Kapitel 9: Pauloma-parva (Fortsetzung): Pramadvarās Wiederbelebung und Rurus Schlangen-Gelübde
Pauloma-parva (Fortsetzung): Pramadvarās Wiederbelebung durch Lebenszeit-Teilung, Hochzeit und Rurus Gelübde gegen die Schlangen — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)
Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,009.001“ bis „01,009.022“). Ruru klagt im Wald um die tote Pramadvarā; ein Götterbote (devadūta) bietet ihm ein von den Göttern eingerichtetes Mittel an: er soll ihr die Hälfte seiner eigenen Lebenszeit abtreten. Gandharva-König (Pramadvarās Vater) und Götterbote holen die Zustimmung Dharmarājas (Yama, des Totengottes) ein; Pramadvarā erwacht wieder zum Leben, und die Hochzeit wird vollzogen. Aus Dankbarkeit und Zorn über den Schlangenbiss legt Ruru ein Gelübde ab, fortan alle Schlangen zu töten – eine Vorgeschichte, die später (in der Sarpasatra-Rahmenerzählung) mit Janamejayas eigenem Schlangenopfer zusammenklingt. Der Adhyāya endet mit Rurus Angriff auf einen alten, harmlosen Ḍuṇḍubha, der ihn anspricht — Auftakt zur folgenden Lehre über Gewaltlosigkeit (Adhyāya 10). Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.
śete sā bhuvi tanvaṅgī mama śokavivardhinī | bāndhavānāṃ ca sarveṣāṃ kiṃ nu duḥkham ataḥ param
„Da liegt sie am Boden, die Schlankgliedrige, die meinen Kummer vermehrt, und den aller meiner Verwandten – was für ein Leid könnte größer sein als dieses?
Wort für Wort
śete sā bhuvi tanvaṅgī mama śokavivardhinī | bāndhavānāṃ ca sarveṣāṃ kiṃ nu duḥkham ataḥ param
„Da liegt sie am Boden, die Schlankgliedrige, die meinen Kummer vermehrt, und den aller meiner Verwandten – was für ein Leid könnte größer sein als dieses?
yadi dattaṃ tapas taptaṃ guravo vā mayā yadi | samyag ārādhitās tena saṃjīvatu mama priyā
Wenn ich Gaben gegeben, Askese geübt habe, oder wenn meine Lehrer von mir recht verehrt worden sind – durch dies möge meine Geliebte wieder lebendig werden.
Wort für Wort
yadi dattaṃ tapas taptaṃ guravo vā mayā yadi | samyag ārādhitās tena saṃjīvatu mama priyā
Wenn ich Gaben gegeben, Askese geübt habe, oder wenn meine Lehrer von mir recht verehrt worden sind – durch dies möge meine Geliebte wieder lebendig werden.
devadūta uvāca | abhidhatse ha yad vācā ruro duḥkhena tan mṛṣā | na tu martyasya dharmātmann āyur asti gatāyuṣaḥ
Der Götterbote sprach: „Was du, o Ruru, im Schmerz mit Worten sprichst, das ist vergeblich; denn für einen Sterblichen, o Rechtschaffener, dessen Lebenszeit abgelaufen ist, gibt es kein Leben mehr.
Wort für Wort
devadūta uvāca | abhidhatse ha yad vācā ruro duḥkhena tan mṛṣā | na tu martyasya dharmātmann āyur asti gatāyuṣaḥ
Der Götterbote sprach: „Was du, o Ruru, im Schmerz mit Worten sprichst, das ist vergeblich; denn für einen Sterblichen, o Rechtschaffener, dessen Lebenszeit abgelaufen ist, gibt es kein Leben mehr.
Ihre Lebenszeit ist abgelaufen, dieser bemitleidenswerten Tochter des Gandharven und der Apsaras; darum, mein Sohn, richte deinen Sinn keinesfalls auf Kummer.
Ihre Lebenszeit ist abgelaufen, dieser bemitleidenswerten Tochter des Gandharven und der Apsaras; darum, mein Sohn, richte deinen Sinn keinesfalls auf Kummer.
Doch es gibt hierfür ein Mittel, das einst von den hochgesinnten Göttern eingerichtet wurde; wenn du bereit bist, dieses anzuwenden, wirst du diese Pramadvarā zurückerlangen.“
Doch es gibt hierfür ein Mittel, das einst von den hochgesinnten Göttern eingerichtet wurde; wenn du bereit bist, dieses anzuwenden, wirst du diese Pramadvarā zurückerlangen.“
Ruru sprach: „Welches Mittel wurde von den Göttern eingerichtet? Sage es mir der Wahrheit gemäß, o Luftwandler; ich werde es, sobald ich es gehört habe, so ausführen – du sollst mich retten.“
Ruru sprach: „Welches Mittel wurde von den Göttern eingerichtet? Sage es mir der Wahrheit gemäß, o Luftwandler; ich werde es, sobald ich es gehört habe, so ausführen – du sollst mich retten.“
Ruru sprach: „Die Hälfte meiner Lebenszeit gebe ich dem Mädchen hin, o Vortrefflichster der Luftwandler; mit ihrer lieblichen Gestalt und ihrem Schmuck möge meine Geliebte aufstehen.“
Ruru sprach: „Die Hälfte meiner Lebenszeit gebe ich dem Mädchen hin, o Vortrefflichster der Luftwandler; mit ihrer lieblichen Gestalt und ihrem Schmuck möge meine Geliebte aufstehen.“
„O Dharmarāja, durch die Hälfte von Rurus Lebenszeit möge Pramadvarā, Rurus Gattin, die Glückverheißende, auferstehen – die ja tot ist –, wenn du zustimmst.“
„O Dharmarāja, durch die Hälfte von Rurus Lebenszeit möge Pramadvarā, Rurus Gattin, die Glückverheißende, auferstehen – die ja tot ist –, wenn du zustimmst.“
Dharmarāja sprach: „Wenn du es wünschst, o Götterbote, möge Pramadvarā, Rurus Gattin, durch die Hälfte von eben Rurus Lebenszeit ausgestattet, auferstehen.“
Dharmarāja sprach: „Wenn du es wünschst, o Götterbote, möge Pramadvarā, Rurus Gattin, durch die Hälfte von eben Rurus Lebenszeit ausgestattet, auferstehen.“
Sūta sprach: Als dies gesagt war, erhob sich da jenes Mädchen Pramadvarā, mittels der Hälfte von Rurus Lebenszeit, wie aus dem Schlaf erwachend, die Schönfarbige.
Sūta sprach: Als dies gesagt war, erhob sich da jenes Mädchen Pramadvarā, mittels der Hälfte von Rurus Lebenszeit, wie aus dem Schlaf erwachend, die Schönfarbige.
Dies war nämlich vorherbestimmt, dass von Rurus, des höchst glanzvollen, überaus verlängerter Lebenszeit die Hälfte um der Gattin willen abnehmen sollte.
Dies war nämlich vorherbestimmt, dass von Rurus, des höchst glanzvollen, überaus verlängerter Lebenszeit die Hälfte um der Gattin willen abnehmen sollte.
Er, nachdem er die schwer zu erlangende Gattin erlangt hatte, von der Farbe des Lotus-Blütenstaubs, legte, seinen Gelübden treu, das Gelübde ab, die Kriechtiere [Schlangen] zu vernichten.
Er, nachdem er die schwer zu erlangende Gattin erlangt hatte, von der Farbe des Lotus-Blütenstaubs, legte, seinen Gelübden treu, das Gelübde ab, die Kriechtiere [Schlangen] zu vernichten.
nāparādhyāmi te kiṃ cid aham adya tapodhana | saṃrambhāt tat kimarthaṃ mām abhihaṃsi ruṣānvitaḥ
„Ich habe dir heute nichts zuleide getan, o Asketenreicher; weshalb schlägst du mich in Zorn und Wut?“
Wort für Wort
nāparādhyāmi te kiṃ cid aham adya tapodhana | saṃrambhāt tat kimarthaṃ mām abhihaṃsi ruṣānvitaḥ
„Ich habe dir heute nichts zuleide getan, o Asketenreicher; weshalb schlägst du mich in Zorn und Wut?“
[Anm.: Adhyāya 9 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei, mitten in der Begegnung mit dem Ḍuṇḍubha (einer harmlosen, ungiftigen Schlangenart); die Antwort und die daraus folgende Belehrung Rurus über Gewaltlosigkeit gegenüber unschädlichen Kriechtieren folgt in Adhyāya 10.]