Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 39: Āstīka-parva (Fortsetzung): Kāśyapas Bestechung und Parikṣits Tod Āstīka-parva (Fortsetzung): Takṣaka prüft Kāśyapas Heilkunst am Feigenbaum, besticht ihn zur Umkehr, und tötet König Parikṣit listig durch einen in einer Frucht verborgenen Wurm — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)

Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,039.001“ bis „01,039.033“). Takṣaka fordert Kāśyapa auf, einen von ihm verbrannten Baum wiederzubeleben, um seine Heilkunst zu erproben; Kāśyapa gelingt dies mühelos. Beeindruckt bietet Takṣaka ihm mehr Reichtum, als der König geben könnte, wenn er umkehrt — Kāśyapa, der mit göttlichem Wissen erkennt, dass Parikṣits Lebenszeit ohnehin erschöpft ist, nimmt das Angebot an und kehrt um. Takṣaka täuscht darauf die königlichen Wachen mit als Asketen verkleideten Schlangen, die dem König Früchte darbringen; in einer davon verbirgt sich ein winziger Wurm — Takṣaka selbst. Der König, in der Hoffnung, den Fluch durch den harmlos scheinenden Wurm zu erfüllen und damit abzuwenden, lässt sich beißen und stirbt, als sich der Wurm in Takṣakas wahre Gestalt verwandelt. Damit erfüllt sich Śṛṅgins Fluch. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.

takṣaka uvāca | daṣṭaṃ yadi mayeha tvaṃ śaktaḥ kiṃ cic cikitsitum | tato vṛkṣaṃ mayā daṣṭam imaṃ jīvaya kāśyapa

Takṣaka sprach: „Wenn du, von mir hier gebissen, etwas zu heilen imstande wärst — dann belebe diesen Baum wieder, den ich gleich beißen werde, Kāśyapa.

Wort für Wort
takṣaka uvāca | daṣṭaṃ yadi mayeha tvaṃ śaktaḥ kiṃ cic cikitsitum | tato vṛkṣaṃ mayā daṣṭam imaṃ jīvaya kāśyapa
Takṣaka sprach: „Wenn du, von mir hier gebissen, etwas zu heilen imstande wärst — dann belebe diesen Baum wieder, den ich gleich beißen werde, Kāśyapa.

paraṃ mantrabalaṃ yat te tad darśaya yatasva ca | nyagrodham enaṃ dhakṣyāmi paśyatas te dvijottama

Zeige jene höchste Kraft deiner Zaubersprüche und bemühe dich; diesen Feigenbaum werde ich verbrennen, vor deinen Augen, o Bester der Zweifachgeborenen.“

Wort für Wort
paraṃ mantrabalaṃ yat te tad darśaya yatasva ca | nyagrodham enaṃ dhakṣyāmi paśyatas te dvijottama
Zeige jene höchste Kraft deiner Zaubersprüche und bemühe dich; diesen Feigenbaum werde ich verbrennen, vor deinen Augen, o Bester der Zweifachgeborenen.“

kāśyapa uvāca | daśa nāgendra vṛkṣaṃ tvaṃ yam enam abhimanyase | aham enaṃ tvayā daṣṭaṃ jīvayiṣye bhujaṃgama

Kāśyapa sprach: „Beiße, Schlangenkönig, diesen Baum, den du im Sinn hast; ich werde ihn, von dir gebissen, wieder beleben, Schlangenwesen.“

Wort für Wort
kāśyapa uvāca | daśa nāgendra vṛkṣaṃ tvaṃ yam enam abhimanyase | aham enaṃ tvayā daṣṭaṃ jīvayiṣye bhujaṃgama
Kāśyapa sprach: „Beiße, Schlangenkönig, diesen Baum, den du im Sinn hast; ich werde ihn, von dir gebissen, wieder beleben, Schlangenwesen.“

sūta uvāca | evam uktaḥ sa nāgendraḥ kāśyapena mahātmanā | adaśad vṛkṣam abhyetya nyagrodhaṃ pannagottamaḥ

Sūta sprach: So von dem hochgesinnten Kāśyapa angesprochen, trat jener Schlangenkönig heran und biss den Feigenbaum, der Beste der Schlangen.

Wort für Wort
sūta uvāca | evam uktaḥ sa nāgendraḥ kāśyapena mahātmanā | adaśad vṛkṣam abhyetya nyagrodhaṃ pannagottamaḥ
Sūta sprach: So von dem hochgesinnten Kāśyapa angesprochen, trat jener Schlangenkönig heran und biss den Feigenbaum, der Beste der Schlangen.

sa vṛkṣas tena daṣṭaḥ san sadya eva mahādyute | āśīviṣaviṣopetaḥ prajajvāla samantataḥ

Jener Baum, von ihm gebissen, entflammte sogleich, o Hochglanzvoller, vom Gift der giftigen Schlange durchdrungen, ringsum.

Wort für Wort
sa vṛkṣas tena daṣṭaḥ san sadya eva mahādyute | āśīviṣaviṣopetaḥ prajajvāla samantataḥ
Jener Baum, von ihm gebissen, entflammte sogleich, o Hochglanzvoller, vom Gift der giftigen Schlange durchdrungen, ringsum.

taṃ dagdhvā sa nagaṃ nāgaḥ kāśyapaṃ punar abravīt | kuru yatnaṃ dvijaśreṣṭha jīvayainaṃ vanaspatim

Nachdem er jenen Baum verbrannt hatte, sprach die Schlange wieder zu Kāśyapa: „Bemühe dich, Bester der Zweifachgeborenen, belebe diesen Baumherrn wieder!“

Wort für Wort
taṃ dagdhvā sa nagaṃ nāgaḥ kāśyapaṃ punar abravīt | kuru yatnaṃ dvijaśreṣṭha jīvayainaṃ vanaspatim
Nachdem er jenen Baum verbrannt hatte, sprach die Schlange wieder zu Kāśyapa: „Bemühe dich, Bester der Zweifachgeborenen, belebe diesen Baumherrn wieder!“

bhasmībhūtaṃ tato vṛkṣaṃ pannagendrasya tejasā | bhasma sarvaṃ samāhṛtya kāśyapo vākyam abravīt

Jenen Baum, der durch die Glut des Schlangenkönigs zu Asche geworden war — die ganze Asche zusammenraffend, sprach Kāśyapa das Wort:

Wort für Wort
bhasmībhūtaṃ tato vṛkṣaṃ pannagendrasya tejasā | bhasma sarvaṃ samāhṛtya kāśyapo vākyam abravīt
Jenen Baum, der durch die Glut des Schlangenkönigs zu Asche geworden war — die ganze Asche zusammenraffend, sprach Kāśyapa das Wort:

vidyābalaṃ pannagendra paśya me 'smin vanaspatau | ahaṃ saṃjīvayāmy enaṃ paśyatas te bhujaṃgama

„Sieh die Kraft meines Wissens an diesem Baumherrn, Schlangenkönig; ich belebe ihn wieder, vor deinen Augen, Schlangenwesen.“

Wort für Wort
vidyābalaṃ pannagendra paśya me 'smin vanaspatau | ahaṃ saṃjīvayāmy enaṃ paśyatas te bhujaṃgama
„Sieh die Kraft meines Wissens an diesem Baumherrn, Schlangenkönig; ich belebe ihn wieder, vor deinen Augen, Schlangenwesen.“

tataḥ sa bhagavān vidvān kāśyapo dvijasattamaḥ | bhasmarāśīkṛtaṃ vṛkṣaṃ vidyayā samajīvayat

Da belebte der erhabene, gelehrte Kāśyapa, der Beste der Zweifachgeborenen, den zu einem Aschehaufen gewordenen Baum durch sein Wissen wieder.

Wort für Wort
tataḥ sa bhagavān vidvān kāśyapo dvijasattamaḥ | bhasmarāśīkṛtaṃ vṛkṣaṃ vidyayā samajīvayat
Da belebte der erhabene, gelehrte Kāśyapa, der Beste der Zweifachgeborenen, den zu einem Aschehaufen gewordenen Baum durch sein Wissen wieder.

aṅkuraṃ taṃ sa kṛtavāṃs tataḥ parṇadvayānvitam | palāśinaṃ śākhinaṃ ca tathā viṭapinaṃ punaḥ

Er machte ihn zu einem Spross, mit einem Blätterpaar versehen, dann belaubt und mit Zweigen, und wieder mit Ästen — Stufe um Stufe heranwachsend.

Wort für Wort
aṅkuraṃ taṃ sa kṛtavāṃs tataḥ parṇadvayānvitam | palāśinaṃ śākhinaṃ ca tathā viṭapinaṃ punaḥ
Er machte ihn zu einem Spross, mit einem Blätterpaar versehen, dann belaubt und mit Zweigen, und wieder mit Ästen — Stufe um Stufe heranwachsend.

taṃ dṛṣṭvā jīvitaṃ vṛkṣaṃ kāśyapena mahātmanā | uvāca takṣako brahmann etad atyadbhutaṃ tvayi

Als er den von dem hochgesinnten Kāśyapa wiederbelebten Baum sah, sprach Takṣaka: „Dies ist ein überaus wunderbares Werk von dir, o Brahmane,

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā jīvitaṃ vṛkṣaṃ kāśyapena mahātmanā | uvāca takṣako brahmann etad atyadbhutaṃ tvayi
Als er den von dem hochgesinnten Kāśyapa wiederbelebten Baum sah, sprach Takṣaka: „Dies ist ein überaus wunderbares Werk von dir, o Brahmane,

viprendra yad viṣaṃ hanyā mama vā madvidhasya vā | kaṃ tvam artham abhiprepsur yāsi tatra tapodhana

o Bester der Weisen, dass du das Gift von mir oder eines Meinesgleichen zunichtemachen kannst. Welches Ziel begehrst du zu erlangen, o Asketenreicher, dass du dorthin gehst?

Wort für Wort
viprendra yad viṣaṃ hanyā mama vā madvidhasya vā | kaṃ tvam artham abhiprepsur yāsi tatra tapodhana
o Bester der Weisen, dass du das Gift von mir oder eines Meinesgleichen zunichtemachen kannst. Welches Ziel begehrst du zu erlangen, o Asketenreicher, dass du dorthin gehst?

yat te 'bhilaṣitaṃ prāptuṃ phalaṃ tasmān nṛpottamāt | aham eva pradāsyāmi tat te yady api durlabham

Welchen Lohn du von jenem besten der Könige zu erlangen wünschst — den werde ich dir selbst geben, auch wenn er schwer zu erlangen ist.

Wort für Wort
yat te 'bhilaṣitaṃ prāptuṃ phalaṃ tasmān nṛpottamāt | aham eva pradāsyāmi tat te yady api durlabham
Welchen Lohn du von jenem besten der Könige zu erlangen wünschst — den werde ich dir selbst geben, auch wenn er schwer zu erlangen ist.

vipraśāpābhibhūte ca kṣīṇāyuṣi narādhipe | ghaṭamānasya te vipra siddhiḥ saṃśayitā bhavet

Denn bei einem Herrscher der Menschen, der vom Fluch eines Brahmanen überwältigt und dessen Lebenszeit erschöpft ist, wäre der Erfolg deines Bemühens, o Weiser, zweifelhaft.

Wort für Wort
vipraśāpābhibhūte ca kṣīṇāyuṣi narādhipe | ghaṭamānasya te vipra siddhiḥ saṃśayitā bhavet
Denn bei einem Herrscher der Menschen, der vom Fluch eines Brahmanen überwältigt und dessen Lebenszeit erschöpft ist, wäre der Erfolg deines Bemühens, o Weiser, zweifelhaft.

tato yaśaḥ pradīptaṃ te triṣu lokeṣu viśrutam | viraśmir iva gharmāṃśur antardhānam ito vrajet

Dann würde dein glänzender, in den drei Welten berühmter Ruhm, wie die Sonne ohne Strahlen, davon in Verschwinden geraten.“

Wort für Wort
tato yaśaḥ pradīptaṃ te triṣu lokeṣu viśrutam | viraśmir iva gharmāṃśur antardhānam ito vrajet
Dann würde dein glänzender, in den drei Welten berühmter Ruhm, wie die Sonne ohne Strahlen, davon in Verschwinden geraten.“

kāśyapa uvāca | dhanārthī yāmy ahaṃ tatra tan me ditsa bhujaṃgama | tato 'haṃ vinivartiṣye gṛhāyoragasattama

Kāśyapa sprach: „Aus Verlangen nach Reichtum gehe ich dorthin; gib mir dieses, Schlangenwesen — dann werde ich nach Hause umkehren, Bester der Schlangen.“

Wort für Wort
kāśyapa uvāca | dhanārthī yāmy ahaṃ tatra tan me ditsa bhujaṃgama | tato 'haṃ vinivartiṣye gṛhāyoragasattama
Kāśyapa sprach: „Aus Verlangen nach Reichtum gehe ich dorthin; gib mir dieses, Schlangenwesen — dann werde ich nach Hause umkehren, Bester der Schlangen.“

takṣaka uvāca | yāvad dhanaṃ prārthayase tasmād rājñas tato 'dhikam | ahaṃ te 'dya pradāsyāmi nivartasva dvijottama

Takṣaka sprach: „Wieviel Reichtum du von jenem König erhoffst — mehr als das werde ich dir heute geben; kehre um, Bester der Zweifachgeborenen.“

Wort für Wort
takṣaka uvāca | yāvad dhanaṃ prārthayase tasmād rājñas tato 'dhikam | ahaṃ te 'dya pradāsyāmi nivartasva dvijottama
Takṣaka sprach: „Wieviel Reichtum du von jenem König erhoffst — mehr als das werde ich dir heute geben; kehre um, Bester der Zweifachgeborenen.“

sūta uvāca | takṣakasya vacaḥ śrutvā kāśyapo dvijasattamaḥ | pradadhyau sumahātejā rājānaṃ prati buddhimān

Sūta sprach: Als er Takṣakas Wort gehört hatte, überlegte Kāśyapa, der Beste der Zweifachgeborenen, von überaus großem Glanz, der Kluge, hinsichtlich des Königs.

Wort für Wort
sūta uvāca | takṣakasya vacaḥ śrutvā kāśyapo dvijasattamaḥ | pradadhyau sumahātejā rājānaṃ prati buddhimān
Sūta sprach: Als er Takṣakas Wort gehört hatte, überlegte Kāśyapa, der Beste der Zweifachgeborenen, von überaus großem Glanz, der Kluge, hinsichtlich des Königs.

divyajñānaḥ sa tejasvī jñātvā taṃ nṛpatiṃ tadā | kṣīṇāyuṣaṃ pāṇḍaveyam apāvartata kāśyapaḥ | labdhvā vittaṃ munivaras takṣakād yāvad īpsitam

Er, von göttlichem Wissen, der Glanzvolle, erkannte da, dass jener König, der Pāṇḍava-Nachkomme, am Ende seiner Lebenszeit war; und Kāśyapa, der beste der Munis, kehrte um, nachdem er von Takṣaka den Reichtum erhalten hatte, so viel er begehrte.

Wort für Wort
divyajñānaḥ sa tejasvī jñātvā taṃ nṛpatiṃ tadā | kṣīṇāyuṣaṃ pāṇḍaveyam apāvartata kāśyapaḥ | labdhvā vittaṃ munivaras takṣakād yāvad īpsitam
Er, von göttlichem Wissen, der Glanzvolle, erkannte da, dass jener König, der Pāṇḍava-Nachkomme, am Ende seiner Lebenszeit war; und Kāśyapa, der beste der Munis, kehrte um, nachdem er von Takṣaka den Reichtum erhalten hatte, so viel er begehrte.

nivṛtte kāśyape tasmin samayena mahātmani | jagāma takṣakas tūrṇaṃ nagaraṃ nāgasāhvayam

Nachdem jener hochgesinnte Kāśyapa zur rechten Zeit umgekehrt war, ging Takṣaka eilends zur Stadt, die den Namen des Elefanten trägt.

Wort für Wort
nivṛtte kāśyape tasmin samayena mahātmani | jagāma takṣakas tūrṇaṃ nagaraṃ nāgasāhvayam
Nachdem jener hochgesinnte Kāśyapa zur rechten Zeit umgekehrt war, ging Takṣaka eilends zur Stadt, die den Namen des Elefanten trägt.

[Anm.: „Nāgasāhvaya“ („nach dem Elefanten benannt“) ist wie „Gajāhvaya“ (s. Adhyāya 37) ein weiteres Epitheton Hastināpuras; hier bedeutet „nāga“ nicht „Schlange“, sondern „Elefant“ – nicht zu verwechseln mit den Schlangenwesen (ebenfalls „nāga“) der Rahmenerzählung.]

atha śuśrāva gacchan sa takṣako jagatīpatim | mantrāgadair viṣaharai rakṣyamāṇaṃ prayatnataḥ

Da hörte, im Gehen, jener Takṣaka, dass der Herr der Erde durch giftvertreibende Zaubersprüche und Heilmittel sorgfältig beschützt werde.

Wort für Wort
atha śuśrāva gacchan sa takṣako jagatīpatim | mantrāgadair viṣaharai rakṣyamāṇaṃ prayatnataḥ
Da hörte, im Gehen, jener Takṣaka, dass der Herr der Erde durch giftvertreibende Zaubersprüche und Heilmittel sorgfältig beschützt werde.

sa cintayām āsa tadā māyāyogena pārthivaḥ | mayā vañcayitavyo 'sau ka upāyo bhaved iti

Er überlegte da: „Durch listige Täuschung muss jener König von mir hintergangen werden — welches Mittel könnte es geben?“

Wort für Wort
sa cintayām āsa tadā māyāyogena pārthivaḥ | mayā vañcayitavyo 'sau ka upāyo bhaved iti
Er überlegte da: „Durch listige Täuschung muss jener König von mir hintergangen werden — welches Mittel könnte es geben?“

tatas tāpasarūpeṇa prāhiṇot sa bhujaṃgamān | phalapatrodakaṃ gṛhya rājñe nāgo 'tha takṣakaḥ

Da sandte jener Schlangenwesen Takṣaka, in Gestalt von Asketen, Schlangen aus, die Früchte, Blätter und Wasser für den König mitnahmen.

Wort für Wort
tatas tāpasarūpeṇa prāhiṇot sa bhujaṃgamān | phalapatrodakaṃ gṛhya rājñe nāgo 'tha takṣakaḥ
Da sandte jener Schlangenwesen Takṣaka, in Gestalt von Asketen, Schlangen aus, die Früchte, Blätter und Wasser für den König mitnahmen.

takṣaka uvāca | gacchadhvaṃ yūyam avyagrā rājānaṃ kāryavattayā | phalapatrodakaṃ nāma pratigrāhayituṃ nṛpam

Takṣaka sprach: „Geht ihr unbesorgt, mit scheinbar triftigem Anliegen, um den König dazu zu bringen, die sogenannten Früchte, Blätter und Wasser anzunehmen.“

Wort für Wort
takṣaka uvāca | gacchadhvaṃ yūyam avyagrā rājānaṃ kāryavattayā | phalapatrodakaṃ nāma pratigrāhayituṃ nṛpam
Takṣaka sprach: „Geht ihr unbesorgt, mit scheinbar triftigem Anliegen, um den König dazu zu bringen, die sogenannten Früchte, Blätter und Wasser anzunehmen.“

sūta uvāca | te takṣakasamādiṣṭās tathā cakrur bhujaṃgamāḥ | upaninyus tathā rājñe darbhān āpaḥ phalāni ca

Sūta sprach: Von Takṣaka so angewiesen, taten die Schlangenwesen ebenso; sie brachten dem König Kuśa-Gras, Wasser und Früchte dar.

Wort für Wort
sūta uvāca | te takṣakasamādiṣṭās tathā cakrur bhujaṃgamāḥ | upaninyus tathā rājñe darbhān āpaḥ phalāni ca
Sūta sprach: Von Takṣaka so angewiesen, taten die Schlangenwesen ebenso; sie brachten dem König Kuśa-Gras, Wasser und Früchte dar.

tac ca sarvaṃ sa rājendraḥ pratijagrāha vīryavān | kṛtvā ca teṣāṃ kāryāṇi gamyatām ity uvāca tān

Und all dies nahm jener König der Könige, der Kraftvolle, an; und nachdem er ihre Anliegen erledigt hatte, sprach er zu ihnen: „Ihr möget wieder gehen.“

Wort für Wort
tac ca sarvaṃ sa rājendraḥ pratijagrāha vīryavān | kṛtvā ca teṣāṃ kāryāṇi gamyatām ity uvāca tān
Und all dies nahm jener König der Könige, der Kraftvolle, an; und nachdem er ihre Anliegen erledigt hatte, sprach er zu ihnen: „Ihr möget wieder gehen.“

gateṣu teṣu nāgeṣu tāpasacchadmarūpiṣu | amātyān suhṛdaś caiva provāca sa narādhipaḥ

Als jene Schlangen, in der Verkleidung von Asketen, gegangen waren, sprach jener Herrscher der Menschen zu seinen Ministern und Freunden:

Wort für Wort
gateṣu teṣu nāgeṣu tāpasacchadmarūpiṣu | amātyān suhṛdaś caiva provāca sa narādhipaḥ
Als jene Schlangen, in der Verkleidung von Asketen, gegangen waren, sprach jener Herrscher der Menschen zu seinen Ministern und Freunden:

bhakṣayantu bhavanto vai svādūnīmāni sarvaśaḥ | tāpasair upanītāni phalāni sahitā mayā

„Möget ihr alle diese wohlschmeckenden Früchte, die von den Asketen dargebracht wurden, zusammen mit mir ganz und gar verzehren.“

Wort für Wort
bhakṣayantu bhavanto vai svādūnīmāni sarvaśaḥ | tāpasair upanītāni phalāni sahitā mayā
„Möget ihr alle diese wohlschmeckenden Früchte, die von den Asketen dargebracht wurden, zusammen mit mir ganz und gar verzehren.“

tato rājā sasacivaḥ phalāny ādātum aicchata | yad gṛhītaṃ phalaṃ rājñā tatra kṛmir abhūd aṇuḥ | hrasvakaḥ kṛṣṇanayanas tāmro varṇena śaunaka

Da wollte der König mit seinen Ministern die Früchte nehmen; in der Frucht, die der König ergriff, war da ein winziger Wurm, klein, mit schwarzen Augen, von kupferroter Farbe, o Śaunaka.

Wort für Wort
tato rājā sasacivaḥ phalāny ādātum aicchata | yad gṛhītaṃ phalaṃ rājñā tatra kṛmir abhūd aṇuḥ | hrasvakaḥ kṛṣṇanayanas tāmro varṇena śaunaka
Da wollte der König mit seinen Ministern die Früchte nehmen; in der Frucht, die der König ergriff, war da ein winziger Wurm, klein, mit schwarzen Augen, von kupferroter Farbe, o Śaunaka.

sa taṃ gṛhya nṛpaśreṣṭhaḥ sacivān idam abravīt | astam abhyeti savitā viṣād adya na me bhayam

Ihn ergreifend, sprach der beste der Könige zu seinen Ministern dies: „Die Sonne geht gleich unter; vor Gift habe ich heute keine Furcht mehr —

Wort für Wort
sa taṃ gṛhya nṛpaśreṣṭhaḥ sacivān idam abravīt | astam abhyeti savitā viṣād adya na me bhayam
Ihn ergreifend, sprach der beste der Könige zu seinen Ministern dies: „Die Sonne geht gleich unter; vor Gift habe ich heute keine Furcht mehr —

satyavāg astu sa muniḥ kṛmiko māṃ daśatv ayam | takṣako nāma bhūtvā vai tathā parihṛtaṃ bhavet

möge jener Muni wahrhaftig gewesen sein: dieser Wurm soll mich beißen und dabei gleichsam Takṣaka sein — so wird der Fluch abgewendet sein.“

Wort für Wort
satyavāg astu sa muniḥ kṛmiko māṃ daśatv ayam | takṣako nāma bhūtvā vai tathā parihṛtaṃ bhavet
möge jener Muni wahrhaftig gewesen sein: dieser Wurm soll mich beißen und dabei gleichsam Takṣaka sein — so wird der Fluch abgewendet sein.“

te cainam anvavartanta mantriṇaḥ kālacoditāḥ | evam uktvā sa rājendro grīvāyāṃ saṃniveśya ha | kṛmikaṃ prāhasat tūrṇaṃ mumūrṣur naṣṭacetanaḥ

Und die Minister, vom Schicksal getrieben, stimmten ihm bei; nachdem er so gesprochen hatte, setzte jener König der Könige den Wurm an seinen Nacken und lachte rasch, schon dem Tode nahe, seiner Sinne beraubt.

Wort für Wort
te cainam anvavartanta mantriṇaḥ kālacoditāḥ | evam uktvā sa rājendro grīvāyāṃ saṃniveśya ha | kṛmikaṃ prāhasat tūrṇaṃ mumūrṣur naṣṭacetanaḥ
Und die Minister, vom Schicksal getrieben, stimmten ihm bei; nachdem er so gesprochen hatte, setzte jener König der Könige den Wurm an seinen Nacken und lachte rasch, schon dem Tode nahe, seiner Sinne beraubt.

hasann eva ca bhogena takṣakeṇābhiveṣṭitaḥ | tasmāt phalād viniṣkramya yat tad rājñe niveditam

Noch lachend wurde er von den Windungen Takṣakas umschlungen, der aus jener Frucht hervorgekommen war — Takṣaka, der dem König so [zuvor durch Kāśyapas Worte] angekündigt worden war.

Wort für Wort
hasann eva ca bhogena takṣakeṇābhiveṣṭitaḥ | tasmāt phalād viniṣkramya yat tad rājñe niveditam
Noch lachend wurde er von den Windungen Takṣakas umschlungen, der aus jener Frucht hervorgekommen war — Takṣaka, der dem König so [zuvor durch Kāśyapas Worte] angekündigt worden war.

[Anm.: Adhyāya 39 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei. Damit stirbt König Parikṣit durch Takṣakas Biss, wie von Śṛṅgin verflucht und von Kāśyapa vorausgesehen — das auslösende Ereignis für Janamejayas Sarpasatra, den Rahmen der gesamten Erzählung.]

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