Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 67: Śakuntalopākhyānam (3) Die Erzählung von Śakuntalā (3): Die Gāndharva-Ehe

Duḥṣanta wirbt um Śakuntalā und erklärt ihr die acht Ehearten des Dharma, insbesondere die für Kṣatriyas zulässige Gāndharva-Ehe. Śakuntalā stimmt unter der Bedingung zu, dass ihr Sohn Kronprinz werde; die Ehe wird vollzogen, Duḥṣanta zieht fort. Kaṇva kehrt zurück, erkennt alles mit seinem göttlichen Auge, heißt die Verbindung gut und weissagt einen mächtigen, weltherrschenden Sohn.

duḥṣanta uvāca suvyaktaṃ rājaputrī tvaṃ yathā kalyāṇi bhāṣase bhāryā me bhava suśroṇi brūhi kiṃ karavāṇi te

Duḥṣanta sprach: »Ganz offenkundig bist du eine Königstochter, wie du sprichst, du Holde. Sei meine Gattin, du Schönhüftige - sprich, was soll ich für dich tun?

Wort für Wort
duḥṣanta uvāca suvyaktaṃ rājaputrī tvaṃ yathā kalyāṇi bhāṣase bhāryā me bhava suśroṇi brūhi kiṃ karavāṇi te
Duḥṣanta sprach: »Ganz offenkundig bist du eine Königstochter, wie du sprichst, du Holde. Sei meine Gattin, du Schönhüftige - sprich, was soll ich für dich tun?

suvarṇamālā vāsāṃsi kuṇḍale parihāṭake nānāpattanaje śubhre maṇiratne ca śobhane

Goldene Ketten, Gewänder, fein gefasste Ohrringe, aus mancherlei Städten stammend, glänzend, mit Juwelen und Edelsteinen, du Schöne,

Wort für Wort
suvarṇamālā vāsāṃsi kuṇḍale parihāṭake nānāpattanaje śubhre maṇiratne ca śobhane
Goldene Ketten, Gewänder, fein gefasste Ohrringe, aus mancherlei Städten stammend, glänzend, mit Juwelen und Edelsteinen, du Schöne,

āharāmi tavādyāhaṃ niṣkādīny ajināni ca sarvaṃ rājyaṃ tavādyāstu bhāryā me bhava śobhane

bringe ich dir heute, sowie Goldmünzen und Fellgewänder; das ganze Königreich soll heute dein sein - sei meine Gattin, du Schöne.

Wort für Wort
āharāmi tavādyāhaṃ niṣkādīny ajināni ca sarvaṃ rājyaṃ tavādyāstu bhāryā me bhava śobhane
bringe ich dir heute, sowie Goldmünzen und Fellgewänder; das ganze Königreich soll heute dein sein - sei meine Gattin, du Schöne.

gāndharveṇa ca māṃ bhīru vivāhenaihi sundari vivāhānāṃ hi rambhoru gāndharvaḥ śreṣṭha ucyate

Und durch die Gāndharva-Ehe, du Furchtsame, komm zu mir, du Liebliche; denn unter den Ehearten, du Schönschenklige, gilt die Gāndharva-Ehe als die vorzüglichste.«

Wort für Wort
gāndharveṇa ca māṃ bhīru vivāhenaihi sundari vivāhānāṃ hi rambhoru gāndharvaḥ śreṣṭha ucyate
Und durch die Gāndharva-Ehe, du Furchtsame, komm zu mir, du Liebliche; denn unter den Ehearten, du Schönschenklige, gilt die Gāndharva-Ehe als die vorzüglichste.«

śakuntalovāca phalāhāro gato rājan pitā me ita āśramāt taṃ muhūrtaṃ pratīkṣasva sa māṃ tubhyaṃ pradāsyati

Śakuntalā sprach: »Mein Vater, o König, ist von hier zur Einsiedelei gegangen, um Früchte zu holen; warte einen Augenblick auf ihn, er wird mich dir geben.«

Wort für Wort
śakuntalovāca phalāhāro gato rājan pitā me ita āśramāt taṃ muhūrtaṃ pratīkṣasva sa māṃ tubhyaṃ pradāsyati
Śakuntalā sprach: »Mein Vater, o König, ist von hier zur Einsiedelei gegangen, um Früchte zu holen; warte einen Augenblick auf ihn, er wird mich dir geben.«

duḥṣanta uvāca icchāmi tvāṃ varārohe bhajamānām anindite tvadarthaṃ māṃ sthitaṃ viddhi tvadgataṃ hi mano mama

Duḥṣanta sprach: »Ich begehre dich, du Schönhüftige, Untadelige, dich mir zugetan zu wissen; wisse, dass ich um deinetwillen hier verweile, denn mein Herz ist zu dir gegangen.

Wort für Wort
duḥṣanta uvāca icchāmi tvāṃ varārohe bhajamānām anindite tvadarthaṃ māṃ sthitaṃ viddhi tvadgataṃ hi mano mama
Duḥṣanta sprach: »Ich begehre dich, du Schönhüftige, Untadelige, dich mir zugetan zu wissen; wisse, dass ich um deinetwillen hier verweile, denn mein Herz ist zu dir gegangen.

ātmano bandhur ātmaiva gatir ātmaiva cātmanaḥ ātmanaivātmano dānaṃ kartum arhasi dharmataḥ

Der eigene Freund ist man sich selbst, die eigene Zuflucht ist man sich selbst; die Verfügung über sich selbst durch sich selbst zu treffen, geziemt sich nach dem Dharma.

Wort für Wort
ātmano bandhur ātmaiva gatir ātmaiva cātmanaḥ ātmanaivātmano dānaṃ kartum arhasi dharmataḥ
Der eigene Freund ist man sich selbst, die eigene Zuflucht ist man sich selbst; die Verfügung über sich selbst durch sich selbst zu treffen, geziemt sich nach dem Dharma.

aṣṭāv eva samāsena vivāhā dharmataḥ smṛtāḥ brāhmo daivas tathaivārṣaḥ prājāpatyas tathāsuraḥ

Acht Arten der Ehe werden zusammengefasst nach dem Dharma überliefert: die Brahma-Ehe, die Daiva-Ehe, ebenso die Ārṣa-Ehe, die Prājāpatya-Ehe, sowie die Āsura-Ehe,

Wort für Wort
aṣṭāv eva samāsena vivāhā dharmataḥ smṛtāḥ brāhmo daivas tathaivārṣaḥ prājāpatyas tathāsuraḥ
Acht Arten der Ehe werden zusammengefasst nach dem Dharma überliefert: die Brahma-Ehe, die Daiva-Ehe, ebenso die Ārṣa-Ehe, die Prājāpatya-Ehe, sowie die Āsura-Ehe,

gāndharvo rākṣasaś caiva paiśācaś cāṣṭamaḥ smṛtaḥ teṣāṃ dharmān yathāpūrvaṃ manuḥ svāyaṃbhuvo 'bravīt

die Gāndharva- und die Rākṣasa-Ehe, und als achte gilt die Paiśāca-Ehe. Deren Rechtmäßigkeiten hat, wie einst, Manu Svāyaṃbhuva verkündet.

Wort für Wort
gāndharvo rākṣasaś caiva paiśācaś cāṣṭamaḥ smṛtaḥ teṣāṃ dharmān yathāpūrvaṃ manuḥ svāyaṃbhuvo 'bravīt
die Gāndharva- und die Rākṣasa-Ehe, und als achte gilt die Paiśāca-Ehe. Deren Rechtmäßigkeiten hat, wie einst, Manu Svāyaṃbhuva verkündet.

praśastāṃś caturaḥ pūrvān brāhmaṇasyopadhāraya ṣaḍ ānupūrvyā kṣatrasya viddhi dharmyān anindite

Die vier zuerst genannten gelten als für den Brahmanen empfohlen; die sechs, der Reihe nach, sollst du als für den Kṣatriya rechtmäßig wissen, du Untadelige.

Wort für Wort
praśastāṃś caturaḥ pūrvān brāhmaṇasyopadhāraya ṣaḍ ānupūrvyā kṣatrasya viddhi dharmyān anindite
Die vier zuerst genannten gelten als für den Brahmanen empfohlen; die sechs, der Reihe nach, sollst du als für den Kṣatriya rechtmäßig wissen, du Untadelige.

rājñāṃ tu rākṣaso 'py ukto viṭśūdreṣv āsuraḥ smṛtaḥ pañcānāṃ tu trayo dharmyā dvāv adharmyau smṛtāv iha

Für Könige gilt auch die Rākṣasa-Ehe als erlaubt, für Vaiśyas und Śūdras die Āsura-Ehe; von den fünf übrigen sind drei rechtmäßig, zwei gelten hier als unrechtmäßig -

Wort für Wort
rājñāṃ tu rākṣaso 'py ukto viṭśūdreṣv āsuraḥ smṛtaḥ pañcānāṃ tu trayo dharmyā dvāv adharmyau smṛtāv iha
Für Könige gilt auch die Rākṣasa-Ehe als erlaubt, für Vaiśyas und Śūdras die Āsura-Ehe; von den fünf übrigen sind drei rechtmäßig, zwei gelten hier als unrechtmäßig -

paiśācaś cāsuraś caiva na kartavyau kathaṃ cana anena vidhinā kāryo dharmasyaiṣā gatiḥ smṛtā

die Paiśāca- und die Āsura-Ehe dürfen keinesfalls vollzogen werden; nach dieser Regel soll gehandelt werden, so lautet die Überlieferung des Dharma.

Wort für Wort
paiśācaś cāsuraś caiva na kartavyau kathaṃ cana anena vidhinā kāryo dharmasyaiṣā gatiḥ smṛtā
die Paiśāca- und die Āsura-Ehe dürfen keinesfalls vollzogen werden; nach dieser Regel soll gehandelt werden, so lautet die Überlieferung des Dharma.

gāndharvarākṣasau kṣatre dharmyau tau mā viśaṅkithāḥ pṛthag vā yadi vā miśrau kartavyau nātra saṃśayaḥ

Die Gāndharva- und die Rākṣasa-Ehe sind für den Kṣatriya rechtmäßig - daran sollst du nicht zweifeln - ob einzeln oder gemischt vollzogen, ohne Zweifel.

Wort für Wort
gāndharvarākṣasau kṣatre dharmyau tau mā viśaṅkithāḥ pṛthag vā yadi vā miśrau kartavyau nātra saṃśayaḥ
Die Gāndharva- und die Rākṣasa-Ehe sind für den Kṣatriya rechtmäßig - daran sollst du nicht zweifeln - ob einzeln oder gemischt vollzogen, ohne Zweifel.

sā tvaṃ mama sakāmasya sakāmā varavarṇini gāndharveṇa vivāhena bhāryā bhavitum arhasi

Du also, für mich, der ich Verlangen trage, sollst du selbst Verlangen tragend, du Schöne, durch die Gāndharva-Ehe meine Gattin werden.«

Wort für Wort
sā tvaṃ mama sakāmasya sakāmā varavarṇini gāndharveṇa vivāhena bhāryā bhavitum arhasi
Du also, für mich, der ich Verlangen trage, sollst du selbst Verlangen tragend, du Schöne, durch die Gāndharva-Ehe meine Gattin werden.«

śakuntalovāca yadi dharmapathas tv eṣa yadi cātmā prabhur mama pradāne pauravaśreṣṭha śṛṇu me samayaṃ prabho

Śakuntalā sprach: »Wenn dies der Pfad des Dharma ist, und wenn ich selbst Herrin über meine Vergabe bin, o Bester der Pauravas, so höre meine Bedingung, o Herr.

Wort für Wort
śakuntalovāca yadi dharmapathas tv eṣa yadi cātmā prabhur mama pradāne pauravaśreṣṭha śṛṇu me samayaṃ prabho
Śakuntalā sprach: »Wenn dies der Pfad des Dharma ist, und wenn ich selbst Herrin über meine Vergabe bin, o Bester der Pauravas, so höre meine Bedingung, o Herr.

satyaṃ me pratijānīhi yat tvāṃ vakṣyāmy ahaṃ rahaḥ mama jāyeta yaḥ putraḥ sa bhavet tvadanantaram

Versprich mir wahrhaftig, was ich dir im Geheimen sagen will: Welcher Sohn mir geboren wird, der soll dein Nachfolger werden,

Wort für Wort
satyaṃ me pratijānīhi yat tvāṃ vakṣyāmy ahaṃ rahaḥ mama jāyeta yaḥ putraḥ sa bhavet tvadanantaram
Versprich mir wahrhaftig, was ich dir im Geheimen sagen will: Welcher Sohn mir geboren wird, der soll dein Nachfolger werden,

yuvarājo mahārāja satyam etad bravīhi me yady etad evaṃ duḥṣanta astu me saṃgamas tvayā

der Kronprinz, o Großkönig; sag mir dies wahrhaftig zu. Wenn dies so ist, Duḥṣanta, dann sei die Vereinigung mit dir mein.«

Wort für Wort
yuvarājo mahārāja satyam etad bravīhi me yady etad evaṃ duḥṣanta astu me saṃgamas tvayā
der Kronprinz, o Großkönig; sag mir dies wahrhaftig zu. Wenn dies so ist, Duḥṣanta, dann sei die Vereinigung mit dir mein.«

vaiśaṃpāyana uvāca evam astv iti tāṃ rājā pratyuvācāvicārayan api ca tvāṃ nayiṣyāmi nagaraṃ svaṃ śucismite yathā tvam arhā suśroṇi satyam etad bravīmi te

Vaiśaṃpāyana sprach: »So sei es« - antwortete ihr der König, ohne zu zögern; »und ich werde dich auch in meine eigene Stadt führen, du mit dem reinen Lächeln, wie es dir geziemt, du Schönhüftige - dies sage ich dir wahrhaftig.«

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca evam astv iti tāṃ rājā pratyuvācāvicārayan api ca tvāṃ nayiṣyāmi nagaraṃ svaṃ śucismite yathā tvam arhā suśroṇi satyam etad bravīmi te
Vaiśaṃpāyana sprach: »So sei es« - antwortete ihr der König, ohne zu zögern; »und ich werde dich auch in meine eigene Stadt führen, du mit dem reinen Lächeln, wie es dir geziemt, du Schönhüftige - dies sage ich dir wahrhaftig.«

evam uktvā sa rājarṣis tām aninditagāminīm jagrāha vidhivat pāṇāv uvāsa ca tayā saha

Nachdem er dies gesagt hatte, ergriff jener Königsweise ihre, der mit untadeligem Gang, Hand nach der Vorschrift und weilte mit ihr zusammen.

Wort für Wort
evam uktvā sa rājarṣis tām aninditagāminīm jagrāha vidhivat pāṇāv uvāsa ca tayā saha
Nachdem er dies gesagt hatte, ergriff jener Königsweise ihre, der mit untadeligem Gang, Hand nach der Vorschrift und weilte mit ihr zusammen.

viśvāsya caināṃ sa prāyād abravīc ca punaḥ punaḥ preṣayiṣye tavārthāya vāhinīṃ caturaṅgiṇīm tayā tvām ānayiṣyāmi nivāsaṃ svaṃ śucismite

Nachdem er sie beruhigt hatte, zog er fort und sprach immer wieder: »Ich werde dir zuliebe ein viergliedriges Heer entsenden; mit ihm werde ich dich in meine eigene Wohnstatt holen, du mit dem reinen Lächeln.«

Wort für Wort
viśvāsya caināṃ sa prāyād abravīc ca punaḥ punaḥ preṣayiṣye tavārthāya vāhinīṃ caturaṅgiṇīm tayā tvām ānayiṣyāmi nivāsaṃ svaṃ śucismite
Nachdem er sie beruhigt hatte, zog er fort und sprach immer wieder: »Ich werde dir zuliebe ein viergliedriges Heer entsenden; mit ihm werde ich dich in meine eigene Wohnstatt holen, du mit dem reinen Lächeln.«

iti tasyāḥ pratiśrutya sa nṛpo janamejaya manasā cintayan prāyāt kāśyapaṃ prati pārthivaḥ

Nachdem er ihr dies versprochen hatte, o Janamejaya, zog der König, in Gedanken versunken, fort, zum Gebiet des Kāśyapa (Kaṇva) hin.

Wort für Wort
iti tasyāḥ pratiśrutya sa nṛpo janamejaya manasā cintayan prāyāt kāśyapaṃ prati pārthivaḥ
Nachdem er ihr dies versprochen hatte, o Janamejaya, zog der König, in Gedanken versunken, fort, zum Gebiet des Kāśyapa (Kaṇva) hin.

bhagavāṃs tapasā yuktaḥ śrutvā kiṃ nu kariṣyati evaṃ saṃcintayann eva praviveśa svakaṃ puram

›Was wird wohl der Erhabene, mit Askese ausgestattet, tun, wenn er davon hört?‹ - so nachdenkend, betrat er seine eigene Stadt.

Wort für Wort
bhagavāṃs tapasā yuktaḥ śrutvā kiṃ nu kariṣyati evaṃ saṃcintayann eva praviveśa svakaṃ puram
›Was wird wohl der Erhabene, mit Askese ausgestattet, tun, wenn er davon hört?‹ - so nachdenkend, betrat er seine eigene Stadt.

muhūrtayāte tasmiṃs tu kaṇvo 'py āśramam āgamat śakuntalā ca pitaraṃ hriyā nopajagāma tam

Als eine Weile vergangen war, kam auch Kaṇva zur Einsiedelei zurück; und Śakuntalā trat ihm aus Scham nicht entgegen.

Wort für Wort
muhūrtayāte tasmiṃs tu kaṇvo 'py āśramam āgamat śakuntalā ca pitaraṃ hriyā nopajagāma tam
Als eine Weile vergangen war, kam auch Kaṇva zur Einsiedelei zurück; und Śakuntalā trat ihm aus Scham nicht entgegen.

vijñāyātha ca tāṃ kaṇvo divyajñāno mahātapāḥ uvāca bhagavān prītaḥ paśyan divyena cakṣuṣā

Da erkannte Kaṇva, der von Askese Erfüllte, göttlicher Erkenntnis Mächtige, alles; erfreut sprach der Erhabene, es mit dem göttlichen Auge erblickend:

Wort für Wort
vijñāyātha ca tāṃ kaṇvo divyajñāno mahātapāḥ uvāca bhagavān prītaḥ paśyan divyena cakṣuṣā
Da erkannte Kaṇva, der von Askese Erfüllte, göttlicher Erkenntnis Mächtige, alles; erfreut sprach der Erhabene, es mit dem göttlichen Auge erblickend:

tvayādya rājānvayayā mām anādṛtya yatkṛtaḥ puṃsā saha samāyogo na sa dharmopaghātakaḥ

»Was du heute getan hast, ohne mich, den König betreffend, zu missachten - die Vereinigung mit einem Mann, die du vollzogen hast, ist kein Verstoß gegen den Dharma.

Wort für Wort
tvayādya rājānvayayā mām anādṛtya yatkṛtaḥ puṃsā saha samāyogo na sa dharmopaghātakaḥ
»Was du heute getan hast, ohne mich, den König betreffend, zu missachten - die Vereinigung mit einem Mann, die du vollzogen hast, ist kein Verstoß gegen den Dharma.

kṣatriyasya hi gāndharvo vivāhaḥ śreṣṭha ucyate sakāmāyāḥ sakāmena nirmantro rahasi smṛtaḥ

Denn für den Kṣatriya gilt die Gāndharva-Ehe als die vorzüglichste; ohne förmliche Zeremonie, im Geheimen zwischen zwei Verlangenden, wird sie überliefert.

Wort für Wort
kṣatriyasya hi gāndharvo vivāhaḥ śreṣṭha ucyate sakāmāyāḥ sakāmena nirmantro rahasi smṛtaḥ
Denn für den Kṣatriya gilt die Gāndharva-Ehe als die vorzüglichste; ohne förmliche Zeremonie, im Geheimen zwischen zwei Verlangenden, wird sie überliefert.

dharmātmā ca mahātmā ca duḥṣantaḥ puruṣottamaḥ abhyagacchaḥ patiṃ yaṃ tvaṃ bhajamānaṃ śakuntale

Der rechtschaffene, hochgesinnte Duḥṣanta, der Beste der Männer, ihn hast du zum Gatten genommen, dich ihm zuwendend, o Śakuntalā.

Wort für Wort
dharmātmā ca mahātmā ca duḥṣantaḥ puruṣottamaḥ abhyagacchaḥ patiṃ yaṃ tvaṃ bhajamānaṃ śakuntale
Der rechtschaffene, hochgesinnte Duḥṣanta, der Beste der Männer, ihn hast du zum Gatten genommen, dich ihm zuwendend, o Śakuntalā.

mahātmā janitā loke putras tava mahābalaḥ ya imāṃ sāgarāpāṅgāṃ kṛtsnāṃ bhokṣyati medinīm

Ein hochgesinnter Sohn wird dir geboren werden in der Welt, von großer Kraft, der diese ganze, vom Ozean umgürtete Erde genießen wird.

Wort für Wort
mahātmā janitā loke putras tava mahābalaḥ ya imāṃ sāgarāpāṅgāṃ kṛtsnāṃ bhokṣyati medinīm
Ein hochgesinnter Sohn wird dir geboren werden in der Welt, von großer Kraft, der diese ganze, vom Ozean umgürtete Erde genießen wird.

paraṃ cābhiprayātasya cakraṃ tasya mahātmanaḥ bhaviṣyaty apratihataṃ satataṃ cakravartinaḥ

Und sein Rad, das des Hochgesinnten, wird, wenn er auszieht, stets unaufhaltsam sein - das eines Weltenherrschers (Cakravartin).«

Wort für Wort
paraṃ cābhiprayātasya cakraṃ tasya mahātmanaḥ bhaviṣyaty apratihataṃ satataṃ cakravartinaḥ
Und sein Rad, das des Hochgesinnten, wird, wenn er auszieht, stets unaufhaltsam sein - das eines Weltenherrschers (Cakravartin).«

[Anm.: »Cakravartin« (wörtl. »der das Rad Wälzende«) bezeichnet den idealen Weltherrscher, dessen Streitwagen-Rad ungehindert bis an die Grenzen der Erde rollt.

tataḥ prakṣālya pādau sā viśrāntaṃ munim abravīt vinidhāya tato bhāraṃ saṃnidhāya phalāni ca

Danach, nachdem sie ihre Last abgestellt und die Früchte niedergelegt hatte, wusch sie dem ausgeruhten Weisen die Füße und sprach zu ihm:

Wort für Wort
tataḥ prakṣālya pādau sā viśrāntaṃ munim abravīt vinidhāya tato bhāraṃ saṃnidhāya phalāni ca
Danach, nachdem sie ihre Last abgestellt und die Früchte niedergelegt hatte, wusch sie dem ausgeruhten Weisen die Füße und sprach zu ihm:

mayā patir vṛto yo 'sau duḥṣantaḥ puruṣottamaḥ tasmai sasacivāya tvaṃ prasādaṃ kartum arhasi

»Den Gatten, den ich mir erwählt habe, jenen Duḥṣanta, den Besten der Männer - ihm samt seinen Ministern sollst du deine Gnade erweisen.«

Wort für Wort
mayā patir vṛto yo 'sau duḥṣantaḥ puruṣottamaḥ tasmai sasacivāya tvaṃ prasādaṃ kartum arhasi
»Den Gatten, den ich mir erwählt habe, jenen Duḥṣanta, den Besten der Männer - ihm samt seinen Ministern sollst du deine Gnade erweisen.«

kaṇva uvāca prasanna eva tasyāhaṃ tvatkṛte varavarṇini gṛhāṇa ca varaṃ mattas tatkṛte yad abhīpsitam

Kaṇva sprach: »Ich bin ihm wohlgesonnen, deinetwegen, du Schönfarbene; empfange auch du von mir eine Gunst, was du dir wünschst, um seinetwillen.«

Wort für Wort
kaṇva uvāca prasanna eva tasyāhaṃ tvatkṛte varavarṇini gṛhāṇa ca varaṃ mattas tatkṛte yad abhīpsitam
Kaṇva sprach: »Ich bin ihm wohlgesonnen, deinetwegen, du Schönfarbene; empfange auch du von mir eine Gunst, was du dir wünschst, um seinetwillen.«

vaiśaṃpāyana uvāca tato dharmiṣṭhatāṃ vavre rājyāc cāskhalanaṃ tathā śakuntalā pauravāṇāṃ duḥṣantahitakāmyayā

Vaiśaṃpāyana sprach: »Da erwählte sich Śakuntalā Rechtschaffenheit und Unwankelmütigkeit im Königreich für die Pauravas, aus Wohlwollen für Duḥṣanta.«

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tato dharmiṣṭhatāṃ vavre rājyāc cāskhalanaṃ tathā śakuntalā pauravāṇāṃ duḥṣantahitakāmyayā
Vaiśaṃpāyana sprach: »Da erwählte sich Śakuntalā Rechtschaffenheit und Unwankelmütigkeit im Königreich für die Pauravas, aus Wohlwollen für Duḥṣanta.«

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