Kapitel 91: Mahābhiṣa-Gaṅgā-Vasusaṃvādaḥ
Mahābhiṣas Fall und der Bund zwischen Gaṅgā und den Vasus
König Mahābhiṣa erlangt durch tausend Aśvamedha- und hundert Vājapeya-Opfer den Himmel, wird aber, weil er beim Anblick der Flussgöttin Gaṅgā vor Brahmā nicht wie die übrigen Götter den Blick abwendet, von Brahmā zur Wiedergeburt als Sterblicher verurteilt; er wählt Pratīpa als seinen künftigen irdischen Vater. Gaṅgā selbst begegnet darauf den acht, von Vasiṣṭha verfluchten Vasu-Göttern, die als Menschen geboren werden müssen; sie vereinbaren mit ihr, dass sie als ihre Söhne geboren und von ihr sogleich ins Wasser zurückgeworfen werden sollen, um die Erlösung von ihrem Fluch zu beschleunigen – nur der jüngste soll, mit vereinten Kräften aller acht Vasus zumindest teilweise zeugungsstark, am Leben bleiben, doch selbst kinderlos sein. Damit ist die Vorgeschichte zu Śaṃtanus Ehe mit Gaṅgā und zur Geburt Bhīṣmas (des im Menschenleib verbliebenen achten Vasu) grundgelegt.
Vaiśaṃpāyana sprach: Es war einst ein König, ein Herr der Erde, aus dem Geschlecht des Ikṣvāku entsprossen, bekannt unter dem Namen Mahābhiṣa, wahrhaft in seinem Wort und wahrhaft in seiner Tapferkeit.
Vaiśaṃpāyana sprach: Es war einst ein König, ein Herr der Erde, aus dem Geschlecht des Ikṣvāku entsprossen, bekannt unter dem Namen Mahābhiṣa, wahrhaft in seinem Wort und wahrhaft in seiner Tapferkeit.
apadhyāto bhagavatā brahmaṇā sa mahābhiṣaḥ uktaś ca jāto martyeṣu punar lokān avāpsyasi
Da wurde jener Mahābhiṣa vom erhabenen Brahmā missbilligend angesehen und ihm gesagt: ‚Unter den Sterblichen geboren, wirst du die himmlischen Welten wiedererlangen.'
Wort für Wort
apadhyāto bhagavatā brahmaṇā sa mahābhiṣaḥ uktaś ca jāto martyeṣu punar lokān avāpsyasi
Da wurde jener Mahābhiṣa vom erhabenen Brahmā missbilligend angesehen und ihm gesagt: ‚Unter den Sterblichen geboren, wirst du die himmlischen Welten wiedererlangen.'
Da erwog jener Herrscher unter all den an Askese-Verdienst reichen Königen und wählte mit Wohlgefallen Pratīpa, den glanzreichen (künftigen) Vater, als Ort seiner Geburt.
Da erwog jener Herrscher unter all den an Askese-Verdienst reichen Königen und wählte mit Wohlgefallen Pratīpa, den glanzreichen (künftigen) Vater, als Ort seiner Geburt.
mahābhiṣaṃ tu taṃ dṛṣṭvā nadī dhairyāc cyutaṃ nṛpam tam eva manasādhyāyam upāvartat saridvarā
Als die Flussgöttin, die beste der Ströme, jenen König Mahābhiṣa sah, der aus seiner Standhaftigkeit gefallen war, kehrte sie, in Gedanken bei ihm verweilend, um.
Wort für Wort
mahābhiṣaṃ tu taṃ dṛṣṭvā nadī dhairyāc cyutaṃ nṛpam tam eva manasādhyāyam upāvartat saridvarā
Als die Flussgöttin, die beste der Ströme, jenen König Mahābhiṣa sah, der aus seiner Standhaftigkeit gefallen war, kehrte sie, in Gedanken bei ihm verweilend, um.
sā tu vidhvastavapuṣaḥ kaśmalābhihataujasaḥ dadarśa pathi gacchantī vasūn devān divaukasaḥ
Sie aber, deren Gestalt aufgelöst und deren Kraft von Trübsal geschlagen war, erblickte, auf dem Weg dahinschreitend, die Vasu-Götter, die Himmelsbewohner.
Wort für Wort
sā tu vidhvastavapuṣaḥ kaśmalābhihataujasaḥ dadarśa pathi gacchantī vasūn devān divaukasaḥ
Sie aber, deren Gestalt aufgelöst und deren Kraft von Trübsal geschlagen war, erblickte, auf dem Weg dahinschreitend, die Vasu-Götter, die Himmelsbewohner.
tathārūpāṃś ca tān dṛṣṭvā papraccha saritāṃ varā kim idaṃ naṣṭarūpāḥ stha kaccit kṣemaṃ divaukasām
Als sie diese in solcher Gestalt sah, fragte die beste der Flüsse: ‚Was ist dies, dass ihr eurer Gestalt beraubt seid? Steht es wohl gut um das Wohlergehen der Himmelsbewohner?'
Wort für Wort
tathārūpāṃś ca tān dṛṣṭvā papraccha saritāṃ varā kim idaṃ naṣṭarūpāḥ stha kaccit kṣemaṃ divaukasām
Als sie diese in solcher Gestalt sah, fragte die beste der Flüsse: ‚Was ist dies, dass ihr eurer Gestalt beraubt seid? Steht es wohl gut um das Wohlergehen der Himmelsbewohner?'
tām ūcur vasavo devāḥ śaptāḥ smo vai mahānadi alpe 'parādhe saṃrambhād vasiṣṭhena mahātmanā
Da sprachen die Vasu-Götter zu ihr: ‚Wir sind verflucht worden, o großer Strom, wegen eines geringen Vergehens, aus Zorn, von dem großherzigen Vasiṣṭha.'
Wort für Wort
tām ūcur vasavo devāḥ śaptāḥ smo vai mahānadi alpe 'parādhe saṃrambhād vasiṣṭhena mahātmanā
Da sprachen die Vasu-Götter zu ihr: ‚Wir sind verflucht worden, o großer Strom, wegen eines geringen Vergehens, aus Zorn, von dem großherzigen Vasiṣṭha.'
vimūḍhā hi vayaṃ sarve pracchannam ṛṣisattamam saṃdhyāṃ vasiṣṭham āsīnaṃ tam atyabhisṛtāḥ purā
‚Denn töricht waren wir alle: Wir haben einst den besten der Seher, Vasiṣṭha, der verborgen in der Dämmerungsandacht saß, missachtend überlaufen.'
Wort für Wort
vimūḍhā hi vayaṃ sarve pracchannam ṛṣisattamam saṃdhyāṃ vasiṣṭham āsīnaṃ tam atyabhisṛtāḥ purā
‚Denn töricht waren wir alle: Wir haben einst den besten der Seher, Vasiṣṭha, der verborgen in der Dämmerungsandacht saß, missachtend überlaufen.'
[Anm.: Dieser Vers spielt knapp auf die bekanntere, an anderer Stelle der Tradition ausführlicher erzählte Geschichte vom Diebstahl der Wunschkuh Nandinī durch die acht Vasus an, für den Vasiṣṭha sie verflucht hatte; die volle Erzählung wird in diesem Kapitel der kritischen Ausgabe nicht eigens nachgeholt.]
tena kopād vayaṃ śaptā yonau saṃbhavateti ha na śakyam anyathā kartuṃ yad uktaṃ brahmavādinā
‚Von ihm wurden wir im Zorn verflucht: »In einem Mutterschoß sollt ihr entstehen!« Es lässt sich nicht anders wenden, was der Brahma-Kundige ausgesprochen hat.'
Wort für Wort
tena kopād vayaṃ śaptā yonau saṃbhavateti ha na śakyam anyathā kartuṃ yad uktaṃ brahmavādinā
‚Von ihm wurden wir im Zorn verflucht: »In einem Mutterschoß sollt ihr entstehen!« Es lässt sich nicht anders wenden, was der Brahma-Kundige ausgesprochen hat.'
‚Darum sollst du, eine Menschin geworden, uns, die Vasus, als Söhne auf der Erde gebären; wir wollen nicht in den unheilvollen Mutterleib menschlicher Frauen eingehen.'
‚Darum sollst du, eine Menschin geworden, uns, die Vasus, als Söhne auf der Erde gebären; wir wollen nicht in den unheilvollen Mutterleib menschlicher Frauen eingehen.'
Gaṅgā sprach: ‚Auch mir ist es so recht, ihr Götter, wie ihr gesagt habt, ihr Sündenlosen; ich werde ihm zu Gefallen sein, und auch euer Wunsch soll erfüllt werden.'
Gaṅgā sprach: ‚Auch mir ist es so recht, ihr Götter, wie ihr gesagt habt, ihr Sündenlosen; ich werde ihm zu Gefallen sein, und auch euer Wunsch soll erfüllt werden.'
vasava ūcuḥ jātān kumārān svān apsu prakṣeptuṃ vai tvam arhasi yathā nacirakālaṃ no niṣkṛtiḥ syāt trilokage
Die Vasus sprachen: ‚Du sollst uns, sobald wir als Knaben geboren sind, ins Wasser werfen, damit unsere Erlösung, o Durchwandlerin der drei Welten, nicht lange auf sich warten lässt.'
Wort für Wort
vasava ūcuḥ jātān kumārān svān apsu prakṣeptuṃ vai tvam arhasi yathā nacirakālaṃ no niṣkṛtiḥ syāt trilokage
Die Vasus sprachen: ‚Du sollst uns, sobald wir als Knaben geboren sind, ins Wasser werfen, damit unsere Erlösung, o Durchwandlerin der drei Welten, nicht lange auf sich warten lässt.'
Gaṅgā sprach: ‚So werde ich es tun. Doch soll ihm auch ein Sohn bestimmt werden; nicht vergeblich soll seine Vereinigung mit mir sein, um eines Sohnes willen.'
Gaṅgā sprach: ‚So werde ich es tun. Doch soll ihm auch ein Sohn bestimmt werden; nicht vergeblich soll seine Vereinigung mit mir sein, um eines Sohnes willen.'
vasava ūcuḥ turīyārdhaṃ pradāsyāmo vīryasyaikaikaśo vayam tena vīryeṇa putras te bhavitā tasya cepsitaḥ
Die Vasus sprachen: ‚Wir werden, jeder von uns, ein Achtel unserer Kraft hingeben [?]; durch diese Kraft wird dir ein Sohn geboren werden, der auch ihm willkommen sein wird.'
Wort für Wort
vasava ūcuḥ turīyārdhaṃ pradāsyāmo vīryasyaikaikaśo vayam tena vīryeṇa putras te bhavitā tasya cepsitaḥ
Die Vasus sprachen: ‚Wir werden, jeder von uns, ein Achtel unserer Kraft hingeben [?]; durch diese Kraft wird dir ein Sohn geboren werden, der auch ihm willkommen sein wird.'
[Anm.: 'turīyārdham' bedeutet wörtlich 'die Hälfte eines Viertels', also ein Achtel – passend zur Achtzahl der Vasus, von denen jeder einen Anteil an der Zeugungskraft beisteuert.]