Kapitel 70: Yayātyupākhyānam
Die Genealogie von Dakṣa bis Pūru: die Erzählung von Yayāti
Nach Abschluss der Śakuntalā-Bharata-Episode setzt Vaiśaṃpāyana mit der großen Ahnenreihe der Bhāratas/Pauravas/Yādavas an, beginnend bei Prajāpati Dakṣa über Vivasvat, Manu, Purūravas (Sohn der Ilā und Geliebter der Urvaśī) und Nahuṣa bis zu Yayāti. Kernstück ist die berühmte Erzählung von Yayātis Alterstausch: Da ihm durch Uśanas' Fluch die Liebesfähigkeit genommen wurde, bittet er seine fünf Söhne (von Devayānī: Yadu, Turvasu; von Śarmiṣṭhā: Druhyu, Anu, Pūru) um ihre Jugend; nur der jüngste, Pūru, willigt ein und wird dafür zum Erben und Namensgeber des Paurava-Geschlechts eingesetzt.
yādavānām imaṃ vaṃśaṃ pauravāṇāṃ ca sarvaśaḥ tathaiva bhāratānāṃ ca puṇyaṃ svastyayanaṃ mahat dhanyaṃ yaśasyam āyuṣyaṃ kīrtayiṣyāmi te 'nagha
dieses Geschlecht der Yādavas und der Pauravas insgesamt, sowie auch der Bhāratas, das heilige, große, glückverheißende, ruhmreiche, lebenspendende will ich dir verkünden, du Makelloser.
Wort für Wort
yādavānām imaṃ vaṃśaṃ pauravāṇāṃ ca sarvaśaḥ tathaiva bhāratānāṃ ca puṇyaṃ svastyayanaṃ mahat dhanyaṃ yaśasyam āyuṣyaṃ kīrtayiṣyāmi te 'nagha
dieses Geschlecht der Yādavas und der Pauravas insgesamt, sowie auch der Bhāratas, das heilige, große, glückverheißende, ruhmreiche, lebenspendende will ich dir verkünden, du Makelloser.
tejobhir uditāḥ sarve maharṣisamatejasaḥ daśa pracetasaḥ putrāḥ santaḥ pūrvajanāḥ smṛtāḥ meghajenāgninā ye te pūrvaṃ dagdhā mahaujasaḥ
Alle von Glanz erhoben, den großen Weisen an Glanz gleich, waren die zehn Pracetas-Söhne, wie überliefert die Erstgeborenen - jene, die einst vom wolkenerzeugten Feuer verbrannt wurden, die von großer Kraft.
Wort für Wort
tejobhir uditāḥ sarve maharṣisamatejasaḥ daśa pracetasaḥ putrāḥ santaḥ pūrvajanāḥ smṛtāḥ meghajenāgninā ye te pūrvaṃ dagdhā mahaujasaḥ
Alle von Glanz erhoben, den großen Weisen an Glanz gleich, waren die zehn Pracetas-Söhne, wie überliefert die Erstgeborenen - jene, die einst vom wolkenerzeugten Feuer verbrannt wurden, die von großer Kraft.
[Anm.: Anspielung auf einen hier nicht ausgeführten Mythos, in dem die Pracetas-Söhne von einem aus Wolken entstandenen Feuer versehrt wurden.
tebhyaḥ prācetaso jajñe dakṣo dakṣād imāḥ prajāḥ saṃbhūtāḥ puruṣavyāghra sa hi lokapitāmahaḥ
Von ihnen, den Prācetasas, wurde Dakṣa geboren; von Dakṣa entstanden diese Geschöpfe, o Tigermensch unter den Männern - denn er ist der Großvater der Welten.
Wort für Wort
tebhyaḥ prācetaso jajñe dakṣo dakṣād imāḥ prajāḥ saṃbhūtāḥ puruṣavyāghra sa hi lokapitāmahaḥ
Von ihnen, den Prācetasas, wurde Dakṣa geboren; von Dakṣa entstanden diese Geschöpfe, o Tigermensch unter den Männern - denn er ist der Großvater der Welten.
trayodaśānāṃ patnīnāṃ yā tu dākṣāyaṇī varā mārīcaḥ kaśyapas tasyām ādityān samajījanat indrādīn vīryasaṃpannān vivasvantam athāpi ca
Von den dreizehn Gattinnen, mit jener vorzüglichsten Tochter Dakṣas, zeugte Kaśyapa, der Sohn des Marīci, die Ādityas, angeführt von Indra, von großer Kraft, sowie auch Vivasvat.
Wort für Wort
trayodaśānāṃ patnīnāṃ yā tu dākṣāyaṇī varā mārīcaḥ kaśyapas tasyām ādityān samajījanat indrādīn vīryasaṃpannān vivasvantam athāpi ca
Von den dreizehn Gattinnen, mit jener vorzüglichsten Tochter Dakṣas, zeugte Kaśyapa, der Sohn des Marīci, die Ādityas, angeführt von Indra, von großer Kraft, sowie auch Vivasvat.
Von Vivasvat wurde der Sohn Yama geboren, der Herrscher, Sohn des Vivasvat, sowie auch Mārtaṇḍa, o König.
[Anm.: Die genaue Verwandtschaftsbeziehung ist im Text knapp; nach anderen Überlieferungen ist Mārtaṇḍa ein weiterer Name/Sohn des Vivasvat selbst, nicht des Yama - hier folgt die Übersetzung dem Wortlaut.
mārtaṇḍasya manur dhīmān ajāyata sutaḥ prabhuḥ manor vaṃśo mānavānāṃ tato 'yaṃ prathito 'bhavat brahmakṣatrādayas tasmān manor jātās tu mānavāḥ
Von Mārtaṇḍa wurde der weise Manu geboren, der Herrscher, der Sohn; von Manu entstand danach das Geschlecht der Menschen, das berühmt wurde - Brahmanen und Kṣatriyas usw. wurden von Manu als die Mānavas geboren.
Wort für Wort
mārtaṇḍasya manur dhīmān ajāyata sutaḥ prabhuḥ manor vaṃśo mānavānāṃ tato 'yaṃ prathito 'bhavat brahmakṣatrādayas tasmān manor jātās tu mānavāḥ
Von Mārtaṇḍa wurde der weise Manu geboren, der Herrscher, der Sohn; von Manu entstand danach das Geschlecht der Menschen, das berühmt wurde - Brahmanen und Kṣatriyas usw. wurden von Manu als die Mānavas geboren.
Dort waren, o König, damals Brahmanenschaft und Kriegerschaft miteinander vereint; die Brahmanen unter den Mānavas hielten den Veda mit seinen Zweigen aufrecht.
Dort waren, o König, damals Brahmanenschaft und Kriegerschaft miteinander vereint; die Brahmanen unter den Mānavas hielten den Veda mit seinen Zweigen aufrecht.
tato maharṣibhiḥ kruddhaiḥ śaptaḥ sadyo vyanaśyata lobhānvito madabalān naṣṭasaṃjño narādhipaḥ
Da wurde er, von den zornigen großen Weisen verflucht, sogleich vernichtet, der von Gier ergriffene, durch die Kraft des Rausches der Besinnung beraubte Herrscher der Menschen.
Wort für Wort
tato maharṣibhiḥ kruddhaiḥ śaptaḥ sadyo vyanaśyata lobhānvito madabalān naṣṭasaṃjño narādhipaḥ
Da wurde er, von den zornigen großen Weisen verflucht, sogleich vernichtet, der von Gier ergriffene, durch die Kraft des Rausches der Besinnung beraubte Herrscher der Menschen.
sa hi gandharvalokastha urvaśyā sahito virāṭ ānināya kriyārthe 'gnīn yathāvad vihitāṃs tridhā
Denn er, in der Gandharva-Welt weilend, zusammen mit Urvaśī, hatte, als Weltenherrscher, die drei ordnungsgemäß eingerichteten heiligen Feuer zum Zwecke des Rituals mitgebracht.
Wort für Wort
sa hi gandharvalokastha urvaśyā sahito virāṭ ānināya kriyārthe 'gnīn yathāvad vihitāṃs tridhā
Denn er, in der Gandharva-Welt weilend, zusammen mit Urvaśī, hatte, als Weltenherrscher, die drei ordnungsgemäß eingerichteten heiligen Feuer zum Zwecke des Rituals mitgebracht.
[Anm.: Anspielung auf den Mythos, wie Purūravas den Gandharvas die drei heiligen Feuer entwendete, um sie den Menschen zu bringen - hier nur knapp vorausgesetzt.
sa hatvā dasyusaṃghātān ṛṣīn karam adāpayat paśuvac caiva tān pṛṣṭhe vāhayām āsa vīryavān
Nachdem er die Räuberscharen erschlagen hatte, ließ er die Seher Steuer zahlen, und ließ sie, wie Zugtiere, auf seinem Rücken tragen, der Kraftvolle.
Wort für Wort
sa hatvā dasyusaṃghātān ṛṣīn karam adāpayat paśuvac caiva tān pṛṣṭhe vāhayām āsa vīryavān
Nachdem er die Räuberscharen erschlagen hatte, ließ er die Seher Steuer zahlen, und ließ sie, wie Zugtiere, auf seinem Rücken tragen, der Kraftvolle.
[Anm.: Bezug auf den bekannten Mythos, wie der später hochmütig gewordene Nahuṣa die Ṛṣis als Sänftenträger missbrauchte, was zu seinem Sturz und seiner Verwandlung in eine Schlange führte (in späteren Parvas ausgeführt) - hier nur knapp vorausgesetzt.
Und er ließ sich zum Herrscher über Indras Amt machen, nachdem er die Himmelsbewohner überwunden hatte, durch Glanz, durch Askese, durch Tapferkeit und durch Kraft.
Und er ließ sich zum Herrscher über Indras Amt machen, nachdem er die Himmelsbewohner überwunden hatte, durch Glanz, durch Askese, durch Tapferkeit und durch Kraft.
Er, der so für viele, viele Jahre, o König, die Geschöpfe nach dem Dharma beschützte, Nahuṣas Sohn, geriet in ein überaus schreckliches, die Schönheit vernichtendes Alter.
Er, der so für viele, viele Jahre, o König, die Geschöpfe nach dem Dharma beschützte, Nahuṣas Sohn, geriet in ein überaus schreckliches, die Schönheit vernichtendes Alter.
yajato dīrghasatrair me śāpāc cośanaso muneḥ kāmārthaḥ parihīṇo me tapye 'haṃ tena putrakāḥ
Durch den Fluch des Weisen Uśanas, während ich lange Opferriten vollzog, wurde mir das Verlangen nach Liebesgenuss verwehrt; darüber leide ich, meine Söhnchen.
Wort für Wort
yajato dīrghasatrair me śāpāc cośanaso muneḥ kāmārthaḥ parihīṇo me tapye 'haṃ tena putrakāḥ
Durch den Fluch des Weisen Uśanas, während ich lange Opferriten vollzog, wurde mir das Verlangen nach Liebesgenuss verwehrt; darüber leide ich, meine Söhnchen.
[Anm.: hier wird ein früherer, in diesem knappen Text nicht ausgeführter Mythos vorausgesetzt: Yayātis Verfluchung durch seinen Schwiegervater Śukra/Uśanas wegen seiner Untreue mit Śarmiṣṭhā.
Möge einer von euch, mit meinem Körper, allein für euch das Königreich beherrschen; ich möchte mit einem frischen, jugendlichen Leib die Sinnesobjekte genießen.‹
Möge einer von euch, mit meinem Körper, allein für euch das Königreich beherrschen; ich möchte mit einem frischen, jugendlichen Leib die Sinnesobjekte genießen.‹
›O König, wandle du mit dem frischen Körper im Bereich der Jugend umher; ich will das Alter auf mich nehmen und in deinem Königreich verweilen, nach deinem Geheiß.‹
›O König, wandle du mit dem frischen Körper im Bereich der Jugend umher; ich will das Alter auf mich nehmen und in deinem Königreich verweilen, nach deinem Geheiß.‹