Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 193: Duryodhanasya Nigrahopāyacintā Duryodhanas Überlegungen zur Bezwingung der Pāṇḍavas

Dhṛtarāṣṭra gesteht heimlich, ebenso wie Duryodhana und Karṇa zu denken, will dies aber vor Vidura verbergen und fragt beide nach ihrer Meinung. Duryodhana entwirft eine ganze Reihe finsterer Pläne: die Pāṇḍavas durch Brahmanen oder Bestechung von Drupada entzweien, sie gegeneinander oder gegen Draupadī aufhetzen, vor allem aber Bhīmasena heimlich töten lassen, da er die Stärke der Brüder ausmacht - oder sie durch schöne Frauen verführen oder mithilfe Karṇas hierherlocken und durch gedungene Räuber ermorden lassen. Er drängt auf rasches Handeln, solange die Pāṇḍavas Drupadas Vertrauen noch nicht voll gewonnen haben, und fragt abschließend nach Karṇas Meinung.

dhṛtarāṣṭra uvāca aham apy evam evaitac cintayāmi yathā yuvām vivektuṃ nāham icchāmi tv ākāraṃ viduraṃ prati

Dhṛtarāṣṭra sprach: Auch ich denke ebenso wie ihr beide darüber; doch möchte ich meine wahre Gesinnung vor Vidura nicht durch meine Miene verraten.

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca aham apy evam evaitac cintayāmi yathā yuvām vivektuṃ nāham icchāmi tv ākāraṃ viduraṃ prati
Dhṛtarāṣṭra sprach: Auch ich denke ebenso wie ihr beide darüber; doch möchte ich meine wahre Gesinnung vor Vidura nicht durch meine Miene verraten.

atas teṣāṃ guṇān eva kīrtayāmi viśeṣataḥ nāvabudhyeta viduro mamābhiprāyam iṅgitaiḥ

Darum preise ich vor allem ihre Vorzüge, damit Vidura meine wahre Absicht nicht an Anzeichen erkenne.

Wort für Wort
atas teṣāṃ guṇān eva kīrtayāmi viśeṣataḥ nāvabudhyeta viduro mamābhiprāyam iṅgitaiḥ
Darum preise ich vor allem ihre Vorzüge, damit Vidura meine wahre Absicht nicht an Anzeichen erkenne.

yac ca tvaṃ manyase prāptaṃ tad brūhi tvaṃ suyodhana rādheya manyase tvaṃ ca yat prāptaṃ tad bravīhi me

Was du, Suyodhana, für angebracht hältst, das sage mir; und was du, Sohn der Rādhā, für angebracht hältst, das sage mir gleichfalls.

Wort für Wort
yac ca tvaṃ manyase prāptaṃ tad brūhi tvaṃ suyodhana rādheya manyase tvaṃ ca yat prāptaṃ tad bravīhi me
Was du, Suyodhana, für angebracht hältst, das sage mir; und was du, Sohn der Rādhā, für angebracht hältst, das sage mir gleichfalls.

duryodhana uvāca adya tān kuśalair vipraiḥ sukṛtair āptakāribhiḥ kuntīputrān bhedayāmo mādrīputrau ca pāṇḍavau

Duryodhana sprach: Lasst uns jetzt die Söhne Kuntīs und die beiden Pāṇḍu-Söhne der Mādrī durch geschickte, wohlerfahrene und vertrauenswürdige Brahmanen entzweien.

Wort für Wort
duryodhana uvāca adya tān kuśalair vipraiḥ sukṛtair āptakāribhiḥ kuntīputrān bhedayāmo mādrīputrau ca pāṇḍavau
Duryodhana sprach: Lasst uns jetzt die Söhne Kuntīs und die beiden Pāṇḍu-Söhne der Mādrī durch geschickte, wohlerfahrene und vertrauenswürdige Brahmanen entzweien.

atha vā drupado rājā mahadbhir vittasaṃcayaiḥ putrāś cāsya pralobhyantām amātyāś caiva sarvaśaḥ

Oder aber: König Drupada, seine Söhne und all seine Minister sollen mit gewaltigen Schätzen verlockt werden.

Wort für Wort
atha vā drupado rājā mahadbhir vittasaṃcayaiḥ putrāś cāsya pralobhyantām amātyāś caiva sarvaśaḥ
Oder aber: König Drupada, seine Söhne und all seine Minister sollen mit gewaltigen Schätzen verlockt werden.

parityajadhvaṃ rājānaṃ kuntīputraṃ yudhiṣṭhiram atha tatraiva vā teṣāṃ nivāsaṃ rocayantu te

Man spreche zu ihnen: Verlasst den König, den Sohn Kuntīs, Yudhiṣṭhira - oder sie sollen ihnen gefallen lassen, gerade dort zu bleiben.

Wort für Wort
parityajadhvaṃ rājānaṃ kuntīputraṃ yudhiṣṭhiram atha tatraiva vā teṣāṃ nivāsaṃ rocayantu te
Man spreche zu ihnen: Verlasst den König, den Sohn Kuntīs, Yudhiṣṭhira - oder sie sollen ihnen gefallen lassen, gerade dort zu bleiben.

ihaiṣāṃ doṣavad vāsaṃ varṇayantu pṛthak pṛthak te bhidyamānās tatraiva manaḥ kurvantu pāṇḍavāḥ

Man schildere ihnen einzeln je die Nachteile eines Aufenthalts hier, damit die Pāṇḍavas, so entzweit, ihren Sinn eben dort festlegen.

Wort für Wort
ihaiṣāṃ doṣavad vāsaṃ varṇayantu pṛthak pṛthak te bhidyamānās tatraiva manaḥ kurvantu pāṇḍavāḥ
Man schildere ihnen einzeln je die Nachteile eines Aufenthalts hier, damit die Pāṇḍavas, so entzweit, ihren Sinn eben dort festlegen.

athavā kuśalāḥ ke cid upāyanipuṇā narāḥ itaretarataḥ pārthān bhedayantv anurāgataḥ

Oder aber: Einige geschickte, in Mitteln erfahrene Männer sollen die Pārthas untereinander entzweien, indem sie deren gegenseitige Zuneigung untergraben.

Wort für Wort
athavā kuśalāḥ ke cid upāyanipuṇā narāḥ itaretarataḥ pārthān bhedayantv anurāgataḥ
Oder aber: Einige geschickte, in Mitteln erfahrene Männer sollen die Pārthas untereinander entzweien, indem sie deren gegenseitige Zuneigung untergraben.

vyutthāpayantu vā kṛṣṇāṃ bahutvāt sukaraṃ hi tat athavā pāṇḍavāṃs tasyāṃ bhedayantu tataś ca tām

Oder sie sollen Kṛṣṇā gegen sie aufwiegeln - wegen der Vielzahl der Gatten ist dies leicht zu bewerkstelligen -, oder die Pāṇḍavas ihr gegenüber entzweien, und sie dann von ihnen abwenden.

Wort für Wort
vyutthāpayantu vā kṛṣṇāṃ bahutvāt sukaraṃ hi tat athavā pāṇḍavāṃs tasyāṃ bhedayantu tataś ca tām
Oder sie sollen Kṛṣṇā gegen sie aufwiegeln - wegen der Vielzahl der Gatten ist dies leicht zu bewerkstelligen -, oder die Pāṇḍavas ihr gegenüber entzweien, und sie dann von ihnen abwenden.

bhīmasenasya vā rājann upāyakuśalair naraiḥ mṛtyur vidhīyatāṃ channaiḥ sa hi teṣāṃ balādhikaḥ

Oder, o König, durch in Mitteln geschickte, verdeckt handelnde Männer soll der Tod des Bhīmasena herbeigeführt werden; denn er ist der an Kraft Überlegene unter ihnen.

Wort für Wort
bhīmasenasya vā rājann upāyakuśalair naraiḥ mṛtyur vidhīyatāṃ channaiḥ sa hi teṣāṃ balādhikaḥ
Oder, o König, durch in Mitteln geschickte, verdeckt handelnde Männer soll der Tod des Bhīmasena herbeigeführt werden; denn er ist der an Kraft Überlegene unter ihnen.

tasmiṃs tu nihate rājan hatotsāhā hataujasaḥ yatiṣyante na rājyāya sa hi teṣāṃ vyapāśrayaḥ

Ist dieser aber erschlagen, o König, werden sie, ihres Mutes und ihrer Kraft beraubt, nicht mehr nach der Königsherrschaft streben; denn er ist ihre Zuflucht.

Wort für Wort
tasmiṃs tu nihate rājan hatotsāhā hataujasaḥ yatiṣyante na rājyāya sa hi teṣāṃ vyapāśrayaḥ
Ist dieser aber erschlagen, o König, werden sie, ihres Mutes und ihrer Kraft beraubt, nicht mehr nach der Königsherrschaft streben; denn er ist ihre Zuflucht.

ajeyo hy arjunaḥ saṃkhye pṛṣṭhagope vṛkodare tam ṛte phalguno yuddhe rādheyasya na pādabhāk

Denn unbesiegbar ist Arjuna in der Schlacht, solange Vṛkodara ihm den Rücken deckt; ohne ihn aber reicht Phalguna im Kampf nicht einmal an einen Bruchteil des Sohnes der Rādhā heran.

Wort für Wort
ajeyo hy arjunaḥ saṃkhye pṛṣṭhagope vṛkodare tam ṛte phalguno yuddhe rādheyasya na pādabhāk
Denn unbesiegbar ist Arjuna in der Schlacht, solange Vṛkodara ihm den Rücken deckt; ohne ihn aber reicht Phalguna im Kampf nicht einmal an einen Bruchteil des Sohnes der Rādhā heran.

[Anm.: na pādabhāk, wörtlich etwa nicht einmal ein Viertel besitzend, ein idiomatischer Ausdruck fuer weit unterlegen; mit Vorbehalt sinngemaess uebersetzt.]

te jānamānā daurbalyaṃ bhīmasenam ṛte mahat asmān balavato jñātvā naśiṣyanty abalīyasaḥ

Sie, ihre große Schwäche ohne Bhīmasena kennend und uns als die Stärkeren erkennend, werden, selbst die Schwächeren, zugrunde gehen.

Wort für Wort
te jānamānā daurbalyaṃ bhīmasenam ṛte mahat asmān balavato jñātvā naśiṣyanty abalīyasaḥ
Sie, ihre große Schwäche ohne Bhīmasena kennend und uns als die Stärkeren erkennend, werden, selbst die Schwächeren, zugrunde gehen.

ihāgateṣu pārtheṣu nideśavaśavartiṣu pravartiṣyāmahe rājan yathāśraddhaṃ nibarhaṇe

Sind die Pārthas erst hierher gekommen und unserem Befehl unterworfen, werden wir, o König, nach Belieben zu ihrer Vernichtung schreiten.

Wort für Wort
ihāgateṣu pārtheṣu nideśavaśavartiṣu pravartiṣyāmahe rājan yathāśraddhaṃ nibarhaṇe
Sind die Pārthas erst hierher gekommen und unserem Befehl unterworfen, werden wir, o König, nach Belieben zu ihrer Vernichtung schreiten.

athavā darśanīyābhiḥ pramadābhir vilobhyatām ekaikas tatra kaunteyas tataḥ kṛṣṇā virajyatām

Oder aber: Jeder der Söhne Kuntīs soll dort einzeln durch schöne Frauen verlockt werden, auf dass Kṛṣṇā sich von ihnen abwende.

Wort für Wort
athavā darśanīyābhiḥ pramadābhir vilobhyatām ekaikas tatra kaunteyas tataḥ kṛṣṇā virajyatām
Oder aber: Jeder der Söhne Kuntīs soll dort einzeln durch schöne Frauen verlockt werden, auf dass Kṛṣṇā sich von ihnen abwende.

preṣyatāṃ vāpi rādheyas teṣām āgamanāya vai te loptrahāraiḥ saṃdhāya vadhyantām āptakāribhiḥ

Oder es soll der Sohn der Rādhā gesandt werden, um ihre Ankunft hierher zu bewirken, und sie sollen dann, mit Räubern im Bunde, durch vertrauenswürdige Leute getötet werden.

Wort für Wort
preṣyatāṃ vāpi rādheyas teṣām āgamanāya vai te loptrahāraiḥ saṃdhāya vadhyantām āptakāribhiḥ
Oder es soll der Sohn der Rādhā gesandt werden, um ihre Ankunft hierher zu bewirken, und sie sollen dann, mit Räubern im Bunde, durch vertrauenswürdige Leute getötet werden.

eteṣām abhyupāyānāṃ yas te nirdoṣavān mataḥ tasya prayogam ātiṣṭha purā kālo 'tivartate

Von diesen Mitteln, welches dir als das fehlerfreieste erscheint, dessen Anwendung nimm vor, ehe die Zeit verstreicht.

Wort für Wort
eteṣām abhyupāyānāṃ yas te nirdoṣavān mataḥ tasya prayogam ātiṣṭha purā kālo 'tivartate
Von diesen Mitteln, welches dir als das fehlerfreieste erscheint, dessen Anwendung nimm vor, ehe die Zeit verstreicht.

yāvac cākṛtaviśvāsā drupade pārthivarṣabhe tāvad evādya te śakyā na śakyās tu tataḥ param

Solange sie noch kein Vertrauen zu dem Fürstenstier Drupada gefasst haben, solange sind sie heute noch zu bewältigen; danach aber werden sie es nicht mehr sein.

Wort für Wort
yāvac cākṛtaviśvāsā drupade pārthivarṣabhe tāvad evādya te śakyā na śakyās tu tataḥ param
Solange sie noch kein Vertrauen zu dem Fürstenstier Drupada gefasst haben, solange sind sie heute noch zu bewältigen; danach aber werden sie es nicht mehr sein.

eṣā mama matis tāta nigrahāya pravartate sādhu vā yadi vāsādhu kiṃ vā rādheya manyase

Dies, Vater, ist meine Meinung, die auf ihre Bezwingung abzielt - ob gut oder schlecht; was aber meinst du, Sohn der Rādhā?

Wort für Wort
eṣā mama matis tāta nigrahāya pravartate sādhu vā yadi vāsādhu kiṃ vā rādheya manyase
Dies, Vater, ist meine Meinung, die auf ihre Bezwingung abzielt - ob gut oder schlecht; was aber meinst du, Sohn der Rādhā?

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