Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 107: Kauravotpattiḥ Die Geburt der hundert Kauravas

Vyāsa gewährt Gāndhārī hundert Söhne; ihre zweijährige, nicht endende Schwangerschaft mündet, aus Kummer über Kuntīs bereits geborenen Sohn Yudhiṣṭhira gewaltsam abgetrieben, in einen einzigen eisenharten Fleischklumpen. Vyāsa lässt ihn in hundert mit geklärter Butter gefüllte Krüge teilen, aus denen die hundert Söhne (und eine Tochter, Duḥśalā) heranreifen – Duryodhana als erster geboren, obwohl Yudhiṣṭhira der Geburtszeit nach älter ist. Schreckliche Vorzeichen bei Duryodhanas Geburt veranlassen Vidura und die Brahmanen, seine Aussetzung anzuraten; Dhṛtarāṣṭra weigert sich aus Vaterliebe. Zugleich gebiert eine Vaiśya-Dienerin dem Dhṛtarāṣṭra den Sohn Yuyutsu (Karaṇa).

vaiśaṃpāyana uvāca tataḥ putraśataṃ jajñe gāndhāryāṃ janamejaya dhṛtarāṣṭrasya vaiśyāyām ekaś cāpi śatāt paraḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf wurden Gāndhārī hundert Söhne geboren, o Janamejaya, und dem Dhṛtarāṣṭra von einer Vaiśya-Frau noch ein weiterer über die Hundert hinaus.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tataḥ putraśataṃ jajñe gāndhāryāṃ janamejaya dhṛtarāṣṭrasya vaiśyāyām ekaś cāpi śatāt paraḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf wurden Gāndhārī hundert Söhne geboren, o Janamejaya, und dem Dhṛtarāṣṭra von einer Vaiśya-Frau noch ein weiterer über die Hundert hinaus.

pāṇḍoḥ kuntyāṃ ca mādryāṃ ca pañca putrā mahārathāḥ devebhyaḥ samapadyanta saṃtānāya kulasya vai

Dem Pāṇḍu aber wurden von Kuntī und Mādrī fünf Söhne, große Wagenkämpfer, von den Göttern gezeugt, zur Fortpflanzung des Geschlechts.

Wort für Wort
pāṇḍoḥ kuntyāṃ ca mādryāṃ ca pañca putrā mahārathāḥ devebhyaḥ samapadyanta saṃtānāya kulasya vai
Dem Pāṇḍu aber wurden von Kuntī und Mādrī fünf Söhne, große Wagenkämpfer, von den Göttern gezeugt, zur Fortpflanzung des Geschlechts.

janamejaya uvāca kathaṃ putraśataṃ jajñe gāndhāryāṃ dvijasattama kiyatā caiva kālena teṣām āyuś ca kiṃ param

Janamejaya sprach: Wie wurden der Gāndhārī hundert Söhne geboren, o Bester der Zweifachgeborenen? In welcher Zeit, und was war ihre höchste Lebensspanne?

Wort für Wort
janamejaya uvāca kathaṃ putraśataṃ jajñe gāndhāryāṃ dvijasattama kiyatā caiva kālena teṣām āyuś ca kiṃ param
Janamejaya sprach: Wie wurden der Gāndhārī hundert Söhne geboren, o Bester der Zweifachgeborenen? In welcher Zeit, und was war ihre höchste Lebensspanne?

kathaṃ caikaḥ sa vaiśyāyāṃ dhṛtarāṣṭrasuto 'bhavat kathaṃ ca sadṛśīṃ bhāryāṃ gāndhārīṃ dharmacāriṇīm ānukūlye vartamānāṃ dhṛtarāṣṭro 'tyavartata

Wie wurde einer Sohn Dhṛtarāṣṭras von einer Vaiśya-Frau? Und wie kam es, dass Dhṛtarāṣṭra die ihm ebenbürtige, rechtschaffene Gattin Gāndhārī, die sich ihm stets willfährig verhielt, überging?

Wort für Wort
kathaṃ caikaḥ sa vaiśyāyāṃ dhṛtarāṣṭrasuto 'bhavat kathaṃ ca sadṛśīṃ bhāryāṃ gāndhārīṃ dharmacāriṇīm ānukūlye vartamānāṃ dhṛtarāṣṭro 'tyavartata
Wie wurde einer Sohn Dhṛtarāṣṭras von einer Vaiśya-Frau? Und wie kam es, dass Dhṛtarāṣṭra die ihm ebenbürtige, rechtschaffene Gattin Gāndhārī, die sich ihm stets willfährig verhielt, überging?

kathaṃ ca śaptasya sataḥ pāṇḍos tena mahātmanā samutpannā daivatebhyaḥ pañca putrā mahārathāḥ

Und wie wurden dem verfluchten Pāṇḍu durch jenen Hochherzigen von den Göttern fünf Söhne, große Wagenkämpfer, gezeugt?

Wort für Wort
kathaṃ ca śaptasya sataḥ pāṇḍos tena mahātmanā samutpannā daivatebhyaḥ pañca putrā mahārathāḥ
Und wie wurden dem verfluchten Pāṇḍu durch jenen Hochherzigen von den Göttern fünf Söhne, große Wagenkämpfer, gezeugt?

[Anm.: Hier wird erstmals beiläufig auf einen Fluch über Pāṇḍu angespielt, dessen genaue Umstände im bisher übersetzten Text noch nicht erzählt wurden – vermutlich Gegenstand eines der folgenden Kapitel.]

etad vidvan yathāvṛttaṃ vistareṇa tapodhana kathayasva na me tṛptiḥ kathyamāneṣu bandhuṣu

Dies, wie es sich zugetragen hat, erzähle mir ausführlich, du Kenner, du Asket; ich werde nicht satt, wenn von den Verwandten erzählt wird.'

Wort für Wort
etad vidvan yathāvṛttaṃ vistareṇa tapodhana kathayasva na me tṛptiḥ kathyamāneṣu bandhuṣu
Dies, wie es sich zugetragen hat, erzähle mir ausführlich, du Kenner, du Asket; ich werde nicht satt, wenn von den Verwandten erzählt wird.'

vaiśaṃpāyana uvāca kṣucchramābhipariglānaṃ dvaipāyanam upasthitam toṣayām āsa gāndhārī vyāsas tasyai varaṃ dadau

Vaiśaṃpāyana sprach: Den von Hunger und Erschöpfung ermatteten Dvaipāyana, der zu ihr gekommen war, stellte Gāndhārī zufrieden; und Vyāsa gewährte ihr einen Wunsch.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca kṣucchramābhipariglānaṃ dvaipāyanam upasthitam toṣayām āsa gāndhārī vyāsas tasyai varaṃ dadau
Vaiśaṃpāyana sprach: Den von Hunger und Erschöpfung ermatteten Dvaipāyana, der zu ihr gekommen war, stellte Gāndhārī zufrieden; und Vyāsa gewährte ihr einen Wunsch.

sā vavre sadṛśaṃ bhartuḥ putrāṇāṃ śatam ātmanaḥ tataḥ kālena sā garbhaṃ dhṛtarāṣṭrād athāgrahīt

Sie erbat sich, ihrem Gatten ebenbürtig, hundert Söhne für sich selbst. Danach empfing Gāndhārī, mit der Zeit, von Dhṛtarāṣṭra eine Schwangerschaft.

Wort für Wort
sā vavre sadṛśaṃ bhartuḥ putrāṇāṃ śatam ātmanaḥ tataḥ kālena sā garbhaṃ dhṛtarāṣṭrād athāgrahīt
Sie erbat sich, ihrem Gatten ebenbürtig, hundert Söhne für sich selbst. Danach empfing Gāndhārī, mit der Zeit, von Dhṛtarāṣṭra eine Schwangerschaft.

saṃvatsaradvayaṃ taṃ tu gāndhārī garbham āhitam aprajā dhārayām āsa tatas tāṃ duḥkham āviśat

Zwei Jahre lang trug Gāndhārī jene angelegte Schwangerschaft, ohne zu gebären; da überkam sie Kummer.

Wort für Wort
saṃvatsaradvayaṃ taṃ tu gāndhārī garbham āhitam aprajā dhārayām āsa tatas tāṃ duḥkham āviśat
Zwei Jahre lang trug Gāndhārī jene angelegte Schwangerschaft, ohne zu gebären; da überkam sie Kummer.

śrutvā kuntīsutaṃ jātaṃ bālārkasamatejasam udarasyātmanaḥ sthairyam upalabhyānvacintayat

Als sie hörte, dass der Sohn Kuntīs geboren war, an Glanz der aufgehenden Sonne gleich, erkannte sie die Unbeweglichkeit ihres eigenen Leibes und wurde nachdenklich.

Wort für Wort
śrutvā kuntīsutaṃ jātaṃ bālārkasamatejasam udarasyātmanaḥ sthairyam upalabhyānvacintayat
Als sie hörte, dass der Sohn Kuntīs geboren war, an Glanz der aufgehenden Sonne gleich, erkannte sie die Unbeweglichkeit ihres eigenen Leibes und wurde nachdenklich.

ajñātaṃ dhṛtarāṣṭrasya yatnena mahatā tataḥ sodaraṃ pātayām āsa gāndhārī duḥkhamūrcchitā

Ohne dass Dhṛtarāṣṭra es wusste, mit großer Mühe, ließ Gāndhārī darauf, von Kummer ohnmächtig, den Leib gewaltsam abgehen.

Wort für Wort
ajñātaṃ dhṛtarāṣṭrasya yatnena mahatā tataḥ sodaraṃ pātayām āsa gāndhārī duḥkhamūrcchitā
Ohne dass Dhṛtarāṣṭra es wusste, mit großer Mühe, ließ Gāndhārī darauf, von Kummer ohnmächtig, den Leib gewaltsam abgehen.

tato jajñe māṃsapeśī lohāṣṭhīleva saṃhatā dvivarṣasaṃbhṛtāṃ kukṣau tām utsraṣṭuṃ pracakrame

Da entstand ein Fleischklumpen, hart wie eine Eisenkugel; sie schickte sich an, jene zwei Jahre lang im Schoß getragene Masse auszustoßen.

Wort für Wort
tato jajñe māṃsapeśī lohāṣṭhīleva saṃhatā dvivarṣasaṃbhṛtāṃ kukṣau tām utsraṣṭuṃ pracakrame
Da entstand ein Fleischklumpen, hart wie eine Eisenkugel; sie schickte sich an, jene zwei Jahre lang im Schoß getragene Masse auszustoßen.

atha dvaipāyano jñātvā tvaritaḥ samupāgamat tāṃ sa māṃsamayīṃ peśīṃ dadarśa japatāṃ varaḥ

Da erkannte Dvaipāyana dies und kam eilends herbei; er, der Beste der Betenden, erblickte jenen fleischernen Klumpen.

Wort für Wort
atha dvaipāyano jñātvā tvaritaḥ samupāgamat tāṃ sa māṃsamayīṃ peśīṃ dadarśa japatāṃ varaḥ
Da erkannte Dvaipāyana dies und kam eilends herbei; er, der Beste der Betenden, erblickte jenen fleischernen Klumpen.

tato 'bravīt saubaleyīṃ kim idaṃ te cikīrṣitam sā cātmano mataṃ satyaṃ śaśaṃsa paramarṣaye

Da sprach er zur Tochter Subalas: ‚Was hast du dir hierbei vorgenommen?' Und sie berichtete dem höchsten Weisen der Wahrheit gemäß ihre eigene Absicht:

Wort für Wort
tato 'bravīt saubaleyīṃ kim idaṃ te cikīrṣitam sā cātmano mataṃ satyaṃ śaśaṃsa paramarṣaye
Da sprach er zur Tochter Subalas: ‚Was hast du dir hierbei vorgenommen?' Und sie berichtete dem höchsten Weisen der Wahrheit gemäß ihre eigene Absicht:

jyeṣṭhaṃ kuntīsutaṃ jātaṃ śrutvā ravisamaprabham duḥkhena parameṇedam udaraṃ pātitaṃ mayā

‚Als ich hörte, dass Kuntīs ältester Sohn geboren war, an Glanz der Sonne gleich, habe ich in höchstem Kummer diesen Leib zu Fall gebracht.

Wort für Wort
jyeṣṭhaṃ kuntīsutaṃ jātaṃ śrutvā ravisamaprabham duḥkhena parameṇedam udaraṃ pātitaṃ mayā
‚Als ich hörte, dass Kuntīs ältester Sohn geboren war, an Glanz der Sonne gleich, habe ich in höchstem Kummer diesen Leib zu Fall gebracht.

śataṃ ca kila putrāṇāṃ vitīrṇaṃ me tvayā purā iyaṃ ca me māṃsapeśī jātā putraśatāya vai

Hundert Söhne wurden mir doch einst von dir verheißen; und dieser Fleischklumpen ist für jene hundert Söhne entstanden.'

Wort für Wort
śataṃ ca kila putrāṇāṃ vitīrṇaṃ me tvayā purā iyaṃ ca me māṃsapeśī jātā putraśatāya vai
Hundert Söhne wurden mir doch einst von dir verheißen; und dieser Fleischklumpen ist für jene hundert Söhne entstanden.'

vyāsa uvāca evam etat saubaleyi naitaj jātv anyathā bhavet vitathaṃ noktapūrvaṃ me svaireṣv api kuto 'nyathā

Vyāsa sprach: ‚So ist es, Tochter Subalas; niemals könnte dies anders sein. Niemals zuvor habe ich Unwahres gesprochen, selbst nicht im Scherz – wieso dann jetzt anders?

Wort für Wort
vyāsa uvāca evam etat saubaleyi naitaj jātv anyathā bhavet vitathaṃ noktapūrvaṃ me svaireṣv api kuto 'nyathā
Vyāsa sprach: ‚So ist es, Tochter Subalas; niemals könnte dies anders sein. Niemals zuvor habe ich Unwahres gesprochen, selbst nicht im Scherz – wieso dann jetzt anders?

ghṛtapūrṇaṃ kuṇḍaśataṃ kṣipram eva vidhīyatām śītābhir adbhir aṣṭhīlām imāṃ ca pariṣiñcata

Rasch sollen hundert mit geklärter Butter gefüllte Krüge bereitet werden, und mit kaltem Wasser besprengt diesen Klumpen.'

Wort für Wort
ghṛtapūrṇaṃ kuṇḍaśataṃ kṣipram eva vidhīyatām śītābhir adbhir aṣṭhīlām imāṃ ca pariṣiñcata
Rasch sollen hundert mit geklärter Butter gefüllte Krüge bereitet werden, und mit kaltem Wasser besprengt diesen Klumpen.'

vaiśaṃpāyana uvāca sā sicyamānā aṣṭhīlā abhavac chatadhā tadā aṅguṣṭhaparvamātrāṇāṃ garbhāṇāṃ pṛthag eva tu

Vaiśaṃpāyana sprach: Jener besprengte Klumpen wurde da hundertfach [geteilt], zu je daumengliedgroßen Keimen, jeder für sich.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca sā sicyamānā aṣṭhīlā abhavac chatadhā tadā aṅguṣṭhaparvamātrāṇāṃ garbhāṇāṃ pṛthag eva tu
Vaiśaṃpāyana sprach: Jener besprengte Klumpen wurde da hundertfach [geteilt], zu je daumengliedgroßen Keimen, jeder für sich.

ekādhikaśataṃ pūrṇaṃ yathāyogaṃ viśāṃ pate māṃsapeśyās tadā rājan kramaśaḥ kālaparyayāt

Hundertundein an der Zahl wurden sie vollständig, o Herr der Menschen, aus dem Fleischklumpen entsprechend, o König, im Laufe der Zeit, nach und nach.

Wort für Wort
ekādhikaśataṃ pūrṇaṃ yathāyogaṃ viśāṃ pate māṃsapeśyās tadā rājan kramaśaḥ kālaparyayāt
Hundertundein an der Zahl wurden sie vollständig, o Herr der Menschen, aus dem Fleischklumpen entsprechend, o König, im Laufe der Zeit, nach und nach.

tatas tāṃs teṣu kuṇḍeṣu garbhān avadadhe tadā svanugupteṣu deśeṣu rakṣāṃ ca vyadadhāt tataḥ

Da legte er jene Keime in jene Krüge und sorgte für ihre Bewachung an wohlverwahrten Orten.

Wort für Wort
tatas tāṃs teṣu kuṇḍeṣu garbhān avadadhe tadā svanugupteṣu deśeṣu rakṣāṃ ca vyadadhāt tataḥ
Da legte er jene Keime in jene Krüge und sorgte für ihre Bewachung an wohlverwahrten Orten.

śaśāsa caiva bhagavān kālenaitāvatā punaḥ vighaṭṭanīyāny etāni kuṇḍānīti sma saubalīm

Und der Erhabene verordnete zugleich der Tochter Subalas, dass diese Krüge erst nach so und so viel Zeit wieder geöffnet werden sollten.

Wort für Wort
śaśāsa caiva bhagavān kālenaitāvatā punaḥ vighaṭṭanīyāny etāni kuṇḍānīti sma saubalīm
Und der Erhabene verordnete zugleich der Tochter Subalas, dass diese Krüge erst nach so und so viel Zeit wieder geöffnet werden sollten.

ity uktvā bhagavān vyāsas tathā pratividhāya ca jagāma tapase dhīmān himavantaṃ śiloccayam

Nachdem er dies gesagt und so verordnet hatte, ging der erhabene, weise Vyāsa zur Askese zum Berg Himavat.

Wort für Wort
ity uktvā bhagavān vyāsas tathā pratividhāya ca jagāma tapase dhīmān himavantaṃ śiloccayam
Nachdem er dies gesagt und so verordnet hatte, ging der erhabene, weise Vyāsa zur Askese zum Berg Himavat.

jajñe krameṇa caitena teṣāṃ duryodhano nṛpaḥ janmatas tu pramāṇena jyeṣṭho rājā yudhiṣṭhiraḥ

Auf diese Weise wurde der Reihe nach König Duryodhana geboren; doch der Geburtszeit nach war König Yudhiṣṭhira der Ältere.

Wort für Wort
jajñe krameṇa caitena teṣāṃ duryodhano nṛpaḥ janmatas tu pramāṇena jyeṣṭho rājā yudhiṣṭhiraḥ
Auf diese Weise wurde der Reihe nach König Duryodhana geboren; doch der Geburtszeit nach war König Yudhiṣṭhira der Ältere.

jātamātre sute tasmin dhṛtarāṣṭro 'bravīd idam samānīya bahūn viprān bhīṣmaṃ viduram eva ca

Gleich nach der Geburt jenes Sohnes sprach Dhṛtarāṣṭra Folgendes, nachdem er viele Brahmanen, Bhīṣma und Vidura versammelt hatte:

Wort für Wort
jātamātre sute tasmin dhṛtarāṣṭro 'bravīd idam samānīya bahūn viprān bhīṣmaṃ viduram eva ca
Gleich nach der Geburt jenes Sohnes sprach Dhṛtarāṣṭra Folgendes, nachdem er viele Brahmanen, Bhīṣma und Vidura versammelt hatte:

yudhiṣṭhiro rājaputro jyeṣṭho naḥ kulavardhanaḥ prāptaḥ svaguṇato rājyaṃ na tasmin vācyam asti naḥ

‚Der Königssohn Yudhiṣṭhira, der Älteste, der Mehrer unseres Geschlechts, hat durch seine eigenen Tugenden das Königtum erlangt; darüber gibt es bei uns nichts zu sagen.

Wort für Wort
yudhiṣṭhiro rājaputro jyeṣṭho naḥ kulavardhanaḥ prāptaḥ svaguṇato rājyaṃ na tasmin vācyam asti naḥ
‚Der Königssohn Yudhiṣṭhira, der Älteste, der Mehrer unseres Geschlechts, hat durch seine eigenen Tugenden das Königtum erlangt; darüber gibt es bei uns nichts zu sagen.

ayaṃ tv anantaras tasmād api rājā bhaviṣyati etad dhi brūta me satyaṃ yad atra bhavitā dhruvam

Doch dieser hier, der Nächste nach ihm, wird auch König sein. Sagt mir dazu die Wahrheit, was hier gewiss geschehen wird.'

Wort für Wort
ayaṃ tv anantaras tasmād api rājā bhaviṣyati etad dhi brūta me satyaṃ yad atra bhavitā dhruvam
Doch dieser hier, der Nächste nach ihm, wird auch König sein. Sagt mir dazu die Wahrheit, was hier gewiss geschehen wird.'

vākyasyaitasya nidhane dikṣu sarvāsu bhārata kravyādāḥ prāṇadan ghorāḥ śivāś cāśivaśaṃsinaḥ

Bei der Verkündung dieser Worte, o Bhārata, schrien in allen Himmelsrichtungen furchterregende Fleischfresser und unheilverkündende Schakale.

Wort für Wort
vākyasyaitasya nidhane dikṣu sarvāsu bhārata kravyādāḥ prāṇadan ghorāḥ śivāś cāśivaśaṃsinaḥ
Bei der Verkündung dieser Worte, o Bhārata, schrien in allen Himmelsrichtungen furchterregende Fleischfresser und unheilverkündende Schakale.

lakṣayitvā nimittāni tāni ghorāṇi sarvaśaḥ te 'bruvan brāhmaṇā rājan viduraś ca mahāmatiḥ

Als sie all jene furchterregenden Vorzeichen wahrgenommen hatten, sprachen die Brahmanen, o König, und der hochweise Vidura:

Wort für Wort
lakṣayitvā nimittāni tāni ghorāṇi sarvaśaḥ te 'bruvan brāhmaṇā rājan viduraś ca mahāmatiḥ
Als sie all jene furchterregenden Vorzeichen wahrgenommen hatten, sprachen die Brahmanen, o König, und der hochweise Vidura:

vyaktaṃ kulāntakaraṇo bhavitaiṣa sutas tava tasya śāntiḥ parityāge puṣṭyā tv apanayo mahān

‚Offenkundig wird dieser dein Sohn zum Vernichter des Geschlechts werden; seine Befriedung liegt im Aufgeben, sein Behalten aber bedeutet großes Unheil.

Wort für Wort
vyaktaṃ kulāntakaraṇo bhavitaiṣa sutas tava tasya śāntiḥ parityāge puṣṭyā tv apanayo mahān
‚Offenkundig wird dieser dein Sohn zum Vernichter des Geschlechts werden; seine Befriedung liegt im Aufgeben, sein Behalten aber bedeutet großes Unheil.

śatam ekonam apy astu putrāṇāṃ te mahīpate ekena kuru vai kṣemaṃ lokasya ca kulasya ca

Mögen es hundert Söhne minus einem sein, o Herrscher; durch den einen [Verzicht] schaffe Heil für die Welt und für das Geschlecht.

Wort für Wort
śatam ekonam apy astu putrāṇāṃ te mahīpate ekena kuru vai kṣemaṃ lokasya ca kulasya ca
Mögen es hundert Söhne minus einem sein, o Herrscher; durch den einen [Verzicht] schaffe Heil für die Welt und für das Geschlecht.

tyajed ekaṃ kulasyārthe grāmasyārthe kulaṃ tyajet grāmaṃ janapadasyārthe ātmārthe pṛthivīṃ tyajet

Man gebe den Einen auf um des Geschlechts willen; das Geschlecht gebe man auf um des Dorfes willen; das Dorf um des Landes willen; die Erde gebe man auf um seiner selbst willen.'

Wort für Wort
tyajed ekaṃ kulasyārthe grāmasyārthe kulaṃ tyajet grāmaṃ janapadasyārthe ātmārthe pṛthivīṃ tyajet
Man gebe den Einen auf um des Geschlechts willen; das Geschlecht gebe man auf um des Dorfes willen; das Dorf um des Landes willen; die Erde gebe man auf um seiner selbst willen.'

sa tathā vidureṇoktas taiś ca sarvair dvijottamaiḥ na cakāra tathā rājā putrasnehasamanvitaḥ

So von Vidura und all jenen besten der Zweifachgeborenen angesprochen, tat der König, von Vaterliebe zu seinem Sohn erfüllt, es dennoch nicht.

Wort für Wort
sa tathā vidureṇoktas taiś ca sarvair dvijottamaiḥ na cakāra tathā rājā putrasnehasamanvitaḥ
So von Vidura und all jenen besten der Zweifachgeborenen angesprochen, tat der König, von Vaterliebe zu seinem Sohn erfüllt, es dennoch nicht.

tataḥ putraśataṃ sarvaṃ dhṛtarāṣṭrasya pārthiva māsamātreṇa saṃjajñe kanyā caikā śatādhikā

Danach wurden dem Dhṛtarāṣṭra binnen eines einzigen Monats alle hundert Söhne sowie eine hundertunderste Tochter geboren, o Fürst.

Wort für Wort
tataḥ putraśataṃ sarvaṃ dhṛtarāṣṭrasya pārthiva māsamātreṇa saṃjajñe kanyā caikā śatādhikā
Danach wurden dem Dhṛtarāṣṭra binnen eines einzigen Monats alle hundert Söhne sowie eine hundertunderste Tochter geboren, o Fürst.

gāndhāryāṃ kliśyamānāyām udareṇa vivardhatā dhṛtarāṣṭraṃ mahābāhuṃ vaiśyā paryacarat kila

Während Gāndhārī durch die wachsende Schwangerschaft geplagt war, bediente eine Vaiśya-Frau, wie man erzählt, den starkarmigen Dhṛtarāṣṭra.

Wort für Wort
gāndhāryāṃ kliśyamānāyām udareṇa vivardhatā dhṛtarāṣṭraṃ mahābāhuṃ vaiśyā paryacarat kila
Während Gāndhārī durch die wachsende Schwangerschaft geplagt war, bediente eine Vaiśya-Frau, wie man erzählt, den starkarmigen Dhṛtarāṣṭra.

tasmin saṃvatsare rājan dhṛtarāṣṭrān mahāyaśāḥ jajñe dhīmāṃs tatas tasyāṃ yuyutsuḥ karaṇo nṛpa

In jenem Jahr, o König, wurde dem hochberühmten Dhṛtarāṣṭra von ihr der weise Yuyutsu geboren, auch Karaṇa genannt, o Herrscher.

Wort für Wort
tasmin saṃvatsare rājan dhṛtarāṣṭrān mahāyaśāḥ jajñe dhīmāṃs tatas tasyāṃ yuyutsuḥ karaṇo nṛpa
In jenem Jahr, o König, wurde dem hochberühmten Dhṛtarāṣṭra von ihr der weise Yuyutsu geboren, auch Karaṇa genannt, o Herrscher.

evaṃ putraśataṃ jajñe dhṛtarāṣṭrasya dhīmataḥ mahārathānāṃ vīrāṇāṃ kanyā caikātha duḥśalā

So wurden dem weisen Dhṛtarāṣṭra hundert Söhne geboren, Helden, große Wagenkämpfer, und dazu eine Tochter, Duḥśalā.

Wort für Wort
evaṃ putraśataṃ jajñe dhṛtarāṣṭrasya dhīmataḥ mahārathānāṃ vīrāṇāṃ kanyā caikātha duḥśalā
So wurden dem weisen Dhṛtarāṣṭra hundert Söhne geboren, Helden, große Wagenkämpfer, und dazu eine Tochter, Duḥśalā.

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