Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 32: Āstīka-parva (Fortsetzung): Śeṣas Askese und der Auftrag, die Erde zu tragen Āstīka-parva (Fortsetzung): Śeṣas Askese, sein Auftrag von Brahmā, die Erde zu tragen, und seine Freundschaft mit Garuḍa — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)

Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,032.001“ bis „01,032.025“). Auf Śaunakas Frage, was die Schlangen nach dem Mutter-Fluch taten, erzählt Sūta, wie Śeṣa, angewidert vom Streit und Hass seiner Brüder (auch gegen Vinatā und Garuḍa), Kadrū verlässt und sich strenger Askese widmet, um seinen Leib aufzugeben. Brahmā erscheint ihm, würdigt seine Dharma-Gesinnung und beauftragt ihn stattdessen, zum Wohl der Geschöpfe die schwankende Erde zu tragen – der Ursprung des bekannten Weltenschlangen-Motivs. Śeṣa (= Ananta) steigt unter die Erde hinab und trägt sie seither mit seinem Haupt; Brahmā stiftet zugleich eine Freundschaft zwischen ihm und Garuḍa. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.

śaunaka uvāca | jātā vai bhujagās tāta vīryavanto durāsadāḥ | śāpaṃ taṃ tv atha vijñāya kṛtavanto nu kiṃ param

Śaunaka sprach: Als die Schlangen geboren waren, kraftvoll, unnahbar, lieber Freund, was taten sie wohl, nachdem sie jenen Fluch erfahren hatten?

Wort für Wort
śaunaka uvāca | jātā vai bhujagās tāta vīryavanto durāsadāḥ | śāpaṃ taṃ tv atha vijñāya kṛtavanto nu kiṃ param
Śaunaka sprach: Als die Schlangen geboren waren, kraftvoll, unnahbar, lieber Freund, was taten sie wohl, nachdem sie jenen Fluch erfahren hatten?

sūta uvāca | teṣāṃ tu bhagavāñ śeṣas tyaktvā kadrūṃ mahāyaśāḥ | tapo vipulam ātasthe vāyubhakṣo yatavrataḥ

Sūta sprach: Von ihnen verließ der erhabene Śeṣa, von großem Ruhm, Kadrū und ergab sich ausgedehnter Askese, sich von Wind ernährend, strengen Gelübden folgend.

Wort für Wort
sūta uvāca | teṣāṃ tu bhagavāñ śeṣas tyaktvā kadrūṃ mahāyaśāḥ | tapo vipulam ātasthe vāyubhakṣo yatavrataḥ
Sūta sprach: Von ihnen verließ der erhabene Śeṣa, von großem Ruhm, Kadrū und ergab sich ausgedehnter Askese, sich von Wind ernährend, strengen Gelübden folgend.

gandhamādanam āsādya badaryāṃ ca taporataḥ | gokarṇe puṣkarāraṇye tathā himavatas taṭe

Er begab sich zum Gandhamādana, und nach Badarī, der Askese hingegeben, zum Gokarṇa, zum Puṣkara-Wald, ebenso an den Fuß des Himavat,

Wort für Wort
gandhamādanam āsādya badaryāṃ ca taporataḥ | gokarṇe puṣkarāraṇye tathā himavatas taṭe
Er begab sich zum Gandhamādana, und nach Badarī, der Askese hingegeben, zum Gokarṇa, zum Puṣkara-Wald, ebenso an den Fuß des Himavat,

[Anm.: Badarī, Gokarṇa und Puṣkara sind bekannte Wallfahrtsorte.]

teṣu teṣu ca puṇyeṣu tīrtheṣv āyataneṣu ca | ekāntaśīlī niyataḥ satataṃ vijitendriyaḥ

und an jenen und jenen heiligen Stätten, Wallfahrtsorten und Heiligtümern, allein lebend, beherrscht, stets seine Sinne bezwingend,

Wort für Wort
teṣu teṣu ca puṇyeṣu tīrtheṣv āyataneṣu ca | ekāntaśīlī niyataḥ satataṃ vijitendriyaḥ
und an jenen und jenen heiligen Stätten, Wallfahrtsorten und Heiligtümern, allein lebend, beherrscht, stets seine Sinne bezwingend,

tapyamānaṃ tapo ghoraṃ taṃ dadarśa pitāmahaḥ | pariśuṣkamāṃsatvaksnāyuṃ jaṭācīradharaṃ prabhum

erblickte der Großvater ihn, wie er furchtbare Askese übte, sein Fleisch, seine Haut und seine Sehnen ausgetrocknet, mit Jaṭā-Haar und Baumrindenkleid, den Erhabenen.

Wort für Wort
tapyamānaṃ tapo ghoraṃ taṃ dadarśa pitāmahaḥ | pariśuṣkamāṃsatvaksnāyuṃ jaṭācīradharaṃ prabhum
erblickte der Großvater ihn, wie er furchtbare Askese übte, sein Fleisch, seine Haut und seine Sehnen ausgetrocknet, mit Jaṭā-Haar und Baumrindenkleid, den Erhabenen.

tam abravīt satyadhṛtiṃ tapyamānaṃ pitāmahaḥ | kim idaṃ kuruṣe śeṣa prajānāṃ svasti vai kuru

Zu ihm, der treu an seinem Gelübde festhielt, dort Askese übend, sprach der Großvater: „Was tust du hier, Śeṣa? Bereite doch den Geschöpfen Heil.“

Wort für Wort
tam abravīt satyadhṛtiṃ tapyamānaṃ pitāmahaḥ | kim idaṃ kuruṣe śeṣa prajānāṃ svasti vai kuru
Zu ihm, der treu an seinem Gelübde festhielt, dort Askese übend, sprach der Großvater: „Was tust du hier, Śeṣa? Bereite doch den Geschöpfen Heil.“

tvaṃ hi tīvreṇa tapasā prajās tāpayase 'nagha | brūhi kāmaṃ ca me śeṣa yat te hṛdi ciraṃ sthitam

„Denn du quälst mit deiner heftigen Askese die Geschöpfe, o Makelloser; sage mir doch, Śeṣa, den Wunsch, der schon lange in deinem Herzen weilt.“

Wort für Wort
tvaṃ hi tīvreṇa tapasā prajās tāpayase 'nagha | brūhi kāmaṃ ca me śeṣa yat te hṛdi ciraṃ sthitam
„Denn du quälst mit deiner heftigen Askese die Geschöpfe, o Makelloser; sage mir doch, Śeṣa, den Wunsch, der schon lange in deinem Herzen weilt.“

śeṣa uvāca | sodaryā mama sarve hi bhrātaro mandacetasaḥ | saha tair notsahe vastuṃ tad bhavān anumanyatām

Śeṣa sprach: „Alle meine leiblichen Brüder sind ja von schwachem Verstand; mit ihnen zusammenzuleben ertrage ich nicht mehr – das möge der Erhabene gestatten.“

Wort für Wort
śeṣa uvāca | sodaryā mama sarve hi bhrātaro mandacetasaḥ | saha tair notsahe vastuṃ tad bhavān anumanyatām
Śeṣa sprach: „Alle meine leiblichen Brüder sind ja von schwachem Verstand; mit ihnen zusammenzuleben ertrage ich nicht mehr – das möge der Erhabene gestatten.“

abhyasūyanti satataṃ parasparam amitravat | tato 'haṃ tapa ātiṣṭhe naitān paśyeyam ity uta

„Sie beneiden sich stets gegenseitig, wie Feinde; deshalb ergebe ich mich der Askese, um sie nicht mehr sehen zu müssen.“

Wort für Wort
abhyasūyanti satataṃ parasparam amitravat | tato 'haṃ tapa ātiṣṭhe naitān paśyeyam ity uta
„Sie beneiden sich stets gegenseitig, wie Feinde; deshalb ergebe ich mich der Askese, um sie nicht mehr sehen zu müssen.“

na marṣayanti satataṃ vinatāṃ sasutāṃ ca te | asmākaṃ cāparo bhrātā vainateyaḥ pitāmaha

„Sie dulden auch stets Vinatā und ihren Sohn nicht, und unseren anderen Bruder, den Sohn Vinatās, o Großvater.“

Wort für Wort
na marṣayanti satataṃ vinatāṃ sasutāṃ ca te | asmākaṃ cāparo bhrātā vainateyaḥ pitāmaha
„Sie dulden auch stets Vinatā und ihren Sohn nicht, und unseren anderen Bruder, den Sohn Vinatās, o Großvater.“

taṃ ca dviṣanti te 'tyarthaṃ sa cāpi sumahābalaḥ | varapradānāt sa pituḥ kaśyapasya mahātmanaḥ

„Und sie hassen ihn überaus, obwohl auch er von überaus großer Kraft ist, durch die Gabengewährung seines hochgesinnten Vaters Kaśyapa.“

Wort für Wort
taṃ ca dviṣanti te 'tyarthaṃ sa cāpi sumahābalaḥ | varapradānāt sa pituḥ kaśyapasya mahātmanaḥ
„Und sie hassen ihn überaus, obwohl auch er von überaus großer Kraft ist, durch die Gabengewährung seines hochgesinnten Vaters Kaśyapa.“

so 'haṃ tapaḥ samāsthāya mokṣyāmīdaṃ kalevaram | kathaṃ me pretyabhāve 'pi na taiḥ syāt saha saṃgamaḥ

„So will ich, der Askese ergeben, diesen Leib aufgeben; wie könnte ich, selbst nach dem Tod, nicht mehr mit ihnen zusammen sein?“

Wort für Wort
so 'haṃ tapaḥ samāsthāya mokṣyāmīdaṃ kalevaram | kathaṃ me pretyabhāve 'pi na taiḥ syāt saha saṃgamaḥ
„So will ich, der Askese ergeben, diesen Leib aufgeben; wie könnte ich, selbst nach dem Tod, nicht mehr mit ihnen zusammen sein?“

brahmovāca | jānāmi śeṣa sarveṣāṃ bhrātṝṇāṃ te viceṣṭitam | mātuś cāpy aparādhād vai bhrātṝṇāṃ te mahad bhayam

Brahmā sprach: „Ich kenne, Śeṣa, das Treiben all deiner Brüder; und wegen des Vergehens der Mutter droht deinen Brüdern große Gefahr.“

Wort für Wort
brahmovāca | jānāmi śeṣa sarveṣāṃ bhrātṝṇāṃ te viceṣṭitam | mātuś cāpy aparādhād vai bhrātṝṇāṃ te mahad bhayam
Brahmā sprach: „Ich kenne, Śeṣa, das Treiben all deiner Brüder; und wegen des Vergehens der Mutter droht deinen Brüdern große Gefahr.“

kṛto 'tra parihāraś ca pūrvam eva bhujaṃgama | bhrātṝṇāṃ tava sarveṣāṃ na śokaṃ kartum arhasi

„Doch wurde bereits zuvor eine Abwendung hierfür getroffen, o Schlangenwesen; um all deine Brüder sollst du dich nicht grämen.“

Wort für Wort
kṛto 'tra parihāraś ca pūrvam eva bhujaṃgama | bhrātṝṇāṃ tava sarveṣāṃ na śokaṃ kartum arhasi
„Doch wurde bereits zuvor eine Abwendung hierfür getroffen, o Schlangenwesen; um all deine Brüder sollst du dich nicht grämen.“

[Anm.: Wohl eine Anspielung auf die künftige, hier noch nicht erzählte Rettung eines Teils der Schlangen durch Āstīka beim Sarpasatra (vgl. bereits Adh.13).]

vṛṇīṣva ca varaṃ mattaḥ śeṣa yat te 'bhikāṅkṣitam | ditsāmi hi varaṃ te 'dya prītir me paramā tvayi

„Und wähle eine Gabe von mir, Śeṣa, was du dir wünschst; ich möchte dir heute eine Gabe gewähren, denn meine Zuneigung zu dir ist überaus groß.“

Wort für Wort
vṛṇīṣva ca varaṃ mattaḥ śeṣa yat te 'bhikāṅkṣitam | ditsāmi hi varaṃ te 'dya prītir me paramā tvayi
„Und wähle eine Gabe von mir, Śeṣa, was du dir wünschst; ich möchte dir heute eine Gabe gewähren, denn meine Zuneigung zu dir ist überaus groß.“

diṣṭyā ca buddhir dharme te niviṣṭā pannagottama | ato bhūyaś ca te buddhir dharme bhavatu susthirā

„Zum Glück ist dein Sinn auf den Dharma gerichtet, o Bester der Schlangen; so möge dein Sinn fortan noch fester im Dharma verankert sein.“

Wort für Wort
diṣṭyā ca buddhir dharme te niviṣṭā pannagottama | ato bhūyaś ca te buddhir dharme bhavatu susthirā
„Zum Glück ist dein Sinn auf den Dharma gerichtet, o Bester der Schlangen; so möge dein Sinn fortan noch fester im Dharma verankert sein.“

śeṣa uvāca | eṣa eva varo me 'dya kāṅkṣitaḥ prapitāmaha | dharme me ramatāṃ buddhiḥ śame tapasi ceśvara

Śeṣa sprach: „Eben diese Gabe wünsche ich mir heute, o Urgroßvater: mein Sinn möge sich am Dharma erfreuen, an Gelassenheit und Askese, o Herrscher.“

Wort für Wort
śeṣa uvāca | eṣa eva varo me 'dya kāṅkṣitaḥ prapitāmaha | dharme me ramatāṃ buddhiḥ śame tapasi ceśvara
Śeṣa sprach: „Eben diese Gabe wünsche ich mir heute, o Urgroßvater: mein Sinn möge sich am Dharma erfreuen, an Gelassenheit und Askese, o Herrscher.“

brahmovāca | prīto 'smy anena te śeṣa damena praśamena ca | tvayā tv idaṃ vacaḥ kāryaṃ manniyogāt prajāhitam

Brahmā sprach: „Erfreut bin ich über diese deine Selbstbeherrschung und Gelassenheit, Śeṣa; doch dieses Wort sollst du, auf mein Geheiß, zum Wohl der Geschöpfe erfüllen:“

Wort für Wort
brahmovāca | prīto 'smy anena te śeṣa damena praśamena ca | tvayā tv idaṃ vacaḥ kāryaṃ manniyogāt prajāhitam
Brahmā sprach: „Erfreut bin ich über diese deine Selbstbeherrschung und Gelassenheit, Śeṣa; doch dieses Wort sollst du, auf mein Geheiß, zum Wohl der Geschöpfe erfüllen:“

imāṃ mahīṃ śailavanopapannāṃ sasāgarāṃ sākarapattanāṃ ca | tvaṃ śeṣa samyak calitāṃ yathāvat saṃgṛhya tiṣṭhasva yathācalā syāt

„Diese Erde, mit Bergen und Wäldern versehen, samt Ozean und samt ihren Häfen und Städten, die schwankt, o Śeṣa – ergreife sie recht, wie es sich gehört, und halte sie, damit sie unbeweglich werde.“

Wort für Wort
imāṃ mahīṃ śailavanopapannāṃ sasāgarāṃ sākarapattanāṃ ca | tvaṃ śeṣa samyak calitāṃ yathāvat saṃgṛhya tiṣṭhasva yathācalā syāt
„Diese Erde, mit Bergen und Wäldern versehen, samt Ozean und samt ihren Häfen und Städten, die schwankt, o Śeṣa – ergreife sie recht, wie es sich gehört, und halte sie, damit sie unbeweglich werde.“

śeṣa uvāca | yathāha devo varadaḥ prajāpatir mahīpatir bhūtapatir jagatpatiḥ | tathā mahīṃ dhārayitāsmi niścalāṃ prayaccha tāṃ me śirasi prajāpate

Śeṣa sprach: „Wie der gabenspendende Gott, der Prajāpati, der Erdenherr, der Herr der Wesen, der Herr der Welt, es befiehlt, so werde ich die Erde unbeweglich tragen; gib sie mir auf mein Haupt, o Prajāpati.“

Wort für Wort
śeṣa uvāca | yathāha devo varadaḥ prajāpatir mahīpatir bhūtapatir jagatpatiḥ | tathā mahīṃ dhārayitāsmi niścalāṃ prayaccha tāṃ me śirasi prajāpate
Śeṣa sprach: „Wie der gabenspendende Gott, der Prajāpati, der Erdenherr, der Herr der Wesen, der Herr der Welt, es befiehlt, so werde ich die Erde unbeweglich tragen; gib sie mir auf mein Haupt, o Prajāpati.“

brahmovāca | adho mahīṃ gaccha bhujaṃgamottama svayaṃ tavaiṣā vivaraṃ pradāsyati | imāṃ dharāṃ dhārayatā tvayā hi me mahat priyaṃ śeṣa kṛtaṃ bhaviṣyati

Brahmā sprach: „Geh hinab unter die Erde, o Bester der Schlangen; sie selbst wird dir eine Öffnung gewähren. Indem du diese Erde trägst, wirst du mir, Śeṣa, einen großen Gefallen tun.“

Wort für Wort
brahmovāca | adho mahīṃ gaccha bhujaṃgamottama svayaṃ tavaiṣā vivaraṃ pradāsyati | imāṃ dharāṃ dhārayatā tvayā hi me mahat priyaṃ śeṣa kṛtaṃ bhaviṣyati
Brahmā sprach: „Geh hinab unter die Erde, o Bester der Schlangen; sie selbst wird dir eine Öffnung gewähren. Indem du diese Erde trägst, wirst du mir, Śeṣa, einen großen Gefallen tun.“

sūta uvāca | tatheti kṛtvā vivaraṃ praviśya sa prabhur bhuvo bhujagavarāgrajaḥ sthitaḥ | bibharti devīṃ śirasā mahīm imāṃ samudranemiṃ parigṛhya sarvataḥ

Sūta sprach: „So sei es“, sprach er, trat in die Öffnung ein, der Erhabene, der Erstgeborene der besten Schlangen, und steht seither dort, die Göttin Erde mit seinem Haupt tragend, sie ringsum, bis zum Rand des Ozeans, umfassend.

Wort für Wort
sūta uvāca | tatheti kṛtvā vivaraṃ praviśya sa prabhur bhuvo bhujagavarāgrajaḥ sthitaḥ | bibharti devīṃ śirasā mahīm imāṃ samudranemiṃ parigṛhya sarvataḥ
Sūta sprach: „So sei es“, sprach er, trat in die Öffnung ein, der Erhabene, der Erstgeborene der besten Schlangen, und steht seither dort, die Göttin Erde mit seinem Haupt tragend, sie ringsum, bis zum Rand des Ozeans, umfassend.

brahmovāca | śeṣo 'si nāgottama dharmadevo mahīm imāṃ dhārayase yad ekaḥ | anantabhogaḥ parigṛhya sarvāṃ yathāham evaṃ balabhid yathā vā

Brahmā sprach: „Du bist Śeṣa, der Beste der Nāgas, der Dharma-Gott, der du diese Erde ganz allein trägst, mit deinen endlosen Windungen sie ganz umfassend, so wie ich selbst, oder wie der Bala-Bezwinger [Indra].“

Wort für Wort
brahmovāca | śeṣo 'si nāgottama dharmadevo mahīm imāṃ dhārayase yad ekaḥ | anantabhogaḥ parigṛhya sarvāṃ yathāham evaṃ balabhid yathā vā
Brahmā sprach: „Du bist Śeṣa, der Beste der Nāgas, der Dharma-Gott, der du diese Erde ganz allein trägst, mit deinen endlosen Windungen sie ganz umfassend, so wie ich selbst, oder wie der Bala-Bezwinger [Indra].“

[Anm.: „Balabhid“ („Bala-Bezwinger“) ist ein Epitheton Indras.]

sūta uvāca | adho bhūmer vasaty evaṃ nāgo 'nantaḥ pratāpavān | dhārayan vasudhām ekaḥ śāsanād brahmaṇo vibhuḥ

Sūta sprach: So wohnt unter der Erde der Nāga Ananta, der Machtvolle, allein die Erde tragend, kraft des Befehls Brahmās, der Mächtige.

Wort für Wort
sūta uvāca | adho bhūmer vasaty evaṃ nāgo 'nantaḥ pratāpavān | dhārayan vasudhām ekaḥ śāsanād brahmaṇo vibhuḥ
Sūta sprach: So wohnt unter der Erde der Nāga Ananta, der Machtvolle, allein die Erde tragend, kraft des Befehls Brahmās, der Mächtige.

suparṇaṃ ca sakhāyaṃ vai bhagavān amarottamaḥ | prādād anantāya tadā vainateyaṃ pitāmahaḥ

Und Suparṇa gab der erhabene Beste der Unsterblichen dann dem Ananta als Freund, den Sohn Vinatās.

Wort für Wort
suparṇaṃ ca sakhāyaṃ vai bhagavān amarottamaḥ | prādād anantāya tadā vainateyaṃ pitāmahaḥ
Und Suparṇa gab der erhabene Beste der Unsterblichen dann dem Ananta als Freund, den Sohn Vinatās.

[Anm.: Adhyāya 32 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei. Bemerkenswert: Trotz der allgemeinen Schlangen-Vogel-Feindschaft aus dem Fluch-Motiv stiftet Brahmā hier eigens eine Freundschaft zwischen Ananta/Śeṣa und Garuḍa/Suparṇa – im Einklang mit Śeṣas zuvor geäußertem Missfallen am Hass seiner Brüder gegen Vinatā und ihren Sohn.]

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