Kapitel 107: Kauravotpattiḥ
Die Geburt der hundert Kauravas
Vyāsa gewährt Gāndhārī hundert Söhne; ihre zweijährige, nicht endende Schwangerschaft mündet, aus Kummer über Kuntīs bereits geborenen Sohn Yudhiṣṭhira gewaltsam abgetrieben, in einen einzigen eisenharten Fleischklumpen. Vyāsa lässt ihn in hundert mit geklärter Butter gefüllte Krüge teilen, aus denen die hundert Söhne (und eine Tochter, Duḥśalā) heranreifen – Duryodhana als erster geboren, obwohl Yudhiṣṭhira der Geburtszeit nach älter ist. Schreckliche Vorzeichen bei Duryodhanas Geburt veranlassen Vidura und die Brahmanen, seine Aussetzung anzuraten; Dhṛtarāṣṭra weigert sich aus Vaterliebe. Zugleich gebiert eine Vaiśya-Dienerin dem Dhṛtarāṣṭra den Sohn Yuyutsu (Karaṇa).
Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf wurden Gāndhārī hundert Söhne geboren, o Janamejaya, und dem Dhṛtarāṣṭra von einer Vaiśya-Frau noch ein weiterer über die Hundert hinaus.
Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf wurden Gāndhārī hundert Söhne geboren, o Janamejaya, und dem Dhṛtarāṣṭra von einer Vaiśya-Frau noch ein weiterer über die Hundert hinaus.
Janamejaya sprach: Wie wurden der Gāndhārī hundert Söhne geboren, o Bester der Zweifachgeborenen? In welcher Zeit, und was war ihre höchste Lebensspanne?
Janamejaya sprach: Wie wurden der Gāndhārī hundert Söhne geboren, o Bester der Zweifachgeborenen? In welcher Zeit, und was war ihre höchste Lebensspanne?
kathaṃ caikaḥ sa vaiśyāyāṃ dhṛtarāṣṭrasuto 'bhavat kathaṃ ca sadṛśīṃ bhāryāṃ gāndhārīṃ dharmacāriṇīm ānukūlye vartamānāṃ dhṛtarāṣṭro 'tyavartata
Wie wurde einer Sohn Dhṛtarāṣṭras von einer Vaiśya-Frau? Und wie kam es, dass Dhṛtarāṣṭra die ihm ebenbürtige, rechtschaffene Gattin Gāndhārī, die sich ihm stets willfährig verhielt, überging?
Wort für Wort
kathaṃ caikaḥ sa vaiśyāyāṃ dhṛtarāṣṭrasuto 'bhavat kathaṃ ca sadṛśīṃ bhāryāṃ gāndhārīṃ dharmacāriṇīm ānukūlye vartamānāṃ dhṛtarāṣṭro 'tyavartata
Wie wurde einer Sohn Dhṛtarāṣṭras von einer Vaiśya-Frau? Und wie kam es, dass Dhṛtarāṣṭra die ihm ebenbürtige, rechtschaffene Gattin Gāndhārī, die sich ihm stets willfährig verhielt, überging?
kathaṃ ca śaptasya sataḥ pāṇḍos tena mahātmanā samutpannā daivatebhyaḥ pañca putrā mahārathāḥ
Und wie wurden dem verfluchten Pāṇḍu durch jenen Hochherzigen von den Göttern fünf Söhne, große Wagenkämpfer, gezeugt?
Wort für Wort
kathaṃ ca śaptasya sataḥ pāṇḍos tena mahātmanā samutpannā daivatebhyaḥ pañca putrā mahārathāḥ
Und wie wurden dem verfluchten Pāṇḍu durch jenen Hochherzigen von den Göttern fünf Söhne, große Wagenkämpfer, gezeugt?
[Anm.: Hier wird erstmals beiläufig auf einen Fluch über Pāṇḍu angespielt, dessen genaue Umstände im bisher übersetzten Text noch nicht erzählt wurden – vermutlich Gegenstand eines der folgenden Kapitel.]
Vaiśaṃpāyana sprach: Den von Hunger und Erschöpfung ermatteten Dvaipāyana, der zu ihr gekommen war, stellte Gāndhārī zufrieden; und Vyāsa gewährte ihr einen Wunsch.
Vaiśaṃpāyana sprach: Den von Hunger und Erschöpfung ermatteten Dvaipāyana, der zu ihr gekommen war, stellte Gāndhārī zufrieden; und Vyāsa gewährte ihr einen Wunsch.
Als sie hörte, dass der Sohn Kuntīs geboren war, an Glanz der aufgehenden Sonne gleich, erkannte sie die Unbeweglichkeit ihres eigenen Leibes und wurde nachdenklich.
Als sie hörte, dass der Sohn Kuntīs geboren war, an Glanz der aufgehenden Sonne gleich, erkannte sie die Unbeweglichkeit ihres eigenen Leibes und wurde nachdenklich.
tato 'bravīt saubaleyīṃ kim idaṃ te cikīrṣitam sā cātmano mataṃ satyaṃ śaśaṃsa paramarṣaye
Da sprach er zur Tochter Subalas: ‚Was hast du dir hierbei vorgenommen?' Und sie berichtete dem höchsten Weisen der Wahrheit gemäß ihre eigene Absicht:
Wort für Wort
tato 'bravīt saubaleyīṃ kim idaṃ te cikīrṣitam sā cātmano mataṃ satyaṃ śaśaṃsa paramarṣaye
Da sprach er zur Tochter Subalas: ‚Was hast du dir hierbei vorgenommen?' Und sie berichtete dem höchsten Weisen der Wahrheit gemäß ihre eigene Absicht:
vyāsa uvāca evam etat saubaleyi naitaj jātv anyathā bhavet vitathaṃ noktapūrvaṃ me svaireṣv api kuto 'nyathā
Vyāsa sprach: ‚So ist es, Tochter Subalas; niemals könnte dies anders sein. Niemals zuvor habe ich Unwahres gesprochen, selbst nicht im Scherz – wieso dann jetzt anders?
Wort für Wort
vyāsa uvāca evam etat saubaleyi naitaj jātv anyathā bhavet vitathaṃ noktapūrvaṃ me svaireṣv api kuto 'nyathā
Vyāsa sprach: ‚So ist es, Tochter Subalas; niemals könnte dies anders sein. Niemals zuvor habe ich Unwahres gesprochen, selbst nicht im Scherz – wieso dann jetzt anders?
yudhiṣṭhiro rājaputro jyeṣṭho naḥ kulavardhanaḥ prāptaḥ svaguṇato rājyaṃ na tasmin vācyam asti naḥ
‚Der Königssohn Yudhiṣṭhira, der Älteste, der Mehrer unseres Geschlechts, hat durch seine eigenen Tugenden das Königtum erlangt; darüber gibt es bei uns nichts zu sagen.
Wort für Wort
yudhiṣṭhiro rājaputro jyeṣṭho naḥ kulavardhanaḥ prāptaḥ svaguṇato rājyaṃ na tasmin vācyam asti naḥ
‚Der Königssohn Yudhiṣṭhira, der Älteste, der Mehrer unseres Geschlechts, hat durch seine eigenen Tugenden das Königtum erlangt; darüber gibt es bei uns nichts zu sagen.
‚Offenkundig wird dieser dein Sohn zum Vernichter des Geschlechts werden; seine Befriedung liegt im Aufgeben, sein Behalten aber bedeutet großes Unheil.
‚Offenkundig wird dieser dein Sohn zum Vernichter des Geschlechts werden; seine Befriedung liegt im Aufgeben, sein Behalten aber bedeutet großes Unheil.
Man gebe den Einen auf um des Geschlechts willen; das Geschlecht gebe man auf um des Dorfes willen; das Dorf um des Landes willen; die Erde gebe man auf um seiner selbst willen.'
Man gebe den Einen auf um des Geschlechts willen; das Geschlecht gebe man auf um des Dorfes willen; das Dorf um des Landes willen; die Erde gebe man auf um seiner selbst willen.'