣṇoktavatī purastān naikān patīn me bhagavān dadātu sa cāpy evaṃ varam ity abravīt tāṃ devo hi veda paramaṃ yad atra
So wie Kṛṣṇā in ihrem früheren Leben zuvor gesagt hat: Nicht einen einzigen Gatten möge mir der Erhabene geben – und er ihr ebenso den Wunsch zusagte, so ist es; der Gott kennt ja das Höchste, was hier gilt.

[Anm.: Bezug auf Adh.189, wo sie fünfmal um einen Gatten bat; hier von Drupada zusammenfassend als 'nicht nur einen' gedeutet.]

yadi vāyaṃ vihitaḥ śaṃkareṇa dharmo 'dharmo vā nātra mamāparādhaḥ gṛhṇantv ime vidhivat pāṇim asyā yathopajoṣaṃ vihitaiṣāṃ hi kṛṣṇā

Ob dies nun von Śaṃkara als Recht oder Unrecht verordnet wurde, trifft mich hierin keine Schuld; sie sollen vorschriftsmäßig ihre Hand ergreifen, ein jeder nach Belieben, denn für sie ist Kṛṣṇā so bestimmt worden.

Wort für Wort
yadi vāyaṃ vihitaḥ śaṃkareṇa dharmo 'dharmo vā nātra mamāparādhaḥ gṛhṇantv ime vidhivat pāṇim asyā yathopajoṣaṃ vihitaiṣāṃ hi kṛṣṇā
Ob dies nun von Śaṃkara als Recht oder Unrecht verordnet wurde, trifft mich hierin keine Schuld; sie sollen vorschriftsmäßig ihre Hand ergreifen, ein jeder nach Belieben, denn für sie ist Kṛṣṇā so bestimmt worden.

vaiśaṃpāyana uvāca tato 'bravīd bhagavān dharmarājam adya puṇyāham uta pāṇḍaveya adya pauṣyaṃ yogam upaiti candramāḥ pāṇiṃ kṛṣṇāyās tvaṃ gṛhāṇādya pūrvam

Vaiśampāyana sprach: Da sprach der Erhabene zum Rechtskönig: Heute ist ein günstiger Tag, Sohn des Pāṇḍu; heute tritt der Mond in die Verbindung mit dem Puṣya-Gestirn; ergreife du heute zuerst die Hand der Kṛṣṇā.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tato 'bravīd bhagavān dharmarājam adya puṇyāham uta pāṇḍaveya adya pauṣyaṃ yogam upaiti candramāḥ pāṇiṃ kṛṣṇāyās tvaṃ gṛhāṇādya pūrvam
Vaiśampāyana sprach: Da sprach der Erhabene zum Rechtskönig: Heute ist ein günstiger Tag, Sohn des Pāṇḍu; heute tritt der Mond in die Verbindung mit dem Puṣya-Gestirn; ergreife du heute zuerst die Hand der Kṛṣṇā.

tato rājā yajñasenaḥ saputro janyārtha yuktaṃ bahu tat tadagryam samānayām āsa sutāṃ ca kṛṣṇām āplāvya ratnair bahubhir vibhūṣya

Da ließ König Yajñasena mit seinem Sohn vieles für die Hochzeit Geeignete, das Vortrefflichste, herbeischaffen, und führte seine Tochter Kṛṣṇā herbei, nachdem er sie gebadet und mit vielen Juwelen geschmückt hatte.

Wort für Wort
tato rājā yajñasenaḥ saputro janyārtha yuktaṃ bahu tat tadagryam samānayām āsa sutāṃ ca kṛṣṇām āplāvya ratnair bahubhir vibhūṣya
Da ließ König Yajñasena mit seinem Sohn vieles für die Hochzeit Geeignete, das Vortrefflichste, herbeischaffen, und führte seine Tochter Kṛṣṇā herbei, nachdem er sie gebadet und mit vielen Juwelen geschmückt hatte.

tataḥ sarve suhṛdas tatra tasya samājagmuḥ sacivā mantriṇaś ca draṣṭuṃ vivāhaṃ paramapratītā dvijāś ca paurāś ca yathāpradhānāḥ

Da kamen alle seine Freunde, Minister und Räte dort zusammen, um die Hochzeit zu sehen, höchst zufrieden, sowie die Brahmanen und Bürger, jeder nach seinem Rang.

Wort für Wort
tataḥ sarve suhṛdas tatra tasya samājagmuḥ sacivā mantriṇaś ca draṣṭuṃ vivāhaṃ paramapratītā dvijāś ca paurāś ca yathāpradhānāḥ
Da kamen alle seine Freunde, Minister und Räte dort zusammen, um die Hochzeit zu sehen, höchst zufrieden, sowie die Brahmanen und Bürger, jeder nach seinem Rang.

tat tasya veśmārthijanopaśobhitaṃ vikīrṇapadmotpalabhūṣitājiram mahārharatnaughavicitram ābabhau divaṃ yathā nirmalatārakācitam

Jenes Haus, geschmückt durch die Menge der herbeigeeilten Bittsteller, sein Hof mit verstreuten Lotos- und Blaulotosblüten geschmückt, mit einer Fülle kostbarer Juwelen mannigfaltig geschmückt, erstrahlte wie der Himmel, mit reinen Sternen besät.

Wort für Wort
tat tasya veśmārthijanopaśobhitaṃ vikīrṇapadmotpalabhūṣitājiram mahārharatnaughavicitram ābabhau divaṃ yathā nirmalatārakācitam
Jenes Haus, geschmückt durch die Menge der herbeigeeilten Bittsteller, sein Hof mit verstreuten Lotos- und Blaulotosblüten geschmückt, mit einer Fülle kostbarer Juwelen mannigfaltig geschmückt, erstrahlte wie der Himmel, mit reinen Sternen besät.

tatas tu te kauravarājaputrā vibhūṣitāḥ kuṇḍalino yuvānaḥ mahārhavastrā varacandanokṣitāḥ kṛtābhiṣekāḥ kṛtamaṅgalakriyāḥ

Da erschienen jene Kaurava-Königssöhne, geschmückt, mit Ohrringen versehen, jugendlich, in kostbare Gewänder gekleidet, mit vortrefflichem Sandel bestrichen, gebadet, nachdem sie die Glücksriten vollzogen hatten.

Wort für Wort
tatas tu te kauravarājaputrā vibhūṣitāḥ kuṇḍalino yuvānaḥ mahārhavastrā varacandanokṣitāḥ kṛtābhiṣekāḥ kṛtamaṅgalakriyāḥ
Da erschienen jene Kaurava-Königssöhne, geschmückt, mit Ohrringen versehen, jugendlich, in kostbare Gewänder gekleidet, mit vortrefflichem Sandel bestrichen, gebadet, nachdem sie die Glücksriten vollzogen hatten.

purohitenāgnisamānavarcasā sahaiva dhaumyena yathāvidhi prabho krameṇa sarve viviśuś ca tat sado maharṣabhā goṣṭham ivābhinandinaḥ

Zusammen mit dem an Glanz dem Feuer gleichenden Hauspriester Dhaumya betraten sie alle der Reihe nach vorschriftsmäßig, o Herr, jenen Versammlungsplatz, wie mächtige Stiere freudig eine Kuhweide.

Wort für Wort
purohitenāgnisamānavarcasā sahaiva dhaumyena yathāvidhi prabho krameṇa sarve viviśuś ca tat sado maharṣabhā goṣṭham ivābhinandinaḥ
Zusammen mit dem an Glanz dem Feuer gleichenden Hauspriester Dhaumya betraten sie alle der Reihe nach vorschriftsmäßig, o Herr, jenen Versammlungsplatz, wie mächtige Stiere freudig eine Kuhweide.

tataḥ samādhāya sa vedapārago juhāva mantrair jvalitaṃ hutāśanam yudhiṣṭhiraṃ cāpy upanīya mantravin niyojayām āsa sahaiva kṛṣṇayā

Da entzündete jener, des Veda Kundige, das lodernde Opferfeuer und brachte mit Mantras Opfergaben dar; und der Mantra-Kundige führte Yudhiṣṭhira heran und vereinigte ihn zusammen mit Kṛṣṇā.

Wort für Wort
tataḥ samādhāya sa vedapārago juhāva mantrair jvalitaṃ hutāśanam yudhiṣṭhiraṃ cāpy upanīya mantravin niyojayām āsa sahaiva kṛṣṇayā
Da entzündete jener, des Veda Kundige, das lodernde Opferfeuer und brachte mit Mantras Opfergaben dar; und der Mantra-Kundige führte Yudhiṣṭhira heran und vereinigte ihn zusammen mit Kṛṣṇā.

pradakṣiṇaṃ tau pragṛhītapāṇī samānayām āsa sa vedapāragaḥ tato 'bhyanujñāya tam ājiśobhinaṃ purohito rājagṛhād viniryayau

Der des Veda Kundige führte die beiden, Hand in Hand, im Umschreitungsritus zusammen; danach, nachdem der Hauspriester jenen strahlenden Yudhiṣṭhira verabschiedet hatte, verließ er das Königshaus.

Wort für Wort
pradakṣiṇaṃ tau pragṛhītapāṇī samānayām āsa sa vedapāragaḥ tato 'bhyanujñāya tam ājiśobhinaṃ purohito rājagṛhād viniryayau
Der des Veda Kundige führte die beiden, Hand in Hand, im Umschreitungsritus zusammen; danach, nachdem der Hauspriester jenen strahlenden Yudhiṣṭhira verabschiedet hatte, verließ er das Königshaus.

krameṇa cānena narādhipātmajā varastriyās te jagṛhus tadā karam ahany ahany uttamarūpadhāriṇo mahārathāḥ kauravavaṃśavardhanāḥ

Der Reihe nach ergriffen dann jene großen Wagenkämpfer, die den Kaurava-Stamm mehrenden Königssöhne, Tag für Tag, in höchster Gestalt erscheinend, die Hand der vortrefflichen Frau.

Wort für Wort
krameṇa cānena narādhipātmajā varastriyās te jagṛhus tadā karam ahany ahany uttamarūpadhāriṇo mahārathāḥ kauravavaṃśavardhanāḥ
Der Reihe nach ergriffen dann jene großen Wagenkämpfer, die den Kaurava-Stamm mehrenden Königssöhne, Tag für Tag, in höchster Gestalt erscheinend, die Hand der vortrefflichen Frau.

idaṃ ca tatrādbhutarūpam uttamaṃ jagāda viprarṣir atītamānuṣam mahānubhāvā kila sā sumadhyamā babhūva kanyaiva gate gate 'hani

Und dies erzählte dort der brahmanische Ṛṣi als überaus wunderbare, übermenschliche Sache: Jene hochherzige, schlankhüftige Draupadī wurde, nach jedem vergangenen Tag, wieder aufs Neue zur Jungfrau.

Wort für Wort
idaṃ ca tatrādbhutarūpam uttamaṃ jagāda viprarṣir atītamānuṣam mahānubhāvā kila sā sumadhyamā babhūva kanyaiva gate gate 'hani
Und dies erzählte dort der brahmanische Ṛṣi als überaus wunderbare, übermenschliche Sache: Jene hochherzige, schlankhüftige Draupadī wurde, nach jedem vergangenen Tag, wieder aufs Neue zur Jungfrau.

kṛte vivāhe drupado dhanaṃ dadau mahārathebhyo bahurūpam uttamam śataṃ rathānāṃ varahemabhūṣiṇāṃ caturyujāṃ hemakhalīnamālinām

Nach vollzogener Hochzeit gab Drupada den großen Wagenkämpfern vielfältige, vortreffliche Reichtümer: hundert Wagen, mit vortrefflichem Gold geschmückt, mit vier Rossen bespannt, mit goldenen Zügeln und Girlanden versehen –

Wort für Wort
kṛte vivāhe drupado dhanaṃ dadau mahārathebhyo bahurūpam uttamam śataṃ rathānāṃ varahemabhūṣiṇāṃ caturyujāṃ hemakhalīnamālinām
Nach vollzogener Hochzeit gab Drupada den großen Wagenkämpfern vielfältige, vortreffliche Reichtümer: hundert Wagen, mit vortrefflichem Gold geschmückt, mit vier Rossen bespannt, mit goldenen Zügeln und Girlanden versehen –

śataṃ gajānām abhipadmināṃ tathā śataṃ girīṇām iva hemaśṛṅgiṇām tathaiva dāsīśatam agryayauvanaṃ mahārhaveṣābharaṇāmbarasrajam

– hundert Elefanten mit Stirn-Lotossymbol, ebenso hundert, wie Berge mit goldenen Gipfeln, und ebenso hundert Dienerinnen von vortrefflicher Jugend, mit kostbarster Kleidung, Schmuck und Kränzen.

Wort für Wort
śataṃ gajānām abhipadmināṃ tathā śataṃ girīṇām iva hemaśṛṅgiṇām tathaiva dāsīśatam agryayauvanaṃ mahārhaveṣābharaṇāmbarasrajam
– hundert Elefanten mit Stirn-Lotossymbol, ebenso hundert, wie Berge mit goldenen Gipfeln, und ebenso hundert Dienerinnen von vortrefflicher Jugend, mit kostbarster Kleidung, Schmuck und Kränzen.

pṛthak pṛthak caiva daśāyutānvitaṃ dhanaṃ dadau saumakir agnisākṣikam tathaiva vastrāṇi ca bhūṣaṇāni prabhāvayuktāni mahādhanāni

Und einzeln jedem gab der Sohn des Somaka, mit dem Feuer als Zeugen, zehntausendfachen Reichtum, sowie Gewänder und Schmuckstücke von großer Wirkkraft, kostbare Güter.

Wort für Wort
pṛthak pṛthak caiva daśāyutānvitaṃ dhanaṃ dadau saumakir agnisākṣikam tathaiva vastrāṇi ca bhūṣaṇāni prabhāvayuktāni mahādhanāni
Und einzeln jedem gab der Sohn des Somaka, mit dem Feuer als Zeugen, zehntausendfachen Reichtum, sowie Gewänder und Schmuckstücke von großer Wirkkraft, kostbare Güter.

kṛte vivāhe ca tataḥ sma pāṇḍavāḥ prabhūtaratnām upalabhya tāṃ śriyam vijahrur indrapratimā mahābalāḥ pure tu pāñcālanṛpasya tasya ha

Und nach vollzogener Hochzeit vergnügten sich die Pāṇḍavas, nachdem sie jene an Juwelen reiche Herrlichkeit erlangt hatten, Indra gleich, überaus mächtig, in der Stadt jenes Pāñcāla-Königs.

Wort für Wort
kṛte vivāhe ca tataḥ sma pāṇḍavāḥ prabhūtaratnām upalabhya tāṃ śriyam vijahrur indrapratimā mahābalāḥ pure tu pāñcālanṛpasya tasya ha
Und nach vollzogener Hochzeit vergnügten sich die Pāṇḍavas, nachdem sie jene an Juwelen reiche Herrlichkeit erlangt hatten, Indra gleich, überaus mächtig, in der Stadt jenes Pāñcāla-Königs.

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