Kapitel 102: Kurudeśa-Vṛddhiḥ
Das Aufblühen des Kuru-Reichs und die Erziehung der drei Prinzen
Mit der Geburt der drei Prinzen erlebt das Kuru-Land eine Blütezeit wie im goldenen Zeitalter (Kṛtayuga), unter Bhīṣmas gerechter Regentschaft. Dhṛtarāṣṭra, Pāṇḍu und Vidura werden von Bhīṣma wie eigene Söhne erzogen und in Waffenkunst, Wissenschaften und Staatslehre ausgebildet. Da Dhṛtarāṣṭra blind und Vidura von niederer Geburt ist, wird Pāṇḍu zum König erhoben.
ūrdhvasasyābhavad bhūmiḥ sasyāni phalavanti ca yathartuvarṣī parjanyo bahupuṣpaphalā drumāḥ
Die Erde brachte üppige Feldfrüchte hervor, reich an Früchten; die Regenwolke spendete Regen zur rechten Jahreszeit, die Bäume trugen viele Blüten und Früchte.
Wort für Wort
ūrdhvasasyābhavad bhūmiḥ sasyāni phalavanti ca yathartuvarṣī parjanyo bahupuṣpaphalā drumāḥ
Die Erde brachte üppige Feldfrüchte hervor, reich an Früchten; die Regenwolke spendete Regen zur rechten Jahreszeit, die Bäume trugen viele Blüten und Früchte.
tan mahodadhivat pūrṇaṃ nagaraṃ vai vyarocata dvāratoraṇaniryūhair yuktam abhracayopamaiḥ prāsādaśatasaṃbādhaṃ mahendrapurasaṃnibham
Die Stadt erstrahlte, angefüllt wie ein großer Ozean, mit Toren, Torbögen und wolkengleichen, hervortretenden Erkern, mit Hunderten von Palästen dicht bestanden, dem Palast Indras gleich.
Wort für Wort
tan mahodadhivat pūrṇaṃ nagaraṃ vai vyarocata dvāratoraṇaniryūhair yuktam abhracayopamaiḥ prāsādaśatasaṃbādhaṃ mahendrapurasaṃnibham
Die Stadt erstrahlte, angefüllt wie ein großer Ozean, mit Toren, Torbögen und wolkengleichen, hervortretenden Erkern, mit Hunderten von Palästen dicht bestanden, dem Palast Indras gleich.
Die südlichen Kurus wetteiferten damals mit den nördlichen Kurus [Uttarakuru] und wandelten so gemeinsam mit Siddhas, Sehern und Cāraṇas; es gab keinen Elenden mehr und keine Witwe.
Die südlichen Kurus wetteiferten damals mit den nördlichen Kurus [Uttarakuru] und wandelten so gemeinsam mit Siddhas, Sehern und Cāraṇas; es gab keinen Elenden mehr und keine Witwe.
In jenem lieblichen Land, das von Bhīṣma überall nach der Lehre beschützt wurde, o König, wurden von den Kurus viele Brunnen, Gärten, Versammlungshallen und Wasserstellen sowie Brahmanen-Wohnstätten angelegt.
In jenem lieblichen Land, das von Bhīṣma überall nach der Lehre beschützt wurde, o König, wurden von den Kurus viele Brunnen, Gärten, Versammlungshallen und Wasserstellen sowie Brahmanen-Wohnstätten angelegt.
babhūva ramaṇīyaś ca caityayūpaśatāṅkitaḥ sa deśaḥ pararāṣṭrāṇi pratigṛhyābhivardhitaḥ bhīṣmeṇa vihitaṃ rāṣṭre dharmacakram avartata
Jenes Land, mit Hunderten von Gedenkstätten und Opferpfählen gekennzeichnet, wurde lieblich und, nachdem es fremde Reiche in sich aufgenommen hatte, vermehrt; das von Bhīṣma im Reich eingerichtete Rad des Dharma drehte sich.
Wort für Wort
babhūva ramaṇīyaś ca caityayūpaśatāṅkitaḥ sa deśaḥ pararāṣṭrāṇi pratigṛhyābhivardhitaḥ bhīṣmeṇa vihitaṃ rāṣṭre dharmacakram avartata
Jenes Land, mit Hunderten von Gedenkstätten und Opferpfählen gekennzeichnet, wurde lieblich und, nachdem es fremde Reiche in sich aufgenommen hatte, vermehrt; das von Bhīṣma im Reich eingerichtete Rad des Dharma drehte sich.
saṃskāraiḥ saṃskṛtās te tu vratādhyayanasaṃyutāḥ śramavyāyāmakuśalāḥ samapadyanta yauvanam
Durch die vorgeschriebenen Sakramente geweiht, den Gelübden und dem Studium ergeben, in Übung und körperlicher Anstrengung geschickt, erreichten sie die Jugendreife.
Wort für Wort
saṃskāraiḥ saṃskṛtās te tu vratādhyayanasaṃyutāḥ śramavyāyāmakuśalāḥ samapadyanta yauvanam
Durch die vorgeschriebenen Sakramente geweiht, den Gelübden und dem Studium ergeben, in Übung und körperlicher Anstrengung geschickt, erreichten sie die Jugendreife.
dhanurvede 'śvapṛṣṭhe ca gadāyuddhe 'sicarmaṇi tathaiva gajaśikṣāyāṃ nītiśāstre ca pāragāḥ
In der Bogenkunst, im Reiten, im Kampf mit der Keule, mit Schwert und Schild, ebenso in der Elefantenlenkung und in der Staatslehre wurden sie vollendet.
Wort für Wort
dhanurvede 'śvapṛṣṭhe ca gadāyuddhe 'sicarmaṇi tathaiva gajaśikṣāyāṃ nītiśāstre ca pāragāḥ
In der Bogenkunst, im Reiten, im Kampf mit der Keule, mit Schwert und Schild, ebenso in der Elefantenlenkung und in der Staatslehre wurden sie vollendet.
In den Geschichtserzählungen (Itihāsa) und Purāṇas, in mancherlei Wissenschaften, o Gebieter, wurden sie kundig der Wahrheit der Veden und Vedāṅgas, in allem wohlgeübt.
In den Geschichtserzählungen (Itihāsa) und Purāṇas, in mancherlei Wissenschaften, o Gebieter, wurden sie kundig der Wahrheit der Veden und Vedāṅgas, in allem wohlgeübt.
Als man sah, dass das untergegangene Geschlecht Śaṃtanus wiederhergestellt worden war, verbreitete sich darüber lobende Kunde in der ganzen Welt, in allen Reichen –
Als man sah, dass das untergegangene Geschlecht Śaṃtanus wiederhergestellt worden war, verbreitete sich darüber lobende Kunde in der ganzen Welt, in allen Reichen –
von den Söhnen des Helden [Vicitravīrya] und der Tochter des Königs von Kāśī, von den Ländern angefangen mit Kurujāṅgala, von Bhīṣma, dem Kenner aller Dharmas, von der alten Stadt Gajasāhvaya [‚Elefantenstadt', Hāstinapura].
von den Söhnen des Helden [Vicitravīrya] und der Tochter des Königs von Kāśī, von den Ländern angefangen mit Kurujāṅgala, von Bhīṣma, dem Kenner aller Dharmas, von der alten Stadt Gajasāhvaya [‚Elefantenstadt', Hāstinapura].
[Anm.: Dieser Vers ist im Sanskrit stark verdichtet – eine listenartige Aufzählung der Gegenstände des allgemeinen Lobpreises, ohne durchgängige grammatische Verknüpfung.]
dhṛtarāṣṭras tv acakṣuṣṭvād rājyaṃ na pratyapadyata karaṇatvāc ca viduraḥ pāṇḍur āsīn mahīpatiḥ
Dhṛtarāṣṭra jedoch erlangte wegen seiner Blindheit nicht die Königsherrschaft, und Vidura wegen seiner [niedrigeren, aus einer Dienerin stammenden] Geburt (karaṇatva) ebenfalls nicht; so wurde Pāṇḍu der Herrscher.
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭras tv acakṣuṣṭvād rājyaṃ na pratyapadyata karaṇatvāc ca viduraḥ pāṇḍur āsīn mahīpatiḥ
Dhṛtarāṣṭra jedoch erlangte wegen seiner Blindheit nicht die Königsherrschaft, und Vidura wegen seiner [niedrigeren, aus einer Dienerin stammenden] Geburt (karaṇatva) ebenfalls nicht; so wurde Pāṇḍu der Herrscher.
[Anm.: ‚Karaṇatva' bezeichnet hier Viduras Status als Sohn einer Dienerin/niederen Mutter, der ihn von der Thronfolge ausschließt, obwohl er als weiser Kṣattṛ am Hof großen Einfluss behält.]