Kapitel 126: Karṇāṅgarājyābhiṣekaḥ
Karṇas Auftritt und Weihe zum König von Aṅga
Karṇa betritt den Turnierplatz und wiederholt vor aller Augen Arjunas gesamte Waffenschau, was Duryodhana zu spontaner Freundschaft und Arjuna zu Zorn bewegt. Als Karṇa Arjuna zum Zweikampf herausfordert, verweigert dieser den Kampf mit einem Nicht-Ebenbürtigen; Kṛpa verlangt daraufhin von Karṇa die Nennung seiner Herkunft, was ihn beschämt verstummen lässt, da seine wahre Abstammung unbekannt ist. Duryodhana löst die Pattsituation, indem er Karṇa auf der Stelle zum König von Aṅga weiht – womit dieser standesgemäß wird – und beide besiegeln eine lebenslange Freundschaft. Kuntī, die als Einzige die wahre, tragische Verwandtschaft zwischen den beiden Kontrahenten kennt, fällt vor Bestürzung in Ohnmacht und wird von Vidura wieder zu sich gebracht.
Vaiśaṃpāyana sprach: Als die Menschen, mit vor Staunen weit geöffneten Augen, ihm Raum gaben, betrat Karṇa, der Bezwinger feindlicher Städte, den weiten Turnierplatz.
Vaiśaṃpāyana sprach: Als die Menschen, mit vor Staunen weit geöffneten Augen, ihm Raum gaben, betrat Karṇa, der Bezwinger feindlicher Städte, den weiten Turnierplatz.
Im Jungfrauenleib empfangen, von großem Ruhm, Pṛthās Sohn, großäugig, ein Anteil der scharfstrahligen Sonne (Bhāskara) – Karṇa, der Vertilger der Feindesscharen.
Im Jungfrauenleib empfangen, von großem Ruhm, Pṛthās Sohn, großäugig, ein Anteil der scharfstrahligen Sonne (Bhāskara) – Karṇa, der Vertilger der Feindesscharen.
An Kraft und Tapferkeit dem Löwen, dem Stier und dem Elefantenfürsten gleich, an Glanz, Anmut, Strahlkraft der Sonne, dem Mond und dem Feuer vergleichbar.
An Kraft und Tapferkeit dem Löwen, dem Stier und dem Elefantenfürsten gleich, an Glanz, Anmut, Strahlkraft der Sonne, dem Mond und dem Feuer vergleichbar.
Hochgewachsen wie eine goldene Palme, von löwenhaftem Körperbau, jugendlich, von unzähligen Vorzügen, glanzvoll, der leibliche Sohn der Sonne (Bhāskara).
Hochgewachsen wie eine goldene Palme, von löwenhaftem Körperbau, jugendlich, von unzähligen Vorzügen, glanzvoll, der leibliche Sohn der Sonne (Bhāskara).
Er sprach, der Beste der Redner, mit einer Stimme, tief wie das Grollen der Wolken – ein Bruder zu seinem unwissenden Bruder, der Sohn der Savitṛ [Sonne] zum Sohn des Pākaśāsana [Indra]:
Er sprach, der Beste der Redner, mit einer Stimme, tief wie das Grollen der Wolken – ein Bruder zu seinem unwissenden Bruder, der Sohn der Savitṛ [Sonne] zum Sohn des Pākaśāsana [Indra]:
[Anm.: Dramatische Ironie des Erzählers – beide sind tatsächlich Brüder (Söhne Kuntīs von verschiedenen Göttern), was zu diesem Zeitpunkt keiner der beiden weiß.
‚Sohn Pṛthās, was du an außerordentlicher Tat vollbracht hast, das werde ich noch übertreffen, vor den Augen der Männer – gerate nicht in Staunen über dich selbst.'
‚Sohn Pṛthās, was du an außerordentlicher Tat vollbracht hast, das werde ich noch übertreffen, vor den Augen der Männer – gerate nicht in Staunen über dich selbst.'
karṇa uvāca kṛtaṃ sarveṇa me 'nyena sakhitvaṃ ca tvayā vṛṇe dvandvayuddhaṃ ca pārthena kartum icchāmi bhārata
Karṇa sprach: ‚Alles Übrige ist mir damit erfüllt – deine Freundschaft wähle ich; und einen Zweikampf mit dem Sohn Pṛthās begehre ich zu führen, o Bhārata.'
Wort für Wort
karṇa uvāca kṛtaṃ sarveṇa me 'nyena sakhitvaṃ ca tvayā vṛṇe dvandvayuddhaṃ ca pārthena kartum icchāmi bhārata
Karṇa sprach: ‚Alles Übrige ist mir damit erfüllt – deine Freundschaft wähle ich; und einen Zweikampf mit dem Sohn Pṛthās begehre ich zu führen, o Bhārata.'
Duryodhana sprach: ‚Genieße die Freuden mit mir zusammen, erweise unseren Verwandten Liebes; setze allen Übelgesinnten deinen Fuß auf das Haupt, o Feindebezwinger.'
Duryodhana sprach: ‚Genieße die Freuden mit mir zusammen, erweise unseren Verwandten Liebes; setze allen Übelgesinnten deinen Fuß auf das Haupt, o Feindebezwinger.'
Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf, sich selbst gleichsam beleidigt fühlend, sprach der Sohn Pṛthās zu Karṇa, der wie unbeweglich inmitten der Brüderschar stand:
Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf, sich selbst gleichsam beleidigt fühlend, sprach der Sohn Pṛthās zu Karṇa, der wie unbeweglich inmitten der Brüderschar stand:
karṇa uvāca raṅgo 'yaṃ sarvasāmānyaḥ kim atra tava phalguna vīryaśreṣṭhāś ca rājanyā balaṃ dharmo 'nuvartate
Karṇa sprach: ‚Dieser Turnierplatz gehört allen gemeinsam – was hast du damit zu schaffen, Phalguna? Den tapfersten Fürsten folgt die Kraft als Recht.'
Wort für Wort
karṇa uvāca raṅgo 'yaṃ sarvasāmānyaḥ kim atra tava phalguna vīryaśreṣṭhāś ca rājanyā balaṃ dharmo 'nuvartate
Karṇa sprach: ‚Dieser Turnierplatz gehört allen gemeinsam – was hast du damit zu schaffen, Phalguna? Den tapfersten Fürsten folgt die Kraft als Recht.'
‚Was sollen Schmähungen, die nur den Schwachen Trost spenden? Sprich mit Pfeilen, o Bhārata, solange ich dir heute vor den Augen des Lehrers mit Pfeilen den Kopf abschlage!'
‚Was sollen Schmähungen, die nur den Schwachen Trost spenden? Sprich mit Pfeilen, o Bhārata, solange ich dir heute vor den Augen des Lehrers mit Pfeilen den Kopf abschlage!'
vaiśaṃpāyana uvāca tato droṇābhyanujñātaḥ pārthaḥ parapuraṃjayaḥ bhrātṛbhis tvarayāśliṣṭo raṇāyopajagāma tam
Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf, von Droṇa ermächtigt, trat der Sohn Pṛthās, der Bezwinger feindlicher Städte, eilends von seinen Brüdern umarmt, ihm zum Kampf entgegen.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tato droṇābhyanujñātaḥ pārthaḥ parapuraṃjayaḥ bhrātṛbhis tvarayāśliṣṭo raṇāyopajagāma tam
Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf, von Droṇa ermächtigt, trat der Sohn Pṛthās, der Bezwinger feindlicher Städte, eilends von seinen Brüdern umarmt, ihm zum Kampf entgegen.
Zweigeteilt wurde der Turnierplatz, zwiegespalten wurde auch die Schar der Frauen; die Tochter des Kuntibhoja [Kuntī] aber, die den wahren Zusammenhang kannte, verfiel in Ohnmacht.
Zweigeteilt wurde der Turnierplatz, zwiegespalten wurde auch die Schar der Frauen; die Tochter des Kuntibhoja [Kuntī] aber, die den wahren Zusammenhang kannte, verfiel in Ohnmacht.
Zu den beiden, die ihre großen Bögen erhoben hatten, sprach Kṛpa, der Sohn Śaradvats, kundig in den Regeln des Zweikampfes, Kenner aller Rechtschaffenheit:
Zu den beiden, die ihre großen Bögen erhoben hatten, sprach Kṛpa, der Sohn Śaradvats, kundig in den Regeln des Zweikampfes, Kenner aller Rechtschaffenheit:
tvam apy evaṃ mahābāho mātaraṃ pitaraṃ kulam kathayasva narendrāṇāṃ yeṣāṃ tvaṃ kulavardhanaḥ tato viditvā pārthas tvāṃ pratiyotsyati vā na vā
‚So nenne auch du, Starkarmiger, deine Mutter, deinen Vater und die Familie, deren Geschlechtsmehrer der Fürsten du bist; danach wird der Sohn Pṛthās, dies erfahren habend, entscheiden, ob er gegen dich kämpft oder nicht.'
Wort für Wort
tvam apy evaṃ mahābāho mātaraṃ pitaraṃ kulam kathayasva narendrāṇāṃ yeṣāṃ tvaṃ kulavardhanaḥ tato viditvā pārthas tvāṃ pratiyotsyati vā na vā
‚So nenne auch du, Starkarmiger, deine Mutter, deinen Vater und die Familie, deren Geschlechtsmehrer der Fürsten du bist; danach wird der Sohn Pṛthās, dies erfahren habend, entscheiden, ob er gegen dich kämpft oder nicht.'
duryodhana uvāca ācārya trividhā yonī rājñāṃ śāstraviniścaye tatkulīnaś ca śūraś ca senāṃ yaś ca prakarṣati
Duryodhana sprach: ‚Lehrer, dreifach ist die Herkunft eines Königs nach der Lehre der Śāstras entschieden: von edler Geburt, ein Held, oder wer ein Heer anführt.'
Wort für Wort
duryodhana uvāca ācārya trividhā yonī rājñāṃ śāstraviniścaye tatkulīnaś ca śūraś ca senāṃ yaś ca prakarṣati
Duryodhana sprach: ‚Lehrer, dreifach ist die Herkunft eines Königs nach der Lehre der Śāstras entschieden: von edler Geburt, ein Held, oder wer ein Heer anführt.'
Vaiśaṃpāyana sprach: Da wurde in eben diesem Augenblick Karṇa, der große Wagenkämpfer, mit goldenen, mit gerösteten Körnern und Blüten gefüllten Krügen, von den mantrakundigen Priestern auf goldenem Sitz zum König des Landes Aṅga geweiht, der Mächtige, mit königlichem Glanz ausgestattet.
Vaiśaṃpāyana sprach: Da wurde in eben diesem Augenblick Karṇa, der große Wagenkämpfer, mit goldenen, mit gerösteten Körnern und Blüten gefüllten Krügen, von den mantrakundigen Priestern auf goldenem Sitz zum König des Landes Aṅga geweiht, der Mächtige, mit königlichem Glanz ausgestattet.
asya rājyapradānasya sadṛśaṃ kiṃ dadāni te prabrūhi rājaśārdūla kartā hy asmi tathā nṛpa atyantaṃ sakhyam icchāmīty āha taṃ sa suyodhanaḥ
‚Was soll ich dir geben, das dieser Verleihung eines Königreichs entspricht? Sprich, du Tiger unter den Königen – ich werde es tun, o Fürst.' – ‚Deine unwandelbare Freundschaft begehre ich', sprach jener Suyodhana [Duryodhana] zu ihm.
Wort für Wort
asya rājyapradānasya sadṛśaṃ kiṃ dadāni te prabrūhi rājaśārdūla kartā hy asmi tathā nṛpa atyantaṃ sakhyam icchāmīty āha taṃ sa suyodhanaḥ
‚Was soll ich dir geben, das dieser Verleihung eines Königreichs entspricht? Sprich, du Tiger unter den Königen – ich werde es tun, o Fürst.' – ‚Deine unwandelbare Freundschaft begehre ich', sprach jener Suyodhana [Duryodhana] zu ihm.