Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 70: Yayātyupākhyānam Die Genealogie von Dakṣa bis Pūru: die Erzählung von Yayāti

Nach Abschluss der Śakuntalā-Bharata-Episode setzt Vaiśaṃpāyana mit der großen Ahnenreihe der Bhāratas/Pauravas/Yādavas an, beginnend bei Prajāpati Dakṣa über Vivasvat, Manu, Purūravas (Sohn der Ilā und Geliebter der Urvaśī) und Nahuṣa bis zu Yayāti. Kernstück ist die berühmte Erzählung von Yayātis Alterstausch: Da ihm durch Uśanas' Fluch die Liebesfähigkeit genommen wurde, bittet er seine fünf Söhne (von Devayānī: Yadu, Turvasu; von Śarmiṣṭhā: Druhyu, Anu, Pūru) um ihre Jugend; nur der jüngste, Pūru, willigt ein und wird dafür zum Erben und Namensgeber des Paurava-Geschlechts eingesetzt.

vaiśaṃpāyana uvāca prajāpates tu dakṣasya manor vaivasvatasya ca bharatasya kuroḥ pūror ajamīḍhasya cānvaye

Vaiśaṃpāyana sprach: »In der Nachkommenschaft des Prajāpati Dakṣa, des Manu Vaivasvata, sowie des Bharata, des Kuru, des Pūru, des Ajamīḍha,

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca prajāpates tu dakṣasya manor vaivasvatasya ca bharatasya kuroḥ pūror ajamīḍhasya cānvaye
Vaiśaṃpāyana sprach: »In der Nachkommenschaft des Prajāpati Dakṣa, des Manu Vaivasvata, sowie des Bharata, des Kuru, des Pūru, des Ajamīḍha,

yādavānām imaṃ vaṃśaṃ pauravāṇāṃ ca sarvaśaḥ tathaiva bhāratānāṃ ca puṇyaṃ svastyayanaṃ mahat dhanyaṃ yaśasyam āyuṣyaṃ kīrtayiṣyāmi te 'nagha

dieses Geschlecht der Yādavas und der Pauravas insgesamt, sowie auch der Bhāratas, das heilige, große, glückverheißende, ruhmreiche, lebenspendende will ich dir verkünden, du Makelloser.

Wort für Wort
yādavānām imaṃ vaṃśaṃ pauravāṇāṃ ca sarvaśaḥ tathaiva bhāratānāṃ ca puṇyaṃ svastyayanaṃ mahat dhanyaṃ yaśasyam āyuṣyaṃ kīrtayiṣyāmi te 'nagha
dieses Geschlecht der Yādavas und der Pauravas insgesamt, sowie auch der Bhāratas, das heilige, große, glückverheißende, ruhmreiche, lebenspendende will ich dir verkünden, du Makelloser.

tejobhir uditāḥ sarve maharṣisamatejasaḥ daśa pracetasaḥ putrāḥ santaḥ pūrvajanāḥ smṛtāḥ meghajenāgninā ye te pūrvaṃ dagdhā mahaujasaḥ

Alle von Glanz erhoben, den großen Weisen an Glanz gleich, waren die zehn Pracetas-Söhne, wie überliefert die Erstgeborenen - jene, die einst vom wolkenerzeugten Feuer verbrannt wurden, die von großer Kraft.

Wort für Wort
tejobhir uditāḥ sarve maharṣisamatejasaḥ daśa pracetasaḥ putrāḥ santaḥ pūrvajanāḥ smṛtāḥ meghajenāgninā ye te pūrvaṃ dagdhā mahaujasaḥ
Alle von Glanz erhoben, den großen Weisen an Glanz gleich, waren die zehn Pracetas-Söhne, wie überliefert die Erstgeborenen - jene, die einst vom wolkenerzeugten Feuer verbrannt wurden, die von großer Kraft.

[Anm.: Anspielung auf einen hier nicht ausgeführten Mythos, in dem die Pracetas-Söhne von einem aus Wolken entstandenen Feuer versehrt wurden.

tebhyaḥ prācetaso jajñe dakṣo dakṣād imāḥ prajāḥ saṃbhūtāḥ puruṣavyāghra sa hi lokapitāmahaḥ

Von ihnen, den Prācetasas, wurde Dakṣa geboren; von Dakṣa entstanden diese Geschöpfe, o Tigermensch unter den Männern - denn er ist der Großvater der Welten.

Wort für Wort
tebhyaḥ prācetaso jajñe dakṣo dakṣād imāḥ prajāḥ saṃbhūtāḥ puruṣavyāghra sa hi lokapitāmahaḥ
Von ihnen, den Prācetasas, wurde Dakṣa geboren; von Dakṣa entstanden diese Geschöpfe, o Tigermensch unter den Männern - denn er ist der Großvater der Welten.

vīriṇyā saha saṃgamya dakṣaḥ prācetaso muniḥ ātmatulyān ajanayat sahasraṃ saṃśitavratān

Nachdem er sich mit Vīriṇī vereinigt hatte, zeugte der Weise Dakṣa, der Sohn der Pracetas, tausend ihm selbst gleiche Söhne mit strengen Gelübden.

Wort für Wort
vīriṇyā saha saṃgamya dakṣaḥ prācetaso muniḥ ātmatulyān ajanayat sahasraṃ saṃśitavratān
Nachdem er sich mit Vīriṇī vereinigt hatte, zeugte der Weise Dakṣa, der Sohn der Pracetas, tausend ihm selbst gleiche Söhne mit strengen Gelübden.

sahasrasaṃkhyān samitān sutān dakṣasya nāradaḥ mokṣam adhyāpayām āsa sāṃkhyajñānam anuttamam

Diesen tausendzähligen, versammelten Söhnen des Dakṣa lehrte Nārada die Erlösung, das höchste Sāṃkhya-Wissen.

Wort für Wort
sahasrasaṃkhyān samitān sutān dakṣasya nāradaḥ mokṣam adhyāpayām āsa sāṃkhyajñānam anuttamam
Diesen tausendzähligen, versammelten Söhnen des Dakṣa lehrte Nārada die Erlösung, das höchste Sāṃkhya-Wissen.

tataḥ pañcāśataṃ kanyāḥ putrikā abhisaṃdadhe prajāpatiḥ prajā dakṣaḥ sisṛkṣur janamejaya

Danach fasste Dakṣa, der Prajāpati, in der Absicht, Geschöpfe zu erschaffen, fünfzig Töchter als Adoptivtöchter zusammen, o Janamejaya.

Wort für Wort
tataḥ pañcāśataṃ kanyāḥ putrikā abhisaṃdadhe prajāpatiḥ prajā dakṣaḥ sisṛkṣur janamejaya
Danach fasste Dakṣa, der Prajāpati, in der Absicht, Geschöpfe zu erschaffen, fünfzig Töchter als Adoptivtöchter zusammen, o Janamejaya.

dadau sa daśa dharmāya kaśyapāya trayodaśa kālasya nayane yuktāḥ saptaviṃśatim indave

Zehn davon gab er dem Dharma, dreizehn dem Kaśyapa, siebenundzwanzig dem Mond, die mit der Führung der Zeit betraut sind.

Wort für Wort
dadau sa daśa dharmāya kaśyapāya trayodaśa kālasya nayane yuktāḥ saptaviṃśatim indave
Zehn davon gab er dem Dharma, dreizehn dem Kaśyapa, siebenundzwanzig dem Mond, die mit der Führung der Zeit betraut sind.

trayodaśānāṃ patnīnāṃ yā tu dākṣāyaṇī varā mārīcaḥ kaśyapas tasyām ādityān samajījanat indrādīn vīryasaṃpannān vivasvantam athāpi ca

Von den dreizehn Gattinnen, mit jener vorzüglichsten Tochter Dakṣas, zeugte Kaśyapa, der Sohn des Marīci, die Ādityas, angeführt von Indra, von großer Kraft, sowie auch Vivasvat.

Wort für Wort
trayodaśānāṃ patnīnāṃ yā tu dākṣāyaṇī varā mārīcaḥ kaśyapas tasyām ādityān samajījanat indrādīn vīryasaṃpannān vivasvantam athāpi ca
Von den dreizehn Gattinnen, mit jener vorzüglichsten Tochter Dakṣas, zeugte Kaśyapa, der Sohn des Marīci, die Ādityas, angeführt von Indra, von großer Kraft, sowie auch Vivasvat.

vivasvataḥ suto jajñe yamo vaivasvataḥ prabhuḥ mārtaṇḍaś ca yamasyāpi putro rājann ajāyata

Von Vivasvat wurde der Sohn Yama geboren, der Herrscher, Sohn des Vivasvat, sowie auch Mārtaṇḍa, o König.

Wort für Wort
vivasvataḥ suto jajñe yamo vaivasvataḥ prabhuḥ mārtaṇḍaś ca yamasyāpi putro rājann ajāyata
Von Vivasvat wurde der Sohn Yama geboren, der Herrscher, Sohn des Vivasvat, sowie auch Mārtaṇḍa, o König.

[Anm.: Die genaue Verwandtschaftsbeziehung ist im Text knapp; nach anderen Überlieferungen ist Mārtaṇḍa ein weiterer Name/Sohn des Vivasvat selbst, nicht des Yama - hier folgt die Übersetzung dem Wortlaut.

mārtaṇḍasya manur dhīmān ajāyata sutaḥ prabhuḥ manor vaṃśo mānavānāṃ tato 'yaṃ prathito 'bhavat brahmakṣatrādayas tasmān manor jātās tu mānavāḥ

Von Mārtaṇḍa wurde der weise Manu geboren, der Herrscher, der Sohn; von Manu entstand danach das Geschlecht der Menschen, das berühmt wurde - Brahmanen und Kṣatriyas usw. wurden von Manu als die Mānavas geboren.

Wort für Wort
mārtaṇḍasya manur dhīmān ajāyata sutaḥ prabhuḥ manor vaṃśo mānavānāṃ tato 'yaṃ prathito 'bhavat brahmakṣatrādayas tasmān manor jātās tu mānavāḥ
Von Mārtaṇḍa wurde der weise Manu geboren, der Herrscher, der Sohn; von Manu entstand danach das Geschlecht der Menschen, das berühmt wurde - Brahmanen und Kṣatriyas usw. wurden von Manu als die Mānavas geboren.

tatrābhavat tadā rājan brahma kṣatreṇa saṃgatam brāhmaṇā mānavās teṣāṃ sāṅgaṃ vedam adīdharan

Dort waren, o König, damals Brahmanenschaft und Kriegerschaft miteinander vereint; die Brahmanen unter den Mānavas hielten den Veda mit seinen Zweigen aufrecht.

Wort für Wort
tatrābhavat tadā rājan brahma kṣatreṇa saṃgatam brāhmaṇā mānavās teṣāṃ sāṅgaṃ vedam adīdharan
Dort waren, o König, damals Brahmanenschaft und Kriegerschaft miteinander vereint; die Brahmanen unter den Mānavas hielten den Veda mit seinen Zweigen aufrecht.

venaṃ dhṛṣṇuṃ nariṣyantaṃ nābhāgekṣvākum eva ca karūṣam atha śaryātiṃ tathaivātrāṣṭamīm ilām

Vena, Dhṛṣṇu, Nariṣyanta, Nābhāga, Ikṣvāku, Karūṣa, Śaryāti, sowie auch als achte Ilā,

Wort für Wort
venaṃ dhṛṣṇuṃ nariṣyantaṃ nābhāgekṣvākum eva ca karūṣam atha śaryātiṃ tathaivātrāṣṭamīm ilām
Vena, Dhṛṣṇu, Nariṣyanta, Nābhāga, Ikṣvāku, Karūṣa, Śaryāti, sowie auch als achte Ilā,

pṛṣadhranavamān āhuḥ kṣatradharmaparāyaṇān nābhāgāriṣṭadaśamān manoḥ putrān mahābalān

Pṛṣadhra als neunter - so nennt man sie, dem Kṣatriya-Dharma ergeben - und Nābhāgāriṣṭa als zehnter, die Söhne Manus, von großer Kraft.

Wort für Wort
pṛṣadhranavamān āhuḥ kṣatradharmaparāyaṇān nābhāgāriṣṭadaśamān manoḥ putrān mahābalān
Pṛṣadhra als neunter - so nennt man sie, dem Kṣatriya-Dharma ergeben - und Nābhāgāriṣṭa als zehnter, die Söhne Manus, von großer Kraft.

pañcāśataṃ manoḥ putrās tathaivānye 'bhavan kṣitau anyonyabhedāt te sarve vineśur iti naḥ śrutam

Fünfzig Söhne hatte Manu, und ebenso entstanden andere auf der Erde; alle diese gingen, so haben wir gehört, durch gegenseitigen Streit zugrunde.

Wort für Wort
pañcāśataṃ manoḥ putrās tathaivānye 'bhavan kṣitau anyonyabhedāt te sarve vineśur iti naḥ śrutam
Fünfzig Söhne hatte Manu, und ebenso entstanden andere auf der Erde; alle diese gingen, so haben wir gehört, durch gegenseitigen Streit zugrunde.

purūravās tato vidvān ilāyāṃ samapadyata sā vai tasyābhavan mātā pitā ceti hi naḥ śrutam

Danach entstand der weise Purūravas aus Ilā; sie war, so haben wir gehört, sowohl seine Mutter als auch sein Vater.

Wort für Wort
purūravās tato vidvān ilāyāṃ samapadyata sā vai tasyābhavan mātā pitā ceti hi naḥ śrutam
Danach entstand der weise Purūravas aus Ilā; sie war, so haben wir gehört, sowohl seine Mutter als auch sein Vater.

[Anm.: Anspielung auf den Mythos von Ilā als geschlechtswandelndem Wesen (abwechselnd Mann und Frau), hier nur knapp vorausgesetzt, nicht ausgeführt.

trayodaśa samudrasya dvīpān aśnan purūravāḥ amānuṣair vṛtaḥ sattvair mānuṣaḥ san mahāyaśāḥ

Die dreizehn Inseln des Ozeans genoss Purūravas, umgeben von nichtmenschlichen Wesen, obwohl er, der Hochberühmte, ein Mensch war.

Wort für Wort
trayodaśa samudrasya dvīpān aśnan purūravāḥ amānuṣair vṛtaḥ sattvair mānuṣaḥ san mahāyaśāḥ
Die dreizehn Inseln des Ozeans genoss Purūravas, umgeben von nichtmenschlichen Wesen, obwohl er, der Hochberühmte, ein Mensch war.

vipraiḥ sa vigrahaṃ cakre vīryonmattaḥ purūravāḥ jahāra ca sa viprāṇāṃ ratnāny utkrośatām api

Mit den Brahmanen führte er Streit, Purūravas, von Kraft berauscht, und raubte den Brahmanen ihre Kostbarkeiten, obwohl sie laut klagten.

Wort für Wort
vipraiḥ sa vigrahaṃ cakre vīryonmattaḥ purūravāḥ jahāra ca sa viprāṇāṃ ratnāny utkrośatām api
Mit den Brahmanen führte er Streit, Purūravas, von Kraft berauscht, und raubte den Brahmanen ihre Kostbarkeiten, obwohl sie laut klagten.

sanatkumāras taṃ rājan brahmalokād upetya ha anudarśayāṃ tataś cakre pratyagṛhṇān na cāpy asau

Sanatkumāra kam da, o König, vom Brahmaloka herab, um ihn zu belehren; doch er nahm dies nicht an.

Wort für Wort
sanatkumāras taṃ rājan brahmalokād upetya ha anudarśayāṃ tataś cakre pratyagṛhṇān na cāpy asau
Sanatkumāra kam da, o König, vom Brahmaloka herab, um ihn zu belehren; doch er nahm dies nicht an.

tato maharṣibhiḥ kruddhaiḥ śaptaḥ sadyo vyanaśyata lobhānvito madabalān naṣṭasaṃjño narādhipaḥ

Da wurde er, von den zornigen großen Weisen verflucht, sogleich vernichtet, der von Gier ergriffene, durch die Kraft des Rausches der Besinnung beraubte Herrscher der Menschen.

Wort für Wort
tato maharṣibhiḥ kruddhaiḥ śaptaḥ sadyo vyanaśyata lobhānvito madabalān naṣṭasaṃjño narādhipaḥ
Da wurde er, von den zornigen großen Weisen verflucht, sogleich vernichtet, der von Gier ergriffene, durch die Kraft des Rausches der Besinnung beraubte Herrscher der Menschen.

sa hi gandharvalokastha urvaśyā sahito virāṭ ānināya kriyārthe 'gnīn yathāvad vihitāṃs tridhā

Denn er, in der Gandharva-Welt weilend, zusammen mit Urvaśī, hatte, als Weltenherrscher, die drei ordnungsgemäß eingerichteten heiligen Feuer zum Zwecke des Rituals mitgebracht.

Wort für Wort
sa hi gandharvalokastha urvaśyā sahito virāṭ ānināya kriyārthe 'gnīn yathāvad vihitāṃs tridhā
Denn er, in der Gandharva-Welt weilend, zusammen mit Urvaśī, hatte, als Weltenherrscher, die drei ordnungsgemäß eingerichteten heiligen Feuer zum Zwecke des Rituals mitgebracht.

[Anm.: Anspielung auf den Mythos, wie Purūravas den Gandharvas die drei heiligen Feuer entwendete, um sie den Menschen zu bringen - hier nur knapp vorausgesetzt.

ṣaṭ putrā jajñire 'thailād āyur dhīmān amāvasuḥ dṛḍhāyuś ca vanāyuś ca śrutāyuś corvaśīsutāḥ

Sechs Söhne wurden von Ilā (d.h. Purūravas) geboren: Āyu, der Weise, Amāvasu, Dṛḍhāyu und Vanāyu und Śrutāyu, die Söhne der Urvaśī.

Wort für Wort
ṣaṭ putrā jajñire 'thailād āyur dhīmān amāvasuḥ dṛḍhāyuś ca vanāyuś ca śrutāyuś corvaśīsutāḥ
Sechs Söhne wurden von Ilā (d.h. Purūravas) geboren: Āyu, der Weise, Amāvasu, Dṛḍhāyu und Vanāyu und Śrutāyu, die Söhne der Urvaśī.

nahuṣaṃ vṛddhaśarmāṇaṃ rajiṃ rambham anenasam svarbhānavīsutān etān āyoḥ putrān pracakṣate

Nahuṣa, Vṛddhaśarman, Raji, Rambha, Anenas - diese nennt man die Söhne des Āyu mit Svarbhānavī.

Wort für Wort
nahuṣaṃ vṛddhaśarmāṇaṃ rajiṃ rambham anenasam svarbhānavīsutān etān āyoḥ putrān pracakṣate
Nahuṣa, Vṛddhaśarman, Raji, Rambha, Anenas - diese nennt man die Söhne des Āyu mit Svarbhānavī.

āyuṣo nahuṣaḥ putro dhīmān satyaparākramaḥ rājyaṃ śaśāsa sumahad dharmeṇa pṛthivīpatiḥ

Der Sohn des Āyu, Nahuṣa, der Weise, von wahrer Tapferkeit, herrschte über ein überaus großes Königreich nach dem Dharma, der Herrscher der Erde.

Wort für Wort
āyuṣo nahuṣaḥ putro dhīmān satyaparākramaḥ rājyaṃ śaśāsa sumahad dharmeṇa pṛthivīpatiḥ
Der Sohn des Āyu, Nahuṣa, der Weise, von wahrer Tapferkeit, herrschte über ein überaus großes Königreich nach dem Dharma, der Herrscher der Erde.

pitṝn devān ṛṣīn viprān gandharvoragarākṣasān nahuṣaḥ pālayām āsa brahmakṣatram atho viśaḥ

Die Ahnen, Götter, Seher, Brahmanen, Gandharvas, Schlangen und Rākṣasas beschützte Nahuṣa, sowie Brahmanen, Kṣatriyas und das Volk.

Wort für Wort
pitṝn devān ṛṣīn viprān gandharvoragarākṣasān nahuṣaḥ pālayām āsa brahmakṣatram atho viśaḥ
Die Ahnen, Götter, Seher, Brahmanen, Gandharvas, Schlangen und Rākṣasas beschützte Nahuṣa, sowie Brahmanen, Kṣatriyas und das Volk.

sa hatvā dasyusaṃghātān ṛṣīn karam adāpayat paśuvac caiva tān pṛṣṭhe vāhayām āsa vīryavān

Nachdem er die Räuberscharen erschlagen hatte, ließ er die Seher Steuer zahlen, und ließ sie, wie Zugtiere, auf seinem Rücken tragen, der Kraftvolle.

Wort für Wort
sa hatvā dasyusaṃghātān ṛṣīn karam adāpayat paśuvac caiva tān pṛṣṭhe vāhayām āsa vīryavān
Nachdem er die Räuberscharen erschlagen hatte, ließ er die Seher Steuer zahlen, und ließ sie, wie Zugtiere, auf seinem Rücken tragen, der Kraftvolle.

[Anm.: Bezug auf den bekannten Mythos, wie der später hochmütig gewordene Nahuṣa die Ṛṣis als Sänftenträger missbrauchte, was zu seinem Sturz und seiner Verwandlung in eine Schlange führte (in späteren Parvas ausgeführt) - hier nur knapp vorausgesetzt.

kārayām āsa cendratvam abhibhūya divaukasaḥ tejasā tapasā caiva vikrameṇaujasā tathā

Und er ließ sich zum Herrscher über Indras Amt machen, nachdem er die Himmelsbewohner überwunden hatte, durch Glanz, durch Askese, durch Tapferkeit und durch Kraft.

Wort für Wort
kārayām āsa cendratvam abhibhūya divaukasaḥ tejasā tapasā caiva vikrameṇaujasā tathā
Und er ließ sich zum Herrscher über Indras Amt machen, nachdem er die Himmelsbewohner überwunden hatte, durch Glanz, durch Askese, durch Tapferkeit und durch Kraft.

yatiṃ yayātiṃ saṃyātim āyātiṃ pāñcam uddhavam nahuṣo janayām āsa ṣaṭ putrān priyavāsasi

Yati, Yayāti, Saṃyāti, Āyāti, den fünften Uddhava - diese sechs Söhne zeugte Nahuṣa mit Priyavāsas.

Wort für Wort
yatiṃ yayātiṃ saṃyātim āyātiṃ pāñcam uddhavam nahuṣo janayām āsa ṣaṭ putrān priyavāsasi
Yati, Yayāti, Saṃyāti, Āyāti, den fünften Uddhava - diese sechs Söhne zeugte Nahuṣa mit Priyavāsas.

yayātir nāhuṣaḥ samrāḍ āsīt satyaparākramaḥ sa pālayām āsa mahīm īje ca vividhaiḥ savaiḥ

Yayāti, der Sohn des Nahuṣa, war ein Weltenherrscher von wahrer Tapferkeit; er beschützte die Erde und opferte mit mancherlei Opfern.

Wort für Wort
yayātir nāhuṣaḥ samrāḍ āsīt satyaparākramaḥ sa pālayām āsa mahīm īje ca vividhaiḥ savaiḥ
Yayāti, der Sohn des Nahuṣa, war ein Weltenherrscher von wahrer Tapferkeit; er beschützte die Erde und opferte mit mancherlei Opfern.

atiśaktyā pitṝn arcan devāṃś ca prayataḥ sadā anvagṛhṇāt prajāḥ sarvā yayātir aparājitaḥ

Mit übermäßiger Kraft verehrte er stets, geläutert, die Ahnen und die Götter; er beschützte alle Geschöpfe, Yayāti, der Unbesiegte.

Wort für Wort
atiśaktyā pitṝn arcan devāṃś ca prayataḥ sadā anvagṛhṇāt prajāḥ sarvā yayātir aparājitaḥ
Mit übermäßiger Kraft verehrte er stets, geläutert, die Ahnen und die Götter; er beschützte alle Geschöpfe, Yayāti, der Unbesiegte.

tasya putrā maheṣvāsāḥ sarvaiḥ samuditā guṇaiḥ devayānyāṃ mahārāja śarmiṣṭhāyāṃ ca jajñire

Seine Söhne, große Bogenschützen, mit allen Tugenden versehen, wurden geboren von Devayānī, o Großkönig, und von Śarmiṣṭhā.

Wort für Wort
tasya putrā maheṣvāsāḥ sarvaiḥ samuditā guṇaiḥ devayānyāṃ mahārāja śarmiṣṭhāyāṃ ca jajñire
Seine Söhne, große Bogenschützen, mit allen Tugenden versehen, wurden geboren von Devayānī, o Großkönig, und von Śarmiṣṭhā.

devayānyām ajāyetāṃ yadus turvasur eva ca druhyuś cānuś ca pūruś ca śarmiṣṭhāyāṃ prajajñire

Von Devayānī wurden Yadu und Turvasu geboren, von Śarmiṣṭhā wurden Druhyu, Anu und Pūru geboren.

Wort für Wort
devayānyām ajāyetāṃ yadus turvasur eva ca druhyuś cānuś ca pūruś ca śarmiṣṭhāyāṃ prajajñire
Von Devayānī wurden Yadu und Turvasu geboren, von Śarmiṣṭhā wurden Druhyu, Anu und Pūru geboren.

sa śāśvatīḥ samā rājan prajā dharmeṇa pālayan jarām ārchan mahāghorāṃ nāhuṣo rūpanāśinīm

Er, der so für viele, viele Jahre, o König, die Geschöpfe nach dem Dharma beschützte, Nahuṣas Sohn, geriet in ein überaus schreckliches, die Schönheit vernichtendes Alter.

Wort für Wort
sa śāśvatīḥ samā rājan prajā dharmeṇa pālayan jarām ārchan mahāghorāṃ nāhuṣo rūpanāśinīm
Er, der so für viele, viele Jahre, o König, die Geschöpfe nach dem Dharma beschützte, Nahuṣas Sohn, geriet in ein überaus schreckliches, die Schönheit vernichtendes Alter.

jarābhibhūtaḥ putrān sa rājā vacanam abravīt yaduṃ pūruṃ turvasuṃ ca druhyuṃ cānuṃ ca bhārata

Vom Alter überwältigt, sprach dieser König Worte zu seinen Söhnen, zu Yadu, Pūru, Turvasu, Druhyu und Anu, o Bhārata:

Wort für Wort
jarābhibhūtaḥ putrān sa rājā vacanam abravīt yaduṃ pūruṃ turvasuṃ ca druhyuṃ cānuṃ ca bhārata
Vom Alter überwältigt, sprach dieser König Worte zu seinen Söhnen, zu Yadu, Pūru, Turvasu, Druhyu und Anu, o Bhārata:

yauvanena caran kāmān yuvā yuvatibhiḥ saha vihartum aham icchāmi sāhyaṃ kuruta putrakāḥ

›Mit der Jugend umherwandelnd, nach Herzenslust, jung, mit jungen Frauen mich vergnügend - dies möchte ich; leistet mir Beistand, meine Söhnchen!‹

Wort für Wort
yauvanena caran kāmān yuvā yuvatibhiḥ saha vihartum aham icchāmi sāhyaṃ kuruta putrakāḥ
›Mit der Jugend umherwandelnd, nach Herzenslust, jung, mit jungen Frauen mich vergnügend - dies möchte ich; leistet mir Beistand, meine Söhnchen!‹

taṃ putro devayāneyaḥ pūrvajo yadur abravīt kiṃ kāryaṃ bhavataḥ kāryam asmābhir yauvanena ca

Zu ihm sprach der erstgeborene Sohn der Devayānī, Yadu: ›Was ist eure Aufgabe, o Herr, und was sollen wir mit der Jugend?‹

Wort für Wort
taṃ putro devayāneyaḥ pūrvajo yadur abravīt kiṃ kāryaṃ bhavataḥ kāryam asmābhir yauvanena ca
Zu ihm sprach der erstgeborene Sohn der Devayānī, Yadu: ›Was ist eure Aufgabe, o Herr, und was sollen wir mit der Jugend?‹

yayātir abravīt taṃ vai jarā me pratigṛhyatām yauvanena tvadīyena careyaṃ viṣayān aham

Yayāti sprach zu ihm: ›Nehmt mein Alter an; mit eurer Jugend möchte ich die Sinnesobjekte genießen.

Wort für Wort
yayātir abravīt taṃ vai jarā me pratigṛhyatām yauvanena tvadīyena careyaṃ viṣayān aham
Yayāti sprach zu ihm: ›Nehmt mein Alter an; mit eurer Jugend möchte ich die Sinnesobjekte genießen.

yajato dīrghasatrair me śāpāc cośanaso muneḥ kāmārthaḥ parihīṇo me tapye 'haṃ tena putrakāḥ

Durch den Fluch des Weisen Uśanas, während ich lange Opferriten vollzog, wurde mir das Verlangen nach Liebesgenuss verwehrt; darüber leide ich, meine Söhnchen.

Wort für Wort
yajato dīrghasatrair me śāpāc cośanaso muneḥ kāmārthaḥ parihīṇo me tapye 'haṃ tena putrakāḥ
Durch den Fluch des Weisen Uśanas, während ich lange Opferriten vollzog, wurde mir das Verlangen nach Liebesgenuss verwehrt; darüber leide ich, meine Söhnchen.

[Anm.: hier wird ein früherer, in diesem knappen Text nicht ausgeführter Mythos vorausgesetzt: Yayātis Verfluchung durch seinen Schwiegervater Śukra/Uśanas wegen seiner Untreue mit Śarmiṣṭhā.

māmakena śarīreṇa rājyam ekaḥ praśāstu vaḥ ahaṃ tanvābhinavayā yuvā kāmān avāpnuyām

Möge einer von euch, mit meinem Körper, allein für euch das Königreich beherrschen; ich möchte mit einem frischen, jugendlichen Leib die Sinnesobjekte genießen.‹

Wort für Wort
māmakena śarīreṇa rājyam ekaḥ praśāstu vaḥ ahaṃ tanvābhinavayā yuvā kāmān avāpnuyām
Möge einer von euch, mit meinem Körper, allein für euch das Königreich beherrschen; ich möchte mit einem frischen, jugendlichen Leib die Sinnesobjekte genießen.‹

na te tasya pratyagṛhṇan yaduprabhṛtayo jarām tam abravīt tataḥ pūruḥ kanīyān satyavikramaḥ

Sie nahmen sein Alter nicht an, angefangen mit Yadu; da sprach zu ihm Pūru, der Jüngste, von wahrer Tapferkeit:

Wort für Wort
na te tasya pratyagṛhṇan yaduprabhṛtayo jarām tam abravīt tataḥ pūruḥ kanīyān satyavikramaḥ
Sie nahmen sein Alter nicht an, angefangen mit Yadu; da sprach zu ihm Pūru, der Jüngste, von wahrer Tapferkeit:

rājaṃś carābhinavayā tanvā yauvanagocaraḥ ahaṃ jarāṃ samāsthāya rājye sthāsyāmi te ''jñayā

›O König, wandle du mit dem frischen Körper im Bereich der Jugend umher; ich will das Alter auf mich nehmen und in deinem Königreich verweilen, nach deinem Geheiß.‹

Wort für Wort
rājaṃś carābhinavayā tanvā yauvanagocaraḥ ahaṃ jarāṃ samāsthāya rājye sthāsyāmi te ''jñayā
›O König, wandle du mit dem frischen Körper im Bereich der Jugend umher; ich will das Alter auf mich nehmen und in deinem Königreich verweilen, nach deinem Geheiß.‹

evam uktaḥ sa rājarṣis tapovīryasamāśrayāt saṃcārayām āsa jarāṃ tadā putre mahātmani

So angesprochen, ließ jener Königsweise, gestützt auf die Kraft seiner Askese, das Alter auf seinen hochgesinnten Sohn übergehen.

Wort für Wort
evam uktaḥ sa rājarṣis tapovīryasamāśrayāt saṃcārayām āsa jarāṃ tadā putre mahātmani
So angesprochen, ließ jener Königsweise, gestützt auf die Kraft seiner Askese, das Alter auf seinen hochgesinnten Sohn übergehen.

pauraveṇātha vayasā rājā yauvanam āsthitaḥ yāyātenāpi vayasā rājyaṃ pūrur akārayat

Da nahm der König mit Pūrus Lebensalter die Jugend an, und mit Yayātis Lebensalter führte Pūru das Königreich.

Wort für Wort
pauraveṇātha vayasā rājā yauvanam āsthitaḥ yāyātenāpi vayasā rājyaṃ pūrur akārayat
Da nahm der König mit Pūrus Lebensalter die Jugend an, und mit Yayātis Lebensalter führte Pūru das Königreich.

tato varṣasahasrānte yayātir aparājitaḥ atṛpta eva kāmānāṃ pūruṃ putram uvāca ha

Danach, nach tausend Jahren, sprach Yayāti, der Unbesiegte, immer noch nicht gesättigt an Sinnesgenüssen, zu seinem Sohn Pūru:

Wort für Wort
tato varṣasahasrānte yayātir aparājitaḥ atṛpta eva kāmānāṃ pūruṃ putram uvāca ha
Danach, nach tausend Jahren, sprach Yayāti, der Unbesiegte, immer noch nicht gesättigt an Sinnesgenüssen, zu seinem Sohn Pūru:

tvayā dāyādavān asmi tvaṃ me vaṃśakaraḥ sutaḥ pauravo vaṃśa iti te khyātiṃ loke gamiṣyati

›Durch dich habe ich einen Erben; du bist mein geschlechtsfortführender Sohn; ›Paurava-Geschlecht‹ - dieser Ruf wird dir in der Welt zuteilwerden.‹

Wort für Wort
tvayā dāyādavān asmi tvaṃ me vaṃśakaraḥ sutaḥ pauravo vaṃśa iti te khyātiṃ loke gamiṣyati
›Durch dich habe ich einen Erben; du bist mein geschlechtsfortführender Sohn; ›Paurava-Geschlecht‹ - dieser Ruf wird dir in der Welt zuteilwerden.‹

tataḥ sa nṛpaśārdūlaḥ pūruṃ rājye 'bhiṣicya ca kālena mahatā paścāt kāladharmam upeyivān

Danach weihte jener Tiger unter den Königen Pūru zum König, und nach langer Zeit ging er später den Weg der Zeit (starb).«

Wort für Wort
tataḥ sa nṛpaśārdūlaḥ pūruṃ rājye 'bhiṣicya ca kālena mahatā paścāt kāladharmam upeyivān
Danach weihte jener Tiger unter den Königen Pūru zum König, und nach langer Zeit ging er später den Weg der Zeit (starb).«

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