Kapitel 6: Pauloma-parva (Fortsetzung): Cyavanas Geburt und Bhṛgus Fluch über Agni
Pauloma-parva (Fortsetzung): Cyavanas Geburt, der Fluss Vadhusarā und Bhṛgus Fluch über Agni — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)
Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,006.001“ bis „01,006.013“). Fortsetzung der Pulomā-Erzählung aus Adhyāya 5: der Rakṣas entführt Pulomā in Ebergestalt; ihr Sohn Cyavana fällt vor Schreck der Mutter vorzeitig aus dem Schoß (Volksetymologie zu seinem Namen) und verbrennt mit seinem Glanz den Rakṣas zu Asche; Brahmā tröstet die weinende Pulomā, und aus ihren Tränen entsteht der Fluss Vadhusarā. Bhṛgu erfährt von Pulomā, dass Agni sie verraten hat, und verflucht den Feuergott zum „Allesfresser“ zu werden — der bekannte ätiologische Mythos zur Erklärung des allesverzehrenden Charakters des Feuers. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.
sūta uvāca | agner atha vacaḥ śrutvā tad rakṣaḥ prajahāra tām | brahman varāharūpeṇa manomārutaraṃhasā
Sūta sprach: Nachdem er dann Agnis Wort gehört hatte, raubte jener Rakṣas sie, o Brahmane, in Ebergestalt, mit der Geschwindigkeit von Gedanke und Wind.
Wort für Wort
sūta uvāca | agner atha vacaḥ śrutvā tad rakṣaḥ prajahāra tām | brahman varāharūpeṇa manomārutaraṃhasā
Sūta sprach: Nachdem er dann Agnis Wort gehört hatte, raubte jener Rakṣas sie, o Brahmane, in Ebergestalt, mit der Geschwindigkeit von Gedanke und Wind.
[Anm.: Agnis eigentliche, wahrheitsgemäße Antwort selbst ist im Haupttext nicht ausformuliert wiedergegeben — sie wird nur indirekt durch ihre Folge berichtet: der Rakṣas entführt Pulomā, sobald er die Wahrheit erfahren hat.]
tataḥ sa garbho nivasan kukṣau bhṛgukulodvaha | roṣān mātuś cyutaḥ kukṣeś cyavanas tena so 'bhavat
Da fiel jene Leibesfrucht, die im Schoß weilte, o Sproß des Bhṛgu-Geschlechts, aus Zorn der Mutter aus ihrem Schoß heraus; dadurch wurde er „Cyavana“ [der Herabgefallene] genannt.
Wort für Wort
tataḥ sa garbho nivasan kukṣau bhṛgukulodvaha | roṣān mātuś cyutaḥ kukṣeś cyavanas tena so 'bhavat
Da fiel jene Leibesfrucht, die im Schoß weilte, o Sproß des Bhṛgu-Geschlechts, aus Zorn der Mutter aus ihrem Schoß heraus; dadurch wurde er „Cyavana“ [der Herabgefallene] genannt.
[Anm.: Volksetymologie im Original: cyavana- von cyu- „fallen, weichen“ — der Sohn erhält seinen Namen, weil er durch den Schreck seiner Mutter (verursacht durch deren Zorn/Entsetzen bei der Entführung) vorzeitig aus dem Mutterleib fällt.]
taṃ dṛṣṭvā mātur udarāc cyutam ādityavarcasam | tad rakṣo bhasmasād bhūtaṃ papāta parimucya tām
Als jener Rakṣas ihn erblickte, aus dem Leib der Mutter herabgefallen, mit dem Glanz eines Āditya-Sonnengottes, sank er, zu Asche geworden, nieder, nachdem er sie [Pulomā] losgelassen hatte.
Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā mātur udarāc cyutam ādityavarcasam | tad rakṣo bhasmasād bhūtaṃ papāta parimucya tām
Als jener Rakṣas ihn erblickte, aus dem Leib der Mutter herabgefallen, mit dem Glanz eines Āditya-Sonnengottes, sank er, zu Asche geworden, nieder, nachdem er sie [Pulomā] losgelassen hatte.
Sie sah da Brahmā selbst, der Großvater aller Welten – sie, die weinte, mit tränenerfüllten Augen, Bhṛgus untadelige Gattin; der erhabene Brahmā, der Großvater, tröstete die Schwiegertochter.
Sie sah da Brahmā selbst, der Großvater aller Welten – sie, die weinte, mit tränenerfüllten Augen, Bhṛgus untadelige Gattin; der erhabene Brahmā, der Großvater, tröstete die Schwiegertochter.
tasyā mārgaṃ sṛtavatīṃ dṛṣṭvā tu saritaṃ tadā | nāma tasyās tadā nadyāś cakre lokapitāmahaḥ | vadhūsareti bhagavāṃś cyavanasyāśramaṃ prati
Als er sah, wie jener Fluss ihrem Weg gefolgt war, gab da der Großvater der Welten dem Fluss den Namen „Vadhusarā“ [Weg-der-Schwiegertochter], der Erhabene, hin zu Cyavanas Einsiedelei.
Wort für Wort
tasyā mārgaṃ sṛtavatīṃ dṛṣṭvā tu saritaṃ tadā | nāma tasyās tadā nadyāś cakre lokapitāmahaḥ | vadhūsareti bhagavāṃś cyavanasyāśramaṃ prati
Als er sah, wie jener Fluss ihrem Weg gefolgt war, gab da der Großvater der Welten dem Fluss den Namen „Vadhusarā“ [Weg-der-Schwiegertochter], der Erhabene, hin zu Cyavanas Einsiedelei.
sa pulomāṃ tato bhāryāṃ papraccha kupito bhṛguḥ | kenāsi rakṣase tasmai kathiteha jihīrṣave | na hi tvāṃ veda tad rakṣo madbhāryāṃ cāruhāsinīm
Da befragte Bhṛgu, zornig geworden, seine Gattin Pulomā: „Von wem wurdest du hier jenem raubgierigen Rakṣas verraten? Denn jener Rakṣas kannte dich, meine schönlächelnde Gattin, nicht von selbst.“
Wort für Wort
sa pulomāṃ tato bhāryāṃ papraccha kupito bhṛguḥ | kenāsi rakṣase tasmai kathiteha jihīrṣave | na hi tvāṃ veda tad rakṣo madbhāryāṃ cāruhāsinīm
Da befragte Bhṛgu, zornig geworden, seine Gattin Pulomā: „Von wem wurdest du hier jenem raubgierigen Rakṣas verraten? Denn jener Rakṣas kannte dich, meine schönlächelnde Gattin, nicht von selbst.“
Pulomā sprach: „Von Agni, o Erhabener, wurde ich jenem Rakṣas verraten; darauf entführte mich der Rakṣas, während ich schrie wie eine Kurarī [ein Fischadler-Weibchen].“
Pulomā sprach: „Von Agni, o Erhabener, wurde ich jenem Rakṣas verraten; darauf entführte mich der Rakṣas, während ich schrie wie eine Kurarī [ein Fischadler-Weibchen].“
Sūta sprach: Als er dies von Pulomā gehört hatte, verfluchte Bhṛgu, von höchstem Zorn erfüllt, heftig erzürnt, den Agni: „Du sollst ein Alles-Fresser werden!“
Sūta sprach: Als er dies von Pulomā gehört hatte, verfluchte Bhṛgu, von höchstem Zorn erfüllt, heftig erzürnt, den Agni: „Du sollst ein Alles-Fresser werden!“
[Anm.: Dies ist der bekannte ätiologische Mythos, der erklärt, warum Feuer (Agni) „alles frisst“ – reines wie unreines, Opfergaben wie Unrat –: als Strafe für Bhṛgus Fluch, weil Agni die Wahrheit über Pulomā preisgegeben hatte. Adhyāya 6 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei; die Fortsetzung – Agnis Reaktion und die Vermittlung durch die Götter – folgt in Adhyāya 7.]