Kapitel 39: Āstīka-parva (Fortsetzung): Kāśyapas Bestechung und Parikṣits Tod
Āstīka-parva (Fortsetzung): Takṣaka prüft Kāśyapas Heilkunst am Feigenbaum, besticht ihn zur Umkehr, und tötet König Parikṣit listig durch einen in einer Frucht verborgenen Wurm — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)
Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,039.001“ bis „01,039.033“). Takṣaka fordert Kāśyapa auf, einen von ihm verbrannten Baum wiederzubeleben, um seine Heilkunst zu erproben; Kāśyapa gelingt dies mühelos. Beeindruckt bietet Takṣaka ihm mehr Reichtum, als der König geben könnte, wenn er umkehrt — Kāśyapa, der mit göttlichem Wissen erkennt, dass Parikṣits Lebenszeit ohnehin erschöpft ist, nimmt das Angebot an und kehrt um. Takṣaka täuscht darauf die königlichen Wachen mit als Asketen verkleideten Schlangen, die dem König Früchte darbringen; in einer davon verbirgt sich ein winziger Wurm — Takṣaka selbst. Der König, in der Hoffnung, den Fluch durch den harmlos scheinenden Wurm zu erfüllen und damit abzuwenden, lässt sich beißen und stirbt, als sich der Wurm in Takṣakas wahre Gestalt verwandelt. Damit erfüllt sich Śṛṅgins Fluch. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.
Takṣaka sprach: „Wenn du, von mir hier gebissen, etwas zu heilen imstande wärst — dann belebe diesen Baum wieder, den ich gleich beißen werde, Kāśyapa.
Takṣaka sprach: „Wenn du, von mir hier gebissen, etwas zu heilen imstande wärst — dann belebe diesen Baum wieder, den ich gleich beißen werde, Kāśyapa.
paraṃ mantrabalaṃ yat te tad darśaya yatasva ca | nyagrodham enaṃ dhakṣyāmi paśyatas te dvijottama
Zeige jene höchste Kraft deiner Zaubersprüche und bemühe dich; diesen Feigenbaum werde ich verbrennen, vor deinen Augen, o Bester der Zweifachgeborenen.“
Wort für Wort
paraṃ mantrabalaṃ yat te tad darśaya yatasva ca | nyagrodham enaṃ dhakṣyāmi paśyatas te dvijottama
Zeige jene höchste Kraft deiner Zaubersprüche und bemühe dich; diesen Feigenbaum werde ich verbrennen, vor deinen Augen, o Bester der Zweifachgeborenen.“
taṃ dagdhvā sa nagaṃ nāgaḥ kāśyapaṃ punar abravīt | kuru yatnaṃ dvijaśreṣṭha jīvayainaṃ vanaspatim
Nachdem er jenen Baum verbrannt hatte, sprach die Schlange wieder zu Kāśyapa: „Bemühe dich, Bester der Zweifachgeborenen, belebe diesen Baumherrn wieder!“
Wort für Wort
taṃ dagdhvā sa nagaṃ nāgaḥ kāśyapaṃ punar abravīt | kuru yatnaṃ dvijaśreṣṭha jīvayainaṃ vanaspatim
Nachdem er jenen Baum verbrannt hatte, sprach die Schlange wieder zu Kāśyapa: „Bemühe dich, Bester der Zweifachgeborenen, belebe diesen Baumherrn wieder!“
viprendra yad viṣaṃ hanyā mama vā madvidhasya vā | kaṃ tvam artham abhiprepsur yāsi tatra tapodhana
o Bester der Weisen, dass du das Gift von mir oder eines Meinesgleichen zunichtemachen kannst. Welches Ziel begehrst du zu erlangen, o Asketenreicher, dass du dorthin gehst?
Wort für Wort
viprendra yad viṣaṃ hanyā mama vā madvidhasya vā | kaṃ tvam artham abhiprepsur yāsi tatra tapodhana
o Bester der Weisen, dass du das Gift von mir oder eines Meinesgleichen zunichtemachen kannst. Welches Ziel begehrst du zu erlangen, o Asketenreicher, dass du dorthin gehst?
vipraśāpābhibhūte ca kṣīṇāyuṣi narādhipe | ghaṭamānasya te vipra siddhiḥ saṃśayitā bhavet
Denn bei einem Herrscher der Menschen, der vom Fluch eines Brahmanen überwältigt und dessen Lebenszeit erschöpft ist, wäre der Erfolg deines Bemühens, o Weiser, zweifelhaft.
Wort für Wort
vipraśāpābhibhūte ca kṣīṇāyuṣi narādhipe | ghaṭamānasya te vipra siddhiḥ saṃśayitā bhavet
Denn bei einem Herrscher der Menschen, der vom Fluch eines Brahmanen überwältigt und dessen Lebenszeit erschöpft ist, wäre der Erfolg deines Bemühens, o Weiser, zweifelhaft.
kāśyapa uvāca | dhanārthī yāmy ahaṃ tatra tan me ditsa bhujaṃgama | tato 'haṃ vinivartiṣye gṛhāyoragasattama
Kāśyapa sprach: „Aus Verlangen nach Reichtum gehe ich dorthin; gib mir dieses, Schlangenwesen — dann werde ich nach Hause umkehren, Bester der Schlangen.“
Wort für Wort
kāśyapa uvāca | dhanārthī yāmy ahaṃ tatra tan me ditsa bhujaṃgama | tato 'haṃ vinivartiṣye gṛhāyoragasattama
Kāśyapa sprach: „Aus Verlangen nach Reichtum gehe ich dorthin; gib mir dieses, Schlangenwesen — dann werde ich nach Hause umkehren, Bester der Schlangen.“
Sūta sprach: Als er Takṣakas Wort gehört hatte, überlegte Kāśyapa, der Beste der Zweifachgeborenen, von überaus großem Glanz, der Kluge, hinsichtlich des Königs.
Sūta sprach: Als er Takṣakas Wort gehört hatte, überlegte Kāśyapa, der Beste der Zweifachgeborenen, von überaus großem Glanz, der Kluge, hinsichtlich des Königs.
Er, von göttlichem Wissen, der Glanzvolle, erkannte da, dass jener König, der Pāṇḍava-Nachkomme, am Ende seiner Lebenszeit war; und Kāśyapa, der beste der Munis, kehrte um, nachdem er von Takṣaka den Reichtum erhalten hatte, so viel er begehrte.
Er, von göttlichem Wissen, der Glanzvolle, erkannte da, dass jener König, der Pāṇḍava-Nachkomme, am Ende seiner Lebenszeit war; und Kāśyapa, der beste der Munis, kehrte um, nachdem er von Takṣaka den Reichtum erhalten hatte, so viel er begehrte.
Nachdem jener hochgesinnte Kāśyapa zur rechten Zeit umgekehrt war, ging Takṣaka eilends zur Stadt, die den Namen des Elefanten trägt.
[Anm.: „Nāgasāhvaya“ („nach dem Elefanten benannt“) ist wie „Gajāhvaya“ (s. Adhyāya 37) ein weiteres Epitheton Hastināpuras; hier bedeutet „nāga“ nicht „Schlange“, sondern „Elefant“ – nicht zu verwechseln mit den Schlangenwesen (ebenfalls „nāga“) der Rahmenerzählung.]
Takṣaka sprach: „Geht ihr unbesorgt, mit scheinbar triftigem Anliegen, um den König dazu zu bringen, die sogenannten Früchte, Blätter und Wasser anzunehmen.“
Takṣaka sprach: „Geht ihr unbesorgt, mit scheinbar triftigem Anliegen, um den König dazu zu bringen, die sogenannten Früchte, Blätter und Wasser anzunehmen.“
tac ca sarvaṃ sa rājendraḥ pratijagrāha vīryavān | kṛtvā ca teṣāṃ kāryāṇi gamyatām ity uvāca tān
Und all dies nahm jener König der Könige, der Kraftvolle, an; und nachdem er ihre Anliegen erledigt hatte, sprach er zu ihnen: „Ihr möget wieder gehen.“
Wort für Wort
tac ca sarvaṃ sa rājendraḥ pratijagrāha vīryavān | kṛtvā ca teṣāṃ kāryāṇi gamyatām ity uvāca tān
Und all dies nahm jener König der Könige, der Kraftvolle, an; und nachdem er ihre Anliegen erledigt hatte, sprach er zu ihnen: „Ihr möget wieder gehen.“
tato rājā sasacivaḥ phalāny ādātum aicchata | yad gṛhītaṃ phalaṃ rājñā tatra kṛmir abhūd aṇuḥ | hrasvakaḥ kṛṣṇanayanas tāmro varṇena śaunaka
Da wollte der König mit seinen Ministern die Früchte nehmen; in der Frucht, die der König ergriff, war da ein winziger Wurm, klein, mit schwarzen Augen, von kupferroter Farbe, o Śaunaka.
Wort für Wort
tato rājā sasacivaḥ phalāny ādātum aicchata | yad gṛhītaṃ phalaṃ rājñā tatra kṛmir abhūd aṇuḥ | hrasvakaḥ kṛṣṇanayanas tāmro varṇena śaunaka
Da wollte der König mit seinen Ministern die Früchte nehmen; in der Frucht, die der König ergriff, war da ein winziger Wurm, klein, mit schwarzen Augen, von kupferroter Farbe, o Śaunaka.
te cainam anvavartanta mantriṇaḥ kālacoditāḥ | evam uktvā sa rājendro grīvāyāṃ saṃniveśya ha | kṛmikaṃ prāhasat tūrṇaṃ mumūrṣur naṣṭacetanaḥ
Und die Minister, vom Schicksal getrieben, stimmten ihm bei; nachdem er so gesprochen hatte, setzte jener König der Könige den Wurm an seinen Nacken und lachte rasch, schon dem Tode nahe, seiner Sinne beraubt.
Wort für Wort
te cainam anvavartanta mantriṇaḥ kālacoditāḥ | evam uktvā sa rājendro grīvāyāṃ saṃniveśya ha | kṛmikaṃ prāhasat tūrṇaṃ mumūrṣur naṣṭacetanaḥ
Und die Minister, vom Schicksal getrieben, stimmten ihm bei; nachdem er so gesprochen hatte, setzte jener König der Könige den Wurm an seinen Nacken und lachte rasch, schon dem Tode nahe, seiner Sinne beraubt.
hasann eva ca bhogena takṣakeṇābhiveṣṭitaḥ | tasmāt phalād viniṣkramya yat tad rājñe niveditam
Noch lachend wurde er von den Windungen Takṣakas umschlungen, der aus jener Frucht hervorgekommen war — Takṣaka, der dem König so [zuvor durch Kāśyapas Worte] angekündigt worden war.
Wort für Wort
hasann eva ca bhogena takṣakeṇābhiveṣṭitaḥ | tasmāt phalād viniṣkramya yat tad rājñe niveditam
Noch lachend wurde er von den Windungen Takṣakas umschlungen, der aus jener Frucht hervorgekommen war — Takṣaka, der dem König so [zuvor durch Kāśyapas Worte] angekündigt worden war.
[Anm.: Adhyāya 39 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei. Damit stirbt König Parikṣit durch Takṣakas Biss, wie von Śṛṅgin verflucht und von Kāśyapa vorausgesehen — das auslösende Ereignis für Janamejayas Sarpasatra, den Rahmen der gesamten Erzählung.]